Skip to main content

Full text of "Untersuchungen über die Edessenische Chronik: Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur 9"

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non- commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at jhttp : //books . qooqle . com/ 




Über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google -Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 



Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 



Texte und 
Untersuchun... 
zur Geschichte 
der 
altchristlichen . 



Preussische 
Akademie der 
Wissenschaften 



I 




CLASSICAL SEMINARY 
PRINCETON UNIVERSITY 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 



ZUR GESCHICHTE DER 



ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



OSCAB von GEBHARDT und ADOLF HAMACK 



IX. BAND 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893 



Digitized by tjOOQlC 






Digitized by 



Google 



INHALT DES NEUNTEN BANDES. 



Hallier, Ludwig, Untersuchungen über die Edessenische Chronik. Mit 
dem syrischen Text und einer Übersetzung. VI, 170 S. 1892. 

Raabe, Dr. Richard, Die Apologie des Aristides. Aus dem Syrischen 
übersetzt, mit Beiträgen zur Textvergleichung und Anmer- 
kungen. IV, 97 S. 1892. 



Heft 1. 



Harnack, Adolf, Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse % 

des Petrus. III, 78 S. 1893. (2. verbesserte und erweiterte Auflage. > Heft 2. 
VIII, 98 S. 1893.) I 

Weiss, D. Bernhard, Die Apostelgeschichte. Textkritische Unter- \ rr «. om 
Buchungen und Textherstellung. 313 S. 1893. ) e ' 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER 

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

HERAUSGEGEBEN VON 

OSCAR v<w GEBIARDT und ABOLF IAMACK. 

IX. BAND. HEFT 1. 
UNTERSUCHUNGEN ÜBER DIE 

EDESSENISCHE CHRONIK. 

MIT DEM SYBISCHEN TEXT UND EINER ÜBERSETZUNG 

HERAUSGEGEBEN VON 

LUDWIG HALLIER. 

DIE APOLOGIE DES ARISTIDES. 

AUS DEM SYRISCHEN ÜBERSETZT 

UND MIT BEITRÄGEN ZUR TEXTVERGLEICHUNG 

UND ANMERKUNGEN HERAUSGEGEBEN 

VON 

Dr. RICHARD i UjUBB,,,,,^ 



LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1892. 



Digitized by 



Google 



Verlag der J. C. HINRICHS'schen Bachhandlung in Leipzig. 

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der 

Altchristlichen Literatur 

von Oscar von Gebhardt und Adolf Haruaek. 

Band I— IV auf Seite II des Umschlags. 



V, 1. Der pseudocyprianische Tractat de aleaioribus, die älteste lateinische christ- 
liche Schrift, ein Werk des römischen Bischofs Victor I. (saec. II.}, von 
Adolf Harnaok. V~, 185 S. 1888. M. 4.50 

V, 2. Die Abfassungszeit der Schriften Tertullians von Ernst Mooldochen. 

Neue Fragmente d. Papias, Hegesippus u. Pierins in bisher unbekannten 
Excerpten aus der Kirekengeschichte der Philippus Sidetes von C. de Boor. 
184 S. 1888. M. 6 — 

V, 8. Das Hebräerevangelium, ein Beitrag zur Geschichte und Kritik des hebräischen 
Matthäus von Lic. Rad. Handmann. 111. 14* S. 1888. M. 4.50 

V, 4. Agrapha. Aussercanonische Evangelienfragmente, gesammelt u. untersucht 
von Kirchenrath Alfred Rosoh. — Anhang: Das Evangelienfragment von 
Fajjum von Adolf Harnaok. XII, 520 S. 1889. M. 17 — 

VI, 1. Die Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celsus in den Hand- 
schriften dieses Werkes und der Pbilokalia. Prolegomena zu einer 
kritischen Ausgabe von Dr. phil. Paul Kötsokau. VII, 157 8. u. 1 Tafel. 1889. 

M. 5.50 

VI, 2. Der Paulinismus des Irenaeus. Eine kirchen- und dogmengeschichtliche Unter- 
suchung über das Verhältnis des Irenaeus zu der Paulinischen Briefsammlung 
und Theologie von Privatdoc. Lic. Dr. Jons. Werner. V, 218 S. 1889. M. 7 — 

VI, 8. Die gnostischen Quellen Hippolyts in seiner Hanptschrift gegen die Häretiker 

von Hans Staehelin. 

Sieben neue Bruchstücke der Syllogismen des Apelles. — Die Gwynn'schen 

Cajus- und Hippolytus-Fragmente. Zwei Abhandlungen von Adolf Harnaok. 

III, 133 S. 1890. M. 4.50 

VI, 4. Die ältesten Quellen des orientalischen Kirchenrechts. 1. Buch: 

Die Ganones Hippolyti von Dr. Hans Aohells. VIH, 295 S. 1891. M. 9.50 

VII, 1. Die Johannes- Apokalypse. Textkritische Untersuchungen u. Textherstellung 
von D. Bernh. Weist. VI, 225 S. 1891. M. 7 — 

VII, 2. Ueber das gnostische Buch Pistis-Sonhia. — Brod u. Wasser : die eucharistischen 
Elemente bei Justin. 2 Untersuchungen von Adolf Harnaok. IV, 144 S. 1890. 

M. 4.- 

VII, 8/4. Apollinarios von Laodicea. Sein Leben u. seine Schriften. Nebst e. An- 

hang: Apollinarii Laodiceni quae supersunt dogmatica. Von Oberlehrer Dr. 
Ions. BrfcteM. X1Y, ^4 S. 1892. M. 16.— 

VIII, 1/2. GnootischV Texte in kcpubcher Sprache von Dr. Carl Sohmldt. 
Erscheint im Oktober. 

VIII, 3. \ ße TCatlöllbChen Briefe Textkritische Untersuchungen und Textherstellung 

;vQu:I>..^eb»b. WeUs. VI, 230 S. 1892. M. 7.50 

VIU, 4. Die^ griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullians. — Medicinisches 

aus der. &l**ete»i Kirrbensescjbjchte. — Zwei Abhandlungen von Adolf 

Ha/Satt. -III. 452 S. }8fi* : : ; M. 5 — 

IX, t. Unter^'ichiüigen über die E£ess£nische Chronik. Mit dem syrischen Text 

und einer Übersetzung herausgegeben von Ludwig Haider. VI, 170 S. 

Die Apologie des Aristides. Aus dem Syrischen übersetzt und mit Beiträgen 

zur Textvergleichung und Anmerkungen herausgegeben von Dr. Riohard 

Raabe. IV, 97 S. 1892. M. 8.50 

X. Aussercanonische Paralleltexte zu den Evangelien gesammelt n. untersucht 

von Alfred Resch. l. Heft. Textkritische u. quellenkritische Grundlegung. 

Erscheint im Oktober. 



Digitized by LjOCKMC 



UNTERSUCHUNGEN 

ÜBER DIE 

EDESSENISCHE CHRONIK. 

MIT DEM SYRISCHEN TEXT 

UND 

EINER ÜBERSETZUNG 

HEBAUSOEGEBFA 1 VON 

LUDWIG HALLIER. 







LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG. 

1892. 



Digitized by 



Google 



k »• • • • < 



'* VÜ'vJ] 



Digitized by 



Google 



MEINEM VEREHRTEN LEHRER 
HERRN 

PßOFESSOB Dr. FRIEDRICH PHILIPPI 

IN 
ROSTOCK 

AUS DANKBARKEIT 
GEWIDMET. 



Jül 22-906 lö 4 710 

Digitized by LjOOQK 



Digitized by 



Google 



Vorwort. 



Die vorliegenden Untersuchungen über die Edessenische 
Chronik verdanken ihre Entstehung der Anregung meines ver- 
ehrten Lehrers, Herrn Professor Dr. Nöldeke, dem ich flir die 
Benutzung seiner reichen historischen Materialsammlung wie für 
manche andere wertvolle Unterstützung der Arbeit meinen auf- 
richtigsten Dank schulde. Ich darf wohl hoffen, dass die kleine 
Schrift dem Historiker nicht unerwünscht kommt, und ich hoffe 
es um so mehr, als infolge der Eigenart unserer Chronik, welche 
die eingehende Benutzung eines grossen Teils der byzantinischen 
und syrischen Geschichtsschreiber vernotwendigte, auch Quellen- 
verhältnisse anderer, besonders syrischer Historiker, soweit es der 
Rahmen der eigentlichen Arbeit gestattete, besprochen werden. 
Es ist meine Absicht, der Arbeit baldmöglichst Untersuchungen 
über Zacharias von Mitylene und vor allen Dingen über Johannes 
von Ephesus folgen zu lassen. 

Die Veröffentlichung des syrischen Textes, die das eigent- 
liche Verdienst des Herrn Prof. Guidi ist, wird der Orientalist 
vom Fach gewiss begrüssen. Wie notwendig sie ist, beweist 
vor allen anderen Mängeln des Textes bei Assemani (Bibliotheca 
orientalis B. I) der Umstand, dass dieser verdienstvolle Gelehrte 
die Orthographie des immerhin alten Codex willkürlich geändert hat. 
Hinsichtlich der Übersetzung mit dem geschichtlichen Kom- 
mentar kam es mir vor allen Dingen darauf an, die Parallelbe- 
richte syrischer Quellen heranzuziehen und dem Geschichtsforscher 



Digitized by. 



Google 



VI Vorwort 

zugänglich zu machen. In dieser Beziehung, wie auch in der 
Ausmerzung der Übersetzungsfehler Assemanis glaube ich eine 
keineswegs überflüssige Nacharbeit geleistet zu haben. 

Zum Schlüsse sei es mir gestattet, gleich obengenannten 
Herren auch Herrn Professor Neumann in Strassburg, den Her- 
ausgebern dieser Hefte, Herrn Professor Dr. Harnack und Herrn 
Dr. von Qebhardt, und dem verehrten Verleger, Herrn Rost, flir 
die bereitwillige Unterstützung und die bewiesene gütige Nach- 
sicht meinen besten Dank auszusprechen. Meine Freunde, Herr 
Fr. W. Bauer, nunmehr Vikar zu Teutschneureuth (Baden), und 
Herr Dr. Brockelmann, z. Z. in Rostock, haben mich in dankens- 
werter Weise bei der Korrektur und der Anfertigung des Registers 
unterstützt. 

Mietesheim (Unter-Elsass), im August 1892. 

Ludwig Hallier. 



Digitized by 



Googl e 



§ 1. 

Einleitung. 

Das rege Interesse, das man seit frühen Zeiten an der 
alten Königstadt Orhäi— Edessa genommen hat, wurzelt be- 
kanntlich in der frommen Sage des Briefwechsels zwischen 
Jesias und dem Konige von Osroene, Abgar Ukkämä. Das frei- 
lich, was das fromme Gemüt eines gläubigen Christen Jahr- 
hunderte hindurch zu befriedigen vermochte, hat das Wahr- 
heitsstreben der historischen Forschung unserer Tage nicht zu- 
frieden gestellt. Allein wennschon vor der historischen Kritik 
die Sage sich verflüchtigen musste, so ist doch damit das In- 
teresse an Edessa nicht erloschen, im Gegenteil durch die Ge- 
schichtswissenschaft neu angeregt und belebt worden. Abge- 
sehen von der Abgarsage, die mit Recht den Hauptgegenstand 
der Untersuchungen gebildet hat und noch bildet, sind es einer- 
seits die edessenische Königsreihe der Chronik des Dionysius 
-von TeUmabrS, andererseits die sogenannte Edessenische Chronik, 
die unsere Beachtung verdienen. Erstere ist eingehend von Alfred 
von Gutschmid untersucht worden, der die gesicherten Resultate 
seiner jahrelangen Arbeit kurz vor seinem Tode in den Memoires 
de l'Academie imperiale des Sciences de St. Petersbourg ( VII e Serie, 
Tom. XXXV, Heft 1) veröffentlicht hat, letztere ist der Gegen- 
stand vorliegender Arbeit. 

Die Edessenische Chronik — so schlechthin von und seit 
Assemani genannt — führt in Wahrheit den Titel „Erzählungen 
der Begebenheiten im Abriss", der mit mehr Recht indes „Er- 
zählungen der edessenischen Begebenheiten im Abriss" lauten 
sollte; denn wenn auch nur ungefähr die Hälfte der 106 Be- 
Texte u. Untersuchungen IX, 1. 1 



Digitized by 



Google 



2 § 1. Einleitung. 

richte 1 ) edessenische Angelegenheiten behandelt, so überwiegen 
doch diese die übrigen an Umfang und an Wert. Letzterer besteht 
vornehmlich in der edessenischen Bischofsliste und in dem aus 
dem königlichen Archive zu Edessa stammenden ersten •Über- 
schwemmungsbericht, einem der ältesten Erzeugnisse der uns er- 
haltenen syrischen Litteratur 2 ), aus der Zeit, da die edessenische 
Staatsgewalt noch heidnisch war. Auch hinsichtlich der Zeitan- 
gaben unterscheiden sich die speciell auf Edessa bezüglichen An- 
gaben von den übrigen. Während diese in der Datirung vielfach 
ungenau sind, zeichnen sich jene, soweit uns durch anderweitige 
Berichte oder chronologische Berechnungen hier überhaupt eine 
Kontrolle ermöglicht wird, mit wenigen Ausnahmen 3 ) durch grosse 
Genauigkeit aus. Wie nun einmal durch das Vorherrschen edesse- 
nischer Geschichtsberichte, dann auch durch die Genauigkeit ihrer 
Datierung die edessenische Herkunft der Chronik gewährleistet 
wird, so weist die Thatsache, dass über die Hälfte (ca. 60) aller 
Angaben kirchengeschichtlichen Inhalts sind, darauf hin, dass die 
Chronik in kirchlichen Kreisen entstanden ist Ihr Verfasser ist 
sicherlich ein Presbyter oder eine andere Persönlichkeit der Kirche 
von Edessa; ihr Zweck zugleich ein kirchlicher, sie selbst also 
kirchlichen Interessen oder denen einer Partei in der Kirche dienend. 
Die Edessenische Chronik ist uns in einer einzigen, sehr 
alten Handschrift der vatikanischen Bibliothek erhalten, die aus 
sechs Pergamentblättern besteht und in prächtigem Estrangelo 
geschrieben ist. 4 ) Sie wurde zuerst von Joseph Simeon Assemani 



1) Ungefähr 55 Angaben handeln Über edessenische Angelegenheiten, 
davon 28 über die edess. Bischöfe, 9 über kirchliche Bauten und die 
kirchlichen Verhältnisse in Edessa u. dgl., 5 über die Überschwemmungen» 
5 über edess. Heilige u. s. w. 

2) Bardesanische Hymnen und vor allem die Übersetzung des Alten 
Testaments und auch wohl des N. T. sind wahrscheinlich älter. 

3) Völlig verwirrt ist nur No. LX1V, siehe weiter unten. 

4) Stephan. Euod. Assemani Bibliothecae apost.-vatic. Codic. manu- 
script. Catal. pars I tom. III, pg.329. No. CLXIII: Codex in fol. membraneus 
pervetustus, foliis 6 constans, Syriacis litteris stronghylis exaratus, inter 
Syriacos Codices a nobis in Vaticanam Bibliothecam inlatos, olim Duo- 
decimu8, quo continetur: Chronicon Edessenum, ex Archivo Ecclesiae 
Edessenae desumptum etc. Dasselbe Zeugnis giebt Guidi in einem 
Briefe an Nöldeke der Handschrift: ms., che e in un magnifico carattere 
e generalmente cosi ben conservato che pare scritto da poco. 



Digitized by 



Google 



§ 1. Einleitung. 3 

in seiner Bibliotheca Orientalis Clementino-Vaticana zugleich mit 
einer Übersetzung veröffentlicht j ) und ist dann unverändert von 
Johannes David Michaelis in seiner Chrestomathie 2 ) abgedruckt 
worden. Eine englische Uebersetzung der Chronik soll nach 
W. Wright in dem Journal of Sacred Literature 1864 3 ) erschie- 
nen sein, doch ist es uns nicht gelungen, diese Übersetzung auf- 
zufinden. 

Was die Quellenverhältnisse, die Zeit der Abfassung der 
Chronik, sowie die dogmatische Stellung ihres Verfassers an- 
betrifft, so haben bislang die Aufstellungen Assemanis Gültig- 
keit behalten. Assemani sagt (BO. I 387): „Quis fuerit Chronici 
Edesseni Auetor, et qua aetate noruerit, nobis hactenus incom- 
pertum est. IUud tarnen satis constat, eum Catholicam fidem 
coluisse, tum quia quatuor sacras Synodos sese admittere declarat 
ad annum Graecorum 838, tum etiam quia impugnatores Con- 
cilii Ephesini, aut Chalcedonensis diserte rejicit, Orthodoxos 
Viros impense commendans: quod Catholicorum erat illius 
temporis, quo ipse vixit, certissimum indicium. Vixisse autem 
videtur circa annum Christi 550, quum Historiam suam usque 
ad annum 540 produxerit, ut mox patebit: Quam quidem ipsum 
ex Archivo Ecclesiae Edessenae descripsisse, ostenditur ex 
initio, ex progressu, et ex fine ejusdem. Nam initio quidem 
hujus Historiae describit aquarum eluvionem quae Edessam 
obruit sub Severo Imperatore et Abgaro rege, seeundum Acta 
per Notarios olim excepta, et in Archivo publico conservata, 
quae nos in suum locum conjeeimus. Deinde totus fere est 
Auetor in recensenda Episcoporum Edessenorum serie, eorumque 



1) Tomu8 I de scriptoribus syris orthodoxis pg. 387 — 417 mit zwei 
Anhangen über die edessenischen Könige nach Dionysius von Tellmahrö 
(bis pg. 423) und die edessen. Bischöfe (bis pg. 429). 

2) Joh. David Michaelis, Syrische Chrestomathie, erster Teil. Götting. 
1768 pg. 46—74. 

3) Vol. 5 (new aeries) pg. 28 sq. nach W. Wright, Syriac Literature in 
der Encyclopaedia Britannica XXII pg. 835. Vgl. auch Nestle in der 
Bibliographie der syr. Litteratur, die er seiner Grammatik beigefügt hat. 
In dem genannten Bande steht die Übersetzung nicht. Mein Freund, 
Herr Dr. Fr. Müller, wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Königl. Ethno- 
graphischen Museum zu Berlin, hat sich der Mühe unterzogen, das Journal 
durchzusehen, doch ohne Erfolg. Anscheinend liegt ein Versehen bei 
Wright vor. 

1* 



Digitized by 



Google 



4 § 1. Einleitung. 

rebus gestis describendis. Ibi demum finem scribendi facit, ubi 
Pastores Jacobitae Ecclesiam illam invadere coeperunt. Ahnlich 
urteilen Abbeloos und Lamy in ihrer Ausgabe von Bar Hebr. 

Chronicon Ecclesiasticum (I pg. 65/66 Note 1): „ ex 

Chronico Edesseno, quod quidem fuit, medio saeculo VI, a scrip- 
tore anonymo et catholicae fidei addicto ex Archivo Edessenae 
ecclesiae confectum." W. Wright dagegen und Rev. George 
Salmon folgen Assemani nicht mehr so streng, obgleich sie 
seine Ansichten im allgemeinen gelten lassen. Wright 1 ) stellt 
ausser der Benutzung des edessenischen Archivs auch die der 
Chronik Josuas des Styliten fest, und, da er sich über die dog- 
matische Stellung des Verfassers nicht klar und bestimmt aus- 
drückt, sondern sich mit der Anerkennung seiner für seine Zeit 
ungewöhnlichen Milde in theologischen Dingen begnügt, scheint 
auch sein Standpunkt zur Orthodoxie des Verfassers nicht mehr 
der Assemanis zu sein. Salmon 2 ) hält ihn für orthodox, be- 
merkt aber, dass eine zweifelhafte Stelle (No. LV) ihn in den 
Verdacht der pelagianischen Häresie bringt 

Wir müssen anerkennen, dass durch die Urteile dieser 
beiden Gelehrten Assemanis Aufstellungen an und für sich schon 
durchbrochen sind; denn einmal, da Wright festgestellt hat, dass 
Teile der Chronik des Monophysiten Josua Stylites in unserer 
Chronik vorkommen, ist Assemanis Angabe, es sei das Material 
des edessenischen Archivs benutzt worden, in dieser Allgemein- 
heit nicht mehr richtig, sodann ist jedenfalls durch Salmons 



1) Vgl.Syriac Literaturel. 1.: Of real historical value is the anony- 

mous Chronicon Edessenum Itbegins with A. Gr. 180, but the entries 

are very sparse tili we reach A. Gr. 513 (202 A. D). The last of them 
refers to the year 540, about which time the little book must have been 
compiled. The author made use of the archives of Edessa and other 
documents now lost to us, as well as of the Chronicle of Joshua the 
Stylite. In religious matters he is not a violent partisan, nor given 
to the use of hären words, a thing to be noted in the age in which 
4ie lived. 

2) Vgl. Dictionary of Christ. Biography Tom. I pg. 509: An ano- 
nymous Syriac chronicle, apparently compiled about A. D. 550; the last 
^vent recorded being the breaking out of the Persian war between 
Justinian and Chosroes A. D. 540. The writer was orthodox, and ex- 
pressiv recognises the first four general Councils, though one doubtful 
passage has brought him under suspicion of Pelagianism a. s. f. 



Digitized by 



Google 



§ 1. Einleitung. 5 

Bemerkung die Ansicht von der Orthodoxie des Verfassers bis 
zu einem gewissen Grade gefährdet. Diese einander wider- 
streitenden Thatsachen weisen mit Notwendigkeit auf die Be- 
nutzung verschiedener Quellen hin. Eine Entscheidung über 
die Frage der Abfassungszeit und der dogmatischen Stellung 
des Verfassers hängt von der Quellenuntersuchung ab, und 
es ist zu bedauern, dass die willkürliche Umsetzung und 
chronologische Anordnung der Berichte seitens Assemani 1 ), 
durch welche die wahre Gestalt der kleinen Schrift vielfach 
verwischt ist und die Verschiedenheit der Quellen desto weniger 
prägnant hervortritt, die Möglichkeit einer solchen Untersuchung 
noch weiter hinausschieben musste. Indem wir von der Quellen- 
Untersuchung ausgehen, untersuchen wir 

I) das Abhängigkeitsverhältnis der Chronik des Dionysiu9 
von Tellmabrfc und des Chronicon ecclesiasticum des Bar 
Hebraeus von dem Chronicon Edessenum und das dieser drei 
von der Chronik des Josua Stylites, 

II) die (übrigen) Quellen der Edessenischen Chronik, 

III) die Abfassungszeit der Chronik, 

IV) die dogmatische Stellung des Chronisten. 

1) Assem. BO. I 387 col. b. : quam vis ordinem temporis nonnunquam 
negligit, aut pervertit: quod tarnen amanuensi potius, quam Auetori tri- 
buendum existimo. Quare in eo publicando res gestae in primis suo loco 
et ordini restituam. 



Digitized by 



Google 



L A. 

Abhängigkeitsverhältnis des Chronicon des Dionysius 

von Tellmahre 1 ) und des Chronicon ecclesiasticum des 

Bar Hebraeus 8 ) von dem Chronicon Edessenum. 

§2. 

Zum Zwecke der Vergleichung senden wir eine Neben- 
einanderstellung der gleichen auf die edessenische Kirchen- 
geschichte bezüglichen Angaben voraus, indem wir zugleich be- 
merken, dass wir die dem Chronicon Edessenum entsprechen- 
den Stellen des Dionysius Tellmatarensis der Güte des Herrn 
Prof. Dr. Ignazio Guidi verdanken, welcher mit grosser Bereit- 
willigkeit dieselben auf unsere Bitte hin uns mitgeteilt hat 3 ). 



1) Patriarch der Monophysiten von 818—845 (f 22. Aug. d. J.). 
Über seine litterarische Thätigkeit vgl. W. Wright, Syr. Liter, in der 
Encycl. Brit. XXII pg. 845—846. 

2) Abu'l-Fara& Gregorius Bar Hebraeus, gebor. 1226, Maphrian der 
Monophysiten seit 1264. f 30 Juli 1286. Über seine litterarische Thätig- 
keit vgl. W. Wright 1. 1. pg. 853—855. 

3) Nach Prof. Guidi's Mitteilung entsprechen diese und noch wenige 
andere Stellen bei Dion. v. Tellm., die wir (= No. No. LVIII, LXXVI und 
LXXX uns. Chron.) anderswo wiedergeben werden, und nur diese unserer 
Chronik, die Übrigen Nummern sind bei Dionysius nicht vorhanden. — 
Die vielen Angaben Assemanis in den Noten zur Edessen. Chronik, in 
denen er bei Dionys. Entlehnung aus der Edessen. Chronik statuiert, 
sind somit hinfallig. 



Digitized by 



Google 



§ 2. Parallelberichte d. Edess. Chron. u. d. Chron. d. Dion. u. Bar Hebr. 7 



Chronicon Edessenum. 

No.XII. ImJahre624 
legte der Bischof Koinos 
den Grund zur Kirchel 
von Orhäi. Sein Nach- 
folger Sa'ad baute und 
vollendete sie. 



No. XIV. Im Jahre 
636 wurde Aitallaha Bi- j 
schof in Orhäi; er baute \ 
den Kirchhof (xoifirjr^ 
qlov) und die Ostseile der 
Kirche. 

No. XVni. Im Jahre 
657 wurde Abraham Bi- 
schof von Orhai, welcher 
die Kapelle der Bekenner 
baute. 

No.XXII. ImJahre 
672 schied der Bischof 
von Orhäi Abraham 
aus der Welt. 



No.XXIV. In dem- 
selben Jahre kam der 
Bischof Barse auf Be- 
fehl des Kaisers von 
Haran nach Orhäi» 

No. XXIX. ImJahre 
681 wurde das grosse 
Baptisterium von Or- 
häi gebaut. 



Dionysius von Tell- 
mahre. 



Und in diesem Jahre 
starb Abraham, Bischof 
vonOrhai, und Barst kam 
auf Befehl des Kaisers 
von Haran nach Orhäi 



Und in diesem Jahre 
wurde das Baptisterium 
von Orhäi gebaut »). 



! Bar Hebraei Chron. 

; Ecclesiasticum. 

(ed. Lamy und Abbeloos I 
; pg. 68-65). 

In dieser Zeit, d. b. 
im Anfang der Regie- 
rung des Constantinos, 
legte der Bischof Nünetf) 
von Orhäi den Grund zu 
der grossen Kirche in 
Orhäi und nach ihm 
wurde §a'ut Bischof, der 
sie vollendete. Sie wurde 
Hagia Sophia genannt. 

Nach ihm wurde Ai- 
tallaha [Bischof]; er baute 
die Ostseite der Kirche 
und auch den Kirchhof 
{xoifirjTtjoiov) der Frem- 
den 2). 

Nach ihm wurde 
Abraham [Bischof], wel- 
cher das Heiligtum der 
Kapelle der Bekenner 
baute. 



und nach ihm wurde 
Barse [Bischof]; er 
baute das Baptiste- 



rium. 



1) Die Angabe folgt bei Dionys erst den beiden folgenden, den 
No. No. XXXIII/XXXIV und XXXVII/XXXVIII der Edess.! Chron. ent- 
sprechenden Angaben nach. 

2) Lies Uiaa| ? ^Huöooä vgl. d. Vita des St. Alexius ed. Amiaud 
pg. 11 d. syr. Textes Ulms) -j^™ jja^ 



^oiaoAl 



Digitized by 



Google 



8 § 2. Parallelber. d. Edess. Chron. u. d. Chron. d. Dion. u. Bar Hebr. 



Chronicon Edessenum. 

No. XXXIII. Am 
27 Känün federn des- 
selben Jahres zogen die 
Orthodoxen ein und nah- 
men ron der Kirche von 
Orhäi Besitz. 

No.XXXIV. In diesen 
Tagen, in dem Jahre, 
in welchem Theodo- 
siu8 d. Gr. (der Ältere) 
zur Regierung gelangte, 
wurde Märi Eulogi(o)s 
Bischof. Dieser Märi Eu- 
logi(o)s baute die Kapelle 
des Märi Daniel, die die 
Kapelle des Märi Domi- 
nus genannt wurde, 

No.XXXVJI. Wahre 
098 schied der Bischof 
Eulogi(o)s am Charfrei- 
tag aus der Welt. 

No. XXXVIII. Am 
22 Ab des Jahres 705 
brachte man den Sarko- 
phag des Apostel 8 Märi 
Thomas in seinen grossen 
Tempel, in den Tagen 
des Bischofs Märi Kyros. 

No.XLVIII. Im Jahre 
720 wurde Märi Dioge- 
ni(o)s Bischof in Orhäi; 
er begann die Kapelle des 
Märi Barlaha zu bauen. 

No. LI. Im Jahre 723 
wurde in Orhäi Rabbu- 
la Bischof; er baute die 
Kapelle des Märi Ste- 
pJianus, die vordem die 
Synagoge der Juden ge- 
wesen war; er baute sie 
aber auf Befehl des 
Kaisers. 



Dionysius von Tell- 
mahre. 

In diesem Jahre kehr- 
ten alle Bischöfe aus der 
Verbannung zurück und 
nahmen ihre Kirchen ein 
und die Orthodoxen 
nahmen die Kirche 
in Orhäi in Besitz. 
Eülogios wurde ihr Bi- 
schof; er baute die Ka- 
pelle des Märi Daniel, 
die die Kapelle des Märi 
Domitius genannt wurde. 



In diesen Tagen starb 
der heilige Eülogios, Bi- 
schof von Orhäi, und 
Kyros nahm seine Stelle 
ein, der den Sarkophag 
(ykcDOOoxofiov) des Apo- 
stels Thomas nach Orhäi 
brachte. 

Im Jahre 722 wurde 
Diogeni(o)s Bischof in 
Orhäi: er baute die Ka- 
pelle des Barlaha. 

Diogeni(o)8 starb und 
seine Stelle nahm der 
heilige Rabbula ein; er 
baute die Kapelle des 
Märi Stephan us, die das 
Versammlungshaus 
der Juden gewesen war. 



Bar Hebraei Chronic 
Ecclesiasticum. 

In diesem Jahre nah- 
men die Orthodoxen 
von Orhäi die grosse 
Kirche, welche die 
Arianer gewaltsam an 
sich gerissen hatten (vgl. 
No.XXXId. Chr. Edess.), 
in Besitz. Da wurde 
Eulogius Bischof in Or- 
häi; er baute die Kapelle 
des Märi Daniel, die [die 
Kapelle des] Märi Do- 
mitius zubenannt wurde. 



In dieser Zeit braclite 
man den Sarkophag des 
Apostels Mar* Thomas 
von Indien nach Orhäi 
und stellte ihn in dem 
Tempel des M&ri Tho- 
mas auf; 



Märi Rabbula 
wurde Bischof von Orhäi ; 
er baute die Kapelle des 
Märi Stephanus (wörtl. 
er baute den M. St.)» 
welche [das] Versamm- 
lung[shaus] der Juden 
gewesen war. 



Digitized by 



Google 



§ 2. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 9 



Chronicon Edessenum. 

No. LIX. Am 8. Ab 
des Jahres 746 schied 
Rabbula, Bischof von 
Orhai, aus der Welt und 
der erhabene Biba folgte 
ihm nach. Dieser baute 
die neue Kirche, welche 
heute die Kapelle der 
Apostel genannt wird. 



Dionysius von Tell- 
mahrö. 

Der heilige Mari Rab- 
bula von Orhai starb 
und Biba folgte ihm 
nach. Dieser baute die 
neue Kirch', welche heute 
die Kapelle der Apostel 
genannt wird. 



Bar Hebraei Chronic. 
Eccle8iasticum. 



Treten wir zunächst in die Vergleichung des Bar Hebraeus 
mit der Edessenischen Chronik ein, so ergiebt sich auf Grund 
des vorliegenden Materials, dass die Stellen bei Bar Hebraeus, 
welche den des Chronicon Edessenum entsprechen, auch wirklich 
aus diesem herrühren 1 ). Die Abweichungen bei Bar Hebraeus 
ändern an dieser Thatsache nichts 2 ). 



1) Über die Frage, ob Bar Hebraeus die Chronik von Edessa mittel- 
bar oder unmittelbar benutzt hat, vgl. weiter unten das Verhältnis des 
BHebr. zu Michael Syrus. 

2) Die Angabe des BHebr., dass die von Koinos gebaute Kirche den 
Namen ^Ayla 2o(pia" (vgl. No. XII d. E. Chr.) getragen habe, erweist sich 
für diese Zeit wenigstens noch als irrig und wird schon durch desselben 
Schriftstellers eigene Angabe von der Überfahrung des Sarkophages des 
Mar» Thomas Apostolus in den ihm geweihten und nach ihm benannten 
Tempel (vgl. No. XXXVIII) widerlegt; dennoch ist sie gesichert durch 
Michel le Grand, Chronique traduite par V. Langlois, Venice pg. 227 für des 
Kaisers HeracliusZeit: „II (Heraclius) fit son entr£e (in Edessa) le jour de 
Noe*l, et s'ätant rendu dans l'eglise de Sainte Sophie, il fit des offrandes 
ä l'eglise et au clergä etc. — Die Angabe „In diesem Jahre" bei Bar Hebraeus. 
vgl. XXXIII, kann ein Flüchtigkeitsfehler sein und liefert nur den Beweis, 
in welcher Weise Bar Hebraeus gearbeitet hat. Der Bau des Baptisteriums 
(vgl. XXIX) fand im Jahre 681, die Wiedergewinnung der Kirche durch die 
Orthodoxen erst im Todesjahre des Barses 689 statt. Ein Fehler gleicher 
Art ist die Ansetzung der Überführung der Reste des Apostels Thomas 
unter Eulogius (vgl. XXXVIII), während sie unter seinem Nachfolger 
Cyrus I. stattfand. Den Anlass zu diesem Fehler bot die Edessen. Chronik 
selbst durch das ganz am Schlüsse stehende „in den Tagen des Mari Kyros." 
Die Angabe „von Indien' in dieser Nummer entstammt offenbar der 



Digitized by 



Google 



10 §2. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar. Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

Ausser diesen übereinstimmenden Berichten speciell der 
edessenischen Bischofsliste finden sich noch drei weitere, ein- 
ander entsprechende Stellen bei BHebr. und dem Chronicon 
Edessenum. 



Chronicon Edessenum. 

1. No. XLVII. - Im Jahre 
715 verfasste der Presbyter c Ab- 
samya, der Schwestersohn des 
seligen Mari 'Afrdm, Hymnen 
(madräSe) und Reden (mfcmre) 
über den Einfall der Hunnen in 
das römische Reich. 



2. No. LXVU. - Im Jahre 
763 blühte der Schriftsteller und 
Archimandrit Mari Isaac. 



Bar Hebraei Chromeon 
Ecclesiasticum I. 

pg. 133. — Es blühte zu 
dieser Zeit der Presbyter c Ab- 
samya, der Schwestersohn des 
Lehrers Mari 'Afr&m. Dieser 
verfasste viele Reden (m&mre) 
in dem Versmass des Mari 
'AfrGm über den Zug (wörtl. 
Auszug) der Hunnen, die in 
dieser Zeit ausgerückt waren. 

pg. 165. — In dieser Zeit 
blühte in Orhäi der Archiman- 
drit und (auch) Schriftsteller 
Isaac. Dieser wurde auch zum 
Häretiker, indem er mit den 
Zeitverhältiiissen schwankte. 



Reflexion (des Bar Hebr.?), denn die Beisetzung der Reliquien des Thomas 
in Edessa erfolgte schon im Jahre 232. Vgl. Lipsius, Literarisches 
Centralblatt, 1888 pg. 1508 (No. 44), und ebenderselbe, die apoeryphen 
Apostelgeschichten und Apostel legenden Band II, 2. Hälfte pg. 418 Nota 
zu Band I pg. 225 ff. 

Von geringer Bedeutung sind die Wortabweichungen in No. XII: 
)JoJ „Nünfe" und ko^t, „Sa'uth" statt Jjo-o „Koinft" und ^ Sa ad, 
desgleichen die bei Bar Hebr. Übliche Bezeichnung der Kirche von 
Edessa als „der grossen Kirche " anstatt einfach „der Barche" des Chron. 
Edess. Bei derartigen Bezeichnungen ist bei Bar Hebr. ein grosses 
Schwanken zu konstatiren. Doch sei schon an dieser Stelle erwähnt, dass 
alle diese Fehler auch von Michael Syrus herrühren können. — Schwierig- 
keiten macht nur die Angabe von dem Bau des Coemeteriums „der 
Fremden" in No. XIV. Ein Begräbnisplatz für die Fremden «— „Gräber des 
£f voöoxecov" ist uns aus Josua Stylites (pg. 39, 6) bekannt, und zwar 
scheint er auch in der Nähe der Kirche gelegen zu haben. 



Digitized by 



Google 



§ 3. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. v. <L Edessen. Chronik. 



11 



Chronicon Edessenum. 

3. No. LXXXUI. — Im 
21. Jahre der Regierung des 
Anastasius befahl er (Anasta- 
sius), den Sarkophag (yXcoooo- 
xopov) der Märtyrerin Euphe- 
mia zu öffnen und das Buch 
(kH^ba), das die Synode, die 
sich zu Chalcedon versammelt 
hatte, hineingelegt hatte, her- 
auszunehmen und zu verbren- 
nen. Es drang aber Feuer aus 
dem Sarkophag und schlug denen 
ins Gesicht, die es heraus- 
holen wollten. Deshalb stand 
Anastasius davon ab, es her- 
auszunehmen und zu ver- 
brennen. 



Bar Hebraei Chronicon 
Ecclesiasticum L 

pg. 187 8. 



Der Kaiser befahl, den Sar- 
kophag der Märtyrerin Euphe- 
mia zu offnen und das Be- 
schlus8buch(tumsa dH e tuma)der 
Synode von Chalcedon heraus- 
zunehmen und zu verbrennen. 
Dann verdammte man die Sy- 
node und den Leo von Rom. 



§ 3. 

Auffällig genug berichtet Bar Hebraeus in derselben Reihen- 
folge über die Ernennung des Johannes Chrysostomus zum 
Patriarchen von Konstantinopel, über Theodor von Mopsuestia 
und den Presbyter Absamya von Edessa wie das Chronicon 
Edessenum (No. No. XLV. XLVI. XL VII.), wenn auch BHebr. 
hinsichtlich des Theodor statt der Abfassung seiner Kommen- 
tare über die Heilige Schrift den Tod desselben anführt. Dass 
Bar Hebraeus hier die Edessenische Chronik benutzt haben 
könnte, wird niemand behaupten wollen, schon im Hinblick auf 
seine umfangreiche Berichterstattung; es kann sich also nur um 
eine Befolgung der chronologischen Anordnung der Edess. 
Chronik handeln. Indes wird dieses för die Anreihung der 



Digitized by 



Google 



12 §3. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

Angabe über Absamya allein der Fall sein, da Bar Hebraeus 
seine Berichte über Johannes Chrysostomus und Theodorus von 
Mopsuestia einer Ekloge aus den drei griechischen Kirchen- 
historikern: Socrates, Sozomenos und Theodoret von Cyrus 
entnommen hat 1 ). 

Wir geben im Folgenden die Quellen des Bar Hebraeus 
Chron. eccl. I pg. 74 — 158, bemerken aber zugleich, dass bei 
ihm manches in freier Rede wiedergegeben wird, was im Grund- 
text nur referierend mitgeteilt wird. 



1) Bar Hebraeus (oder richtiger seine Quelle, Michael Syrus) hat 
diese Ekloge schon in syrischer Obersetzung vorgefunden; denn er ver- 
stand kein Griechisch. Doch vermögen wir nicht anzugeben, wer der 
Übersetzer gewesen ist, sondern müssen uns vorläufig mit Vermutungen 
begnügen. Dionysius von Teilmahre will den 2. Teil seiner Chronik 
„Socrate duce" abgefasst haben, vgl. Assem. BO. II, 99/100. Das stimmt 
insofern zu den Angaben des Bar Hebr., als dieser ebenfalls sich fort- 
während auf Socrates beruft, während er doch eine Kompilation der drei 
Kirchenhistoriker vor sich hat. Auch in der Praefatio zu seinem Chro- 
nicon syriacum pg. 2, 12 führt er allein den Socrates Scholasticus als 
seine Quelle neben Eusebius, Johannes von Ephesus u. a. an. Den Theo- 
doret und Sozomenos scheint er nicht gekannt zu haben, denn es läuft 
bei ihm der Irrtum unter, dass er z. B. pg. 130, 23—30 den Socrates reden 
lässt, was durchaus nicht diesem angehört, sondern am genausten dem 
Theodoret V, 34 entspricht. Dionys hat weiter die Chronik des Jacobus 
„des Interpreten" von Orhai (vgl. Wright Syr. Liter. 1. 1. pg. 839—841) 
benutzt, der, wenn wir den freilich an mehr als einer Stelle ungenaueu 
und fehlerhaften Angaben (der armenischen Version) der Chronik des 
Michael folgen dürfen, ausser anderen Schriftstellern die erwähnten drei 
Byzantiner und auch den Theodoros Anagnostes benutzt hat. Es sei aber 
schon an dieser Stelle erwähnt, dass die bei Bar Hebraeus vorliegende 
Ekloge nicht die aus Socrates, Sozomenos und Theodoret zusammen- 
gearbeitete Kirchengeschichte des Theodoros Anagnostes in zwei Büchern 
sein kann, da diese mit der Einleitung zu dem Geschichtswerk des Sozo- 
menos und dem Anfang desselben beginnt, bis zur Regierungszeit des 
Julianus Apostata aus Sozomenos, Theodoret und Socrates sich zusammen- 
setzt und dann mit dem reinen Sozomenos bis zu dem Ende desselben 
fortfährt; vgl. Jeep, Quellenuntersuchungen zu den griechischen Kirchen- 
historikern, Neue Jahrbücher für Phil. Suppl. band XIV p. 159. — Zu 
bemerken ist noch, dass Teile des Soorates und Theodoret in syrischer 
Übersetzung in einem Codex der Vatikanischen Bibliothek (vgl. Assem. 
Catal. Tom. III CXLV. p. 255 u. 258) erhalten sind; vgl. auch Wright, 
Catal. of Syr. Manusc. in the Br. Mus., wo verschiedene kurze Citate aus 
Socrates etc. citirt werden (pg. 442 f, 553, 937 etc.). 



Digitized by 



Google 



§3. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. v. d. Edemen. Chronik. 13 

BarHebr.ChrJJccLI 74, 23—76, 2=Socr. I, 11. 

76, 3—14 =Socr. I, 10. v. Soz. I, 21. 

76, 14—17 = ? 

76, 18—78, 29=vgl. Socr. I, 27. 

76, 18. 19 =vgl. Theodoret I, 26. 

78, 29—80, 3 =Theodoret I, 21. 

80, 4—8 =Socr. I, 24. 

80, 10—82, 12(14)=Socr. I, 38. 37. 38. 

84, 5—16, = vgl Socr. U,2. 3, Sozom. III, 2. 

84, 18 — 25. Ula aetate floruerunt doctores 
insignes qui sequuntur: Athanasius Alexandriae, Eusebius Heme- 
sinus (vgl. Sozom. IH, 6. Socr. II, 9) similiter et Afrem Nisi- 
benus Edessae, disciplinis divinis apprime instructus, quin aliquid 
ex institutione Graecorum delibasset. 

84, 25-86, 2 =Theodoret, IV, 29. 

86, 3— 8: Vixerunt tum quoquebeatus Julianus 
Sabas et Abraham Khindunensis. Inclaruit pariter sapiens Buzitis, 
qui est sapiens Persa, orthodoxus ille auctor libridissertationum....? 

86, 8—13 =Socr. I, 21. 

86, 13—17. vgl Sozom. VI, 5. 

86, 18 — 88, 3: Exstiterunt eodem tempore 
Mär 1 Eugenius ac discipuli ejus qui totum Orientem inde ab 
Aegypto usque ad confinia Persidis inferioris illustraverunt coe- 
nobiis atque monasteriis; item Mär 1 Aaron Sarugensis, qui duo 
celebria monasteria aedificavit in regione Melitinensi V 

90, 12-92, ll=Theodoret II, 8—10. 

92, 14—26, =Theodoret II, 12. Soz. III, 20? 

92, 27—94, 26=Theodoret II, 13. 

94, 27—96, 3 vgl. Soz. V, 7 (vgl. IV, 3) 
Socr. III, 2. 

96, 4—25 =TheodoretII,16,17.Soz.IV,ll. 

96, 27—29 = „ II, 25. 

96, 30—98, 19 vgl. Socr. II, 39? 

98, 21—23 =Socr. II. 43. 

98, 24—100, 2=Theodoret II, 31. 

100, 3. 4. Apud illum institutus fuit Mär 1 
Joannes Chrysostomus . . . .? 

100,4-8 vgl. Socr. IV, 26. 

100, 9—12. Inclaruere tunc etiam Gregorius 



Digitized by 



Google 



14 § 3. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

theologus Nazianzi episcopus ejusque frater Caesarius ac pater 
Gregorius ? 

100, 18—102, 10=Socr.II,46,vgl.Theod.V,3. 

102, 11—15 =Socr. IV, 7. 

102, 16—18. Pariter Edessae innotuit Aod, 
qui fuit archidiaconus et doctrinae Desanitarum adhaesii 

102,26—104,3 = Socr. IU, 8. 

104, 6—18 =Socr.UI, 14. Theodoretill, 9. 

104, 19—21 =Sozom. V, 6. 

104, 22—31 =Socr. III, 12 vgl Soz. V, 4. 

104, 32—106, ll=Theodor. III, 22. 

106, 21—29 =Theodor. IV, 12. 13. 

106, 29—108, 1 =Socr. IV, 12. 

108, 2—4 vgl. Socr. IV, 24 u. Theod. 

IV, 21. 

108, 5. 6.: Obiit Mär 1 Ephraim die 18 juniianni 
682 . .? 

108, 7—10 =Socr. IV. 20. 

108, 9 et constituisset episcopos 284 . .? 

108, 9—17 successit illi (Athanasius) Pe- 
trus, qui sedem occupavit Septem anuis — sacerdotes combus- 
serunt — ? 

108,21—110,2 =Socr. IV, 32. 

114, 13—116, 12=Theodor. V, 23. * 

116, 13—30 =Socr. V, 18. 

116. 31—33 =Sozom. VII, 16. 

116, 34— 118, 13=Socr. V, 19. 

118, 14—120, 30=Socr. V, 22. 

120,31-122,20 ? 

122, 21—24 =Socr. VI, 2. 

122, 24— 124, 23=Socr. VI, 3; aber fremde 
Zusätze: p. 124, 12 atque — 16. aureum. 21. quum quinquaginta 
esset annorum. 

124, 23—126, 14=Socr.VI,ll,vgl.Soz.VIII,10. 

126, 15—22 ? vgl. Socr. VI, 18: Cum 

autem perpetuo mulieres vehementer redargueret — ardenter ad- 
haerebat ? 

126, 23—27 vgl. Socr. VI, 2. 

126, 27—128, 8 =Socr. VI, 12. 14. vgl. Theo- 
phanes pg. 121. 



Digitized by 



Google 



§ 3. Abhängigkeitsverhältnis d. Bar Hebr. von d. Edessen. Chronik. 1 5 

128, 9-20 =Socr. VI, 15. (ut stragem — 

Johannes . . .?) 

128,20-29 =Socr. VI, 16. 

128, 30— 130, 10- Socr. VI, 18. 

130,11 12 — 13.14=Socr VI, 19—20. 

130, 15—23 vgl. Socr. VI, 14. 

130, 23—30 =Theodor. V, 34. 

130, 31 ff. Leben des Epiphanius ? 

132, 7—10 vgl. Socr. VI, 21. 

132, 10 — ult ? 

134, 1. 2 =Theodor. V, 40. 

134, 2 — 6: adveneruntque monachi, qui eum 
(Theodor, von Mopsuestia) ut haereticum imperatori denuntiarunt 
et conquesti sunt de illo. Tunc etiam inclaruit Absamias . . .V 

vgl. Theophanes 147, 21. 

134, 11— 136Leben u.ThatendesMär* Abhaeus? 
vgl. Nota bei Abbeloos und 
Lamy. 

136, 11— 138, 22= Socr. VI, 22. (138,5—8: 
Salvator noster in monte „Thabor* visus est in albis, angeli 
quoque in albis resurrectionem Domini annuntiarunt . . .?) 

138, 25—140, 10=Theodor. V, 35. 

140, 10—22 =Socr. VII, 25. 

140, 23. 24 =Socr. VU, 26. 

140, 24 f. =Socr. VII, 29. 

142, 11 — 146 unten „die sieben Ephesinischen 
Jünglinge . . . .? 

146, 26—148, 10=Socr. VII, 29 (4—10 mo- 
nophysitiache Entstellung). 





148, 11—21 


=Socr. VII, 32. aber Ab- 


weichungen. 








148 ult. 


Zacharias von Mitylene 


setzt ein. 








150, 7—25 


= Socr. VII,33, Abweichungen. 




150, 26-152, 


18=Socr. VII, 32. 




152, 19-35 


=Socr. VII, 34 durch Ein- 


schübe erweitert. 








154, 1—9 


=Socr. VII, 34. 




156, 1—9 


= Socr. VII, 35. 



Digitized by 



Google 



Ig § 3. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

156, 10 Edessae sedet post Rabbulam Ibas 
Nestorianus ? 

156,11—13 =Socr. VII, 40. 

156, 13—158, ll=Socr. VII, 36 (vgl 35). 

158, 11. 12. Anthimus Trebizontis transiit 
Constantinopolim, und 13. et Barses Harranae Edessam ? 

158, 14—19 vgl Socr. VII, 45. 

Diese Vergleichung zeigt uns, dass viele Angaben in die 
Ekloge der drei byzantinischen Kirchenhistoriker hineingearbeitet 
sind, und zwar sind es Berichte aus der syrischen Kirchen- 
geschichte und hier besonders über die syrischen Kirchenfürsten 
und Kirchenlehrer. 1 ) Damit sind wir auch über unsere Stelle 
vorläufig im klaren und steht der Herleitung derselben aus der 
Edessenischen Chronik an und für sich nichts im Wege. 2 ) 



1) Ganz dasselbe Resultat ergiebt auch die Quellenuntersuchung der 
weiteren Angaben des Chron. Eccl. Bar Hebraei, das hier aus Zacharias 
von Mityl. (Land. Anecd. 111) und Johannes von Ephesus, der wieder den 
Malalas ausgeschrieben hat, zusammengearbeitet ist. So stammen die 
Angaben über Jacob von Sarug und Simeon Koken sie (Chr. eccl. I 191/2) 
und über Simeon von Beth-Ar&äm aus anderen als den obengenannten 
Quellen. 

2) Diese Einarbeitungen sind stellenweise sogar unter Verletzung 
des Zusammenhangs erfolgt, so z. B. bei der Angabe über des Ibas Epi- 
copat (Chr. ecc. I 155/6) vgl. Socrates. Hier kann der Einschub auch in 
Anlehnung an die Reihenfolge der Edessen. Chron. vorgenommen sein, 
die die Inthronisation des Ibas ebenfalls nach der ersten Ephesinischen 
Synode berichtet. Vgl. ferner p. 181/2 den Tod des Simeon Stylites und 
unter § 5. — Beachtung verdient auch Bar Hebr. Chr. eccl. I, 158, 
wo im Anschlags an die erste Ephesinische Synode die Frage über die 
Versetzbarkeit der Bischöfe erörtert wird. Bar Hebr. folgt hier, wie 
bereits mitgeteilt ist, dem Socrates VII, 34—37, fügt aber zu den Belegen 
des Socr., die er selbst freilich nicht vollzählig benutzt, zwei andere, 
deren ersterer über Anthimus einer hundert Jahre späteren Zeit an- 
gehört, letzterer aus einer früheren Zeit (um 75 Jahre zurückliegend) 
stammt. Ober Barses berichtet Socrates sonst nichts, dagegen Sozomenos 
VI, 34, dessen Angaben aber, weil nach ihm Barses Bischof ov notewq 
rivoq, dXXa xiixf\q tvexsv ist, nicht benutzt sein können; ebensowenig 
auch Theodoret (IV, 16), der zwar viel von Barses weiss, aber nichts von 
dieser Versetzung. Somit ist für diese Stelle ebenfalls an eine Entleh- 
nung aus der Edess. Chron. zu denken. 



Digitized by 



Google 



§ 4. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 17 



§ 4. 

Schwieriger ist die Entscheidung hinsichtlich des Berichtes 
über Isaac von Antiochien. Bar Hebraeus, der im übrigen fast 
genau den Wortlaut der Edess. Chronik hat, fugt indes noch 
folgende Worte hinzu: „dieser wurde auch zum Häretiker, indem 
er mit den Zeitverhältnissen schwankte", d. h. mit den Zeit- 
umständen seine theologische Ansicht wechselte. J ) Bar Hebraeus 
will damit sagen, dass Isaac ursprünglich den Monophysiten, 
als deren Kirchenlehrer er auch galt, angehört habe, dass er aber 
seit dem Konzil zu Chalcedon ihr Gegner geworden sei Am 
auffälligsten ist hier die Thatsache, dass Isaac, obwohl er das 
von den Monophysiten so verabscheute Chalcedonense anerkannt 
hat 2 ) und von ihnen deshalb verworfen ist, dennoch von den 
späteren Anhängern dieser Sekte wieder als Kirchenlehrer ver- 
ehrt wird. „Sein Fest wird, so berichtet Bickell, nicht nur von 
den Maroniten am 20. November, sondern auch von den Jacobiten 
am 14. Oktober gefeiert; diese nennen ihn Mari und Malphänä 
(Kirchenlehrer) 3 ), wie er denn bereits in einer monophysitischen 
Handschrift aus dem VI. Jahrhundert zu London „Lehrer der 



1) Die Übersetzung Bickells (vgl. die Einleitung zu den ausgewählten 
Gedichten Is. bei Thalhofer, Bibliothek der Kirchenväter.): „Dieser war auch 
ein Häretiker, indem er seinen Glauben gemäss den Zeitumständen ver- 
änderte" ist meines Erachtens nicht ganz genau. Er bekämpfte ur- 
sprünglich die Nestorianer als ein Anhänger wohl des Cyrill auf Grund 
der Entscheidungen des I. Ephesinum, war also, wenn auch nicht gerade 
ein Monophysit (genau genommen darf man von Monophysiten erst nach 
451 reden), so doch ein Genosse derselben im Kampfe gegen den Nesto- 
rianismus. Daher nur: „er wurde zum Häretiker. 

2) Vgl. das dogmatische Gedicht des Isaac „Über den Glauben 
gegen den Nestorius und Eutyches" 1. I. p. 137, 7—22, ferner 120, 25 
„Deine Gottheit i9t in unserer Natur und unsere Natur in deiner Gott- 
heit, unvermischt und unvermengt, unverändert und unverwandelt (vgl. 
das aavyxvT(oq, axQbtxox;, döicuQtTax;, äxwQlorwq d. Chalc. Symbols). 

3) Bei Bar Hebr. Chr. eccl. steht keiner dieser ehrenden Titel ; doch 
darf man daraus keine weiteren ungünstigen Schlussfolgerungen ziehen, da 
sie ebenfalls bei dem unbestritten monophysitischen Sein ön von Beth-Arsäm 
(p.190) und bei §emön Süfcäyä (p.192) fehlen. Dagegen Bar Hebr. Histor. 
dynast. pg. 145, 18 (J^l jLo. 

Texte u. Untersuchungen IX, l. 2 



Digitized by 



Google 



18 § 4. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

Wahrheit" genannt wird; ja im jacobitischen Officium werden in 
der Benediction am Schlüsse der Complet taglich Ephraim, 
Isaac und Jacob als die drei grossen syrischen Kirchenlehrer 
angerufen." Von wie langer Dauer der Bann der Monophysiten 
über Isaac — thatsächlich nur über seinen Namen 1 ) — gewesen 
sein mag, lässt sich mit Sicherheit nicht nachweisen. Aber 
schon das Glaubensbekenntnis des Jacobus Baradaeus (f 578) 
erkennt ihn als Heiligen der monophysitischen Kirche an. 2 ) 
Wahrscheinlich erfolgte dieser Umschwung mit der Scheidung 
zwischen den gemässigten Monophysiten und der schrofferen 
Richtung derselben (den sogenannten Eutychianern), die durch 
die Verdammung des Eutyches 3 ) in Zenos Henotikon (Euagr. 
III, 14. geg. Schluss) rechtskräftig geworden, praktisch besonders 
durch den gemässigten und milden Severus vollzogen wurde. 
Natürlich setzt die Restituierung des Isaac bei den Monophysiten 
ihre vollige Unbekanntschaft mit seinen im Sinne des Chalcedo- 
nense verfassten Schriften voraus. Kein Monophysit, auch der 

1) Da einerseits viele Gedichte Is. bei den Monophysiten zwar in 
Gebrauch gewesen sind, von ihnen aber dem Ephraim zugeschrieben 
werden, andrerseits in der Liturgie, dem Ritual und dem Officium der 
Jacobiten nirgends Gedichte von ihm neben den vielen von Ephraim, 
Jacob, Balaeus, demKukiten u. s. w. sich finden (nur die Maroniten ver- 
wenden in der Nocturn und Matutin des Gründonnerstags zwei Hymnen 
Isaacs), so bleibt allein die Annahme übrig, dass die Gedichte Isaacs 
schon vor 451 (bei den Monophysiten) allgemein in Gebrauch waren und 
nur der Name des Verfassers — ob mit bewusster Absicht, das mag 
dahingestellt bleiben — getilgt wurde und dafür der des Ephraim 
wohl ganz allmählich eintrat, dass dagegen seine Restituierung erst 
nach der Festsetzung der gottesdienstlichen Ordnung der Monophysiten 
stattfand. 

2) Vgl. Z. D. M. G. XXX p. 452 ff. und Kleyn, Jacobus Baradaeus, 
Leyden, pg. 156. 

3) Von den späteren Monophysiten wird Eutyches geradezu den 
Nestorianern zugezählt, vgl. die byzantinische Chronik des Johannes von 
Nikiu (vgl. Zotenberg im Journal Asiatique VII Serie, Tom. XII (1878) 
p. 296): „En ce temps, vivait Eutyches le Nestorien, qui s'appliquait ä 
etre damnä etcet. — siehe auch Bar Hebr. Chr. eccl. 1,159. Jacob von Sarug, 
Z. D. M. G. XXX, 225 (III), 228. 247 (III). Mansi VIII, 818 Collatio 
Catholicorum cum Severianis: Nach ihrem Urteil über Eutyches gefragt, 
erklären die Severianer: „baereticus, magis autem princeps haeresis (vgl. 
Loofs, Leontius v. Byz. p. 263 in v. Gebhardt u. Harnack, Texte und 
Untersuchungen Bd. III. 1888). 



Digitized by 



Google 



§ 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 19 

versöhnlichste nicht, würde, wenn er mit den von ßickell uns 
bekannt gegebenen dogmatischen Gedichten vertraut gewesen 
wäre 9 die wie gegen die Nestorianer, so auch gegen die Eu- 
tychianer (und somit gegen den Monophysitismus als solchen) 
die heftigsten Angriffe enthalten, den Isaac für orthodox in 
seinem Sinne gehalten haben. Dass ihnen diese Gedichte un- 
bekannt gewesen sein dürften, dafür spricht auch, dass sie uns 
in einer syrischen, von einem Anhänger des chalcedonensischen 
Bekenntnisses geschriebenen Handschrift aus dem 8. Jahrhundert 
erhalten sind, während sonst nur Manuskripte monophysitischen 
von Isaacs Werken Ursprungs vorhanden sind. 

Somit werden wir auch kaum annehmen dürfen, dass Bar 
Hebraeus die Angabe der Haeresie des Isaac selbst aus eigenen 
Studien über die antimonophysitischen Schriften desselben ge- 
wonnen hat, sondern dass dieser Zusatz, falls er überhaupt von 
Bar Hebraeus stammt und nicht vielmehr mit der übrigen An- 
gabe derselben Quelle zuzuweisen ist, auf Grund sehr alten 
Quellenmaterials hinzugefügt sein muss. 

Der Bericht über Isaac ist bei Bar Hebraeus der zweiten 
Synode angereiht, während er im Chron. Edess. der von Chal- 
cedon folgt Aus welcher Quelle Bar Hebraeus seine Angaben 
über die zweite Synode zu Ephesus genommen hat, ist schwer 
nachzuweisen. Die vorangehenden Angaben entstammen dem 
Zacharias von Mitylene, der über diese Synode mit wenigen 
Worten hinwegeilt. 

B. Hebr. Chr. Eccl. 1, 159/60, 3—7 =Land, Anecd. IU, 99, 

14—22. 
159/60,8—161/2,5= „ „ „ 100, 

12—101, 2. 
161/2, 5-12 = „ „ 101, 

13—19. 

Der Vermittler ist vermutlich Johannes von Ephesus ge- 
wesen. Dieser hat gewiss gewusst, wie es um die Rechtgläubig- 
keit des Isaac stand. 

§ 5. 

Wir haben bereits oben gelegentlich darauf hingewiesen, 
dass für spätere Teile des B. Hebr. Chron. eccl. [und auch 



Digitized by 



Google 



20 § 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

Chron. syriac] Zacharias von Mitylene und Johannes von Ephesus 
als hauptsächliche Quellen 1 ) neben anderen, die wieder syrische 
Kirchenfürsten und -väter zum Gegenstande haben, benutzt sind. 
Eine Vergleichung, zu der wir auch die Chronik des Michael 
hinzugenommen haben, bestätigt es: 

Bar Hebraeus. Michael 

Chr. syr. 77, 22—78,9 1 72, 6—9 



Chr.eccl 1S5 6,3— 17\ 
„ „ „ 18 ff. | 

„ „ 183/4, unten. 
„ „ 187 8,10—14 



172,10—18 
172,18—20 



„ „ „ 4 ff. 172,20—173,2. 

. „ „ 14 ff. 173,3-5. 

„ „ r 19 ff. 173,5—16. 
„ „1 89/90 Simeon 
von Beth-Arsam. 

Chr.eccl 191/2,2 ff. Ja- 173,23 ff. 

cob. v. Sarug. 

Chr. ecc. 1 191/92 unten 174, 1.2. 

Simeon Kok. 

Chr. syr. 78, 9-80, 12 174,3—175,9 

Chr.ecc.I193/4Severus' 176,11—13. 

Flucht. 

176,13—15 

Chr. ecc 1 194/5 Paulus 176, 15 ff. 

Judaeus. 



Zacharias,Land III, 203 , 
15—204, 18. 

(Zacharias, Land III 
p. 224, 11— 225, 1. 
MalaL 407, 9—408, 
ll. 2 ) 

v 

Theodorus Lector, Re- 
vue archeologique 
XXVI,396vgLTheo- 
phan. 233, 15. 



Zacharias, Land, III 204, 
18—213, 16. 



Johann.Land,II,299,lff. 
vgl. Dionys. v.Tellm.bei 

Assem. B. 0.1,298 b 

unt. 



1) Wir konstatieren hier lediglich die Thatsache, ohne Unter- 
suchungen darüber anzustellen, ob Bar Hebraeus beide Quellen schon 
vereint vorgefunden hat. 

2) Malalas wurde von Johannes von Ephesus benutzt, wie wir an 
anderer Stelle noch genauer sehen werden. 



Digitized by 



Google 



§ 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 21 



Bar Hebraeus. Michael. 

Chr. ecc. I 195—198. 176,22—179,7 



Chr. eccL 1197/8 unten. 

179,8—11 
179,12—18 

Chr. syr. 80 ult.— 81, 10 179,19—25 

180,1—5 



, 81,10—14 



Chr. eccL 1199/200 7 ff. 



17 ff. 



180,5—10 
180,11—25 



Johannes von Ephesus 
nach dem Zeugnisse 
des Michael 176,22. 
vgl dazu Zach. v. Mit. 
Lib. VIII, cp. 5. 

Johannes vonEph Land 

II, 291, 18-23. 
Johannes vonEph.Land 

U, 290, 8 ff 
vgLDionys. bei Ass. BO. 

I 297, b. unt. ff. 
Zachar. Land III, 246, 

24—247, 11. 
Zachar. Land III, 244, 

5—17. 

Malal. 412, 4—9. 



Johannes von Eph. BO. 

I, 412 Nota 2. 
Malal. p. 410, 9 ff. 
1 80, 23—27 ? vielleicht Dionys.nach 

Joh.-Malal. (pg.418, 
17 f.) 
180, 28—181, 23 Johannes, Land II, 299, 

9 ff. 
181,24 ff. Malal. 418, 6—8. 418, 

4-6. 
182—183, 7 Joh.v.Eph.BO.I,359ff. 

(stellenweise aus Ma- 
lal. 433, 6— 434, 18). 
u. s. w. 



Die für uns in Frage kommende Stelle steht in einem Ab- 
schnitte, der ursprünglich genau mit dem syrischen Text der 
uns bis jetzt nur in armenischer Version vorliegenden Chronik 



Digitized by 



Google 



22 § 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

des Michael Syrus 1 ) tibereingestimmt hat und deswegen aus 
dieser entlehnt sein mnss. 



Michael Syrus, Chronik 
pg. 172 unten. 

L'empereur Anastase l'en- 
gagea (Philoxenos von Mabbug) 
avec instance ä venir ä Con- 
stantinople, en lui envoyant 
Severe accompagne dun prätre. 
On reunit ä Constantinople beau- 
coup de partisans (des conciles) 
de Nicee et de Chalcedoine et 
on examina avec soin les doc- 
trines des deux partis. Les 
orthodoxes triompherent L'em- 
pereur envoya ensuite des gens 
et fit tirer du tombeau d'Eu- 
phemie la lettre de Leon et la 
formule canonique du concile 
de Chalcedoine qu'il fit bruler 
en sa presence. Pabavios (Fla- 
vianus), patriarche d'Antioche, 
adressa ä ce sujet des remon- 
trances k Tempereur qui l'appela 
Nestorien, le gourmanda severe- 
ment et le chassa du concile, 
en le chargeant d'anathemes. 



Bar Hebr. Chronic. eccL 

pg. 187/8. 

Da in dieser Zeit der Kaiser 
Anastasius die Partei der Recht- 
gläubigen begünstigte, die Chal- 
cedonenser aber hasste und ver- 
störte, versammelte er eine Sy- 
node (in Constantinopel.) 

Es reiste auch in die Haupt- 
stadt der hlg. Philoxenos von 
Mabbog auf Befehl des Kaisers. 
Es kamen aber auch aus dem 
Orient gegen zweihundert Mön- 
che samt dem grossen Severus, 
der bislang ebenfalls Mönch 
war, und sie wurden auf das 
glänzendste empfangen. Der 
Kaiser aber befahl, den Sarko- 
phag der Märtyrerin Euphemia 
zu öffnen und daraus das Be- 
schlussbuch der Synode von 
Chalcedon zu nehmen und zu 
verbrennen. 

Dann verdammte man die 
Synode und den Leo von Rom. 

Da nun Flavian von An- 
tiochien als Häretiker erfunden 
wurde, vertrieb ihn der Kaiser 
und schickte ihn in die Ver- 
bannung. 



1) Das syrische Original, das vier- bis fünfmal umfangreicher ist, 
als die armenische Übersetzung, ist jetzt gefunden von dem syrisch-katho- 
lischen Bischof Afrem Rabbülft Bihmäni, vgl. Guidi im Giornale della 
societä Asiatica Italiana III Roma 1889 pg. 167—169. Leider hat der 
Bischof seinen kostbaren Fund wieder mit nach Bagdad geschleppt. Eine 



Digitized by 



Google 



§ 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar. Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 23 

Da die diesem Abschnitte (41) bei Bar Hebraeus voran- 
gehenden und nachfolgenden Berichte teils dem Zacharias, teils 
dem Johannes von Ephesus entlehnt sind, wie bereits oben ge- 
zeigt ist, so könnte man geneigt sein, auch die Angaben dieses 
Abschnittes 41 auf einen dieser beiden Schriftsteller zurück- 
zuführen. Dem widerspricht einmal die Stelle 187/8, 10 ff.: Es 
kamen aber auch gegen zweihundert Mönche u. s. w., die auf 
Theodorus Lector zurückgeht, vgl. Revue archöologique XXVI, 
396: Movaxol vxIq ötaxoalovg cbtooxtoxal ovxsg re xal Aeyo- 
fievot, dvaxoXfjv xaöav zaQagavxeg xaxilaßov xal Kmvoxavxi- 
vovxoXiv' dvaöoßdq vxoöex&ijvaL ßaocXevg kvxlfiog ixsXevoe etc., 
der Form und Fassung nach aber besser Theophanes Chronogr. 
233, 15 (vgl. 235. 5 ff.) entspricht: ^Tovxcp zw exet fiovaxoi 
xiveg aiQSxtxol öiaxoöioi iX&ovxeg dxo dvaxoXfjg kv x<x> Bv- 
Cpivxltp afia SsvrjQcp x<p övööeßel xaxd Maxedovlov xa\ xfjc 
Gwoöov iöjiovöa^ov xovxovg 'Avaöxäöiog ivxl/t(og £6£§axo, 
cog ty&QOvg xrjg dZq&slag xal xaQa^avxag xtjv dvaxoXrjV xal 
<&öe xd avxd jiQaCöovxaq" ;1 ) Sodann fehlt in dem Absatz der 
völlige Zusammenhang und die Beziehung der einzelnen Sätze 
zu einander, sodass man gezwungen ist, eine Epitomierung aus 
«inem grösseren Abschnittte anzunehmen. Drittens sind auch die 
Angaben dieses Absatzes historisch anfechtbar und stehen 
wenigstens zu den Berichten des Zacharias in Widerspruch. 2 ) 
So hat, wie Assemani BO. II pg. 14 b ff. bereits nachgewiesen 
hat, eine Synode zu Constautinopel, an der Xenäjä von Mabbog, 
auf besonderen Befehl des Kaisers herbeigeholt, teilgenommen 
haben sollte, nie stattgefunden. Die Angabe von der Öffnung 
des Grabmals der hlg. Märtyrerin Euphemia zwecks Entfernung 
der darin aufbewahrten Concilsbeschlüsse von Chalcedon, und 
von dem Befehl des Anastasius, diese Akten zu verbrennen, 
findet sich nur an den drei genannten Stellen, während Theodorus 



Kopie der arabischen Übersetzung ist im Besitz des Papstes, doch eben- 
falls noch nicht zu benutzen. 

1) Diese Stelle geht auch vermutlich; wie die obengenannte Ekloge 
der drei byzantinischen Kirchenhistoriker, auf Jacob von Edessa zurück, 
vgL Michael Syrus in der Vorrede zu seiner Chronik p. 19, vgl auch 
oben pag. 12 Nota 1. 

2) Die betreffenden Berichte des Johannes von Ephesus sind ver- 
loren gegangen. 



Digitized by 



Google 



24 § 5. Abhängigkeitsverhältnis des Bar Hebr. v. d. Edessen. Chronik. 

Lector 1 ) und der monophysitische Zacharias 2 ; wohl beide die 
Thatsache des Raubes der Akten und zwar aus der Sophienkirche 
zu Constantinopel, auf deren Altar sie der Patriarch Macedonius 
niedergelegt hatte, nichts aber von der Öffnung des Grabmals 
oder auch nur von dem Befehl zu dieser Handlung berichten. 3 ) 
Auch das Anathema über die Synode und den Papst Leo ist 
nicht zu belegen. Dazu die Merkwürdigkeit, dass der Patriarch 
Macedonius von Konstantinopel, der bei all' diesem eine Rolle 
gespielt haben muss (vgl. das Chron. Edess. zur Stelle), bei 
Michael wie Bar Hebraeus überhaupt nicht erwähnt wird. Das 
Wahrscheinlichste ist hier die Annahme, No. 41 des Bar Hebraeus 
mit Ausschluss der Stelle: „Es kamen aber auch — zu nehmen 
und zu verbrennen* ebenfalls dem Zacharias zuzuweisen und 
darunter seinen Bericht über die Synode von Sidon (511/2 Chr.) 4 ) 
zu verstehen. Alle Angaben des Bar Hebraeus: die Berufung 
der Synode durch den Kaiser, Vorsitz des Xenaya, Anathema- 
tisierung der Chalcedonensischen Synode und des Tomus Leonis, 
(Reise der Mönche nach Constantinopel und die Anklage des 
Flavian beim Kaiser), endlich die Entfernung desselben stimmen 
mit den Vorgängen auf dieser Synode überein. Zudem fahrt 
dann auch Bar Hebraeus in No. 42 mit den Worten desselben 
Capitelsdes Zacharias fort, (Land, Anecd.HI pg. 226, 2): „und nach 
ihm (Flavianus) wurde der Mönch Severus, ein sehr befähigter 
Mann aus dem Kloster des Theodorus u. s. w. [Patriarch]." 5 ) 



1) vgl. Revue archöologique XXVI, 399, 2—6. Theophanes Chrono- 
graph. 239, 15 ft. 

2) Land Anecd. III, 223, 4. 

3) Beide Schriftsteller unterscheiden sich nur dadurch, dass nach 
Theodorus -Theophanes Anastasius die Akten zerreissen will und der 
Eunuch und öconomus der Kirche Calopodius, auf Geheiss des Magister 
Celer, dieselben vom Altar heimlich raubt {xktyaq), nach Zacharias aber 
die Kleriker selbst die Akten nehmen und dem Magister übergeben. 

i) Land. UI pg. 225, 2 ff. (Liber VII cp. 10.) 

5) Die von Zacharias, Land III pg. 226, 8— 15 und mit fast den- 
selben Worten pg. 229, 11 ff. mitgeteilte Abhaltung einer Synode des 
antiochenischen Bischofssprengeis zu Tyrus kann durchaus nicht ange- 
fochten werden, trotz der an und für sich stichhaltigen Gründe Assemanis 
gegen den ebenfalls aus Zacharias geflossenen Bericht des Dionysius von 
Tellmahrö (Ass. BO. II 18 ff.). Allein die Stelle, gegen welche sich seine 
Kritik richtet: „Praefuerunt — Paulus Edessae (pg. 19a unten) ist ein 



Digitized by 



Google 



§ 6. Abhängigkeit des Bar Hebr. von Michael Syrus. 25 

Auch hier lassen sich, wie die Erörterungen beweisen, ge- 
wichtige Gründe gegen die Herleitung der oben angeführten 
Stelle des Bar Hebraeus aus dem Chronicon Edessenum nicht 
beibringen. 

§ 6- 

Wenn wir nun daran festzuhalten haben, dass Teile der 
Edessenischen Chronik von Bar Hebraeus benutzt sind, so bleibt 
doch noch die Frage zu entscheiden, ob Bar Hebraeus selber 
Einsicht in die Chronik von Edessa genommen und die be- 
treffenden Teile seiner Chronik einverleibt oder ob er sie bereits 
mit anderen Quellen zusammengearbeitet vorgefunden und in 
Verbindung mit diesen seinem Werke eingefugt, d. h. die Edes- 
senische Chronik überhaupt nicht gekannt hat? Nach dem, was 
vorliegt, zu urteilen, dürfen wir nur das letztere für das Richtige 
halten. Wir haben bereits oben mitgeteilt, dass die Angabe des 
Bar Hebraeus über die Öffnung des Sarkophags der Euphemia 
aus Michael Syrus' ! ) Chronik entlehnt ist. Eine Vergleichung 
beider Werke bestätigt, dass Bar Hebraeus fast identisch mit 
Michael ist, nur dass von ihm eine Scheidung des weltgeschicht- 
lichen (Chron. syriacum) und des kirchen geschichtlichen (Chron. 
eccles.) Stoffes des Michael vorgenommen ist, und zum Überfluss 
nennt Bar Hebraeus in der Praefatio zu seiner syrischen Chronik 
den greisen M&r* Michael als seine Quelle. Dass man natürlich 
auch die übrigen Stellen dem Michael zuschreiben muss, obwohl 
sie in unserer arg beschnittenen und verstümmelten armenischen 



fehlerhafter Einschub des Dionys und seine Zeitangabe (515 n. Chr.) ist 
ebenfalls willkürlich. Die Synode hat noch vor der Absetzung des Elias 
Ton Jerusalem stattgefunden und diente der Einführung des monophysi- 
tischen Glaubens in dem antiochenischen Sprengel auf Grund von Zenos 

Henoticon. — BO. II 19* Z. 15 lies: j-^o ^<^<n? ILjo-^? <jl-o**o 
„und er zeigte es (legte aus) — d. i. das Henoticon, — welches diente zur 
Aufhebung dessen, was zu Chalcedon geschehen war" statt des wider- 
sinnigen ->i-4,o 11 in n\? o^9 0i*Od»o 

1) Patriarch der Jacobiten 1166 — 1199, vgl. Wright, ßyr. Lit. 1. 1 
pag. 851 f. 



Digitized by 



Google 



26 § 7. Hat Michael Syrus den Dionys benutzt? 

Version nicht vorkommen, und nicht die eine dieser und die 
andere jener nebenbei benutzten Quelle, ergiebt sich von selbst 
und entspricht durchaus dem Verfahren der Chronisten, die ihre 
Quellen erschöpfender gebrauchten als nur zu der einen oder der 
anderen kurzen Notiz. 



§ 7. 

Da nun wiederum Michael nach eigener Aussage ! ) die 
Chronik des Dionysius von Tellmature benutzt hat, so liegt die 
Vermutung nahe, dass die Angaben der Edessenischen Chronik 
durch dessen Vermittlung in das Werk des Michael gelangt sind. 

Die bereits im Anfange unseres Abschnittes (pg. 7—9) mitge- 
teilten Berichte des Dionysius No.No. XXII/XXIV, XXXIII/XXXIV, 
XXXVU/XXXVUI, XXIX, XLVIII, LI, LIX, dürfen wir billig 
als aus der Edessenischen Chronik herrührend betrachten, wenn 
auch die getroffene Auswahl aus dem Edessenischen Bischofs- 
register auffallig ist. — Die Angaben des Dionysius in No. 
XXXVII/XXXVIII: „und Kyros nahm seine Stelle ein" und in 
No. LI: „Diogenios starb a fehlen zwar in der Chronik von 
Edessa; No. XXIX der Edess. Chronik folgt bei Dionys. hinter 
No. XXXVIIXXXVIH und Dionys. hat in seiner der No. 
XLVIII der Edess. Chronik entsprechenden Angabe das Jahr 
722 statt 720 der Edess. Chronik. Allein diese Abweichungen 
sind gegenüber den vielen Übereinstimmungen von untergeord- 
neter Bedeutung. Erstere beiden Zusätze ergeben sich als ganz 
natürliche aus dem Kontext; die anderen beiden mögen rein 
zufallig oder aus fehlerhaften Beziehungen und Berechnungen 
entstanden sein, die sich bei Dionys auch an anderen Stellen 
finden. — 

Eine Vergleichung indes der beiderseitigen aus dem Chroni- 
con Edessenum geflossenen Berichte des Dionysius und des Bar 
Hebraeus beweist, dass die Quelle des letzteren, Michael, sowohl 
für seine Angaben über die Edessenischen Bischöfe als auch für 
die weiteren Mitteilungen, die auf die Edessenische Chronik 



1) Michael, Praefatio zu seiner Chronik pg. 19, 20; vgl. BarHebraei 
Praefatio zur Syrischen Chronik. 



Digitized by 



Google 



§ 7. Abhängigkeit des Dionys von der Edeesen. Chrouik. 27 

zurückgehen, den Dionjsius nicht benutzt hat, sondern (sehr 
wahrscheinlich) selbst dieselbe eingesehen haben muss, denn 

1 ) weist Bar Hebraeus gegenüber dem Dionys eine grossere 
Reichhaltigkeit an Berichten über die Edessenische Kirche und 
ihre Bischöfe auf, so die den No. No. XII, XIV, XVIII der Edess. 
Chron. entsprechenden Berichte; 

2) hat Dionys gegenüber dem Bar Hebraeus die den No. No 
XXH/XXIV (L Chr. Ed. entsprechenden Angaben. 

Auch der Text des Bar Hebraeus steht dem der Edess. 
Chronik bei weitem näher als dem des Dionysius, vgl. z. B. 
No. XXXVIII: in dieser Zeit brachte man den Sarkophag u.s. w„ 
wo Bar Hebraeus den Fehler macht, die Überführung des Sarko- 
phags des Thomas dem Eulogius zuzuschreiben. Dieser Fehler 
kann durch die Fassung der Edess. Chron., nie aber durch die 
des Dionysius veranlasst sein. Dionysius und Bar Hebraeus 
stimmen tiberein gegenüber der Edess. Chron.: „die Orthodoxen 
zogen ein und nahmen von der Edessenischen Kirche Besitz 
(aiaÄ) w in No. XXXITT „. . . . die Orthodoxen nahmen die Edess. 
Kirche in Besitz (nSn*)". 

So ergiebt hier denn die Untersuchung, dass Michael Syrus 
die betreffenden Stellen der Edessenischen Chronik im Dionysius 
von Tellmabrö zwar gekannt, die Edessenische Chronik aber un- 
mittelbar benutzt hat. 

B. 

Abhängigkeitsverhältnis des Chronicon Edessenum, des 
Dionysius vonTellmahre 1 ) und des Bar Hebraeus (Chroni- 
con syriacum) von der Chronik des Josua Stylites. 

§ 8. 

Wir senden behufs Vergleichung die entsprechenden Berichte 
der vier Chroniken voraus. 



1) Die betreffenden Stellen des Dionys verdanke ich ebenfalls der 
gütigen Mitteilung des Herrn Prof. Guidi. 



Digitized by 



Google 



28 8- Parallelberichte der Chron. des Jos. Styl., Dionys, Bar Hebr. etc. 



Chronicon des 
Josua Stylites. 
(ed.W.Wright.) 

Pg. 26,8— 10.— 
§ XXXI. ImJahre 
809.. ..In diesem 
Jahre wurde ein 
Edikt des Kaisers 
Anastasius ver- 
öffentlicht , dass 
das Chrysargyron, 
welches die Hand, 
werker alle vier 
Jahr einmal ent- 
richteten, erlassen 
werden und dass 
sie von den Ab- 
gaben befreit sein 
sollten ; nicht bloss 
für die Stadt Or- 
häi, sondern für 
alle Städte des 
römischen Rei- 
ches wurde dieses 
Edikt ausgegeben. 

§ XXXII pg. 
27, 1-3. — In 
diesem Jahre aber, 
am 5. Haziran 
schied aus der 
Welt der Bischof 
Mari Kyros und 
Petros folgte ihm 
nach. 

§ XXXIII pg. 
27. 14 ff. — Im 
Jahre 810 ... . 
kamen viele Heu- 
schrecken aus 
dem Süden in das 
Land ; aber sie 
verursachten bei 
uns in diesem 



Chronicon 
Edessenum. 

No. LXXIV. — 
Im Monat Jyar des 
Jahres 809 wurde 
das Chrysargyron 
den Werkleuten 
auf der ganzen 
Erde erlassen. 



LXXV. — Im 
Monat Haziran 
desselben Jahres 
entschlief Kyros, 
Bischof von Orhai, 
es folgte ihm Pe- 
tros nach, der am 
12 Elül desselben 
Jahres in Orhai 
einzog. 

No.LXXVL- 
Im Jahre 810 er- 
schienen viele 
Heuschrecken, 
verursachten aber 
in diesem Jahre 
noch keinen Scha- 
den, legten aber 
Eier. 



Chr. d. Diony8ius 
von Tellmalrö. 



Bar Hebraei 
Chron. Syriacum. 



Im Jahre 810 
kamen viele Heu- 
schrecken ins 
Land und ver- 
nichteten alles, 
wie von uns oben 
bereits berichtet 
ist; und in diesem 
Jahre fand ein 



Digitized by 



Google 



§ 8. Parallelberichte der Chron. des Jos. Styl., Dionys, Bar Hebr. etc. 29 



Chronicon des 
Josua Stylites. 

Jahre weiter kei- 
nen Schaden, son- 
dern legten in 
unserem Lande 
ihre Eier in nicht 
geringer Anzahl . . 
. . [Z. 17. furcht- 
bare Erdbeben 
kamen über das 
Land . . . .] 

§ XXXIV pg. 
28, 3. Im Monat 
Elül fand aber ein 
heftiges Erdbeben 
statt nnd ein star- 
kes Getöse wurde 
vom Himmel her 
über der Erde ge- 
hört. Z. 7 Ein 
wunderbares Zei- 
chen zeigte sich 
am Euphratflusse 
und an d erwärmen 
Quelle von 'Abar- 
ne\ deren Wasser 
an diesem Tage 
zu fliessen auf- 
hörte. 

pg.28, 17 ff.— 
und der Brief 
wurde vor der 
ganzen versam- 
melten Gemeinde 
vorgelesen: Nico- 
polis sei plötzlich 
um Mitternacht 

zusammenge- 
stürzt und hätte 
in ihrer Mitte 
alle ihre Bewoh- 



Chronicon 
Edes8enum. 



Ein heftiges 
Erdbeben fand 
statt. 



Die heisse 
Quelle von \Abar- 
nö versiegte drei 
Tage lang. 



Die Stadt Ni- 
copolis wurde zer- 
stört und begrub 
in ihrer Mitte 
alle ihre Bewoh- 
ner ausser dem 
Heiligtum, dem 



Chr. d. Dionysiu8 
von TeUmabr§. 

heftiges, schweres 
Erdbeben statt 
und Nicopolis 
wurde vernichtet 
u. s. w. (siehe 
weiter unten.) 



und wiederum 
am Tage des Wun- 
derzeichens und 
des Erdbebens 
versiegte die 
heisse Quelle von 
'Abarnß drei Tage 
lang und kehrte 
dann an ihren Ort 
nach früherer Ge- 
wohnheit zurück. 



Bar Hebraei 
Chron. Syriac. 

(pg. 79, U ff.) 



Nicopolis wur- 
de vernichtet und 
begrub alle ihre 
Bewohner ausge- 
nommen die Kir- 
che und das Bi- 
schofshaus . . . . 



In dieser Zeit 
wurde Nicopolis 
zerstört und be- 
grub alle ihre 
Bewohner ausser 
dem Bischof und 
zwei Syncellen. 



Digitized by 



Google 



30 § 8. Parallelberichte der Chron. des Jos. Styl., Dionys, Bar Hebr. etc. 



Chronicon des 
Josua Stylites. 

ner verschüttet . . 
. . ausser dem Bi- 
schof der Stadt 
und zwei anderen 
Leuten, die hinter 
der Apsis des Al- 
tars der Kirche 
geschlafen hätten. 

§ XXXVII pg. 
32, 16 ff. — [Im 
Jahre 811].... und 
wiederum sahen 
wir im Xänün 
'herai ein anderes 
Zeichen im süd- 
westlichen Winkel 
des Himmels, das 
einem Speer glich. 

§ XXX VIII pg. 
33, 1—4. — Im 
Monat Adär dieses 

Jahres kamen 
über uns die Heu- 
schrecken aus der 
Erde, so dass wir 

wegen ihrer 
Menge vermute- 
ten, nicht bloss die 
Eier, die in unse- 
rem Lande gelegt 
waren, seien aus- 
gekrochen. 

§XLVHpg.43 
ult — 44, 2. — 
[Im J. 813] Am 22. 
Ab dieses Jahres 
in der Nacht vom 
Donnerstag auf 
den Freitag war 



Chronicon 
Edessenum. 

Bischof und zwei 
Syncellen. 



Chr. d. Dionysius 
von Tellmabre. 



Ein Zeichen, 
das einem Speere 
glich, wurde im 
Monat Känün '1. e- 
räi am Himmel 
viele Tage hin- 
durch sichtbar. 

LXXVIH. — 
Im Jahre 811 ka- 
men viele Heu- 
schrecken, verur- 
sachten grossen 

Schaden und 
frassen alles Ge 
treide ab. 



LXX1X. — Am 
22. Ab des Jahres 
813 war ein grosses 
Nordlicht (wörtl. 
ein grosses Licht 
an der nördlichen 
Seite), das die 



Im Jahre 813 
war ein grosses 

Erdbeben und 
Ptolemais u. s. w. 

(siehe weiter 
unten) .... und in 
dieser Nacht, in 



Bar Hebraei 
Chron. Syriacuni. 



Ein Komet 
war viele Tage 
hindurch sicht- 
bar. 

Wiederum ka- 
men die Heu- 
schrecken und 
richteten Verwü- 
stungen an; eine 
grosse Hungers- 
not brach in Me- 
sopotamien aus. 



Wiederumwar 
ein grosses Licht 
im Norden (Nord- 
seite), das die 
ganze Nacht hin- 
durchstark leuch- 
tete, sichtbar. 



Digitized by 



Google 



§ 8. Parallelberichte des Chron. des Jos. Styl., Dionys, Bar Hebr. etc. 31 



Cbronicon des 
Josua Stylites. 

ein grosses Licht 
für uns sichtbar, 
indem es auf- 
leuchtete im Nor- 
den die ganze 
Nacht hindurch 
— Z. 6 und in der 
Nacht, in welcher 
dieses grosse, 
flammende Licht 
schien, wurde die 
Stadt Ptolemais, 
d. i. Akko, zer- 
stört und nichts 
blieb in derselben 
aufrecht stehen . . 
. . Z. 10 . . an dem 
Tage, an dem das 
Licht erschien und 
Ptolemais zusam- 
menstürzte, fiel 
[auch] die Hälfte 
der Städte, näm- 
lich Sür und §i- 
don. In Berytus 
stürzte nur die 
Synagoge der Ju- 
den zusammen. 

§L pg.46,10— 
13. — [Im Jahre 
814]. Der König 
derPerserlJawadh 
kam am Sonntag, 
den 5. Tesn fe- 
dern von Norden 
her und lagerte 
vor der Stadt 
Amid in Meso- 
potamien 



Chronicon 
Edessenum. 

ganze Nacht hin- 
durch leuchtete, 
sichtbar. 



No.LXXX. — 

Amö.Teörifcedem 
des Jahres 814 la- 
gerte Kawadh vor 
Amid, bestürmte 
und nahm es nach 
97 Tagen. 



i Chr. d. Dionysius 
I von Teümahrg. 

■ der das Erdbeben 
stattfand, am 22. 
Ab, in der Nacht 
von dem Donners- 
tag auf den Frei- 
tagwurde im Nor- 
den (Nord8eite)ein 
Zeichen in Gestalt 
eines Feuers, das 
flammte, sichtbar. 
und Pto- 
lemais, Sür und 
Sidon wurden zer- 
stört und auch in 
Berytus fiel die 
Synagoge der Ju- 
! den zusammen 
' und in dieser 
Nacht, in d. (siehe 
oben). 



Im Jahre 814 
eroberte Kawadh 
Amid und Theodo- 
siupolis 1 ) > tötete 
und führte ihre 
Einwohner ge- 
fangen fort. In 
Amid gabes 85000 
Getötete, die aus 
dem nördlichen 
Thor heraus ge- 



Bar Hebraei 
Chron. Syriacum. 



1) Vgl. Jos. Styl. § XLVIII. 



Digitized by 



Google 



32 § 8. Parallelberichte der Chron. des Jos. Styl., Dionys, Bar Hebr. etc. 



Chronicon des 
Josua Stylites. 

§ LDI pg. 51, 8 ff. 
und die Zahl der- 
jenigen, die durch 

das nördliche 
Thor herausge- 
bracht wurden, 
war grösser als 

80000 ausser 
denen, die lebend 
weggeführt wur- 
den. 



§LXIIpg.62,l. 
— Er (£awadh) 
kam abermals zu 
kämpfen wider 
Orhai am Mitt- 
woch, den 24 Elul 
und er schloss die 
Stadt von allen 

Seiten ein 

63, 2 und sie leg- 
ten Feuer an die 
Kapelle des Mär* 
Sergi(o)8 und an 
die der Bekenn er 
und an alle Ge- 
bäude, die stehen 
geblieben waren. 



Chronicon 
Edessenum. 



LXXXI. — Im 
Monat Elül des- 
selben Jahres kam 
er (Kawadh) und 
belagerte Orhäi. 
Durch Gottes 
Gnade richtete er 
keinen Schaden 
an, ausser dass er 
die Märtyrerka- 
pelle des Sergi(o)s 
und die nördliche 
Basilica der Be- 
kennerkapelle in 
Brand stecken 



Chr. d. Dionysius 
von Tellmahrg. 

bracht wurden, 
abgesehen von 
denen , die man 
aus den anderen 
Thoren heraus- 
trug. — As. BO. I 
273 Notaö. — und 
in diesem Jahr 
kämpften Römer 
und Perser bei Teil 
Beämäii). Die Rö- 
mer wurden ge- 
schlagen. [Die 
Perser] belager- 
ten 2 ) aber auch 
Telia und Orhai 
und führten die 
Haraniten gefan- 
gen fort, wie wir 
bereits oben er- 
zählt haben. 



Bar Hebraei 
Chron. Syriacum. 



1) Vgl. Jos. Styl. § LI. 

2) Vgl. Jos. Styl. §§ LVIII und LIX. 



Digitized by 



Google 



§8. Hat d. Verfasser d. Ed. Chron. d. J. Stylites unmittelbar benutzt? 33 

W. Wright 1 ) hat in seiner trefflichen syrischen Literatur- 
geschichte bereits darauf hingewiesen, dass der Verfasser der 
Edessenischen Chronik das Werk des Josua Stylites benutzt und 
epitomiert habe. Die Chronik des Styliten liegt in einem kurzen 
Auszug vor in den No.No. LXXIV — LXXXI mit Ausnahme der 
No. LXXV (siehe weiter unten) und der No. LXXV1I, welche die 
Entsetzung des Patriarchen Euphemius von Konstantinopel und 
die Einsetzung seines Nachfolgers Macedonius aus fremder Quelle 
enthält Wenn nun auch die Angabe Wrights, dass Teile der 
Chronik des Josua in dem Chronicon Edessenum enthalten sind, 
durch eine Vergleichung aufs neue bestätigt wird, so ist doch 
das Urteil dieses Gelehrten, dass der Verfasser der Edessenischen 
Chronik selbst den Josua epitomiert haben dürfte, nicht über 
allen Zweifel erhaben. Im Gegenteil, es liegen Abweichungen 
vor, die wohl darauf hinweisen, dass die Chronik des Sty- 
liten nur mittelbar in unserer Chronik vorliegen kann. Dahin 
gehören die Übertreibungen der Edess. Chr. in No. LXXV1 
„versiegte drei Tage" und „wurde am Himmel viele Tage sicht- 
bar " (doch kann letzterer Zusatz auch auf mündlicher Über- 
lieferung oder auf Jugenderinnerung des Kompilatoren beruhen-, 
an den Kometen, der die grossen Kriege einleitete, wird man 
noch lange gedacht haben), desgleichen auch das bei Josua 
fehlende „abgesehen vom Tempel" derselben Nummer, obwohl 
hier die Annahme eines falschen Schlusses seitens des Chronisten 
noch möglich sein kann. Über den Zusatz in No. LXXXI „die 
nördliche Basilica der Bekennerkapelle " anstatt des einfachen 
„ Bekennerkapelle il des Josua vgl. die Anm. in der Über- 
setzung. Mit Notwendigkeit müsste die bei Josua fehlende 
Angabe der No. LXXIV „im Monat Jyar" auf die Benutzung 
einer zweiten Quelle hinweisen. Aber der uns vorliegende Josua- 
Text ist durchaus nicht gut erhalten, so dass auch hier die 
Möglichkeit eines Ausfalls immerhin zugegeben werden muss. 
Die No. LXXV ist trotz annähernd wörtlicher Übereinstimmung 
im ersten Teile mit Josua Stylites durchaus nicht aus dessen 
Chronik entlehnt; sie ist vielmehr ein Bestandteil der sich 
durch das Ettenib-Schema (vgl. pg. 53 f.) dokumentierenden Fort- 
setzung der edessenischen Bischofsliste. 2 ) 

1) Vgl. Einleitung pg. 4, Nota 1. 

2) Vgl. die Quellenuntersuchung § 20. 

Texte u. Untersuchungen IX, 1. 3 



Digitized by 



Google 



34 § 9. D. Werk d. Dionys enthält d. Chron. d. J. Styl. u. e. Epitome derselben. 



§ 9. 

Wie schon die Vergleichungstafel zeigt, bietet Dionysius 
ebenfalls Angaben, die durchgehends mit denen des Josua Sty- 
lites, zum Teil mit denen des Chronicon Edessenum überein- 
stimmen. Da einerseits die Benutzung der Chronik des Josua 
Stylites seitens des Dionysius durch eine Vergleichung erwiesen 
wird, andrerseits das ganze Werk desselben von ihm seiner 
Chronik einverleibt und uns nur durch seine Vermittlung er- 
halten und überkommen ist 1 ), so ergiebt sich hier die merk- 
würdige Thatsache, dass Josua zweimal in der Chronik des 
Dionysius enthalten ist, einmal als Epitome, sodann als voll- 
ständige, in sich abgeschlossene Arbeit Wer ist nun der Ver- 
fasser der Epitome? Dionysius selbst? Offenbar nicht; denn 
es ist ein Unding anzunehmen, dass Dionysius, der den ganzen 
Josua seiner Chronik einfügte, denselben nochmals in einem von 
ihm selbst gefertigten Auszuge benutzt haben sollte. Ebenso 
wenig wird er die Angaben des Chronicon Edessenum, die er 
gekannt hat, aus dem Josua vervollständigt haben. Er muss 
vielmehr eine Epitome, die alle diese Angaben bereits enthielt, 
benutzt haben, ohne selbst zu wissen, dass sie ein Auszug des 
Josua Stylites gewesen ist. Dies wird auch durch die Notiz 
bei Dionys. (entspr. No. LXXX d. Ed. Chr.): , SsS ,j*j \±c ^\ 
^|ooi >&u,9 „wie wir oben bemerkt haben" bestätigt; denn 
mit „wir" kann weder Josua Stylites, bei dem eine solche An- 
gabe völlig fehlt, noch Dionysius selbst gemeint sein, da er 
vorher nichts von einer Aktion gegen Haran u. s. w. gesagt hat, 
sondern das „wir 1 * bezieht sich auf den Epitomator, der damit 
auf seine den No.No. LI und LH der Chronik des Styliten ent- 
sprechenden und entlehnten Angaben zurückweist. Die gleiche 
Bemerkung findet sich in der der No. LXXVI d. Ed. Chr. ent- 
sprechenden Stelle des Dionysius. Auch hier fehlt jede Be- 
ziehung auf Vorangehendes; doch lässt sich diese auf folgende 
Weise herstellen. Nach Josua haben im Jahre 810 die Heu- 
schrecken dem Lande keinen Schaden zugefügt, sondern sie sind 

1) Wright, Preface of his edition of the chronicle of Joshua the 
Stylite II pg. VIII. 



Digitized by 



Google 



§ 10. Hat Bar Hebr. den Josua Styl, unmittelbar benutzt? 35 

gekommen und haben nur ihre Eier gelegt. Nach Dionys da- 
gegen sind sie ins Land gekommen und haben in diesem Jahre 
(S10) schon alles vernichtet und abgefressen. Da beide Schrift- 
steller sich widersprechen, dieser Widerspruch aber verschwindet, 
sobald man die Angabe des Dionys auf den Bericht Josuas in 
§ XXXVIII, nach dem im Jahre 811 die ausgeschlüpften Heu- 
schrecken gekommen sind und alles Getreide vernichtet haben, 
bezieht, so sind unseres Erachtens hier zwei Berichte des Epito- 
mators, die den Heuschreckenberichten des Josua in §§ XXXIII 
und XXXVIU entsprechen, bei Dionysius zusammengefallen. Das 
beweist die von Dionys verständnislos übernommene Bemerkung 
des Epitomators, die sich nur auf das erstmalige Kommen der 
Heuschrecken im Jahre 810 (vgl. Josua Styl. § XXXIII) zurück- 
beziehen kann, wenn nicht, sinnlos ist. 



§ 10. 

Hinsichtlich der vier Angaben des Bar Hebraeus in seiner 
Syrischen Chronik ist nur das festzustellen, dass sie nicht aus 
der Chronik des Dionysius von Tellmatre entlehnt sein können, 
denn die Angabe „es war ein Komet sichtbar" fehlt bei 
Dionys. Somit wird auch hier das bereits oben gewonnene 
Resultat von dem Verhältnis des Bar Hebraeus *) zur Edesse- 
nischen Chronik gelten können, nämlich dass auch die aus der 
Chronik des Josua Stylites entlehnten Stücke der Edessenischen 
Chronik durch Michael in die Syrische Chronik des Bar Hebraeus 
gekommen sind, zumal die Angaben desselben die charakteri- 
stischen Eigentümlichkeiten der Edess. Chron. gegenüber dem 
Josua aufweisen, vgl. „viele Tage 1 ' (LXXVI). Allein mit Sicher- 
heit ist es nicht festzustellen; denn Bar Hebraeus liest nicht 
mit der Edess. Chron. die fehlerhafte Angabe „abgesehen von 
dem Heiligtum und dem Bischof und zwei Syncellen", sondern 
mit Josua richtig „abgesehen von dem Bischof u. s. w. u ; dass 
das jedenfalls auf einem Versehen eines Excerptors des Josua 



1) Das „wiederum 4 * der dritten Angabe des Bar Hebraeus weist mit 
Notwendigkeit auf das Vorhandensein eines (vorangebenden) weiteren 
Heuschreckenberichtes in seiner Quelle hin. 

3* 



Digitized by 



Google 



36 §11- Ähnlichkeit d. Edess. Chron. mit d. Epitome d. J. Styl, bei Dion. 

beruhende .... IL^no „und die Kirche" wieder aus Versehen 
ausgefallen sein sollte, wäre ein wunderlicher Zufall, und absicht- 
lich hat gewiss kein syrischer Geistlicher die augebliche Rettung 
der Kirche wieder weggelassen x ). 



§ 11. 

Wir haben bereits bei der Vergleichung der entsprechenden 
Stellen der Chroniken von Edessa und des Josua Stylites auf 
die charakteristischen Eigentümlichkeiten der ersteren hingewie- 
sen. Dieselben Eigentümlichkeiten finden sich nun bei Dionysius 
von Tellmabre, der eine Epitome der Chronik des Styliten be- 
nutzt hat. Vgl. „versiegte drei Tage lang" und „ausser der 
Kirche" 2 ). Da es wenig wahrscheinlich ist, dass Dionysius diese 
Sonderheiten aus der Edessenischen Chronik in die Excerpte der 
von ihm benutzten Epitome eingetragen hat, so liegt die Ver- 

1) Die bei Bar Hebr. Chron. syr. pg. 79, 12 vorangehende Notiz: 
„In seinem achten Jahre (des Anastasius) erregte gegen Kawadh sein 

Bruder Zamasp einen Aufstand und war König zwei Jahre lang. IJawadh 
floh und zog nach Sammlung eines Heeres gegen seinen Bruder, schlug 
und tötete ihn. Darauf herrschte er 30 Jahre. 44 
stammt nicht aus der Chronik des Josua, wenn dieser auch über den 
gleichen Gegenstand (vgl. § XXIV) berichtet. Bar Hebr. Chr. syr. pg. 79 
Z. 17 ff. folgte der dem syrischen, erweiterten Geschichts werke des Zacha- 
rias entnommene Bericht über die Belagerung und Eroberung der Städte 
Theodosiupolis und Amid durch I£awadh: ein dürftiger, aber in seiner 
Dürftigkeit doch wörtlicher Auszug, vgl. Land, Anecd. III 203, 13 bis 210. 
23, Michael pg. 174, Zeile 3 ff., wozu indes zu bemerken ist, dass nach der 
Quelle der Hunneneinfall zur Zeit der Regierung des Anastasius statt- 
fand, (im 13. Jahre, vgl. Land, Anecd. III, 203, 16) nicht, wie Bar Hebraeus 
fälschlich angiebt, unter der Regierung des Zeno. Zu bemerken ist hier, 
dass diese Partien bei Land Anecd. III auf keinen Fall aus dem grie- 
chischen Zacharias stammen, sondern aus einem Amidener syrischen 
Originalbericht, vermutlich durch Joh. von Ephesus vermittelt (vgl. 
Theodor Nöldeke, Tabari- Übersetzung pg. 146 Notel; anders G. Krüger, 
Mono phy8i tische Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Reichspolitik, 
Jena 1884 pg. 20—43). — Ob Dionys dem Zacharias folgt, ist nicht sicher, 
denn die bei Ass. BO. I 274 Nota 2 mitgeteilten Angaben weichen stark 
von Zacharias (aber auch von Josua Stylites) ab. 

2) Dionysius hat eine gewisse Kongruenz hergestellt, indem er aus 
dem Bischof das „ Bischofshaus u macht! 



Digitized by 



Google 



§ 12. Resultate. 37 

niutung nahe, dass die sowohl der Edessenischen Chronik als 
auch der des Dionys zu Grunde liegenden Auszüge identisch 
gewesen sind. 



§ 12. 

Fassen wir jetzt kurz die Resultate zusammen, die wir 
durch unsere Untersuchung gewonnen haben, so sind es die 
folgenden: 

1) Dionysius von Tellmatre hat die Edessenische Chronik 
als Quelle für seine Angaben über die edessenischen Bischöfe 
bis zur Inthronisation des Nestorianers Ibas benutzt 1 ). 

1) Hiernach könnte es scheinen, als ob Dionysius nur die edesse- 
nische Bischofeliste oder den Teil derselben, der bis zur Erhebung des 
Ibas auf den Bischofsitz reicht, benutzt habe; allein Dionys hat die 
Edessen. Chronik in der Gestalt und dem Umfang, wie sie uns heute 
noch vorliegt, gekannt und benutzt, und dass er bei Ibas abbricht (gerade 
so auch Bar Hebraeus), hat gewiss andere, offenbar in seiner Gegner- 
schaft gegen den Nestorianismus resp. Katholicismus wurzelnde Gründe. 
Vcn den späteren Bischöfen, von denen unsere Chronik handelt, erwähnt 
er noch den Cyrus (vgl. BO. I 353, Nota 1), den Paulus und Asclepius, 
hauptsächlich wohl den Berichten des Johannes von Ephesus folgend; 
vgl. BO. I 409 ff. die Noten und Land. II, 289—298. — Nach W. Wright 
£yr. Lit. 1. 1. pg. 846 soll Dionys für den ersten Band seiner vierbändigen 
Chronik neben dem Chronicorum Canonum Liber des Eusebius, seiner 
Hauptquelle, unter andern auch die Edessenische Chronik benutzt haben. 
Wright hat, wenn wir richtig sehen, die Angaben von Geizer und Sieg- 
fried in der Praefatio ihres Werkes: Eusebii Canonum Epitome ex 
Dionysii Telmaharensis Chronico petita (Leipzig 1884), pg. VII No. III: 
„Regum Edessenorum seriein exhibet ex chronico fortasse Edesseno, quam 
pubüci juris fecit J. S. Assemanus in primo Bibliothecae Orientalis tomo " 
verlesen. Sein Urteil ist falsch; denn abgesehen von der geringen An- 
zahl der in Betracht kommenden Angaben (10) der Edessenischen Chronik 
— der bei Ass. BO. 1 393, Note 3 mitgeteilte Flutbericht (der zweite) des 
Dionys ist in dem ersten Bande nicht mehr enthalten, auch überhaupt 
nicht aus der Edessenischen Chronik entlehnt — sind die für Dionysius, 
der doch die Königsliste von Edessa überliefert hat, wichtigsten Notizen 
unserer Chronik (V, IX) garnicht benutzt. Gewissermassen ähnelt die An- 
gabe Dion. v. Tellm. ed. Tullberg I, 157, 10 oas ^ocn^t*? L+, Ma^o 
oj| 'i^© )-»©Z£Ä^h *jon* nn\ „In ihrem (des Lucius und Aurelius) 
sechsten Jahre bekämpfte und unterjochte Lucius die Parther 44 der 



Digitized by 



Google 



38 § 12. Resultate. 

2) Michael Syrus hat, obwohl er die Angaben der Edesse- 
nischen Chronik bei Dionysius von Tellmakre gekannt hat, un- 
mittelbar die Edessenische Chronik für sein Werk benutzt. 

3) Bar Hebraeus hat vermutlich die Edessenische Chronik 
nicht gekannt, jedenfalls aber hat er die Angaben derselben 
aus der Chronik des Michael Syrus entnommen. 

4) Die der Chronik des Josua Stylites entsprechenden An- 
gaben der Chroniken von Edessa und des Dionysius von Tell- 
matre sind wohl nicht unmittelbar ans der Chronik des Styliten, 
desgleichen auch die des Dionysius nicht aus den der Edesse- 
nischen Chronik entlehnt, sondern sie gehen vermutlich auf 
eine Epitome dieser Chronik des Josua zurück. 

5) Die der Chronik des Josua Stylites entsprechenden An- 
gaben des Bar Hebraeus in seiner syrischen Chronik zeigen 
Berührungspunkte mit der Edessenischen Chronik und dem 
Josua Stylites, doch ist das Abhängigkeitsverhältnis unklar. 

No.VlI der Edessenischen Chronik, aber an eine Entlehnung ist durchaus 
nicht zu denken, schon wegen der Zahlangabe, die mit dem Armenier des 
Euseb übereinstimmt. Vgl. auch die Oberschwemmungsberichte der beiden 
Chronisten; Chr. Edess.I — Dionysius vonTellmabrß ed. Tullberg I p. 162, 
die einander völlig widersprechende Thatsachen berichten; 60 redet z. B. 
der klare authenische Bericht der Edessen. Chron. von der Zerstörung der 
westlichen Mauer, Dionysius (ebenso auch der zweite [?] desselben, dessen 
Angaben fast wörtlich mit den des ersten übereinstimmen) von der Zer- 
störung der östlichen Mauer. 



Digitized by 



Google 



IL 

Sie Quellen der Edessenischen Chronik. 
§ 13. 

Neben der inneren Kritik der Berichte, die die wichtigste 
Grundlage jeder Quellenuntersuchung ist, tritt bei unserer auf 
ihre Quellen hin zu untersuchenden Chronik die Chronologie in 
den Vordergrund, und zwar ist sie in unserem Falle von um so 
grösserem Werte, als gerade der Orient und besonders Syrien 
überreich an Zeitrechnungen sind und fast jede Stadt sich einer 
eigenen bedient. 

Da die edessenische Chronik das Werk eines Edesseners und 
in Edessa selbst entstanden ist, so darf man voraussetzen, dass 
die Ära dieser Stadt, welche die Edessenische oder gemeinhin 
die seleucidische oder Graecorum genannt wird, den Zeitangaben 
der Chronik zugrunde liegt. Thatsächlich ist diese Zeitrechnung, 
die mit dem 1. Oktober 312 ihr erstes Jahr beginnt, in den 
No. No. XXXI und CIV angewandt. In jener ist der September 373, 
in dieser der September 532 gemeint, wie durch andere Berichte 
erhärtet wird (vgl. die Noten zur Übersetzung). Inwieweit diese 
Ära auch in den übrigen Berichten der Edessenischen Chronik 
vorliegt, wird im Folgenden untersucht werden. 



§ 14. 

Schon äusserlich erkennbar folgt eine kleine Anzahl von 
Berichten gegen das Ende dieser edessenischen Ära nicht. Sie 
rechnen nach den Regierungsjahren der Kaiser, denen an zwei 
Stellen die Rechnung nach den laufenden Jahren der Griechen 



Digitized by 



Google 



40 § 14. Antiochenische Quellen der Edess. Chron. 

und einmal sogar die nach Indictionen beigefügt sind. Diese 
Rechnungs weise liegt vor in den No. No. LXXXIII. LXXXV. 
LXXXVI1. XCVI, denen sicher auch No. XCV beizuzählen ist ! ), 
und dieser Wechsel in der Rechnung fuhrt auf die Vermutung, 
dass ein Quellenwechsel vorliegt, zumal auch nach No. XCVI, 
in der ein Bericht aus dem Jahre 850 Gr. vorliegt, der folgende 
ein Ereignis des Jahres 837 zur Darstellung bringt. Man beachte 
ferner, dass es sich in den No. No. LXXXV1I und XCV um die 
Anerkennung der vier Synoden handelt, in LXXXVIII aber nur 
die Anerkennung der Synode von Chalcedon verlangt wird. 

Wie gesagt findet sich neben der Rechnung nach den Re- 
gierungsjahren der Kaiser bei den No. No. LXXXVII und XCVI 
die nach laufenden Jahren d. Gr. und bei letzterer noch die nach In- 
dictionen, welche Zeitrechnung hier allein in der Chronik gebraucht 
ist. Bereits in den Anmerkungen zu den Übersetzungen der einzel- 
nen Berichte ist auf die Widersprüche zwischen den verschiedenen 
Zeitrechnungen derselben hingewiesen, die mit scheinbarer Not- 
wendigkeit zu der Annahme führen, die Rechnung nach den 
laufenden Jahren der Griechen und nach Indictionen sei ein Zu- 
satz unseres Chronisten. Allein dann ist es doch merkwürdig, 
dass der Chronist nur diesen beiden Angaben diese Berechnungen 
hinzugefügt hat. Vielmehr lösen sich diese Widersprüche sehr 
leicht, wenn wir die Regierungsjahre der Kaiser mit Anfang 
jeder Indiction, also am 1. September unseres Jahres, beginnen 
lassen, wie wir bereits bei No. LXXXVII nachgewiesen haben 2 ). 

1) üb No. LXXXIV ebenfalls zu dieser Quellenschicht gehört, ist 
nicht ganz sicher; doch scheint sie zu der voraufgeh enden No. zu ge- 
hören. In diesem Falle gehört auch No. LXXVIl noch zu dieser Quellen- 
schicht, da beide m. £. nicht zu trennen sind. 

2) Auch No. LXXXV spricht für diese Rechnung. Danach rebellierte 
Vitalian im vierundzwanzigsten Jahre des Anastasius. Nach Theophanes 
ist der Aufstand bereits im 23. Jahr des Kaisers, indem er nach üblichem 
Gebrauch das 23. Jahr vom 11. April 513,4 zählt, ausgebrochen. Da nun 
nach Zacharias von Mitylene Vitalian nach dem Tode der Kaiserin Ariadne 
t 824 Gr. = 512/3 D.) sich gegen Anastasius erhob, so wird auch hier 

der 1. Sept. 513 als der Beginn des 24 Jahres des Anastasius gelten 
müssen (vgl. hierzu die Ausführungen LootV in seinem Werke, Leontius 
von Byzanz, — Texte und Untersuchungen u. s. w. von v. Gebhardt und 
Harnack Bd. III Heft 1 u. 2, Leipzig 1887 pag. 245/6, — der auch die 
Quellenverhältnisse einer Untersuchung unterzogen hat). 



Digitized by 



Google 



§ 14. AntiochenJ8che Quellen der Edess. Chron. 4 1 

Mit diesem Resultat sind wir zugleich auch über die Her- 
kunft unserer Quelle im Reinen. Sie kann nicht das Werk eines 
edessenischen Historikers oder Chronisten sein, geschweige denn 
authenische Aufzeichnungen des edessenischen Archivs enthalten; 
dafür spricht auch, dass sie specifisch edessenische Berichte gar- 
nicht hat. Die Rechnung mit dem Jahresbeginn am t. September 
weist auf Antiochien hin, wo sie, unter dem Einfluss der Indic- 
tionenrechnung entstanden, einzig und allein heimisch war, vgl. 
Ideler, Handb. der mathemat. und techn. Chronologie I p. 454. 
Auch die ursprünglich griechische Form zeigt sich noch beson- 
ders klar in der Zeitangabe der No. XCVI. Der Ausdruck 
li-^o?? |jn i ^ c,j1i „zweite Indiction" ist wörtlich aus dem Grie- 
chischen übertragen; specifisch syrisch würde er einfach )' r 4o r z> 
oder Ij^o^lJa-U-DjjUi lauten. 

Ob die wenigen Berichte, die unser Chronist giebt, ein Aus- 
zug aus einem grösseren antiochenischen Geschieh ts werk sind, 
oder ob der Chronist sie aus einer Chronographie nur abge- 
schrieben hat, muss dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich hat 
die Quelle die Geschichte der Regierungszeiten des Anastasius, 
Justin und teilweise auch des Justinian umfassi Unser Chronist 
bricht zwar mit dem Bericht über die Vertreibung des Severus 
von Antiochien und Philoxenus von Mabbog, den er dieser antio- 
chenischen Quelle entnommen hat, ab, um erst, nachdem er in 
fortlaufender Erzählung die edessenische Kirchengeschichte bis 
zum Jahre 838 behandelt hat, dieselbe wieder aufzunehmen. 
Allein dieser Übergang zu der edessenischen Kirchengeschichte 
ist u. E. dadurch bedingt, dass der Name des Patriarchen Paulus 
Judaeus von Antiochien, mit dem die antiochenische Chronik 
sicherlich ihre Berichte fortgesetzt haben wird, unserem Chro- 
nisten Gelegenheit bot, wieder zur Kirchengeschichte von Edessa 
zurückzukehren und mit Paulus von Edessa *) fortzufahren. Dass 
es sich durchaus nicht empfiehlt, mit Assemani die No. XCV auf 
LXXXVII folgen zu lassen, beweist einmal, dass eine so plötz- 
liche Veränderung des Namens „Justin^" in „Justiniane" wenig 
glaubwürdig ist, sodann dass an anderer Stelle Justinianus der 



1) Zu bemerken ist, dass auch die armenische Übersetzung des 
Michael Syrus den Paulus Judaeus von Antiochien und den Paulus von 
Edessa zusammenwirft. 



Digitized by 



Google 



42 § 15. Antiochenische Quellen der Edess. Chron. 

„gottliebende" genannt wird, während dem Justin dieses Lob 
nirgends gespendet ist. Sprachlich ist im übrigen die Beziehung 
des Wortes „Justiniane" auf Justin statthaft, ebenso wie sie ge- 
schichtlich berechtigt ist; denn Justin wie Justinian waren Eiferer 
für die chalcedonische Orthodoxie. 

Was die dogmatische Stellung des Verfassers dieser antio- 
chenischen Quelle betrifft, so ist er ein Anhänger der justiniani- 
schen Kirchenpolitik. Zum Beweise braucht man sich nicht auf 
das Prädicat, das dem Justinian zuerkannt wird, zu stützen, da 
es nicht feststeht, ob es vom Verfasser herrührt, oder nicht viel- 
mehr von dem Verfasser der Edessenischen Chronik hinzugefügt 
ist Klar tritt seine Orthodoxie zu Tage in der No. LXXX1LI, 
wo er über die vom Kaiser Anastasius angeordnete, aber durch 
ein übernatürliches Wunder vereitelte Verbrennung der Akten 
des chalcedonischen Concils berichtet, desgleichen in No. XCV, 
die über den Eifer des Justinian für die Anerkennung der vier 
öcumenischen Concilien handelt. Es ist sehr bedauerlich, dass 
uns von dieser Quelle in unserer Chronik nicht mehr erhalten 
ist. Sie ist die älteste Quelle aus antiochenischen Kreisen, die 
der chalcedonischen Rechtgläubigkeit huldigt, während die chro- 
nographischen Arbeiten eines Domninus, der nach Zenos Tode 
schrieb, und Theophilus (?), der bis zum zweiten Consulat des 
Justinian das Werk des Domninus fortführte, monophysitische 
gewesen sind 1 ). 



§ 15. 

Ein weiterer Bericht unserer Chronik, der die gleiche Ära 
nach der Weise der Antiochener mit dem Jahresanfang am 
1. September hat, möge an dieser Stelle gleich angefügt werden. 



1) Beide Schriftsteller sind von Malalas für seine Chronographie be- 
nutzt, vgl. Mal. 266, 10. 428, 17. Über ihren Monophysitismus, der freilich 
an einigen Stellen von Mal. plump verdeckt worden ist, vgl. Mal. 381, 2 ff. 
407, 4 (xa&atg iv xaZq dvatokixaig noXeaiv liyovaiv) 415 ult. ff. das ke yo- 
fxivwv (416, 2) ist ein Zusatz des orthodoxen Oberarbeiters. So mit Freund, 
Antiochenische und Constantinopol. Stadtchronik, trotz Malalas eigenem 
Zeugnis, s. Patzig, Unerkannt und unbekannt gebliebene Malalasfragmente 
(Programm der Thomasschule, Leipzig 1890). 



Digitized by 



Google 



§ 16. Antiocbenische Quellen der Edess. Chron. 43 

Es ist der Bericht No. LXIX über den Todestag Simeons des 
Styliten, Mittwoch den 2. Elül 771. Nach Assemanis Berech- 
nungen (BO. I, 405 Nota 3), denen Ideler, Handbuch der Chron. 
I p. 455 beistimmt, ist der 2. September 459 gemeint, welcher 
Tag auf den Mittwoch fiel. Daraus ergiebt sich hier eben- 
falls der freilich keineswegs durchgängige Gebrauch der antio- 
chenischen Zeit- Rechnung mit dem Jahresbeginn am 1. Sept. 
statt des ge wohnlichen am 1. October. Dass aber diese Notiz 
in keinem Verhältnis zu der obengenannten antiochenischen 
Quelle steht, beweist das Fehlen des dieser Quelle eigentümlichen 
Schemas der Zeitangabe. Die No. LXIX dürfte vielmehr einem 
Martyrologium entstammen. 



§16. 

Unterziehen wir die dieser antiochenischen Quelle folgenden 
Angaben, die über das Erdbeben, die Feuersbrunst in Antiochien 
und den Tod des Patriarchen Ephrasius handeln, einer Prüfung, 
so weist uns der Tnhalt derselben ebenfalls nach Antiochien. 
Vergleichen wir zunächst die Angaben unserer Chronik mit den 
Parallelberichten des Johannes Malalas (419,5—421,21. 423, 19ff. 
442, 18 ff.) und bei Euagrius IV cp. 5 6, Johannes von Ephesus 
(Land, Anecd. II 299—302) und der Fragmente des Chronicon 
Paschale (bei Freund, antiochen. und konstantinopolitan. Stadt- 
chronik, Jena 1882, p. 39, No. 5 ff.), so ergiebt sich betreffs der 
No. XCVIII unserer Chronik als ein Grundirrtum dieses Berichtes die 
Angabe einer Feuersbrunst in dem besagten Jahre, dem gegen- 
über die der übrigen von einem heftigen Erdbeben allein An- 
spruch auf geschichtliche Wahrheit machen kann. Ja, Johannes 
von Ephesus berichtet sogar (Land, Anecd. II 302, 13 ff.): „. . . . 
das Erbarmen und die Gnade Gottes wurden offenbar, welche 
nicht zuliessen, dass das Feuer sie (die Stadt) ergriffe und ver- 
brenne, wie in der früheren Zerstörung". Dagegen wissen wir 
von einer 30 — 40 Tage währenden Feuersbrunst, welche infolge des 
grossen Erdbebens vom Jahre 526 entstand und welcher samt den 
Trümmerhaufen auch die noch erhaltenen Baulichkeiten der Stadt 
zum Opfer fielen (Mal. 420, 3 ff. Johann v. Ephesus pg. 300 unten), 
und ferner von einer Feuersbrunst, welche diesem Erdbeben bereits 



Digitized by 



Google 



44 § 16. Antiochenische Quellen der Edess. Chron. 

voraufging und sechs Monate hindurch in häufigen Bränden viel 
Schaden in der Stadt anrichtete (Malal. 417, 9 ff., Johann, von 
Ephes. 299, lff.). Da nun aber erstere, wenn auch nicht wört- 
lich mitgeteilt, so doch inhaltlich in Nr. XCVII unserer Chronik 
(vgl. Mal. 419, 5 ff. Johannes von Ephes. 299, 9 ff. Euagrius IV, 5) 
enthalten ist, so bedarf es nur einer Vergleichung mit der zu- 
letzt genannten. 

Malalas 417, 9 ff. Johannes v. Ephesus Chronicon Edesse- 
Land,Anecd.H298ult. num. No. XCV1II. 

Tqide avzqixQovw, Im Jahre 837 ent- Am 15. Thesrüi 
'AvaxoXiov rov KccqI- stand plötzlich eine 'tteräi des Jahres 839 
vor ovrog xofirjTog Feuersbrunst in der war eine grosse 
ävaro/Lf/Q, ovvtß?] Iv Stadt Antiochien, so Feuersbrunst in An- 
\4vTiox6laif4JCQtjOfi6v jdass deren grösster tiochia und sie ver- 
fteyav yeveö&ai t>jro Teil in kurzem ver- 
#ttxi}Q oQyfjg' »QTig brannte, gleichsam 
tfjjiQrjOfjdq Jigoefirj- | wie durch den Zorn 
vvös rfjv xov &eov Gottes so 



fit/Llovoav eöeö&at 
ayaraxTTjöiv. . . . iyi- 
vovxo (Je xäi fterä 
ratra if/jcQTjOfiol 
jioXXoi elg öia<poQovg 
yeixoviag rfjg avrr/g 



plötzlich ergriff das 



zehrte den grössten 
Teil von dem, was 
von dem Erdbeben 
übrig geblieben war. 
Woher das Feuer kam, 



Feuer allerorten die blieb unbekannt, 
einzelnen Quartiere {] ]*oj? k**ajt ^ 
der Stadt fast sechs [ O01 j^^j ^% r 4 
Monate lang. Die 
meisten Seelen der 



jtoXicog, xäi bcav&rj- , Stadt Antiochien 
oav jtoXXol olxot xal | giengen zugleich mit 
axoAovxo jtoUal ihren ttbriggebliebe- 
xpvxai, xal ovöelg tyl- nen Häusern zu 
vcooxe jzo&sv to jcvq Grunde. Niemand 
dv/ljcrero. | konnte in Erfahrung 

bringen, woher das, 

Feuer kam u. s. w. 

oooi ^i mi*V |3|-ä I 

Da alle drei Berichte dasselbe Characteristicum: die Un- 
kenntnis, wie das Feuer entstanden ist, haben, so weist 



Digitized by 



Google 



§ 16. Antiochenische Quellen der Edess. Chron. 45 

die Angabe der Edessenischen Chronik mit Notwendigkeit auf 
diese Feuerbrunst. Da sie aber bereits im Jahre 837 (Herbst 525) 
stattgefunden hat, die Jahreszahl 839 oder richtiger 840 auf das 
zweite bezw. sechste 1 ) Erdbeben hinweist, so bleibt nur die An- 
nahme einer Zusammenfassung dieser beiden Ereignisse als ein- 
ziger Ausweg übrig 42 ). Es unterliegt keinem Zweifel, dass die be- 
treffenden Angaben der Edessenischen Chronik wie die entspre- 
chenden des Malalas (Johannes Rhetor bei Euagrius), des fisyag 
XQOvoyQatpog, u. s. w. im letzten Grunde auf die officiellen Berichte 
des Stadthauses zu Antiochien zurückgehen; nur den Weg, auf 
dem sie in unsere Chronik gekommen, aufzuspüren ist eine Un- 
möglichkeit. Dass sie der Stadthaussammlung direct entnommen 
sind, ist wenig wahrscheinlich. Auch die uns erhaltenen Schrift- 
steller als Quellen anzunehmen hat wenig für sich. Die einzige 
Möglichkeit bliebe, an Malalas selbst (oder seine Quelle) zu denken 
(aber kaum an seinen Ausschreiber Johannes von Ephesus). Vgl. 
auch, was Land (Anecd. 1 p. 168, 12 fif.) in den Schoben über die 
Herkunft der beiden Berichte (über die Erdbeben in Antiochien 
vom Jahre 456 u. 460 Dom.) des Liber Chalipharum fol. 44 r — 
47 r sagt. 

Die drei Berichte mit der ersten antiochenischen Quelle zu- 
sammenzubringen, ist unzulässig wegen der verschiedenen Zeit- 
rechnung. Für die kirchliche Stellung ihres Verfassers geben sie 
keinen Anhalt. 



1) Wir folgen hier im Interesse der Übersichtlichkeit der Zählung 
des Malalas (442, 18) und der von ihm abhängigen Historiker, im übrigen 
vgl. C. Odofredus Müller, de antiquitatibus Antiochenis, Abhdlg. 1, 5 in 
Commentationes Societ. Reg. Scientiar. Gotting. recent Tom. VIII (1841) 
pag. 217 ff. 

1) Die Angabe der Edess. Chron. „und verbrannte den grössten 
Teil dessen, was von dem Erdbeben übrig gelassen war" weist auf ein 
vorangegangenes Erdbeben hin. Es kann diese Angabe eine Stelle im 
Auge haben, welche der des Mal. 442, 20-22: wate za dvave<o&evra rio~ 
Haxa vnb xwv TiQiirjv yevoftivwv (poßwv xaxaneouv xzL vgl. Joh. v. Eph. 
Land II 302, 1 entspricht ; besser aber scheint uns eine Beziehung auf eine 
Stelle etwa wie Malal. 420, 4— 5: xal ?x€qoi 6h ohcoi w nsnrwxozeg vtzo 
xov na&ovg xov &e'Cxov imb xov nvgoq 6ie).v&Tjoav ea>g ^sfjts/.lcjv. In 
diesem Falle Hegen also Reminiscenzen an drei Begebenheiten vor. 



Digitized by 



Google 



46 § !<• Quelle d. Edess. Chron. üb. Hunneneinfiüle u. Perserkriege. 

§ 17. 

Einer dritten Quellenschicht begegnen wir in den Berichten 
No. No. Cll — CV. Da sie alle die Einfälle der Hunnen in das 
Römische Gebiet und die Perserkriege des Chosrau, des Sohnes 
und Nachfolgers des Kawadh, nach dem Frieden des Rufin zum 
Gegenstand haben, so dürften sie einem grösseren Geschichts- 
werk über die Perserkriege entstammen, das nicht vor dem Jahre 
542, vermutlich erst nach dem Abschluss des Waffenstillstandes 
546 verfasst ist, aus dem unser Chronist aber nur die Angaben 
bis zur Belagerung von Edessa durch den Perserkönig benutzt 
hat, wie das gleiche Verfahren mit der Epitome der Chronik des 
Josua Stylites beweist. 

Eine Ausbeute für die Beantwortung der Frage nach dem 
dogmatischen Standpunkt des Verfassers liefern die Angaben 
dieser Quelle nicht. 



§ IB. 

Ehe wir zu den aus edessenischen Quellen stammenden Nach- 
richten übergehen, liegt es uns ob, die Angaben vor No. LXX1V 
— hier setzen die Berichte aus der Epitome des Josua ein — 
einer Betrachtung zu unterziehen. Eine Quellenscheidung ist 
uns wenigstens nicht gelungen, da es an sicheren Anhaltspunkten 
gebricht. Wir begnügen uns daher mit der Aufzählung der uns 
aufgefallenen Eigentümlichkeiten. 

Die Zeitangabe der No. III: „Im Jahre 266 * ist durch Be- 
rechnung mit dem Jahre 309 gewonnen, vgl. die Anmerkungen 
zur Übersetzung. 

No. VII steht der Angabe des Hieronymus hinsichtlich der 
Fassung und Zeitangabe nahe. 

Schwierigkeiten machen besonders die kirchengeschichtlichen 
Angaben von No. XXXVI— LXV, in welchen die Chronologie 
durchgehends fehlerhaft ist und imi ein, zwei und mehr Jahre 
abweicht, vgl. die Noten zu den No.No. XXXVI, XLV, t, LII1, 
LV1I1, LX11I, LXV. Einige No. No. entziehen sich endlich ganz 
unserer Kontrolle, so No. XLVI über die Abfassung der Kom- 
mentare Theodors von Mopsuestia, No. LV über den Pelagianis- 



Digitized by 



Google 



§ 18. Griechische Quellen der Edess. Chron. 47 

nms, No. LVI über den Episcopat des Andreas von Samosata, 
Xo. LVI1 über den Staubregen in Konstantinopel (vgl. die An- 
merkungen zu den betreffenden NNo.), da sie durch keine anderen 
Mitteilungen zu belegen sind. Da aber gerade alle diese An- 
gaben von grosser Wichtigkeit für die Lösung der Frage über 
die dogmatische Stellung des Verfassers der Chronik sind, so 
haben wir ins Auge zu fassen, ob nicht der Verfasser im In- 
teresse seines und seiner Partei dogmatischen Standpunktes Ver- 
änderungen oder Versetzungen vorgenommen hat. U. E. unter- 
liegt es keinem Zweifel, dass mit der Versetzung von No. LVII 
wenigstens der Verfasser sich eines Betruges schuldig macht. 

Zu bemerken ist schliesslich noch, dass die Angaben von 
dem Bau von Amid und Telia (No. XIX u. XX), die sich in dem 
ebenfalls in Edessa entstandenen Liber Chalipharum finden *), 



1) Die in Frage kommenden Stellen gehören dem einheitlichen Stück 
des Liber Chalipharum fol. 36r— 37r 11 (Land, Anecd. 1 pag. 2—3, 16) an, 
das arianiacher Herkunft ist, vgl. den ehrenden Beinamen des Arianers 
Leontiu8 fol. 37r 4/5. laaJ Ir^K» »vir castus" vgl. Hieronymus, Schöne. 
Eusebi Chron. Can. lib. II 192. Die Angaben dieses Stückes finden sich fast 
durchgehend in der Chronographie des Theophanes, worauf der Herausgeber 
Land in den Scholien bereits aufmerksam gemacht hat, und decken sich 
weiter annähernd mit den Berichten des Fortsetzers der Eusebianischen 
Canones, Hieronymus. Andere Stellen, die sich bei Theophanes nicht 
finden, stimmen mit den des Chronicon paschale, z. B.: 

Chronic, pasch, pg. 526, 1—4. Lib. Chalipharum. Land I p. 2, lff. 

Constantinus clementissimus con- 
tra eos, qui Christianorum fidem 



Kot avrbv 6h xov xaigbv xaxa. 
Tüiv nokefilcjv xfjq xwv Xqioxluvwv 

niozewq oxgaxevaaq vnrjyflysxo xy I impugnabant, bellum paravit et 

* V/.V x h v vixtiv. 6ib xal xvQiaxa I victoriam a Deo precibus impetravit. 

ngbq htiGXQOtprp xdiv i9v<5v xaxa | Praeterea ecclesias conversionis 

xonovq elq xifxriv xov inl ticcvxcjv Christianae ergo undique in Dei 



OiOTTjQOq XQLOTOV XOV &€OV Tjfjtd/V 

nfTtolrjxev. 

527, 9 (vgl. Theoph. 41, 1—3) dgt- 
navov imxzioaq 6 ßaorf.evq Ku>v- 
oxavxlvoq iv Bi&vvla elq xifiriv xov 



aylov fiaQtvQoq Aovxtavov bfuiow- 

ßov xg (irjxgl avxov ^EXtvovnofav 

xbxX"qxev xx k. 

Auch in . dem Chronicon paschale ist die Benutzung einer arianischen 

Quelle nachweisbar vgl. 535, p. 14 b fxaxdgioq Aeovxioq, 6 inlaxonoq 



honorem condidit. 

Drepanum in Luciani martyris, 
qui illic sepultus est, honorem instau- 
ravit et ex Helenae matris nomine 
Helenopolin vocavit. 



Digitized by 



Google 



4S § 19. Edessenische Quellen d. Chron. 

offenbar auf' griechische Quellen zurückgehen (vgl. die Anmer- 
kungen zu den betreffenden No. No.). Desgleichen auch die No. 
XXVII über den Regierungsanfang des Valentinianus und Valens, 
da die syrische Transscription der Namen auf die griechischen 
Wörter zurückgeht, nicht nur wegen des „es" statt „ens 4, in 
*tfj^© (Wales), sondern namentlich wegen des „Waw (o)= Ova u 
für „v", dessen eigentlicher Vertreter das Beth (*c, •ä) ist. 



§ 19. 

Indem wir zur Prüfung der speziell Edessa betreffenden Be- 
richte übergehen, beginnen wir mit dem ersten Überschwemmungs- 
bericht (I), der schon, was den Umfang anlangt, ein selbständiges 
Stück unserer Chronik darstellt. Derselbe scheint die einzige 
Urkunde aus heidnischer Zeit gewesen zu sein, die im Bischofs- 
archiv aufbewahrt worden ist. Zu seiner Erhaltung dürfte die 
Erwähnung des „Heiligtums der Kirche der Christen" nicht 
wenig beigetragen haben (vgl. Nestle in den Götting. Gel. Anz. 
1SS0 p. 1525). Die Abfassung des Berichtes kann nicht, wie 
bisher durchgängig, aber irrtümlich, angenommen worden ist, 
unmittelbar nach dem schrecklichen Ereignis stattgefunden haben. 
Die Angabe, dass König Abgar seinen von dem schweren Un- 
glück betroffenen Unterthanen die Steuer erliess, und dass „die 
Leistung derselben fünf Jahre lang unterblieb, bis dass sich die 
Stadt wieder bevölkert hatte und mit Gebäuden geschmückt war", 
d. h. bis zum Jahre 517 der Griechen (= 206 uns. Z.) incl., setzt 
einen längeren Zeitraum seit der Katastrophe voraus. Die Voll- 
endung des Winter- und des Sommerpalastes, in denen Abgar 
nach unserem Berichte Wohnimg nahm, fand erst im Jahre 517 
d. Gr. (= 205 6) statt (vgl. No. IX, auch die Note). Der Über- 
schwemmungsbericht ist also frühestens im Sommer 517 (== 206) 
abgefasst worden. 



\4vxioxsiaq x^q 2vQtaq, dvtjQ xaxcc navxa maxoq xe xal tvlaßi^q xal tflkw- 
xrjq vnaQXwv tfq dlrj&ovq nlaxetoq xxL — vgl. 547 ult. MeXtxtoq b inl 
ccaeßela xal ix^QOiq xaxolq xa&yyTjfitvoq xx).. Alfr. v. Gutschmid (Theol. 
Litteraturzeit. LS80 pg. 83a Note) will unter dieser arianischen Quelle den 
Philo8torgius verstehen, allein beide Berichte weichen so sehr von einander 
ab, dass sie unmöglich derselben Hand entstammen können. 



Digitized by 



Google 



§ 19. Wann ist das edessen. Kirchenarchiv gegründet? 49 

Die Schlussnotiz steht sichtbar mit den voraufgehenden An- 
gaben in keiner Beziehung und ist inhaltlich nur eine Wieder- 
holung der vier Überschwemmungsberichte. Eine Vergleichung 
der Schlussnummer mit den Parallelberichten (No. I, XI, LH, XC) 
zeigt, dass sie verhältnismässig genauere Zeitangaben hat, inso- 
fern sie gegenüber der No. XI den Monat und gegenüber der 
No. LII Monats- und Wochentag der Überschwemmung mitteilt, 
auch hinsichtlich der letzteren die regierenden Kaiser richtig an- 
giebt. Daraus erhellt, dass diese Zusammenfassung der vier 
Überschwemmungsberichte nicht auf die vier Einzelberichte zu- 
rückgeht, sondern vermutlich von dem Verfasser der Chronik als 
Ganzes aus einer Quelle herübergenoramen ist. Doch liegen den 
sich entsprechenden Überschwemmungsberichten offenbar dieselben 
Quellen zu Grunde; so geht die erste Angabe von No. CVI auf 
den authentischen Bericht No. I zurück. Da nun die Hinzu- 
fügung des jeweiligen Bischofs von Edessa bei den beiden letzten 
Angaben der Schlussnummer auf die Mitwirkung kirchlicher 
Kreise bei der Abfassung der Berichte hinweist, — auch die 
Angabe der Ferie in dem 3. Überschwemmungsbericht der No. CVI 
zeigt den christlichen Einfluss — so haben die authentischen Be- 
richte dieser beiden Nummern jedenfalls auch im Bischofsarchiv 
der Stadt Edessa gelegen. Woher stammen die beiden anderen 
Berichte? haben sie auch an demselben Orte gelegen? 

Die Beantwortung der vorliegenden Fragen macht es uns 
zur Notwendigkeit, über das edessenische Bischofs- oder Kirchen- 
archiv einige kurze Bemerkungen hier einzuflechten. Dass in 
der That ein derartiges Archiv in Edessa bestanden haben muss, 
bestätigen der Liber Chalipharum *) und Eusebius 2 ), dessen An- 

1) Vgl. Land Anecd. I p. 167: „Im Jahre 309 nach der Ära des 
Alexander von Macedonien erschien unser Heiland in der Welt und ver- 
weilte 33 Jahre auf Erden nach dem Zeugnis, welches wir in den authen- 
tischen Büchern des Archivs von Orhai (**<n*©i? l^'i] L±zi 1r-»'f- 4 ' l^£-=^) 
gefunden haben. 

2) Histor. eccl. I, 13: byeiq xal xovxtuv dvdyganxov xj\v fiagxvglav^ 
ix xwv xaxd "Eötaoav xoTiijvixuöe ßaai).evofiht}v noXtv yga^fiaxotpvXa- 
xfiofv Irjfp^stactv. *Ev yovv xolq avxo&t öqftooioig yaQxaiQ xolq xd nakaid 
xal zu dfiipl xöv'AßyccQOv itQayß'Lvxa nsQiiyovaiy xal xavxa elotxi xal 
vvv ig ixslvov napvXayfJLtva evgrjxai. Ovöhv 6h olov xal avxwv inaxovaui 
xwv imaxoXwv , dnb xwv dgytiwv rjfjiiv dvaXeHp&etowv xal xovös avxoig 
(Jrjuaoiv ix xfjg Svqwv (pwvrjq juexuß?.T]9eto<5v xbv xgonov. 

Texte u. Untersuchungen IX, 1. 4 



Digitized by 



Google 



50 § 19. Wann ist das edessen. Kirchenarchiv gegründet? 

gaben nicht in Zweifel gezogen zu werden brauchen 1 ). Seit 
wann existiert in Edessa ein solches kirchliches Institut? Nach 
Eusebius (Kirchengesch. V 23, 4.) Zeugnis bestanden bereits in 
der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts christliche Gemeinden „in 
der Osroene und den dortigen Städten" 2 ), die sich an dem durch 
Victor von Rom (188 — 198) veranlassten Osterstreite beteiligten, 
und wir dürfen bestimmt annehmen, dass um diese Zeit eine 
Christengemeinde in der Hauptstadt dieser Landschaft, in Orhäi, 
der ersten Bildungsstätte Syriens, bestanden hat, welcher jenes 
in dem ersten Überschwemmungsbericht nur so nebenbei er- 
wähnte „Heiligtum der Kirche" als Gotteshaus gedient hat. 
Aber dieser Bericht selbst ist, wie sein ganzer Inhalt beweist 
und die Unterschrift deutlich genug bestätigt, kein christliches 
Machwerk; er ist vielmehr der offizielle Bericht der königlichen 
Schreiber, dazu bestimmt, im königlichen Archiv 3 ) niedergelegt 



1) Vgl. Lipsius, Abgarsage, 1880, p. 14; v. Gutschmid, Berichte über 
die Verhandl. d. Kgl. Sachs. Gesellsch. d. Wissenscb., 1876, „Über die 
Glaubwürdigkeit der Armen. Geschichte des Moses von Khoren" p. 22. 

2) Vgl. Tixeront, Les origines de TEglise d'Edesse et la legende 
d'Abgar, Paris 1888, Cap. I, dazu Daschian, zur Abgarsage, in der Wiener 
Zeitschrift für Kunde des Morgenlandes IV Heft 1 p. 21. Lipsius, Apo- 
cryphe Apostelgesch. u. Ap.-leg. Ergänzungsband p. 105 f. 

3) Seit wann und bis zu welcher Zeit ein königliches Archiv in Edessa 
bestanden hat, ist schwer zu entscheiden. Vermutlich ist es nicht alt ge- 
wesen und nicht alt geworden; mit der Beseitigung des edessenischen König- 
tums (216) durch die Römer wird gewisslich jegliche offizielle Registrierung 
aufgehört haben. — Zu bemerken ist hier noch, dass bei Moses von Cho- 
rene an mehreren Stellen (L. II, 10 = ed. le Vaillant de Florival Tom. I 
pg. 168—171; II, 27 *= pg. 208/209; II, 36 «= pg. 23$/239; II, 38 = pg.244/245; 
Lib. 111, 53 — Tom. II pg. 136/137; III, 62 = II pg. 168/169) von edessenischen 
Archiven (VfiLuhj) die Rede ist. Mit glänzendem Scharfsinn hat Baum- 

gartner .in seiner Arbeit über das Buch „die Chrie" (Z. D. M. G. B. XL 
pg. 457—515) gegen Alfred von Gutschmid (vgl. „über die Glaubwürdig- 
keit der Armenischen Geschichte des Moses von Chorene" in den Be- 
richten Über die Verhandlungen d. kgl. sächs. Gesellschaft d. Wissensch., 
Philol.-hist. Cl. 1876 pg. lff. und Encyclop. britan. T. XVI pg. 861 f.) die 
Echtheit der Geschichte des Moses verteidigt. Aber selbst mit Benutzung 
dieser neuesten Resultate — immerhin bedarf noch das Verhältnis des 
Verfassers der sogenannten Geographie des Moses zu dem der Geschichte 
und der Rhetorik einer gründlichen Prüfung, wenn wir völlige Klarheit 
haben wollen — bleibt für unsere Zwecke trotz alledem eine grosse Un- 



Digitized by 



Google 



§ 19. Wann ist das edessen. Kirchenarchiv gegründet? 51 

zu werden. Der damalige König von Osroene, Lucius Aelius 
Septimius Megas Abgarus IX bar Ma'nu, ist erst nach 202 



Sicherheit bestehen. Untrüglich ist Mos. II, 27 von dem königlichen Archiv 
die Rede, auch wohl 11,10, wenn Moses berichtet, dass Julius Africanus 
Auszüge über die edessenische Königsgeschichte aus dem Material des Archivs 
(h bu ntfilpju ri.fiLiii'nfi'n] gemacht habe; aber wenn er einige Zeilen 

weiter sagt, dass „wir mit unseren eigenen Augen dieses Archiv gesehen haben", 
so kann doch nur an das Kirchenarchiv gedacht werden; denn ein könig- 
liches Archiv hat zur Zeit der Anwesenheit des Moses in Edessa (c. 433) 
gewiss nicht mehr existiert. Zudem weist die Berufung auf die Kirchen- 
geschichte des Eusebius als Gewährsmann zu deutlich auf ein kirchliches 
Institut hin. 111,53 müsste bei der Erwähnung des heidnischen Rhetors Piaton 
als des Vorstehers des Archivs ff v 2_f UUf<ftl f |-[ II - ll|Cll [ l<l1 ) an e * n städtisches 
gedacht werden. An einem solchen konnte um diese Zeit noch ein Heide 
angestellt gewesen sein; denn für das Vorhandensein eines heidnischen 
Elementes in Edessa spricht die Stelle in der Vita des Rabbulas, dass 
dieser während seines Episkopats vier Götzentempel habe zerstören lassen. 
Aber wenn nach Gutschmids Meinung (üb. d. Glaubwürd. d. Gesch. d. 
Mos. v. Ch. pg. 16) „weder Piaton, noch Mesrob, noch Moses einen beson- 
deren Anstoss daran genommen haben, dass Piatons ehemaliger Lehrer 
Epiphanes, der weggegangen war, um Christ zu werden, bei seinem Weg- 
gange die Bücher Über die Redekunst aus der edessenischen Bibliothek 
(? auch hier steht a.[ii_iiili =- Archiv) mitgenommen hat", so beweist 

das nur, dass ein wirkliches Institut, das der offiziellen Registrierung 
der städtischen Ereignisse diente, überhaupt nicht mehr dagewesen ist; 
sonst würde eine Plünderung desselben unbegreiflich sein, und damit ist 
wieder die Existenz eines Archivs in Frage gestellt. Uns scheint die Er- 
zählung auf durchaus christliche Verhältnisse zugeschnitten; denn gerade 
um diese Zeit feierten die christlichen Schulen in Edessa, aus denen ein 
Lucian hervorgegangen war, ihre höchste Blüte, und das goldene Zeitalter 
der syrischen Übersetzungslitteratur begann damals. Was hätte denn 
eine Rhetorik in einem städtischen Archiv für einen Zweck? welches 
Interesse hat ein heidnischer Rhetor an der Herstellung eines armenischen 
Alphabets mit dem ausgesprochenen Zweck, christlichen Armeniern die 
Schriften der Kirchenväter in armenischer Sprache zugänglich zu machen? 
Die ganze Erzählung erregt begründeten Zweifel. Wenn endlich III, 62 
Moses und seine Reisegenossen „rasch durch die Tiefen des Archivs hin- 
durchsegelten* 4 , so kann nur an das bischöfliche Archiv gedacht werden; 
denn nach des Moses eigenem Zeugnis sind sie ausgesandt zum Studium 
der griechischen Sprache, um hernach als Übersetzer der griechischen 
Väter in ihrer Heimat thätig zu sein (III, 60 = Vaill. d. Flor. Tom. II 
pg. 164/165 und III, 61 — II pg. 166-169). 

4* 



Digitized by 



Google 



52 § 19. Wann ist das ed essen. Kirchenarchiv gegründet? 

Christ geworden. Ziehen wir in Betracht, dass in der Schluss- 
notiz unserer Chronik erst in den Überschwemmungsberichten 
der Jahre 724 und 836 die Namen der derzeitigen Bischöfe 
beigefugt sind, während ein solcher bei dem des Jahres 614 noch 
fehlt, ferner, dass überhaupt bis 624 Gr. jede Angabe fehlt, deren 
Herleitung aus dem edessenischen Archive feststände, obwohl 
vor dem bei Gelegenheit der in diesem Jahre stattfindenden 
Grundlegung der edessenischen Kirche genannten Bischof Koinos 
noch drei andere Bischöfe, Palut, Abselama und Barsamya sicher 
zu belegen sind 1 ), so ergiebt sich, dass das edessenische Kirchen- 
archiv vor dem Jahre 313 nicht bestanden hat. Da nun Eusebius 
seine Kirchengeschichte vor dem Nicaenischen Konzil abgefasst 
hat (c. 324), so fällt die Errichtung des edessenischen Bischofs- 
archivs wahrscheinlich zwischen 313 und 324; es ist also wohl 
zugleich mit der Kirche, deren Bau durch das Toleranzedikt des 
Constantin (313) oder bereits durch das des Galerius (311), vgl. 
Euseb. H. eccl. VIII, 17, 9, ermöglicht wurde, entstanden. Dass 
dieses Archiv gar bald mit Material der verschiedensten Gattungen 
der Litteratur ausgestattet worden ist, beweist wiederum Eusebius' 
Angabe, das im Archiv befindliche Apokryphem von dem Brief- 
wechsel Abgars mit Jesu — „die Legende ist unter dem ersten 



1) Assemani (B. 0. I pg. 394 Note 1) sucht die Schwierigkeiten, die 
dadurch entstehen, dass in der Edess. Chron. Koinos der erste Bischof 
von Edessa genannt wird, durch die Annahme zu beseitigen, alle Vor- 
gänger des Koinos seien nur Vorsteher (Antistites) gewesen. Allein Palut 
wird von dem antiochenischen Bischof Serapion zum Bischof von Edessa 
geweiht und ist als solcher der erste historisch beglaubigte Bischof dieser 
Stadt, vgl. Doctr. Addai ed. Philipps (pg. 50 d. Obers.) — Wright, CataL 
of the syr. manusc. IT, 000; Journal of society lit. 1867 p. 430; Bickell Con- 
spectus pg. 16 Note?; Lipsius, Abgarsage pg. 9. Sein Nachfolger ist Ab- 
äelämä, vgl. die fehlerhafte Angabe des Abd'iäö bei A. B. 0. 1, 169b. f. Hier 
wird ein Abselama, der Schwestersohn des Ephraim — eine Verwechslung 
mit Absamya, vgl. No. XLVII u. Chr. — als Bischof unter den elf Gegnern 
des Athanasius auf dem Nicaenischen Konzil genannt. Abselama, war 
aber gerade 100 Jahre früher Bischof; er dürfte ein Sohn des Königs 
Abgar gewesen sein, vgl. Cureton, Anc. Syr. Docum. pg. 61, 12. 13 und 
83 f 2. 3 der Übersetzung. Der dritte Bischof von Edessa ist Barsamya, der 
in der Decischen Verfolgung Konfessor wurde; ihm folgt Koinos nach, der 
um 300 schon Bischof gewesen ist. Wann Edessa zum Metropolitansitz 
erhoben ist, ist uns unbekannt. 



Digitized by 



Google 



§ 20. Die edeasen. Bischofsliste. 53 

christlichen Könige von Edessa Abgar bar Ma'nu entstanden" >) 
— benutzt zu haben, und dass der Überschwemmungsbericht sich 
wirklich in dem Archiv befunden hat 2 ), beweisen die zahlreichen 
Nachahmungen seiner Unterschrift in den apokryphen Litteratur- 
erzeugnissen der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, die alle 
edessenischen Ursprungs sind, der Doctrina Addai 3 ), der Akten 
des Sarbil 4 ) und der Akten des Barsamya 5 ). 

Es sei aber an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der 
Verfasser der Chronik sein Quellenmaterial durchaus nicht dem 
edessenischen Kirchenarchive, sondern nur der edessenischen 
Kirchenbibliothek entnommen haben kann, die sehr umfangreich 
und reichhaltig gewesen sein muss; denn das geistige Leben der 
östlichen Kirche hat sich bis in die Zeiten der islamitischen 
Herrschaft hinein in dieser Stadt konzentriert, eine Reihe von 
theologischen Schulen 6 ), vor allen die als Pflanzstätte des Nesto- 
rianismus so bedeutende persische Schule, hatte in Edessa ihren 
Sitz, und durch die edessenischen Übersetzer ist lange Zeit das 
Wissen der Griechen dem Morgenlande mitgeteilt worden 7 ). 
Dass für die ganze Chronik die im bischöflichen Archiv aufbe- 
wahrten Quellen nicht in Frage kommen, haben u. E. schon die 
bisherigen Resultate der Quellensichtung bewiesen und wird 
durch die nachfolgende Untersuchung über die Bischofsliste 
vollauf bestätigt werden. 



§ 20. 

Wir haben zum Schluss die edessenische Bischofsliste einer 
Prüfung zu unterziehen. Vergleichen wir die Todesnachrichten 
der Bischöfe, die mit No. XX11 (Tod des Bischofs Abraham) be- 
ginnen, und im Zusammenhange mit diesen die Angaben über 



1) Alf. v. Gutschmid in „über die Glaubwürdigkeit der Arm. Gesch. 
des Moses von Chorene" 1. 1. p. 22, vgl. Lipsius, die edess. Abgarsage, p. 11. 

2) Siehe oben pg. 48. 

3) ed. Philipps, London 1876, p. 50 d. Ü. 

4) Cureton, Ancient Syr. Docum. p. 61, 15 d. Ü. 

5) ibid., p. 71 d. Ü. 

6) Vgl Hoffmann, Die syrischen Acten der zweiten Ephesinischen 
Synode, p. 12 Z. 39 f. 

7) Vgl. Wright, Syriac lit. 1. 1. pg. 830-831. Translations from Greek. 



/Google 



54 § 20« Die ed essen. Bischofsliste. 

die jeweiligen Nachfolger, so können wir zwei Schemata unter- 
scheiden, deren ersteres in den Angaben bis zum Tode des Rab- 
bulas(No.No.XXII/(XXlV),XXXH / ^XXIV,XLI/XLU,XLUI/XLlV, 
IL/1IL, LIX) und letzteres in den Angaben vom Tode des Ibas 
bis zum Tode des Paulus (LXVII1, LXXI, LXXV, LXXX1I, 
XCIII/XCIV) vorliegt. Wir lassen je ein Beispiel der Schemata 
folgen. 



No. LXXV. 
Am 6. Hazirän entschlief 
(w^JZ^l)Küre,Bi8chof von Orhäi, 
und Petre folgte ihm nach (jooio 

■i^^m| und zog (V^) in Orhäi 
ein am 12. EM selbigen Jahres. 



No.No. XL1/XL1I. 
Im Jahre 707, am 22 Tam- 
müz schied aus der Welt (^c ^i 
)^ v ^) Mär 1 Küre, Bischof von 
Orhäi. Im Jahre 708 wurde 
;]ooi) Mär 1 Silväne Bischof in 
Orhäi. 

Die Fassung des ersten Schemas ist breit; die des zweiten 
knapper und leichter. Auch sei hier schon bemerkt, dass die 
Angaben des letzteren Schemas, zu dem trotz Gebrauchs ver- 
schiedener Vokabeln die No.No. XCI und C gehören 1 ), sich all- 
gemein durch genauere Datierung 2 ) auszeichnen. Die charak- 
teristischen Merkmale der beiden Schemata sind folgende: 

1) Das erste Schema gebraucht für unser Wort „ sterben u 
den Eulogismus „aus der Welt scheiden", das letzte den Eulogis- 
mus „entschlafen". Der Kürze halber nennen wir in der Folge 
die beiden Schemata das Nefak- und das Ettenibschema. 

2) Das zweite Schema berichtet über den Einzug des neu- 
ernannten jeweiligen Bischofs in Edessa mit genauer Zeitangabe 3 ), 
während in dem ersten eine solche Angabe überhaupt ganz fehlt. 

Da nicht abzusehen ist, warum der Chronist in seiner Be- 
richterstattung von einem zum anderen Schema übergegangen 



1) In No. XCI steht die Vokabel „sterben", in No. C der dem ersten 
Schema eigentümliche Ausdruck „aus der Welt scheiden' 1 ; doch stimmen 
alle übrigen Wendungen zu den stereotypen Phrasen des zweiten Schemas. 

2) In der ersten Schicht fehlt das genaue Todesdatum in den No.No. 
XXII und XXXII, während der Episkopatsantritt ganz allgemein durch 
die Jahreszahl gegeben wird (doch mit Monatsangabe No. XLIV). Bei 
Mär 1 Küre I fehlt die Angabe des Episkopatsantrittes, bei Diogenes die 
seines Todes. 

3) Ausgenommen ist nur No. LXXXII. 



Digitized by 



Google 



§ 20. Die edesaen. Bischofsliste. 55 

sein sollte, so ergiebt sich mit Notwendigkeit, dass beide einen 
verschiedenen Verfasser haben« 

Welchem dieser beiden Verfasser sind die Angaben, welche 
zwischen den Todesnachrichten des Rabbulas und Ibas liegen, 
d. h. die No.No. LX, LXI und LX1V zuzuweisen? 

Wahrend die erste Hälfte der No. LIX (über den Tod des 
Rabbulas) noch dem Nefakschema angehört, ist die Fortsetzung 
(= LlXb), wie leicht erkenntlich an dem dem EtteniUschema 
eigentümlichen >*oiri^X« ]©oio „und folgte ihm nach", durch die 
zweite Schicht beeinflussi Auf diese weist ebenfalls die Aus- 
drucksweise *) ^^- V^ „zog an seiner statt ein" der No. LXI V 
hin. Vergleichen wir aber diese beiden Nummern mit einander, 
so zeigt sich deutlich, dass sie nicht aus derselben Quelle 
stammen können. Der Verfasser von LX1V kennt nur eine 
Kirche, wie seine Angabe „er machte das Hierateion in der Kirche u 
beweist, und stimmt darin mit allen Stellen sowohl des Nefak-, 
als auch des Ettenihschemas überein 2 ); der Verfasser der An- 
gabe über den Bau des Beth Selib& (= LIXc) und der aus dem 
nachfolgenden Grunde nicht von ihr zu trennenden No. LX da- 
gegen zwei Kirchen, die „alte" und die „neue", beth Selige. 
Somit sind No.No. LIXc und LX und wegen des gleichfalls auf 
Verherrlichung von Ibas' Episkopat abzielenden Berichtes über 
das Geschenk des Anatolius auch No. LXI — Bestandteile einer 
dritten Schicht Das bestätigt eben ihr Inhalt; denn während 
die zweite Schicht für Ibas weder ein Wort des Lobes noch des 
Tadels hat, sondern ganz objektiv über seinen Episkopat berichtet 3 ), 
wird dieser Nestorianer in der dritten als der „grosse Ibas u und 
der „ausgezeichnete Ibas" gepriesen. 

Der Entstehungsprozess der edessenischen Bischofsliste un- 
serer Chronik ist also folgender: Der Verfasser der ersten Schicht 
(des Nefakschemas) stellte aus den offiziellen Berichten des 
Kirchenarchivs die Reihe der Bischöfe bis Rabbulas (seine letzte 
Angabe berichtet über den Tod desselben), d. h. bis auf seine 

1) Vgl. auch den Bericht über Paul von Edessa, Schluss der No. 
LXXXV1I1. 

2) Siehe genauer darüber in § 23. 

3) Man vgl. auch die Angaben dieser Schicht mit denen des Johannes 
von Ephe8U8 bei Dionysius B.O. I pg. 411 Note 2, 412 N. 2. Land Anecd. 
II, 289-294. 



Digitized by 



Google 



56 § 20. Die edessen. Bischofsliste. 

Zeit — er hat also unter Ibas gelebt — zusammen, gab kurz 
das Datum ihres Regierungsantrittes und ihres Todes an und 
fügte eine Bemerkung über die von jedem Bischof ausgeführten 
Bauten, wo solche zu verzeichnen waren, hinzu. Zu welchem 
Zwecke der Verfasser die Bischofsliste angefertigt hat, mag dahin- 
gestellt bleiben; doch soviel steht fest, dass er nicht mit der 
Sorgfalt gearbeitet hat 1 ) wie sein Fortsetzer. Dieser, der unter 
dem Episkopate des Addai (533— 543) geschrieben hat, setzte den 
Auszug, den er in der Kirchenbibliothek vorfand, fort bis auf 
seine Zeit, indem er sich ziemlich genau an seine Vorlage hielt 
und aus dem Material des Kirchenarchivs für seine Angaben den 
Einzug des jeweiligen Bischöfe hinzufügte 2 ). Ein dritter endlich 
bereicherte diese Bischofsliste durch Einfügung der den Episko- 
pat des Ibas betreffenden Berichte; auch überarbeitete er ver- 
mutlich die Angaben seiner Vorgänger, so z. B. schob er wohl 
in No. XC11 die Worte „der gepriesene, Gott liebende" ein, doch 
ohne durch solche Veränderungen u. dgl. die Angaben seiner 
Vorgänger zu entstellen und zu entwerten 3 ). 

Wir haben in dem eben Gesagten bereits vorgegriffen, wenn wir 
behaupteten, der Verfasser habe nicht die authentischen Berichte 
des Kirchenarchivs selbst mitgeteilt, sondern nur Auszüge aus 
denselben gegeben. Durch die Präzision in den Zeitangaben und 
durch die völlige Objektivität, die über den kirchlichen Stand- 
punkt des Verfassers auch nicht den leisesten Aufschluss giebt, 
durch Form und Fassung ähneln die Angaben der Bischofsliste 
sehr den Konsultafelannalen. Gerade diese Ähnlichkeit der Be- 
richte der Liste und der Annalen nach so verschiedenen Seiten 
hin mag uns ein Fingerzeig sein, dass beide auf ähnliche Weise 
entstanden sein müssen. Verrät nun jene streng durchgeführte 

1) Vgl. pg. 54 Note 2. Bei No. XXIV unterlägst er zu erwähnen, dass 
Barses das grosse Baptisteriuin gebaut hat, vgl. No. XXLX. — Auslassungen 
anzunehmen geht schwer an, da die Angaben der zweiten Schicht solche 
nicht aufweisen. 

2) Vgl. No. LXVIII. Hier weist die Häufung der Berichte über die 
Bauthätigkeit des Nonnus deutlich auf die Nachahmung der Vorlage. — 
Dass mit dieser Nummer die Bauberichte gänzlich aufhören, wird seinen 
Grund in den wirklichen Verhältnissen haben, vgl. die Anmerkung zu 
No. LXXIII. 

3) Vermuthlich fällt auch dem Überarbeiter die Verwirrung in No. 
LXIV (vgl. d. Anmkg.) zur Last. 



Digitized by 



Google 



§21. Der Cberarbeiter der Bischofeliste ist der Verf. der Chronik. 57 

Schematisierung der Angaben x ) in den Konsulartafelannalen die 
Hand eines nach feststehender Methode und altherkömmlichen 
Formen arbeitenden Redaktors, so kann es nicht zweifelhaft sein, 
dass unseren Angaben ein gleiches Verfahren zu Grunde liegt. 
Dafür sprechen vor allem die einfachen, summarischen Bemer- 
kungen über die Bauthätigkeit der Bischöfe, verglichen mit den 
Bauberichten, wie sie uns ebenfalls in unserer Chronik in No. XVI 
und No. XXIX erhalten sind. Da nun alle offiziellen Angaben 
des Archivs Einzelberichte gewesen sind, so ergiebt sich mit 
Sicherheit, dass uns nur Redaktionen der Archivsakten vorliegen. 

§ 21. 

Wer hat die übrigen Berichte der Edessenischen Chronik 
geliefert? Wir haben bereits zu mehreren Malen den Unterschied 
zwischen den Verfassern der Bischofsliste und ihrem Überarbeiter 
charakterisiert; jene geben ihre Angaben mit völliger Objektivität; 
dieser ist Parteimann. Verallgemeinern wir dieses Resultat, so 
müssen mindestens alle Angaben, die jene Unparteilichkeit ver- 
missen lassen, von dem tJberarbeiter hinzugefügt sein; Chronist 
und Überarbeiter sind also identisch. Dahin gehören jedenfalls 
die Berichte der in dem Absatz über die Quellenuntersuchung 
unter § 14 angegebenen Quelle, die chalcedonisch-orthodoxe Ge- 
sinnung zeigt, und somit notwendigerweise alle dieser Quelle sich 
anschliessenden Angaben (No. C ausgenommen); ferner die An- 
gaben kirchengeschichtlichen Inhalts von No. XXXVI — LXVI, 
deren wir bereits in dem vorangehenden Abschnitte (§ 18) 

1) Vgl. Holder- Eggers Worte über die Konsultafelannalen, Neues 
Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 1, 23S f: „Wie 
eigentümlich ist schon die Form, in welche die Nachrichten dieser Annalen 
gekleidet sind! Für jedes Ereignis existiert gewissermassen ein Schema 
des Ausdrucks, welches in dem einzelnen Falle nur mit Namen, Datum 
u. 8. w. ausgefüllt wird. Die Satzbildung und Ausdrucksform ist die ein- 
fachste, welche man sich denken kann: stets kurze Sätze, fast durchgängig 
in passiver Konstruktion, werden koordiniert neben einander gestellt, sie 
werden mit einander entweder gar nicht verbunden, oder nur durch das 
einfach anknüpfende „et". Kausal-, Konditional-, Konsekutiv- und sonstige 
einfache Satzverbindungen, durch Konjunktionen oder Partizipiaikon- 
struktionen oder Relativsätze, selbst Temporalverbindungen und Antithesen 
kommen niemals vor . . .*• 



Digitized by 



Google 



58 § 21. Der Überarbeiter der Bischofsiiste ist der Verf. der Chronik. 

Erwähnung gethan haben, vgl. auch in No. LXIII „der grosse 
Flavian". Wenn dem so ist, kann es keinem Zweifel mehr 
unterliegen, dass auch alle übrigen Berichte von dem Chronisten 
gesammelt sind; nur hinsichtlich der auf Edessa zwar bezüglichen, 
aber nicht zur Bischofsliste an und für sich notwendig gehören- 
den, wie die Überschwemmungsberichte und die einzeln stehenden 
Baunachrichten, wird die Frage eine offene bleiben müssen. Als 
ein Bestandteil der Fortsetzung der Bischofsliste erweist sich mit 
Sicherheit der vierte Überschwemmungsbericht. Somit dürften 
mit einiger Wahrscheinlichkeit auch die vorangehenden drei 
wenigstens für diesen gesichert sein. Betreffs der Bautenberichte 
XIII, XVI, XXIX imd vermutlich der No. XXXVIII ergiebt sich, 
dass sie nicht der ersten Schicht angehören. In No. X11I näm- 
lich ist die Angabe „in den Tagen des Bischofs Aitallaha, im 
Jahre vor der grossen Synode in Nicaea" offenbar ein Zusatz, 
da durch die Vergleichung mit No. XVI und No. XXIX die 
kurze, knappe Form gesichert ist. Dieser Zusatz kann nur be- 
dingt sein durch die Angabe in No, XIV: r . . . . Aitallaha, der 
den Kirchhof und die Ostseite der Kirche baute". Dass der Ver- 
fasser der ersten Schicht, welcher die Bischofsliste im Auszug 
behandelte und bei jedem die von ihm unternommenen kirch- 
lichen Bauten erwähnte, daneben noch dieselbe Notiz nur mit 
einer anderen Zeitangabe hinzugefügt haben sollte, ist unmöglich; 
vielmehr zeigt No. XXIV, dass er die Angabe in No. XXIX nicht 
gekannt hat; denn sonst würde er auch bei Barses erwähnt 
haben, dass unter seinem Episkopate das grosse Baptisterium in 
Edessa gebaut wäre. 



Digitized by 



Google 



in. 

Sie Abfassungszeit der Edessenischen Chronik. 

§ 22. 

Als Abfassungszeit der Edessenischen Chronik hat bislang 
die Mitte des sechsten Jahrhunderts gegolten. So setzt Alfred 
von Gutschmid (Könige von Osroene 1. 1. pg. 19) ihre Entstehung 
in das Jahr 539, W. Wright in das Jahr 540, während Assemani, 
Rev. Salmon und die Herausgeber der Kirchenchronik des Bar- 
Hebraeus, Abbeloos und Lamy, als runde Zahl das Jahr 550 an- 
geben 1 ). Es leuchtet ein, dass diese Ansätze, die sich alle auf 
die in das Jahr 539 fallende, zeitlich späteste Notiz der Chronik 
stützen, nachdem wir die Quellenbestandteile der Chronik nach- 
zuweisen unternommen haben, wenn überhaupt einen, so doch 
nur Wert für die Quelle besitzen können, der die Angabe an- 
gehört. Es liegt uns daher ob, die Frage nach der Entstehungs- 
zeit einer erneuerten Prüfung und zwar unter Berücksichtigung 
der gewonnenen Resultate der Quellenuntersuchung zu unter- 
ziehen. 

An zwei, indess aus verschiedenen Quellen stammenden 
Stellen^ unserer Chronik (No.No. LXXXI und CV) ist bei Ge- 
legenheit der Belagerungen Edessas durch die persischen Gross- 
könige darauf hingewiesen, dass der Feind der Stadt Edessa 
.,durch die Gnade Gottes (ihres Schutzherrn) keinen Schaden zu- 
fügte". Soll damit die Uneinnehmbarkeit Edessas durch Feindes- 
hand ausgesagt sein, so ist freilich der Ausdruck „durch Gottes 
Gnade" gemessen an dem des Josua Stylites, der die Unbesiegbar- 
keit der Stadt auf das dem König Abgar gegebene Versprechen 

1) Vgl. die Einleitung § 1. 

2) No. LXXXI stammt aus der Epitome des Josua Stylites, vgl. § 8, 
No. CV aus der Quelle über die Perserkriege unter Justinian, vgl. § 17. 



Digitized by 



Google 



50 § 22. D. Abfassgszeit d. Edess. Ghron. Feststellg. d. terminus ad quem. 

zurückführt 1 ) und demgemäss, obwohl er sonst viel von der 
Milde, Gnade und Langmut Gottes (pg. 67, 15 u. a. St.) und von 
seiner erbarmenden Liebe (pg. 40, 1 7 u. a. St.) redet, in diesem Falle 
nur den Ausdruck „Verheissung Christi" (pg. 7, 1 1 ; 59, 21) gebraucht, 
doch sehr matt und wenig prägnant. Auch ist um die Mitte des 
sechsten Jahrhunderts, den Angaben der beiden bedeutendsten 
Geschichtschreiber der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, Pro- 
copius von Caesarea (schreibt um 560) und Euagrius (schreibt 
593), nach zu urteilen, der Glaube an die Verheissungen bereits 
sehr ins Wanken geraten. Procop nämlich erwähnt die Sage 
von den die Uneinnehmbarkeit Edessas verbürgenden Schluss- 
worten des Briefes Jesu an Abgar, und fügt hinzu, dass die 
Edessener diesen Brief über dem Stadtthore als Amulet ange- 
bracht hätten, bezweifelt aber die Echtheit der Schlussworte mit 
Hinweis darauf, dieselben bei keinem Schriftsteller aufgezeichnet 
gefunden zu haben. Nichtsdestoweniger berichtet er, was um 
so merkwürdiger erscheinen muss, dass Chosrau gerade um den 
Ruhm der Stadt, uneinnehmbar zu sein, zunichte zu machen, sie, 
freilich vergeblich, belagert habe. Euagrius erzählt seinem Gewährs- 
mann Procopius die Belagerung nach, beruft sich aber für seine 
Zweifel auf das Zeugnis des Eusebius Pamphili. Allein wir dürfen 
nicht vergessen, dass die Skepsis dieser Schriftsteller besonders 
in kirchlichen Dingen nicht so sehr eine Eigentümlichkeit ihrer 
Zeit — will man ein dem damaligen Zeitgeist entsprechendes 
Geschichtswerk nennen, so ist es der leichtgläubige, wunder- 
süchtige Malalas mit seinen Klatschgeschichten — als vielmehr 
der Schule, welcher sie angehören, und deren Stifter und ältere 
Vertreter Heiden gewesen sind. Wir dürfen daran also fest- 
halten, dass in den betreffenden Stellen auf die Uneinnehmbar- 
keit Edessas hingewiesen werden soll, und um so mehr, als fest- 
steht, dass die Angaben der No. LXXXI auf Josua zurückgehen, 
und dass unter dem Gott, dem Schutzherrn der Stadt, in No. CV 
nur Christus wird verstanden werden können, beweist eine Stelle 
in dem Briefe des Jacob von Sarug an die Homeriten (Cureton, 



1) Bei Josua steigert sich die Verheissung Christi von der Unein- 
nehmbarkeit Edessas zu der Meinung, gegen jedes Unglück, das die 
Stadt als Ganzes trifft und ihren Bestand in Frage stellt, gefeit zu sein, 
vgl. § XLVII (vgl. § V). 



Digitized by 



Google 



§ 23. Über die alte und neue Kirche zu Edessa. ß 1 

Ana Syr. Doc. pg. 154 aus Cod. Add. 14,587 d. B. M. foL 47 v.): 
? ,MoreoTer 6 od promised to King Abgar the Faithful, that the 
enemy should not prevail against his city for ever 1 )." 

Mithin ergiebt sich für die Entstehungszeit unserer Chronik 
als terminus ad quem das Jahr 610, d. h. das Jahr, in dem Edessa 
von den Persern unter Chosrau Parvez erobert wurde, vgl Lib. 
Chal. Land An. I, 16, 1. Theophanes Chronogr. 461, 8 ff., während 
als terminus a quo das Jahr 539 gelten mag. 

§ 23. 

Nun ist bereits in dem vorangehenden Abschnitte gelegent- 
lich der Quellenscheidung der einzelnen Bestandteile der Bischofs- 
liste auf den Widerspruch hingewiesen, in dem sich der Über- 
arbeiter mit seinen Angaben von der alten und neuen Kirche zu 
denen der ersten und zweiten Schicht, die beide nur eine Kirche 
nennen, befindet. Ziehen wir weiteres Material in Beratung, so 
zeigt sich, dass die (syr.) Verhandlungen der zweiten Kirchen- 
versammlung zu Ephesus (vgl. pg. 10, 33; 11, 9. 12; 30, 3; 
36, 9 u. a. St.) und Josua Stylites denselben Gegensatz der beiden 
Schichten gegen den Überarbeiter teilen. Der um 507 u. Z. 
schreibende Josua redet schlechthin von der „Kirche" (Ur^) 
oder von „der Kirche in Orhäi" (^ct*o]j |z,^) und meint damit 
den grossen Tempel des Apostels Mär 1 Thomas, dessen Funda- 
ment der Bischof Koinos gelegt hat (XII) 2 ). Von dieser Kirche 
sind säuberlich die Märtyrerkirchen (jiaQTVQia) unterschieden, im 
Syrischen „Haus des und des" (. . . ? &*ä) oder Märtyrerhaus des 
(. . . ? Jjflija &aä) genannt 3 ). Procopius (de aedificiis II, 7) kennt 



1) Vgl. auch Verhandl. d. 2. Kircbenversammlung zu Ephesus ed. 
Hoffmann pg. 11 Z. 28 ff. „Ehedem hat von Anbeginn durch Gottes Gnade 
diese unsere Stadt sich im Glauben ausgezeichnet, zwar erstlich wegen 
des Segens, mit welchem sie der, welcher den Himmel und die Erde er- 
schaffen hat, gesegnet hat u. s. w. 

2) Vgl. die Nota Wrights, Josua Styl. p. 22 d. Übersetz, u die Anm. 
zu XII. 

3) Dagegen nennt Josua 8tyl. die Kirche der kleinen Ortschaft Neg- 
bath in der Nähe von Edessa wieder &ä^J? U^ Jos. Styl. § LX11 
gegen Ende. 



Digitized by 



Google 



52 § 23. Über die alte und neue Kirche zu Edessa. 

nur die Kirche der Christen (rj re t<5v XqiCxiavÄv IxxXrjola) in 
Edessa, die, in der vierten Überschwemmung des Daizan zerstört, 
auf Kosten des Justinian wieder hergestellt wird. Johannes von 
Ephesus (Land Anec. II, 292, 2) endlich berichtet von der Kirche 
in Orhai (*»oi*ol? Ur^)» * n welcher die Mönche des Klosters der 
Orientalen das Abendmahl zu nehmen pflegten. Dem gegenüber 
teilt Dionysius von Tellmafere (f 845) mit, dass am Sonntag, dem 
3. April 679 *) infolge eines Erdbebens die alte Kirche von 
Edessa (*oi*ol? ]£-a-k^ U^) eingestürzt sei und viele Menschen 
im Sturze begraben habe. Weiter heisst es bei Bar-Hebraeus 
(Chron. Eccl. I 359): „Im Jahre 1136 der Griechen (= 824/5 u. Z.), 
als der Emir Abd 'Allaha (ibn Tahir) nach Ägypten zog, zerstörte 
sein Bruder Mubammed jegliches neue Gebäude, das er an den 
Kirchen (U,i) von Orhäi vorfand: er zerstörte von Grund aus 
die Kirche (U,^) der vierzig Märtyrer, das Diaconium und das 
Sacrarium der grossen Kirche, die nördlichen Gemächer des 
Baptisteriums, die Basiliken und das Kloster der chalcedonischen 
Frauen, und man baute eine Moschee in dem vor der alten 
Kirche gelegenen Tetrapylon, an dem „bethäabta" genannten 
Platze u. 8. w." 

Obwohl Bar-Hebraeus in den aus der Edessen. Chron. ent- 
lehnten Stücken der Bischofsliste die Kirche von Edessa die 
]L&9 ]Zf± „die grosse Kirche" nennt (XII, XXXIII), unterscheidet 
er an dieser Stelle von der alten Kirche, die offenbar jener 
Kirche des Apostels Mar 1 Thomas entspricht, die grosse Kirche. 
Schon der Gegensatz beweist hier, dass die grosse Kirche auch 
die jüngere an Alter ist, und wir vermuten daher, dass sie iden- 
tisch ist mit der in No. LIXc genannten neuen Kirche. Natür- 
lich kann diese Kirche nicht von Ibas gebaut sein, wie die obigen 
Erörterungen beweisen; ebensowenig kann sie erst in späterer 
Zeit „Haus der Apostel" benannt sein, denn schon bei dem zu- 
verlässigen Josua führt eine Märtyrerkapelle, die im Südosten 
der Stadt in der Nähe des grossen Thores gelegen war, den 
Namen „beth Selige"; sondern da, wie Bar-Hebraeus (Chr. eccl. 
I, 220) mitteilt, der Bischof der Chalcedonier, Amazonius, die 
grosse Kirche in Edessa gebaut und geschmückt hat, wird u. E. 



1) Die Zeitangabe stimmt, vgl. Ass. B. 0. 1, 426 a. 



Digitized by 



Google 



§24. Wann wird d. Name „Chrysostomus" für Joh. v.Konstnpl allgemein? 63 

die Sache so liegen, dass Amazonius 1 ) die bereits von Ibas ge- 
baute Märtyrerkapelle der hlg. Apostel zur Kirche ausgebaut 
hat 2 ). Da nun der er. 569 schreibende, mit den Verhältnissen 
seiner syrischen Heimat vertraute Johannes von Ephesus 3 ) nur 
eine Kirche von Orhäi kennt, so kann dieser Ausbau der 
Märtyrerkapelle nicht vor diesem Jahre stattgefunden haben. 

Hiermit ist auch die Abfassungszeit der Edessen. Chronik 
noch genauer als bisher möglich bestimmt Früher als 570 u. Z. 
lasst sich die Abfassung nicht ansetzen, ebenso gut kann ihre 
Entstehung noch ein paar Jahrzehnte später fallen, am wahr- 
scheinlichsten gegen Ende des Jahrhunderts. Daraufhin weist 
die Bezeichnung des Johannes von Konstantinopel mit dem Bei- 
namen „Chrysostomus" in No. XLV der Edessen. Chronik. 



§. 24 

Nach Bredow 4 ) soll sich der Name Chrysostomus zuerst bei 
Johannes Moschus 5 ), nach Burk, Herzog-Plitt, R. E. 3, 225 zuerst 
bei Isidor von Sevilla 6 ) (f 636) finden. 



1) Der Name des edessenischen Bischofs Amazonius findet sich auch 
in den Unterschriften der Teilnehmer des fünften ökumenischen Koncils, 
vgl. Ass. B. 0. 1, 559b, vgl. B. 0. II, 325b. 

2) Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Angabe von dem Bau des 
Märtyrerhauses der hl. Apostel schon von dem Verfasser der zweiten Schicht 
gebracht, wie die Bauberichte der No.No. LXIV u. LXV1II beweisen dürften. 
Der Chronist, der wussie, dass die Märtyrerkapelle zur Kirche ausgebaut 
war, hat die Baunachricht umgearbeitet und in die Fassung gebracht, in 
der sie uns vorliegt. 

3) Über die Abfassungszeit des zweiten Bandes der Kirchengeschichte 
des Johannes von Ephesus vgl. den Anhang zu diesem Abschnitt. 

4) G. G. Bredovii Dissertatio de Georgii Syncelli Chronographia, ed. 
Bonn. II, 13, vgl. auch H. Geizer, Sext. Jul. Africanus u. d. Byzant. Chrono- 
graphie II, 188. 

5) Johannes Moschus schreibt gegen 620-30. Die Stelle (de Prato 
cp. 157) lautet: jEXtyov tcbqI xov ayiov 'I&awov Kwvazavxivovnot.swg 
xov Sixaiwq inovofiao&ivToq Xqvöogxoiaov, diu xo xov öiöaoxakixov ).6yov 
xafktQov xal öiavyig. Cotelerii monumenta Eccl. Graec. Tom. II, 439. 

6) De viris illustribus. — Migne Patr. VII, § 150 (Cap. XIX) und 
§ 180 pg. 1109. 



/Google 



64 § 24. Wann wird d. Name „Chrysostomus" für Joh. v.Konstnpl allgemein? 

Wenn diese Aufstellung neuerdings auch bestritten ist '), so 
glauben wir dennoch mit Bredow, dass der durchgängige Gebrauch 
des Beinamens Chrysostomus für Johannes kaum früher anzusetzen 
ist als gegen die Wende des 6. zum 7. Jahrhundert Denn voraus- 
gesetzt, er wäre viel früher allgemein in Gebrauch gewesen, wie 
erklärt sich dann der bei allen Schriftstellern dieser Zeit übliche 
Zusatz „der genannt wird" ovofiaö&elg xtZ.? Das beweist ge- 
nugsam, dass der Name Chrysostomus noch nicht völlig Gemein- 
gut geworden ist. Bei den Schriftstellern syrischer Zunge findet 
er sich zuerst in dem Werke des Zacharias von Mitylene 2 ), das, 
da er den Johannes von Ephesus benutzt, nicht vor 569 ent- 
standen sein kann. Ebenso in einer Handschrift des 6. oder 
7. Jahrhunderts vgl. Wright, Cat. 71b: „Das Evangelium .... 
das ausgelegt wurde von Johannes, dem Bischof von Konstanti- 
nopel, der von den Leuten gewöhnlich ,Chrysostomus' genannt 
wird." Der Liber Chalipharum dagegen redet an einer Stelle 
von „Johannes Chrysostomus" (Land I, pg. 7, 27). Diese Stelle 
ist in einer Quelle des um 642 schreibenden Fortsetzers der 
Canones des Eusebius, des Presbyters Thomas 3 ) enthalten, die 



1) Vgl. Jeep, Quellenuntersuchungen zu den griechischen Kirchen- 
historikern, in Fleckeisens Jahrbücher für class. Philol., Suppl.-Bd. XIV. 
pg. 100 Note 1. Jeep eifert mit Unrecht gegen ßurks Artikel in der 
R. E. f der, obwohl er den Sozomenos zitiert, dennoch angiebt, der Name 
Chrysostomus finde sich erst bei Isidor. Jeep zitiert selbst falsch; 
denn die Stelle Sozomen. V11I, 10: ,.aAA' v fiev eixo?.wg xal fid/.a svrix w $ 
l'teye v, ojg xal XQvaoaxoßoq TiQoq xivwv 6voftaL > eo9ai" bezieht sich nicht 
auf den Patriarchen Johannes von Konstantinopel, sondern auf Antiochus, 
den Bischof von Ptolemais in Phönizien, einen Zeitgenossen des Johannes. 
Vgl. noch die Ausgabe der Kgesch. d. Socrat. u. Sozom. von Valesius-Rea- 
ding, Cantabrigiae 1720, unt Socr. pag. 310 Notab u. unt. Sozom. pag. 326 
Nota 3. 

2) Land Anecd. III, 116, 15: „Die Leiche des hl. Johannes, des 
Bischofs von Konstantinopel, der Chrysostomus genannt wird, wurde zu- 
rückgebracht." Die Handschrift des Z. v. M. stammt aus dem Ende des 
6. oder dem Beginn des 7. Jahrhunderts, vgl. Wright, Cat. pg. 1046 und 
Syr. Lit. pg. 835, b. 

3) Vgl. Land Anecd. I in den Scholien pg. 168. Dass der Presbyter 
nicht vor dem Jahre 641 geschrieben haben kann, ergiebt sich aus dem 
Titel, den wir mit Rücksicht auf die letzte Zeitangabe (fol. 43 v): „Heraclius 
(regierte) 30 Jahre" so lesen: ^io-4,] ^2»o ]^- r m~o .Winwoj? J-o[ks], 

UJcj-cl* uc^lm-M? ^[zo ^iViiio] 1)-*[j^]z :o-i^ Uc[r^ IvnNs 



Digitized by 



Google 



§ 24. Wann wird der Name „Chrysostomus" für Joh. v. Konatnpl allgemein? (55 

sich mit Kaisergeschichte (fol. 37 r, 11—42 v event. 43 r, 8) be- 
fasst 1 ), aber von dem ebengenannten Thomas noch bis auf 
Heraclius (f 1 1 Adar 952= 641) fortgeführt ist (- fol. 44 r, 2). Zu 
den zahlreichen Einschüben, die mit der Kaisergeschichte durch- 
aus nichts zu thun haben, gehört auch eine Bischofsliste, die fast 
nur die Konstantinopolitanischen Bischöfe enthält, aber sehr un- 
genau, fehler- und lückenhaft ist, und, da sie ebenfalls in der 
Fortsetzung des Thomas vorkommt, frühestens von ihm verfasst 
sein kann (vgl. Land, Anecd. I, pg. 1G8) 2 ). Ebenso steht in der 
Handschrift vom Jahre 874 u. Z. bei Wright p. 1000 b „der 
heilige Johannes Chrysostomus 4 '. 

Offenbar wird nach dem beigebrachten Material der Gebrauch 
des nackten Beinamens ohne Hinzufügung der Worte „der ge- 
nannt wird" u. dgl. kaum früher als um 600 angesetzt werden 
können, mithin die Edessenische Chronik nicht vor dieser Zeit ent- 
standen sein. 



1) Diese Kaisergeschichte macht sich kenntlich schon äusserlich durch 
stereotype, häufig wiederkehrende Wendungen, wie: „Er schlief ein auf 
dem Ruhebett und starb ehrenvoll und wurde begraben in dem Grabmal 
der gerechten Könige" fol. 37 v, 11; 38 r, 14; 40 r, 3; 41 v, 4; 43 r, 8 und: 
„und er that, was schön (was gut und schön) vor dem Herrn ist und wan- 
delte in den Wegen (Spuren) des . . ." fol. 38 v, 9; 39 v, 12; 40 r, 8. v, 5; 
41 r, 4 etc. 

2) Auch das Glaubensbekenntnis "des Jacob Baradaeus (Z. D. M. G. 
XXX, 453) hat „und ich nehme an die Homilien des Johannes Chrysostomus, 
des Patriarchen von Konstantinopel". Da es aber erst nach 1000 u. Z. 
aus dem Arabischen ins Äthiopische übertragen ist, so ist dieser Angabe 
kein Gewicht beizumessen. — Von den späteren syrischen Historikern hat 
Dionysius den Beinamen nicht, vgl. B. O. 1, 400 Nota 2; auch Michael 
(Chr. pg. 144) nicht: 11 (Arcadius) fit venir aupres de lui Jean d'Antioche. 
Bar Hebr. (Chron. eccl. 1, pg. 99) nennt ihn „Mar 1 Joh. Goldmund- 4 
und pg. 123 „Chrysostomus d. i. Goldmund", in der Hist. Dynast, stets 
„Johannes Goldmund" (pg. 143/4). — Die syrische Transcription des Wortes 
Xqv<jooxo[xoq ist verhältnismässig sehr jung und nicht vor dem 11. Jahr- 
hundert zu belegen; vgl. die Stellen bei Wright, Catal.; Elias von Nisibis 
bei Bar Hebr., Chron. eccl. I, pg. 132 Note 2. — In einer syrischen Hand- 
schrift des 12. Jahrhunderts fehlt der Name „Johannes" ganz: „Brief des 
Chrysostomus, des Bischofs von Konstantinopel." Nach Bredow soll zu 
Photiu8* Zeiten (ca. 888 u. Z.) der Beiname Chrysostomus (ohne Johannes 
allgemein gewesen sein. 



Texte u. Untersuchungen IX, 1. 



/Google 



66 Anhang: D. Abfassgszeit des 2. Bandes der Kgesch. des Joh. y. Ephesus. 



Anhang. 

Die Entstehungszeit des zweiten Bandes der Kirchengeschichte 
des Johannes von Ephesus ist gegehen durch die beiden Data: 
die Abfassungszeiten des Malalas und des syrischen Zacharias 
von Mitylene; sie liegt also zwischen den Jahren 565—570. 
Johannes von Ephesus hat die Chronographie des Malalas (bis 
zum Tode des Justinian) benutzt und zeigt sich auch, was die 
Chronologie anbelangt, als ein würdiger Schüler des Antiocheners. 
Er zitiert den Namen desselben in der „[Erzählung] über die 
Zerstörung und Vernichtung der Städte und über die schreck- 
liche Erscheinung und den Stern, welcher vorher erschien im 
Jahre 836", in dem Bericht über das fünfte Erdbeben zu An- 
tiochien (Land, Anecd. II, pg. 300 Zeile 17): „wie Johannes der 
Antiochener, der hierüber ein Buch verfasst hat, schreibt." Wir 
führen hier nur folgende Parallelstellen an, die sich noch ver- 
mehren lassen, indem wir zugleich Belege aus der Chronik 
Michaels des Grossen und aus der syrischen Chronik des Bar 
Hebraeus heranziehen. 



Johann. MalaL 


Johann, von Ephesus 


411, 1 1 ff. (Theophan. de Boor. 166, 6) Land, Anecd. 11, 298, 18 ff. 


417, 11 ff. (Theoph. 172, 1 ff.) 




298 ult.— 299,9 


419, 5—421, 14 




299, 9—301, 2 


436, 17—437, 2 (Theoph. 216, 17) 




301, 3—18 


442, 18—443, 7 (Theoph. 177, 22) 




301, 19—302, 5 


421, 14/5 




302, 6—8 


443, 8—15 




303, 8—20 


482, 12/13 




303, 21 ff. 


Joh. Malal. Joh. v. Ephesus 


Michael d. Gl 


Bar Hebraeus 


485, 8 ff. Land, An. II, 326, 15 ff. 


194, 25 ff. 


84 d. Übers, z. 13 


486, 23 ff. 325, 23 ff. 




84,21 


488, 20 ff. 328, 18 ff. 


195, 9 ff. 


85, 1—7 


484, 17 ff. 


199, 20 ff. 




490, 6 ff. 


189, 19 ff. 


85, 7—13 



Zu beachten ist, dass der Text 3es Johannes von Ephesus 
mehr mit dem der Malalas-Stellen bei Theophanes als mit 
dem der uns nur im Auszuge vorliegenden Chronik übereinstimmt 



Digitized by 



Google 



Anhang: D. Abfassgszeit des 2. Bandes der Kgesch. des Joh. v. Ephesus. 67 

Die bereit» von Nöldeke (Tabari-Übersetzung 119, Nota 1; 
146, Nota 1) und W. Wright (Syr. Liter. L 1. 835 b u. Nota 31) 
vermutete Abhängigkeit des syrischen Zacharias von Mitylene 
von Johannes von Ephesus wird durch das Zeugnis des Michael 
Syrus zur Thatsache erhoben. Der von ihm mit Nennung der 
Quelle aus Joh. von Ephesus entlehnte Bericht über die Ver- 
treibung der monophysitischen Bischöfe zur Zeit der Wieder- 
herstellung des Chalcedonense durch Kaiser Justin findet sich 
ebenfalls bei Zacharias Lib. VIII, Cap. V (Land, Anecd. III, p. 247, 
13 ff.), vgl Michael 176, 22—178, 25. Bar Hebr., Chron. eccL I, 
195—198. 



Digitized by 



Google 



IV. 

Sie dogmatische Stellung des Verfassers der 
Edessenischen Chronik. 

§ 25. 

Die orthodoxe Gesinnung, die in mehreren Einzelberichten 
und Quellen unserer Chronik zu Tage tritt, und der wir bereits 
gelegentlich der Quellenuntersuchung unsere Aufmerksamkeit ge- 
schenkt haben, macht es uns nicht schwer, die dogmatische 
Stellung des Verfassers derselben zu bestimmen. Es ist offenbar 
dieselbe, welche die erste antiochenische Quelle am deutlichsten 
zeigt, wenn sie von der grossen Sorge und dem Eifer des Kaisers 
Justinian für die Eintragung der vier ökumenischen Synoden in 
die Diptychen der Kirche (No. XCV) und von dem durch ein 
göttliches Wunder vereitelten Versuch des Kaisers Anastasius, 
die Beschlussakten der vierten Synode aus dem Grabmal der 
Euphemia entfernen und verbrennen zu lassen (No. LXXXIII), 
berichtet — die chalcedonensische Orthodoxie. 

Als im Jahre 519, um das Schisma zwischen Orient und 
Occident zu beseitigen, das Chalcedonense wiederhergestellt wurde, 
da lag es nahe, dass mit der Wiederherstellung desselben auch 
der Einfluss der römisch- occidentalen Kirche, der sich schon im 
Jahre 451 bei der Abfassung des Symbols als so schädlich und 
dem Geiste der orientalischen Kirche durchaus widersprechend er- 
wiesen hatte, erneuert würde. Seit Nicaea hatte die alexandri- 
nische Theologie den Entwicklungsgang der Kirche in allen 
wesentlichen Punkten bestimmt. Dass dieser Einfluss, wenn 
auch nicht geradezu aufgehoben, so doch durch die Einfügung 
eines völlig heterogenen Elements paralysiert wurde, war ein 
verhängnisvoller Schritt kaiserlicher Politik gewesen, die den 



Digitized by 



Google 



§ 25. Die dogmat Stellung d. Yerfenere d. Edeaeen. Chron. 69 

schweren Fehler beging, dass sie, um den stolzen und anmassen- 
den Patriarchen von Alexandrien, der dem Kaiser die Anerkennung 
verweigerte, zu stürzen, das Kind mit dem Bade ausschüttete. 
Die Kirchenpolitik Justinians hat sich von diesem Fehler fern- 
gehalten; dieser grosse kaiserliche Dogmatiker hat versucht, dem 
Chalcedonense eine cyrillisch-alexandrinische Deutung zu geben; 
er hat es erreicht und dadurch den Einfluss der alexandrinischen 
Theologie wiederhergestellt Offenbar ist infolgedessen die Ortho- 
doxie des sechsten Jahrhunderts, wenn auch nicht formell, so 
doch materiell eine andere als die des fünften. Der Unterschied 
zeigt sich am deutlichsten in ihrer beiderseitigen Stellung zu den 
Antiochenern. Während z. B. die Synode zu Chalcedon einen 
Ibas und einen Theodoret, die (mit Recht) auf dem zweiten 
Koncil zu Ephesus verdammt waren, für rechtgläubig erklärt, 
verhält sich die Orthodoxie des sechsten Jahrhunderts ablehnend 
gegen dieselben. Freilich hat sie sich gehütet, ihre Persönlichkeit 
gleich der des Theodorus von Mopsuestia zu verdammen — das 
widersprach den Beschlüssen von Chalcedon — ; sie hat sich be- 
gnügt, das Anathema über die anticyrillischen Schriften des 
Theodoret und das Sendschreiben des Ibas an Maris auszu- 
sprechen. Wie aber die Verdammung einer Schrift, um so mehr, 
wenn sie der tiefste und wahrste Ausdruck der religiösen Ge- 
sinnung und Überzeugung eines Mannes ist, mit der Unverletz- 
lichkeit seiner Person zu vereinen ist, wie eine solche möglich 
sein kann, ohne die Orthodoxie des Mannes ernstlich in Frage 
zu stellen, ist schwer zu fassen. Der Schlag, den man mit der 
Anathematdsierung der Schriften dieser beiden gegen das Chalce- 
donense gefuhrt hat, ist von den Geistesverwandten und An- 
hängern eines Leo nicht minder empfunden worden, als von 
denen der Antiochener, und ihr Widerstand gegen das kaiserliche 
Edikt vom Jahre 543 besagt genugsam, dass die Orthodoxie des 
sechsten Jahrhunderts eben eine andere als die des fünften ge- 
wesen ist. 

Wir werden gut thun, hier einzuhalten, um die Beant- 
wortung der Frage in Angriff zu nehmen, die für uns von 
Wichtigkeit ist: „Wie stellt sich unser Chronist zu der Ortho- 
doxie des sechsten Jahrhunderts? Ist er ein Anhänger der 
Justinianischen Kirchenpolitik?" 



Digitized by 



Google 



70 § 20. Die dogmat. Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 



§ 26. 

An zwei Stellen unserer Chronik belobt der Verfasser den 
Justinian. Einmal redet er von der Sorge und dem Eifer des 
gottliebenden Kaisers Justinian (No. XCV), ein andermal von 
dem Briefe des gepriesenen und gottliebenden Patrizius Mar 1 Justi- 
nianus (No. XCI1). Diese Belobigungen bezeugen ein Interesse 
des Verfassers an dem Kaiser, und namentlich die Hervor- 
hebung seiner Gottesliebe kann sehr wohl auf eine religiöse 
Übereinstimmung desselben mit dem Kaiser gedeutet werden. 
Somit stände nicht in Frage, dass unser Chronist ein Anhänger 
der justinianischen Kirchen politik gewesen wäre. Berücksichtigen 
wir nun das weitere Material der Chronik, so ergiebt sich, dass 
derselbe Verfasser, der dem Kaiser zugethan ist, auch für den 
Antiochener Ibas Sympathien verrät. Von allen Bischöfen allein 
erkennt er dem Ibas den Titel und die Auszeichnung „gross" 
(vgl No. LIX) und „trefflich, praestantissimus" (No. LX) zu 
und erzählt mit besonderer Genugthuung, was unter seinem 
Episkopate der Kirche von Edessa zugewendet wurde (No.No. LX 
und LXI). Als Ibas infolge der Bestimmungen des zweiten 
Ephesinum Edessa verlassen muss, zieht sein Nachfolger Nonnus 
nur für ihn ein (*»<jioa^M ^) ; das sonst dem Chronisten (zweite 
Schicht) charakteristische »^V |oot „es folgte ihm nach 4 
fehlt hier (vgl. aber hierzu No. LXXXVIII gegen Schluss) und 
erst in No. LXVIII zeigt unser Verfasser, dass mit dem Tode 
des Ibas der Episkopat des Nonnus Gütigkeit erlangt, indem er 
berichtet: Uaj mLso^ )z]o „und es kam an seiner Statt". Das 
ist geschichtlich falsch; denn Ibas ist auf der zweiten ephesi- 
nischen Synode rechtmässig abgesetzt und zu Chalcedon wieder 
restituiert worden. Unser Verfasser aber betrachtet den ersten 
Episkopat des Nonnus als ein Interimisticum, und die Restitution 
des Ibas verschweigt er ganz. 

§ 27. 

Dass diese Hervorhebung, die dem Ibas zuteil wird, und die 
in dem Masse kein Gesinnungsgenosse desselben gefunden hat, 
mehr sein will als nur ein Sympathieerguss für den Bischof von 



Digitized by 



Google 



§ 27. Die dogmat. Stellang d. Verfassers d. Edessen. Chron. 71 

Edessa, beweist weiter die Anführung des Theodorus von Mopsu- 
estia (No. XL VI) und des Andreas von Samosata (LVI) J ), des- 
gleichen die Angabe der No. LV, falls deren gegebene Lesart 
sich als richtig herausstellen sollte. Der vorliegende Text liest: 
-Im Jahre 739 wurde die Haeresie derer, welche lehren, die 
Sünde sei der Natur [des Menschen] eingepflanzt, bekannt." 
Diese offenkundig pelagianische Anschauung verratende Notiz 
hat Assemani (Nota 4 d. B. 0. pg. 402) durch eine sehr einfache 
und feine Konjektur ändern zu müssen geglaubt. Er schiebt 
ein einfaches 0^= „nicht" ein, liest also „die sagen, der Natur 
sei die Sünde nicht angeboren" u. s. w. und rechtfertigt seine 
Konjektur mit dem Hinweis auf des Verfassers Rechtgläubigkeit, 
der die erste ephesinische Synode anerkannt habe. Bekanntlich 
wurde auf dieser Synode mit dem Nestorianismus der Pelagianis- 
mus verworfen. Es fragt sich, ob wir auf Grund beigebrachter 
geschichtlicher Beweise — denn der von Assemani gebrachte 
genügt allein nicht — die Konjektur gutheissen können. 

Der pelagianische Streit wurde durch die Übersiedlung seines 
Urhebers nach Palästina auch auf den Orient übertragen. Er 
hat hier aber nicht die Erregung hervorrufen können, wie in 
Nordafrika und Italien, einmal, weil der Osten kein rechtes Ver- 
ständnis von der augustinischen Sünden- und Gnadenlehre hatte, 
dann auch, weil denselben im hohen Grade die christologische 
Frage beschäftigte, und wenn damals Theodor von Mopsuestia 
mit seinen (fünf verloren gegangenen) Büchern jtQoq rovg Xi- 
yovxag tpvcet xal ov yp(6fi?j jtrateiv rovg äv&Qcijiovg gegen 
„diese im Abendland aufgekommene Krankheit" Stellung zu 
nehmen sich veranlasst fühlte, so geschah es doch weniger aus 
dem besonderen Bedürfnis heraus, für den angegriffenen Pelagius 



1) Ober Andreas von Samosata vgl. A Dictionary of Christian Bio- 
graphy ed. by Smith & Wace I. — Von den Monophysiten ist er immer 
als Ketzer verworfen worden, vgl. die Epistola synodica des Paulus von 
Antiochien (vgl. Kleyn, Jacobus Baradaeus p. 176). Er verwirft . . . Paulus 
yon Samosata, Photinus, Diodorus, Theodorus, Nestorius, Andreas , lbap, 
Theodoretns, Eutherius von Tyana, Irenaeus Digamus (von Tyrus), 
Alezander von Mabbog, Cyrus. — Dieselbe Liste findet sich auch bei 
Wright, Catal. of the Syriac Manuscr. II, pg. 701 und bei Zacharias von 
Mitylene (Land, Anecd. III, pg. 296) mit wenigen Abweichungen, vgl. auch 
Bar Hebr., Chron. eccl. I, pg. 153/4 und Michael Syrus, Chronik pg. 148. 



Digitized by 



Google 



72 § 27. Die dogmat Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 

eine Lanze zu brechen, als vielmehr aus dem Grunde, dass die 
Anschauungsweise des Orientalen, der in diesem Punkte mit der 
des Brüten übereinstimmte, ja den Maximen des Pelagins längst 
gehuldigt hatte, ehe es überhaupt zur Erörterung und zum 
Streit gekommen war, sich selbst durch Hieronymus angegriffen 
sah, so dass, wie die Pelagianer im Orient thatsachlich ihre 
Stütze und Zuflucht fanden, Cassianus (c. Nestor. 1, 3 ff.) die 
Nestorianer nicht mit Unrecht mit den Pelagianern als „cognata 
haeresis" zusammengestellt hat und Marius Mercator den Pela- 
gianismus sogar aus der Lehre des Theodor hat ableiten wollen 1 ). 
Man darf auch dreist behaupten, dass das ganze Morgenland nie 
zu einer wahren Würdigung und zum vollen Verständnis der 
augustinischen Sündenlehre durchgedrungen ist 2 ); dafür lassen 
sich Beispiele genug beibringen, vgl. z. B. Loofs, Leontius von 
Byzanz (pg. 231 — 236) über den Antipelagianismus der skythischen 
Mönche: „Ein tiefgehendes antipelagianisches Interesse im Orient 
ist schwer begreiflich; zufallige Gründe müssen es veranlasst 
haben, wenn Orientalen sich für Augustins Sündenlehre interes- 
siert haben" 3 ) — und andererseits Stellen aus dem Glaubens- 
bekenntnis des Jacobus Baradaeus: „Und als er (der dreieinige 
Gott) sah, dass die Sünde viel wurde und die Kreaturen ver- 
derbte und dass die ganze Schöpfung dem Satan diente und 
ihre Herzen verkehrt wurden, indem sie ihrer Abgötterei nach- 
trachteten und dass dieses Gemachte mit Füssen getreten wurde 
und ihre Gemeinschaft sich zerstreute und ihre Hoffnung erlosch: 
da züchtigte er sie zuerst durch ihre Vertreibung aus dem Garten 
der Wonne, auf dass die Kinder Adams sich zu ihrem Gott 
wenden sollten, um bei ihm Vergebung zu suchen" 4 ). 

Auf Grund dieser Thatsachen erweist sich die auch nach 
einfachen philologischen Grundsätzen höchst bedenkliche Kon- 



1) Vgl Möller, Kirchengesch. I, 471 ff. Harnack, Dogmengesch. II, 
151 ff.; 111, 154 Note 2. 

2) Schon der alte Dialog „de fato" aus der Schule des Bardesanes 
zeigt, wie selbstverständlich dem Orientalen die sittliche Freiheit des 
Menschen erschien. 

3) Loofs, Leont. v. Byz. pg. 231. 

4) Vgl. Z. D. M. G. XXX, pg. 444 Z. 3 ff. — Kleyn, Jacob. Baradaeus, 
pg. 92 Note 2, pg. 93 Note 2 und pg. 144. — Vgl. auch, was Harnack, 
Dogmengesch. III, pg. 162 Note 1, sagt. 



Digitized by 



Google 



§ 27. Die dogmat Siellang d. Verfassen d. Edesaen. Chron. 73 

jektur Assemanis als hinfällig. Unseres Erachtens bezieht sich 
die Angabe der Chronik: „die sagen, der Natur sei die Sünde 
eingepflanzt" auf die obengenannte Schrift Theodors: xqo$ tov$ 
liyovxaq <pvOei xxX. Der Ausbruch der Häresie resp. des Streites 
ist offenbar zu spät angesetzt; er findet schon 412 statt, im Orient 
415. Auch die Schrift des Theodor ist früher anzusetzen, da sie 
veranlasst ist durch des Hieronymus, des eigentlichen Züchters 
des Antipelagianismus im Morgenlande, dialogi ad versus Pelag. 
und epist. ad Ctesiph. (415). Wir vermuten, dass mit dieser 
Angabe eine Beziehung auf Theodor beabsichtigt ist, der um 
diese Zeit, 428, verstorben ist 1 ). 

Alle diese Angaben weisen, wenn auch nicht gerade auf 
nackten Nestorianismus des Verfassers — er erkennt ja die vier 
ökumenischen Synoden an — wohl aber auf nestorianisierende 
Tendenzen 2 ) innerhalb seines chalcedonensisch-orthodoxen Glau- 
bens, die, wie sie in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts 
und darüber hinaus einen weiten Raum in der Entwicklungs- 
geschichte der Kirche einnehmen 3 ), somit auch noch für die 
Wendezeit des sechsten gegen das siebente Jahrhundert zu be- 
legen sind. 

Nun ist aber doch klar, dass einerseits die Zuneigung des 
Verfassers zum Antiochenismus bezw. Nestorianismus und seinen 
namhaftesten Vertretern, Theodor von Mopsuestia, Andreas von 
Samosata und Ibas von Edessa, andrerseits das dem Kaiser 
Ju8tinian gespendete Lob, welches durch die Hervorhebung der 
Gottesliebe eine Anerkennung seiner Kirchenpolitik in sich zu 
schliessen scheint, im Hinblick auf die geschichtlichen Verhält- 
nisse sich nicht mit einander vertragen, sondern einen Wider- 
spruch des Verfassers mit sich selbst begründen. Danach schliesst 
die Billigung der justinianischen Kirchenpolitik unbedingt jede 
nestorianische Neigung der Orthodoxie aus, ebenso umgekehrt 
kann der nestorianisierende Chalcedonismus die justinianische 
Kirchenpolitik nicht anerkennen. 



1) Vgl. die Übersetzung No. LV Note. 

2) Vgl. noch die Bemerkung zu No. LV11 unserer Chronik. 

3) Vgl. darüber Loofs, Leontius von Byzanz pg. 274 ff. — Der in 
unserer Chronik genannte Patriarch, Ephraim von Antiochien, war einer 
der Hauptvertreter dieser Richtung. 



Digitized by 



Google 



74 § 28- D* e dogmat. Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 

Halten wir an einer nestorianischen Tendenz unseres Chro- 
nisten als dem jedenfalls mehr gesicherten Resultate unserer 
Untersuchung fest, so müssen es andere Gründe als die Aner- 
kennung der kaiserlichen Kirchenpolitik sein, die unseren Chro- 
nisten bewogen haben, trotz seiner nestorianisierenden Tendenzen 
dem Kaiser Justinian Sympathien entgegenzubringen. 



§ 28. 

Bereits Assemani (siehe Einleitung) hat darauf hingewiesen, 
dass der Chronist dort abgebrochen habe, „ubi Pastores Jacobitae 
Ecclesiam illam [Edessenam] invadere coeperunt". In der That 
ist der Abbruch der chronologischen Berichte so abrupt, und 
die Schlussnotiz steht so völlig unvermittelt da, dass man sich 
der Anschauung nicht verschliessen kann, der Verfasser habe 
absichtlich hier innegehalten; und dieselbe gewinnt um so grössere 
Wahrscheinlichkeit, wenn wir bedenken, dass die Chronik nicht 
vor c. 600 verfasst sein kann. Thatsache ist, dass mit obiger 
Festlegung der chalcedonensisch-nestorianisierenden Orthodoxie 
unseres Verfassers seine antimonophysitische Richtung genugsam 
dokumentiert ist. Klar und deutlich spricht er sie ferner aus 
in der No. Uli: „der Mönch Eutyches leugne die Menschwer- 
dung". Den Dioscurus freilich lässt er unbehelligt und begnügt 
sich mit dem einfachen Berichte seiner Inthronisation als Bischof 
von Gross- Alexandrien (LXII), doch tritt seine feindliche Ge- 
sinnung gegen ihn klar in der folgenden Nummer zu Tage, wenn 
er meldet, dass Dioscurus auf der zweiten Synode zu Ephesus den 
„grossen Flavian" u. s. w. mit dem Anathema belegt habe J ). 
Er verwirft also diese Synode, die den grossen Flavian verdammt 
hat, wie sich auch schon indirekt aus der Anerkennung der vier 
Synoden von Nicaea, Konstantinopel, der ersten zu Ephesus und 
von Chalcedon ergiebt. Zu beachten ist, dass der Chronist in 
seinem Werke alle monophysitischen Kirchenfürsten und -Lehrer 
übergeht, so z, B. den gefeierten Bischof Jacob von Sarug, „die 
Flöte des heiligen Geistes und die Cither der rechtgläubigen 



1) Schon die Mitteilung der Namen der Verdammten an dieser Stelle 
gegenüber dem Fehlen derselben in den übrigen Berichten über Koncilien 
erweckt gerechte Bedenken. 



Digitized by 



Google 



§ 28. Die dogmat Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 75 

Kirche", und nur orthodoxe, wieSymeon Stylites (vgl.Euagr.II, 10) 
oder solche Männer nennt, die gleicherweise die chalcedonen- 
sische Orthodoxie zu den Ihrigen zählt, wie Jacob von Nisibis, 
Ephraim, Isaac von Antiochien, Cyrill, Johannes Chrysostomus. 
Sicher auch ist die Nennung des Leontius 1 ) und Vitalian 2 ) — 
desgleichen auch der Patriarchen Euphemius und Macedonius, 
die von dem monophysitenfreundlichen Anastasius vertrieben 
wurden — weiter nichts als eine Sympathieäusserung für die- 
selben 3 ), während er den Aufstand des Gegenkaisers des Zeno, 
Basiliscus, der sich anfangs auf den Monophysitismus stützte und 
zu dessen Gunsten das *Eyxvxliov erliess, später aber dieses 
Rundschreiben im Interesse seines Thrones widerrief, mit Still- 
schweigen übergeht 4 ). Alle diese Thatsachen, die in dem Punkte 
des Antimonophysitismus unseres Verfassers zusammentreffen, 
rechtfertigen durchaus die Vermutung Assemanis; allein bevor 
wir derselben voll und ganz beistimmen können, bedarf es noch 



1) Mit dem Aufstand des Leontius war zugleich die Reaktion des 
orthodox-nestorianisierenden Patriarchen Calandio in Antiochien gegen 
den Monophysitismus verbunden. Vgl. Bar Hebr., Chr. eccl. I, pg. 183/4. 
Euagr. III, 16. 

2) Der Aufstand des Vitalian ist geradezu von religiösen Ideen ge- 
tragen, vgl. Loofs, Leontius von Byzanz, Erstes Buch pg. 244 ff. — die 
monopbysitische Quelle desMalalas (Theophilus ?) sieht die religiösen Gründe 
als vorgeschobene an. 

3) Anzuerkennen ist, dass der Chronist geschichtlich wahr von den 
„Aufständen 4 * des Leontius u. s. w. redet, obwohl er in seinen Angaben 
über Ibas nicht ganz objektiv geblieben ist. — Auffällig ist auch die 
Nüchternheit und Leidenschaftslosigkeit in der Polemik gegen seine Gegner, 
weswegen ihn schon W. Wright gelobt hat (vgl. Einleitung pag. 4 Nota 1). 
Gerade der Umstand, dass er in seiner Bekämpfung des Monophysitismus 
nicht gerade offen und frei heraustritt und die Grenze nicht überschreitet, 
welche die gemässigten Anhänger desselben gegenüber den Extremen 
z. B. in der Verwerfung des Eutyches innegehalten haben, bezeugt eine 
Vorsicht, die wohl dadurch erklärlich wird, dass der Chronist zu einer 
Zeit geschrieben hat, wo der Monophysitismus die herrschende Kirche 
und Macht im Orient gewesen ist und er selbst sich des Schutzes der 
Staatskirche nicht mehr erfreuen konnte. 

4) Umgekehrt verfährt Michael in seiner Chronik. Er übergeht den 
Leontius mit Stillschweigen und erwähnt den Basiliscus, der freilich wegen 
seiner Apostasie von der Einnaturenlehre das Verdammungsurteil über 
sich ergehen lassen muss, vgl. pg. 170. — Bar Hebr., Chron. syr. pg. 78 
(76 der Übersetzg.). 



Digitized by 



Google 



76 § 29. Die dogmat. Stellung d. Verfassers d. Edeeeen. ChroiL 

einer Untersuchung der edessenischen Bischofsreihe, um mit 
Sicherheit festzustellen, dass der Verfasser, von seinem dogma- 
tischen Standpunkte aus, mit Addai abzubrechen ein Recht hatte. 

§ 29. 

Schon in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts war 
ein Monophysit Bischof von Edessa gewesen; Rabbulas war aus 
einem Antiochener ein scharfer Parteigänger des Cyrill und der 
Alexandriner geworden. Mit seinem Tode war der Bischofsstubl 
wieder an die Antiochener, an seinen heftigsten Gegner, Ibas, 
zurückgefallen. Erreichte unter diesem hervorragenden Theologen 
auch die sogenannte „Persische Schule", die Pflanzstätte des öst- 
lichen Nestorianismus, ihre höchste Blüte, wer sich der geringen 
Mühe unterzieht, die syrischen Akten des zweiten Ephesinum 
(ed. Georg Hoffmann) durchzulesen, wird sich des Eindrucks 
nicht erwehren können, dass die Macht der antiochenischen 
Theologie gebrochen, dass ihre Vertreter jedenfalls als prak- 
tische Geistliche ihren Einfluss beim Volke verloren hatten. Der 
alexandrinischen Hochflut musste er das Feld lassen. Was ihn 
nach seiner Wiedereinsetzung hielt, das war die kaiserliche 
Macht, der auch sein Nachfolger, bereits von 449 — 51 als Mono- 
physit Inhaber des bischöflichen Thrones, nach lbas' Tode nur 
gegen Anerkennung des Chalcedonense seine Restitution ver- 
dankte (Ass. B. 0. 1, pg. 253; Nota zu LXVI1I). Der Tod des 
Nonnus (f 471) brachte eine Veränderung. Wie bereits seit 
dreizehn Jahren die monophysitische Partei in Ägypten trium- 
phiert hatte, so auch jetzt in Syrien. 471 bestieg der Monophysit 
Petrus Gnapheus den Patriarchenstuhl von Antiochien; mit ihm 
wurde in Edessa sein Parteigenosse Cyrus IL erhoben, dessen 
Werk die Zerstörung der Persischen Schule war (489). Fast 
fünfzig Jahre konnte sich der Monophysitismus in Edessa unter 
den Cyrus IL (471-498), Petrus (498-510) und Paulus (510 
bis 522) des ungestörten Besitzes des Episkopats erfreuen und 
sich mehr und mehr befestigen, da brachte das Jahr 518 mit 
der Thronbesteigung des Justin die Restauration des Chalcedo- 
nense. Wer dasselbe nicht anerkennen wollte, wurde entfernt 
und die zahlreichen Vertreibungen von Bischöfen, deren Namen 
uns durch Zacharias von Mitylene (Lib. VIII, cp. 5) und ebenso 



Digitized by 



Google 



§ 29. Die dogmat Stellung d. Verfassers d. Ed essen. Chron. 77 

durch Michael Syrus in seiner Chronik (pg. 176, 22 ff.) aus Jo- 
hannes von Ephesus glücklicherweise erhalten sind, belehren uns, 
von welchem Umfange die Austreibung und Verfolgung gewesen 
sein muss, zugleich aber auch — eine wie grosse Macht der 
Monophysitismus in jener Zeit schon gewesen ist. Auch Edessa 
blieb von der Umwälzung nicht verschont. Der damalige Metro- 
polit Paulus, der dieses Amt seit dem Jahre 510 bekleidete, 
wurde auf seine Weigerung, das vierte Koncil anzuerkennen, aus 
der Taufkapelle, wohin er sich geflüchtet, gewaltsam heraus- 
gerissen und nach Seleucia abgeführt. Diese Gewaltmassregel 
des Patricius fand indess die Billigung des Kaisers nicht. Paul 
wurde noch im Laufe desselben Jahres (519) restituiert und 
man gab sich am Hofe der Hoffnung hin, dass er die Oppo- 
sition gegen das Chalcedonense nunmehr aufgeben werde, und 
konnte sich dessen um so mehr versehen, als Paul bereits einmal 
seine Farbe gewechselt hatte l ) und aus einem Chalcedonianer 



1) Vgl. Zachar. v. Mit. bei Land Anecd. III, p. 243, Z. lOff. : Paulus, 

welcher zeigte das Gesicht der Orthodoxen. Er war aber ein Mann schön 
(stolz) von Körper und fein gebildet. Und als er Bischof in Edessa in 
den Tagen des Flavianus vor dem Asclepius wurde, verfasste er ein 
Schriftstück an ihn, dass er die Synode [von Chalcedon] nicht anathemati- 
siere; denn er war sein Syncellos gewesen. Dieses Schreiben geriet in 
die Bände des hlg. Severus, des Nachfolgers des Flavianus. Als nun dieser 
Paulus hinaufzog, ihn zu begrüssen, gab er (Sev.) ihm dasselbe und erliess 
ihm seine Thorheit in göttlicher Liebe, da er nämlich bekannte, gläubig 
zu sein, und nicht deckte dieser weise Mann die Schande dessen auf, der 
die Gesinnung verbarg, wie geschrieben steht. Er hielt sich im Anfange 
wacker, dass er nicht annähme die Synode in den Tagen dieses Kaisers 
(Justin), indem ihn die Edessener unterstutzten und auch seinetwegen 
tagtäglich Mangel und Schimpf erlitten. Als er aber nach Euchaita ver- 
bannt war, gab er nach und kehrte nach Orhäi zurück, und als er dort 
eine kurze Zeit verweilt hatte, empfand er Reue und starb bald." — 
Fälschlich hat Assemani unserem Paulus im ersten Bande seiner Bibl. or. 
'pg. 409 Nota 2) den Titel „Interpres librorum" zuerteilt, während er den- 
selben im zweiten Bandes seines Werke dem Paulus von Callinicus zu- 
spricht, der, im Jahre 519 aus seinem Bischofssitze vertrieben, sich nach 
Edessa wandte und sich daselbst mit der Übersetzung der Schriften des 
Severus ins Syrische befasste, so allein richtig, vgl. W. Wright, Syriac 
Lit. 1. 1. pg. 834 col. a. u. Nota 15 u. 24. Der in der Z. D. M. G. XXXT, 
pg. 400 von Schröder namhaft gemachte Paul (Bischof von Edessa), der 
die Hymnen des Johannes Psaltes während seines Aufenthaltes auf Cypern, 
wohin er vor den Persern geflohen war, ins Syrische übertrug, ist der 



Digitized by 



Google 



78 §29. Die dogmat. Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 

ein Monophysit geworden war. Allein man täuschte sich in 
seinen Erwartungen. Der Brief des Jacob von Sarug (vgl. die 
Bemerkungen zu No. LXXXVI1I) giebt uns einen Einblick, wie 
im monophysitischen Lager der Akt des Kaisers aufgefasst wurde. 
Zudem hatte Paul selbst an der edessenischen Bürgerschaft einen 
festen und sicheren Rückhalt So blieb denn Paulus noch zwei 
und ein halbes Jahr unbehelligt im Amte, ohne in Sachen des 
Glaubens kaum mehr als eine gewisse formelle Nachgiebigkeit 
gezeigt zu haben *). Da schritt endlich der Kaiser und zwar 
auf Grund einer Intrigue, die ein Presbyter des Paulus wider 



100 Jahre später lebende Abt Paul von Kenneärin, der auch den Octoechus 
des Severus ins Syrische übersetzte. 

1) Unsere Chronik und Zacharias lassen den Paulus gar keine Kon- 
zession machen, anders dagegen berichtet Johannes von Ephesus (Land 
Anecd. II, 291, 25 ff.): „Das grosse, sogenannte Kloster der Orientalen war 
seit den Tagen des Paulus, als sie gesehen hatten, dass er an der Wahr- 
heit krankte, von ihm abgefallen; sie hatten sich abgesondert und ihre 
Gewohnheit unterlassen, das Abendmahl aus der Kirche von Orhai zu 
empfangen, und beschlossen, das Abendmahl in ihrem Kloster zu feiern. 
Nicht empfingen sie also mehr aus der Kirche die Eucharistie; ebenso 
thaten auch die übrigen Edessener und Amidener. Sie forderten von 
Jedermann, gross und klein, mit eigenhändiger Unterschrift, die Synode 
von Chalcedon und den Tomus Leonis, sowie auch Jeden, der die zwei 
Naturen in dem Messias nach der Vereinigung bekannte, zu verdammen." 
Sollte sich diese Angabe des Joh. v. Eph. in dieser Schroffheit — zeitlich 
liegt sie ebenfalls vor der Ersetzung des Paul durch Asclepius — als 
richtig erweisen, so fallt die von Dionys mitgeteilte Anschw&rzung beim 
Hofe in ein Nichts zusammen. Dann steht aber wieder die zweite Ver- 
treibung des Paulus völlig unvermittelt da und man müsste zu dem Aus- 
kunftsmittel seine Zuflucht nehmen, den Bischofsverfolgungen eine Zeit 
der Reaktion zu Gunsten des Monophysitismus folgen zu lassen, wozu die 
Angabe des Theophanes 167,20 (de Boor): EwpQaowg 6s 6 kvxiox^aQ rtjv 
iv XakxTjöovi avvoöov i&ßate xwv öinxvxoiv xul xb ovofia l OQfüa6a xov 
nana *Pa>pijq. /neta 6h xavxa <poßrj&elq xag x^aaagaq awööovg ixygvxxsv 
nicht übel stimmen würde. — Die Angabe des Johannes, in der wohl der 
Hass des Monophysiten gegen den Apostaten etwas zu früh zum Ausdruck 
kommt, wird das Wahre enthalten, dass in einer gewissen formellen Nach- 
giebigkeit des Paulus, die vielleicht schon die Voraussetzung seiner Wieder- 
einsetzung gewesen ist, und die darin bestanden haben mag, die Synode 
von Chalcedon nicht expressis verbis zu verfluchen, die Eiferer, die sich nach 
einem Martyrium sehnten, einen direkten Abfall sahen und sich deswegen 
vom Abendmahlsgenuss in der Kirche zu Edessa fernhielten. 



Digitized by 



Google 



§ 29. Die dogmat Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 79 

ihn angezettelt hatte, abermals gegen ihn ein. Paul nämlich 
hatte diesen, Asclepius, bereits zum Bischof für den erledigten 
Sitz von Haran designiert, ihn dann, offenbar seiner chalcedonen- 
sischen Gesinnung wegen, übergangen und einen andern zum 
Bischof gemacht 1 ). Asclepius benutzte nun die näheren Be- 
ziehungen, welche er durch seine, die Stellung von Eparchen 
bekleidenden Brüder 2 ), Demosthenes und Andreas, zum kaiser- 
lichen Hofe hatte, um gegen Paulus wegen seiner Heterodoxie 
zu schüren, und setzte auch die gewaltsame Entfernung des 
Paulus — er wurde nach Euchaita verbannt — durch den 
General Pharesmanes und seine eigene Ernennung zum Bischof 
durch, um als solcher eine traurige Berühmtheit infolge seiner 
schrecklichen und rücksichtslosen Mönchs Vertreibungen und -Ver- 
folgungen, die er unter Beistand der romischen Generale Phares- 
manes und Liberius vollführt hat, zu erlangen 3 ). Nicht volle 
drei Jahre hielten diese heftigen Verfolgungen an. Im Frühjahr 
525 hatte eine schwere Überschwemmung des Daizan wieder 
einen grossen Teil der Stadt, zerstört, und viele Bewohner waren 
in der Verheerung zu Grunde gegangen. Da brach der Sturm 
gegen den Unterdrücker des wahren Glaubens los, dem man 
schuld gab, durch seine Massregeln gegen die Frommen das 
Gottesgericht heraufbeschworen zu haben 4 ). Asclepius konnte 

1) Vgl. Dionysius v. Tellm. Ass. B. 0. I, 411 Nota 1. 

2) Vgl. Zacharias v. Mit., Land Anecd. III, 243, 9. 10. Dionys (vgl. oben 
Nota 1) nennt nur einen Bruder, der Praefectus Praetorio gewesen ist. 
Andreas ist aller Wahrscheinlichkeit nach der spätere Bischof von Edessa, 
der dem dritten Episkopat des Paulus nachfolgte; Demosthenes wohl der 
in No. No. CII u, CHI genannte römische Feldherr. 

3) Vgl. Joh. v. Ephes. Land Anecd. II 292, lOff. bis 294, 5. — Zacharias 
v. Mit, Land Anecd. III 243, 22 ff. : „. . . Er (Asclepius) war ein Nestorianer, 
rechtschaffen in seinen Thaten, voll Liebe und Herablassung gegen die 
Landleute, ohne Sucht nach Geschenken, züchtig an seinem Leibe; er 
förderte die Kirche mit dem, was ihm gut schien, und tilgte ihre Schäden ; 
aber er eiferte auch heftig gegen die Gläubigen. Viele wurden von ihm 
verfolgt und durch viele Leiden gepeinigt, oder sie starben unter den 
Händen des rauhen Generals, des Gothen Liberius, der den Beinamen 
jStierfresser 4 trug. 4 ' — Asclepius heisst Land Anecd. III, pg. 243, 9 „Sohn 
der Schiffer" = der Schiffer; gerade so heisst sein Zeitgenosse, Euphrasius 
bar mallache (?), Patriarch von Antiochien, vgl. Bar Hebr., Chron. eccl. I, 
Pg. 197. 

4) Vgl. auch Assem. B. 0. 1, 412, Nota 2. 



Digitized by 



Google 



80 § 29. Die dogmat. Stellung d. Verfassers d. Edessen. Chron. 

sich der Volksjustiz nur durch schleunige Flucht nach Antiochien 
entziehen, wo er bald darauf verstorben ist. Indessen hatte auch 
Paul in EuchaYta Zeit und Gelegenheit genug gehabt, die Un- 
annehmlichkeiten der Verbannung in jenem entlegenen Winkel 
der Erde durchzukosten; sie hatten ihn bald mürbe gemacht, 
sodass er, als er den Tod des Asclepius erfuhr, bei dem Patriar- 
chen von Antiochien und bei dem Neffen des Kaisers, dem 
Patricius Justdnian, vorstellig und gegen Anerkennung der vierten 
Synode zum dritten Mal in das bischöfliche Amt eingesetzt 
wurde. Er starb schon innerhalb Jahresfrist. Nach ihm hat 
das Staatskirchentum unter den Bischöfen Andreas und Addai, 
unter dem sich die Mönchsverfolgungen nochmals mit aller Strenge 
wiederholten (536) *), sich noch in dem unbestrittenen Besitz des 
edessenischen Bischofsstuhles behauptet, bis er im Jahre 543 
durch den Einfluss der Kaiserin Theodora an die Monophysiten fiel. 
Mag dem sein, wie ihm wolle, der Monophysitismus ist seit 
der Mitte des fünften Jahrhunderts, wo er zu Ephesus (449) zum 
ersten Male seine Macht geltend machte, die geistige Macht des 
römischen Orients gewesen und geblieben. Trotz aller Ver- 
folgungen und Bedrückungen, die seine Anhänger erfahren 
mussten, trotzdem dass im Jahre 543 die mit Monophysiten be- 
setzten Bischofssitze bis auf drei zurückgegangen waren 2 ), hat 
er unter Justin und Justinian nicht minder wie unter Zeno und 
Anastasius die Herrschaft geführt, und wir müssen uns füglich 
hüten, von der Thatsache aus, dass die Bischofssitze von Ortho- 
doxen besetzt sind, auf die allgemeine Gesinnung der Bevölkerung 
zu schliessen. Wenn im Orient, besonders in Syrien, die Bischofs- 
stühle so häufig mit Chalcedonianern besetzt wurden, so lag es 
in den dortigen Verhältnissen. Gerade diese Provinzen des 
Römerreiches waren fast immer in der unglücklichen Lage, den 
römischen Truppen als Stand- und Winterquartiere zu dienen, 
da die ewigen Reibereien an der Ostgrenze, die nie zu tilgende 
Eifersucht der Perserkönige, die alle Augenblicke zu ernsteren 
Verwicklungen und Kriegen führen konnten, eine fortdauernde 
Unsicherheit veranlassten und deswegen grössere Truppenan- 
sammlungen erforderten. Auch damals hat es neben dem ge- 

1) Vgl. Joh. v.Eph., Land Anecd. II 210, 18ff.; 295, 19ff. 

2) Vgl. Land Anecd. II 173, 14 ff.; 369, 5ff. 



Digitized by 



Google 



§ 29. Die dogmat Stellung <L Verfassen d. Edessen. Chron. gl 

wältigen Organisator des Monophysitismus, Jacobus Baradaeus, 
dessen Namen die späteren Monophysiten fortan trugen, dessen 
Einfluss von den Grenzen Arabiens und darüber hinaus bis tief 
in Kleinasien hinein vor die Thore Konstantinopels reichte, in 
Edessa noch Vertreter der Staatskirche gegeben. So wird unter 
den syrischen Teilnehmern der fünften ökumenischen Synode zu 
Konstantinopel vom Jahre 553 ein Bischof von Edessa, Ama- 
zonius 1 ) mit Namen, genannt, dessen wir oben bereits als des 
Erbauers der neuen Kirche Erwähnung gethan haben. Allein 
sie kommen nur vereinzelt vor und verschwinden an Zahl wie 
an Einfluss und Macht ganz neben den monophysitischen 
Bischofen, deren Reihe nirgends unterbrochen ist 2 ). Die Macht- 

1) Vgl. Aseem. ß. 0. I, pg. 559 (Note zu pg 424), 11,325 col.b; Bar 
Hebr., Chron. eccl. I, 291 Nota 2. 

2) Assem. B. 0. 1, 424 ff. giebt folgende Bischöfe an : Jacobus Bürde an a 
(543-578), Severus (578—603). Johannes, Jesaias (—628), Simeon (628—650), 
Cyriacus (651-677), Jacobus von Edessa (679 gewählt), Habib, — nach 
der Chronik des Dionysius von Tellmahre. Allein die Zeitangaben sind 
ungenau und die Reihe nicht vollständig, da noch ein Bischof Sergius 
Armenus von Edessa (c. 593 und früher) — oder sollte sein Name nur 
verderbt sein aus Severus oder umgekehrt? — vgL B. 0. II, 333, BHebr. 
Chr. eccl. 1, 259, und ein Bischof Daniel (669) vgl. Land, Ajiecd. I, p. 70 der 
Prolegomena genannt werden. Zu einer Kontrolierung fehlt bis jetzt das 
Material; nur so viel scheint u. E. festzustehen, dass alle Zahlangaben vom 
Tode des Severus (603) um 6 — 7 Jahre werden verschoben werden müssen und 
zwar aus folgenden Gründen. Dionysius (B. 0. 1, 425 col. a sub XXI) berichtet: 
„Im Jahre 914 (603 Dom.) eroberte Narsß, der General der Perser, ürhai, 
zog in die Stadt ein, Hess den Bischof dieser Stadt ergreifen und steinigen, 
sodass er starb." Nun wissen wir weder von einem persischen Feldherrn 
Narses, der Edessa erobert haben soll, noch von einer Eroberung dieser 
Stadt im Jahre 603. Der Eroberer Syriens hiess Romiuzän (vgl. Michael 
pg. 217 u. Nöldekes Tabariüberseteg., pg. 290), und Edessa wurde im Jahre 
610 von den Persern erobert (Lib. ChaL bei Land Anecd. 1, 16, 2; Michael 
Chronik, p. 217; Theophan. [de Boor] 299, 15). Dagegen wissen wir von 
einem römischen Feldherrn Narses, der in Edessa kommandierte, sich 
aber c. 603 gegen Phokas auflehnte und den Chosrau herbeirief. Ver- 
mutlich sind bei Dionysius die Ereignisse von 604 und 610 zusammen- 
geworfen. Die gleiche Differenz von 6—7 Jahren kehrt wieder zwischen 
dem Tode des Cyriacus (677) und der Ordination des Jacobus von Edessa, 
der nach Bar Hebr., Chron. eccl. 1, 289 von dem Patriarchen Athanasius II. 
von Antiochien (684—87) geweiht worden ist Dann könnte in der An- 
gabe des Dionysius (B. 0. 1, 425/6 sub XXIII) nicht das Todesjahr Moawiyas I. 
(680) als Inthronisationsjahr des Jacob, sondern das des Moawiyas II. 

Texte u. Untersuchungen IX, l. 6 



Digitized by 



Google 



82 §30. Resultat d. Untersach. üb. d. dogm. Stelig. d. Verf. d. Edess. Chron. 

Stellung dieser Kirche wird dann besonders klar, wenn wir er- 
wägen, dass Chosrau, als er im Jahre 610 ganz Syrien seinem 
Scepter unterworfen hatte, ganz im Gegensatz zu der sonst bei 
den PerserkÖnigen beliebten Praxis und Politik, die Monophy- 
siten durch freundliches Entgegenkommen zu gewinnen suchte, 
um sich fortan unter ihrem Beistande im Besitze des eroberten 
Landes zu behaupten, dass er z. B. zu zweien Malen den Edesse- 
nem, welche den von ihm eingesetzten Nestorianer AtiiSma ab- 
gelehnt hatten , ), einen Monophysiten als Bischof bestellte (ebenso 
auch in anderen Städten Syriens), dass endlich sein Leibarzt, der 
Monophysit Gabriel, in dem engeren Persien ungestört gegen die 
Nestorianer schüren und wüten konnte 2 ). 



§30. 

Dass unser Verfasser bei seiner orthodox-nestorianisierenden 
Gesinnung ein gutes Recht hatte, die monophysitischen Bischöfe 
nicht mehr zu erwähnen, das ist schon an anderer Stelle klar- 
gelegt worden; hier übergeht er nun auch den Chalcedonianer 
Amazonius. Aus welchen Gründen? mit welchem Rechte? Es 
ist bekannt, dass gerade in dem Jahr (543), in welchem nach 
dem Tode des Addai Jacobus Baradaeus mit der Bischofswürde 
bekleidet wurde, der Schlag des Kaisers Justinian gegen die 
drei grossen Antiochener fiel, und dass zehn Jahre später das 
fünfte ökumenische Konzil in Konstantinopel, in Wahrheit be- 
ende 683 oder Anfang 684) gemeint sein; allein die Regierung dieses 
Chalifen ist zu kurz und bat sich nicht über das Weichbild Ton Damascus 
erstreckt und ist auch in den Regentenlisten aus Syrien nioht anerkannt 
worden. Die Zeitangaben lauten dann: Severus (578-610), Johannes; 
Jesaias (- 635), Simeon (635— 657), Cyriacus (658— 684), Jacobus von Edessa 
(erster Episkopat 684—88), Habib (688— er. Anfang 708), Jacob von Edessa 
(zweiter Episkopat 708, vier Monate lang f 5. Juni); — vgl Bar Hebr., 
Chron. eccl. I, 293, 295 (Nota 3), Elias bar Shinaya bei Wright, Syr. Lit. 
1. 1. 839 Nota 25. 

1) Bar Hebr M Chron. eccl. I, 263 ff. 

2) Bar Hebr., Chron. eccl. III, pg. 10&— 113. Vgl. auch Nöldeke, Auf- 
sätze zur Persischen Gesch. pg. 125. — Ein kurzer, aber bedeutungsloser 
Rückschlag gegen den Monophysitismus erfolgte, als Heraclius nach der 
Wiedereroberung Syriens nach Edessa kam, vgl. Bar Hebr., Chron. eccl. I, 
269ff ; Michael Chron. 226 ult ff. 



Digitized by 



Google 



§30. Resultat d. Untersuch, üb. d. dogm. Stellg. d. Verf. d. Edess. Chron. 83 

trachtet, nur deswegen berufen wurde, das kaiserliche Edikt nun- 
mehr auch kirchlich durch ihr höchstes Institut sanktionieren 
zu lassen. Der Bischof Ämazonius ist Teilnehmer an diesem 
Konzil gewesen, hat das Edikt des Kaisers unterschrieben und 
damit die Verdammung der drei Kapitel gutgeheissen. Berück- 
sichtigen wir, was wir bereits oben über die Stellung unseres 
Chronisten zu diesen Männern gesagt haben, so wird es klar, 
dass er auch nach dieser Seite hin mit Addai abbrechen konnte. 
Der Verfasser steht also offenbar auf demselben Boden mit 
Ephraim von Antiochien und Petrus von Jerusalem, die anfangs 
die Unterschrift des Ediktes verweigert haben, und den Nord- 
afrikanern und Italienern: Liberatus, Facundus und Fulgentius 
Ferrandus, die bei aller Sympathie für das Chalcedonense gegen 
die Neuerung der justinianischen Orthodoxie energischen, wenn 
auch dem gewaltigen Herrscher gegenüber für die Dauer erfolglosen 
Widerstand geleistet haben. Wenn bei der monophysitenfreund- 
lichen Gesinnung des Kaisers Justinian das Edikt vom Jahre 543 
ein Schlag gegen die Antiochener zu Gunsten der Monophysiten 
gewesen ist, so kann nach den Resultaten, die wir bis jetzt er- 
langt haben, kein Zweifel weiter darüber bestehen, dass der 
Chronist bei Abfassung seines Werkes lediglich vom Gegensatze 
gegen den Monophysitismus beherrscht worden ist. Vom Stand- 
punkte seines orthodoxen, doch nestorianisierenden Glaubens aus 
versteht sich das von selbst; aber auch aus Gründen eben dieses 
Antagonismus hat er den Justinian trotz des Verdammungsurteils, 
welches er gegen seine Geistesverwandten geschleudert hatte, 
lobend erwähnen können. 



Digitized by 



Google 



Übersetzung der Edessenischen Chronik 



Erzählungen der Begebenheiten im Ahriss. 

I (VIII). Im Monat Tisri Vräi des Jahres 513 *), unter der 
Regierung des Kaisers Severus und des Königs Abgar bar Ma'nu 2 ), 
strömte die Wasserquelle 3 ), die in dem grossen Palast des Königs 

1) == November 201. 

2) Abgar hiess mit seinem vollen Namen: A. AÜ.ioq Isml/iios Miyas 
"AßyaQoq IX. [bar Ma'nu], regierte von 179—214 nnd in Gemeinschaft mit 
seinem Sohn Severus Abgar X. bar Abgar bis 216. In diesem Jahre wurde 
Osroöne eine römische Provinz. Unter Abgars IX. Regierung wurde das 
Christentum in Edessa eingeführt (er. 202/3), vgl. von Gutschmid: Die 
Könige von Osroe'ne. Memoires de l'Academie imperiale des Sciences de 
St. P<§tersbourg, VII« Sene, Tome XXXV, No. 1. 

3) Die Stadt Edessa liegt in einem von NW. nach SO. streichenden 
Bergeinschnitt, der sich gegen Südosten erweitert, in einem Gelände, 
welches nach Westen hin ansteigt: sodass der nordwestliche Stadtteil 
die übrige Stadt um 100—200 Fuss überragt Im Südwesten trägt der 
(östliche) Vorsprung des Gebirges von Edessa, des heutigen Nimrüd Dägh, 
die Burg, auf der der Winterpalast des Königs Abgar IX. lag, und 
zu der man auf der hohen Strasse, der sogenannten Beth Sahrayö, aus 
der Senke zwischen dem Burgberg und der nordwestlichen Stadt gelangte. 
Diese Senke, die ebenfalls WNW. zu OSO. verläuft, durchströmte der 
Daizan, ein Bergbach; desgleichen entspringen ihr südlich von dem Daizan 
zwei Quellen, die heute wenigstens erst zwei kleine Teiche bilden, dann ihr 
Wasser in kleinen, heute c Ain al Khalil und 'Ain Zilka genannten Bächen 
gen OSO. senden, sich aber bald in der Ebene verlieren. Zwischen diesen 
beiden Quellen (resp. Teichen, dessen nördlicher heute Birket Ibrahim 
heisst) lag der grosse Palast Abgars des Grossen, der nach seiner Wieder- 
herstellung als Sommeraufenthalt des Abgar bar Manu diente. An der 



Digitized by 



Google 



Edeasenische Chronik. No. I. £5 

Abgar des Grossen ') entspringt, immer starker hervor, stieg in 
herkömmlicher Weise, ward voll und lief nach allen Seiten hin 
über, sodass die königlichen Hallen, Säulengange (otoal) und 
Gebäude voll Wasser zu stehen anfingen. Als unser Herr, König 
Abgar, [dies] sah, zog er hinauf auf die [vor Überschwemmungen] 
sichere Ortüchkeit des Berges oberhalb seines Palastes, wo die 
königlichen Werkleute wohnten. Während nun die Sachverstän- 
digen prüften, wie sie das viele Wasser, das immer noch stieg, 
beseitigten, da wälzte sich infolge eines plötzlich eingetretenen 
starken und heftigen Regens in der Nacht der Daizanfluss 2 ) 



Nordseite (jedenfalls seit 313) lag die Kirche des heiligen Apostels 
Mar 4 Thomas ; vgl. Karsten Niebuhr, Reisebeschreibung nach Arabien 1778 
Tom. II, 406 f. Hoffmanns Karte beiWright: Josua Stylites, 1882. Sachau, 
Reise in Syrien und Mesopotamien, 1883, pg. 195 ff. Ders., Edessenische 
Inschriften Z.D.M.G. 1882 (XXXVI), pg. 142 ff.; 158. — Nach Hoffmanns 
Angabe in der verbesserten Karte von Karsten Niebuhr hat der Palast des 
Abgar nördlich des Birket Ibrahim gelegen, wo heute freilich die grösste 
Quelle (vgl. Sachau, R. in Syr. u. M., pg. 197, Skizze) liegt; allein Procopius 
de aedific. II, 7 weist mit seiner Angabe darauf hin , dass die Kirche am 
Avxl(poQoq gelegen war; vgl. ferner Sachaus Skizze mit Bar Hebr. (Chron. 
eccl. 1, pg. 220) Angaben und Sachaus Angabe, Edess. Inschr. in Z. D.M.G. 
1882 (XXXVI) pg. 158. 

1) Mit Abgar dem Grossen ist wahrscheinlich Abgar V. Ukkamä bar 
Manu (4 v. Chr. bis 7 n. Chr.) gemeint; vgl. v. Gutschmid, Die Kön. v. 
Osr., pg. 24. 

2) Vgl. Procop. de aedif. H,7: xtjv "Eöeooav Ttoxafibq nagagget xo 
$tvpa ßgaxvg, Sxigxbg (= Daizan = der Springende) ovofxa, 0$ 6rj ix 
Xaglwv noXXmv gwdycjv xb gei&gov htl xtjv nokiv (pigexai ftiorjv. iv&£v6e 
xe it-itbv iniiiQOO&sv Yexai, ineiöav avxdgxrj nagixypcu T V noXei xr\v XQ^ ar 
x<5v xs elaoöcjv avxov xal ixßoXwv 61' Sxexaywytag xaxa xb xelxog nenoifj' 
fihtov xoig ndkai dv&gionotg. ovxog rcoxe 6 noxa/ibg, o/xßgwv ol imyevo- 
fiivwv noXXwv, vnsgnstpvxwg xe vxpov aveix* xal wg xaxaXvowv xr\v noXiv 

inyei (sc. Justinian) nogeiav ydg bxigav ngb xov negißoXov xw 

noxafjtw veoxfiovv foxvoe, xoiäöt avxbv negieX&wv xix^V- ™ (*& & 6e£ik 
xov itoxccfiov vnxid xe xal x&<*fjiaXd ngoxegov tjv, xä 6h 6tj iv dgiaxsgä 
ogog dnoxopov, ovx imxwgovv avxtp imxXiveiv nov r\ ixxgineo&ai xfjq 
£w£i9i0(*4vT]g böov, dXX' inl xrjy noXiv avxrjv 6tog&ov(ievov dvdyxy xy 
ndoy. ov yag r\v xi avxbv inl &£<a %vfAno6t%o%>, r\vlxa dv xijq noXewq 
ev9v (pigoixo. xovxo ovv xb ogog dnoxefjKov o).ov xoTXa fthv xov noxapov 
xd iv dgioxsgä xal yXatpvgwxega xrjq avxov nogetag xaxeoxevaoxo , iv 
öt&ä 6h xolxov vnegfjteyi&Tj ix Xi&wv a/uagiatcuv ovvioztjoev, äoxe, el fihv 
xaxa xd etw&oxa b noxa^bg phgiog ipigrjxai, fjtrptoxe dnoaxegolxo xf\g 
iv&tvte io<peXslag q noXig, inu6dv 6h xvxv xtvl ig vipog dg&slg vnegßXv%oi, 



Digitized by 



Google 



gg Edessenisobe Chronik, No. I. 

samt fremden Wassermassen, sehr zur Unzeit '), einher, fand [aber] 
die Schleusen (xaxaQQaxxai) durch vorgeschobene grosse Eisen- 
platten mid befestigte eiserne Riegel (ftoxlol) verschlossen und 
schwoll, da das Wasser keinen Zutritt [in die Stadt] hatte, ausser- 
halb der Stadtmauern zu einem grossen See an, dessen Wasser 
zwischen den Mauerzinnen in die Stadt einzudringen begann. 

König Abgar sah von der Höhe des grossen sogenannten 
Perserturms beim Fackelschein das Wasser, und auf seinen Be- 
fehl wurden die Thore der acht Schleusen 2 ) der westlichen Stadt- 
mauer, von welcher her der Fluss fliesst, geöflhet; aber in dem- 
selben Augenblick durchbrachen schon die Fluten die westliche 
Stadtmauer, zerstörten den grossen und prachtigen Palast unseres 
Herrn Königs, rissen alles, was ihnen im Wege lag, weg, die 
schönen und herrlichen Bauten, alles, was dem Flusse im Süden 
und Norden nahe lag, und zerstörten auch das Heiligtum der 
christlichen Kirche. Hierdurch kamen mehr als 2000 Menschen 
um 3 ); viele aber von ihnen hatte das Wasser bei Nacht plötzlich 
im Schlaf überrascht, und sie ertranken. 



fjLtXQia {ilv xig avxov ixoorj inl xtjv nofav xaxa xa frvei&ioiifaa x&Qoirj, 
xov 6h $o&iov xo imyiyvoftevov ig xr t v ^ovoxiviavov inixixvfjaiv dvay- 
xaoxbv toi, ig xov ln7toöo6fjiov xa oma&ev ov fiaxgdv nov ovxog xk%vq 
xb dv&QomHq xal yvwfty hqo/xti&eZ naoa 6o£av vevixt]/uivov. dkXa xal 
tw noxafHp xijg nokewg ywoftivip ivxbg So&rjv xiva nooelag dvdyxrjv 
dnegyaoaptvog, vneo&tv xe olxoöofxlav kxaxioo)9i inixQepdoaq, wg ^17 
ixxQt7t€a9ai xf { g böov dvvaixo, xal xtjv /pc/av xy nokei iocioaxo xal Siovg 
avxqv xov iv&ivöe a7tr)XXa&v. 

1) Wörtlich „nicht an seinem Tage und in seinem Monat". Wie 
sich aus den weiteren überschwemmungaberichten (XL LII. XC vgl. CVI) 
ergiebt, traten diese gewöhnlich im Frühjahr (Ende März bis Mitte 
Mai) ein. 

2) Die Handschrift liest: die Thore und die Schleusen (|-^-d^oo &ü&). 
Will man das o behalten, so sind auf Grund der Darstellung des Prooop, 
y gl- P£- 85 Nota 2, die SejamS über dem \±H zu streichen und nur 
„das Thor und die Schleusen 41 zu lesen, da höchstens das taä? J^*Z 
„äteinthor" (vgl. Wright, Josua Styl., pg. 18 d. Obersetzg. Nota) in Frage 
kommen kann. Wir ziehen die Lesung f^uo? \±'j.£ vor. Vgl. auch Cureton, 
Anc. Syr. Docum., pg. *^ä 22 (83, 2. 3 d. Übers.) : „und sie führten ihn durch 
das westliche Bogenthor". 

3) Vgl. den Überschwemmungsbericht des Dionys. v. Tellmahrö, ed. 
Tullberg, I pg. 162/63, übersetzt bei v. Gutschmid, Kön. v. Osr. 



Digitized by 



Google 



Edesaeniiche Chronik. No. L 87 

Da nun die Stadt von Jammergeschrei voll war, und der 
König Abgar die eingetretene Vernichtung sah, befahl er, dass 
alle Handwerker der Stadt ihre Buden aus der Nähe des Flusses 
entfernen sollten, und Niemand mehr sich an dem .Flusse eine 
Bude baue; und auf den Rat der Ingenieure (Oeometer) und 
Sachverständigen wurden die Buden entsprechend der [natürlichen] 
Breite des Flussbettes, dessen frühere Masse man noch ver- 
grösserte (wörtlich: so wie die Br. d. Fl. war, und sie ver* 
grösserten), errichtet; denn obschon das Wasser reichlich und 
stark floss, war die Breite des Bettes, welches das Wasser von 
25 Bachläufen von allen Seiten her in sich aufnahm, nur klein. 

König Abgar befahl [ferner], dass alle, die in den Hallen 
(oxoai) längs des Flusses ihr Handwerk trieben, vom Tisrl federn 
(Oktober) bis zum Nisän (April) nicht in ihren Buden über- 
nachten, sondern dass fünf von den Polizeisoldaten, welche die 
Stadt zu bewachen hatten, während der ganzen Winterszeit auf 
der Mauer, [gerade] über der Stelle, wo das Wasser in die Stadt 
hineinfliesst, übernachten sollten, und wenn sie [es] bei Nacht 
bemerkt und das Geräusch der sich sammelnden fremden Wasser- 
massen, die in die Stadt zu fliessen anfiengen, vernommen hätten 
! ) und wenn [überhaupt] irgendwer das Geräusch ge- 
hört, aber unterlassen hätte herauszukommen [mit dem Rufe]: 
„das Wasser [kommt]", den würde die Strafe treffen für die 
Vernachlässigung, dass er des Königs Befehl gering geachtet 
hätte. Und dieser Befehl sollte von dieser Zeit an dauernde 
Gültigkeit haben. 

Unserem Herrn aber, König Abgar, wurde auf seinen Be- 
fehl ein Gebäude als königliche Winterwohnung auf BethTabärä 2 ) 
aufgeführt. Dort wohnte er die ganze Winterszeit, und im 
Sommer zog er in den neuen Palast, der ihm über der Quelle 
gebaut war. Auch seine Grossen errichteten sich Wohnhäuser 
in der Nähe [wörtlich Nachbarschaft], wo der König wohnte, an 
der hohen Strasse, die beth Sa^räy^ 3 ) heisst. 

1) Hier ist wohl eine Lücke im Text. 

2) JjäZ A-ä Beth Tabarä*(?), ein freier Platz auf der Burg, vgl. 
Doctrina Addai ed. Philipps pg. %** (17 d. Übers.) „der Platz, Beth Ta- 
barä mit Namen, der weite Raum des Hauses (vor dem Hause) des Avida 
bar Abd-nahad. 

3) Vgl. Josua Styl. ed. Wrigbt, 18 d. Cbers., Note *♦. 



Digitized by 



Google 



S8 Edessenische Chronik. No.No. II- III. 

Damit der frühere Wohlstand der Stadt wiederhergestellt 
würde, wurden auf König Abgars Befehl die schuldigen Steuern 
sowohl den Bürgern der Stadt, als auch den Insassen der Dörfer 
und Gehöfte erlassen, und die [Leistung der] Steuer unterblieb 
fünf Jahre, bis dass sich die Stadt wieder bevölkert hatte und 
mit Gebäuden geschmückt war. 

Mar-jabh bar Semes *) aber und Käyömä, bar Megertat (?), 
Stadtschreiber von Orhäi, haben diese Begebenheit aufgezeichnet 
auf Befehl des Königs Abgar. Bardin und Bölida <2 ), die Vor 
steher des Archivs (clqxbIov) von Orhäi, haben [das Schriftstück] 
in Empfang genommen und im Archiv niedergelegt als Coni- 
missare (sarrirG) der Stadt. 

II (I) 3 ). Im Jahre 180 begannen die Könige von Orhäi zu 
regieren. , 

= 133 2 v. Chr. G. Der erste Fürst in Edessa arabischer 
Herkunft war Arjau (? Arju a-»i Orröe?) 132—127. Vgl. Phillips 
Doctr. Add. pg. 47 d. Übers. Dionysius von Tellmabrfc (ed. Tullberg 
I, pg. 65, 17) setzt den Beginn der Herrschaft dieser Fürsten fttnf 
Jahre später an und nennt als ersten derselben Orhai bar IJewja 
— Orhai Sohn der Schlange — ein Eponym, vgl. hierzu Alfr. von 
Gutschmid, die Könige von Osroene in den „Memoires de l'Aca- 
demie imperiale des Sciences de St. P&ersbourg, VU e Serie, 
Tome XXXV No. 1. 

III (II). Im Jahre 266 erlangte Kaiser Augustus die 
Herrschaft. 

= 44/3 v. Chr. Geb. Mit Zugrundelegung der Jahrdifferenz 
von 312/1 Jahren, um es auf unsere Zeitrechnung zu bringen, 

1) Mar-jabh bar §eme§ ist wohl die in der Doctr. Addai als Gesandter 
des Königs Abgar (vgl. pg. 1/2 u. 39 d. Übers.) genannte hoch angesehene 
Persönlichkeit, die bei der Christianisierung Edessas wie der ebenfalls in 
der Doctr. Add. u. bei Philippus, „Buch der Gesetze der Lander 14 (Cureton 
Spicileg.) genannte Same§g(e)ram eine hervorragende Rolle gespielt 
haben wird. 

2) So zu lesen statt des handschriftlichen Bölid. Der Name Bölida c 
kommt sonst noch vor und so andere mit dem Gottesnamen Böl und 
einem Perfect 

3) Die eingeklammerten Zahlen geben die alte Zählung bei Assemanni 
Bibl. Orient, an. 



Digitized by 



Google 



Edeseeiiische Chronik. No.No. IV— VI. 89 

ergiebt sich hier freilich das Jahr 46 v. Chr. Geb. Es ist aber 
mit der Zahl 309 zu rechnen, vgl No. IV. 

IV (III). Im Jahre 309 wurde Unser Herr geboren. 

Die Geburt Jesu wird von den Syrern allgemein in das 
Jahr 309 aer. Gr. = 3/2 v. Chr. Geb. gelegt, vgL Acta Bar§amyae 
bei Cureton, Anc. Syr. Docum. pg. 72 der Übers., Scholia in Lib. 
ChaUph. bei Land Anecd. I, pg. 167, Dionys. von Tellmabre I, 
73, 4 u. a. St Da nun ebenfalls nach ihrer Ansicht die Geburt 
Jesu in das Jahr 44/3 des Kaisers Augustus fallt (vgl. Chron. de 
Michel le Grand, ed. V. Langlois, Venise p. 87; Bar Hebr., Chr. 
eccL I, pg. 29/30; Dion. v. Telhn. vgl. Assem. B. 0. I zur Stelle), 
so ergiebt sich das Jahr 266 Gr. für den Regierungsanfang des 
Kaisers Augustus. 

V (IV). Im Jahre 400 erbaute sich König Abgar sein 
Mausoleum. 

= 88/9 Chr. Der Erbauer ist Abgar VI. (71—91). Nach 
Dionys. v. Tellm. Abgar V1L, vgl. dazu Alfr. v. Gutsch., Kön. v. 
Osr., gp. 25. 

VI (V). Im Jahre 449 schied Marcion aus der katholischen 
Kirche aus. 

= 137/8 Chr. .Vgl. Lib. Chaliph. Land Anecd. I, 18, 8. „Im 
Jahre 448 (136/7) wurden die Häretiker Marcion und Montanus 
in Phrygien bekannt. So auch Joh. Malalas 279, 21 der ed. Bonn. 
Dagegen setzen um diese Zeit Hieronymus (ed. Schöne II, 169i) und 
das Chronic. Paschale mit mehr Recht das Auftreten des Syrers 
Cerdo, des Lehrers des Marcion. — Marcioniten finden sich noch 
zu Rabbulas Zeit in Edessa, vgl. die Lobrede auf Rabbulas 
(Overb., Opera sei. pg. 193 Z. 17 ff.): „Auch mit vielen Worten 
könnte ich nicht zeigen, wie gross sein Eifer wider die An- 
hänger Marcions gewesen ist! Dieses faulende Krebsgeschwür 
der Irrlehre der Marcioniten heilte er mit der Sorgfalt jenes 
grossen, in allem ausgezeichneten Arztes (Christi), unter dem 
Beistande seines Gottes, voller Langmut gegen sie; denn Gott 
sandte zu ihnen Furcht vor dem heiligen Rabbulas, und sie 
nahmen gläubig die Wahrheit an, indem sie ihren Irrtum ab- 
leugneten." Vgl. auch Johann, v. Ephes. Lib. Narrationum Actor. 
Beat. Homin. Orientalium: Leben des Simon von Beth-Ar§äm, 
Land 11, pg. 77 oben. 



Digitized by 



Google 



90 Edessenische Chronik. No.No. VII— VIII. 

VII. Kaiser Lucius (Lucius Caesar) aber unterjochte in 
Gemeinschaft mit seinem Bruder die Parther den Römern im 
fünften Jahre seiner Regierung. 

= Da die Regierung des Marc Aurel mit dem 7, März 161 
beginnt (Clinton, fasti Rom.) und sein Schwiegersohn, Lucius 
Verus, noch vor dem 25. Juli desselben Jahres Mitregent wird, 
so zählt das fünfte Jahr des Lucius effektiv gerechnet also vom 
Frühling 165 an, und entspricht dem Seleucidenjahr 475/6, nach 
der einfachen Kaiserberechnung des Eusebius dagegen vom 
Jahre 166 (= 476/7) an. Hieronymus, dessen Wortlaut sich fast 
mit dem unserer Chronik deckt: „Lucius Caesar de Parthis cum 
fratre triumphavit", giebt auch als Zeitpunkt das fünfte Jahr 
des Lucius an; Eusebius (Arm.) dagegen und Dion. v. Tellm. pg. 157, 
10: „in ihrem (Lucius und Aurelius) sechsten Jahre bekämpfte 
und unterjochte Lucius die Parther." Vgl. Gutschmid 1. L pg. 29. 

Die Umstellung der No. VII und VIII (VI), welche Assemani 
nach historischen Gesichtspunkten vornahm, ist an und ftlr sich 
gerechtfertigt. Doch weist das „aber" unserer No. VII vermut- 
lich auf die Zugehörigkeit zu No. VI und stammt deswegen wohl 
aus derselben Quelle. 

VIII (VI). Am 11. Tanimüz des Jahres 465 wurde Barde- 
sanes geboren. 

= 11. Juli 154; so auch Bar Hebraeus (Chr. eccl. I, pg. 47), 
der berichtet: „Bardesanes lebte 68 Jahre und starb im Jahre 
533", vgl. Clinton, fasti Rom. I, 143. Hinsichtlich der Meinung 
Lamy8 und Abbeloos* (Bar Hebr., Chr. eccL I, pg. 47 Nota), die mit 
Hahn nach dem Zeugnis des Elias von Nisibis die Geburt des 
Bardesanes auf den 11. Juli 445 Gr. (134 Chr.) ansetzen, vgL 
Alfr. v. Gutschmid, Rhein. Museum, N. F. XIX u. d. Kön. v. Ost.: 
„Die Zurückversetzung in eine frühere Zeit findet ihre Erklärung 
in der Verwechslung zwischen den früheren und späteren Anto- 
ninen", vgl. Möller, Kirchengesch. I, 157. — Land I, 18, 9 setzt 
sein Auftreten in das Jahr 479, auch das Fibrist en-Nedin 
(Flügel, Mani pg. 85) lässt ihn 30 Jahre nach Marcion wirken. 
— Die Bardesanitische Gnosis bestand zu Rabbulas' Zeiten noch 
in Edessa, vgL die Lobrede auf R. pg. 192 . . . In Edessa blühte 
besonders die schlechte Lehre des Bardesanes, bis dass sie von 
ihm (Rabbulas) überwunden und besiegt wurde. Denn ehedem 



Digitized by 



Google 



Edeteenische Chrojik. No.No. IX— X. gl 

hatte dieser verfluchte Bardesanes durch seine List and durch 
die Süssigkeit seiner Gesänge alle Grossen der Stadt an sich 
gezogen, dass er sich durch sie wie durch starke Mauern (wörtl.: 

statt starker M.) schütze Statt also des furchtbaren 

Schalles der Posaunen Josuas und seines Heeres, die die Mauern 
von Jericho anbliesen, dass sie einstürzten, und statt dass er die 
Menschen vernichtete und ihren Besitz dem Herrn weihte (wörtl.: 
bannte), vermochte es dieser berühmte Feldherr Jesu Christi durch 
das besänftigende und friedfertige Wort in der Kraft Gottes, ihr 
Versammlung8haus widerstandslos (ruhig) zu zerstören und ihren 
ganzen Schatz seiner Kirche zuzuführen, sodass« er auch ihre 
Steine zum Bau nehmen konnte. 

IX. Im Jahre 517 baute Abgar die Palatien in seiner Stadt. 
= 205 6. Trotzdem dass die Handschrift ]i£*£> = Paläste, 

so auch bei Assemani B. 0. 1, 393, liest, wird mit und seit Asse- 
mani an die Vollendung des Palastes auf Beth Tabärä gedacht, 
vgl. Alfred von Gutschmid, die Könige von Osroene. Auch 
Ed. Sachaus (Z. D. M. G. 1882 pg. 157) Übersetzung: „Abgar 
baute eine Citadelle in seiner Stadt (Festung)" löst die Schwierig- 
keit nicht, vergrössert sie vielmehr. Derselben widersprechen 
m. E. schon die Angaben in No. I von dem Vorhandensein des 
Perserturms und der königlichen Magazine auf dem Burgberg, 
dann auch die Thatsache, dass eine Burg för die Städte in jener 
Zeit Voraussetzung und Bedingung ist. Offenbar ist die Vollen- 
dung des Winter- und des Sommerpalastes gemeint , von denen 
in No. I die Rede ist. Das erzählende Tempus in der Stelle des 
Überschwemmungsberichtes: „dort wohnte er die ganze Winters- 
zeit, und im Sommer zog er in den neuen Palast u. s. w." zeigt, 
dass bereits ein beträchtlicher Zeitraum verflossen ist seit jener 
entsetzlichen Katastrophe; denn unmöglich konnte dem Abgar 
in der kurzen Winterszeit — und die Winter sind in Syrien be- 
kanntlich sehr streng — eine königliche Winterwohnung, die er 
dann in dieser Zeit selbst noch bezogen hätte, und ein Sommer- 
palast gebaut werden. 

X. Im Jahre 551* wurde Mani geboren. 

= 239/40. Gerade so berichtet Elias von Nisibis (vgl. Bar 
Hebr., Chron. eccl. I, pg. 59 Nota 1): er sei 551 geboren und habe 
579 Gr. (267/8 Chr.) seine Irrlehre zu verbreiten begonnen. Die 



/Google 



92 Edessenische Chronik. No. X. 

Angaben sowohl der Edessenischen Chronik als auch des Elias 
von Nisibis sind hinfallig. Mani ist nach einer alten mani- 
chäischen Quelle 215/6 n. Chr. geboren (Al-Biruni 1 18, 15; Nöldeke, 
Tabari-Übersetzg. 47 Note 5). Nun setzt eine andere alte mani- 
chäische und durchaus glaubwürdige Angabe den Beginn seines 
öffentlichen Auftretens auf den Krönungstag des Sapur I. von 
Persien, auf den Sonntag den 1. Nisan = 20. März 242 u. Z. 
(vgl. Fibrist 328 und Köldeke, Tab.-Üb. 412 3. 413 Note 3). Hierzu 
könnte die Notiz unserer Chronik stimmen, wenn nur die eine 
ebenso einfache wie wohl zu rechtfertigende Correctur des J±+z) 
„wurde geboren" in %^z\ „wurde bekannt, trat auf* vorgenommen 
werden dürfte. Trotzdem scheint uns diese Correctur hier ge- 
wagt. Die meisten Quellen setzen das Auftreten des Mani in 
den Beginn des letzten Viertels des 3. Jahrhunderts, so Elias 
von Nisibis in das Jahr 579, Eusebius, Chron. (Schöne, II, 
pg. 184) in das 4. Regierungsjahr des Probus (279), Hieronymus 
in das 2. des Probus (277), der Lib. Chaliph. (Land Anecd. 1, 18, 15) 
in das Jahr 573 Gr. (261/2). In diese Zeit fällt der Tod des 
Mani nach Ja'qübl, Hamza, Tabari, Masudl, vgl. Nöldeke, Tab.- 
Üb. pg. 47 Note 5. Da nun Mani bald nach seinem ersten Auf- 
treten vor Sapur fliehen musste und sich auf Reisen begab, die 
nach dem Fibrist 40 Jahre gewährt haben, — 40 Jahre be- 
zeichnen im Orient eine runde Zahl — so beziehen sich offenbar 
die Angaben des Elias u. s. w. auf das zweite Auftreten Manis 
nach seiner Rückkehr unter der Regierung des schwachen Fürsten 
Bahräm I. (c. 274 — 277), wo er es wagen durfte, sein Haupt 
wieder zu erheben. So lüftet sich meines Erachtens auch der 
Schleier. Während im übrigen das Gedächtnis seines ersten Auf- 
tretens und seiner lang andauernden Reisen schwand, erhielt sich 
die Angabe, dass er als junger Mann (von 26 — 28 Jahren) auf- 
getreten sei; diese wurde dann mit dem zweiten Auftreten des 
Gnostikers verknüpft; denn die Differenz von 551 — 579 ergiebt 
die Zahl 28. — Zu Rabbulas' Zeiten finden sich noch Manichäer 
in Edessa, vgl. Overbeck, pg. 193, 25: „So geschah es durch seine 
göttliche Weisheit, dass er auch die walyisinnigen Manichäer zu 
ruhiger, verständiger Einsicht und Überlegung brachte, so dass 
sie bekannten, wie er wollte, und an die Wahrheit glaubten, auf 
Christum getauft und zu seinem Volke hinzugefügt wurden." 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chroxtfk. No.No. XI- XIL 93 

XI. Im Jahre 614, in den Tagen des Kaisers Diocletian, 
stürzten die Mauern von Orhäi zum zweiten Male ein. 

Diese Überschwemmung fand nach der genaueren Angabe des 
Schlussberichtes unserer Chronik (CVI) im Mai 303 statt. So 
auch Dionys. von Tellmabre (siehe Ass. B. 0. 1, 393 Nota 3). 

XII. Im Jahre 624 legte der Bischof Kün6 (Kolvog) den 
Grund zur Kirche von Orhäi. Sein Nachfolger Sa'ad baute und 
vollendete sie. 

Assemani sieht in dem Jjq-o, das bei Bar Hebr., Chron. eccl. 

I, 63 zu Jjoj „Nonnus" verstümmelt ist, den griechischen Namen 
Kovcov; mit Unrecht Gr. Kovcov entspricht syr. .01,0 cf. Joh. 
v. Ephesus Comment. de beat. Orient, Land Anecd. H, 253, 17; 
255, 24; 370, 16. Histor. eccl. Lib. V cp. 1. 2. 3. Pseudo- Johann, 
bei Land Anecd. II, 293, 10. Bar Hebr., Chron. eccl. I, 225. 227 

II. a. St. Also nur Kovog oder Kovvoq, wie Wright, Chron. of 
Josua Stylite pg. 33 Nota \ vorschlägt, oder besser noch Kolvog. 
In den älteren griechischen Acten heisst er Kowaq. Meta- 
phrastes nennt ihn in der Vita SS. Guriae, Samonae et Abibi 
„Cognatus". Für Sa'ad liest Bar Hebr., 1. 1. z*±a, Sa'üth. 

Die Kirche, deren Grundlegung und Ausbau hier mitgeteilt 
wird, ist die einzige Kirche der Stadt Edessa gewesen, jedenfalls 
bis zu den Zeiten der arabischen Herrchaft, „die grosse Kirche 
des Apostels Mar 1 Thomas", „die grosse Kirche", „die Kirche von 
Orhäi", auch schlechthin „die Kirche" genannt (so bei Josua 
Stylites), in welcher der Sarkophag des St. Thomas beigesetzt 
wurde (vgl No. XXXVIII). Da Josua Stylites von dieser „Kirche" 
]z t ± die übrigen kirchlichen Bauten, die er mit ]yauo b+s> 
„Märtyrerhaus, Märtyrerkapelle" oder nur mit '2^ „Haus" be- 
zeichnet, trennt, so ist unter dem bei Josua Stylites (ed. Wright, 
pg. 39, 8) genannten Jjoä ^§ie L±s, „Haus des Mar 1 Koinos" ent- 
weder eine Kapelle oder besser wohl ein Teil der Kirche, der 
den Namen „St. Koinos-Bau" führt, zu verstehen, sodass von 
diesem Bischof dann doch etwas mehr als nur das Fundament 
der Kirche herstammen dürfte. Über die Lage der Kirche vgl # 
pg. 84 Nota 3. In der sogenannten vierten Überschwemmung 
(525) zerstört, wurde sie auf Kosten Justinians wiederhergestellt, 
vgL Procop. de aedif. II, 7. Später wurde sie eine Moschee 
(Khalli Errahmän). 



Digitized by 



Google 



94 Edetsenkcbe Chronik. No.No. XIII— XIV. 

XIII. Im Jahre 635 (324) wurde der Kirchhof (xoifdrfrifeiov) 
von Orhäi gebaut, in den Tagen des Bischofs Aitallaha, ein Jahr 
yor der grossen Synode in Nicaea. 

Dieses Coemeterium ist gewiss dasselbe, von dem Josua 
Styl, spricht § XLI1I (pg. 39, 7): „und als die Graber des Fremden- 
kirchhofs (gevodoyelov) und der Kirche voll waren, schritt der 
Statthalter zur Öffnung der alten Gräber an der Seite des 
St. Koinosbaues, die von den Vorfahren mit viel Mühe errichtet 
waren, und sie füllten sie an." Vor dieser Zeit begrub man die 
Leichen der verstorbenen Christen in den Felshöhlen des Nimrud 
Dagh, „des Gebirges von Edessa", im Westen der Stadt, vgl. 
Cureton, Anc Syr. Docum. pg. 61 u. 83 d. Übersetzg., vgl. Ed. 
Sachau, Edess. Inschriften, Z. D.M. G. 36 (1882) pg. 142 ff. 162 f. 

XIV. Im Jahre 636 (325) wurde Aitallaha Bischof in Orh&i; 
er baute den Kirchhof (xoifHjnjQiov) und die Ostseite der Kirche. 

Der Schwierigkeit, welche die Entfernung der Widersprüche 
in den Zeitangaben der No. XIII und XIV bietet, ist Assemani 
dadurch aus dem Wege gegangen, dass er unter Berücksich- 
tigung von No. XV die Jahreszahl 636 in 635 verändert und sie 
der Zahlangabe in No. XIII angepasst hat. Allein die Korrektur 
Assemanis ist ganz willkürlich. Wäre die Zahl „6" nur ein 
Abschreiberversehen statt „5", so begreift man kaum, wozu der 
Verfasser No. XIII anführt, da dieselbe Angabe in No. XIV ent- 
halten ist Zudem wird das Jahr 636 durch die Angabe des 
Dionys. von Tellmatre (B.O. I, 394 Nota 2): „Im Jahre 646 wurde 
Aitallaha Bischof in Orhäi" gehalten. Nur das wird fraglich 
sein können, ob im Jahre 635 (324) das Bistum Edessa eine 
Sedisvakanz aufgewiesen hat, oder ob Sa'ad erst im Jahre 636 
verstorben ist. Für letzteres spricht, dass der Chronist ebenso* 
wenig den Tod des Koinos und des Aitallaha mitteilt Es ist 
klar, dass beide aus verschiedenen Quellen hergenommen sind, 
zumal die in beiden vorliegende ungleichartige Form der Bericht- 
erstattung noch an anderen Stellen angetroffen wird (vgl darüber 
in der Quellenuntersuchung § 21). 

Aitallaha hat als Bischof an der Synode zu Nicaea teil- 
genommen, vgL Liber Chaliph. foL 53 v. 10. Land I, 20, 13. — 
Sein Name steht mit unter den Subskriptoren des Konzils in der 
lateinischen Ausgabe der Canones (ex interpretatione Isidori Meiv 



Digitized by 



Google 



Edessesiflche Chronik. No.No. XV— XVIL 95 

catoris, vgL Mansi Coli. Conc. II, 692 ff. unter Proyinciae Meso- 
potamiae episc). Ob der bei Bar Hebr., Chron. eccL I, 65 ge- 
nannte „Kirchhof der Fremden" die „Gräber des gevodoxslotf' 
(Josua Styl. 39, 6 § XLIII) sind (für diese Zeit sehr fraglich?) 
nnd somit die Angabe in No. XIV auf den Bau eines zweiten 
Kirchhofs ( T - A Äo r niaj »^ -<**« „Kirchhof des gsvodoxeloif') 
zu beziehen ist, ist bei der Flüchtigkeit, mit der Bar Hebr. ge- 
arbeitet hat, schwer nachweisbar. Dies ist auch wenig glaub- 
würdig; denn offenbar ist der Bau des Kirchhofs, auf den nach 
Jos. Styl. Angabe viel Sorgfalt von den Altvorderen verwandt 
ist, nicht schon im Jahre 635, sondern erst unter Aitallahas 
Episkopat vollendet (vgl. auch die Quellenuntersuchg. § 21). 
Über den Namen „Aitallaha" giebt Land Anecd. I, pg. 176, 4 ff. 
eine falsche und eine ganz verkehrte Etymologie. Es kann nicht 
wohl etwas anderes sein als KHb« Wä „Gott hat gebracht* 1 , vgl. 
bWV» „Bei hat gebracht" Zeitschr. f. Assyr. V, 290. (Der Heraus- 
geber dieser nabataischen Inschrift, M. J. Lagrande, erklärt das 
Wort ebenfalls falsch = „Bei est avec moi".) 

XV. In dem nachfolgenden Jahre versammelte sich zu 
Nicaea die Synode von 318 Bischöfen. 

Das Datum knüpft offenbar an No. XIII an. 

Das Koncil zu Nicaea (genauer die Feststellung des nicae- 
nischen Glaubensbekenntnisses) fand am 19. IJazlr&n (Juni) 636 
Ind. XIII statt, vgl. Lib. Chaliph. f. 53 v. 2; Mansi VI col. 956. 

XVI. Im Jahre 639 wurde die Kirche von Orh&i durch 
einen Anbau vergrössert (wortL: fand ein Bau und Vergrösserung 
an d. K. v. 0. statt). 

= 326/8 Chr. Dieser Anbau ist die in No. XIV genannte 
Ostseite der edessenischen Kirche. 

XVIL Im Jahre 649 starb Mar 1 Jacob, Bischof von Nibbln. 

=» 338 Chr., so auch Dion. v. Tellm. (B. 0. 1, p. 17 Col. b 
unten), Lib. Chal. (fol. 38 r, 8 = Land Anecd. I, p. 4, 13), Elias 
von Nibbln (Bar Hebr., Chron. eccL III, 31/2) vgl. Bickell, S. 
Ephraemi Syri Carmina Nisibena, introductio p. 20; und die der 
zweiten Quelle des Abulfarag in seiner Hist. Dynast, p. 136 
(85 d. Übers.) angehängte Schlussnotiz über den Tod des Jacobus. 
Nach Philo8torg IH, 23 dagegen und Theodoret (Hist eccL H, 30. 



Digitized by 



Google 



96 Edessenische Chronik. No.No. XVIII— XIX. 

Histor. rel. cp. D, dem wieder Bar Hebr. in seinem Chron. syr. 
(p. 66 = 63 d. Übers.), wenn auch mit einigen wesentlichen Ab- 
weichungen folgt, machte Jacobus noch die dritte schwere Be- 
lagerung von Nisibis durch Sapur 350 mit. Allein Theodoret 
hat die einzelnen Belagerungen zusammengezogen und erwähnt 
daher den Jacobus noch bei der Belagerung, die, abgesehen von 
der Erscheinung auf der Mauer, dem Chronic. Paschale 536, 18 
bis 539, 3 (vgl die Schlussworte über den Brief des nisibenischen 
Bischofs Vologeses), und nach demselben Theophanes ad ann. 
5841 (ed. Bonn 58, 16 bis 60, 17) entspricht 

Die Gebeine des Jacobus sind bei der Übergabe von Nisibis 
an die Perser nach dem Frieden des Jovian von der auswandern- 
den Bevölkerung mitgenommen, vgl.Faustus Buzandatsi III cp. 10: 
„Jacobs Gebeine wurden der Stadt der Amidier (Amidener) ge- 
schenkt, als er mit anderen Midsbinern (Nisibenern) von Midsbin 
nach Amid in den Kriegen der Könige der Griechen mit dem 
Perserkönige übergeführt worden war" (Mechitaristenausgabe, 
Venedig 1832, pg. 26, 2—5). 

Nisibis ist unter Jacobus zum Metropolitansitz erhoben, vgl. 
Faustus von Byzanz 1. 1. (Mechit.-Ausg. pg. 25 ult.) : Er (Constan- 
tinus) stellte seinen Thron vor die Throne vieler von denen, die 
auf jener Synode [zu Nicaea] waren, vgl. damit die Auszüge aus 
der Chronographie des Elias von Soba (bei Bar Hebr., Chron. eccl. 
Tom. III 31/2), wo bei der Angabe seines Todes erst „der Metro- 
polit Jacob", sonst „der Bischof Jacob" steht. Vgl. Malal. 398, 11. 

XVIII. Im Jahre 657 wurde Abraham Bischof von Orhäi, 
welcher die Kapelle der Bekenner (beth maud e yan£) baute. 

= 345/6. Die Kapelle der Bekenner lag im Südwesten der 
Stadt, ausserhalb des \±1? \±iz, des Thores neben der Burg des 
Ab gar, auf dem Höhenzug der Burg gegenüber, vgl. die Karte 
Hoffmanns und Jos. Styl. § LX. Sie wurde im Jahre 503 von 
dem Perserkönig Kawadh durch Brandlegung zerstört, vgl. Jos. 
Styl. § LX1I. 

XIX. Im Jahre 660 baute Constantius, der Sohn des Con- 
stantinus, die Stadt Amid. 

= 348/9. Theophanes' Chronographie pg. 54, 11 ed. Bonn, 
legt die Befestigung von Amid und desgleichen von Telia in das 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. XX— XXI. 97 

vierte Jahr des Constantius = 340 (vom 22. Mai an). Aber auch 
Dionys. von Tellm., der an einer Stelle (nach Ass. B. 0. 1 395 
Nota 4) den Bau falschlich Constantinus dem Jüngeren (f 340) 
zuschreibt, berichtet nach B. 0. I 196 Col. b ganz wie unsere 
Chronik: „Im Jahre 660 wurden Amid und Telia gebaut, in den 
Tagen des Constantius, des Sohnes des Constantinus." Der 
Bau der beiden Städte fand offenbar gleichzeitig statt, vgl. auch 
Ammianus Marcellin. XVIII, 9, 1. 

Constantius gab Amid fortan den Namen Augusta (Con- 
stantina?), vgl Liber Chaliph. fol. 37r. 8; Bar Hebr., Chron. syr. 
pg. 67, 9. Doch ist dieser Name nicht durchgedrungen. Procop. 
nennt es stets Amida. 

XX. Im Jahre 661 baute Constantius auch die Stadt Tella t 
die ehedem Antipolis (?) hiess. 

= 349/50, vgL die No. XIX. Der Name Antipolis für Telia 
ist sonst unbelegbar. Als analoger Fehler (!!) könnte Theodo- 
polis bei Bar Hebr., Chron. syr. I, 80, 6, für Theodosiopolis = 
Erzerum seiner Quelle, Zacharias von Mitylene (Land Anecd. III t 
203, 14; 204, 21), gelten. Man lese mit Amm. Marc. XVIII, 9, 1 
und Lib. Chaliph. 1. 1. Antonin upolis. Telia, mit vollem Namen 
Telia d e Mauz e lath, wurde vom Kaiser fortan Constantia oder 
Constantina genannt; dieser Name fand Eingang bei den Griechen, 
vgl. Amm. Marc. XVIII. 7, 9; Procopius, de aedif. II, 5; de bell. 
Pers. II, 13; Theophanes 1. 1. Lib. Chal. loc. 1. 

XXI. Im Jahre 667 wurde Abraham Kidönäyä Klausner. 

= 355/6. Bar Hebr., Chron. eccl. 1, 85 liest Kindönäyä; allein 
auch Dionys. von Tellm. (B. 0. 1 396 Nota 1) nennt den Ort 
Kiduna in der Nähe Edessas, vgl auch Lamy, Ephraim Syri 
Hymni et Sermones III, pg. 749. 756. 765 u. a. St. — Als sein 
Todesjahr wird 678 Gr. (366/7) und zwar der 14. Dezember ange- 
geben, vgl Wright, Cat. of the Brit. Mus. II, 947 Col. b und die 
Prolegomena bei Lamy, Set. Ephr. Syri hymni et sermones 
Tom. Hl pg. XL ff. Sollte vielleicht das Todesjahr des Julianus 
Saba (vgL No. XXVHI) von Einfluss auf das des Abraham ge- 
wesen sein — oder umgekehrt? Beide werden fast immer zu- 
sammen genannt. Von Ephraim sind über Abr. Kid. 15 Hymnen 
erhalten, vgl Lamy, 1. L 1H, 749—835. 

Texte u. Untersuchungen IX, l. 7 



Digitized by 



Google 



98 Ede»enische Chronik. No.No. XXII— XXV. 

XXII (XXIII). Im Jahre 672 schied der Bischof von Orhai, 
Abraham, aus der Welt. 

= 360/1. 

XXIII (XXIV). In demselben Jahre schied Vologeses, 
Bischof von Ni§ibln, aus der Weli 

Das gleiche Todesjahr giebt Elias von Nisibis (Bar Hebr., 
Chron. eccl. III, 31/2 Nota CoL b), vgl. Dionys. von Tellmabrö 
(B. 0. I, 396, Nota 3). Das Anfangsjahr seines Episkopats 
ist nicht sicher. Da zur Zeit der zweiten Belagerung von 
Nisibis durch Sapur Babu Bischof und Metropolit gewesen ist 
(vgl. Bickell, Carmina Nisibena 13, 2. 17) und unter seinem Epi- 
skopat der Perserkrieg geführt ist (13,4 — 9.14—19), für das 
Jahr 350 aber der Episkopat des Vologeses belegt ist (Chron. 
Paschale 539, 2. 3), so muss er den Bischofsstuhl zwischen 346 
und 350 bestiegen haben. Dass Vologeses der zweite Nachfolger 
des Jacob von Nisibis ist, darüber vgl Bickell, Introd. ad 
St. Ephraemi Carm. Nisib. p. 20. 21). 

XXIV (XXV). In demselben Jahre kam der Bischof Barse 
auf Befehl des Kaisers von l^Iärän nach Orhäi. 

Vgl. Bar Hebr., Chron. eccl. I, 157. — Dagegen Sozomenos 
Histor. eccl. VI, 34: BctQOrjq re xal EvXoyioq, dl xal Imöxonco 
a/igxx) voxbqov iyeviofrTjv, ov JioXecoq rivoq, aXXa rifdrjg Ivexev 
dvrafiotßrjg, coöjcsq rcov avxolg jtejtoXizev/iivooVj x ei QOTOvri&ivTeg 
iv xolg löioiq (iovaOxtjQloig. — Theodoret IV, 16. — Die Ver- 
setzung des Barse muss im Frühling oder Sommer 361 erfolgt 
sein, als Constantius nach Ammian. Marc. XXI, 7, 7; 13, 1 bei 
Edessa stand. Vgl. auch Georg Hoffmann, Auszüge aus syrischen 
Akten persischer Märtyrer in den AbhandL f. d. Kunde des 
Morgen! VH (1880) No. 3, pg. 29 u. 30: Bars§, Bischof der Stadt 
Orhäi von B6th Nahrin (Mesopotamien). 

XXV (XXII). Im Jahre 670 wurde Nicomedia [durch ein 
Erdbeben] zerstört. 

= 358—9. So wenigstens auch das Chronicon Paschale 
(543, 5 ff.), allein nur scheinbar; denn die nachfolgende Angabe 
über die Geburt des Gratianus, des Sohnes des Valentinian am 
23. Mai (xqo i xalavödiv lovvlcov) während Nicomedien im 
Oktober (jirjvl votBQßeQBxaico) zerstört wurde, beweist, dass die 
Angabe des Chr. Pasch, noch in das Jahr 358 gehört. In diesem 



Digitized by 



Google 



Edessenieohe Chronik. No.No. XXVI— XXVII. 99 

Jahre hat das Erdbeben nach den übereinstimmenden Berichten 
des Amm. Marc. XVII, 7, 1 und der Fasten des Hydatius am 
24. August (IX. Kai. Sept.) unter dem Konsulate des Datianus 
und Cerealis (nach Socr. H. eccl. II 39 erst am 28. August) statt- 
gefunden. Man konnte nun annehmen, dass in dem Bericht der 
Edessen. Chronik (seiner Quelle) der Fall Nicomediens, da er nur 
kurze Zeit vor dem Beginn des neuen gemeinen syrischen Jahres 
am 1. Oktober resp. des auch in Antiochien zuweilen gebräuch- 
lichen am 1. September eintrat und die Kunde hiervon, um in 
den Orient zu kommen, doch auch einige Tage brauchte, bereits 
mit zum neuen Jahr gerechnet sei, oder besser noch, dass, da 
Ammian. Marc, von einer dem Erdbeben nachfolgenden, fünfzig 
Tage und Nächte währenden Feuersbrunst berichtet, überhaupt 
erst nach dem Ende dieses Brandes die Zerstörung der Stadt 
gerechnet ist, vgl. auch das Chron. Pasch. L L Allein man kann 
auch mit Rücksicht darauf, dass die drei vorangehenden An- 
gaben des Chron. Edess. bereits von dem Jahre Gr. 672 handeln, 
hier einen Auslassungsfehler annehmen und an jenes Erdbeben 
denken, das nach Ammian. Marc. XXII, 13, 5 unter dem Kon- 
sulate des Mamertinus und Nevitta = 362 stattgefunden hat: 
et quartum nonas Decembres, vergente in vesperam die, reliqua 
Nicomedia conlapsa est terrae motu, itidemque Nicaeae portio 
non mediocris. Dann wäre zu lesen: i£?)o -Aiu-o \LcZ± ***** 
„im J. 674", was zu der folgenden Angabe No. XXVI stimmt, 
obwohl man dann nicht die volle Anknüpfung, sondern die ein- 
fachere durch „in diesem Jahre" eher erwarten würde. Vielleicht 
ist No. XXV ein Einschub (vgl. die Quellenuntersuchung). 

XXVL Im Monat rjazirän des Jahres 674 zog Julianus 
gegen die Perser, kämpfte mit ihnen und kam daselbst um. 

= Juni 363. Julianus f am 26. Juni 363, vgl Ammian. 
Marc. XXV, 5, 1 ; Eutrop. X, 16; Socr., H. eccl III, 21; Chron. Pasch. 
551, 11. Da Julian nach Amm. Marc. XXIII, 2, 6 am 5. März 
gegen die Perser aufbrach, so bezieht sich diese Angabe eigent- 
lich nur auf den Tod des Julian. 

XXVII. Im Monat Sebät des Jahres 675 erlangten Valen- 

idnianus der Grosse (Ältere) und sein Bruder Valens die Herrschaft. 

= Februar 364, vgL Lib. Chaliph. fol. 40 r. — Valentinian 



Digitized by 



Google 



100 Edessenische Chronik. No.No. XXVIII— XXXI. 

übernahm die Regierung am 26. Febr. 364 und ernannte am 
28. März seinen Bruder Valens zum Mitcaesar. 

XXVIII. Im Jahre 678 schied Mar 1 Julianus Säbä aus 
der Welt. 

= 367, vgl. Wright, Catal. of the Syr. Man. II, 947 XX Col. b; 
Lib. Chaliph. fol. 48r. (Land Anecd. I, 14, 28) mit HinzufÜgung des 
Monatsdatums =15. Sebät-Febr; Theodoret, Hist. eccl. IV, 27; 
Hist. rel. § II; Theophan., Chronogr. I 98, 14 ed. Bonn.; Sozom. 
III, 14. Über Julianus Saba vgl. im Übrigen die Vita bei 
Ephraim, Opera graeca T. 2 vorne. Nach Julianus, der sich in 
der Nähe von Edessa aufhielt, ist das am Mederfluss gelegene 
Kloster genannt. Joh. v. Eph. bei Land II 293, 12. 

XXIX. Im Jahre 681 wurde das grosse Baptisterium von 
Orhäi gebaut. 

= 369/370. 

XXX. Im Monat IJazlrän des Jahres 684, am 9. desselben, 
schied der durch seine Weisheit ausgezeichnete Mar 1 Afräm aus 
der Welt. 

= 9. Juni 373. Das gleiche Datum bieten: der Auszug aus 
den Akten bei Ass., B. 0. I. pg. 25 (mit HinzufÜgung der fehler- 
haften Zeitrechnung nach Christi Geburt 372), der Codex Syr. 
Vat. XXXIX, pg. 44 (B. 0. 1 54 Col. a) und Jacobus Edessenus bei 
Elias von Nisibis (s. Lamy, Ephr. II, VIII). Den 18. Juni: Lib. 
Chaliph. Land Anecd. I, 15, 1 und Bar Hebr., Chron. eccl. I, 107 
(letzterer mit der falschen Jahreszahl 682). Den 15. Juni eine 
zweite Vita bei Assem., B. O. I, 54, sowie auch der römische Text 
der Akten, aber ohne Jahreszahl, während der Pariser gar kein 
Datum mehr hat. Den 19. Juni endlich Dionys. von Tellmabr^, 
vgl. B. 0. I, pg. 54 Nota Col. b und die Vita bei Lamy 1. 1. VIII 
Note 5 (Codex Berolin. Catalog Sachau No. 165) vgl. Lamy, 
St. Ephr. Syri hymni et sermones, Tom. II proleg., pg. VIII/IX 
und pg. 90-98. 

In dem jetzigen Armenischen Kloster D&r Serkis im Westen 
von Edessa wird das Grab des heiligen Ephraim gezeigt, vgl. 
Sachau, Reise in Syr. u. Mesopot. pg. 202. 

XXXI. Im Monat Elül desselben Jahres räumte das Volk, 
von den Arianern verfolgt, die Kirche von Orhäi. 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. XXXII. 101 

= September 373. Valens hatte in dieser Zeit mit seinem 
Heere Standquartiere in Syrien bezogen. Vgl. Theodoret IV, 17; 
Die Athanasianer wurden durch den Kaiser selbst und seinen 
Praefectus praetorio Modestus hart verfolgt; ihre Betversamm- 
lungen, die ausserhalb der Stadt abgehalten wurden, wurden auf 
kaiserlichen Befehl gestört und die Teilnehmer gezüchtigt 

XXXII. Im Monat Adär des Jahres 689 schied Mar 1 Barse, 
Bischof von Orhäi, aus der Welt. 

= März 378. Nach Theodoret, H. eccl., IV, 16 ist Barse 
(BaQOTjq, Boqoiq?) von Valens aus seinem Bischofssitz vertrieben 
und nacheinander nach Aradus in Phönizien, von dort nach 
Oxyrynchos in Ägypten und schliesslich nach der Feste (<pqovqlov 
loxdtov rolg ixet yeixovevovot ßaQßaQoig) Phile in der Thebais 
— also gerade nach dem Herde der schroffen athanasianischen 
Orthodoxie — verbannt. In Aradus soll, wie der Syrer von 
Hörensagen berichtet, sein Bett oder seine Bahre {xUvrj) zu 
seinen Zeiten noch gezeigt und verehrt worden sein. Allein der 
ganze Bericht des Theodoret ist dunkel und ist sicherlich legen- 
denhaft; er gehört nach Jeep, Quellenuntersuchungen zu den 
griechischen Kirchenhistorikern, Neue Jahrb. für Phil. 1885, 
Suppl. XIV, pg. 156 (vgl. aber Hamacks Besprechung von Glu- 
bokowski, der selige Theodoret, in d. Theol. Literaturztg. 1890, 
No. 20, pg. 504) zu der Kategorie der Mönchs- und Priester- 
geschichten, deren Theodoret so viele bietet. Richtig wird sein, 
dass Bars6 noch vor der Restitution der Homousianer in Edessa 
und somit auch nicht in dieser Stadt verstorben ist Ob wäh- 
rend der fünfjährigen Herrschaft der Homöer (Sept. 373 bis 
27. Dec. 378) ein Bischof dieser Partei das Bistum verwaltet hat, 
ist nicht sicher, auch wenig glaublich, da er von dem objektiv 
schreibenden Verfasser der Bischofsliste kaum übergangen wäre; 
vgL Theodoret IV, 17 naXiv roivw 6 OvaZrjg, rr\v jtolftVTjv xov 
jtoifiivoq yvfiv<DOaq } Xvxov avxl xoc/iivog kjceorrjOsv. — Was 
endlich den Barse selbst anbetrifft, so ist sehr wahrscheinlich, 
dass er ursprünglich Arianer gewesen ist; denn sonst würde der 
arianische Constantius, der damals nach einer christologischen 
Reichsformel suchte und sie durchzusetzen fest entschlossen war 
(vgl. Harnack, Dogmengesch. H 246 ff.), ihn nicht versetzt haben. 
Bald darauf aber hat er sich den Kappadociern angeschlossen, 
vgl. Lequien, Or. Christ. II, 957. — Vgl. Theoph. Chron. 96, 9. 



Digitized by 



Google 



102 Edesflenische Chronik. No.No. XXXIII— XXXV. 

XXXIII. Am 27. Känün kedem desselben Jahres nahmen 
die Orthodoxen wieder Besitz von der Kirche von Orhäi. 

= 27. December 378, nicht, wie nach unserer Chronik, 377. 
Das Jahr 378 war auch gewiss eigentlich gemeint, da es der 
chronologischen Folge entspricht. Ein Excerptor hat verkürzt, 
oder das ]li±? ol^*? ist falschlich hinzugesetzt. Die Bischöfe 
kehrten zurück auf das Edikt des orthodoxen Gratianus, vgl. 
Socr. V, 2; Theodoret V, 2; Bar Hebr., Chr. eccL I, 109, nicht, wie 
der Lib. Chaliph. foL 40 v. 2, durch ein Edikt des Valens selbst. 

XXXIV. In diesen Tagen, in dem Jahre, in welchem 
Theodosius der Grosse (Ältere) zur Regierung gelangte, wurde 
Mar* Eulogios Bischof. Dieser Mar 1 Eulogios baute die Kapelle 
des Mar 1 Däniöl, welche [später] die Kapelle des Mar 1 Domitios 
genannt wurde. 

= 379, denn Theodosius wurde am 19. Januar 379 Kaiser. 
Auch Eulogios, den ersten Diakon des Barsö, hatte das Loos 
seines Vorgesetzten getroffen; er war mit Protogenes nach An- 
tinous in Ägypten verbannt worden, so wenigstens nach Theo- 
doret IV, 18. Als er zurückgekehrt war, wurde ihm der durch 
den Tod des Bars6 bereits erledigte Bischofssitz tibertragen, und 
empfing er die Weihe durch Eusebius von Samosata (Theodoret 
V, 4). Der Vollzug der Weihe durch Eusebius von Samosata 
(Theodoret V, 4) , obwohl Edessa doch als Metropolis nur von 
Antiochien abhängig war, erklärt sich aus den Wirren, die in- 
folge des meletianischen Streites in der Hauptstadt Syriens 
herrschten. 

Eulogius nahm als Bischof von Edessa teil an der Synode 
von Antiochien 379 (vgl. Lequien, Or. Chr. II, 958), und an dem 
Konzil zu Konstantinopel 381 (Theodoret, H. eccL V, 8; Lib. Chaliph. 
fol. 54 r. bei Land Anecd. I, 20, 24) und weihte kraft seiner Stellung 
als Metropolit den Protogenes zum Bischof von Häran; vgl. 
Theodoret IV, 18; V, 4 und das Synodalschreiben des Nonnus von 
Edessa an den Kaiser Leo I v Ass., B. O. I, 258 CoL a. 

XXXV. Im Jahre 692 baute Theodosius der Grosse in 
Osroene die Stadt Ris- C ainä. 

= 380/1. Procop., de bello Pers. II, 19 (ed. Bonn. I, 236, 8) 
SeoöootovjcoXiq f\ jtQog reo 'AßoQQa xotaftq) in Mesopotamien; de 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. XXXVI— XXXIX. 103 

aedif. II, 5. Mal. 345, 21: knolrjös 6h 6 avxog Seoöoaiog xcu xt)v 
Xsyofiiv7^v 3tQcor t v xcifitjv *Po<pauvav (? entstellt) noXiv ijxig 
(lersxZrjdT} SeoöoaiovxoXig, Xaßovoa Ixxoxe tj avxrj x<d/itj xal 
ölxaiov jcoXemg %wg xfjg vvv, txl xi\g vjcaxdag MtjQoßavöov 
xal IaxxovqvLvov = 383. 

XXXVI. Im Jahre 693 versammelte sich die Synode der 
150 Bischöfe zu Konstantinopel. 

= 381/2. Das Datum der Chronik ist falsch. Nach Socr.V,8 
traten die Bischöfe im Mai 681 bereits zusammen und tagten 
noch am 9. Juli (jtQO txxä elödiv y IovXla>v y vgl. Clinton, fasti 
Romani). Nach dem Lib. Chaliph. kamen sie am 10. August zu- 
sammen (Land I, 20, 16). 

XXXVII. Im Jahre 698 schied der Bischof Mar 1 Eulogios, 
am Charfreitag, aus der Welt 

= 23. April 387. 

XXXVIIL Am 22. Ab 1 des Jahres 705 brachte man den 
Sarkophag (yXwoaoxofdov) des Apostels Mär 1 Thomas in seinen 
grossen Tempel, in den Tagen des Bischofs Mär 1 Kür£. 

= 22. August 394. Vgl. Bar Hebr., Chron. eccl. I, 65, der 
noch „von Indien" hinzufügt, im übrigen aber die Überfuhrung 
des Sarkophages noch zu der Zeit des Eulogius stattfinden lässt. 
— Auch Dionys. von TellmabrS, siehe § 2 XXXVU/XXXVI1I, 
sieht die Gebeine des St. Thomas als von auswärts übergeführt 
an. Es handelt sich aber an dieser Stelle nur um die Trans- 
lation in die nach St. Thomas benannte Kirche, vgl. Lipsius, die 
apokryphen Apostelgesch. u. Apostellegenden Bd. II, 2. Hälfte, 
pg. 418, Note zu Bd. I, pg. 225 ff.; Bd. I, 144. Den Namen des 
Apostels Thomas trug die edessenische Kirche bereits zu Barses 
Zeiten, vgl. Socr. IV, 18; Sozom. VI, 18. 

XXXIX. Am 17. Känun Vräi 706 schied Kaiser Theo- 
dosius der Grosse aus der Welt; am 27. Nisan zog Arcadius 
in Konstantinopel ein und am 8. Tisrl ^eräi wurde die Leiche 
des Theodosms nach Konstantinopel übergeführt. 

17. Januar und 27. April 395 — 8. November 395; aber 
das Chr. Edess, hat dann das Jahr 707 der Syrer anzugeben, 



Digitized by 



Google 



104 Edesaenische Chronik. No. XL. 

welches fehlt; einige Ähnlichkeit hat der Bericht des Chron. 
Pasch, p. 565. 

XL. Im Monat Tammüz desselben Jahres fielen die Hunnen 
in das römische Reich ein. 

Es ist nicht ganz klar, auf welches Jahr der Chronist seine 
Angabe bezogen wissen will Nach dem letzten in der vorauf- 
gehenden Nummer mitgeteilten Monatsdatum (8. Nov.), das schon 
in das Jahr 707 Gr. fallt, kann an den Juli 396 gedacht werden, 
wie mit Beziehung auf die beiden ersten Data dieser Nummer 
an das Jahr 706 Gr. (395 u. R.). Beide Möglichkeiten lassen 
sich belegen; erstere durch Josua Styl. § IX pg. 10, 1, aus dem 
die Angabe des Chr. Edess. aber nicht herübergenommen sein 
kann, obwohl dessen Chron. sonst als Epitome vorliegt, letztere 
durch Marcellinus, Socr. VI, 1; Sozom. VIII, 1; Philostorg. XI, 8; 
Claudian (vgl. Clinton, fast. Rom. I, pg. 534); Dionys. v. Tellmabre 
B. 0. 1, pg. 262 Nota 2); Lib. Chaliph. fol. 41 v. (Land Anecd. 1, 8,2). 
Letzterer berichtet: „Im Jahre 706 fiel das verfluchte Volk der 
Hunnen in das römische Reich ein, zog durch Sophene, Armenien, 
Mesopotamien, Syrien und Cappadocien bis nach Galatien und 
führte viele Gefangene mit sich fort Dann kehrten sie um, als 
wollten sie in ihr Vaterland zurückkehren, zogen aber den 
Euphrat und Tigris entlang in das persische Gebiet und gelangten 
zu der persischen Königsstadt, richteten daselbst zwar keinen 
Schaden an, zerstörten aber viele Dörfer am Euphrat und Tigris, 
töteten viele und führten viele gefangen fort." Dieser Zug den 
Euphrat und Tigris hinab muss im Jahre 396 stattgefunden 
haben, wie sich aus nachfolgender Stelle des Gedichtes des 
Cyrillonas „über die Heuschrecken und die (göttliche) Züchtigung 
und den Einfall der Hunnen" ergiebt (vgl Wright, Syr. Lit 828 b 
der Encyclopaedia Britann. XXII): „Der Norden ist bedrängt 
und von Kriegen voll; wenn du nicht sorgest (be neglectful), o 
Herr, werden sie mich wieder verwüsten; wenn die Hunnen, 
o Herr, mich besiegen, warum suche ich Zuflucht bei den Mär- 
tyrern? wenn ihre Schwerter mich verwüsten, warum halte ich 
mich an deinem erhabenen Kreuze fest? Wenn du meine Städte 
ihnen auslieferst, wo bleibt der Ruhm deiner hlg. Kirche? Ein 
Jahr ist noch nicht zu Ende, seit sie ausgezogen sind, uns ver- 
wüsteten und meine Kinder gefangen nahmen, und siehe! ein zwei- 
tes Mal bedrohen sie unser Land, dass sie es demütigen." Dieses 



Digitized by LjOCKMC 



Edessenische Chronik. No.No. XLI- XL VI. 105 

Oedicht ist im Jahre 396 geschrieben, für das Allerheiligenfest 
dieses Jahres, wie Bickell, Cyrillonas in Thalhofers Bibliothek 
der Kirchenväter mitteilt (Heft 41); das gleiche bestätigen auch 
Dionys. von Tellm. (B. 0. 1, 262. 400), der nach Lands Meinung 
(Anecd. I, 171) auch die Quelle des Lib. ChaUph. benutzt haben 
dürfte, und Claudian. 

Mit Rücksicht auf die nachfolgende No. XLI, in der eben- 
falls der Julimonat des Jahres 707 genannt ist, darf man wohl 
an dem Jahre 706 als dem in unserer Chronik beabsichtigten 
Datum festhalten, für das auch die natürliche Auffassung der 
Stelle spricht. 

XLI. Am 22. Tammüz des Jahres 707 schied Mar 1 Küre, 
Bischof von Orhäi, aus der Welt. 

= 22. Juli 396. 

XLII. Im Jahre 708 wurde Mari Silvanus Bischof in Orhäi. 

= ca. Herbst 398. Die Bischöfe Silvanus, Pachidas und 
Diogenios, wie auch der oben schon genannte Cyrus, sind bei Bar 
Hebr., Chron. eccL I, 65 übergangen; bei Dionys. von Tellm. fehlen 
die ersten beiden. 

XL1II. Am 17. Ti§rin kedem des Jahres 710 schied Mar 1 Sil- 
vanus, Bischof von Orhäi, aus der Welt. 

= 17. Oktober 398. 

XL1V. Am 23. Tiäri 'freräi desselben Jahres wurde Mar 1 Pe- 
kidä Bischof in Orhäi. 

= 23. November 398. 

XLV. In demselben Jahre wurde Johannes Chrysostomos 
Bischof in Konstantinopel. 

= 398/9. Da Johannes Chrysostomos nach Socr. VI, 2 am 
27. Febr. 398 inthronisiert wurde, welches dem Jahre 709 d. Gr. 
entspricht, hier aber das Jahr 710 angegeben ist, so liegt viel- 
leicht ein ßechnungsfehler von einem Jahr vor (vgL die Quellen- 
untersuch. § 18), wie sie bei Umsetzung von Konsulats- 
jahren in seleucidische leicht vorkommen. Jedenfalls steht es 
hier an falscher Stelle. 

XLVI. Im Jahre 714 begann Theodoros, Bischof von 
Mopsuestia, die [heiligen] Bücher zu erklären (kommentieren). 
= 402/3. Diese Angabe ist nirgends weiter belegbar. 



Digitized by 



Google 



106 Edeasenische Chronik. No.No. XLVII— LI. 

XLVII. Im Jahre 715 verfasste der Presbyter 'Absamyä, 
der Schwestersohn des seligen Mar 1 'Afirem, Hymnen (madräschfc) 
und Reden (m£mr6) über den Einfall der Hunnen in das rö- 
mische Reich. 

= 403/4. Fast wörtlich so bei Bar Hebr., Chr. eccl. I, 133. 

XL VIII. Im Jahre 720 wurde Mar 1 Diogenios Bischof in 
Orhäi. Er begann die Kapelle des Mar 1 Barlähä zu bauen. 

= (August od. September) 409; nach Dionys. v. Tellm. aber 
erst „im Jahre 722" (=411); gegen Ende des Jahres 722 ist er 
wahrscheinlich gestorben (vgl. No. LI); denn Rabbulas ist im 
Jahre 723 (also frühestens Oktober 411) Bischof geworden. 

Über Diogenios (so besser zu lesen als Diogenes, da er in 
der Vita des Rabbulas p. 170 ^a-? heisst) vgl. auch den Pane- 
gyricus auf RabbuL Overb. Opera selecta 173, 23. — Über die 
Lage der „Märtyrerkapelle des Mar 1 Barlähä* 4 ist nichts bekannt; 
ein Thor des Barlähä lag vermutlich im Norden der Stadt, vgl. 
Hoffmanns Karte bei Wright, Jos. Styl. 

— Diese Nummer sollte eigentlich erst der No. IL folgen, 

IL. Am Neumond (vovfdijvla) des Ab 1 in demselben Jahre 
schied Mär 1 Pekldä, Bischof von Orhäi aus der Welt. 
= 1. August 409. Vgl. No. XLVIII. 

L. Im Jahre 721 wurde Kyrillos Bischof von Gross- 
Alexandrien. 

= 709/10. Nach Socr., H. eccl. VII, 7 wurde Kyrillos am 
18. Oktob. 412 = 18. Ti§ri kedem 724 Patriarch von Alexandrien. 

LI. Im Jahre 723 wurde in Orhäi Rabbülä Bischof. Er 
baute die Kapelle des Mar 1 Stefanos, welche vordem die Synagoge 
der Juden gewesen war; er baute sie aber auf Befehl des Kaisers. 

= 411/12, so auch Jacobus von Edessa bei Elias von Nisibis, 
vgl. No. XLVIII. Rabbulas wurde auf einer Synode zu Antiochien 
unter dem Vorsitz des Patriarchen Alexander, an der auch Acacius 
von Haleb (Aleppo) teilnahm, gewählt. — Die Handschrift liest 
U»?o9u*9 ]&*&* Lm& Ass. „synagoga Judaeorum". Allein der ur- 
sprüngliche Text wird U?o^) I^ä* l*>g „die Synagoge (oder 
etwa das Refectorium) der Audianer" gehabt haben. Die Vita 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LI. 1Q7 

Rabbulae (Overb., Opera selecta pg. 194, 15 flF.) berichtet nämlich 
Ton seinem Vorgehen gegen die Audianer: „Ähnliche Massregeln 
wandte dieser wahrhaftige und für seine Heerde besorgte Hirt gegen 
die 'Audäye U?*± und Zaddüfcäyfc Uiov| der Häretiker an, 
welche sich von dem Verkehr mit der Kirche, als von der Wahr- 
heit anathematisierte, selbst abgesondert hatten und sich selber 
eine Pseudo-Hierarchie nach Analogie der wahren geschaffen 
hatten, der Fabelei der „Visionen" )i»-V« ]^^ [Apocalypsen] 
nachirrend und verblendet gegen die Wahrheit Deren Gemeinde 
zersprengte er, vertrieb sie aus ihrem Tempel, den sie sich zier- 
lich erbaut hatten, und siedelte statt ihrer Mitbrüder unseres 
Mysteriums an; diejenigen aber, welche sich bekehrten, verleibte 
er seiner Heerde ein." (Hoffmann, Auszüge aus Syr. Akten 
Persischer Märtyrer u. s. w. in Abhandl. für die Kunde des 
Morgenlandes VII, No. 3 [1880] pg. 122.) Sein Verhalten gegen 
die Juden aber war nach derselben Vita (pg. 195) ein ganz 
anderes: „Deshalb vernachlässigte er auch das verstockte Volk 
der Israeliten nicht, sondern erwies ihnen stets eine ganz be- 
sondere werkthätige Teilnahme. Denn er versagte ihnen nicht 
nur nicht ihren Anteil an den Almosen, welche seine Mild- 
thätigkeit spendete, sondern bewirkte auch durch seine steten 
Ermahnungen, dass sich in jedem Jahre viele von ihnen freudig 
entschlossen, den Leben verleihenden Charakter der Taufe Christi 
zu empfangen." Bickell in Thalhofers Biblioth. der Kv. pg. 198. 
Dass von Rabbulas die Synagoge den Juden genommen ist, 
wie von diesem Bischof die Versammlungshäuser der Häretiker: 
Bardaizaniten, Arianer (pg. 193), Audianer, und die heidnischen 
Tempel geschlossen oder zerstört wurden, meldet der Verfasser 
der Vita nicht. Für die Änderung in J-.?a^ „Audianer" spricht 
auch die Angabe, dass der Tempel „den Mitbrüdern unseres 
Mysteriums", d. i. den monophysitisch gesinnten Mönchen über- 
geben wird, um sich darin anzusiedeln; denn die Audianer lebten 
in Klostergemeinschaften und mönchischen Niederlassungen „teils 
in der Einöde, teils in der Nähe der Städte, sodass man sie bei- 
nahe als eine Mönchskirche bezeichnen könnte", Möller, Kirchen- 
gesch. I, 378. Dass der Kirche der Name des Mar 1 Stephanus 
beigelegt wird, ergiebt sich daraus, dass in jener Zeit (nach 
Niceph. Callisti XIV, 9 im Jahr 415, nach Bar Hebr., Chr. eccl. 



Digitized by 



Google 



10g Edessenische Chronik. No.No. LII— LIV. 

I, pg. 141 später, vgl Michel le Grand, Chron. ed. V. Langlois, 
Venise pg. 142) die Gebeine dieses ersten Märtyrers aufgefunden 
wurden. 

Die Angabe unserer Chronik: „er baute sie auf Befehl des 
Kaisers" kann seinen Widerwillen gegen Bauunternehmungen 
bezeugen, wie jene Stelle der Vita pg. 190, 11 ff.: „Während seiner 
ganzen Lebenszeit konnte er nicht überredet werden, etwas auf 
der Erde zu bauen, abgesehen von der halben nördlichen Chor- 
wand der Kirche seiner Stadt, weil der Schaden, der daran war, 
es dringend erheischte. In wenigen Tagen stellte er sie fertig." 
Die Steine der zerstörten Versammlungshäuser hat er zur Aus- 
besserung verwandt. Allein hier widerspricht die Vita sich selber; 
denn pg. 203, 15 ff. berichtet sie, dass Rabbulas ein Frauenhospital 
)^j9 ^jyima von den Steinen der vier auf seinen Befehl zer- 
störten Götzentempel habe errichten lassen. Vgl. No. VI, VIII, X. 

LII. Im Jahre 724 wurden wiederum, zum dritten Mal, die 
Mauern von Orhäi durch das Wasser zerstört, in den Tagen der 
siegreichen Kaiser Honorius und Arcadius. 

= 413, nach der genaueren Datumsangabe (No. CVI) am 
Dienstag, den 18. März. Die Angabe „unter Arcadius" ist falsch, 
da dieser bereits 408 verstorben ist; vgl. Clinton, fasti Rom. 570. 
Die Schlussnotiz giebt richtig an: unter Honorius und Theodosius, 
vgl. Assem., B.O. I, 402, Nota 1. 

LIH. Im Jahre 732 wurde Eutyches, der die Menschwerdung 
leugnete, Mönch. 

= 420/1. Eutyches war (449) seit mehr als 30 Jahren Vor- 
steher eines Klosters in der Nähe von Konstantinopel, und hatte 
schon vor 431 sich als heftiger Gegner des Nestorius gezeigt, 
den er sogar in der Kirche, als er in einer Predigt das fooroxoc 
bekämpfte, unterbrochen hat; vgl. Mansi VII, pg. 1061; Euagrius, 
H. eccl. I, 9. 

LIV. In dieser Zeit erlitt der selige Ja'köb mefasseka 
(Jacobus intercisus) das Martyrium. 

Die Zeitangabe ist aus den Akten genommen. Jacobus 
Intercisus wurde unter Bahräm V. hingerichtet. Die Angabe 
der Akten ist falsch und in dieser Form erst durch Umrechnung 
aus den älteren Akten, die nach den im Frühjahr beginnenden 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. LV— LVII. 109 

Mondjahren rechneten, gewonnen ; vgl. Nöldeke, Tabari-Überstzg. 
pg. 420 ff. Das Mondjahr 732 begann im Frühling 421. Das 
Martyrium fallt, die Richtigkeit des Monats Tisrt II in den Akten 
vorausgesetzt, in den Herbst 421, das dem julianisch-griechischen 
733 entspricht. 

LV. Im Jahre 739 wurde die Ketzerei (al f Q€Oig) derer, die 
sagen, der Natur sei die Sünde eingepflanzt (angeboren), bekannt. 

= 427 8. Der Satz „die sagen, der Natur sei die Sünde an- 
geboren" bezieht sich offenbar auf Theodors von Mopsuestia 
Schrift: ütQoq rovq Xiyovrag <pvösi ov yvcifiu xraluv rovg dv- 
&Q<DJiovg. Somit läge auch eine Beziehung auf Theodorus selbst 
vor, der noch vor Schluss des Jahres 428 verstorben ist, vgl. 
Carl Joh. Neumann: Juliani Imperatoris librorum contra Christia- 
nos quae supersunt, Lipsiae 1880, pg. 27 — 30. Die Schrift 
selbst ist bedeutend früher anzusetzen, da ihre Abfassung ver- 
anlasst ist durch des Hieronymus dialogi adversus Pelagianos und 
epist. ad Ctesiph. vom Jahre 415, sowie durch die Streitigkeiten 
in Palästina. — Über die Konjektur Assemanis (B.O. I, 402, 
Nota 4) vgl. die dogmatische Stellung des Verfassers unserer 
Chronik § 27. 

LVI. Im Jahre 740 blühte (wurde bekannt) 'Andreas 
Bischof von demisät (Haftooaza). 

= 428/9. Um diese Zeit (er. 431) ist Andreas Bischof ge- 
worden, vgl. die dogmatische Stellung des Chronisten § 27. 

LVII. Im Jahre 741 fiel Staub vom Himmel herab. 

= 429/30. Diese Angabe der Edess. Chronik findet sich 
ni. W. hier allein in einer orientalischen und occidentalischen 
Quelle. Dagegen wird von anderen (abendländischen) Quellen 
ein Staubregen in den Jahren der Regierung des Kaisers Leo I. 
(457 — 474) erwähnt; vgl Marcellin. Coraes zum Jahre 472: Mar- 
ciano et Festo coss. Vesuvius mons Campaniae — evomuit vi- 
scera et cei — omnem Europae faciem minuto contexit pulvere. 
Hujus metuendi memoriam cineris Byzantii annue celebrant VIII. 
Id. Nov. und zum Jahre 512: Paulo et Musciano coss. — VIII. Id. 
Nov , in quo die memoria cineris dudum totam Europam tegentis 
apud Byzantios celebratur. — Malal. 372, 6 und nach ihm das 
Chron. Paschale 598, 10 (fälschlich zum Jahre 469). — Vielleicht 



Digitized by 



Google 



HO Edessenische Chronik. No.No. LVIII— LIX. 

liegt seitens des Verfassers u. Chr. nicht bloss ein Irrtum, sondern 
ein absichtlicher Betrug vor mit Rücksicht auf die folgende 
No. LVIII, die über die erste Ephesinische Synode berichtet Er 
will dieses Naturereignis als Vorboten des viel grösseren Unglücks 
betrachtet wissen, das die Synode durch die Verurteilung des 
Nestorius heraufbeschwor; vgl. die dogmatische Stellung des 
Chronisten § 27. 

Vermutlich geht dieser Bericht ebenfalls auf eine griechische 
Quelle zurück. 

LVIII. Im Jahre 744 versammelte sich die erste Synode 
zu Ephesus. 

= 4323. Die Jahresangabe stimmt nicht, weswegen sich schon 
Assemani, B. 0. 1, 403, Nota 2 zur Änderung des „vier" in „zwei" 
entschloss. Der Lib. Chaliph. Land Anecd. I, 20, 25 giebt das 
Jahr 740 = 428 — 429; aber die beigefügten Konsulatsjahre des 
Theodosius (XIII) und des Valentinian (III) weisen auf das 
Jahr 430 hin. Das Chron. Pasch, giebt richtig das Jahr 431 an: 
vx 'Avtioxov xal Baocov. — Die erste Actio des Konzils fand 
am 22. Juni 431 statt. Der 28. Juni bei Socrai VII, 34 und im 
Lib. Chaliph. ist durch die Verwechslung mit dem 28. Pauni 
nach ägyptischer Rechnung, der dem 22. Juni nach griechischer 
entspricht, entstanden. 

LIX. Am 8. Ab 1 des Jahres 746 schied Rabbüla, Bischof 
von Orhäi, aus der Welt. Sein Nachfolger wurde der erhabene 
Hibä. Dieser baute die neue Kirche, welche heute die Kapelle 
der Apostel genannt wird. 

= 8. August 435. Die Jahreszahl 746 steht sicher, so 
Jacobus Edess. bei Elias von Nisibis, Liber Chaliph. Land Anecd. 
I, 15, 4; Wright, Catal. pg.947b und die Acta derEphesin. Synode 
ed. Hoffmann an einer Stelle: „Vierzehn Jahre lang hat Htba 
diese Christenstadt irregeführt" (an einer anderen Stelle steht 
„dreizehn Jahre lang" u. s. w.), während die Vita pg. 205, 10 ff. 
von dem Beginn seines Episcopats bis zu seiner Erkrankung zur 
Zeit des Neumondes im Juli 24 Jahre und 3 Monate rechnet, 
was, wenn diese Angabe richtig wäre, entweder eine Verschiebung 
des Todes in das Jahr 747 (436) oder der Inthronisation in das 
Jahr 722 (410/11) bedingen würde; denn es sind thatsächlich 
5—6 Monate zu viel. Pg. 176, 17 giebt die Vita die runde 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. LX— LXIII. m 

Summe von 24 Jahren. — Nach den übereinstimmenden Be- 
richten der Vita (206, 25), des Lib. Chaliph. Land Anecd. I, 15, 4 
und des Tropologjion, vgl Wright, CataL I, pg. 280 b ff., verschied 
Rabbülä am 7. Ab 1 = August. Der 8. ÄW ist nach der Vita 
207, 26 der Tag seiner Beisetzung. 

Über die Lage der Kapelle der Apostel vgl. Josua Styl. 
§ XLIII, pg. 38 „das Bad (ßalavüov), unterhalb des Beth Seliche 
(der Apostelkapelle) bei dem „grossen Thor". Dieses Thor lag 
an der Südostseite der Stadt und führte nach Härän. 

LX. Im Jahre 749, in den Tagen des trefflichen Hibä, 
schenkte (brachte) Senator einen grossen silbernen [Altar]-Tisch, 
720 Pfund schwer; der wurde in der alten Kirche von Orhäi 
aufgestellt. 

= 437/8. Senator ist wohl der Korrespondent des Theodoret; 
vgl Tillemont, Memoires XV, 968b; ders., hist. VI, 118f. 156. 
Er war Konsul des Jahres 436 (vgl. Clinton, fasti Rom. I, 620) 
und in Edessa sehr bekannt und hoch verehrt, vgl. Hoffmann, 
Verhandl. der 2. Eph. Syn. pg. 9, 4. 

LXI. Im Jahre 753 liess der Stratelates Anatolios einen 
silbernen Schrein (vaog) zur Ehre der Gebeine des heiligen 
Apostels Thomas anfertigen. 

Über den Patricius Anatolius, vgl. Hoffmann, VerhandL der 
2. Eph. Syn. 8, 16; 9, 3; Tillemont, Memoires XV, 937; Histoire 
VI, 1099; Sievers, Studien zur Gesch. d. röm. Kaiser 435, No. 1. 

LXII. Im Jahre 756 wurde Dioscoros Bischof im grossen 
Alexandrien. 

= 444/5. Theoph., pg. 150, 10 zum 39. Jahre des Theo- 
dosius ü. = 446, vgl. Niceph. Call. Cyrillus ist aber 444 ge- 
storben und in demselben Jahre noch trat Dioscoros seinen Epis- 
copat an. 

LXIH. Und wiederum versammelte sich zu Ephesus die 
zweite Synode. Dieser (Dioscoros) verdammte den erhabenen 
Flavianos, den Bischof von Konstantinopoüs, den Domnos von 
Antiochia, Irenaeus von Sür {ffiQTjvalog In. Tvqov), Hibä von 
Orhäi, Eusebios von Dorylaeum (AoQvlalov), Daniel von IJärän, 
Sophronios von Tellä und Theodoretos von Kyros. 



Digitized by 



Google 



112 Edessenische Chronik. No. LXIV. 

Vgl. Act. Conc. IV, 8S9 rotg fiera xf\v vjtaxeiav Zi]vol>vo$ 

xal IloOTOvpLiavov ry jcqo 2g elöcüv Avyovörcov 

IvöiXTicüvi xqIx\) (? zu lesen öewiga) = 8. Aug. 449 vgl. Hoffm., 
Verh. d. 2. Eph. Syn. pg. 3. So auch Lib. Chaliph. Land Anecd. 
1, 21, 5 ff. 760 = 449. Chron. Pasch., das in der Fassung Ähnlich- 
keit mit unserer Chronik hat (pg. 587) = 450. Bei Malalas fehlt 
eine Angabe über das Koncil ganz. 

Theophan. 10t, 12 de Boor u. Anastasius Bibliothec. lesen 
für ElQ7]valoq (so mit unserer Chr. die syr. Acta [vgl. Hoffmann] 
und Euagr.) 'AvÖQfag; Lib. Chaliph. I, 21, 22 verstümmelt. — Den 
oben genannten fügt der Lib. Chaliph. ™*v^* Jju^o (Land 
Benetius?) = Aquilinus von Byblos (vgl. Euagrius) und Maris 
den Perser hinzu. 

LXIV. Am 1. Känün 'fceräi des Jahres 759 verliess der 
Bischof Hibä Orhäi. Am 21. Tammüz zog an seiner Statt Nonnos 
ein, verbheb [daselbstj zwei Jahre und baute (machte) in der 
Kirche das Allerheiligste (leQarelov). 

= 1. Januar 448 — 21. Juli 448. Allein diese Angaben 
sind falsch und müssen mindestens um ein (449), wie Assemani, 
B.0. 1,202 a will, wenn nicht um zwei Jahre (=450) verrückt 
werden. Denn Ibas ist erst auf der Synode zu Ephesus im 
August 449 entsetzt worden, hat sich zudem auch noch am 
12. April desselben Jahres in Edessa als Bischof befunden, wie 
klar aus dem ersten Bericht an das Ephesinische Konzil (vgl. d. 
syr. Act. Hoffmanns pg. 7 ff; 3, 11) hervorgeht 1 ). Da die zweite 
und letzte Sitzung am 22. August 449 (vgl. Hoffmann Nota 11) 
stattfand und dann erst die Bestätigung des Kaisers eingeholt 
werden musste, so wird er etwa gegen Ende 449 oder am 
1. Januar 450 = 761 Gr. Edessa verlassen haben. 

Die pg. 28, 33 in den Verhandl. d. 2. Eph. Syn. mitgeteilte 



1) Zwar steht an einigen Stellen der Akten „gewesener Bischof 4 . 
Das scheint aber nur eine Vorwegnähme im officiellen Stil zu sein, vgl. 
Nota 125 a bei Hoflmann; ferner vgl. pg. 75, 37; 76, 24. 30; 33, 36. 44; 35, 5 mit 
33, 31 ; 34, 15. 26. Pg. 34, 19 heisst es: „Hiba, der seine Zunge von seinem 
Vater Teufel gegen die Rechtschaffenheit geborgt hat, ist mit Recht schon 
vorher dem Herrn des Alls verhasst gewesen; aber auch jetzt durch 
eure grosse und heilige Synode von der Priesterwürde und von der Ge- 
meinschaft abgeschnitten worden." Vgl. 17, 17 mit 17, 34 u. b. w. 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. LXV— LXVII. H3 

Verbannung des Ibas ist wohl die gleiche, die pg. 10, 15 unter 
Rabbulas stattgefunden hat; vgl. indes Hoffmanns Nota 170 und 
Lequien, Or. Chr. II, 960. 

Bei dem Datum: 1. Januar 448 eventuell an die Versamm- 
lung zu Berytus, in der Ibas sich von den Anklagen reinigt, 
zu denken, wäre nicht unmöglich; denn in der Eingabe, die die 
edessenischen Kleriker zu gunsten des Ibas an den geistlichen 
Gerichtshof richteten, sprechen sie zugleich den Wunsch aus, 
Ibas möge doch noch vor dem nahen Osterfeste nach Hause zu- 
rückkehren, der Katechesen und der Täuflinge wegen. Aber es 
steht durchaus nicht fest, ob diese Untersuchung nicht vielmehr 
in das Jahr 449 fällt, für welches die Bemerkung des Presbyters 
Samuel sprechen würde; vgl. die Verh. d. 2. Eph. Syn. pg. 20, 3. 
Auch die übrigen Schwierigkeiten sind dadurch keineswegs ge- 
hoben. 

LXV. Im Jahre 760 wurde Leon Bischof in Born. 

= 448/9. Die Angabe ist falsch. Leo wurde bereits 440 
Papst. Das Jahr 449 bringt seine Einmischung in die christo- 
logischen Streitigkeiten. Damit ist sein Antritt verwechselt worden. 

LXVI. Im Jahre 762 versammelte sich die Synode in der 
Stadt Chalcedon. 

= 451; so auch Elias von Nisibis im Liber Synodorum bei 
Bar Hebr., Chr. eccL I, pg. 169 Nota 2. — Der Lib. Chaliph., Land 
Anecd. I, 22, 3 setzt das Konzil in das Jahr 453 Chr., aber in das 
Jahr 763 des Seleuc, indem er drei Jahre seit dem II. Ephesinum 
vergangen sein lässt. Das Chronicon paschale giebt das Jahr 452. 
Der syr. Zacharias von Mitylene, Land Anecd. III, 102, 18; 116, 
9. 25 das Jahr 764, Bar Hebr., Chr. eccl. I, p. 169 sogar 765. 

— Das Konzil fand im zweiten Jahre des Marcian, das mit 
dem 1. Sept. 451 (762 Gr.) anhebt, und zwar im Anfang des- 
selben statt, an dessen siebenter Sitzung (rectifiziert) am 25. Okt. 
(vgl. Clinjßn, fasti Rom. p. 642) der Kaiser selbst teilnimmt. Die 
erste Sitzung findet am 8. Okt. 451 (763 Gr.) statt; die letzte 
am 1. Nov.; also fallen beide nach der Seleucidischen Ära in das 
Jahr 763, wie einzig und allein der Lib. Chaliph. berichtet 

LXVII. Im Jahre 763 blühte der Schriftsteller und Archi- 
mandrit Mar 1 Isaak. 

Texte u. Untersuchungen IX, 1. 8 



Digitized by 



Google 



114 Edessenische Chronik. No. LXVII1. 

= 451/2. So fast wörtlich, doch ohne Zeitangabe, BarHebr., 
Chr. eccl., I, pg. 165. Marcellinus Com. (Sirmond, opera varia, 
Venet. 1728, Tom. II, pg. 282) erwähnt ihn zum Jahre 459 (Ind. 
XII Patrick) et Ricimere coss.), um welche Zeit er ungefähr ge- 
storben ist, vgl. Bickell in Thalhof ers Bibliothek der Kirchen- 
väter, Heft 44, Einleitung; W. Wright, Syriac Liter, in Encycl. 
Brit. XXII, pg. 829 b. 

LXVIII. Am 28. Tisrin kedem des Jahres 769 entschlief 
Hibä, Bischof von Orhäi, und es kam an seiner statt Nonnos, 
der die Kapelle des Mar 1 Johannes des Täufers und das Spital 
in dem Hause der aussätzigen Unglücklichen l ) ausserhalb des 
Thores vonBeth Semes baute. Er errichtete aber auch in dem Spital 
(äyQog) eine Märtyrerkapelle für Mar 1 Cosmas und Mar 1 Damianus; 
er errichtete aber auch Klöster und Thürme (xvQyoi), baute 
Brücken und sorgte für die Sicherheit der Strassen 2 ). 

= 28. Oktober 457, hat also, da er am 28. Okt. 451 in der 
X. (nach Hefeies Conciliengesch. II, 394 Richtigstellung XII.) 
Sitzung des Chalcedon. Konzils für gerechtfertigt erklärt und 
wieder in seine bischöfliche Würde und sein Amt eingesetzt 
worden war, gerade noch sechs Jahre seinen Episkopat versehen. 
Was mit Nonnus geschehen, ist unklar. Den Akten gemäss 
wurde von den päpstlichen Legaten die Entscheidung über seine 
Verwendung dem Patriarchen Maximus von Antiochien anheim- 
gestellt, der wiederum mit den Bischöfen seiner Diözese über ihn 
zu verfügen gedenkt, ihm die bischöfliche Würde, aber nicht das 
Amt belässt. Mit Assemani (B. 0. 1, 257 ff) auf Grund (Jer Acta 
Pelagiae und des sehr verwirrten Berichtes bei Theophanes 
(141, 18—142, 10) an jenen Bischof Nonnus, der ursprünglich 
ein Mönch in dem Kloster der Nilinsel Tabennae war, zu denken, 



1) Die Wörter „l«ni1V> jlnmV" haben den speziellen Sinn von 
„aussätzige Arme oder Unglückliche", nicht bloss den allgemeinen „von 
Krankheit heimgesuchte Arme" pauperes invalidi (Assem., B. 0. 1, 405) vgl. 
die Vita des Rabbulas 203, 25: „Wie oft gab er zum Trost für sie den 
Grass des heiligen Kusses auf die verfaulten Lippen der Menschen, deren 
Leib eiterte". 

2) „sorgte für die Sicherheit der Strassen" wohl besser als Assemanis 
Übersetzung „exaequavit vias" „er planierte die Strassen", mit Rücksicht 
auf den Bau von Thürmen, die kleine Besatzungen enthalten haben 
werden, besonders gegen streifende Araber und Kurden. 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LX1X. 115 

geht nicht an, wie Gildemei9ter, Acta Pelagiae (syriace), Bonnae 
1879, gezeigt hat. Mit mehr Recht ist an den Diakonus Nonnus 
von Ephesus zu denken, dessen die syrischen Akten der 2. Ephes. 
Syn. (Hoffmann pg. 5, 29) als Abgesandten an den kranken und 
bettlägerigen Domnus Erwähnung thun. Offenbar ist er anfangs 
Monophysit gewesen, später, nach seiner 2. Einsetzung jedenfalls, 
Chalcedonianer ; vgl. den Diözesanbrief für das Chalcedonische 
Symbol an den Kaiser Leo (Assem. B. 0. 1, 25S). 

Das Martyrium des Mar 1 Johannes des Täufers wird auch 
in der Chron. Josua des Styl. § XXIX erwähnt und bildet nach 
seiner Angabe: „die Märtyrerkapelle des Mar 1 Johannes des 
Täufers und des Mar 1 'Addai des Apostels" ein Gebäude mit 
diesem wie die Kapelle des Sergius und Simeon (vgl. Josua Styl. 
§§ XXXI, LIX, LX u. a. St.) und die des Cosmas und Damianus. 
Diese Kapelle des Johannes ist wohl dieselbe, die im Jahr 1183 
abbrennt, vgl. Bar Hebr., Chr. eccl. T. I, p. 595. — Die Veran- 
lassung zur Benennung nach dem Täufer war, dass im 41. Jahre 
des Theodosius II. = 448 das Haupt des Täufers in Emesa ge- 
funden wurde. Abu'lfarag, Histor. Dynast pg. 146 (92). — Die 
Kapelle des Cosmas und Damianus lag nördlich resp. nordöstlich 
von der Stadt, dessen nördlichstes Thor „das Thor von Beth 
Seines" gewesen zu sein scheint, vgl. Hoffmanns Karte. — 

Dass es übrigens schon längst vor Nonnus einen Ort ausser- 
halb der Stadtmauern gegeben hat, wo die Aussätzigen wohn- 
ten, beweist die Vita Rabbulae pg. 203, 25 durch die Stelle, wo 
seine Liebe gegen die aussätzigen Unglücklichen geschildert wird: 
„die ausserhalb der Stadt wie Gehasste und Verstossene allein 
wohnten. Er bestellte einen Diakon und zuverlässige Brüder, 
bei ihnen zu wohnen." 

LXIX. Im Jahre 771 schied der selige Simeon Stylites aus 
der Welt, am 2. Elül, um die 11. Stunde des Mittwochs. 

= Mittwoch, den 2. September 459 (sie!), nicht 460, gegen 
5 Uhr Nachmittags. — Die Vita Simeonis, die mit Unrecht dem 
Presbyter Cosmas zugeschrieben wird (vgl. Assem. B. 0. 1, 252 a), 
lässt den Simeon um die 9. Stunde des Mittwochs seine letzten 
Anordnungen treffen. Dieser Mittwoch ist nach der Berechnung 
der beiden Assemani, der auch Ideler (Handbuch der Chronologie 
I, 455) beistimmt, der 2. September 459, wie richtig auch der 



Digitized by 



Google 



H(j Edessenische Chronik. No.No. LXX — LXXll. 

Lib. Chaliph. Land, Anecd. I, 15, 6 berichtet = 2. EM 770. — 
Desgleichen weist Assem., B. 0. 1, 405 Nota 3 mit Recht darauf 
hin, dass hier kein Fehler in der Angabe unserer Chronik vor- 
liege, sondern dass derselben die auch in Antiochien gebrauch- 
liche Rechnung, die, wie die Indictionen, mit dem 1. Sept. das 
Jahr beginnt, zugrunde liegt. 

LXX. Im Jahre 777 baute Leon in Osroene Kallinikos und 
nannte sie nach seinem Namen Leontopolis und setzte dort einen 
Bischof ein. 

= 465/6. Den Wiederaufbau von Callinicus berichten eben- 
falls Michel le Grand, Chron. p. 168: „Callinique, autrement 
appellee Ragha (Ragga), fut rebätie en ce-temps-lä par ordre de 
l'empereur Leon, qui lui imposa son nom et Tappella Leontopolis" 
und Bar Hebr., Chron. syr. 77, 12. — Dagegen hat Assem. B. 0. 
I, 258 a schon mit Recht die Errichtung des Episkopats bean- 
standet auf Grund des Sendschreibens der Bischöfe der Diözese 
Ede88a an den Kaiser Leo, das in der Unterschrift auch den 
Namen eines Bischofs Damianus von Callinicus trägt. Assemani 
hat sich mit der Annahme geholfen, dass der Kaiser nach 
Damianus' Tode nur einen neuen Bischof eingesetzt habe ; besser 
indes scheint es uns, nach Analogie vieler Stellen bei Malalas 
(vgl. besond. 448, lt ff.; 345, 3 ff. 21 ff.; 347, 11 ff.), an die Ver- 
leihung des Metropolitanats zu denken. 

LXXL Im Jahre 782 entschlief Nonnos, Bischof von Orhai, 
und es folgte ihm Kyros nach. 

= 470/1. Nonnus wurde beigesetzt im Beth Mar 1 Barläha. 
vgl No.No. XCI, C, XLVUL Kyros ist aus Kyrios gekürzt. 

LXXII. Im Jahre 795 rebellierte Leontios gegen Zenön und 
herrschte in Antiochia zwei Jahre. 

= 484, so auch Marcellinus Comes: Theodorico et Venantio 
C088. Illus natione Isaurus dignitate magister officiorum — Orien- 
tem Zenoni infestus invasit. Porro cum Leontio tyrannidem 
arripuii Theophanes *) erwähnt zum 10. Jahr des Zeno, dass 
in der VII. Indiction am 27. Juni Leontius als Kaiser in An- 



1) Theophanes folgt dem Malalas, vgl. besonders die von Mommsen 
herausgegebenen Stücke aus dem Escurial. — Hermes VI, 370. 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LXXIII. 117 

fciochien seinen Einzug gehalten, und dass Zeno auf die Kunde 
von dem Aufstande sofort den Johannes Scytha gegen Mus und 
Leontius geschickt habe; sie seien geschlagen und dann in dem 
Kastell Papurion (?) von ihm belagert worden. Das 10. Jahr 
des Zeno ist = 483; dagegen entspricht die VII. Ind. (1. Sept. 
483 bis 1. Sept. 484) der Angabe des Marcellinus. — Theophanes 
zieht den Aufstand, besonders die voraufgehenden Ereignisse zu 
sehr in die Länge und verteilt sie auf das 7. — 10. Jahr des 
Zeno. Allein in dieser Ausdehnung sind sie geschichtlich un- 
haltbar und würden dem Zeno schon viel eher Gelegenheit zum 
Eingreifen gegeben haben. Alle Vorgänge haben sich in ver- 
hältnismässig kurzer Zeit abgespielt. 

Dass die Herrschaft des Leontius in Antiochien zwei Jahre 
gewährt haben sollte, ist nach den Angaben des Theophanes 
und des Josua Stylites §§ XV— XVII unmöglich; denn die Ent- 
scheidungsschlacht muss schon 484 oder spätestens im Anfang 
485 geschlagen sein. Dagegen haben Illus und Leontius nach 
den Berichten des Marcellinus, Vict. Tonnonensis, Theodorus 
Lector, vgl. Clinton, fasti Rom., sich in ihrer Felsenfeste in 
Isaurien bis 488 gehalten. 

LXXIII. Im Jahre 800 wurde die Schule (öxolfj) der Perser 
in (wörtlich: von) Orhäi von Grund aus zerstört. 

= 488 9. Der Brief des Simeon von Beth-Arsäm über den 
Bischof Bar$auma von Nisibis und die Ketzerei der Nestorianer 
berichtet, dass, nachdem SGhon gleich nach Ibas' Tode alle Perser 
samt den Edessenern ihrer (nestorianischen) Richtung den Befehl, 
Edessa zu verlassen, erhalten hatten (?), „durch den Eifer des 
seligen Mar 1 Kyros, des Bischofs von Orhäi, und auf Befehl des 
römischen Kaisers Zenon die Schule, an welcher die Perser in 
Orhäi lehren, zerstört und an deren Stelle ein Heiligtum nach 
dem Namen der Gottesgebärerin Marth 1 Marjam gebaut sei" 
(B. 0. 1, 204. 353). Allein von dem Bau einer Kapelle der Maria 
&€Oz6xog berichtet nur Simeon; Jacob von Sarug dagegen, der 
mit den edessenischen Verhältnissen sehr vertraut war, — er 
hielt sich 45 Jahre in dieser Stadt auf und war auch dort an- 
wesend, als Cyrus II. die persische Schule zerstörte (vgl.Z.D.M.G. 
XXX, 220 ff. sein Ermahnungsschreiben an die Mönche des 
Klosters Mar 1 Bassus § 1) — berichtet davon nichts (vgl. Theodor. 



Digitized by 



Google 



118 Edessenische Chronik. No.No. LXX1V— LXXVI. 

Lect. II, $ 49. Johannes von Ephesus, Comm. de beatis Orient. 
Land, Anecd. II, p. 77, 18), und Josua Stylites, §LXXXVII,pg. 82,4, 
teilt mit, dass der Minister des Anastasius, Urbicius, im Jahre 
816 = 505 Chr. dem Bischof Petrus, dem Nachfolger des Cyrus, 
10 Pfund zum Bau einer Kapelle (fiaQtvQtov) der seligen Maria 
geschenkt habe. Es würde doch kaum ein Gotteshaus der Maria 
gebaut worden sein, wenn ein solches bereits bestanden hätte. — 
Über die Lage der Persischen Schule nach der Lokaltradition 
vgl. Sachau, Reise in Syr. u. Mesop. p. 197. 

LXXIV. Im Monat Jyär des Jahres 809 wurde die Gewerbe- 
steuer (xQvoaQyvQov) den Werkleuten auf der ganzen Erde erlassen. 

= Mai 498. VgL Jos. Styl. § XXXI. — Mit dieser Nummer 
beginnen die Auszüge aus Josua StyL, die, mit Ausnahme von 
No. LXXV und No. LXXVII, bis No. LXXXI vorliegen. Vgl. 
die Quellenuntersuchg. §§ 8—11. 

LXXV. Im Monat Hazirän desselben Jahres entschlief 
Kyros, Bischof von Orhäi; es folgte ihm Petros nach, welcher 
am 12. Elül desselben Jahres in Orhäi einzog. 

= Juni bis 12. September 498. Vgl. Josua StyL § XXXII, 
dazu die Quellenuntersuchung §§ 8 — 11. Cyrus war der zweite 
Bischof von Edessa dieses Namens. Er veranlasste die Bürger 
von Edessa, eine silberne Tragbahre (Zexrtxiov, lectica) für die 
Abendmahlsgerätschaften zu machen, Jos. Styl. § XXVIII im Jahre 
Gr. 808 = AD. 496 7; vgl. ferner B. 0. I, pg. 268 Nota 3 = 353 
Nota 1. — Peter fügt zu den regelmässigen Jahresfesten den 
Palmsonntag und bestimmt, dass das Weihwasser in der Nacht 
vor Epiphanien geweiht werde, Jos. Styl. § XXXII. Auch die 
übrigen Feste hat er geordnet und festgesetzt. Über seine Reisen 
die er, um den Erlass der Steuer (ovvr(Xsia) im Jahre 811 
(500 Chr.) und 815 (503/4) von Kaiser Anastasius zu erbitten, 
nach Konstantinopel unternahm, vgl. Jos. Styl. §§ XXXIX und 
LXXV11I. 

LXXVI. Im Jahre 810 erschienen viele Heuschrecken, ver- 
ursachten aber in diesem Jahre [noch] keinen Schaden, legten 
aber Eier 1 ). Ein heftiges Erdbeben fand statt. Die heisse 

1) So nach Wright. Assem. Übersetzung: „quum plantae iterum 
genninassent" ist unzulässig, da „w^^J" nur transitiv gebraucht wird, 
vgl. Payne Smith, Thes. Syr. 2435. 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LXXVII. H9 

Quelle aber von 'Abarne versiegte [drei] Tage lang. Die Stadt 
Nikopolis (= Emmaus) wurde zerstört und begrub in ihrer Mitte 
alle Bewohner, abgesehen von dem Heiligtum 1 ), dem Bischof 
und seinen zwei Syncellen. — Ein Zeichen, das einem Speere 
glich, wurde im Monat Känün 'beräi am Himmel viele Tage hin- 
durch sichtbar. 

= 499., vgl. Jos. StyL §§ XXXIII, XXXIV ? XXXVH. — Die 
Handschrift liest U+^» ^VuVw«, wofür Assem.: „Balneum Ibero- 
rum tt und Abbe Martin (editio des Josua Stylites in der Abhandig. 
d. D. M. G. fBr die Kunde des Morgenl. VI, I. Heft) ^1 ? V 
lesen. Vgl. Jos. Styl. ed. Wright, 24 d. Übers., Nota. Abarne 
liegt nahe bei Chermük oder Chermik nördlich von Süverek, 
zwischen Euphrat und Tigris, vgl. Ammian. Marc. XVIII, 9, 2: 
„vicus Abarne nomine sospitalium aquarum lavacris calentibus 
notus." Land II der Anecd. 124, 16; 210, 7. Nach Josua Styl, 
floss die Quelle nur am Tage des Erdbebens nicht (pg. 28, 8). 
Nach Guidi ist das „drei" später hinzugefügt (?) (aggiunto dopo). 
— Auch die Angabe von der Erhaltung des Heiligtums wider- 
spricht dem Berichte des Styliten (29, 4 ff.), nach dem nur der 
Bischof und zwei Andere, die neben der Apsis (xoyxTj) der Kirche 
schliefen, gerettet wurden. 

Die Erscheinung des Kometen fallt schon in das Jahr 811 
(500). Im Übrigen vgl. die Quellenuntersuchung §§ 8 — 11. 

LXXVII. Kaiser Anastasios aber entfernte den Euphemios, 
den Bischof von Konstantinopolis , von seinem Sitz, und Make- 
donios folgte ihm nach. 

Der Verfasser bezieht diese Angabe auf das Datum der 
vorangehenden, Nummer; das ist falsch. Euphemius wurde 496 
abgesetzt, vgl. Victor Tonn.: „Paulo V. C. cos. — Anastasius im- 
perator haereticorum synodum faciens Henoticon Zenonis con- 
firmat, et Euphemium episcopum CR Chalcedonensis synodi 
defensorem deponit, vgl. Euagr., H. eccl. HI, 30; Malal. 400, 1 ff.; 
Theodor. Lect. II, §§ 8—12. 



1) Was eigentlich mit INn.qi hier gemeint ist, ist unklar. Nach 
Josua Styl, das Allerh eiligste (xoy/rj), sonst gebräuchlich als „Chor der 
Kirche"; so wohl auch hier, vgl. Dion. v. Tellm. 



Digitized by 



Google 



120 Edessenische Chronik. No.No. LXXVIII-LXXXI. 

LXXVIII. Im Jahre 811 kamen viele Heuschrecken, ver- 
ursachten [grossen] Schaden und frassen alles Getreide ab. 

= 500, vgl. Jos. Styl. § XXXVIII. Zacharias von Mitylene, 
Land, Anecd. DI, 203,9 ff. „die Heuschrecke kam über das arabische 
Mesopotamien, und eine Hungersnot fand statt in der ll.Indiction, 
worüber der Lehrer Jacob von Batnan einen Bericht (Jäj-*) 
geschrieben hat, im 11. Jahre der Regierung des Kaisers Anasta- 
sius = 501. 

LXXIX. Am 22. Ab 1 des Jahres 813 war ein grosses Nord- 
licht (wörtlich: ein grosses Licht an der nördl. Seite), das die 
ganze Nacht hindurch leuchtete, sichtbar. 

= 22. August 502, vgl Josua Stylites § XL VII, pg. 43, 21 
bis 44, 2, aus dem es wörtlich entnommen ist. 

LXXX. Am 5. Tesrin kedem des Jahres S14 lagerte Kawädh 
vor der Stadt Amid in Mesopotamien, bestürmte sie und nahm 
sie nach 97 Tagen. 

= 5. Oktober 503, vgl. Josua Styl. § L. In § LIII (pg. 50, 15) 
teilt er mit, dass am 10. Känün ^eräi die Perser infolge schlechter 
Bewachung seitens der Amidener die Mauern erstiegen und die 
Stadt eroberten. Die Summe der Tage fehlt bei Josua, stimmt 
aber zu seinen Angaben und ist erst durch Berechnung nach 
seinen Angaben gewonnen. Land, Anecd. I, 18, 25: Im Jahre 814, 
am 24. Känün kedem, wurde Amid erobert. Joh. v. Eph. Land, 
Anecd. U, 282, 12 giebt das Jahr 813 an. Sehr ausführlich 
berichtet [Zacharias von Mitylene?] Land, Anecd. III, Lib. VII, cap. 
3 u. 4 [nach Eustathius?] wie Euagr. III, 37. 

LXXXI. Im Monat Elül desselben Jahres kam und lag er 
(Kawädh) vor Orhäi. Durch Gottes Gnade richtete er keinen 
Schaden an, ausser dass er die Märtyrerkapelle des Sergios und 
die nördliche Basilika der Bekennerkapelle in Brand stecken Hess. 

= September 503, vgl. Jos. Styl. § LXff. LXII. Danach kam 
Kawädh am 17. Sept. vor Edessa an und bezog ein Lager. Nach- 
dem die Edessener sich bereit erklärt hatten, 2000 Pfund Gold 
innerhalb 12 Tagen zu entrichten, brach er auf, kehrte aber, da 
die Edessener auf seine Forderung hin, die Zahlung der Summe 
in kürzerer Frist zu leisten, den Vertrag brachen, am 24. d. M. 
zurück und zog, nachdem er die von den Edessenern bei seinem 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. LXXXII-LXXX1II. 121 

Anrücken nicht abgebrochenen Kapellen des Sergius und der 
Bekenner, sowie die Kirche zu Negbath in Brand hatte stecken 
lassen, wieder ab. 

Die Marterkirche des Sergius muss im Osten der Stadt süd- 
lich oder südöstlich von der Kapelle der heiligen Cosmas und 
Damianus gelegen haben. In unserer Chronik, wie in der des 
Styliten pg. 58, 15; 60, 4; 63, 3 steht nur „Haus des Mar* Sergius", 
doch hat sie mit der Kapelle des Mar 1 Simeon ein Ganzes ge- 
bildet, vgl. Josua Styl. 26, 15 „Märtyrerkapelle des Mari Sergius 
und des Mar 1 Simeon". Vgl. No. LXVIII u. Chr. 

Über die Bekennerkapelle vgl. No. XVIII u. Chr.; der Aus- 
druck „die nördliche Basilika", der bei Josua fehlt, entstammt 
wohl der Lokalkenntnis des edessenischen Verfassers, der auch 
von Hörensagen dieses oder jenes aus älterer Zeit wissen konnte. 

LXXXH. Am Ostersonntage des Jahres 821 entschlief Petros, 
Bischof von Orhäi, und Paulos folgte ihm nach. 

= 10. April 510. Über Paulus vgl. die dogmatische Stellung 
der Chronik § 29. 

LXXXIII. Im 21. Jahre der Regierung des Anastasios be- 
fahl er, den Sarkophag (yZcooaoxofiop) der Märtyrerin Euphemia 
(Evg>rjfiia) zu öffnen und daraus das Buch, das die Synode, welche 
sich zu Chalcedon versammelt hatte, darein gelegt hatte, zu 
nehmen und zu verbrennen. Es drang aber Feuer daraus hervor 
und schlug denen ins Gesicht, die es herausholen wollten. Des- 
halb stand Anastasios davon ab, es herauszunehmen und zu ver- 
brennen. 

Das 21. Jahr des Anastasius läuft vom 11. April 511 bis 
11. April 512. — „Die Märtyrerkapelle der Euphemia" wird auch 
erwähnt Land III, 234, 17 ff.: „Und als Anastasios verstorben war, 
wurde ihm (Vitalianus) von dem älteren Justinos geschrieben, 
indem er ihn ermahnte und besänftigte, keinen Schaden anzu- 
richten und zu rebellieren in seinen Tagen, wie er gewohnt war. 
Und da ihm auch verschiedene Völkerschaften anhingen, so kam 
der Gothe vertrauensvoll. Der Kaiser aber zog heraus in die 
Märtyrerkapelle der Euphemia in Chalcedon und sie schwuren 
einander und zogen in die Stadt ein". Über die Wunderheilungen 
mit dem Blute der Euphemia, das aus dem Sarkophag hervor- 



Digitized by 



Google 



122 Edessenische Chronik. No. LXXXIV. 

dringt, vgl. Euagr., Hist. II, 3. — In der Kapelle der Euphemia 
wurden bekanntlich die Sitzungen des Chalcedonischen Konzils 
abgehalten. 

LXXXIV. Er vertrieb aber den Makedonios, den Bischof 
von Konstantinopolis, deswegen weil er die Synode (von Chalce- 
don) nicht verdammte, und es folgte ihm Timotheos. 

Die Vertreibung des Macedonius fand ebenfalls im Jahre 511 
statt, vgl. Theoph. 238, lOflf. Das genaue Datum giebt der Brief 
des Cönobiten Simeon an seinen Archimandriten, der uns bei 
Zacharias von Mitylene, Liber VII, cap. 8 (Land, Anecd. III, 
pg. 21Sff.), erhalten ist = Sonntag, den 7. August (Wochentag 
und Datum sind richtig, wie eine Berechnung ergiebt). 

Wir lassen die betreffende Stelle hier folgen (Land, Anecd. 
111, 222, 9): r Am Sonntag, den 7. des Monats (Ab 1 ), machten sich 
die Gläubigen auf und gingen in die Kirche, die vollständig ge- 
füllt war. Als nun der Apostel verlesen war, begann das ge- 
samte Volk zu schreien: ,Der Verkürzer der Freiheit soll nicht 
in die Kirche eintreten, der Verwünschungen gegen den Gottes- 
sohn ausgestossen hat, soll hier nicht eintreten. Einen Juden 
als Bischof wünscht Niemand. Wohin Nestorius gegangen, 
dorthin sollen auch seine Schüler gehen. Viele Jahre dem 
zweiten Kaiser Constantin, dem Begründer des Glaubens. Das 
Evangelium auf den Thron.' In diesem Augenblick nahmen 
Kleriker das Evangelium und legten es auf den Thron. Und 
da der Klerus sah, dass die ganze Kirche[ngemeinde] schrie, 
riefen auch sie und zeigten ihre Gesinnung, indem sie ihre geist- 
lichen Gewänder (<DQ<xQia) schwenkten und riefen: »Siegreicher 
Kaiser, hilf unserer Kirche zum Siege!' Als sie aufgehört hatten, 
hielt der erhabene Präfekt {tjiaQXog) an sie eine Ansprache 
(jtQOOq)cov?]aig) folgendermassen: ,Euren guten Willen und euren 
Eifer für die Wahrheit haben wir erfahren, und ihr wisst, dass 
der Herr der Welt (Anastasius) vielen Eifer für die Feststellung 
der Orthodoxie und für den Frieden aller Kirchen hat. Eure 
Rufe für den wahren Glauben werden wir zu seiner Kenntnis 
bringen. 4 Als der Diener die Liturgie vorgetragen hatte, ohne 
seinen Namen zu nennen und in den Diptychen zu verlesen, 
wurde die Eucharistie vollzogen. Und als unser Herr [die Kirche] 
verlassen wollte, befahl der Kaiser, dass er verbannt würde, und 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LXXXIV. 123 

er entsandte den Magister 1 ), dass er ihn abführe. Dieser fand 
ihn in der Kirche, wohin er geflohen war, sitzen, das Haupt auf 
die Kniee gesenkt, und sprach zu ihm: ,Der Herr der Welt hat 
dich verbannt/ Jener sprach: »Wohin? 4 Mag.: /Wohin dein 
Freund gegangen ist/ Da sprachen zu ihm die Verwalter [der 
Kirche]: ,Wir bitten deine Excellenz, habe Mitleid mit seinem 
Alter und führe ihn nicht bei Tage ab, damit die Stadtbevölke- 
rung] ihn nicht schlage oder mit Steinen werfe, sondern zur 
Abendzeit/ Da sie schwuren, ihn zu bewachen, Hessen sie ab 
[von ihm], und er blieb auch Nachts bei ihnen 2 ), und sie sprachen 
zu ihm: ,Der Kaiser hat befohlen, dass du das Buch der Synode, 
das in deinen Händen ist, herausgebest. 1 Er sagte: ,Ich gebe es 
nicht heraus/ Da man mit Zwangsmassregeln gegen ihn vor- 
ging, legte er es auf den Altar. Die Kleriker nahmen es und 
gaben es dem Magister, der es dem Kaiser brachte. Um die 
Abendzeit des 7. des Monats kam der Magister mit Soldaten, 
fahrte ihn heraus und überantwortete ihn denen, die ihn fort- 
fuhren sollten." 

Von einer Verbrennung des Buches der Synode ist hier 
nicht die Rede, dagegen von der eines anderen Buches, vgl. Land, 
Anecd. III, 217, 7: Ein Buch aber hatte Makedon verfasst, das er 
mit Gold schmückte und das [Buch] der heiligen Väter und 
Lehrer der Kirche nannte, und da er es dem Kaiser zeigte, nahm 
er es nicht an, sondern er sprach zu ihm: r Es ist nicht not- 
wendig für dich, sondern geh' hin und verbrenne es." Dieses 
Buch enthielt nach den Angaben des Simeon (Land, Anecd. 111, 
221, 25) die Lehren über die zwei Naturen nach der Fleisch- 
werdung. 

Timotheus starb nach Land, Anecd. III, 231, 7 in der elften 
lndiction (Sept. 517 'S), nachdem er 6 — 7 Jahre Bischof gewesen 
war. Er bestieg den Bischofsstuhl nach dem 7. Aug. 511. Da 
nach Theophanes sein Nachfolger Johannes am 3. Osterfeiertage 
518 (= 17. April) das bischöfliche Gewand anlegte, so durfte der 
Monatstag (5. April), den Victor Tonn, angiebt, aber auf das 
Jahr 517 bezieht, der Todestag des Timotheus sein. 



1) Das „<3vaa*»?o" in tn.nal? mh^ uüj^jh^^l^ ouaa**?© (pg. 222, 
Z. 25) ist unübersetzbar. Sollte es überhaupt so in der Handschrift stehen? 

2) Pg. 223, Z. 3 lies: |cci Z\~ ^ooiZal* ooi ^lo. 



Digitized by 



Google 



124 Edessenische Chronik. No.No. LXXXV-LXXXVII. 

LXXXV. Ini 24. Jahre des Anastasios rebellierte gegen ihn 
Bitalianos (BiraXiavog). 

Das 24. Jahr des Anastasius läuft vom 11. April 514 bis 
11. April 515, vgl. aber die Quellenuntersuchung § 14. Za- 
charias, Land, Anecd. III, 230, 13 ff. setzt den Beginn des Auf- 
standes des Vitalian nach dem Tode der Ariadne (f 824 Graec. 
= 512 3 Dom. — aber nach Theophan. im 25. Jahre des Anasta- 
sius = 515). Die Bewegung nahm bereits 513 ihren Anfang, 
vgl. Theophanes = 23. Jahr des Anastasius, dazu Loofs, Leontius 
von Byzanz, pg. 244 ff. 

Über die Ermordung des Vitalian — vgl. Loofs, Leontius 
von Byz. pg. 259, Nota — berichtet Zacharias von Mitylene Lib. 
VIII, cp. II (Land, Anecd. 111,235,2—6): Und nach wenigen Tagen 
wurde Vitalian, als er gerade in der Hauptstadt ein Bad nahm, 
zur kaiserlichen Tafel befohlen, zusammen mit seinem Freunde, 
dem Strategos Justinian, und er kam von den Badewärtern her 
samt seinem Notar Paulus und seinem Domesticus Celer, und 
da bereit war, was ihn treffen sollte, w T urde er, als er von dem 
einen Hause in das andere trat, mit seinem Notar und seinem 
Domesticus getötet. 

LXXXVI. Am 9. Tammüz des Jahres 829 schied Kaiser 
Anastasios aus der Welt und es folgte ihm Justinos nach. 

= 9. Juli 518. Den Todestag des Anastasius giebt uns von 
den byzantinischen Schriftstellern genau Theophanes 253, 16: 
am 9. April, in der XL Indiction nach einer Regierung von 
27 Jahren 7 Monaten; allein nur die Indiction- Angabe stimmt. 
Die Regierungsdauer von 27 Jahren, 2 Monaten und 29 Tagen, 
wie sie Marcellinus angiebt, ergiebt den 9. Juli als Todestag des 
Anastasius. Den gleichen Tag geben Michel le Grand, Chronique 
pg. 175, und Zacharias, Land, Anecd. III, pg. 231, 21. Die Vita 
Sabae cp. 60 (ed. Cotelerius, eccles. graecae monumenta III, Paris 
1686, pg. 325 ff.) giebt noch genauer die 6. Stunde der Nacht 
vom 9. auf den 10. Juli als Zeitpunkt des Ablebens des Anasta- 
sius. Am 10. Tammüz 829 = 10. Juli 518 XL Ind. ist Justin 
zum Kaiser proklamiert, vgl. Zacharias v. M. bei Land IH, 
232, 26ff. — Euagr. IV, 1 ; Malal. 410,1 ff; Chron. Pasch. 611, 11. 

LXXXVII. Im zweiten Jahre der Regierung des Justinos, 
welches das Jahr 830 ist, vertrieb er aus Antiochia den Severos 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. LXXXVII. 125 

(UsviJQog) und den Xenayas (Zevätag — <PiXo£,svoq) aus Mabbog 
und Jedermann, der die vier Synoden nicht annahm. 

Das zweite Jahr des Justinus beginnt mit dem 10. Juli 519. 
— Das Jahr 830 Gr. mit dem 1. Oktober 518 nach Edessenischer 
Rechnung. — Nach Euagr. IV, 4 floh Severus aus Antiochien 
„im ersten Jahre des Justin, im Monat Gorpiaeus, den die Kömer 
September nennen, im Jahre 567 der Antiochener ! ) = September 
518 Chr." Auch Malal. 411, 17 setzt die Vertreibung des Severus 
in das erste Jahr des Justin und Johannes , Kirchengeschichte 
(ed. Cureton) Lib. 1, cp. 41 schreibt: „In Antiochien . . . ., in den 
Tagen des Anastasius, war Flavian, der der Zweinaturenhäresie 
beschuldigt und von seinem Sitz vertrieben wurde, und nach ihm 
Severus, ein Orthodoxer, [Patriarch], der, als er sechs Jahre seinen 
Sitz innegehabt hatte, im Anfange der Regierung Justinus des 
Alteren, des Ersten, seinen Sitz verliess .... und da Antiochien 
ein Jahr lang ohne Bischof war, zog Paulus Judaeus hinab u.s.w." 
Nun wurde Severus nach Euagr. III, 32, 33: XQ?][iaxi£ovö7]g xT\g 
jtoXecoq exog jcqcoxop xal tgaxoöxov xal jtevxaxooioöxdv , ava 
xov Jlov fiijva, xt]g %xxrjg ljnvB(itjOe(og xov xfjvixaös xvxXov 
(der Antiochener) und Malal. 400, 8 ff. ... . /mjpi vosfißQiq) c; , 
txovg XQ7]fiaxi£ovxoq xaxä xovg 'Avxiox&g ?>§«'" am 6. Novemb. 
512 Patriarch 2 ). Endlich giebt auch der Liber Chalipharum 
(Land, Anecd. I, 14, 11 ff.) seine Entfernung als am 29. Elul, In- 
dict. VII. 829, geschehen an = 29. September 518. 

Mit diesem sicheren Datum sind die Zeitbestimmungen 
unserer Nummer unter Zugrundelegung der im Anfange ge- 
nannten Thatsachen unvereinbar. Verbindet man beide An- 
gaben, so weisen sie auf den Hochsommer (Juli bis Anfang 
Oktober) 519 hin und finden auch an den Angaben des Liber 



1) Clinton, Fasti Rom. pg. 737 [4] will, gestützt auf eine Angabe 
Julians, derLoÜs sei der 10. Monat in Antiochien, 567 in 566 emendieren; 
allein seine Bedenken sind überflüssig; denn hier jedenfalls ist der Beginn 
des Antiocheni sehen Jahres auf den 1. Gorpiaeus gesetzt (vgl. Euagr. III, 
32, 33) nach Massgabe der Indictionen-Rechnung, vgl. No. LXIX. 

2) Der Liber Chalipharum, Land, Anecd. I, 14, 8: Tefiri 'herai, In- 
dictione V, anno 823. Erstere Angabe stimmt; die andern beiden weisen 
auf das Jahr 511, allein hier widerspricht sich der Chronist selbst, wenn 
er den Endpunkt des sechsjährigen Episkopats auf den 29. Elül 829 setzt. 
Dann hätte Severus 7 Jahre den Patriarchensitz innegehabt. 



Digitized by 



Google 



126 Edessenische Chronik. No. LXXXVIII. 

Chaliph. Land, Anecd. I, 19, 2, der die Vertreibung der Bischöfe 
durch Justin in das Jahr 830 = 519 verlegt, und des Michel le 
Grand, der sie nach Johannes von Ephesus unter Paulus Judaeus 
stattfinden lässt, eine Stütze. Allein, so sicher es feststeht, dass 
im Jahre 519 heftige Verfolgungen der monophysitischen Bischöfe 
stattgefunden haben, so sicher steht auch, dass diese Verfolgungen 
bereits im Hochsommer resp. Herbst 518 ihren Anfang nahmen. 
Der Sieg der Orthodoxie von Chalcedon war bereits mit der 
Zurückberufung des Vitalian und seiner am 7. Tage nach seiner 
Ankunft erfolgten Ernennung zum Magister Militum entschieden; 
der Patriarch Johannes Kappadox hatte am 15. und 16. Juli den 
Severus exkommuniziert, desgleichen eine endemische Synode zu 
Konstantinopel am 20. Juli 518 (und Synoden zu Jerusalem am 
0. August und zu Tyrus am 16. September), und das Schreiben 
des Kaisers an den Papst vom 1. September 518 zeigt, dass er 
schon Massnahmen zur Herstellung der Kircheneinheit unter- 
nommen hatte, vgl. Euagr. IV, 9,4; Vita Sabae p. 324 sq. „das 
kaiserliche Gesetz". 

Eine Vereinigung der sich widersprechenden Zeitangaben, 
will man nicht die eine oder die andere oder gar beide für falsch 
halten, ist u. E. auf folgende Weise nur zu bewerkstelligen, 
wenn wir das zweite Jahr des Justin bereits mit dem Herbst, 
und ebenso wie das Jahr 830 mit dem 1. September 518, so 
auch dieses nach der Indictionenrechnung mit diesem Tage be- 
ginnen lassen; vgl. die Quellenuntersuchung § 14; Mommsen, 
das römisch-germanische Herrscherjahr, Neues Archiv für ältere 
Deutsche Gesch., Bd. XVI, 51 ff. 

LXXXVIII. Am 4. Tesrin 'fceräi des Jahres 831 J ) kam 
Pätrik (IlaTQixiog) 2 ) nach Orhäi, dass er den Paulos entferne. 
Er zwang ihn, eins von beiden zu thun: entweder die Synode 
[von Chalcedon] anzunehmen und auf dem Bischofsstuhl zu 
bleiben, oder, wenn er nicht [dazu] bestimmt werden könnte, 
seinen Bischofssitz zu verlassen. Er aber Hess sich nicht über- 



1) = 4. November 519. 

2) Der hier genannte Pätrf^ ist entweder der bei Josua Stylites 
pg. 52, 11. 14 u. a. St. und bei Procop. de bello Persico I, 8 vorkommende 
üarQlxioq b &qv§ oder der bei Malal. 425, 12 vorkommende zum xofirjg 
((vttToktjQ beförderte JlaxQixioq 'Apfitvioc. 



Digitized by 



Google 



Edeseenische Chronik. No. LXXXVIII. 127 

reden, eins von diesen auszuführen, sondern floh in das Baptiste- 
rium und hielt sich dort auf. Als aber Pätrik sah, dass er ihn 
nicht überreden könnte, eins von diesen zu thun, führte er ihn, 
•aus Furcht vor dem Befehle des Kaisers, gewaltsam aus dem 
Baptisterium fort und brachte ihn nach Seleucia. Als nun der 
Kaiser hörte, dass er ihn aus dem Baptisterium herausgerissen 
habe, liess er ihn wieder auf seinem Bischofsstuhl einsetzen, in 
der Hoffnung, dass er nunmehr Reue empfinden und die Synode 
annehmen werde. Paulos bestieg also seinen Sitz [wieder] nach 
vierzig Tagen und war lange Zeit [Bischof], ohne aber die Synode 
anzuerkennen. Da der Kaiser sah, dass er nicht überredet werden 
könnte, schickte er ihn nach Euchaita 1 ). Paulos verliess Orhäi 
am 27. Tammüz des Jahres 833 2 ). Asklepios folgte ihm nach 
und zog in Orhäi ein am 23. Tesrin kedem des Jahres 834 3 ) T 
drei Monate, nachdem Bischof Paulos Orhäi verlassen hatte. 

Die hier mitgeteilten Ereignisse finden zum Teil volle Be- 
stätigung in dem Briefe des Jacobus von Sarug an eben diesen 
Paul von Edessa, der von dem Abbe Martin im XXX. Bande 
(1876) der Z. D. M. G. mitgeteilt ist, vgl. pg. 26S, 15ff.: „ Warum 
denn hielt Gott zurück, da die Schwerter zur Vernichtung ge- 
zückt waren im Baptisterium, der Quelle des Lebens, wo der 
Tod besiegt wird und das Leben die Herrschaft über das 
Menschengeschlecht errungen hat? Und während die Gemüter 
aller Menschen darüber betrübt waren, wie weit diese Frechheit 
ging, ohne zurückgehalten zu werden, und wie lange auch Gott 
es nicht beachtete und nicht half, da — sage ich — wagten 
sich auch viele Seelen über Gott zu beklagen. Aber Gott beeilte 
sich nicht, den Weg zu verderben oder den [eitlen] Ruhm zu 
schänden zu machen — er, der am Ende der Sache dir zu helfen 
bereit war; sondern er liess dich herauszerren und herausreissen 
aus dem Zufluchtsort der Stadt und Schwerter hinter dir blitzen, 
wie hinter Mördern, und dich herausführen aus deiner Stadt, 
wie einen Hirten, den die Wolfe von seiner Herde weg rauben. 
[Er liess zu], dass du auf deinem Wege verspottet wurdest und 

1) Ev^acza in Pontus. 

2) Der erste Episkopat des Paulus währte von er. Mitte 510 bis 
er. 4. November 519; der zweite von er. Ende Deceniber 519 bis 27. Juli 
522, also 2 Jabre 7 Monate. Ober den dritten vgl. No.No. XC1I u. XCIII. 

3) = 23. Oktober 522. 



Digitized by 



Google 



128 Edessenische Chromik. No.No. LXXXIX— XC. 

Schande erlittest, und, wie ich in Wahrheit erfahren habe, nichts 
[an Trübsal] dir fehlte, ja dass sie dir dein Priestergewand vom 
Leibe zogen wie Joseph. 

Und als du alle diese Widerwärtigkeiten erfahren hattest,* 
und alle diese Leiden über dich gekommen waren, da erschien 
das Heil Gottes; [wie] *) eine Rauchwolke von mächtigen Wind- 
stössen wurden alle dir widerfahrenen Leiden zerstreut; denn der 
gläubige und des Sieges würdige Kaiser erfuhr, was dir angethan, 
und es bewegte ihn, und er geriet in Furcht und Aufregung, 
dass die Ereignisse schlechte Folgen für ihn nach sich ziehen 
möchten; und da das Herz des Kaisers in des Herrn Hand ist, 
so machte Gott ihn auch würdig, dass ihm die Wahrheit offen- 
kundig 2 ), und sein Glaube der ganzen Welt bekannt wurde. 
Sofort 3 ) führte er dich durch seinen scharfen Befehl auf deinen 
Thron zurück: Deine Feinde tadelte und verachtete er und teilte 
Jedermann mit, dass er keine Gemeinschaft hätte mit denen, die 
in tyrannischem Auftreten gegen andere das Baptisterium ge- 
schändet und dich verfolgt hätten." 

LXXXIX (XC). Am 24. Känün kedeni, nach dem Einzüge 
des Bischofs 'Asklepios in Orhäi, vertrieb er die östlichen Mönche 
samt allen in ihrer Nähe wohnenden Mönchen, die ihrer Partei 
angehörten, weil sie nicht die Synode von Chalkedon anerkannten. 

= 24. Dezember 522. Die östlichen Mönche sind die „Mönche 
des Klosters der Östlichen", vgl. Land, Anecd. H, 292, 10 und 
291, 23. Über die „benachbarten Mönche" der Cönobiten des 
Klosters der Östlichen vgl. Land, Anecd. II, 293, 10 ff. Johannes 
von Ephesus, der diese Vertreibung der Mönche ausführlich 
schildert, vgl. Land, Anecd. H,' 291 ult. ff., lässt die Mönche zwei 
Tage vor dem Weihnachtsfeste Edessa verlassen. 

XC (XCI). Im Jahre 836 drang zum vierten Male viel 
Wasser in Orhäi ein, durchbrach seine Mauern, riss seine Wohn- 
häuser von Grund aus weg, ertränkte seine Bewohner und richtete 
darin grosse Verwüstung an. 

1) Hier fehlt etwas, mindestens ein ^\o „wie". 

2) Lies etwa ]\~U 1*i~^ oi^? <*-^ <-a) 1<"-^1 oi-a-^1. 

3) Statt des unmöglichen 1-a-r* Ui-ocäc \ r n^c lese ich lr-*^o 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. XC. 129 

= 525, so auch Dionys. von TellmahrS B. 0. 1, 412, Nota 1 
und Theophanes (263, 19 ff.), nach dem es im 7. Jahre des 
Justinus (9. Juli 524 bis 9. Juli 525) stattgefunden hat, und da, 
wie wir bereits in No. I sahen, diese Überschwemmungen ge- 
wöhnlich im Frühjahr eintraten. Das genaue Datum giebt [Zacha- 
rias von Mityl.? bei] Land III, 244, 1 ff.: „Im Jahre 836 der 
Griechen, in der dritten Indiction, am 22. Nisan (= 22. April 
525) ! ) stieg (|iic) der Daizanfluss, der in die Stadt eintritt und 
sie durchfliesst, und lief über, zerstörte die beiden Seiten der 
Mauer und ertränkte viele; denn es war gerade Essen [szeit] 2 ) 
und während die Speise in ihrem Munde war, kam das Wasser, 
die Überflutung des Daizan, über sie. Dieser Asklepios aber und 
Liberius retteten sich. — Der Liber Chaliph. Land An. I. 19, 3 
setzt die Überschwemmung in das Jahr 835 (524). — Vgl ausser 
Theophan. auch Malal. (seine Quelle) 418, 8 ff. Procop.de aedif. 
II, 7. Euagr. IV, 8. Michel le Gr. Chr. pg. 180. 

Die Angabe des Michel le Grand, Chron. p. 180, 23: „En 
deblayant (ses ruines) on decouvrit une inscription en caracteres 
chaldaiques, disant qu' Edesse subirait trois inondations* 
ist eine Verschmelzung des Malalas-Berichtes 418, 12: iXeyov 
61 ol xeQcöco&ivxeg xal olxovvxeg xtjv avxfjv nbXtv oxc xal kv 
aXXcp xaiQcp xaxkxXvös xrjv avxrjv JtoXtv 6 avxog Jtoxafioq, 
äXZ' ovx ovrcoq änaXeöev kjtel (ie(ia&rjxa(iev ort xal kv aXXoig 
XQovoig kykvexo xb avxo Ox^ifia, psxa de xo nav&ijvai xrjv op- 
yt]v xä üiXtjoIov xaZv ftsfieXicov xov avxov jtoxapov olxrifiaxa 
(fcXoxaXlag xvyx&vovxa svq4&7] üiXag Xi&lvr] fisydX?], kv xi £#*- 
yifQajtxo kv yXvtpxi xavxa* SxiQxog Jtoxafiog oxiqxtjöbi xaxä 
cxiQxrj(iaxa jtoXixaig" mit dem wahren Thatbestand, dass drei 
bekannte Überschwemmungen bereits stattgefunden hatten. — 
Den Malalas 3 ) kannte Michel durch Johannes von Ephesus, der 



1) Vgl. d. folgende No. XCI ü. Chr. 

2) Vgl. Mal. 418, 10 kv honfya. 

3) Michael (p. 19) erwähnt in seiner Einleitung bei Angabe seiner 
Quellen neben .,Th6odore de Constantinople, le lecteur, Zacharie eveque 
de Melitene, qui ont racontä l'histoire des evenements compris entre les 
regnes de Theodose et de Justinien l'Ancien" — Jean d'Antioche et de Gebel 
[Taßaka). Der eine ist sicherlich Malalas, der andere Johannes wahrschein- 
lich *lwdwriq o diaxQivotitfxog, den er aus Theodorus Lector kannte. Die 
Angabe „qui ont raconte* l'hist. etc." ist hinfällig; so hat Michael doch 

Texte u. Untersuchungen IX, l. 9 



Digitized by 



Google 



130 Edessenische Chronik. No.No. XCI— XCII. 

ihn, wie an anderer Stelle nachgewiesen werden wird, stark be- 
nutzt hat, die Angaben von den drei Überschwemmungen wohl 
aus Dionys. von Tellmahre. 

Edessa wurde nach Mal. und seinem Ausschreiber Theophanes, 
Michael, Euagr. von Justin, nach Procopius von dem Augustus 
Justinian wiederhergestellt (sicherlich im Auftrage seines Oheims). 

Ob Edessa wirklich nach Euagrius und seiner Quelle, 
Johannes Malalas, vom Kaiser in Justinopolis (lovoxivovxoliq) 
umgetauft wurde, ist nicht sicher. Bei Theophanes fehlt eine 
solche Angabe. Vermutlich ist der Name von Anazarbos, 
welches, ebenfalls durch Erdbeben zerstört, Justinopolis (vgLTheo- 
phan.) genannt wurde, auch auf Edessa übertragen worden. — 
Von Bedeutung ist jedenfalls der neue Name nicht gewesen. 

XCI (XCII). Und aus diesem Anlass floh Bischof Askle- 
pios aus Orhäi und reiste hinauf nach Antiochia zum Patriarchen 
Euphrasios. Dort blieb er gegen 70 Tage und starb daselbst am 
27. Hazirän selbigen Jahres und wurde dort auch begraben. 
Am 4. filül desselben Jahres verbrachte man seine Leiche von 
Antiochia [nach Orhäi] und begrub sie in der Kapelle des 
Mar 1 Barlähä neben dem Bischof Mar 1 Nonnos. 

= 27. Juni — 4. September 525. vgl. Zacharias von Mityl. 
bei Land An. III, 244, 5: „Asklepios aber und Liberius retteten 
sich". Johannes von Ephesus bei Dionys. von Tellmahre stellt 
(gewiss mit Recht) seine Reise nach Antiochien als Flucht vor 
den erzürnten Bewohnern und Mönchen Edessas dar, die ihm, 
dem Anhänger der Chalcedonischen Orthodoxie, dieses Unglück 
in die Schuhe schoben. Vgl. BO. I 412 Nota 2. Michel le Grand. 
Über das Beth Mar 1 Barlähä vgl. No. XLVTII. 

XCII (XCIII). Als Paulos hörte, dass Asklepios gestorben 
sei, empfand er Reue, reichte eine Bittschrift bei dem Patricius 
Mar 1 Justinianos ein und verfaeste auch einen Libell an den 
Patriarchen Euphrasios. Wegen des Libells, welchen er verfasste, 
und wegen des Briefes des gepriesenen und gottliebenden Pa- 
tricius Mar 1 Justinianos wurde er wieder eingesetzt, kehrte auf 



sicherlich die syrische Schrift, in der ein Teil des Zacharias von Mitylene 
aufgenommen ist, die bis zum Tode Justianians führte, nicht die bis zum 
Regierungsantritt des Justin I reichende griech. benutzt. 



Digitized by 



Google 



Edessenißche Chronik. No.No. XCIII— XCVI. 131 

seinen Bischofssitz zurück und zog in Orhäi am 8. Adär des 
Jahres 837 ein, acht Monate nach dem Tode des Mar 1 Asklepios. 

= 8. März 526. 

XCIII (XCIV). Bischof Paulos lebte aber, nachdem er zum 
dritten Male auf seinen Bischofsstuhl zurückgekehrt war, acht 
Monde weniger acht Tage. Am 30. Tesrtn kedem des Jahres 
838 entschlief Bischof Paulos. 

= 30. October 526. 

XCIV (XCV). Andreas folgte ihm nach und zog in Orhäi 
am 7. Sebät desselben Jahres 838 ein. 

= 7. Februar 527. vgl. pg. 79. Nota 2. 

XCV (LXXXVII1). Der gottliebende Kaiser Justinianö hatte 
aber Sorge und Eifer, bis dass er die vier heiligen Synoden in 
das Diptychon der Kirche schrieb, nämlich die von Nicaea, die 
von Konstantinopolis, die erste von Ephesos und die von Chal- 
kedon. 

Mit welchem Recht Ass. diese Angaben auf Justin bezogen 
und deswegen die Versetzung vorgenommen hat, ist unklar. 
Justinian verteidigte ebensosehr die chalcedonische Orthodoxie 
(vgl. Euagr. IV, 9); denn nur um diese Synode handelt es sich, 
da die andern drei auch von den Monophysiten anerkannt werden. 

XCVI (CIV). Im 13. Jahre der Herrschaft des Justinianos, 
dem Jahr 850, der IL Indiction, am 5. Tesrtn kedem wurde am 
Himmel ein Zeichen sichtbar, das einem Speer glich. 

Das 13. Jahr des Justinian beginnt mit dem 1. April resp. 
August 539 = Nisän (resp. Ab* 850 Gr.). Die II. Indiction läuft 
vom 1. September 538—1. Sept. 539 = 1. filül 849—1. filul 850. 
Man sieht, die Angaben stimmen nicht, wenn der 5. October ge- 
meint sein soll Dagegen passt sich alles leicht an, wenn wir, 
wie bei No. LXXXVH, die Regierungsjahre des Kaisers bereits 
mit dem neuen Jahre und dieses nach der Indictionenrechnung 
mit dem 1. September beginnen lassen, also das 13. Jahr des 



Digitized by 



Google 



132 Edessenische Chronik. No. XCV1I. 

Justinian=l. September 538 (=1. Elul 850) — 30. Aug. 539 (=30. 
Ab* 851) setzen. Dann ist der 5. October 538 u. Aera gemeint. — 
Nun nennt aber Procopius de bello Pers. II cp. 3 Ende l ) (vgl 
auch Assem. BO. I zur Stelle) das 13. Jahr des Justinian (=1. 
Apr. resp. Aug. 539 — 540) als Zeit der Kometenerscheinung und 
zwar die Herbstzeit dieses Jahres. Auch BHebr. Chron. syr. 
S3, 19 2 ), der zwar den Friedensbruch des Chosrau in das 11. 
Jahr des Justinian setzt, bringt dennoch mit diesem Ereignis 
die Kometenerscheinung in Verbindung. Das richtige Datum 
muss also lauten: „im 13. Jahre der Regierung des Justini&nä, 
welches ist das Jahr 851 der dritten Indiction u. s. w. a 



XCVI1 (XCVI). Am Freitag, den 29. Iyär des Jahres 837 
fand in der siebenten Stunde ein grosses und heftiges Erdbeben 
statt, durch welches der grössere Theil von Antiochia zusammen- 
stürzte, seine Einwohner (wörtlich: Kinder) verschüttete und 
seine Bewohner erstickte. 

= 29. Mai 526, Freitag 1 Uhr. 

Vgl. Malal. 419, 4 ff. und sein Abschreiber Johannes von 
Ephesus bei Land Anecd. II, 299, 9; Zacharias bei Land, An. III, 
p. 244, 17: „und in dem folgenden Jahre, in der IV. Indiction 
(Septemb. 525 — 526) wurde Antiochia durch ein ungewöhnlich 
grosses Erdbeben zerstört und es kamen dort zahllos viele 
Menschen um. Denn es war Sommerszeit und, während sie 
speisten, und [gerade] ihre Speise in ihrem Mund war, stürzten 

1) Edit. Bonn. Vol. I, p. 166, 18 ff. qv yaQ xov txovq peroTiwQOv, 
xqLxov xal öixazov sxoq Jovoxiviavov ßaoiXiwq xrjv avxoxQaxooa doxh* 
txovxoq. — 167, 3 ff. Toxe xal 6 xofirjxrjq doxijo i<pdvt] xa fihv noäxa 
tiaov tv/AyxrjQ dvr t () fidhoxa, voxsqov 6h xal nolXw ftel^wv. xal avxov xo 
/ihr ntgaq ngbq övovxa rjkiov, ^ 6h d^xv n Qoq dviaxovxa tjv, avxw 6h xw 
T]Ma> ojiio&ev etntxo. b fihv yaQ iv alyoxtQw r/v, avxbq 6h ev xo^oxy. xal 
avxov ol fJLtv xiveq ixdkovv gupiav, oxi 6% imfxrjxrjq xs jJv xal Xlav 6&tav 
xtjv aQxh v *fy fv t °l °*h nwyotviav, tj/utpaq xs nkeiovq rj xeooaodxovxa 
itpdvT]. ol fsthv ovv xavxa oo<pol dkh'jXoiq wq tjxioxa bfioXoyovvxeq äkXoq 
akka nQOvleyov nybq xovxov 6tj xov daxigoq otj/bialveoS-ai. 

2) „Ein grosser und furchtbarer Komet wurde in der Abendzeit viele 
Tage lang sichtbar; in diesem Jahre zog Chosrau gegen Antiochien, Haleb 
und Apamea und führte [ihre Bewohner] gefangen fort". 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. XCV1II. 133 

über ihnen die Gebäude zusammen, wie über den Kindern Hiobs 
in der Versuchung des Satans. Das genauste Datum giebt 
Euagrius IV, 5 nach Johannes Malalas: r iv xcp eßöoficp Itsi 
rfjq avrov ßaoiZslag fitjvl dexarep (des Justinus 7. Jahr), ava 
rov aQxsfiiciov firjra ijroc fid'iov, ivvary xal slxoörjj avrov 
iltiiQa, xar avro rrjq (isorjfißQiaq xo CrQa&eQairarov rrjq txrrjq 
rifiiQaq rrjq xaJLovfiivTjg tßöofiäöoq xrX.\ vgl. weitere Quellen- 
belege bei C. Odofr. Müller, de antiquitatibus Antiochenis Com- 
mentationes Societ. Reg. Scient. Gottg. recent. voL VIII (1841) 
pg. 220 Nota 11. 

XCVHI (IC). Am 15. Tesrln Vräi des Jahres 839 war 
eine grosse Feuersbrunst in Antiochia und sie verzehrte den 
grossten Teil von dem, was von dem Erdbeben übrig geblieben 
war. Woher das Feuer kam, war unbekannt 

= 15. November 527. Das Erdbeben, nicht die Feuers- 
brunst, vgl. die Quellenuntersuchung § 16, fand nach den Be- 
richten des Johannes von Ephesus , ), Dionysius von Tellmatr^ 2 ) 
und Theophanes 3 ), die alle auf den Malalas (442, 18) zum 
grossten Theil zurückgehen, statt am Mittwoch dem 29. November 
528 = 29. TeSrin 'heräi 840 4 ). Jedenfalls ist danach die Jahres- 
zahl unserer Angabe zu ändern; dagegen muss die Entscheidung 



1) Land Anecd. II, 301, 19 f. [Überschrift: Im Jahre 851(?!) wurde 
Antiochien zum sechsten Male zerstört.] In der Zeit des Justinian zwei 
Jahre nach der fünften Zerstörung von Antiochia, wurde es zum sechsten 
Mal wiederum durch ein Erdbeben zerstört, am 29. TeSrin lier§i, am 
Mittwoch zur zehnten Stunde. 

2) cf. Ideler, Handbuch d. Chronol. I, 462: 29 Teärin 'herai 840 Gr. 
und 576 der Antiochener (? wohl 577) in der VII. Indiction. Ist wohl 
nur der Bericht des Johannes von Ephesus; aber genauere Zeitbestimmung 
aus fremder Quelle. 

3) Ed. Bonn. Vol. I, pg. 272, 8ff. Tw avxw hei firjvl Noeußgla) xtf, 
wga y, fjfiiga # IvöixtuSvoq $' tna&ev vnb ^eofxtjvtag ndXiv y Avxi6ftia ^ 
fieyakri fxstcc ovo Httj xov tiqo avrov na&ovq. xxL 

4) Vgl. auch Euagrius IV, 6, der das 6. Erdbeben 30 Monate nach 
dem fünften setzt. — Ganz verwirrt ist der Bericht bei Cramer, Anecdota 
graec. II 109 unten: ßaoitevoaq (nämlich 'Iovoxiviavoq) (irjvl y A7tptjXl(p tv- 
Stxvitüvoq e' oeiofxog (poßegoq slq y Avxio%siav ytyove % xal noXXa nkq&ei 
dniöave- /te& wv xal b inlaxonoq 'Avxioxelaq Evipoaoioq. Offenbar hat 
hier eine Verschmelzung von Berichten des 5. u. 6. Erdbebens statt- 
gefunden. Die Zeitangabe ist m. E. nicht zu belegen. 



Digitized by 



Google 



132 Edessenische Chronik. No. XCVII. 

Justinian=l. September 538 (=1. Elul 850) — 30. Aug. 539 (=30. 
Ab 1 851) setzen. Dann ist der 5. October 538 u. Aera gemeint. — 
Nun nennt aber Procopius de bello Pers. II cp. 3 Ende 1 ) (vgl 
auch Assem. BO. I zur Stelle) das 13. Jahr des Justinian (=1. 
Apr. resp. Aug. 539 — 540) als Zeit der Kometenerscheinung und 
zwar die Herbstzeit dieses Jahres. Auch BHebr. Chron. syr. 
83, 19 2 ), der zwar den Friedensbruch des Chosrau in das 11. 
Jahr des Justinian setzt, bringt dennoch mit diesem Ereignis 
die Kometenerscheinung in Verbindung. Das richtige Datum 
muss also lauten: „im 13. Jahre der Regierung des Justiniäne, 
welches ist das Jahr 851 der dritten Indiction u. s. w. a 



XCVII (XCVI). Am Freitag, den 29. Iyär des Jahres 837 
fand in der siebenten Stunde ein grosses und heftiges Erdbeben 
statt, durch welches der grössere Theil von Antiochia zusammen- 
stürzte, seine Einwohner (wörtlich: Kinder) verschüttete und 
seine Bewohner erstickte. 

= 29. Mai 526, Freitag 1 Uhr. 

Vgl. Malal. 419, 4 ff. und sein Abschreiber Johannes von 
Ephesus bei Land Anecd. II, 299, 9; Zacharias bei Land, An. III, 
p. 244, 17: „und in dem folgenden Jahre, in der IV. Indiction 
(Septemb. 525 — 526) wurde Antiochia durch ein ungewöhnlich 
grosses Erdbeben zerstört und es kamen dort zahllos viele 
Menschen um. Denn es war Sommerszeit und, während sie 
speisten, und [gerade] ihre Speise in ihrem Mund war, stürzten 



1) Edit. Bonn. Vol. I, p. 166, 18 ff. \v yao xov txovg nsxonwQov, 
xqlxov xal ötxazov exog *Iovoxiviavov ßaaiXiwg xr\v aixoxodxooa dgxh v 
SZOVXOQ. — 167, 3 ff. Toxs xal 6 xofArjXTjQ doxtjo i<pdvr] xä pihv Ttg&xa 
öoov evpyxrjQ dvr t g (idfooxa, voxeqov 6h xal nokXw fxetC.otv. xal avxov xo 
(xkv nioaq nobq övovxa ijXiov, rj 6h doxy npbq dvioxovxa r\v, avxw 6h X(p 
rj/.lq} omo&ev einexo. b fA.sv yao iv alyox4o<p tjv, avxoq 6s iv xogoxy. xal 
avxov ol fxiv xiveq ixdkovv £i<piav, oxi dy imfiqxtiq xe tjv xal klav o&cav 
xrjv aQxh v &X* V > ol 6h nwywvlav, rjfxioaq xe nksiovq t} xeooaodxovxa 
itpdvrj. ol fihv ovv xavxa oo<pol dXXrjXoiq d>q r^xiaxa bfxoXoyovvxeq dXXoq 
aXXa noovXeyov nobq xovxov 6rj xov doxiooq orjfiaiveo&ai. 

2) „Ein grosser und furchtbarer Komet wurde in der Abendzeit viele 
Tage lang sichtbar; in diesem Jahre zog Chosrau gegen Antiochien, Haleb 
und Apamea und führte [ihre Bewohner] gefangen fort". 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No. XCV11I. 133 

über ihnen die Gebäude zusammen, wie über den Kindern Hiobs 
in der Versuchung des Satans. Das genauste Datum giebt 
Euagrius IV, 5 nach Johannes Malalas: T lv xS tßöoficp Ixh 
xfjg avxov ßaoiXelag fitjvl öexaxcp (des Justinus 7. Jahr), ava 
xbv aQTSn'iCiov \ir\va ijxoi fidlov, ivvaxq xal slxoöxfj avrov 
7/fieQa, xax y avxo xrjq (ieötjfißQiag xo öxQa&SQC&xaxov xijg %xxi}z 
TjfiiQaq xrJQ xaZov/iivTjQ kßöofiaöog xxX.\ vgl. weitere Quellen- 
belege bei C. Odofr. Müller, de antiquitatibus Antiochenis Com- 
mentationes Societ. Reg. Scient. Gottg. recent. voL V11I (1841) 
pg. 220 Nota 11. 

XCV1II (IC). Am 15. Tesrin Vräi des Jahres 839 war 
eine grosse Feuersbrunst in Antiochia und sie verzehrte den 
grossten Teil von dem, was von dem Erdbeben übrig geblieben 
war. Woher das Feuer kam, war unbekannt 

= 15. November 527. Das Erdbeben, nicht die Feuers- 
brunst, vgl. die Quellenuntersuchung § 16, fand nach den Be- 
richten des Johannes von Ephesus ! ), Dionysius von Tellmaträ 2 ) 
und Theophanes 3 ), die alle auf den Malalas (442, 18) zum 
grossten Theil zurückgehen, statt am Mittwoch dem 29. November 
528 = 29. Tesrin 'heräi 840 4 ). Jedenfalls ist danach die Jahres- 
zahl unserer Angabe zu ändern; dagegen muss die Entscheidung 



1) Land Anecd. II, 301, 19 f. [Überschrift: Im Jahre 851(?!) wurde 
Antiochien zum sechsten Male zerstört.] In der Zeit des Justinian zwei 
Jahre nach der fünften Zerstörung von Antiochia, wnrde es zum sechsten 
Mal wiederum durch ein Erdbeben zerstört, am 29. Teärin Tierfti, am 
Mittwoch zur zehnten Stunde. 

2) cf. Ideler, Handbuch d. Chronol. I, 462: 29 Tesrin 'her&i 840 Gr. 
und 576 der Antiochener (? wohl 577) in der VII. Indiction. Ist wohl 
nur der Bericht des Johannes von Ephesus; aber genauere Zeitbestimmung 
aus fremder Quelle. 

3) Ed. Bonn. Vol. I, pg. 272, 8ff. Tw avio} hei mvI Noe/jtßoiy x&, 
wqol y, rjfttQq # IvöixTtwvog £' tita&ev vno ^eofxijvlag ndXtv \\vzi6%ua r\ 
fisydlrj fistä dvo $zt] xov tiqo avrov 7td&ovq. xxl. 

4) Vgl. auch Euagrius IV, 6, 'der das 6. Erdbeben 30 Monate nach 
dem fünften setzt. — Ganz verwirrt ist der Bericht bei Cramer, Anecdota 
graec. II 109 unten: ßaoiXeioaq (nämlich 'Iovanviavog) fitjvl 'ArtQTjXly Iv- 
dtxiiüvoq t atiofiog (poßeQoq elg 'Avriözeiav yiyove, xal noXka nkffou 
dni^avB- /*£& a>v xal 6 inloxonog 'Avuozeiaq EvifQaoioq. Offenbar hat 
hier eine Verschmelzung von Berichten des 5. u. 6. Erdbebens statt- 
gefunden. Die Zeitangabe ist m. E. nicht zu belegen. 



Digitized by 



Google 



134 Edessenische Chronik. No. XCIX. 

darüber, ob auch das Monatsdatum 15. Nov. in 29. Nov. zu än- 
dern ist, offen bleiben. Gleich dem 29. fallt auch der 15. Nov. 
auf den Mittwoch und die Zahl 29 kann eventuell aus dem 
Datum des fünften Erdbebens „29. Mai" hier sehr wohl ein- 
gedrungen sein, zumal allen die gleiche Quelle vorgelegen hat. 
Vgl. indess die Quellenuntersuch. § 16. 

XCIX (XCVU). Und es kam in diesem Erdbeben auch der 
Patriarch Euphrasios um und wurde unter den Häusern begraben, 
und, wie man sagt, drang das Klagegeschrei den ganzen Tag aus 
den Trümmern der Häuser hervor. Es wurde nach ihm Bischof 
in Antiochia Afr&m aus Ämid, der Kornes des Morgenlandes 
(dvaroXrj) war. 

Die Versetzung unserer No., die Assemani vorgenommen 
hat, ist an und für sich gerechtfertigt, da Euphrasius im 5. Erd- 
beben umgekommen ist; allein wir zweifeln nicht, dass nach der 
Ansicht unseres Chronisten Euphrasius erst in dem 6. Erdbeben 
seinen Tod gefunden hat, wie es auch in dem Bericht bei Cramer 
Anecd. gr. II, vgl. No. XCVIII Nota 4, der Fall ist. Die Wörter 
„in diesem Erdbeben* verfangen nicht, denn in unserer No. sind 
die Berichte über die grosse Feuersbrunst vom Jahre 525 und 
über das Erdbeben vom Jahre 528 verschmolzen; vgl. die Quellen- 
unters. Vgl. im übrigen Malal. 423, 19. Cramer, Anecdota 
graeca U 109/10. Johannes von Ephesus, Kirchengesch. I cp. 
41. Euagr. IV, 5. Theophanes 265, 17 ff. 267, 1 ff. Nach 
Zacharias von Mitylene bei Land Anecd. III, p. 234, 5. 244, 23. 
249, 26 fiel Euphrasius in ein Gefass mit brennendem Wachs 
oder Pech und verbrannte, vgl. das xvQlxavcxoq des ebenfalls 
monophysitischen Theophilos (?) bei Malalas 423, 22. Noch schreck- 
licher berichtet Michel le Grand p. 181 über den Gegner: „On 
ne trouva plus Asclepios et Ephrem *) pour leur demander des 
prieres. Les uns disaient que Dieu les fit monter au ciel pour 
les pr&erver de ce d£sastre, mais en faisant des recherches, on 
trouva quune secousse de sol les avait precipites dans une chau- 
diere, dans laquelle on faisait bouillir du goudron. Leur chair 
ä tous les deux etait rötie et rong^e; on ne distinguait que leurs 

1) Asclepius hier fälschlich erwähnt. Statt Ephrein ist Euphrasius 
zu lesen. Beide Namen können leicht verwechselt werden, >o-»t J ) — 



Digitized by 



Google 



Edessenische Chronik. No.No. C— CIL 135 

squelettes, et cependant leurs tetes restaient dehors pour qu'elles 
fussent reconnues par les spectateurs. Marcellinus Gomes (apud 
Sirmond. e<L Venei 1728, T. II, pg. 290): Euphrasium quoque 
totius urbis episcopum adempto ejus capite, combusto simul 
obruit (terraemotus) sepulcro, obelisco circi inverso et humi 
defosso. 

C (CIII). Am 6. Känün kedSm des Jahres 844 schied 
Bischof Mar 1 Andreas aus der Welt und wurde in der Kapelle 
des Mar 1 Barlähä neben den Gebeinen des Mär 1 Nonnos und des 
Mar 1 Asklepios beigesetzt Addäi folgte ihm nach und zog in 
Orhai am 28. Ab 1 des Jahres 844 ein. 

= 6. December 532—28. August 533. 

Über die Kapelle des Mar 1 Barlaha vgl. bereits No. XCI. 

CI (XCVIII). Am 1. Nisan des Jahres 838 wurde Mar 1 
Justiniane (lovozivtavog) Kaiser und am 10. Ab 1 desselben Jahres 
entschlief der Kaiser Justinianä (= ^Iovözlvog) und Mar 1 Justinianfc 
regierte allein. 

= 1. April— 10. August 527. — Der 1. April 527 als Tag 
der Ernennung des Justinian zum Mitregenten steht fest, vgl. 
MalaL 425, 1 ff. Chron. Paschale 616, 15 ff. — Dagegen setzen 
alle übrigen Quellen abweichend von der Edessenischen Chronik 
den Todestag des Justin auf den 1. August vgL Malal. 424, 14 ff. 
Chron. Pasch. 617, 18 ff. Euagr. IV, 9. Sollte der 10. August 
das Datum sein, an dem Justins Tod in Antiochien bekannt 
wurde? 

CII (C). Im Monat Taminüz des Jahres 842 kam Mär 1 
Demosthenes zur Führung der römischen Streitkräfte nach Orhai. 

= Juli 531. Über Demosthenes vgl MalaL p. 467, 15. *Ev 
avzw 6i z<5 XQovcp xaz6xe(i<p&i] elg zä ävazoluta Arnioö&£vrjg 
ixMpeQOfievog xal xQW aTa ov* oXlya slg zo evzQBJtloai xazä 
xoXtv djto&eza olzov tvsxev zrjg fieza üegociv ovfißoXfjg' xal 
xazaXaßovzog avzov y Avxi6yuuav hgrjX&ev ijil zt}v ^OoÖQO^vrjv. 
Demosthenes ist vielleicht der Bruder des Asklepios von Edessa 
(vgl Land III, p. 243, 9) und die bereits bei Josua Stylites als 
Nachfolger des Statthalters von Edessa, Alexander, genannte 



Digitized by 



Google 



136 Edessenische Chronik. No. CHI. 

Persönlichkeit (Sommer 498); vgl. Josua Styl. §§ XXXII, XL, 
XLII, XL1IL 

CIU (CI). Am 18. Känün ked^m des Jahres 843 fielen die 
Hunnen in das römische Reich ein, führten [viele] gefangen fort 
und verwüsteten [das Land] bis zum Gebiet von Haleb und bis 
zum zwöften Meilenstein von Antiochia. In dieser Bedrängniss 
erkrankte Mar 1 Demosthenes und starb zu Tellä am 10. Kanün 
'terai desselben Jahres. 

= 18. December 531 — 10. Januar 532. — Vgl. den Liber 
Chalipharum, Land Anecd. I, 13, 20: „Im Jahre 843 kam der 
Hunne im Känün". Malalas p. 472, 15 berichtet von einem Ein- 
fall der saberischen Hunnen, die Armenien, Euphratensis, Cilicia 
secunda und Cyrrhestica geplündert haben. Nach seinen An- 
gaben muss dieser Einfall nach dem Tode des Kawadh (f 13. 
Sept. 531) in der 10. Indiction stattgefunden haben; vgl. aber 
Procop. de bello Persico I, 15. Zacharias, Land Anecd. IH, 249, 12: 
„Viele Hunnen fielen in das römische Gebiet in der 10. Indiction 
(1. Sept. 531 — 532) und töteten Jedermann, den sie auf freiem 
Felde fanden ; sie überschritten den Euphrat und drangen bis in 
die Umgegend von Antiochia vor." Noch genauer schildert der- 
selbe Schriftsteller diese Begebenheiten an einer andern Stelle, 
vgl. Land Anecd. III, 260. — Um die Stadt Maiferkat, die, im 
Besitz der Römer, ein Stützpunkt für ihre Verwtistungszüge in 
das persische Gebiet war, zu erobern, entsandte der König Kawadh 
noch im Herbst des Jahres 531 (Tesrin der 10. Indiction) einen 
Teil seines Heeres und liess auch hunnische Streitkräfte anwerben. 
Dieses Belagerungsheer richtete wenig aus, und da der Winter 
einsetzte, wurden die Unternehmnngen der Perser völlig zu 
Schanden. Auch rückte bereits ein römisches Entsetzungsheer 
heran. Dann fahrt Zacharias fort: „Es starb aber auch ihr 
König Kawadh, während sie dort waren, und sie schlössen einen 
Vertrag mit den Römern, dass sie (unbehelligt) die Belagerung 
der Stadt aufheben sollten, und als sie dann abgezogen waren, 
Maiferkat geöffnet war, und die Truppen der Römer zurück- 
gekehrt waren, fielen die Hunnen, die im Solde der Perser ge- 
standen hatten, dieses grosse Volk, plötzlich in das römische Ge- 
biet ein, mordeten und töteten viele Landleute, verbrannten Dörfer 



Digitized by 



Google 



Edesaenische Chronik. No.No. CIV— CV. 137 

und Städte, überschritten den Euphrat und gelangten bis nach 
Antiochien» Niemand stellte sich ihnen entgegen und trieb sie 
zurück ausser dem Befehlshaber von Maiferkat, Besas. Vgl. 
Procop. de hello Persico I, 21. 

CIV (C1I). Im Monat filül des Jahres 843 brachte Patricius 
Mär 1 Rufinus Frieden zwischen den Romern und den Persern zu 
Stande; dieser Friede währte bis zum Jahre 851. 

= September 532- — Nach einem Waffenstillstand von 70 
Tagen (so Procop. de bello Pers. I, 22; nach Malal. 472, 10 drei 
Monaten) kam der Friede zu Stande im 6. Jahre des Justinian 
(v. 1. Apr. resp. August 532/3); vgl. Malal. 477—78: 31 Jahre, 
nachdem Kawädh zuerst in das Romerreich eingefallen war. Nach 
Zacharias bei Land Anecd. III, 259, 17 wurde der Friede in der 

X. Indiction (1. September 531 — 532), also noch vor dem 1. Sept. 
geschlossen. Die Ratificierung dieses Friedens erfolgte erst im Jahre 
533; vgl. Marcellinus in der XI. Indiction, Justiniano Aug. III. 
cos. und Zacharias, Land An. III, 262, 11 ff.: „Im Sommer der 

XI. Indictio, und er dauerte 6—7 Jahre bis zur III. Indiction 
(1. Sept. 539-1. Sept. 540)". Nach BHebr. Chr. syr. 83, 15 währte 
der Friede 7 Jahre. 

CV (CIV). In diesem Jahre, im Monat Iyär brach der König 
der Perser, Chosrön den Frieden, überschritt die Grenzen des 
Römerreichs, zerstörte §ürä, Haleb und Antiochia, bemächtigte 
sich [auch] Apameas und kam auf dem Rückzuge bis nach Orhäi. 
Durch die Gnade Gottes aber, ihres Beschützers, fügte er dieser 
Stadt keinen Schaden zu, sondern die Grossen der Stadt bewirkten 
seinen Abzug, und nach Empfang von 200 Pfund (ovo xevxi}- 
vaQia) Goldes zog er in sein Land zurück. 

= Mai 540. — Vgl. Zacharias bei Land III d. Anecd., pg. 
216, 17. Lib. Chaliph. Land. An. I, 13, 17: „Im Jahre 851 zog 
Chosrön zum ersten Male hinauf**. Procopius, de bello Persico 
II, 5: 'Exsiörj öh 6 fihv x u ^ v fö 7 } vjtilTffe, xqIxov 6h xal öt- 
xaxov sxog kxsXevxa ^lovoxiviavm ßaoiXel xrjv avxoxgaxoQa üq- 
%f\v exovrt ( — vgl No.No. XCVI und CIV u. Chron.) XoOQorjg 6 
Kaßdöov kg yrjv xrjv 'Pcopalcov afia t]Qt aQXOfiivq) öxQaxm (is- 
yaXcp ioißaXs, xtjv xs axiQavxov xakovfiivrjv bIqijvtjv XafutQcog 
ikvev. Antiochien wurde im Juni 540 eingenommen, vgl. Malal. 



Digitized by 



Google 



138 Edessenische Chronik. No. CVI. 

479, 23. Über die Belagerung von Edessa vgl. Euagr. IV, 27 
und Procop. de b. P. II, 12, der hier seinen Zweifel und Un- 
glauben an dem Wunderschwindel mit dem angeblichen Briefe 
Christi an Abgar kaum versteckt: 616 örj zrjg fihv Jio/Lemg axo~ 
jcuQaad-ai ovöafiij Tj&eZe, Jlavlov öl Jtifitpaq xQW axa 'Eöeöor]- 
vovg yiTEi. ol dh d[i<pl rtj nolei fihv öeöiivai rjxiöra IqxtOxov, 
ojtcoq ös firj rolg x<*>qIoiq kvfii?PT)Tai, cofiokoyrfiav ovo xQWov 
xsvrtjvaQia öcäoeiv. xal og rä re xQW<*ra ekaße xal öceöojöato 
tl gvyxeliisva. 

CVI. Wie wir aus alten Berichten erfahren haben, hat das 
Wasser viermal die Mauern der gesegneten Stadt durchbrochen, 
ihre Thürme umgestürzt und ihre Kinder ertränkt seit der 
Himmelfahrt des Messias zu seinem gepriesenen Vater. Das erste 
Mal wurden ihre Mauern durchbrochen in den Tagen des rö- 
mischen Kaisers Severos, dem Jahr 513 nach der Zählung der 
Griechen, im Monat Tesrin Tieräi; das zweite Mal wurden ihre 
Mauern wiederum zerstört in den Tagen des Kaisers Diocletianos, 
= dem Jahr 614, im Monat Iyär, das dritte Mal in den Tagen 
der siegreichen Kaiser Honorios und Theodosios, = dem Jahr 724, 
am Dienstag, den 18. Ädär, als Mar 1 Rabbülä Bischof in Orhai 
war; das vierte Mal in den Tagen des Kaisers Justinos, = dem 
Jahr 836, als Asktepios Bischof in Orhäi war. 

Vgl. die No.No. I. IX. LIL XC. 



Digitized by 



Google 



Nachträge und Berichtigungen. 

Diese Nachträge und Berichtigungen sind zum grössten 
Teil veranlasst durch Rubens Duvals Buch: Histoire Politique, 
Religieuse et Litteraire d'Edesse jusqu' ä la premiere croisade 
(Paris 1892, als Separatabdruck des Journal asiatique), das mir 
erst zuging, als der Druck meiner Arbeit schon bis zum achten 
Bogen vorgeschritten war. Das Buch Duvals ist eine geschickte 
Zusammenstellung des umfangreichen Materials über die Ge- 
schichte Edessas unter Benutzung aller wissenschaftlichen Er- 
gebnisse der historischen Kritik, deren etwas ernstere Anwendung 
seitens des Verfassers seiner lesbaren und nützlichen Arbeit im 
Übrigen keinen Abbruch gethan hätte. Eine Auseinandersetzung 
mit Duval ist ebenso unmöglich wie überflüssig, da Duval 
durchaus auf den Resultaten steht, deren Unrichtigkeit ich glaube 
nachgewiesen zu haben. Nur gelegentlich auf Duval zu ver- 
weisen, halte ich für nöthig, da er anscheinend Quellenmaterial 
verwendet, das mir nicht zugänglich ist. 

Zu pg. 3 f. uns. Arbeit vgl. Duval pg. 219 unt. f. 

Pg. 48, § 19. Die Thatsache, dass der noch aus der heid- 
nischen Zeit Edessas stammende erste Überschwemmungsbericht 
(vgl. pg. 2 uns. Arb.) nicht vor dem Sommer 206 (richtiger noch, 
gegen Ende d. J. oder im Anfang des folgenden) abgefasst ist, 
nötigt uns wohl auch, die Bekehrung des Abgar IX. zum Christen- 
tum hinter das Jahr 206 hinauszuschieben; vgl. Alf. v. Gutschmid, 
Unters, üb. die Gesch. des Königr. Osroene, pg. 34 f; Duval pg. 
65; 90; 107. 

Pg. 49 flf : zu „Wann ist das edessenische Kirchenarchiv ge- 
gründet?" 



Digitized by 



Google 



140 Nachträge und Berichtigungen. 

Die Beobachtung, dass für die edessenischen Notizen unserer 
Chronik das Jahr 313 u. Z. mit dem Bau der Kirche einen Ein- 
schnitt bezeichnet, ist zuerst von Herrn Professor Dr. K. Job. 
Neumann in Strassburg gemacht worden; vgl. These 4 seiner 
Habilitationsschrift über Strabons Quellen im 11. Buche „Annalen 
werden in Edessa erst seit dem Jahre 313 n. Chr. geführt." 

Die wenigen edessenischen Notizen (Bauberichte) des Chro- 
nicon vor 313, die Notiz über Abgars Mausoleumsbau im J. 
88 89 n. Chr. und der Bau der Paläste im J. 205/206, gehen nach 
Herrn Prof. Neumann wohl lediglich (wenigstens im letzten 
Grunde) auf Inschriften zurück, was freilich nicht ausschliesst, 
dass der Chronist sie in seinen Quellen vorgefunden hat. 

Pg. 61 Zeile 5 ff. Ich habe als Zeitpunkt der Eroberung 
Edessas durch die Perser in meiner Arbeit das Jahr 610 n. Chr. 
angegeben. Duval (pg. 223 letzte Zeile und Anm. 2) legt dieses 
Ereignis in das Jahr 609 und, wie mir scheint, mit Recht. 
Allein man darf sich nicht auf das Zeugnis des Bar Hebraeus 
(Chron. syr. pg. 98) berufen, wie Duval thut; denn einmal er- 
wähnt BHebr. nicht ausdrücklich die Eroberung Edessas, obschon 
diese mit Notwendigkeit aus der nachfolgenden Erzählung über 
die Gattin des Johannes Resaphensis sich ergiebt, und dann muss 
nach dem Berichte des BHebr. Edessa offenbar schon vor 920 
Gr. (=608 9 n. Chr.) genommen worden sein, da die Perser in 
diesem Jahre über den Euphrat gehen und die Städte Mabbog, 
Kennesrin, Beroea und Antiochien (?) in ihre Gewalt bringen. 
Der Bericht des BHebr. ist mangelhaft und ungenau. Der Liber 
Chalipharum (fol. 49 r = Land Anecd. I, pg. 15, 24 ff) giebt an, 
4ass das von BHebr. zum Jahre 918 (wohl richtiger 919) mit- 
geteilte Eintreten schwerer Kälte, in der sogar der Euphrat eine 
Eisdecke erhielt, erst im Jahre 920 in der 12. Indiction (= Winter 
608/9) stattgefunden habe und Mardin und Res c aina im Jahre 
509 erobert seien. Dann fahrt der Chronist fort (fol. 49 r unten 
= Land Anecd. I, 16, lff.): „Im Jahre 921 (609610) wurden 
Edessa, Haran, Callinicus, Circesium und alle Städte im Osten 
des Euphrat, die noch nicht erobert waren, genommen. In diesem 
Jahre bildete der Euphrat die Grenze. Am 7. Ab 1 desselben 
Jahres überschritt Sahrvaraz den Fluss und nahm Zenobia; denn 
[diese] Stadt wurde zuerst auf der westlichen Seite des Euphrat 



Digitized by 



Google 



Nachträge und Berichtigungen. 141 

genommen/ Alle Angaben des Lib. Chaliph. über den persisch- 
römischen Krieg dieser Zeit zeichnen sich durch grosse Genauig- 
keit aus. Es wird somit richtig sein, dass Edessa im Anfang 
des Jahres 921 Gr., also im Spätherbst 609 n. Chr. sich den 
Persern ergeben hat. Des Theophanes Bericht (ed. Bonn. pg. 
461, 8 ff.) : reo de Matcp ntjvl iöTQdrevaav ol IliQöai xaxa 2Jv- 
Qiag, xdL jtaQiXaßov xr\v Anayiuav , xal xr\v "Edeooav, xal r\l- 
&ov %<d<; 'Avrtoxslag (Ivöixtküvi i$ — 'HqccxXeIov Iroq a vgl. 
pg. 459, 18 f. =611) mag für Apamea zutreffen, für Edessa ist 
es zu spät; vgl. Cedrenus u. Zonaras bei Clinton, fasti Romani, 
zum J. 611. 

Pg. 62. Über die alte Kirche vgl. auch Dionysius von 
Teilmahre bei Assem. B. 0. II, 105 zum Jahre 718 n. Chr.: Anno 
1029 ingens terraemotus exstitit, et vetus Edessae Ecclesia cum 
multis aliis templis et aedibus corruit. 

Pg. 81 Anm. 2. Vgl. Duval pg. 222 ff. und 237 ff. 

Ich habe die Vermutung ausgesprochen, dass die Amtszeiten 
aller edessenischen Bischöfe vom Tode des Severus (f 603) bis 
zu dem des Cyriacus (f 988 Gr. = 676/7 u. Z., so wenigstens 
nach Dion. v. Tellm. vgl. Assem. B. O. I 425, col. b unten f.) 
um circa 7 Jahre wohl verschoben werden mtissten, um den 
Zeitraum, der einmal zwischen der Steinigung des Severus und 
der Ordination seines nestorianischen Nachfolgers Ahiäma, dann 
auch zwischen dem Tode des Cyriacus und dem feststehenden 
Amtsantritt des Jacob von Edessa (684) liegt, auszufüllen. Meine 
Vermutung wird allerdings hinfallig, wenn es feststeht, dass der 
auch von mir namhaft gemachte Daniel, wie Duval (pg. 241) 
angiebt, wirklich von 665 — 684 Bischof der Stadt Edessa ge- 
wesen ist. Duval stützt sich für seine Aufstellung auf den im 
Jahre 665 erfolgten Tod des Cyriacus, eine Angabe, die ich 
nirgends gefunden habe. Dionys. von Tellm. berichtet: „Im 
Jahre 988 (=676/7) starb Moawiya, der König der Araber, und 
es herrschte an seiner statt Jazid drei und ein halbes Jahr; in 
Orhäi wurde für Cyriacus Mar 1 Jacob [Bischof]. 

Im Übrigen scheint mir die Steinigung des Monophysiten 
Severus zu den Ereignissen des Jahres 609 gar nicht schlecht zu 
passen. Als Chosrau die Stadt Edessa nahm, da wütete er gegen 
die Jacobiten (vgl. auch Duval pg. 224) und setzte zunächst 



Digitized by 



Google 



142 Nachträge und Berichtigungen. 

einen Nestorianer, Ahisma, als Bischof daselbst ein. Da die 
Ede88ener sich natürlich feindselig gegen denselben verhielten, 
trug Chosrau der politischen Lage Rechnung (vgl. pg. 82 uns. 
Arb.) und gab den Edessenern monophysitische Bischöfe (Duval 
pg. 238 f.). Dem ersten Wüten des Chosrau kann sehr wohl 
Severus zum Opfer gefallen sein. Auf diese Weise kommen wir 
jedenfalls über die mir fast unmöglich scheinende Sedisvacauz 
des edessenischen Bischof Stuhles von 603 — 610 hinaus. 

Meine Angaben (Anm. 2) möchte ich dahin berichtigen, dass 
die Bischöfe Johannes und Jesaias nicht von Dionysius, sondern 
nur von Bar Hebraeus genannt werden. 

Zu Sergius Armenus vgl auch Wright, Syr. Lii pg. 836 
col. b oben; Duval pg. 238. 

pg. 84 f. „Der grosse Palast des Königs Abgar des Grossen." 
Die Bezeichnung „der grosse Palast" ist jedenfalls eine 
Vorwegnahme; denn erst die Vollendung der beiden Paläste 
(vgl. pg. 91 No. IX) gab Veranlassung, den neu aufgebauten 
älteren zum Unterschiede von dem auf Beth Tabära gelegenen 
den „grossen" zu nennen; vgl. Gutschmid 1. 1. pg. 24 zl. 7; pg. 
35, 16. Duval (pg. 48 f. und 65 f.) will entgegen Gutschmid 
(1. 1. pg. 24) unter Abgar dem Grossen Abgar IX. verstehen. 

Pg. 86, 9. „Die acht Schleusen der westlichen Stadt- 
mauer" vgl. Duval pg. 62 unten: „les huit portes et barrages 
du mur est de la ville", Anm. 2. Le texte porte par erreur: 
„le mur ouest" (Uäj^io 1*o-*, und pg. 64 Anm. 2. U semble 
que le recit difförent du premier a ete inspire ä son auteur par 
l'ancienne erreur, qui se trouvait peut-etre dejä dans le document 
officiel, suivant laquelle cetait le mur ouest et non le mur est, 
qui avait cede ä la pression des eaux. 

Vor diesem Irrtum hätte Duval m.E. schon die vorangehende 
Stelle der Chronik: „Alors les eaux commencerent ä descendre 
dans la ville par les interstices des creneaux du mur" bewahren 
müssen. Welchen Zweck hat es, die Schleusenschotten der Ost- 
mauer aufzuziehen, wenn die westliche Mauer in Gefahr ist und 
dem Drucke des immer stärker anschwellenden Wassers nach- 
zugeben droht? Mussten nicht, wenigstens zum grössten Teil, 
die Schleusen der Ostmauer stets geöffnet sein, um dem in der 



Digitized by 



Google 



Nachträge und Berichtigungen. 143 

Stadt sich sammelnden Wasser (vgl. Dural 6 ff.) Ablauf zu ge- 
währen? Die Zerstörung der Stadt durch diese Überschwemmung, 
wie offenbar auch durch alle anderen, ist die Folge des Mauer- 
bruchs an der Westseite der Stadt Daher auch die Massnahmen 
des Justinian, die nur so erklärlich sind. Diese Katastrophe 
erfolgte, weil die Schleusen der Westmauer geschlossen waren. 
Infolge dessen schwollen die Wassermassen auserhalb der Mauer 
; ou^ ^Lo j n\), die keinen Ablauf fanden, zum „Meere* an, 
dessen Druck schliesslich die Mauer nachgab. Das Offnen der 
Schleusen an der Westmauer hätte nur dann Sinn, wenn die Stadt 
schon überschwemmt wäre. Das ist nach unserem Text (anders 
Dionys. v. Tellm.) nicht der FalL Da Duval die Situation nicht 
klar erkennt, sieht er sich (pg. 64) bei der Besprechung des 
Fluthberichtes desDionysius gezwungen, einen Bruch der westlichen 
Mauer anzunehmen, wozu der Text gar keine Veranlassung bietet. 
Hier sind die Schleusen (Ausgänge) an der Ostmauer der Stadt 
von der Masse des mitgeschwemmten Unrates verstopft. Infolge 
dessen wendet sich das Wasser zurück und dringt in die Häuser 
ein, bis schliesslich der Bruch der ostlichen Mauer Luft schafft. 
Beide Berichte widersprechen sich. Die Erklärung des 
Ereignisses durch Übertragung bezw. Vereinigung von That- 
sachen des einen mit denen des andern, wie Duval versucht, ist 
unzulässig. Indess auch die Entscheidung ist nicht schwer, auf 
wessen Seiten die grössere Klarheit und welchem infolge dessen 
der Vorzug zu geben ist. 

Pg. 86, 15 „das Heiligtum der christlichen Barche*. Duval 
(pg. 63, 6) übersetzt: „Elles endommagerent la nef de Feglise 
des chretiens*. Ob der besonders bei den Nestorianern übliche 
Gebrauch des Wortes liaJoi als „Schiff der Kirche" hier zulässig 
ist, wäre gewiss interessant zu wissen; mir scheint es fraglich; 
vgl. pg. 119, Anm. 

Pg. 89 No. V. Vgl. Duval pg. 51, 6 f. u. Anm. 1. Die Be- 
denken D. gegen oiZoie? I^J] sind überflüssig, wenn man, wie 
notwendig, diese Wendung als Objectsaccusativ zu Jjä fasst. 

Pg. 102 No. XXXIV. Duval (pg. 139, 2; vgl. pg. 16, 21; 
138, 8; 149, 15) gebraucht die Namen Vologeses und Eulogius 



Digitized by 



Google 



144 Nachträge und Berichtigungen. 

promiscue ftir den mir nur als Eulogius bekannten Bischof von 
Edessa. Auf Grund welcher Quelle, ist mir unbekannt. 

Pg. 103 No. XXXVI. Theodosius sanctionierte die Beschlüsse 
der Versammlung durch das Gesetz vom 30. Juli 381; somit ist 
dieses Datum der terminus ad quem ftir die Synode ; vgl. Hefele, 
Konciliengesch. II, 28. 

Pg. 103 No. XXXVIII. Vgl. auch Duval pg. 102, 13 ff. und 
Anm. 2. 

Pg. 106 No. IL. Duval (pg. 168, 8 f.) setzt den Tod des 
Pachidas auf den Neumond des August 409. Das ist allerdings 
möglich; allein dann erwartet man mindestens die Angabe der 
Ferie. 

Pg. 114 No.LXVIH. „Spital der aussätzigen Unglücklichen*. 
Duval (pg. 176, 14) übersetzt „I'enclos des Alienes pauvres". 

Pg. 135 No. C. Duval (pg. 210) giebt als das Todesjahr 
des Bischofs Addai 541 an. Ich finde dieses Datum nirgends 
belegt. Freilich berichtet auch Assem. B. O. I 224 col. b. *), dass 
Addai 852 gestorben und Jacobus Baradaeus in dem gleichen 
Jahre Bischof von Edessa geworden sei. Letzteres ist falsch; 
vgl. Wright, Syr. Lit., pg. 833 b; Duval, pg. 211. 



1) Assem. sagt hinsichtlich des Todes des Addai: „Hucusque ex 
Chronico Edesseno". 



Digitized by 



Google 



Text des Codex vat. syr. No. CLXIII. 

(Die Edessenische Chronik.) 

.tKriinrUi'Sj yl Jr^OÄj (k.Sai «aoL 

I. (VHI.) .(tto)oa{ otio fAvi-» (v-OüAXto (JboJüOJL» KlAa Cod. vat 

Jf*a{ ^o jaAij JLabj jL^a^o (009 ^ax. .w^ju{ ^ptL 

ItVj 0001 Owpto .^»s^ ^on\ <*Ajlo (001 JLoo 
v po {ju* ^ao .JL» .^a^oKij {in i\v»j {käo {o^uobto 
^o ^kXj ita-£? VLob^k, ©*X {009 >n\m .jL&X* ^^{ 
ö*X? {^Jk. n.qSi .«^»po^o ^aK»? JLa*{ .o*X? Jj^äJ 
^pO^J Jtaoj : 0009 ^itAv) Jba a ö ^-00 .flLoi\v»j 
l^o {ooto a^^.0009 aamoLUj fo*K* JLoöX ^potX 
.of-u^a JJjo opoQd^a JJj ^j Wo .jLA\a Jbua^o Jb* 
^uul j-d lßoyfln\ ^aut ajuAjt(o .JLv-dqj JLaö oL{o 
^tt-aao? V)+*} JLaoaiao 0001 ^ vi ■; o? JbVo* jJr*£t=> 

©*X (909 J. OnS, IC^OO V OO^X OULp ft sJ t t JI^O* . OO09 * 00I. b. 

JLab 0001 o^^jlo .(Au^tt? 6*+'i*JKL $o ;V\ Jbf Jba* 

{009 lju* .jLm'fd? fojok»j Jb* JLm-D^oÄ^ (001 j»JLo t-o 
Jb**L 0009 o\oNato .{001 ^ado .JLoäX ?Jqji tjJflrtiV» 
j&ai? JLn*{ ^o {Au***»? J.n;vv> iiaj.^ JLuöL (^JL^d v ^jpo 
J*a;sy» fta*X JLm> 0009 woto^JtL .|^jd 6^0 .{JoM 



lies Q-*MtO. 3) Ues JL^D 't ^O? J^'L vgl. d. Übersetzung 
Nota 2, p. 86. 
Texte und Uutenachungeu IX, 1. 10 



Digitized by 



Google 



146 Text der Edessen. Chronik. No. I. 



JLJLäo JLaf VffrjJ opa^o .{&o^o n^V oA*.o .{Ki^dj 
{och uuäÄsjUi ^» ^a oooi oAxulo .jLoJ^b v p©j 
^ -; ~i jz+& ^d .{&o^o^ JLJLao JL^^Jjui& .^oom^o 
ooL oooi fi t »j mo .6^«d^ oj.mJ ^o {*oulX {009 
{^<- Jfo»a ooof olLäoo . JLi^fiDV-d? li^M )La*o>a 
fD . v ochjl» ^ JA-s^ao .JUtJUlä* <*^J *'l ^o ^K-, 
ojäjjuUo JA*, ^0 JLaö ^ooi A> nV\ .JL\V» 0001 ^aaoj 

{jLy fAO .{kW.? JLo i&O^O LoO| JLA» ^D .OOOI 
^OOt^ObD} .(©Ol r QÄ .{OOI (OCH} JfO| )Juu*OlCD Jn\*> ?^*l* *1 V.CoLä. 

.(*om ioX ^0 ^ootloijü 0001 v <xo^p (Ki^dj Jbuoot 
{KvifiM^o .(Loiju o*X Ji^j jJ .{JoM ioX outo 
.(top} o^Kä (oom Jää? (Loijü ^mLU .JL***Of*o JLuojuof 
JLa> v-s^ t^ - (At**f£ oiKuanvi ^a* oooi qäjddoJo 
taw; {*om? o^Kä 001 «a( jJt .^i»«vo 0001 ^)«^m 
^oiLojuuh» Jooi^äa» ouojüo ^,mv i&\^>? JL**>1 .{009 
^ojöi vOOi^döj . |. n\» ^^{ (009 jJOäo .^ä^^d ^oj 

JLv-K^ JW .vOoitojjuÄ ^K*a 0001 jl .^flftiiN Jbo^o 
^0 ^5kX .^oaa ^>k in 0001 ^pooao JUaojü .{Ki^o ^v^? 
Jboo .{okmj 1*äj o*Xd {Kii^vi\ Jba» öt^ ^\vj fKooj 
xpV*tj Q-*W^? JLv-öcu JLaoj JLo o^aao JL\V» oa^I^ 
.üQläj jJo Jboopoo JLo ^ÜA) ^9 > \öO ****** .{Ni^mlSi 
.JLfli^bt oM^ooft ^Jtf liuma om» ^*aL JL» {01 * * col. b. 
.Jbuooi 00 {og*i Jjua; )ioi ^0 Ji^ood \»<* {001 ^-jcdUJo 
{001 r AÄ . I. n\v> i^»( tf? vr^ .JviVfc ft^ooxX Jbo^ 
k*a Io&jOD k*a . oiLo-a^ao} ?}ViVYi\ j^JLa 04X woaLlo 
ts^M JL^wOao .{o&£D? Jjläj o*Xd (001 poS ^oLo ,?;aL 
.jL^o^io ou^^a, o^X (001 uj^L^ Ji^ li^djj o^ (001 

^OOfiViVYiN, JlUAÄ v OoA. OlÄ .CH^*^ f>JL» ^QJQI «d{o 

('**a i^obs»^ Jbo) JLoam^ JLoJ^ö ova (601^ {iaaAAa 
>) lies K*a. 



Digitized by 



Google 



Text der Edessen. Chronik. No. No. I-XIL 147 

.jLao^» {&o^o| 6fUA {009 j^ubKis ^^00 .JL-^uflD 
^0 {A^^Lt Üfcsaöx» Jttafesmjo »|. n\*> ; ^j»t (009 ^o» 

UAs^,? Jbo^ '^^ «aäju ^pooao lk*£»L K^aUo 
(' .ö^o-oäü &^^dL{o (LqjuJL» (&o^o 

l'tÄ» ^ & ^> ^ JboO-üDO «AÄJL *Ä ^| oo^po 

V ; iKi^\o .JLtoi fovnnri\ wotoaKa * ^qjo» wo»ioJ^*2r.col.a. 

t OO*£ vQlJO^ ^Xo» f^QdO ^?^0 Jrt\*> >^^? 

oatmo 000t oVin ^ajot .^oiiol) ^pJLali ^a* ooof 

II. (L) v.wOtlojL* ,a*ojaj? Jn\*> a*v* ^JüdLo (Jbo Kjlas» 

HL (IL) v^jqqud ifn^nrKn^ (001 y^»{ .Kao ^Kjlo ^LJbo Kjlas» 

IV. (HL) * .^9 ^Jtf .Vkitlo (JtttefcJL taido 

Y. (IV.) v.otlaaoj fcjoujl JUaj JrA* ^^i Mä .{A»&*a>{ taido 

VI. (V.) {1^ ^o v ouu^» jöläJ .KkjJLo ^a?lo {Jba*A>l Aoas» 

Jn.\o&up 
VU. JLoJL^a^ ^asl ^v wotouL»{ ^ i-ü&jo ^| «nft>oo\ 

VHL(Vl.);nri\^ua ja»i w^»JL» ijuauuo ^&jto (Jm^aVI Aojl 

IX. JLo^aa (U*a ;^^{ JUä .(ymv^ao {Jbaja&ju Kuao 

v .o^j 
X. <• .t*jjba j^~U .{t^o ^avi*»o {Jbajüaju fta* 

XL w<*toJj ö^Vajt a*JUl .{vm^a'tfo * JJbobsJt Ku. * col. b. 

xn. )ftnnm,g»l JUoa jxeo .vta'rfo ^,m\o (JboAsjt Kjlas» 

v .otlka ^0 tootj Jftnmfrt 

4 ) Der Kodex hat ununterbrochene Zeitenfolge; der Übersicht- 
lichkeit halber folgen wir der Einteilung Assemanis. Zu bemerken 
ist noch, dass wir die grösseren Interpunktionszeichen des Kodex 
•r durch v, f ° * durch f ersetzen. 

*) wohl zu lesen W^N . 0^ „Bölida" vgl. Übersetzg. pg. 88 
Anm. 2. 



Digitized by 



Google 



148 Text der Edessen. Chronik. No. No. XIII— XXVII. 

XIII. ^^.ooojd &oO£>L( ..iJUOüuO ^Ä^lo tJboAsJL AslAa 
Lootj (kx* ^t-o J t 9nnm.ft{ iot^*K»i uaoo^a <~otto{; 

XIV. jftnmftt {<x^ksJ )qjo .&jlo ^JbC^lo {JboAsjt kx* 

.M.^? JLuuü y ao i^^o ^^oo6 JLlä og*o .wOtteJL» 
XV. {J^aA^i; .*)Lo^iA vmo^opoa Kju-oU .{kx*? öttkao 

v .^nnm.ftl ynr>sKiv»lo 
xvi. ItacDoLo Jjuiä {oo* .va^Lo ^fc^lo {JboKit kut 

XVII. ^onv» wpo &*&» .^JiLo ^^atio {JboAsjt Kjlas» 

XVIII. Jü»qajbqub{ j»o»^a?*{oo» .^puitO ^JUOj^O {Jbokii Ki* *2v.col.a. 

v .jbutoa» k*a Ixa oc*o .wotteJL» 
XIX. ^ <rn»ßißnr>oo JLiä .^bkAO tjbokjt Aojl 

XX. «m.ßißmoo 009 äoI JUä .{fjuo ^K&o (Jbokjt kjjuao 
JLjjafcoo (SnriiNoft.ßi? *^r° ^?* w ^ .(Ki^o jJA^. 

XXI. JLjo^aa ^aotta{ {001 .^pkjto ^Kjlo {JboKit Aujl 

ff.JLlUÄJL> 

XXII. wpo Jbo^^ ^0 jöläj .^lilo ^\^äo {JboAsjt Kljuä 

.wotfolj JLsonnn.ftf ^ch^äJ 

xxin. Jü»qajbqub{ ol*J^o Jvi\v a» «oaj .IKjlaa ö*£»0 

(XXIV.) ~^~ ^ 

ixxnj * .J.|V>nn..i K&BotLl .^io UmKjl ftoiQ 

XXVI. Kau .^M* wt*JL» >5a¥{o ^io {JboAsjt kjjuao 

XXVIL y^ao{ ^^Jt w^*JL» ouojüo ^vn *o {JboAsjt Kjlaa 

v .wotox»! *m-^oo* .Ja* «mi.ßt\o * col. b. 

i) lies ifltj^^gg jbuJQ^jt vgl« Anm. zur Übersetzung. 



Digitized by 



Google 



Text der Edesien. Chronik. No. No. XXVIII— XLL 149 
XXVIII. **ia» Ja£fcV ^o «oaj .JLuoLo ^io {jboKit Kiaa 

xxx. J^jtfto ^*ju* w^Jb ^a>fo ^jboLo {JboKit KiAa 

.O^koOAjüj )&»+*{ wPO J*l\v ^O «OAI .G*a 
XXXI. {1^ ^» ^w JQlAJ .t&O** ö£*~J ^O^J vju^JL^O 

V QJUtt? JLAOf ^ wOlfo!} 

xxxxl ^o *aäj ••$}{ uu^J^ >\*,Lo ^JboLo {JboKit Kiaa 

XXXin. IhsiM,) öt\*? j&*jd ^Q^a vju^J^ ^m^>,o jkaA ^»aoo 

xxxiv. JL*rinm>W <nri.^No{ wpo ioo* {Kmo^ä ^ootao 

<m.^Sol wpo ooio .Jbt tm*mfotL öta y^*>{? ibuAa 
v .*£*&*? ~po JbuA w^oL^ ^JLjj wpo JbuA (na 
xxxv. Ja* «AB^üB^otL )ka .^iVio ^jtLo {JboKit ftu* 

XXXVI. tflDOfoMQA * &JU»oLi .ft^io ^^Jtto {JboKit KlJt *3r.col.a. 

.f. «mAogu.ßißmon-» JLsonm.ftl ^juajüo {Ja»} 
XXXYILw^o Jbo&tv ^o «oaj .JLuoLo ^JtLo {jboKit Kiaa 

v .iiaa*o/i {Kao^a J^aojI <m.^\,o| 
XXXVin. ^y m\o ^VL ^a ual %**;~Ja ouojuo tjbaxa a Jbojt 

v JLfrojam^Bt l^oo wpo ^apo^a .o*\*? Ja* 
XXXIX. jbl%j .w^ju( ^pjAa {; m\^ •*» fcsito tjbo^a • buaa 

^rn«i«* ^ymvo J*ajKM . Ja* JaNV» aaufiD^tL J*i\v ^o 
^; Jk Kr» JLuokao .<m»Noft )i « ^ i ^ maa\ ifl&**jD*{^** 
.<m.\o» )a ■ fl i ß nr»o riS ifleuflDiotLi ot^* &*a» .^^>t 
XL. lu^i JLiöt o;^v .(&<ia* 6t2k»i joaoL vju^JL^o 

v .JL*»ootV 
XLI. ^Vio ^ynn\^ joaoL %**wja ^aao tjviv^ a Kiaa 
v .^ottot? iflnnnri.9J tloo wpo JviN.v ^o %aaj .04a 



Digitized by 



Google 



150 Text der Edesicn. Chronik. No. No. XLII— UV. 

XLII. J^oAm*»{ \>a\a> w^o {ooi . JLuoLo {Jboao.* Ki*ao 

v .woitaj^ 
XLlil. .jöt-o ^;^^ fy*»^**^ ymvo tjbaxa •■ Ao*a * * col. b. 

•worfot^ Jginm«ft{ (iq^jqd ~po jWvv ^o %aaj 
XLIY. {Au*} ©Cw >^ju{ ^i*JL w^JLa ^ma»,o {A^kao 

.wotioj^ JL»nnm.ft{ ^.n9 wpo {oot 
xly. jb&nmat «ffKivi^faflDO^D t JU>o~ jxo i&iAa c*ao 

••• **** -Kl** s if • A * A opo ^^ 
XL VI. J^oAm*d{ itto^oti w^ {i£&a*s»>{o {Jbaa^jk Kut 

XL VII. oiftsx» ia JUuao JLaftXPiaA tymsmoo {Jboa^Jt Ku 

v .JLmooiV k^ JLüoö^ 
IIL. .*»«^*>. t ~+*° t°?* .^yfnvo {Jboa^Jk Kut 
wp» La )f^^*^ w^ ooio .<~oifoJa JLfrofim«ft{ 

IL. ||„,n» wpO Jbo^^ ^0 *AÄJ ud|{ JloiVKil^ KlAA 6po 

.wotfofj JLgonm«ft{ 
L. J^cLAm*a( <£Dc^*iao {ooi .{^»o ^mvo tjbo^^jt L* 

f .{As»* Mii^ftVJ^ 
LI. JJoa* woitoja {ooi .AaJLo ^,mso {Jboaa • L* 

{ooi wO*oL{} .«mflltt^rtl w^O La* J*aO Jtaatt*a{*3v.coLa. 

LU. ©^Voa, oa*JlJLi aol .>&a»{o ^ymvo {Jbo>ajk La 
«m*tja){o 4fi0utaj{ uMo^a fc^Lj (Kiaj JL&a wotfoff 

v .JLüj jLfi^^o 
LIII. JLw? im . no ^o{ )äjo .^bJLo ^teklo {Jbaao.* La, 

.{Lqlj^^ ;a^* Im 
LIV. v Jnmiv) onnvi K^a^ fotttt ka; )*©*a 

i) wohl zu leaen J-?<^? tkajt La. 



Digitized by 



Google 



Text der Edessen. Chronik. No. No. LV— LXVII. 151 
LV . ^po{f v olJc*j «oux^ot .Xkitlo ^tekJLo tjboxa.a kxa 

Lvn. * .JLmul ^o itJtew Jbs*j .(^uo ^aV{o ijaa*>a*a &xa 

LVIIL 4flDO?OpO£D &JU*dJU >5äV?0 ^A'^O {Jtt^a.a JbsXa 

lix. J^oAmai Jtaa* «aaj fcsito ^>{o IJ^aa Jboa 
Ja* wOKfctfSio tocao .*aja JLuoAsa JhfiN.v ^o woilo}? 
JLu >Vä * lua Jboo»f wöt ÖL^ju {Lt^ Ina Jio» .j^*o* * coL b. 

v JL^otoo 
LX. .JLa*oi (ik*ao uaocüa >5JtLo ^aV(o Qvjv^ a kxa 
^ymvo Ijb^AA o*a ksjj JboJLoD^ Ja* ifoka io^itt wU 

LXI. {jjouJJ J*»jLo>? jLqdoj p^ &^JLo v .avi;»o (jba^i* ftu* 

•> .« rn^N^cr» ^j( JU^jo J Luu^ a Jboofc? wotoiov^j 
LXII. JLsLOflDLd{ Ijnm,^ (ooi ka© ^aaajüo tjbft^a a Kia 

.tka* JLt,imnNjb> 
Lxni. ^^u( Jk* .(Awput ^ogo» <mm£JJ ^oL kjuoUo 

.«flDL^oAo )j.ßtßnr>on? iaonm.9i «nru.o\ft JL^£w 

«fiDO^io^Ufl^o . V W? ^►JloJ^Vo ^a-^iofo <m,^nno)lo 

LXT7. jbonm.ftj j^»oi «aflu v-aLo ^jucljüo J^^aa Ku 

ff.^Ou^^t {L{*a jä^O . t *XÜ ^LVi* *4r.coU. 
LXV. <• .J*ootta )jnnm,9l ^ojl jqjo ^&jlo ijba*a»a &xa 
LXYI. iAo^oMOJao KaioU ^LVLo ^Kao jjbft^a a Aoa 

IiXVIl. Jb»OAfl> «aa*£d~( wpo K\l.o ^ K ao tjbft^a a Jbojt 

• ioo* >^ r A» tt*} «a*fo 



Digitized by 



Google 



152 Text der Edessen. Chronik. No. No. LXVni— LXXVL 

LXVlll. ^ynriv^ ]*+£> x+±l %**;~Jb ^*J.o ^bsj^o (Jboxa.* Ku 

JiJo .woiiet) Jisonm.frl j^*ot ouuüLLi ©*» JLuoLo 

J^D^O^O If^O^^O ^JÜuO* wpO &UA VlM .JlOJ Olb^AO^X 

Jbojaa w;v>\ (jc*x» &ua JjL&maoi i»*o^a o*a ^ 
tyju^ t^*»° .JLqbudVoao flL-^j *»{ ^ JLlä .Jju*? wpoo 

LXIX. v o^a fr*vft& «oaj {jjuO ^io (Jvjv^i a buaa 

. ^vä {ynriv | *» ^^ 
LXX. Jbuotjj^ ^pjl Jxa <&AJtO ^iO OviV^fc a Jbojt 

. «m.N qa^jo)! opojt * ^** otog&AO <onn,i\nS * eoL b. 

v .JLfronm.gil *»{ bta juao 
LXXL JLsnnm.ft? J#oj ou-üLU .^iVLo ^Jb»Lo Uaa>AJk Ku 

f .tteua < .otntfSt» tooio .wotfot} 
LXXII. ^äw iXn^jo)l ^po «jüqjüo ^&Lo ?J~»^~ a Jbojt 

LXX1II. «wOliol ^> JLflDyj»? tloAttt LWA^U tJHb»L &JL* 

lxxv. J^od&&*at (ku» sju-üLU op (Kaä ^ju* w^JL^o 

•Ja) J**Oj JootO .Ctfl* ^} «StgJ wöt {KlAA |uu^CO **s^» 

tt{o .otbs-^o «*i£ ^Vio JLfronm.gilo JLa*oi ^» ^a» 



i) lies fo^t? ^? {K\n «*i i ». 

J) das W^L ist später hinzugefügt. 



Digitized by LjOCKMC 



Text der Edessen. Chronik. No. No. LXXVII— LXXXVI. 153 
iJLs^D i&*»o~ JLaojia K»ju*U JLdjljl^ loa» JLaoii 
LXXVIL y.^i^moot U*AmM «m.*i.fto)J JLa^ab ^j u»o^ttj{ 
LXXvni. > Wo wu^do tU (Jk^D Jjiajo lyrnN,.^ (Jbojboi &o* 
LXXIX. K»ju*U tLJk^D ftoi |ym% NS io tJboJboL &o* 

t ^J* 

uuuJ^ JUäju ^»oud JioVop Jbua? t&üu+ao fttt ^^ 
.^aoa* J^äüo ^>\äKS ovaä-do 6pa^ 0^0(0 .7»^© ^aX 

LXXXI. ^** I^O tit wÖ| ItüA} Ö^~? ^Q^*{ vju^J^O 

v . |i*?aä9 Jbua? lN.»«r»j^ )ft.\m^o vflüus^m ^po fc^a 
LXXXN. J^oj&m*a{ J^ä sjuuüiU .t**>o ^ymvo {jbojboL Ku 

f .JJoA >.otr>9fc\o iocao . (kaa-^j JKäjl ^»oud wottoif 
lxxxttt »n» * tmoßmifr otLo-äX*? i+x»o ^ymv ftoAao * coL b. 

*» «oaajo .ti^o^fiD JLao-^aoJj JyinmoN^^ \?WAi} 

^oo^di ^äw Auuaoo {Jolj ^ol *» Kaajo .wot*JOfOaio 

LXXXlT..«rn«\oftiißißnr>rio? JL*onm.ft{ »OinviN **? aäJ 

LXXXV. woio^i^ y+z* obo^xdj^ o*\*? >fca>{o ^ymvto 

v .)j.Nß.^ 
LXXXYLj^iJbsA joaoL uuwJL» >\aJ.o ^ymvo (JbojboL &u*a 

1 lies oitJDQjo. 



Digitized by 



Google 



154 Text der Edessen. Chronik. No. No. LXXXVII— XC. 

LXXXVII. bsiM. o^KJj )ju£j»a»} ©daa^oj t^i^l l&xmao 

jLlqqlj>|Jo {fojba^ JLa-^jJ ^o jv-£ ^K^io (jbojboL 

v . o;om<Lcd 
Lxxxvni. ~c*MJ *A+i£a IU Ar^o ^KXio {Mu»L Ki*ao 

imo^oMOJ» ^aj&i o(j .^LVL ^o {*x> ^\i} o*X {001 tj^o 

>nijgj {ju* ^ +a .{^aaa^io Aua dLI ^*»o u»v^ 
jb^*} (i^ooao : t -A>ot ^o t*x» ^mj oBcuaL^too Jlj 
o£kao(o .tk~?a*&*4D k*a ^o om&äjj ~3*»U .^-m? 
.a»MXd{ ik*;aaa^o tua ^oj JLn^o <**ajk, t-ao .JLon\m\ 

.^ioo- J^a¥{o ^a»)l pernio n\ Jlaa^**o .^omq^d 
.ittOfoMO^D ^ÄAio Jf t-a woiioj^ (JLs^b Jxaj (oqio 
j&ajo .JL^JLdo)J wom .tm*fe£fcoo )f} JLn^ö (ju# ^do 
tl»Ju»L JbajLj . jaao&a JbÄjto ^ym^ .worfol ^o JJoä 

^fc^Lo {JboluoL hsLrn,} -^r° ^ ^ ^ (fc^Lo ^ym\^* * col. b. 
^» taonm>i>i JJoä «asu? ^jl»^* fk^L Jk» .^a»{o 

XO. ~otto)J (JLs^d JLao o\v .kj^o ^tewLo iJboluoL Kuoo 
( XCL ) oaijl»o ö****** opa^o o^Voa a^JLo >*aXl} {Kia; 

i) w6t ist durch Korrektur hergestellt und vor )JO j > ft\f> f 
scheint ein Wort, vermutlich ein Epitheton des Konzils von Chal- 
cedon, ausradiert worden zu sein. 



Digitized by 



Google 



Text der Edessen. Chronik. No. No. XCI— XCVII. 155 

XCI. ~o*tot ^» ^nm.il iftAnirrf u»i*» .tkü*» (fot^o 
(Xcn.) ^^ <nr>if> > >; ^ iöD^ÄoJ r j .{Ka^o JLoo^jU «a^xdo 
.J*Müb£jj^ ^oi Kodo .^aoo» ^äa y~l ;>m*» ;^K» ^oL 
^xoL(o .{Ki*,? <*X*j v W/u* v^^JL^ J^äjlo ^fm^ 

IbsAA,} 6^+} ^Q^Jl UU^J^ J^dtjbo ,Ji,tKii^l|a ^»L 

.JLfronm.ftt* Jioj wpo ^** Jo^^a*5v.col.a. 
xcn. (lo^a opbo woiU ift»\oirrf K*tt? JJoä <**ojl ^do 

«mm.i.ßnnQ,» wpo lo^J ja-u*o JLuajao? oiU-^ 

JLuol *As» .<&aÄo ^K^io {jbo)uoL fcojtj *j Jb JLuo&a 

t >ftAnml «4»; otlciYi\ ^l»** 
xcni. o*-j»$oaX Jiaj *K» ^o |Bfinnruft{ JJoä 001 ^ JLu 
(XCIV.) ^K^öo JLuoi tAoöo* ^p JLoaöl JLu^ tO^L? Mot 

.J^OAflQudt JJoä 

XCIV. w^Jb Jb^Aai wotfejV ^**o. «moftt-rf ^otoft\*> {0010 

(xcn i uolo ^^.^to {^j^i; { ÄaA? ^ ? 4^ 

XCV. JLa^ö {o»X{ ja ö; \ {Loau^o (loVfca ^j o^ L001 
(LXXXVIII.) ^0^.,^ fojttyo ojo*JQ-OD >öoVjJ? A*>t^ J. i.t.^fTKi , 
^ö^Xo JLa^j} w6»\ ^ oiot .dKo {!•**»? 
imoja&AJL^? (&*»jjd * wbfXo . imAnfti.^^moo) * col. b. 

XCVI. 6t*K»tt jLuu^floo^^ oiLcL&^a»? tymvKM buaa 

.^»^o ^»;jtka JUiWAAa JLaojia K»ju*L{ JLdjm\ 
XCVH. ^ynriva t*t wt*{o tajto ^AsXLo {J^oJLi^»L Ki*ao 
(XCVL) j^j j^ ^ ^ ^^ >ö^jlä {i^ÄOV^ pa*a o*a JxjlLo 

Ö*~}Q^* Lpa^O JLüQu^jfy ?JU^Q-QD 0*£» fc^feJO .JÜUA^O 



Digitized by 



Google 



156 Text der Edessen. Chronik. No. No. IIC— CV. 

HC. (10.) w ^{ ^ttX vju r JLa >\*Lo ^As^Lo (JboiaoL Aa*ao 

.001 JLAa&»t ^o 
IC.(X0Vn.) pa^Uo Jbw^B HS*Ao{ *{ JLoj |io*a Uo 

k-uui ^o J^s^ (ooi jhoo* 0^0 ^pat? ^*{o tv^o K-uui 
)&*t*( JLa^jJ^ ö*a tannm.al oti&a ^j {00» . {v^o 

C. (om.)^o v oi fl vju^JLä <&a»{o ^*a'»{o {JbojboL JboAao 

.j^oattAdl (ttoj^l wpo J*i\^ ^o tflAJ o*a* tkaa *6r.col.a. 

^**o .w^{ wOKitfV*» {0910 ,.ft.\nml wpsfo Jjqj 
tjbojboL Kul} <a{ ^^j^ JLuoLo ^ym^ wotfej) 

OL (no.) t ^m,i uuuj^ ♦*> )&a-a jboLo ^A^Lo {Jboluol Kut 
CIL (C.) Kjuj IU . ;o»L w^Jb ^iVLo ^a>{o (iioJxioL Kxa 

CIIL(CI.) K^io ^AV{o (Jbojb»l hsLM,} ^O yQ-LÄ vju^JL^O 

.JLaooot» h«^\ JLüöo* o\^> JLuU^ o*ä ymvNiv»K~» 
^£b0}o+X Jbo^o .jLa^u* h«^\ jbo^ oa^uio qajlo 

v .{Kiaj 6t^~? w^u{ ^oxo w*~Ja lim\^ .} ft a*po JJKä 

0IY.(CH.)>^a>^( w^Jb Ä^to* ^aV(o (Jbtt)uol to^o *col. b. 

~po .JLaoootvX JLfiDvJ» Ld fjuA, p^, .IKu; C*X*? 

Kia\ Jhr» t \ Jjo* jüu* wKioUo . jjbx^ou;^ JLi*»oi 

.J^juo ^juajuo {jboJLuoL 
0V. JLa^ö ^o^q^a (^ w{ ***Ja {}ot JKiaä 6po 



! ) lies oiJL^g 



Digitized by 



Google 



Text der Edessen. Chronik. Ko. CVI. 157 

{io*X opuo .JLa»ooiV N>V\ ;ä^o .Jüujt JLcdVq-ä^ 

v .©rfijl yÄoto Jbotf tyi^.t* 

.JLusuuo wotaa? LaX JUuuuo «fi\Knr>{? ^o {01 6» »j\v 
JfAih tmotaxD uaoo^a et*Va*. o^VLi (bs^o^o {Kia; 
Jiuivi^ (ymvk\io |)mw» Aujl öt~K»{? .JLaoootVj 
a^ViiJ ^ULj {Ki^jö .wpuj ^jlI w^J^ .JLio^f 

.JLbj Jft\*i «m*flDo?{Lo ifiDupt «*»q-ä ©^Vaa, o^JUl 

(loa* ~pö {001 wotoK*{ +a j^aa {Jb^Ka o*ä tymviv»^ 

'KtLO ^K^JLo {jboJLuoi Kut omU; .Jn\*> JLu^cdo* 
.wottaj^ |ao nm.9>l iftAnmi {001 wotok*{ ^ 



i) JLaaA/a (sie) mit Sejam§. Vielleicht stand hier k«"\r» 



Digitized by 



Google 



Register. 



Ein * bedeutet des häufigere Vorkommen einet Sehriftetellers etc. 
auf der betreffenden Seite. 



Abarne, heisse Quelle 29. 119. 
Abbeloos u. Lamy 4. 59. 90; s. auch 

Bar flebraei Chronicon ecclesiasti- 

cum. 
Abd 'AUaha ibn Tahir, Emir 62. 
Abd 'isö 52, Anm.' 1. 
Abgar V Ukkama bar Ma'nu 1. 49, 

Anui. 2. 59. 60. 84, Anm. 3. 85, 

Anm. 1. 138. 142. 

— VI bar Ma'nu 89 (V). 140. 

— IX bar Ma nu, Lucius Aelius Sep- 
timius Megas. 3. 48. 51. 52, Anm. 1. 
53. 84 ff. (I) u. Anm. 1 u. 2. 88. 
Anm. 1. 91 (IX). 96. 139. 142. 

— X bar Abgar (IX), Severus — 
84, Anm. 2. 

Abhandlungen für die Kunde des 

Morgenlandes, herausgegeb. von 

der D. M. G. 98. 107. 119. 
Aborraa, e. Fluss 102. 
Abraham, Bisch, v. Edessa 7 (XVIII, 

XXII) 53. 96 (XVIII). 98 (XXII). 
Abraham Kfdönayä 97 (XXI). 
Abraham Presbyter, Schwestersohn 

des Afrem 10 (XLVII). llff.(§3). 

52, Anm. 1. 106 (XL1II). 
Abselama, Bisch, v. Edessa, 52 u. 

Anm. 1. 
Abu 1-Fara& siehe unter BarHebraeus. 
Acacius, Bisch, v. Aleppo 106. 
Acta Concihorum 103. 112. 
Addai, angeblich erster Bisch, v. 

Edessa, vgl. Doctrina Addai. 



Addai, Bisch, v. Edessa (533—543) 

56. 76. 80. 82. 83. 135 (C). 144. 
Aegypten 62. 76. 101. 102. 
Afrem, d. Kirchenvater 10 (XLVII). 

18; vgl. Anm. 1. 52, Anm. 1. 75. 

100 (XXX) 106. 
Afrem, Comee des Morgenlandes, 

hernach Patriarch v. Antiochien 

73, Anm. 3. 83. 134 (XCIX). 
x Ayla 2o<pia 7. 9, Anm. 2, vgl. die 

Kirche des Apostels Mari Thomas. 
Ahiäma, nestor. Bisch, v. Edessa 82. 

141. 
Ain al-Khalil 84, Anm. 3. 
'Ain Zilka 84, Anm. 3. 
Aitallaha, Bisch, v. Edessa 7 (XIV). 

58. 94 (XIII; XVI). 95. 
Akko 31. 
Ai-Birüni 92. 
Alexander, Patr. v. Antiochien 106. 

— Bisch, v. Mabbog 71, Anm. 1. 

— Statthalter von Edessa 135. 
Alexius, Vita des — 7, Anm. 2. 
Alphabet, das armenische — 51, 

Anm. 1. 
Amazonius, Bisch, v. Edessa 62 f. 63, 

Anm 1. 81. 82. 83. 
Amid, Amida; 31. 36, Anm. 1. 47. 

96 (XIX); 120 (LXXX). 134. 
Amidener 78, Anm. 1. 96. 
Ammianus Marcellinus 97. 98. 99. 119. 
Anaatasius, Rom. Kaiser 11. 22 ff. 36, 

Anm. 1. 40, Anm. 2. 68. 75. 80. 



Digitized by 



Google 



Register. 



159 



lia 119 f. (LXXVII). 120. 121 

(LXXXI1I). 122 (LXXX1V). 124 

(LXXXV u. LXXXVI). 
Anastasius, Bibliothecarius 112. 
Anatolius Stratelates 55. 111 (LXI). 
Anazarbos-Justinopolis 130. 
Andreas, Bisch, v. Edessa, früher 

Eparch 79, vgl. Anm. 1. 80. 131 

(XCIV). 135 (C). 

— Bisch, y. Samosata 47. 71, vgl. 
Anm. 1. 73. 109 (LVI). 112. 

Annalen, in Edessa geführt, 140. 

Antinou8, Stadt in Aegypten 102. 

Antiochien 43 ff. 80. 102. 116 f. 130. 
132 (XCVII). 133 f. (XCVIII). 134 
(XCIX). 136 f. 137 (CV) 140 f. 

Antiochus, Bisch v. Ftolemais in 
Phönizien 64, Anm. 1. 

— Consul (431) 110. 
Antipolis 97 (XX). 
y AvtlipOQO<; 84, Anm. 3. 
Antoninapolis 97 (XX). 

Apamea 132, Anm. 2. 137 (CV). 141. 

Aquilinus, Bisch, v. Byblos 112. 

Arabien 81. 

Aradus 101. 

Arcadius, röm. Kaiser, 65, Anm. 5. 

103 (XXXIX). 108. (LII). 
Archiv, Bischofs-, der Kirche zu 

Edessa, 2, Anm. 4. 34. 49—53. 139f. 

— das königliche — zu Edessa, 2. 3. 
50, Anm. 3. 88 (I). 

— Neues — für ältere Deutsche 
Geschichte 57, Anm. 1. 126. 

Ariadne, Kaiserin 40, Anm. 2. 124 
Arianer zu Edessa 8 (XXXIII). 100 

(XXXI). 101. 107. 
Arjau, Arju 88. 
Armenien 104. 136. 
Asciepius, Bisoh. v. Edessa 37, Anm. 

77, Anm. 1. 78, Anm. 1. 79, vgl. 

Anm. 3. 80. 126 (LXXXVU1). 128 

(LXXXIX) 129. 130 (XCI; XCII). 

135 (mehrm.). 138 (CVI). 
Assemani, Jos. Sim. 3. 5, Anm. 23. 

24, Anm. 5. 37, Anm. 52, Anm. 1. 



59. 71. 73. 74. 75. 77, Anm. 1. 90. 

94. 109. 110. 112. 114. 115 f. 116. 

144; vgl. auch unter Bibliotheca 

Orientalis Clementino-Vaticana. 
Assemani, Stephan Euod. 2, Anm. 4. 
Athanasianer 101. 
Athana8iu8,Patr.vonAlexandrien 52, 

Anm. 1. 

— II, Patr. v. Antiochien 81, Anm. 2. 
'Audaye, Audianer 106. 107. 
Augusta (Con8tantina?)-Amid 97. 
Augustin, augustinisch 71. 72. 
Augostus, röm. Kaiser 88 (III). 89. 
Au88ätzigenhau8 vor d. Stadt Edessa 

114 f., vgl 144. 
Avida bar Abd-nahad, edess. Grosser 
87, Anm. 2. 

Babu, Bischof u. Metropolit v. Ni- 

8ibis 98. 
Bahräm I. von Persien 92. 

— V. 108. 
Balaeus 18, Anm. 1. 
Baptisterium, das grosse, zu Edessa 

7 (XXIX). 9, Anm. 2. 56, Anm. 1. 
5a 62. 77. 100 (XXIX). 127. 

Bardesanes 72, Anm. 2. 90 (VIII) 91. 

Bardesanische Hymnen 2, Anm. 2. 91. 

Bardesaniten 107. 

Bardesanitische Gnosis 90. 

Bardin, Vorsteher des edess. Archivs 
88(1). 

Bar Hebraeus (Abu'l - Farag) 6, 
Anm. 2. Chronicon Ecclesiasticum 
— Quellenuntersuchungen über — 
5. 6ff 17 ff. 25. 26 f. 38 — Citate 
aus dem — 62. 65, Anm. 2. 67. 
71, Anm. 1. 75, Anm. 1. 79, Anm. 3. 
81 f., Anm. 1. 2. 82, Anm. 1. 2. 
84 f., Anm. 3. 89. 90. 91. 93. 95. 
96. 97. 98. 100. 102. 103. 105. 106. 
107. 113. 114. 142. Chronicon syria- 
cum — Quellenuntereuchungen 
über — 19 ff. 25. 27 ff. (§ 8). 35. 
36, Anm. 1. 38. 96. — Citate aus 
dem — 20f., 27 ff. 66. 75, Anm. 4. 



Digitized by 



Google 



160 



Register. 



96. 97. 116. 132. 137. 140. (Abu'l 
Farag) Historia Dynastiarum 17. 
65, Anm. 2. 95. 115. 
Barsamya, Bisch, v. Edessa 52, vgl. 

Anm. 1. 
— e Acta 53. 89, vgl. Cureton Anc. 

Syr. Docum. 
Barsauma, Bisch v. Nisibis 117. 
BarsÖ, Barses, Bisch, v. Edessa 7 
(XXIV). 16, Anm. 2. 56, Anm. 1. 
58. 98 (XXIV). 101 (XXXII). 102. 
103. 
BaßiÜ8cu8, Gegenkaiser d. Zeno 75, 

vgl. Anm. 4. 
Ba88U8 consul(431) 110; 8. auch Kloster. 
Baomgartner 50 f., Anm. 3. 
Bei 95. 

Benetius? 112. 
Beroea 140. 
Berytus 31. 113. 
Besas, röm. General 137. 
Beth Mari Barlaha siehe Kapelle d. 

M. B. 
Beth Nahrin 98. s. Mesopotamien. 
Beth Sabta, ein Platz in Edessa 62. 
Beth Sahrayö, die hohe Strasse zu 

Edessa 87. 
Beth äelihö s. Kapelle der Apostel. 
Beth Seines 114 f. 
Beth Tabärä, e. Örtlichkeit auf der 

Burg v. Edessa 87. 91. 142. 
Bibliotheca Orientalis Clementino- 
Vaticana. Tom. I 3. 5, Anm. 32. 
37, Anm. 1*. 52, Anm. 1. 55, Anm. 1. 
59. 62, Anm. 1. 63, Anm. 1. 65, 
Anm. 2. ,71. 76. 77, Anm. 1. 79, 
Anm. 1. 4. 81, Anm. 1. 2. 89. 91. 
93. 94. 95. 97. 98. 100. 102. 104. 
105. 108. 110. 112. 114f. 115 f. 116. 
129. 130. 132. 141. 144. — Tom. II 
12, Anm. 23. 24, Anm. 5. 63, Anm. 1. 
77, Anm. 1. 81, Anm. 1. 2. 141. 
Bickell, 17, vgl. Anm. 1 u. 2. 19. 52, 

Anm. 1. 95. 98. 105. 107. 114. 
Birket Jbrahim, e. Teich in Edessa 
84, Anm. 3. 



Bischofsliste der edessen. Bischöfe 

53 ff. 62. 76. 
— der konstantinop. Bisch. 65. 
Böl 88, Anm. 2. 

Bölid, Bdiida 1 88 (I), vgl. Anm. 2. 
Bredow, Dissert. 63, vgl. Anm. 4. 64. 

65, Anm. 2. 
Burg, Burgberg von Edessa 85 ff. 

(I). 91. 
Burk 63. 64, Anm. 1. 

Calandio, Patr. v. Antiochien 75, 
Anm. 1. 

Calünicus 116 (LXX). 140. 

Calopodius, Öconomus 24, Anm. 3. 

Gappadocien 104. 

Gassianus 72. 

Cedrenus 141. 

Celer, Domesticus des Vitalian 124. 

Celer, Magister 24, Anm. 3. 

Cerdo, Lehrer des Marcion 89. 

Cerealis consul (358) 99. 

Ghalcedon 24, Anm. 5. 70. 121; siehe 
auch unter Synode. 

Chalcedonense 17 ff. 66. 67. 68 ff. 76. 
77. 83. 

Ghalcedonier, Chalcedonianer 62. 80. 
82 u. a. St. 

Ghalcedonismus, nestorianisierender 
73, vgl. Anm. 3, 74. 75, Anm. 1. 82f. 

Chalcedonische Frauen, Kloster der — 
zu Edessa 62. 

Ghalipharum Liber, in Edessa ent- 
standen 47, vgl. Anm. 1. Ent- 
stehungszeit 64, Anm. 3. — Citate 
aus dem — 45. 47, Anm. 1. 49, 
Anm. 1. 61. 64, vgl. Anm. 3. 65, 
vgl. Anm. 1. 81, Anm. 2. 89. 90. 
92. 94. 95*. 97*. 99. 100*. 102*. 
103. 104. 105. 110*. 111. 112. 113. 
116. 125, vgl. Anm. 2. 126. 129. 
136. 140 f. 
Chermik (Chermük) 119. 
Ghosrau I. (Chosrön), Kön. d. Perser. 
46. 60. 132, vgl. Anm. 2. 137 (CV). 
- II. Parvez, 61. 81, Anm.2. 82. 140ff. 



Digitized by 



Google 



Register. 



161 



Christas 49, Anm. 1. 60. 89 (V). , 

91. 107. 
Cbronicon paschale 43. 45, Anm. 47, 

Anm. 8a 90. 98. 99. 104. 109. 110. 

112. 113. 124. 135*. 
XQOvoyQayoq niyaq 43. 45; vgl unter 

Freund. 
Chrysargyron 28 tu 118 (LXXIV). 
Chrysostomus siehe unt. Johannes 

Chrysostomus u. Antiochus, Bisch. 

y. Ptolemais 
Cilicia secunda 136. 
Circesium 140. 
Citadelle von Edessa 91. 
Claudian 104. 105. 
Clinton, fasti Rom. 90. 104. 108. 111. 

113. 117. 125, Anm. 1. 141. 
CognatuB 93. 

Concil siehe Synode. 
Constantia o. Constantina-Tella 97. 
Constantina?-Amid 97- 
Constantinus I., röm. Kaiser 47, Anm. 

52. 96 (mehrm.). 97. 
— II. (der Jüngere) 97. 
Constantius, Sohn d. Constantinus I. 

90 f. (XIX). 97 (XX). 98. 101. 
Cotelerius, monumenta Eccl. Graec. 

63, Anm. 5. 124. 
Cramer, Anecdota (Revue archeo- 

logique) 20. 23 f. 24, Anm. 1. 133, 

Anm. 4. 134. 
Cureton, Ancient Syriac Documents 

52, Anm. 1. 53, Anm. 4 u. 5. 60 1 

6(5, Anm. 2. 89. 94. — Spicilegium 

88, Anm. 1. 
Cypern 77, Anm. 1. 
Cyriacus, Bisch, v. Edessa 81f., Anm. 2. 

141. 
Cyrill, Patr. von Alexandrien 75. 76. 

106 (L). 111. 
Cyriilonas 104. 105. 
Cyrrhestica 136. 
Cyrus I. (Kyros), Bisch, v. Edessa 8. 

54, vgl. Anm. 2. 103 (XXXVIII). 

105 (XLI)*. 
Texte u. Untersuchungen IX, l. 



Cyrus II. 28. 37, Anm. 54. 76. 116 

(LXXIi. 117f. 118 (LXXV\ 
Cyrus, Bisch. 71, Anm. 1. 

Daizan 62. 79. 84, Anm. 1. 85 (I), vgl. 

Anm. 2. 129. 
Damascus 81 f., Anm. 2. 
Damianus, Bisch, v. Callinicus 116. 
Daniel, Bisch, v. Edessa 81, Anm. 2. 

141. 
— Bisch, v. Haran 111 (LXIII). 
Daschian 50, Anm. 2. 
Datianus consul (358) 99. 
Deciu8, Verfolgung unt.— 52, Anm. 1. 
Demosthenes, Eparch 79, vgl. Anm. 1. 

135 (Cll). 136 (CUI). 
Der Serkis, Kloster bei Edessa 1(X). 
Diaconium der grossen (neuen) Kirche 

zu Edessa 62. 
Dictionary of Christian Biography 

4, Anm. 2. 71, Anm. 1. 
Diocletian, röm. Kaiser 93 (XI). 

138 (CVI). 
Diodorus 71, Anm. 1. 
Dionysius vonTellmahrg 1. 3,Anm.l. 

5. 6ff. 12, Anm. 20 f. 24f., Anm. 5. 
26 f. 27 ff. (§ 8). 34 ff. 36 ff, vgl. 
Anm. 2*. 37, Anm. 1*. 55, Anm. 3. 
62. 65, Anm. 2. 78, Anm. 1, 79, 
Anm. 1 u. 2. 81, Anm. 2. 86, Anm. 3. 
88. 89. 90. 93. 94. 95. 97. 98. 100. 
103. 104. 105. 106. 129 f. 130. 133. 
141*. 142. 143. 

DioBeurus, Patr. v. Alexandrien 74. 

111 (LXII. LXIII). 
Doctrina Addai ed. Phillips 53. 87, 

Anm. 2. 88, vgl. Anm. 1. 
Domninos, antiochen. Chronograph 

42. 
Domnos, Patr. v. Antiochien 111 

(LXIII). 115. 
Dreicapitel(streit) 69. 83. 
Drepanum 47, Anm. 
Duval, Rubens, Historie d'ßdesse 

139—144. 

11 



Digitized by 



Google 



162 



Register. 



Edessa, Lage von — 84, Anm. 3. — 

belagert von Kawadh I. 32. 120f. 

(LXXXI). — von Choerau I. 46. 

137f.(CV).— erobert vonChosrauII. 

Parvez (610) 61. 81, Anm. 2. 140 ff. 

— Narses commandiert in Edessa 

81, Anm. 2; — erhält den Namen 

Justinopolia? 130. — das Königtum 

beginnt in Edessa 84, Anm. 2. 88, 

Anm. 2, vgl. 139. 
Edikt d. Anastasius 28. — d. Constanr 

tinus 52. — d. Galerius 52. — des 

Gratianus 102. — d. Justinian (543) 

69. — d. Valens (?) 102. 
'Eyxvxkiov 75. 

Elias von Jerusalem 24 f., Anm. 5. 
Elias bar Sinaya von Nisibis 65, 

Anm. 2. 81 f., Anm. 2. 90. 91. 92. 95. 

96. 98. 100. 106. 110. 113. 
Eraesa 115. 
Encyclopaedia Britannica 50, Anm. 3, 

vgl. weiter unter Wright, Syr. 

Literature. 
Ephraim, opera Graeca 100, vgl. 

Afrem. 
Epiphanes 51, Anm. 1. 
Erdbeben 29. 118. — in Antiochien 

43 ff. 66. 132 (XCVII), vgl 133 

(XCV111). 134 (XCIX). 
— in Edessa 62. 141. — in Nico- 
medien 98 f. — in Nicopolis 

(Emmaus) 29. 
Erzerum (Theodosiopolis) 97. 
Ettenih-Schema 33. 54 ff. 
Euagrius, Histor. eccl. 18. 43. 60. 75, 

vgl. Anm. 1. 108. 112. 119. 120. 

124. 125*. 126. 130. 131. 133*. 134. 

135. 137. 
EuchaYta in Pontus 77, Anm. 1. 79. 

80. 127. 
Eulogius, Bisch. vonEdessa 8(XXXIV. 

XXXVII). 9, Anm. 2. 102 (XXXIV). 

103 (XXXVII), vgl. 143. 
Euphemia 11. 22 f. 25. 68. 121. 
Euphemius, Patriarch von Konstnpl. 

33. 75. 119 (LXXVII). 



Euphrasius, Patr. v. Antiochien 78, 

Anm. 1. 79, Anm. 3. 130. 133. 

Anm. 4. 134 (XCIX). 
Euphrat 29. 104. 119. 136. 140 f. 
Euphratensis prov. 136. 
Euaebius Histor. eccl. 49, Anm. 2. 50. 

51, Anm. 60. — Chronic. Canon. 

über 37 f., Anm.*. 64. 90. 92. 

— Bisch, v. Dorylaeum 111 (LXIII). 

— Bisch, v. Samosata 102. 
Eutherius, Bisch, v. Tyana, 71, Anm. 1. 
Eutropius 99. 

Eutyches 18, vgl. Anm. 3. 74. 75, 
Anm. 3. 108 (LI1I). 

Facundus 83. 

Fasti 8. Hydatius; — Rom. s. Clinton. 

FaustuB von Byzanz 96. 

Festus consul (472) 109. 

Feuersbrunst in Antiochien 43 ff. 133 

(XCVIII), vgl. 134. 
Fihrist en-Nedin 90. 92. 
Flavian, Patr. v. Antiochien 22 ff. 

77, Anm. 1. 

— Patr. v. Konstnpl. 58. 74. 111 
(LXIII). 

Flügel (Mani) 90. 

Freund, Antiochenische u. Constnpl. 

Stadtchronik 42, Anm. 43. 45, vgl. 

XQovoyQ. fiiy. 
Fulgentius Ferrandus 83. 

Galatien 104. 

Galerius, röm. Kaiser 52. 

Gabriel 82. 

Geizer — Sextus Jul. Afric. 63, Anm. 4. 

— u. Siegfried: Eusebii Canon. 
Epitome etc. 37, Anm. 

Glubokowski (Theodoret) 101. 
Gnosis, die Bardesanitische 90. 
Gratianus, röm. Kaiser 98. 102. 
Guidi, Ignazio 2, Anm. 4. 6, vgl. 

Anm. 3. 22, Anm. 27, Anm. 119. 
Gutschmid, Alfr.v. 1. 47f., Anm.l. 50, 

Anm. 1. Anm. 3. 53, Anm. 1. 59. 84, 

Anm.l. 86, Anm. 3. 88. 89. 90. 91. 

139. 142. 



Digitized by 



Google 



Register. 



163 



Habib, Bisch, v. Edessa 81 f., Anm. 2. 

Hahn 90. 

Haleb 132, Anm. 2. 136. 137. 

Hamza 92 

Haran 79. 9a 102. 111. 140. 

Haraniten 32. 

Hamack, Dogmengesch. 72, Anm. 1 

u. 4. 101, in d. Literatarztg. 101. 
— u.v.Gebhardt,Texte u.Unters. u.s.w. 

18, Anm. 3. 40, Anm. 2. 
Hefele, Konziliengesch. 114. 144. 
Helena, Helenopolis (Drepanum) 47, 

Anm. 1. 
Henoticon 18, 24 f., Anm. 5. 119. 
Heraclius, röm. Kaiser 64, Anm. 3. 65. 

84, Anm. 2. 141. 
Hermes, Zeitschrift 116. 
Herzog-Plitt, Real-Encykl. 63. 64, 

Anm. 1. 
Heuschrecken 28 f. 30. 118 (LXXVI). 

120. (LXXV1U), vgl. 104. 
Hiba 9 (L1X). 16, Anm. 2. 37, Anm. 1. 

54. 55. 56. 62. 63. 69. 70. 71, Anm. 1. 

73. 75, Anm. 3. 76. (82). 110 (LIX). 

Ulf. (LX, LX1II). 112 (LXIV), vgl. 

Anm. 1. 114 (LXVIII). 117. 
Hierateion der Kirche v. Edessa 55. 

112 (LXIV). 
Hieronymus 46. 47, Anm. 72. 73. 89. 

90. 109. 
Hoffmann, Georg, Auszüge aus syr. 

Act. pers. Märtyrer 98. 107. — 

Karte von Edessa (bei Wright, 

Chron. of Jos. Styl.) 84 f., Anm. 3. 

96. 106. 115. — Verhandlgn d. 

2. Kirchenversammlg zu Ephesus 

53, Anm. 6. 61, vgl. Anm. 1. 110. 

111. 112*, vgl. Anm. 115. 
Holder-Egger 57, Anm. 1. 
Homeriten 60. 
Homöer 101. 
Homousianer 8. 9, Anm. 2. 101. 102 

(XXXIII). 
Honorius, weström. Kaiser 108 (LH). 

138 (CVI). 
Hormisdas, Papst 78, Anm. 1. 



Hunneneinfall zur Zeit des Arcadius 
104 (XL). — zur Zeit des Anastasius 
36, Anm. 1. — zur Zeit cL Justinian 
46. 136 (CIH). 

Hydatius Fasti 99. 

Hymnen 18, Anm. 1. 77, Anm. 1. — 
— u. Reden über den Einfall der 
Hunnen 10 u. 106 (XLV1I). 1(4. 

— Bardesanische 2. Anm. 2. 

Jacobiten 17. 18, Anm. 1. 74. 141. 
Jacobos Baradaeus (Burde c ana) 18. 

65, Anm. 2. 72. 81, vgl. Anm. 2. 

82. 144, vgl. auch unter Kleyn. 
Jacobus (Interpres), Bisch, v. Edessa 

12, Anm. 23, Anm. 1. 81 f., Anm. 2. 

100. 106. 110. 141. 
Jacobus intercisus 108 (LIV). 
Jacob, Bisch, v. Nisibis 75. 95 (XVII). 

96. 98. 
Jacob von Sarug 16, Anm. 1. 18, vgl. 

Anm/1 u. 3. 60. 74. 7a 117f. 127 f. 
Jahrbücher, neue — für Philologie 

ed. Fleckeisen 12, Anm. 64, Anm. 1. 

101. 
Jakübi 92. 
Jazid 141. 
Ibas siehe Hiba. 
Ideler, Handb. d. Chronologie 40. 115. 

133, Anm. 2. 
Jeep 12, Anm. 1. 64, Anm. 1. 101. 
Jesaias, Bisch, v. Edessa 81 £, Anm. 2. 

142. 
Indictio, Rechnung nach — 40 f. 95. 

112. 126. 131. 
Inschriften in Edessa 140. 
Johannes, Bisch.v. Edessa 81f., Anm. 2. 

142. 

— Chrysostomus 11. 63 ff. 75. 105 
(XLV). 

— Diacrinomenos 129, Anm. 3. 

— von Ephesus 23, Anm. 2. — Land 
Anecd. Syr. Tom. II. 19. 20 ff. 36, 
Anm.l. 37, Anm. 1. 43 ff., 55, Anm. 3. 
62. 63, vgl. Anm. 3. 64. 66f. 77. 78, 
Anm. 1. 79, Anm. 3. 80, Anm. 1. 2. 

11* 



Digitized by 



Google 



164 



Register. 



89. 93. 100. 118. 119. 120. 128*. 
130. 132. 133. — Hist. eccl. ed. 
Cureton. 93. 125 f. 134. — Ab- 
fassung d. 2. Bandes d. Hist. eccl. 
66 f. — benutzt den Malalas 16, 
Anm. 1. 43 ff. 66 f. 132 f. 133 f. 
u. a. St. 
Johannes von Gabala 129, Anm. 3. 

— Kappadox, Patr. von Konstnpl. 
123. 126. 

— Malalas (J. von Antiochien) 16, 
Anm. 1. 20 ff. 42, Anm. 43 ff. 60. 
66. 75, Anm. 2. 89. 96. 103. 109. 
112. 116. 119. 124. 125*. 126, Anm.2. 
129. 132 f. 133. 134. 135*. 136. 137. 

— Moschus 63, vgl. Anm. 5. 

— von Nikiu 18, Anm. 3. 

— Psaltes 77, Anm. 1. 

— Resaphensis 140. 

— Scytha, General des Zeno 116. 

— der Täufer 115. 

Josua Stylites 4. 5. 9 f., Anm. 2. 27 ff. 
36, Anm. 1. 59. 60, vgl. Anm. 1. 61, 
vgl Anm. 2. u. 3. 93. 94. 95. 96. 
104. 111. 115. 117f. 118—121. 126, 
Anm. 2. 135. 136. — Epitome aus 
— 33. 34 f. 36 f. 46. 59, Anm. 2. 104. 

Jovian, röm. Kaiser 96. 

Irenaeus Digamus, Bisch, v. Tyrus 
71, Anm. 1. 111 (LXII1). 112. 

Isaac von Antiochien, Schriftsteller 
u. Archimandrit. 10. 17 ff. 75. 113 
(LXVII). 

Isidorus Mercator 94. 95. 

Isidor v. Sevilla 63, vgl. Anm. 6. 64, 
Anm. 1. 

Juden, Synagoge der — 8. 106f. (LI). 

Julianus, röm. Kaiser 99 (XXVI). 109. 

— Saba 97. 100 (XXVIII). 
Julius Africanus 50 f., Anm. 3. 
Justin, röm. Kaiser 42. 67. 76. 77, 

Anm. 1. 80. 124 ff. (LXXXVI, 
LXXXVII). 129. 131. 135 (CI). 
138 (CVI). 
Justinian 44f. 59, Anm. 2. 62. 66. 68. 
69. 70. 73. 74. 80. 82. 83. 85 f., 



Anm. 2. 93. 124. 130 (XCII). 131 
(XCV. XCVI). 132. 135 (CI). 137. 
Justinopolis 130. 

Kapelle der Apostel (Beth äelihe) 
55. 62. 63. 110 (LIX). 111. 

— des Apostels Mari Addai siehe 
K. des Mari Johannes d. Täufers. 

— der Bekenner 7. 32. 96 (XVIII). 
120f. (LXXXI). 

— des Mari Barlaha 8 u. 106 (XLVIII). 
116 (LXXI). 130. 135. 

— des Cosmas u. Damianus, im Spital 
des Aussätzigenhauses bei Edessa 
114f. 

— des Man Daniel 8 u. 102 (XXXIV). 

— desMari DomitiusSu.102 (XXXIV). 

— des Mari Johannes d. Täufers u. 
des Apostels Mari Addai 114 f. 

— des Maria &sot6xoq 117 f. 

— (Kirche) der 40 Märtyrer 62. 

— desMariSergius u. des Mari Simeon 
32.115. 120 f. (LXXXI). 

— des Mari Stephanus 8 u. 106 
(LI). 107. 

Ifawadh I., Kön. d. Perser 31 f. 36, 

Anm. 1. 46. 120 f. (LXXX. LXXXI). 

136. 137. 
KayÖmä bar Megertat,Stadtech reiber 

zu Edessa 88 (I). 
Kennesrin 77 f., Anm. 1. 140. 
Khalil Errahmän, Moschee in Edessa 

93. 
Kiduna 97. 
Kirche, die grosse — des Apostels 

Mari Thomas in Edessa 7 ff. 5a 61. 

62. 70. 78, Anm. 1. 84 f., Anm. 3. 

93 (XU). 95 (XVI). 102 (XXXIII). 

103 (XXXVIII). 108. 111 (LX). 112 

(LXIV). 141. 

— die neue, zu Edessa, siehe Kapelle 
der Apostel. 

Kirchenarchiv siehe unter Archiv. 
Kirchenpolitik, d. justinianische 68 ff. 
82 f. 



Digitized by 



Google 



Register. 



165 



Kirchhof zu Edessa 7—9. 94 (XIII. 
XIV). 95. 

— der Fremden zu Edessa 7. 9 f., 
Anm. 2. 94. 95. 

KleynfJacobusBaradaeus) 18, Anm. 2. 

71, Anm. 1. 72, Anm. 4. 
Kloster des M. Bsssus 117. 

— der chalcedonisohen Frauen zu 
Edessa 62. 

— des M. Julianus Saba 100. 

— der Orientalen zu Edessa 78, 
Anm. 1. 128. 

— auf der Nilinsel Tabennae 114. 
Königsliste der edess. Könige 1. 37, 

Anm. 1. 
Koinos, Bisch, v. Edessa 7. 9 f., Anm. 2. 
52, vgl. Anm. 1. 61. 93 (XU). 94. 

— Bau der Kirche v. Edessa 93 f. 
Komet 30. 33. 119 (LXXVI). 131 f. 

(XCVI). 
Kowäq, Kovoq, Kovvoq 93. 
K6v<ov 93. 
Konstantinopel 63 ff. 81 ff. 102. 103. 

105. 108. 111. 
Konsulartafelannalen 56 f. 57, Anm. 1. 
Konzil s. Synode. 
Krüger (Monophysit. Streitigkeiten 

u. 8. w.) 36, Anm. 1. 
KürS, Kyros s. Cyrus. 
Kyros, Stadt in Mesopotamien 111. 

Lagrande 95. 

Lamy 97. 100, s. auch Abbeloos u. 
Bar Hebraei Chron. eccl. 

Land 47, Anm. 89. 95. 105. 112. — 
Anecd. syriaca Tom. I siehe unter 
Chalipharum Über. Tom. II unk 
Johann, v. Ephesus. Tom III unt. 
Zachariae y. Mitylene. 

Leo.Papst 11. 22ff. 69. 78, Anm. 1. 113. 

— röm. Kaiser 102. 109. 115. 116 
(LXX). 

Leontius, Gegenkaiser des Zeno 75, 
vgl. Anm. 1-4. 116 f. (LXXU). 

Leontius Arianus von Antiochien 47 f. 
Anm. 



Leontius von Byzanz s. Loofe. 

Leontopolis-Calünicus 116. 

Le Quien ür. Christ. 101. 102. 113. 

Ldberatus 83. 

Liberius, röm. General 79, vgl. Anm. 3. 
129. 130. 

Lipsius, Abgarsage 50, Anm. 1. 52, 
Anm. 1. 53, Anm. 1. — Apokryphe 
ApoBtelgesch. etc. 9 f., Anm. 2. 50, 
Anm. 2. 103. — Literar. Centralbl. 
9 f., Anm. 2. 

Liste 8. u. Bischofsliste, Königsliste. 

Literaturzeitung 47 f., Anm. 1. 101. 

Loofs (Leontius v. Byzanz) 18, Anm. 3. 
40, Anm. 2. 72, vgl Anm. 3. 73, 
Anm. 3. 75, Anm. 2. 124. 

Lucianus martyr 47, Anm. 50, Anm. 3. 

Lucius Caesar (Verus) 37, Anm. 1. 
90 (VII). 

Mabbog 71, Anm. 1. 140. 
Macedonius, Patr. v. Konstnpl. 33. 75. 

119 (LXXVII). 122 (LXXXIV). 
Maifer^at 136 f. 
Mamertinus consul (362) 99. 
Mani 91 (X) 92. 
Manichaer 92. 

Mansi, Coli. Con. 18. 95, 108. 
Äaris, der Perser 69. 112. 
Marc Aurel 37, Anm. 1. 90. 
Marcellinr" Comes IQL 109. 114. 116 f. 

124. 135. 137. 
Marcian, röm. Kaiser 113. 
MarcianuB consul (472) 109. 
Marcion 89 (VI). 90. 
Marcioniten 89. 
Mardin 140. 
Marius Mercator 72. 
Marjabh bar Semeö, Stadtschreiber 

von Edessa 88 (I), vgl. Anm. 1. 
Maroniten 17. 18, Anm. 1. 22. 
Martin. Abbe* 119. 127. 
Martyrerkirchen 61f. 93, vgl.Kapellen. 
Masudi 92. 
Mausoleum des Königs Abgar VI. 

89 (V). 140. 



Digitized by 



Google 



166 



Register. 



Maximus, Patr. v. Antiochien 114. 

Mederfluss 100. 

Meletianischer Streit 102. 

Meletios 47 f., Anm. 

Memoires de 1'AcacL de St. Petersbg. 

1. 48, Anm. 2. 88. 139. 142. 
Merobaudes consul (383) 103. 
Mesopotamien 31. 95. 98. 104. 120. 
Mesrob 50 f., Anm. 3. 
Messias 49, Anm. 1. 138. 
Metaphrastes 93. 
Michael Syrus 25, Anm.l. — Chronik 

9, Anm. 1 u. 2. 12, Anm. 20f. 22 ff., 

vgl. Anm 1. 23, Anm. 1. 25 f. 26, 

Anm. 1. 36, Anm. 1. 41, Anm. 1. 

65, Anm. 4. 66. 67. 71, Anm. 1. 

75, Anm. 4. 77. 81, Anm. 2. 82, 

Anm. 2. 89. 108. 116. 124. 129. 

130. 134. 
Michaelis, Joh. Dav. 3, Anm. 2. 
Midsbin e. Nisibis. 
Migne, Patrolog. lat. 63, Anm. 6. 
Moawiya I. 81, Anm. 2. 141. 
— II. 81 f., Anm. 2. 
Modestus 101. 
Möller, Kirchengesch. 72, Anm. 1. 

90. 107. 
Mommsen 126. 
Monophysiten 17 ff. 71, Anm. 1. ft, 

78, vgl. Anm. 1. 80ff. 107 u. a. St, 
Monophysitismus 75, vgl. Anm. 3. 

78, Anm. 1. 80f. 82, Anm. 2. 83 

u. a. St. 
Montanas 89. 

Mopsuestia 69. 71. 73. 105. 
Moses von Chorene 50, Anm. 1. 3. 
Müller, C. Odof. 45, Anm. 1. 133. 
Muhammed, Brud. d. Em. Abdal- 

laha 62. 
Mußcianus consul (512) 109. 

Nars&, Naraes, e. aufsässiger General 

des Phocas 81, Anm. 2. 
Nefal?- Schema 54. 55. 
Negbath 61, Anm. 3. 
Nestle 3, Anm. 3. 48. 



Nestorianer 17, Anm. 1. 19. 37. 72. 

79, Anm. 3. 82. 142 u. a. St. 
Nestorianismus 37, Anm. 1. 53. 71. 

73. 76 u. a, St. 
Nestorius 71, Anm. 1. 108. 110. 
Neumann, K. J. 109. 140. 
Nevitta consul (362) 99. 
Nicaea 99 s. unter Synode. 
Nicephorus Callisti 107. 111. 
Nicomedia 98f. (XXV). 
Nicopolis(£mmaus)29. 119(LXXVI). 
Niebuhr, Karaten 84 f., Anm. 3. 
Nimrud-Dagh 84, Anm. 3. 94. 
Nisibener 96. 
Nisibis 96. 98. 
Nöldeke, Theodor 2, Anm. 4. 36, 

Anm. 1. 67. 81, Anm. 2. 82, Anm. 2. 

92. 109. 
Nonnus, Bisch, v. Edessa 56, Anm. 2. 

70. 76. 102. 112 (LXIV). 114 f. 

(LXVI11). 116 (LXXI). 130. 135. 
Nordlicht 30 f. 120 (LXXIX). 
NünS s. KoinOB. 

Octoechus d. Severus v. Antiochien 

77 f., Anm. 1. 
Orhfii s. Edessa. 
Orhai bar Hewja 88. 
Osroene 50 f. 84, Anm. 2. 102 (XXXV). 

116. 135. 
Overbeck (Ephraemi Syri etc. opera 

selecta) 89. 92. 106. 107 f. 110. 
Oxyrynchus 101. 

Pachidas (Pekida), Bisch, v. Edessa 
105 (XLII1). 106 (XLIX). 144. 

Palast, der „ grosse* (Sommer-)Palast 
des Abgar IX. 48. 85 (I). 87. 91 
(IX). 140. 142. — der Winter- auf 
Beth-Tabarfi, 48. 87. 91 (IX). 140. 

Palästina 71. 109. 

Palmsonntag, zum regelm. Festtag 
in Edessa erhoben 118. 

Palut, Bisch, v. Edessa 52, vgl. Anm. 1. 

Papurion, ein Kastell 117. 

Parther 37, Anm. 1. 90. 



Digitized by 



Google 



Register. 



167 



Patricias cons. (459) 114. 
Patricius, Feldherr des Justin 77. 
126f. (LXXXVIII). 

— Ehrentitel des Justinian 70. 80. 

130 (XCII). 

Patzig, Unerkannt u. unbekannt 
geblieb. Malalasfrgmte. 42, Anm. 
Paulus consul (496). 119. 

— consul (512) 109. 

— von Callinicus 77, Anm. 1. 

— Judaeus, Patriarch v. Antiochien 
41. 71, Anm. 1. 125 f. 

— Bisch, v. Edessa 24, Anm. 5. 37, 
Anm. 1. 41. 54. 55, Anm. 1. 76. 77, 
vgL Anm. 1. 78, vgl. Anm. 1. 79, 
vgl. Anm. 2. 80. 121 (LXXXII). 
126 ff. (LXXXVIII). 130f. (XC11). 

131 (XCIII). 

— von KenneSrin 77 f., Anm. 1. 

— von Samosata 71, Anm. 1. 

— Notar des Vitalian 124. 
Pelagia, Acta der 114 f. 
Pelagianer 72. 109. 
Pelagianismu8 46. 71. 72. 
Pelagius 71. 72. 

Perserturm auf d. Burg zu Edessa 

86. 91. 
Perserschule zu Edessa 53. 117 

(LXXIIl). 
Peter, Bisch, von Edessa 28. 54. 76. 

118 (LXXV). 121 (LXXXII). 
Petrus Gnapheus, Patriarch von 

Antiochien 76. 

— Patriarch von Jerusalem 83. 
Pharesmanes, General d. Justin 79. 
Phile 101. 

Philippus (Buch d. Gesetze d. Lander) 

88, Anm. 1. 
Phillips, 8. Doctrina Addai. 
Philostorgius 47 f., Anm. 95. 104. 
Philoxenos s. Xenaya. 
Phönizien 64, Anm. 1. 101. 
Phokas, röm. Kaiser 81, Anm. 2. 
Photinus 71, Anm. 1. 
Photius 65, Anm. 2. 
Phrygien 89. 



Piaton, Rhetor 50 f., Anm. 3. 

Politik, justinianische Kirchen- 68 ff. 
82 f. 

PosthumianuB cons. (449) 112. 

Probus, röm. Kaiser 92. 

Procopius von Caesarea 60. — de 
aedificiis 61. 84 f., Anm. 3. 85, 
Anm. 2. 93. 97. 102. 129f. — de 
bell. Pers. 97. 102. 126, Anm. 2. 
132. 137*. 138. 

Protogenes, Bisch, v. Häran 102. 

Pseudo- Johannes (v. Ephesus) 93. 

Ptolemais s. Akko. 

Rabbula, Bisch, v. Edessa 8. 9. 54. 
55. 76. 89. 90. 92. 106 (LI). 107. 108. 
110 (LIX). 111. 133 (CV1). — Lob- 
rede (Vita) auf — 50 f., Anm. 3. 
89. 90. 106 ff. 110 f. 115. 

Ragha (Ragga) s. Callinicus. 

Res'aina, Ris'aina 102 (XXXV). 140. 

Rheinisches Museum 90. 

Rhophaeina? (-ReS'aina) 103. 

Ricimer cons. (459) 114. 

Rom 50. 78. 

Romiuzan, pers. Feldherr 81, Anm. 2. 

Rufinus Patricius 46. 137 (CIV). 

Saba, Vita des — 124. 126. 
Sachau, Ed. 84 f., Anm. 3*. 91. 94. 

100*. 118. 
Sacrarium der grossen (neuen) Kirche 

zu Edessa 62. 
Salmon, Rev. George 4. 59. 
Samosata 47. 71. 73. 102. 109. 
Samuel Presbyter 113. 
Sarkophag (yXataaoxofiov) — des 

Apostels M. Thomas 8. 9, Anm. 2. 

93. 103 (XXX VIII). — d. Märtyrerin 

Euphemia 11. 22 f. 25. 1211. 

(LXXXIU). 
Sarug 16, Anm. 1. 18, Anm. 3. 74. 78. 
Saturninus consul (383) 103. 
Schröder 77, Anm. 1. 
Schule der Perser in Edessa 53, 117 

(LXXIH). 
Schulen in Edessa 50 f., Anm. 3. 53. 



Digitized by 



Google 



168 



Register. 



Seleucia 77. 127. 

Senator 111 (LX). 

Serapion, Bisch, v. Antiochien 52, 

Anm. 1. 
Sergius Armenus, Bisch, v. Edessa 

81, Anm. 2. 142. 
Severianer 18, Anm. 3. 
Severus (Abgar X.) 84, Anm. 2. 

— Bisch, v. Edessa 81 f., Anm. 2. 141. 

— Patr. v. Antiochien 18. 24. 77 f., 
Anm. 1. 124 ff. (LXXXVI1). 

— röm. Kaiser 3. 84 (I). 138 (CVI). 
Sidon 31. 

Siegfried s. Geizer. 

Sievers 111. 

Silvanus, Bisch, v. Edessa 54. 105 

(XLII. XLni). 
Simeon von Beth-Arsam 16, Anm. 1. 

17, Anm. 3. 117. Vita des — 89. 

— Bisch, v. Edessa 81 f., Anm. 2. 

— der Cönobit 122 f. 

— Kokensis 16, Anm. 1. 17, Anm. 3. 

18, Anm. 1. 

— Stylites 42f. (§ 15). 75. 115 (LXIX). 
Vita des — 115. 

Sirmond 114. 135. 
SxiQtoq 85, Anm. 2. s. Daizan. 
Smith and Wace s. Dictionary. 
Socrates (Hist. eccl.) 12ff. 23, Anm. 1. 

(34, Anm. 1. 99. 102. 103. 104. 105. 

106. 110. 
Sophene 104. 

Sophronius, Bisch, v. Telia 11 1 (LXIII). 
Sozomenus 12 ff. 23, Anm. 1. 64, 

Anm. 1. 98. 100. 103. 104. 
Spital des Auss&tzigenhauses vor d. 

Stadt Edessa 114 f. 144. 
.Stadthaus, die offici eilen Berichte des 

-es zu Antioch. 45. 
Staubregen 47. 109 f. (LV11). 
Steuer {awxikeia) 118. 

— Gewerbe- {xQVodyQVQOv) 118. 
Steuererlaß des Kön. Abgar IX. 48. 

88 (I). — d. Anastasius 118. 
Sür 8. unt. Tyrus u. Synode. 
Süverek 119. 



Synagoge der Juden 106 f. (LI). 
Synodorum über 113. 
Synode zu Antiochien (379) 102. — 
(411) 106. 

— zu Berytus (448) 113. 

— zuChalcedon 17. 23. 42. 68 ff. 74. 
77, vgl. Anm. 1. 78, Anm. 1. 80. 
113 (LXVI). 114 f. 119. 121 f. 122. 
126 f. 128. 131. 

— zuEphesus — I (431) 17. 71. 73. 74. 
110 (LV1D). 131. — II (449) 19. 
61. 69. 70. 74. 76. 80. 111 (LXIII). 
112. 113. 

— zu Jerusalem (518) 126. 

— zu Konstantinopel (381) 73 f. 102. 
103 (XXXVI). — (512?) 23 f. — 
(518) 126. 131. — (553. V. Konzil) 
63, Anm. 1. 81. 82. 83. 

— zu Nicaea (325) 52, vgl. Anm. 1. 58. 
68. 73. 74. 94 (XIII). 95 (XV). 96. 131. 

— zu Sidon (511/2) 24. 

— zu Tyrus (511/2) 24, Anm. 5. — 
(518) 126. 

Syrien 50. 76. 80. 81, Anm. 2. 82. 

102. 104. 
§a c ad 7. 9 f., Anm. 2. 93. 94. 
Sahrvaraz, Feldherr d. Chosrau II. 

Parvez 140. 
§amesg(e)ram 88, Anm. 1. 
Sapur I. von Pereien 92. 

— II. 96. 98. 

Sarbil, Acta des — 53. 
Sa* ut s. Sa ad. 
§ura 137. 

Tabari 36, Anm. 1. 67. 81, Anm. 2. 
92. 109, vgl. Nöldeke. 

Tabennae, e. Nilinsel 114. 

Taufkapelle s. Baptisten um. 

Teil Besmai, Schlacht bei — 32. 

Telia de Mauzelath 96. 97 (XX). 111. 
136. 

Tetrapylon vor der alten Kirche zu 
1 Edessa 62. 

■ Thalhofer (Bibliothek der Kirchen- 
I väter) 17 ff. 105. 107. 114. 



Digitized by 



Google 



Register. 



169 



Theologie, alexandrinische 68 ff. 

— antiochenische 76. 
Thebais 101. 
Theodopolis 97. 
Theodora, Kaiserin 80. 
Theodoret, Bisch, v. Kyros 12 ff. 69. 

71, Anm. 1. (82). 111 (LXIII). — 

Histor. eccl. 12 ff. 95. 96. 98. 100. 

101. 102. — hist. rel. 96. 100. 
Theodoros Anagnostes (Lector) 12. 

20. 23f. 24, Anm. 3. 117. 119. 129, 

Anm. 3. 
Theodor von Mopsuestia 11. 46. 69. 

71, vgl. Anm. 1. 72. 73. (82). 105 

(XL VI). 109. 
Theodoricus consnl (484) 116. 
Theodosiopolis (Erzerum) 32. 36, 

Anm. 1. 97. 

— (Reö'aina) 102. 103. 
Theodosins I. der Ältere (Grosse) 8. 

102 f. (XXXIV. XXXV). 103 

(XXXIX). 144. 
—II. 108. 110. 111.(112). 115.138(CVI). 
Theophilns, antioch. Chronograph 42. 

75, Anm. 2. 134. 
Theophanes (Chronographie) 20. 23 f. 

40, Anm. 2. 47, Anm. 61. 66. 78, 

Anm. 1. 81, Anm. 2. 96. 97. 100. 

101. 111. 112. 114 f. 116 f. 122. 123. 

124*. 129 f. 133. 134. 141. 
Thomas, der Apostel Mari- 8. 9, 

Anm. 2. 61 f. 93. 103 (XXXVIII). 

111 (LXI). 

— Presbyter, syr. Fortsetzer der 
Canon. Euseb. 64 f., vgl. Anm. 3. 

Thor des Barlaha zu Edessa 106. 

— von Beth Seines" zu Edessa 114. 
Timotheus, Patr. v. KoDstnpl. 122 

(LXXXIV). 123. 
Tigris 104. 119. 
Tillemout 111*. 
Tixeront 50, Anm. 2. 
Tragbahre (lectica) 118. 
Tropologion 111. 
Tyana 71, Anm. 1. 



Tyrus 24, Anm. 5. 31. 71, Anm. 1. 

111. 126. 
Überschwemmungen zu Edessa — 

die erste 2. 37 f., Anm. 48. 49. 50. 

84 ff. (I). 138 (CVI). 139; vgl. 142 f. 

— die zweite 37 f., Anm 49. 52. 
53. 86, Anm. 1. 93 (XI). 138 (CVI). 

— die dritte 49. 52. 86, Anm. 1. 
108 (LII). 138 (CVI). - die vierte 
49. 52. 79. 86, Anm. 1. 93. 128 ff. 
(XQ. 138 (CVI). 

ürbicius, Minister des Anastasius 118. 

Valens 48. 99 (XXVII). 100. 101. 102. 
Valentinian I. 48. 98. 99 (XXVTI). 

- II. 110. 

Valesius-Reading 64, Anm. 1. 
Venantius consul (484) 116. 
Vesuv 109. 

Victor, Bisch, v. Rom (188—198) 50. 
Victor Tonnonensis 117. 119. 123. 
Vitalian 40, Anm. 2. 75, vgl Anm. 2. 

121. 124 (LXXXV). 126. 
Vologeses, Bisch, von Nisibis 96. 98. 

(XXIII). 

— (-Eulogius)? 143. 

Weihwasser, Bestimmg. über die Zeit 

d. Weihe des — 118. 
Wright, William, Syr. Literature 

(Encyclop. Britann. XXII). 3. 4. 6, 

Anm. 1. 2. 12, Anm. 33. 37, Anm. 

53, Anm. 7. 59. 67. 75, Anm. 3. 

77, Anm. 1. 81f.,Anm.2. 104. 114. 

142. 144. — Catalog.of Syr.Manusc 

in the Brit. Mus. 12, Anm. 52, 

Anm. 1. 64, vgl. Anm. 2. 65, vgl. 

Anm. 2. 71, Anm. 1. 97. 100. 110. 

111. — Chronicle of Joshua the Styl. 

34, Anm. 61, Anm. 2. 84f. Anm. 3. 

86, Anm. 2. 87, Anm. 3. 93. 106. 

118, Anm. 119. — Journ. of society 

52, Anm. 1. 

Xenaya, Bisch, von Mabbog 22 f. 

125 (LXXXVII). 



Digitized by 



Google 



170 



Register. 



Zacharias von Mitjlene (Land, 

Anecdota syriaca, Tom. III) 16, 

Anm. 1. 19. 20 ff. 24*. 36*, vgl. 

Anm. 1. 40, Anm. 2. 64, vgl. Anm. 2. 

66. 67. 71, Anm. 1. 76. 77, Anm. 1. 

78, Anm. 1. 79, Anm. 2. 3. 97. 113. 

120. 122 f. 124*. 129. 130. 132. 

134. 136. 137*. 
Zaddukayß 107. 
Zamasp, Bruder des Kawadh I. 36, 

Anm. 1. 
Zeitrechnung, aegyp tische 110. 125. 

— in Antiochien gebräuchl., mit d. 

Jahresanfang am 1. Sept. 41. 42 f. 



99. 116. 125 f. 131. — nach Mond- 
jahren 108 f. 
Zeitschrift d. Deutsch. Morgenl. Ge- 
sellschaft 18, Anm. 3. 50, Anm. 3. 
65, Anm. 2. 72, Anm. 4. 77, Anm. 1. 
84 f., Anm. 3. 91. 94. 117 f. 127 f. 

— für As8yriologie 95. 

— Wiener, für die Kunde des 
Morgenl. 50, Anm. 2. 

Zeno, röm. Kaiser 18. 36, Anm. 1. 75. 
80. 112. 116 f. (LXXII). 117. 119. 
Zenobia, e. Stadt 140. 
Zonaras 141. 
Zotenberg 18, Anm. 3. 



In den Bemerkungen zu Duvals Buch (pg. 143 ult. uns. Arb.) ist mir 
ein Irrthum zugestossen. Duval benutzt keine weitere Quelle, sondern 
neigt zu der Annahme, dass in dem Worte * nu <. \o) eher der Name 
„Vologeses" als „Eulogius" zu suchen sei. Duvals Interpretation ist un- 
zulässig. Zunächst kann nicht bezweifelt werden, dass Ei?.6yioQ die nächst- 
liegende Aussprache der Form > nu^o] ist; sodann findet sich in unserer 
Chronik für „Vologeses" die syrische Form < * ^o. Somit liegt nicht 
der geringste Grund vor, von der Lesung „Eulogius" abzuweichen. 



Digitized by 



Google 



DIE APOLOGIE DES ARISTIDES. 

AUS DEM SYRISCHEN 

ÜBERSETZT 

UND MIT BEITRÄGEN ZUR TEXTVEBGLEICHUNG 
UND ANMERKUNGEN HERAUSGEGEBEN 

VON 

Dr. RICHARD RA ABB. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Vorwort. 



Zu der Übersetzung habe ich nur zu bemerken, dass ich 
nach dem Rate meines verehrten Lehrers, des Herrn Professors 
Sachau,dem ich so wohl hierfür, als auch für seine übrigen freund- 
lichst gewährten Ratschläge zu grossem Danke verpflichtet zu 
sein gern bekenne, — bestrebt gewesen bin, den syrischen Text 
möglichst treu wiederzugeben, auch die Wiederkehr derselben 
syrischen Worte durch Wiederholung desselben deutschen Aus- 
drucks zu kennzeichnen. 

In den Beitragen zur Textvergleichung wollte ich nur die 
Eindrücke wiedergeben, welche die eingehende Beschäftigung 
mit der Sache in mir hinterlassen hat Der Polemik gegen ent- 
gegenstehende Auffassungen habe ich mich enthalten. Wenn 
diese Erörterungen auch wenig zu positiven Resultaten führen, 
so hoffe ich doch, dass sie nicht vergeblich geschrieben sind. 

Der Übersetzung auch eine Reihe von Anmerkungen hinzu- 
zufügen, schien mir aus mehreren Gründen nützlich zu sein. 
Vor allem forderten die Aufstellungen des Apologeten über die 
griechischen Götter, da sie vielfach entlegenere Gestaltungen 
der Mythen berühren, auch, wie es scheint, mehrmals irrtümliche 
Auffassungen enthalten, zu solchen heraus. Dies veranlasste 
mich, auf die angezogenen Mythen näher einzugehen, die abriss- 
artigen Bemerkungen des Apologeten etwas auszuführen und 
seine Andeutungen zu expliciren. Doch gebot sowohl der von 
mir verfolgte Zweck der Erläuterung der vorliegenden Apologie, 



Digitized by 



Google 



IV Vorwort. 

als auch die Vielgestaltigkeit der Mythen die Beschränkung auf 
eine Auswahl. Das Material für diese Anmerkungen mytholo- 
gischer Art habe ich teils aus eigener Lesung der Schriftsteller 
und Scholiasten geschöpft, teils boten es die Lexika von Pauly 
und Röscher (ausführliches Lexikon der Griechischen und Römi- 
schen Mythologie). Andere Quellen sind jede an ihrem Orte nam- 
haft gemacht worden. An diese mythologischen Exkurse habe ich 
eine Reihe anderer Bemerkungen angeschlossen, die vorzugsweise 
unter dem Gesichtspunkt der Ähnlichkeit von Gedanken unsers 
Apologeten mit den Gedanken anderer Schriftsteller entweder der- 
«elbeu Zeit oder doch derselben Tendenz stehen. Wenn ich dabei 
öfter Melito und Ambros citire, so geschieht das in dieser Form nur 
der Kürze halber: die Frage der Urheberschaft der unter diesen 
Namen eingeführten Schriften ist dadurch nicht berührt. Mögen 
diese Anmerkungen, anspruchslos, wie sie gemacht sind, eine 
freundliche Aufnahme finden! 

Da es nicht thunlich war, den überlieferten griechischen 
Text beizufügen, so muss ich seinetwegen bis auf weiteres auf 
Boissonade, Anecdota Graeca IV ( — 6 ßioq BaQXaäfi xal 'icoa- 
oa<p — ) und auf Texts and studies contributions to biblical 
and patristic literature ed. by J. Armitage Robinson Vol. 1. 
No. 1. Cambridge 1891 verweisen. 

Friedenau bei Berlin, am 1. Juni 1892. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 

[Es folgt die Apologie, welche der Philosoph Aristides vor 
dem König Hadrian über die Verehrung Gottes, des Allmächtigen 1 ), 
gehalten hat]. 

An den Kaiser 2 ) Titus Hadrianus Antoninus, den Erlauchten 
(Augustus) und Frommen (Pius). Von Marcianus Aristides, einem 
Philosophen der Athener 3 ). 

L Ich, o Konig, bin durch die Gnade Gottes in diese Welt 
gekommen, und als ich den Himmel und die Erde und die Meere 
betrachtet und die Sonne und die übrigen Herrichtungen gesehen 
hatte, staunte ich über die Ausschmückung der Welt. Ich er- 
fasste aber, dass die Welt und alles, was in ihr ist, durch die 
Nötigung eines andern bewegt wird, und ich begriff, dass der- 
jenige, welcher sie (die genannten Dinge) bewegt, Gott ist, der 
ihnen einwohnt 4 ) und vor ihnen verborgen ist. Es ist aber 
klar, dass das Bewegende mächtiger ist, als das, was bewegt 
wird. Zu forschen aber über eben diesen Beweger des Alls, 
in welcher Weise er ist, — denn es ist mir klar 5 ): er ist in 
seiner Natur unbegreiflich — und zu streiten über die Festig- 
keit seiner Regierung, dass ich sie ganz erfasste, nützt mir nicht, 

1) Vgl. über Vä ^-J den Anfang der Beiträge zur Textvergleichung. 

2) Vor |-m-o oder an einer andern Stelle ist ^ ausgefallen. VgL 
Beiträge z. Textvergleichung. 

3) Wenn die Apologie überhaupt überreicht worden ist, so wird es 
in Rom geschehen sein, da der Kaiser Antoninus Pius den Boden* Italiens 
nicht verlassen hat. 

4) Wörtlich: in ihnen verdeckt ist. 

5) Hier ist im syrischen Text ? (dass) einzufügen. Dagegen ist das 
folgende ju^. (denn) zu streichen. 

Texte und Untersuchungen IX. l. a 



Digitized by 



Google 



2 Ari8tide8. 

denn niemand kann sie vollständig erfassen. Ich sage also über 
jenen Beweger der Welt (nur so viel), dass er der Gott des Alls 
ist, welcher alles um des Menschen willen gemacht hat. Und 
ich bin der Ansicht, dass dies nützlich ist, dass jemand Gott 
fürchtet, den Menschen aber nicht bedrückt. 

Ich sage aber: Gott ist nicht geboren, nicht gemacht, eine 
beständige Natur, ohne Anfang und ohne Ende, unsterblich, 
vollkommen und unfassbar. Der Ausdruck „vollkommen" be- 
deutet, dass in ihm kein Mangel ist, und dass er nichts bedarf, 
alles aber seiner bedarf. Und dass ich gesagt habe, dass er ohne 
Anfang ist, bedeutet, dass alles, was einen Anfang hat, auch ein 
Ende hat. Was aber ein Ende hat, ist auflösbar. Er hat keinen 
Namen. Denn alles, was einen Namen hat, ist ein Genosse der 
Kreatur. Er hat keine Gestalt ! ), auch keine Zusammensetzung 
der Glieder. Denn alles, was dieses besitzt, ist ein Genosse der 
gestalteten Dinge (d. h. gehört zu ihnen). Er ist nicht männlich 
und auch nicht weiblich. Die Himmel umgrenzen ihn nicht, 
aber der Himmel und alles, was sichtbar und was unsichtbar ist, 
wird durch ihn umgrenzt. Er hat keinen Gegner, denn niemand 
ist mächtiger, als er. Er hat nicht Zorn und Grimm; giebt es 
doch nichts, was gegen ihn bestehen könnte. Irrtum und Ver- 
gesslichkeit ist nicht in seiner Natur, denn er ist völlig Weis- 
heit und Einsicht, und durch ihn besteht alles, was besteht Er 
verlangt nicht Schlachtopfer und Trankopfer, auch keins von 
den sichtbaren Dingen. Er bedarf von niemand etwas, alle Lebe- 
wesen aber bedürfen seiner. 

II. Weil nun zu Euch von uns über Gott geredet worden ist, 
wie weit unsre Einsicht im stände war, über ihn zu reden, wollen 
wir jetzt zum Menschengeschlecht kommen, damit wir erkennen, 
welche von ihnen an der Wahrheit teilhaben, an derjenigen näm- 
lich, von welcher wir geredet haben, und welche von ihr abirren. 

Das ist Euch 2 ) bekannt, o König, dass es in dieser Welt 
vier Menschenklassen giebt: Barbaren, Griechen, Juden undChristen. 

1) So übersetze ich wegen des folgenden Ausdrucks: ».Zusammensetzung 
•der Glieder". {Zo^o? (n?.ttn) = Ähnlichkeit, Ebenbild, Abbild — dient im 
N. T. zur Obersetzung von elxcov, dfxolwfxa, fxoQ(p^ tviioq. 

2) Das TjfiZv des griech. Textes ist für ursprünglich zu halten. Bei 
der Beziehung auf den Kaiser allein würde im Griechischen ool gebraucht 
werden sein. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 3 

Die Barbaren nun rechnen den Anfang der Art ihrer 
Religion von Kronos und Rhea und ihren übrigen Göttern an. 

Die Griechen aber von Hellen, von dem gesagt wird, dass 
er von Dios abstammt Von Hellen aber stammte ab Aiolos und 
Xuthos, aber die übrigen der Nachkommenschaft von Inachos 
und Phoröneus, zuletzt aber von dem Aegypter Danaos und von 
Kadmos und von Dionysos. 

Die Juden aber rechnen den Anfang. ihres Geschlechts 
von Abraham, demjenigen, welcher den Isaak zeugte, von dem 
Jakob gezeugt wurde, welcher seinerseits zwölf Söhne zeugte, 
die von Syrien nach Aegypten verpflanzt wurden 1 ). Und daselbst 
wurden sie Volk der Hebräer genannt von ihrem Gesetzgeber, 
zuletzt aber wurden sie Juden genannt 

Die Christen nun rechnen den Anfang ihrer Religion von 
Jesus, dem Messias, an, und derselbe wird Sohn des höchsten 
Gottes genannt, und es wird gesagt, dass Gott vom Himmel 
herabgestiegen ist und von einer hebräischen Jungfrau Fleisch 
annahm und anzog, und dass in einer Menschentochter der Sohn 
Gottes wohnte. Dieses geht hervor aus jenem Evangelium, 
welches, wie bei ihnen erzählt wird, seit kurzer Zeit verkündigt 
worden ist, dessen 2 ) Kraft auch ihr, wenn ihr darin lesen werdet, 
erfassen werdet. Dieser Jesus also wurde vom Stamme der 
Hebräer geboren. Er hatte aber zwölf Schüler, damit sein wun- 
derbarer 3 ) Heilsplan vollendet würde. Derselbe wurde von den 
Juden durchbohrt und starb und wurde begraben, und sie er- 
zählen, dass er nach drei Tagen auferstand und zum Himmel 
erhoben wurde. Und dann sind diese zwölf Junger ausgegangen 
in die bekannten Teile der Welt. Und sie lehrten von seiner 
Herrlichkeit in aller Demut und Freundlichkeit Deshalb 
werden auch diejenigen, welche heute an jene Predigt glauben, 
Christen 4 ) genannt, welche bekannt sind. 



1) Wörtlich: in Aegypten wohnen gemacht wurden. 

2) Wörtlich: die auf ihm ruhende Kraft. 

3) Statt >c-ie lese ich nach der Emendation von Hrn. Prof. Sachau 
]h ilgV^&^g, wodurch d-av/taatq des griech. Textes wiedergegeben wird. 

4) Dem syrischen Leser musste es unverständlich sein, woher die 
Christen diesen ihren Namen haben, da der Übersetzer Xqiotoq durch 
U*aV> wiedergiebt. Daraus hätte sich eine Bezeichnung der Christen 
als der Meschichiten ergeben sollen, 

a* 



Digitized by 



Google 



4 Arisüdes. 

Es giebt also vier Klassen von Menschen, wie ich vorher 
gesagt habe: Barbaren, Griechen, Juden und Christen. 

[Gott also dient der Wind und den Engeln das Feuer, den 
Dämonen aber das Wasser und den Menschen die Erde 1 )]. 

HI. Wir wollen nun mit den Barbaren beginnen und der 
Reihe nach zu den übrigen Völkern kommen, damit wir be- 
greifen, welche von ihnen über Gott Wahrheit haben, und welche 
von ihnen Irrtum, 

Die Barbaren nun haben, weil sie Gott nicht erfasst haben, 
durch die Elemente geirrt 2 ) und haben angefangen, die Ge- 
schöpfe zu verehren an Stelle ihres Schöpfers, und eben deshalb 
haben sie Bilder gemacht und haben sie in Tempel eingeschlossen. 
Und nun verehren sie dieselben, indem sie sie mit grosser Sorg- 
falt bewachen, damit ihre Götter nicht von Raubern gestohlen 
werden. Und die Barbaren haben nicht erfasst, dass jeder, 
welcher bewacht, grösser ist als der, welcher bewacht wird, und 
der Schaffende grösser ist als das Geschaffene. Wenn nun ihre 
Götter zu schwach sind zu ihrer eigenen Befreiung, wie werden 
sie den Menschen Befreiung gewähren? Einen schweren Irrtum 
also haben die Barbaren dadurch begangen, dass sie tote 
Bilder verehrten, welche für sie ohne Nutzen sind. Und es 
wandelt mich an, o König, mich über ihre Philosophen zu 
wundern, wie auch diese geirrt und die Bilder Götter genannt 
haben, welche zur Ehre der Elemente gemacht worden sind, und 
dass die Weisen nicht begriffen haben, dass auch die Elemente 
zerstörbar und auflösbar sind. Denn wenn auch nur ein kleiner 
Teil von dem Element aufgelöst oder zerstört wird, so wird es 



1) Die eingeklammerten Worte, die sich auch im armenischen Text 
finden, haben im Zusammenhange unsrer Schrift jedenfalls keine Stelle 
gehabt. Sie nehmen sich aus, als ob sie zu einer Klassification der 
Geisteswesen (Gott — Engel — Dämonen — Menschen) gehörten und jeder 
dieser vier Klassen je ein Element als ihren besondern Bereich oder als 
ihrem Dienste gewidmet zuweisen wollten. Vermutlich sind sie nur 
durch Versehen in den (überarbeiteten) griechischen Text geraten. Die 
Nachweisung ihres ursprünglichen Standorts könnte vielleicht über die 
Frage nach dem Verhältnis des überlieferten griechischen Textes zu 
demjenigen, welcher dem Syrer vorgelegen hat, einiges Licht ver- 
breiten. 

2) Ist wohl nur freie, das Bildliche des griech. Ausdrucks nicht er- 
fassende Übersetzung für: sind hinter den Elementen hergeirrt. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 5 

ganz aufgelöst und zerstört. Wenn also die Elemente selbst 
aufgelöst und zerstört und gezwungen werden, sich einem andern 
zu unterwerfen, das härter (widerstandsfähiger) ist, als sie, und 
sie ihrer Natur nach nicht Götter sind, — wie nennen sie denn 
die Bilder, die zu ihrer Ehre gemacht sind, Gott? Gross ist 
also der Irrtum, welchen ihre Philosophen über ihre Anhänger 
gebracht haben. 

IV. Wenden wir uns nun, o König, zu 1 ) den Elementen 
selbst, damit wir von ihnen zeigen, dass sie nicht Götter sind, 
sondern ein zerstörbares und wandelbares Geschöpf, welches 
nach dem Gleichnis des Menschen ist. Gott aber wird nicht 
zerstört und verändert sich nicht und er wird nicht gesehen, 
wahrend er selbst alles sieht und wandelt und verändert. 

Diejenigen nun, welche von der Erde glauben, dass sie 
Gott sei, haben schon geirrt, indem sie zerschnitten und bepflanzt 2 ) 
und aufgegraben wird und den Unrat des Schmutzes der 
Menschen und der wilden Tiere und des Viehs aufnimmt und 
zuweilen nutzlos ist. Denn wenn sie verbrannt wird, ist sie tot; 
denn aus einer Scherbe sprosst durchaus nichts hervor. Und 
wiederum, wenn sich das Wasser auf ihr sammelt, wird sie samt 
ihren Früchten zerstört Und siehe! sie wird von den Menschen 
und vom Vieh mit den Füssen getreten und empfangt die Unreinig- 
keit des Blutes der Getöteten. Und sie wird aufgerissen und 
mit Toten angefüllt und ist ein Bergungsort (eine Gruft) für 
Leichname. Das aber ist nicht möglich, dass eine heilige, ge- 
ehrte, glückselige und unzerstörbare Natur auch nur eins von 
diesen Dingen zulässt. Hieraus ist uns klar geworden, dass die 
Erde nicht Gott ist, sondern ein Geschöpf Gottes. 

V. Auf dieselbe Art wiederum haben die geirrt, welche vom 
Wasser geglaubt haben, dass es Gott sei. Denn das Wasser 



1) Nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch müsste ich V^ durch 
„wider" übersetzen. Doch lässt sich wohl auch die Übersetzung „zu 41 
rechtfertigen. Man vgl. Jos. Styl. 24. Acta Sancti Maris (ed. Abbeloos) 
8. 26. 45. 57 folgende Wendungen: ^\%n\ 01^ )j) Uaio ^auJ^L. 
^010X4? ^ — ^Svy? )l\flnV> }J<n V »\S U) J^ul <-^> — 

2) Der Syrer übersetzt, als wenn er statt vßQi£o(t£vTjv xal xazaxv- 
Qievofiivrjv gelesen hätte: ozi^ofiivrjv (durch den Pflug) xal xaxaqwzsvo* 



Digitized by 



Google 



5 Aristides. 

ist zum Gebrauch des Menschen geschaffen worden und ist ihm 
auf viele Weisen unterworfen. Denn es verändert sich und 
nimmt Unrat auf und wird zerstört und lässt seine Natur unter- 
gehen, indem es zugleich mit vielen Dingen gekocht wird. Und 
es nimmt Farben an, welche nicht die seinigen sind, es 
wird auch durch die Kälte verdichtet und mit dem Schmutz der 
Menschen und Tiere und dem Blut der Getöteten vermischt und 
vermengt. Und von Künstlern wird es gezwungen, durch den 
Zwang der Leitungen zu fliessen und sich vorwärts treiben zu 
lassen ohne seinen Willen und einzutreten in die Gärten und in 
andere Orte, damit es sammle und fortschaffe den Unrat der 
Menschen und abwasche jegliche Unreinheit und befriedige den 
Bedarf des Menschen an ihm. Deshalb ist es nicht möglich, 
dass das Wasser Gott ist, sondern es ist ein Werk Gottes und 
ein Teil der Welt, 

So haben auch diejenigen, welche vom Feuer geglaubt 
haben, dass es Gott sei, nicht wenig geirrt, weil auch dieses fttr 
den Gebrauch der Menschen geschaffen und ihnen auf viele 
Weisen unterworfen ist, zum Kochen *) von Speisen und zur 
Herstellung 2 ) gegossener Gegenstände 3 ) und der übrigen Dinge, 
deren Eure Majestät kundig ist, — indem eben dasselbe auf 
viele Weisen ausgelöscht und zum Verschwinden gebracht wird. 



1) Statt des unpassenden 1,-c^a-*, «= Unterwerfung, serritus. lese ich 
nach der Emendation von Hrn. Prof. Sachau U^ofi, welches dem ttprjoig 
des griechischen Textes entspricht. Ig^Sn *, konnte leicht nach dem 
vorhergehenden IgnSft *Sn einem flüchtigen Abschreiber in die Feder 
fliessen. 

2) Im Syrischen steht Jjgios rutiones. Auch hierin scheint eine 
Textverderbnis zu liegen. Man erwartet ein Wort mit der Bedeutung 
„Herstellung". Vielleicht stand auch das bestimmtere l-amJ = das Giessen, 
der Gus8 [Prof. Sachau]. 

3) Der Ausdruck „gegossene Gegenstände" entstammt entweder einer 
andern Lesart (x<ovavfiaTwv statt vexQüv gw/ucctojv), oder er involvirt 
wahrscheinlicher eine Textänderung. Da zur Zeit des Aristides die Feuer- 
bestattung nichts Ungewöhnliches war, so konnte sie von diesem als Be- 
weis dafür angeführt werden, dass das Feuer dem Menschen unterworfen 
ist und sich von ihm zu den verschiedensten Verrichtungen verwenden 
lassen muss, wenngleich die Verbindung so heterogener Dinge, wie das 
Kochen der Speisen und das Verbrennen der Leichen sind, wenig ge- 



Digitized by 



Google 



Aristides. 7 

Wiederum diejenigen, welche vom Wehen der Winde ge- 
glaubt haben, dass es Gott sei, — auch diese haben geirrt. Und 
das ist uns klar, dass jene Winde einem andern unterworfen 
sind, indem ihr Wehen bald wächst und bald abnimmt und 
aufhört nach dem Befehl dessen, welcher sie beherrscht. 
Denn um des Menschen willen sind sie von Gott geschaffen 
worden, um zu befriedigen das Bedürfnis der Bäume und der 
Früchte und der Saaten, und um Schiffe auf dem Meere fort- 
zuführen, diejenigen, welche den Menschen den Bedarf (an 
Nahrung) 1 ) bringen und Dinge von da, wo sie vorhanden sind, 
dahin (bringen), wo sie nicht vorhanden sind, und um die Teile 
der Welt 2 ) in Bestand zu erhalten. Eben dieses schafft zu 
Zeiten, sei es, dass es wächst, sei es, dass es abnimmt, an der 
einen Stelle Nutzen, an der andern Verderben nach dem Wink 
des Lenkers. Und selbst die Menschen vermögen durch bekannte 
Instrumente es einzufangen und einzuschliessen, damit es ihnen 
einen Nutzen, den sie von ihm verlangen, stifte. Und über sich 
selbst hat es auch nicht eine Befugnis. Deshalb ist es unmög- 
lich, dass die Winde Götter genannt werden, sondern ein Werk 
Gottes. 

VI. Ebenso haben auch diejenigen, welche von der Sonne 
geglaubt haben, dass sie Gott sei, geirrt. Denn siehe! wir sehen, 
dass sie durch die Nötigung eines andern sich bewegt und be- 
ständig kreist und läuft, und dass sie von Stufe zu Stufe 
wandelt, indem sie täglich auf- und untergeht, um die Sprosse 
der Pflanzen und Gewächse zu erwärmen und an die Luft zu 
bringen, mit welcher alles Wachstum auf Erden sich vermischt. 
Und eben dieselbe hat durch ihren Lauf Anteil an der Be- 



schmackvoll ist. Das Zeugma dnxäv xpia xal vexgä awfiata erscheint 
nicht unerträglich, wenn man Stellen wie Lucian de mort. Peregr. 21. 37. 
Fugit. 1 (ed. Jacobitz) in Betracht zieht, wo onxäv mit xaisiv und ifim- 
TiQavcu abwechselt 

1) Das Fehlen eines syr. Wortes für rwv oiuxdjv des griech. Textes 
ist wohl nur einem Versehen zuzuschreiben. 

2) Statt „Welt 4 * möchte man lieber „Erde" lesen. Doch mag der 
Ausdruck „Welt 44 hier ebenso frei gebraucht sein, wie in den Worten cp. 
II (Anfang): „es giebt in dieser Welt vier Klassen von Menschen" und II 
(Schluss): „Die Jünger sind ausgegangen in die bekannten Teile der 
Welt." 



Digitized by 



Google 



8 Aristides. 

rechnung 1 ), ebenso wie die übrigen Sterne. Und während sie 
eine ist in ihrer Natur, ist sie vielen Teilen beigemischt (sie!) 
nach dem Nutzen des Bedarfs der Menschen, und nicht nach 
ihrem Willen, sondern nach dem Willen dessen, der sie lenkt. 
Und deshalb ist es unmöglich, dass die Sonne Gott sei, sondern 
ein Werk Gottes. Und auf dieselbe Art auch der Mond und 
die Sterne. 

VII. Die aber, welche von den Menschen der Vorzeit ge- 
glaubt haben, dass einige von ihnen Götter gewesen seien, — eben 
diese haben sehr geirrt, wie auch du, o König, weisst, weil der 
Mensch aus vier Elementen und aus Seele und Odem (Geist?) besteht 
und deshalb auch Welt genannt wird und ohne einen von diesen 
Teilen nicht bestehen kann. Er hat einen Anfang und ein Ende, 
und er wird geboren und auch zerstört Gott aßer hat, wie ich 
gesagt habe, keins von diesen Dingen in seiner Natur, sondern 
er ist nicht gemacht und nicht zerstörbar. Und deshalb ist es 
unmöglich, dass wir den Menschen ansetzen als von der Natur 
Gottes, ihn, dem zu der Zeit, wann er die Freude erwartet, Be- 
drängnis, und wann er Lachen erwartet, Weinen widerfahrt, 
er, welcher jähzornig und eifersüchtig und neidisch und reuig 
ist, abgesehen von den übrigen Mängeln. Und auf viele Weisen 
wird er zerstört durch die Elemente und selbst durch die Tiere. 
Und hieraus, o König, müssen wir den Irrtum der Barbaren be- 
greifen, dass sie darum, weil sie nicht über den wahren Gott 
geforscht haben, von der Wahrheit abgeirrt und der Begierde 
ihres Sinnes nachgegangen sind, indem sie die auflösbaren Ele- 
mente und die toten Bilder verehrten und wegen ihres Irrtums 
nicht merkten, was der wahre Gott ist. 

V1U. Wenden 2 ) wir uns nun auch zu den Griechen, 
damit wir erkennen, was sie von dem wahren Gott denken. Die 
Griechen nun haben, weil sie weiser als die Barbaren sind, stärker 
als die Barbaren geirrt, indem sie viele gemachte Götter ein- 
geführt und einige als männlich, einige als weiblich angesetzt 
haben, und dass einige von ihren Göttern gefunden worden sind, 



1) Statt des unverständlichen fjtsQic/xov (— ovq) f^ovra Übersetzt der 
Syrer, als wenn er gelesen hätte : Xoyiofxov f^ovra oder xov Xoyov (Aoyio*- 
Plov) (lextypvxa, doch kann die Cbersetzung«aach auf Deutung beruhen. „Sie 
hat Anteil an der Berechnung" ist wohl— sie unterliegt der Berechnung. 

2) Wörtlich: zurückkehren. 



Digitized by 



Google 



Arigtide8. 9 

welche die Ehe brachen und töteten und irrten und eifer- 
süchtig waren und zürnten und von Leidenschaft glühten und 
ihre Eltern töteten und stahlen und raubten. Und einige von ihnen, 
erzählen sie, waren lahm und hinkten, und einige sind Zauberer 
und einige sind wahnsinnig gewesen, einige haben Cithern ge- 
schlagen, einige pflegten die Berge zu durchstreifen, einige sind ge- 
storben, einige sind durch Blitze erschlagen worden, einige sind 
selbst von den Menschen unterjocht worden und einige sind ge- 
flohen. Einige sind von Menschen gestohlen worden und einige, 
siehe! wurden beweint 1 ) und betrauert von Menschen. Und einige, 
erzählen sie, sind zum Hades 2 ) hinabgestiegen, einige sind durch- 
bohrt worden und einige haben sich in die Gestalt von Tieren ver- 
wandelt, um das Geschlecht sterblicher Frauen zum Ehebruch 
zu verleiten, und einige wurden des Beilagers bei Männern ge- 
ziehen. Und einige, erzählen sie, sind mit ihren Müttern und 
Schwestern und Töchtern eine Verbindung eingegangen. Über 
ihre Götter aber sagen sie, dass sie mit Menschentöchtern Ehe- 
bruch getrieben haben, und dass von diesen ein Geschlecht ge- 
boren wurde, welches selbst auch sterblich war. Und über einige 
(Göttinnen) sagen sie, dass sie über die Schönheit stritten und 
vor Menschen ins Gericht kamen. 

Verruchtes also und Lächerliches und Thörichtes, o König, 
haben die Griechen über ihre Götter und über sich selbst vor- 
gebracht, dadurch, dass sie diejenigen, welche so beschaffen sind, 
Götter genannt haben, diejenigen, welche nicht Götter sind. 
Und hieraus haben die Menschen Vorwände genommen, die Ehe 
zu brechen und Unzucht zu treiben und zu rauben und alles 
Böse und Hässliche und Abscheuliche zu thun. Denn wenn die, 
welche ihre Götter genannt werden, alles das, was oben ge- 
schrieben ist, gethan haben, wie viel mehr dürfen es die Menschen 
thun, welche an eben diese glauben 3 ), die dieses gethan 

1) xonzeo&ai ist vom Syrer in passiver Bedeutung aufgefasst worden, 
sicher mit Unrecht Für den Zusatz ,,von Menschen" findet sich in der 
späteren speziellen Darlegung keinerlei Unterlage. 

2) Ich setze für \^u (Vi»«) Hades, weil dies Wort sowohl die Unter- 
welt als deren Beherrscher bezeichnet. Der Syrer braucht zwar auch 

\oa^ für beides, aber für Pluton wohl aus Missverständnis. 

3) Hiernach ist vermutlich im griech. Text ol nQoa^ovxtq avrotg 
ausgefallen, wie es sich in Barlaam und Joas. (Boissonade, Anecdot. Graec. 



Digitized by 



Google 



10 Aristidea, 

haben. Und siehe! wegen der Verruchtheit 1 ) dieses Irrtum» 
sind den Menschen anhaltende Kriege widerfahren und grosse 
Hungersnöte und bittere Gefangenschaft und Entblössung von 
allem. Und siehe! sie ertragen es, und alles dies kommt über 
sie allein aus diesem Grunde. Und während sie es ertragen, 
erkennen sie nicht in ihrem Sinne, dass um ihres Irrtums willen 
dies ihnen widerfahrt. 

IX. Lasst uns nun zu der Erzählung von ihren Göttern kommen, 
damit wir sorgfaltig Nachricht geben von allem, was oben gesagt 
worden ist. 

Vor allem führen die Griechen als Gott ein den Kronos, 
welches verdolmetscht wird Kewan. Und seine Verehrer schlachten 
ihm ihre Kinder, einige aber verbrennen sie, während sie noch 
leben. Von demselben erzählen sie, dass er Rhea sich zum Weibe 
nahm und mit ihr viele Kinder zeugte; mit welcher er auch Dios 
zeugte, der Zeus genannt wird ; — er (Kronos), der zuletzt wahn- 
sinnig wurde und aus Furcht vor einer Weissagung, welche ihm 
gesagt worden war, seine Kinder zu essen anfing, — er, welchem 
Zeus gestohlen wurde, ohne dass er es merkte, — derselbe, 
welchen Zeus zuletzt band, ihm die Kennzeichen der Mannheit 
abschnitt und ins Meer warf, von wo, wie sie in der Fabel er- 
zählen, Aphrodite geboren ward, welche Estera genannt wird. 
Den Kronos aber warf er gefesselt in die Finsternis. Gross also 
ist der Irrtum und ein Gespött, welchen die Griechen über den 
ersten ihrer Götter eingeführt haben, deshalb weil sie alles dieses 
über ihn gesagt haben, o König. Es ist unmöglich, dass ein Gott 
gebunden oder entmannt werde. Oder er ist sehr verächtlich (elend). 

Nach Kronos führen sie als einen andern Gott Zeus eiu 
- und erzählen von ihm. dass er die Herrschaft übernahm und König 
aller Götter wurde. Und sie erzählen von ihm, dass er sich in Vieh 
und in anderes verwandelte, um die sterblichen Frauen zum Ehebruch 
zu verleiten 2 ) und sich von ihnen Kinder zu erwecken, indem sie 
sagen, dass er sich einstmals in einen Stier verwandelte aus Liebe 



IV. S. 200) ausserhalb der Apologie bei Wiedergabe desselben Ge danke ds 
findet: Ola yccp ol 9eol vf.iwv Engagav, nüiq oxyl xal ol nQoo£%ovxh$ 
avxotq av&ownoi ngd^ovai; 

1) Man kann zweifeln, ob der Obersetzer imTrjöavfiaxcav vor sich gehabt 
hat. Oder der Ausdruck „Werke des Irrtums" erschien ihm nicht stark genug. 

2) Der griech. Text hat „Ehebruch treiben mit". 



Digitized by 



Google 



Arifltides. 1 1 

zu Europa und Pasiphae, ferner sich in die Gestalt des Goldes ver- 
wandelte aus Liebe zu Danae, in einen Schwan aus Liebe zu 
Leda, in einen Mann aus Liebe zu Antiope und in einen Blitz 
aus Liebe zu Selene (Luna), also dass er mit diesen viele Kinder 
zeugte. Denn sie erzählen, dass er mit Antiope Zethos und 
Amphion zeugte, mit Selene Dionysos, mit Alkmene Herakles, 
mit Leto Apollon und Artemis, mit Danae Perseus und mit Leda 
Kastor und Polydeukes und Helena [und Paludus 1 )]. Und von 
Mnemosyne zeugte er neun Töchter, diejenigen, welche er 2 ) Musen 
genannt hat, und von Europa Minos und Rhadamanthys und 
Sarpedon. Zuletzt aber verwandelte er sich in die Gestalt eines 
Adlers aus Liebe zu dem Hirten Ganymedes. Infolge dieser 
Erzählungen, o König, ist viel Unsittlichkeit unter die Menschen, 
die zu dieser Zeit lebten, gekommen, indem sie ihre Götter nach* 
ahmten und Ehebruch trieben und sich durch ihre Mütter und 
Schwestern und durch das Beilager bei Männern befleckten und 
einige sich erfrechten, selbst ihre Eltern zu töten. Denn wenn 
der, welcher der oberste und König ihrer Götter genannt wird, 
diese Dinge gethan hat, um wie viel mehr werden ihn seine 
Anbeter nachahmen! Und gross ist die Sinnlosigkeit, welche 
die Griechen durch ihre Erzählung über diesen aufgebracht 
haben. Denn es ist unmöglich, dass ein Gott zum Ehebruch 
verleitet oder Unzucht treibt oder sich dem Beilager bei Männern 
nähert oder seine Eltern tötet. Oder es geht viel Unheil aus 
von diesem verderbenden Dämon. 

X. Ferner führen sie als einen andern Gott Hephaistos 
ein und erzählen von ihm, dass er lahm ist und eine Filzmütze 
auf seinem Haupte trägt und in seiner Hand eine Zange und 
einen Hammer hält, und dass er die Schmiedekunst betreibt, um 
durch sie seinen Bedarf an Unterhalt zu finden. Ist denn dieser 
Gott in so hohem Grade bedürftig? Das ist unmöglich, dass ein 
Gott bedürftig oder lahm sei. Oder er ist sehr kraftlos. 

Ferner führen sie einen andern Gott ein und nennen ihn 



1) Harris vermutet wohl richtig, dass wX0o?a2^a aus * w* noia^a Poly- 
deukes verstümmelt sei, welches der Abschreiber aus Versehen nochmals 
setzen wollte. 

2) Der Syrer hat also nQoarjyoQevasv gelesen an Stelle von iiqoo- 
TjyoQSvoav des griech. Textes. 



Digitized by 



Google 



12 Aristides. 

Hermes und erzählen, dass er ein Mann { ) ist, welcher die Hab- 
sucht liebt und nach Gewinn begierig ist und ein Magier und 
verstümmelt und ein Ringer und ein Dolmetscher der Reden. 
Das aber ist unmöglich, dass ein Gott sei ein Magier oder hab- 
gierig oder verstümmelt oder der nach etwas begehrt, was ihm 
nicht gehört, oder ein Ringer. Oder sonst erweist er sich als 
unnütz. 

Nach diesem führen sie einen andern Gott ein, Asklepios, 
und erzählen von ihm, dass er Arzt ist und Heilmittel und Pflaster 
bereitet, um zu befriedigen das Bedürfnis seines Unterhalts. Ist 
denn dieser Gott bedürftig? — er, welcher zuletzt von Dios durch 
einen Blitz getroffen wurde wegen des Lacedämoniers Tyndareos 
und so starb. Wenn nun Asklepios ein Gott war und, als er 
vom Blitz getroffen wurde, sich selbst nicht helfen konnte: wie 
sollte er andern helfen können? Das ist unmöglich, dass ein 
göttliches Wesen bedürftig ist oder vom Blitz erschlagen wird. 

Wiederum führen sie einen andern Gott ein und nennen ihn 
Ares und erzählen, dass er kriegslustig und eifersüchtig (leiden- 
schaftlich) ist und nach Schafen begehrt und nach Dingen, 
die ihm nicht gehören, und dass er durch sein Schwert Besitz 
erwirbt, — der, von welchem sie erzählen, dass er zuletzt mit 
Aphrodite Ehebruch trieb 2 ) und von dem kleinen Knaben Eros 
und von Hephaistos, dem Gemahl der Aphrodite, gebunden wurde. 
Es ist aber unmöglich, dass ein Gott kriegslustig ist oder ge- 
bunden oder ein Ehebrecher. 

Ferner sagen sie von Dionysos, dass ein Gott sei einer, 
welcher in den Nächten Feste veranstaltet und die Trunkenheit 
lehrt und Frauen raubt, die ihm nicht gehören. Und zuletzt, 
sagen sie, wurde er wahnsinnig, verliess seine Dienerinnen und 
floh in die Wüste, und in seinem Wahnsinn ass er Schlangen 
und zuletzt wurde er von Titanos (soll heissen: den Titanen) ge-^ 
tötet Wenn nun Dionysos ein Gott war und, als er getötet 
wurde, sich selbst nicht helfen konnte, wie sollte er andern helfen 
können? 



1) Die Vermutung von Harris, dass ]' r ^ k = Mann aus Im ^^ Dieb 
entstanden sei, hat, dadergriech.Text *A&ttj;c bietet, vielWahrscheinlichkeit. 

2) Im Syrischen steht das Pael. Da dasselbe aber, soviel ich sehe, 
sonst nicht bezeugt ist, so wird Peal zu lesen sein. 



Digitized by 



Google 



Aristidea. 13 

Wiederum führen sie Herakles ein und sagen von ihm, 
dass ein Gott sei einer, welcher Hassenswertes hasst, ein Tyrann 
und Rauflustiger und der die Frevler tötet. Von eben demselben 
era&hlen sie, dass er zuletzt wahnsinnig wurde und seine 
Kinder tötete und sich ins Feuer warf und starb. Wenn nun 
Herakles ein Gott ist und in all diesem Unheil sich selbst nicht 
retten konnte, wie konnten andere ihn um Hilfe bitten? Das 
ist unmöglich, dass ein Gott sei ein Wahnsinniger oder Trunken- 
bold oder der seine Kinder tötet oder der vom Feuer verzehrt 
wird. 

XI. Nach diesem fuhren sie einen andern Gott ein, den sie 
Apollo n nennen, und erzählen von ihm, dass er eifersüchtig und 
veränderlich ist und bald den Bogen und Köcher hält, bald aber 
die Cäther und das Plektron und für die Menschen Weissagung 
übt, um Lohn von ihnen zu empfangen. Bedarf denn dieser 
Gott des Lohns? Es ist schmachvoll, dass alle diese Dinge bei 
einem Gott gefunden werden. 

Nach ihm fuhren sie Artemis als eine Göttin ein, die 
Schwester des Apollon, und erzählen, dass sie eine Jägerin war, 
und dass eben dieselbe einen Bogen und Pfeile trug und auf 
den Bergen umherschweifte, indem sie Hunde führte, um entweder 
Hirsche oder wilde Schweine zu jagen. Es ist aber schmachvoll, 
dass eine Jungfrau allein in den Bergen umherschweift und Jagd 
auf wilde Tiere macht. Und deshalb ist es unmöglich, dass 
Artemis eine Göttin ist. 

Wiederum sagen sie von Aphrodite, dass sie eine Göttin 
sei und bald bei ihren (der Griechen) Göttern wohne, bald aber 
Menschen zum Ehebruch verleite. Bald aber hat sie Ares zum 
Liebhaber und bald Adonis d. i. Tammuz. Und einstmals weh- 
klagte Aphrodite laut und beweinte den Tod des Tammuz. Und 
sie erzählen, dass sie in den Hades hinabgestiegen ist, um Adonis 
loszukaufen von Persephone, der Tochter des Hades. Wenn nun 
Aphrodite eine Göttin ist und nicht vermochte, ihrem Liebhaber 
in seinem Tode zu helfen, wie kann sie andern helfen? Es ist 
unerträglich zu hören, dass die göttliche Natur hingelange zu 
Weinen und Wehklagen und Ehebruch. 

Wiederum sagen sie über Tammuz, dass er ein Gott sei. 
Und er ist ein Jäger und Ehebrecher. Und sie erzählen, 
dass eben dieser durch den Stoss eines Wildschweins getötet 



Digitized by 



Google 



14 AristidefiiL 

wurde, ohne dass er sich selbst helfen konnte. Wenn er aber 
sich selbst nicht helfen konnte, wie sollte er das Menschen- 
geschlecht lenken können? Und das ist unmöglich, dass ein 
Gott die Ehe brechen oder jagen oder durch Gewalt sterben 
sollte. 

Ferner sagen sie von Rhea, dass sie die Mutter ihrer Götter 
ist, und sie erzählen von ihr, dass sie einstmals Attis zum Lieb- 
haber hatte. Und eben diese erfreute sich verderbter Männer, 
zuletzt aber erhob sie Wehklagen und bejammerte ihren Lieb- 
haber Attis. Wenn nun die Mutter ihrer Götter nicht ver- 
mochte, ihrem Liebhaber zu helfen und ihn dem Tode zu ent- 
reissen, wie vermöchte sie andern zu helfen? Es ist nun 
schmachvoll, dass eine Göttin wehklage und weine, und dass sie 
an verderbten Männern Freude habe. 

Wiederum bringen sie Köre und sagen, dass sie eine Göttin 
ist. Und eben diese wurde von Pluton geraubt und konnte sich 
selbst nicht helfen. Wenn sie nun eine Göttin ist und sich 
selbst nicht helfen konnte, wie kann sie andern helfen? Denn 
ein Gott, welcher geraubt wird, ist etwas Schwächliches. 

Dies alles nun, o König, haben die Griechen über ihre 
Götter vorgebracht und erdichtet und über sie ausgesagt. Und 
hieraus haben alle Menschen Vorwand genommen, um alle Gott- 
losigkeiten und unreinen Handlungen zu begehen. Und dadurch 
wurde die ganze Erde verdorben. 

X1L Die Aegypter aber, weil sie um vieles schlechter und 
einfaltiger waren, als alle Völker auf der Erde, haben auch 
stärker als alle Menschen geirrt. Denn nicht genügte ihnen die 
Religion der Barbaren und der Griechen, sondern sie haben selbst 
welche von der Natur der Tiere als Götter aufgestellt und selbst 
Gewürm, welches auf dem Trocknen und im Wasser gefunden 
wird. Und über die Pflanzen und das Wachstum haben sie ge- 
sagt, dass einige von ihnen Götter sind, und sie sind mehr, als 
alle Völker auf der Erde, durch jede Art von Thorheit und Un- 
reinheit verderbt worden. Von Alters her nämlich verehrten sie 
die Isis und sagten, dass sie eine Göttin sei, welche ihren 
Bruder Osiris zum Gemahl hatte. Als aber Osiris von seinem 
Bruder Typhon getötet worden war, floh Isis mit ihrem Sohne 
Horos nach Byblos in Syrien und war daselbst eine bestimmte 
Zeit, bis ihr Sohn gross geworden war. Und er kämpfte mit 



Digitized by 



Google 



Aristides. 15 

seinem Oheim Typhon und tötete ihn. Darauf kehrte Isis zurück 
und ging mit ihrem Sohn Horos umher und suchte den Leich- 
nam ihres Gatten Osiris und beklagte bitterlich seinen Tod. 
Wenn nun Isis eine Göttin ist und ihrem Bruder und Mann 
Osiris nicht helfen konnte, wie sollte sie einem andern helfen 
können? Das ist unmöglich, dass eine göttliche Natur fürchte 
und fliehe oder weine und müde werde. Oder sie ist sehr 
elend. 

Über Osiris aber sagen sie, dass er ein helfender Gott ist 
und von Typhon getötet wurde und sich selbst nicht helfen 
konnte. Es ist aber klar, dass dies von der Gottheit nicht ge- 
sagt werden darf. 

Wiederum sagen sie über seinen Bruder Typ hon, dass 
einer ein Gott sei, welcher seinen Bruder tötet und von seines 
Bruders Sohn und Braut getötet wird, indem er sich selbst nicht 
helfen konnte. Wie ist denn der, welcher sich selbst nicht hilft, 
ein Gott? 

Weil nun die Aegypter einfaltiger sind, als die übrigen Völker, 
so genügten ihnen diese und ähnliche Götter nicht, sondern sie 
legten selbst Tieren, die nicht einmal einen Odem haben 1 ), den 
Namen von Göttern bei. Denn manche von ihnen verehren das 
Schaf, andre aber das Kalb, einige das Schwein, andre den Silu- 
rus und einige das Krokodil und den Sperber und den Fisch und 
den Ibis und den Geier und den Adler und den Raben. Einige 
verehren die Katze und andere den Fisch Schebbut, einige den 
Hund, einige die Natter und einige die Aspis und andere den 
Löwen und andere den Knoblauch und die Zwiebeln und die 
Dornen und andere den Panther und das Übrige dieser Art. Und 
nicht bemerken die Unglücklichea an allen diesen Dingen, dass sie 
nichts sind, während sie täglich an ihren Göttern sehen, dass sie 
gegessen werden und untergehen durch die Menschen und sogar 
durch ihresgleichen. Und zwar einige, indem sie verbrannt 
werden, und einige, indem sie sterben und verfaulen und Mist 
werden. Und sie begreifen nicht, dass sie auf viele Weisen zu 



1) Es liegt die Vermutung nahe, dasa hinter „Tieren* 4 (]Zo.+^ 
ausgefallen sei: „und Pflanzen 11 (IksjJo), und dass sich der Relativsatz 
auf diese letzteren bezog. Denn im Folgenden ist nicht nur von Tieren, 
sondern auch von Pflanzen die Rede. 



Digitized by 



Google 



16 Aristides. 

Grunde gehen. Nicht begriffen also haben die Aegypter, dass 
solche Dinge keine Götter sind, welche sich selbst nicht retten 
können. Und wenn sie denn zu ihrer eigenen Befreiung zu 
schwach sind, woher haben sie denn Kraft zur Befreiung ihrer 
Anbeter, ihnen zu helfen? Einen schweren Irrtum also haben 
die Aegypter begangen, einen schwereren, als alle Völker, die auf 
der Oberfläche der Erde leben. 

XIII. Man muss sich aber über die Griechen wundern, o 
König, wie sie, während sie alle übrigen Völker durch ihr Ge- 
baren und durch ihre Logik übertrafen, hinter toten Götzen 
und seelenlosen Bildern hergeirrt sind, während sie sehen, wie 
ihre Götter von ihren Künstlern gesägt und gefeilt und verkürzt 
und zerspalten' und verbrannt und gemalt und in jede Gestalt 
verändert werden. Und wenn sie alt werden und durch die Länge 
der Zeit untergehen, und wenn sie gegossen und zerstossen 
werden, — wie haben sie denn nicht von ihnen begriffen, dass 
sie keine Götter sind? Und diejenigen, welche ihre eigene 
Befreiung nicht bewerkstelligen konnten, wie können sie für die 
Menschen Sorge tragen? 

Aber selbst ihre Schriftsteller und Philosophen haben irrtüm- 
licher Weise über die, welche Götter sind, diejenigen, welche in 
der beschriebenen Weise gemacht werden 1 ), (die Vorstellung) ein- 
geführt, dass sie zur Ehre des allmächtigen Gottes gemacht 
werden 2 ). Und in ihrem Irrtum suchen sie dieselben (die Bilder) 

1) Ein . «g^SE>Vi (gemacht werden) ist entweder ausgefallen, oder 
wurde vom Syrer in Gedanken ergänzt. 

2) So fasse ich die dunkle Stelle nach Melito (Cureton S. 29): „Es 
könnten aber Leute sagen: Wir errichten zur Ehre Gottes selbst das 
Standbild, damit sie nämlich ein Bild des verborgenen Gottes anbeten, 
und sie wissen nicht, dass Gott überall und an jedem Orte ist und niemals 
fern ist, und nichts ohne sein Wissen geschieht." Unser Verf. weist 
anders, als von Melito in der angeführten Stelle geschieht, diesen Ge- 
danken damit zurück, dass er sagt: Ein Bild von Gott wäre nur möglich, 
wenn man Gott gesehen hätte oder sehen könnte, wem er gleicht. Dieses 
Argument findet sich bei Melito an einem andern Orte (Cureton S. 23/24): 
. . . „dass sie den Namen des Unwandelbaren übertragen auf wandelbare 
Dinge, und dass sie sich nicht scheuen, etwas Götter zu nennen, was von 
Menschenhänden gemacht ist, und dass sie sich erfrechen, zu einem Bilde 
zn machen Gott, den sie nicht gesehen haben." 

Der griech. Text bietet hier etwas ganz anderes: ol noirixal xal <pi- 



Digitized by 



Google 



Aristides. \ 7 

Gott ähnlich zu machen, von welchem niemals jemand gesehen 
hat und auch nicht sehen kann, wem er gleicht. 

Und ausser *) diesem ftihren sie über die Gottheit (die Vor- 
stellung) ein, als ob ein Mangel bei ihr gefunden würde, dadurch, 
dass sie sagen, dass er (Gott) ein Schlachtopfer empfange und 
ein Brandopfer und Sprengopfer und das Töten von Menschen 
und Tempel verlange. Gott aber bedarf nichts und hat keins 
von diesen Dingen nötig. Und es ist klar, dass die Menschen 
in diesen ihren Gedanken irren. 

Ihre Schriftsteller aber und Philosophen führen ein und sagen, 
dass die Natur aller ihrer Götter eine sei. Und sie haben nicht 
Gott, unsern Herrn, begriffen, welcher, während er einer ist, in 
allem ist. Sie irren also. Denn wenn beim Körper des Menschen, 
während er viele Teile hat, kein Glied sich vor dem andern 
fürchtet, sondern wie der Körper, während er zusammengesetzt 
ist, ganz mit sich übereinstimmt, so ziemt sich auch für Gott, 
welcher in seiner Natur ((pvöig) einer ist, einerlei Wesen (ovola), 
indem er übereinstimmt in seiner Natur und in seinem Wesen und 
sich nicht vor sich selbst fürchtet. Wenn nun die Natur der 
Götter eine ist, so ist es nicht in der Ordnung, dass ein Gott 
den andern verfolgt, auch nicht, dass er ihn tötet oder ihm Böses 
zufügt. Wenn nun Sötter von Göttern verfolgt und durchbohrt, 
einige geraubt und einige von Blitzen erschlagen worden sind, 
so ist es klar, dass die Natur ihrer Götter nicht eine ist. Und 
hieraus, o König, ist es klar, dass es ein Irrtum ist, dass sie die 
Naturen ihrer Götter zu einer Natur zusammenrechnen 2 ). 

Wenn es nun in der Ordnung ist, dass wir uns über einen 
Gott wundern, welcher gesehen wird und selbst nicht sieht, um 
wieviel mehr ist das wunderbar, dass jemand an eine Natur 
glaubt, welche unsichtbar ist und alles sieht 3 ). Und wenn es 

Xooocpoi östfoccvreq . . aefxvvvai xovq nag* avtotg d-sovs, (xeiQovwq sccX. 
Ich finde darin den Gedanken: Es war doch wohl die Absicht der Dichter, 
durch ihre Dichtungen über die Götter diese zu ehren. Diese Absicht 
ist aber in ihr Gegenteil umgeschlagen. Anstatt zur Ehre der Götter 
beizutragen, haben ihre Dichtungen durch ihren Inhalt die Schande 
derselben enthüllt und allen offenkundig dargelegt. 

1) Wörtlich: unter diesen (Ausführungen befindet sich die folgende). 

2) Im Syrischen stehen zwei Verba: rechnen und bringen. 

3) Dieser Satz enthält m. E. 1) einen schiefen Gedanken ( — denn 
es ist zwar wunderbar, dass jemand einen Gott verehrt, der gesehen wird 

Texte u. Untersuchungen IX. 1. b 



Digitized by 



Google 



IS Aristidea. 

wiederum geziemend ist, dass man die Werke des Künstlers an- 
schaue, so ist es noch einmal so geziemend, dass man den 
Schöpfer des Künstlers rühme. 

Denn 1 ) siehe! als die Griechen Gesetze gaben, haben sie 
nicht begriffen, dass sie durch ihre Gesetze ihre Götter verurteilen 2 ). 
Denn wenn ihre Gesetze gerecht sind, so sind ihre Götter frevel- 
haft, welche Gesetzübertretung begangen haben, indem sie 
einander töteten und Zauberei trieben und die Ehe brachen und 
raubten und stahlen und bei Männern schliefen, abgesehen von 
ihren andern Thaten. Wenn aber ihre Götter recht und so, wie 
sie schreiben, dieses alles gethan haben, so sind die Gesetze der 
Griechen frevelhaft, weil sie nicht nach dem Willen ihrer Götter 
gegeben sind. Und dadurch ist die ganze Welt zum Irrtum 
gekommen. 



und selbst nicht sieht, aber ein Christ kann es nicht für wanderbar er- 
klären, dass jemand an eine Natur glaubt, die unsichtbar ist und alles 
sieht, da er selbst an ein solches Wesen glaubt — ) und steht 2) wohl an 
unrechter Stelle. In einer abschliessenden Beurteilung des Heidentums, 
in welcher die parallelen Worte im griech. Text stehen, haben sie ihren 
guten Sinn, insofern der Verf. generalisirend die Götter des Heidentums 
als solche bezeichnen konnte, die gesehen werden, ohne selbst zu sehen, 
um solchen Nichtgöttern den unsichtbaren und doch alles sehenden als 
den allein wahren Gott gegenüberzustellen. Im Syrischen steht der Satz mit 
dem vorhergehenden nicht in Zusammenhang. Seine von der griechischen 
abweichende Fassung erklärt sich vielleicht daraus, dass der Syrer den 
griechischen Text anders las, als er uns überliefert ist Statt ov las er 
el, statt 6vo(aoC,uv — &av/xdt,eiv , statt &eov — <pvotv, statt zov — xiva. 
Er übersetzte also Folgendes: el yctQ XQV & £ ° v O-avfid^eiv OQaxbv xal firj 
bQwvxa, noXXüj fi&XXov &avfjtdt,eiv (aus dem ersten öav^d^eiv ergänzt) öel 
xiva doQaxov xal ndvxa bgmoav (pvoiv oißeo&ar „Glauben" für oißeo&ai 
beruht wohl auf freier Obersetzung. 

1) Die Anknüpfung durch „denn 4 *, die in dem Vorhergehenden nicht 
begründet ist, lässt vermuten, dass ein verbindender Gedanke aus- 
gefallen ist. 

2) Der Syrer übersetzt, als wenn er gelesen hätte: xaxaxQlvovat 
xüv ldl(ov 9e<3v, während der griechische Text bietet: xqLvovxoi vno xwv 
lölcov vofiwv. Dem entsprechend ist der Gedankengang ein verschiedener. 
Während der Syrer nur den Widerspruch aufdeckt, der zwischen den 
Gesetzen der Griechen und ihrer Götterlehre besteht, zieht der griech. 
Text aus diesem Widerspruch eine Folgerung für diejenigen, welche 
den Göttern so gesetzwidrige Handlungen andichten. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 19 

Denn die Erzählungen von ihren Göttern sind zum Teil 
Mythen, zum Teil physisch, zum Teil sind sie Hymnen und 
Lieder. *) Die Hymnen und Lieder nun sind leere Worte und ein 



1) Die Bezeichnungen fxv&ixal — (pvoixal — dXXrjyoQixal sind ent- 
weder vom Verf. in einem andern Sinne gebraucht worden, als sonst 
üblich war, oder man muss annehmen, dass der Text in Unordnung ge- 
raten ist. Der Verf. scheint dem Einwand begegnen zu wollen, dass das 
Anstössige der Göttererzählungen schwinde, wenn man die Mythen richtig 
auffasse. Dem gegenüber will er m. £. darthun, dass keine der üblichen 
Auffassungen der Mythen genüge Die physische und allegorische seien 
überhaupt leeres Gerede, und wenn man sie ernstlich nähme, könne von 
Religion nicht mehr die Rede sein. Bei der mythologischen Auffassung 
aber erhalte man Götter, die keine Götter mehr sind. Wer solches thut 
und leidet, wie die Dichter von den Göttern erzählen, hört damit auf, 
ein Gott zu sein. 

Zu der Annahme, dass entweder die Begriffe [iv&ixal — (pvoixal — 
dXXijyoQtxai von dem Verf. in einem vom sonstigen Gebrauch abweichenden 
Sinne angewendet worden seien, oder dass die Stelle korrumpirt sei, ver- 
anlasst mich folgende Erwägung: Wenn man die Ausdrücke /uv&ixal — 
(pvoixal — dXXr\yoQvxal oder auch pv&ixal — dXXriyoQixai oder ptv&ixal — 
(pvoixal neben einander gestellt findet, so wird mit ihnen immer ein ganz 
konstanter Begriff verbunden. Die mythische oder mythologische Auf- 
fassung der Erzählungen von den Göttern war diejenige, welche diese 
Erzählungen so nahm, wie sie gesagt sind, von wirklichem Thun und 
Leiden der Götter. Dies war zunächst der Standpunkt des Volksglaubens. 
Sehr früh aber entdeckten wenigstens einzelne; dass die von den Dichtern 
in Umlauf gesetzten Erzählungen mit einer reineren Vorstellung von dem 
Wesen der Götter unvereinbar seien. Dieser Einsicht entsprang der Ver- 
such, die Mythen zu interpretiren, allegorisch aufzufassen. Nun soll 
schon Theagenes, ein Zeitgenosse des Kambyses, auf Homer eine doppelte 
Art der Allegorie angewendet haben, die physische und die ethische 
(deorum nominibus partim elementa naturae, partim animi affectus humani 
8ignificari Lobeck, Aglaoph. S. 155). Damit sind die Elemente gegeben, 
die unser Verf. verbindet: /uvS-ixal — <pvaixat — rftixal (oder aXXr\yoQixal 
im engern Sinne). Häufig werden dXXrjyoQixwq und (pvoixwq promiscue 
gebraucht. Wird aber zwischen beiden unterschieden, so wird dXXrj- 
yogixwq in der Bedeutung von föixotq genommen. 

Treten wir nach dieser Feststellung an den griech. Text heran, so 
erregt der Satz Anstoss: el dh (pvoixal, ovx hi &eol elaiv ol xavxa norf- 
oavzeq xal na&ovreg. Wenn man nämlich die Erzählungen von den 
Göttern (pvoixwq auffasst, wenn man z. B. sagt, dass Zeus den Himmel 
oder die Luft, Demeter die Erde, ihre Tochter Köre die Feldfrüchte, das 
Hinabsteigen der Köre in die Unterwelt das Absterben des Naturlebens 
im Winter, Dionysos den Wein, die Geburt des Hephaistos durch Hera 



Digitized by 



Google 



20 Aristides. 

blosser Schall. Wenn aber diese physischen (d. h. das in ihnen 
Erzählte) so ausgeführt worden sind, wie sie sagen, so sind die, 
welche *) solches gethan und solches erlitten und erduldet haben, 
keine Götter mehr. Die Mythen aber sind flache Reden, in denen 
durchaus keine Kraft ist. 

XIV. Lasst uns nun, o König, auch zu der Geschichte 2 ) der 
Juden kommen und zusehen, welchen Gedanken sie über Gott haben. 

Die Juden nun sagen, dass Gott einer ist, der Schöpfer von 
allem und allmächtig, und dass es nicht in der Ordnung ist, 
dass etwas anderes verehrt werde, als dieser Gott allein. Und 
darin kommen sie nach meiner Ansicht der Wahrheit näher, als 
alle Völker, dass sie vor allem Gott anbeten und nicht seine 
Werke. Und sie suchen Gott ähnlich zu werden durch die 
Menschenliebe, die sie haben, indem sie mit den Armen Er- 
barmen haben, die Gefangenen befreien, die Toten begraben und 
dem Ähnliches thun, — Dinge, welche vor Gott genehm sind und 
auch den Menschen gefallen, diejenigen, welche sie von ihren 
Vorfahren empfangen haben. Aber auch jene sind von der 
richtigen Erkenntnis abgeirrt und glauben in ihrem Sinne, dass 
sie Gott anbeten, nach den Arten ihrer Werke aber gilt ihre 
Anbetung den Engeln, und nicht Gott, indem sie Sabbathe be- 
obachten und Neumonde und das Passah und das grosse Fasten 
und (sonstiges) Fasten und die Beschneidung und die Reinheit 
der Speisen, — Dinge, die sie nicht einmal vollkommen beobachten. 

XV. Die Christen aber, o König, haben, indem sie umher- 
gingen und suchten 3 ), die Wahrheit gefunden, und wie wir aus 



(dqg) die Umsetzung der Luft in Feuer bedeute, — so ist der Ausdruck: 
ol ravxa noirjoccvreq xal na&ovzeg unverständlich. Denn Himmel, Luft, 
Wasser, Erde, Wein, Feuer u. s. w. thun und leiden nicht. Von „Göttern, 
welche dieses gethan und gelitten haben", kann nur die Rede sein bei 
der mythischen oder mythologischen Auffassung jener Erzählungen. 

Die Übersetzung des Syrers beruht auf Missverständnis. Fraglich 
kann sein, ob er etwa statt el fthv ydg — ei öi gelesen hat: al fjihv yaQ — 
al ö£ und dadurch zu seiner Einteilung der Mythen in drei Klassen ver- 
anlasst worden ist 

1) Wörtlich: nun da sie solches . . . 

2) Oder Sache ? Beides scheint nicht zu passen. Vielleicht ist statt 
l-Cj-4, zu lesen 1^i~^ und zu übersetzen: Volk der Juden, — wie cp. II 
Ur 2 ^? I^r 4 „Volksstamm der Hebräer" gesagt ist. 

3) Wie Isis that. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 21 

ihren Schriften erfasst haben, kommen diese der Wahrheit und 
der richtigen Erkenntnis viel näher, als die übrigen Völker. Sie 
kennen nämlich und glauben an Gott, den Schopf er Himmels 
und der Erde, ihn, durch den alles besteht und von dem alles 
kommt, ihn, der keinen andern Gott neben sich hat, ihn, von 
welchem sie die Befehle erhalten haben, die sie in ihren Sinn 
eingeschrieben haben, Befehle, die sie beobachten im Glauben 
und in der Erwartung der zukünftigen Welt. Deshalb treiben 
sie nicht Ehebruch noch Unzucht und legen kein falsches Zeug- 
nis ab und sind nicht nach anvertrautem Gut begierig und be- 
gehren nicht, was ihnen nicht gehört, ehren Vater und Mutter 
und erweisen ihren Nächsten Gutes; wenn sie Richter sind, so 
urteilen sie mit Gerechtigkeit; Götzen in Menschengestalt beten 
sie nicht an; was sie nicht wollen, dass andre ihnen thun, das 
thun sie ihnen auch nicht, und sie essen nicht von der Speise 
der für die Götzen dargebrachten Opfer, denn sie sind rein. 
Und ihre Dränger trösten l ) sie und machen sie sich zu Freunden, 
ihren Feinden thun sie Gutes; ihre Frauen sind rein, o König, 
wie die Jungfrauen, und ihre Töchter sind züchtig. Ihre Männer 
enthalten sich jeder ungesetzlichen Verbindung und jeder Be- 
fleckung in der Hoffnung auf die zukünftige Vergeltung in der 
andern Welt Wenn aber der eine oder andere von ihnen 
Knechte und Mägde oder Kinder hat, so überreden sie dieselben, 
Christen zu werden, wegen der Liebe zu ihnen. Und wenn sie 
€8 geworden sind, so nennen sie sie ohne Bedenken Brüder. 
Die fremden Götter beten sie nicht an und wandeln in aller De- 
mut und Freundlichkeit. Falschheit wird nicht bei ihnen ge- 
funden; sie lieben sich untereinander; von den Witwen wenden 
sie ihr Gesicht nicht ab, den Waisen retten sie vor dem, welcher 
ihm Gewalt anthut, und der, welcher hat, giebt ohne Neid dem, 
der nicht hat. Wenn sie einen Fremden sehen, so führen sie 
ihn in ihre Wohnungen und freuen sich seiner, wie eines wirk- 
lichen Bruders. Denn sie nennen sich nicht Brüder nach dem 
Fleisch, sondern Brüder nach dem Geist und in Gott. Wenn 
aber einer von ihren Armen aus der Welt hinübergeht, so trägt 



1) Die Bemerkung von Harris, dass der Syrer besser gethan hätte, 
das im griechischen Text stehende nagaxaXovoi durch „ermahnen* 4 wieder- 
zugeben, ist ansprechend. 



Digitized by 



Google 



22 Ariatides. 

ein jeder von ihnen, der ihn sieht 1 ), nach seinem Vermögen 
Sorge für sein Begräbnis. Und wenn sie hören, dass einer von 
ihnen gefangen ist oder bedrängt wegen des Namens ihres Messias, 
so tragen sie alle für sein Bedürfnis Sorge, und wenn es möglich 
ist, dass er befreit werde, so befreien sie ihn. Und wenn jemand 
unter ihnen arm und bedürftig ist, und sie haben nicht Über- 
schuss an Lebensmitteln, so fasten sie zwei oder drei Tage, 
damit sie die Bedürftigen mit der ihnen notwendigen Speise 
versehen. Die Befehle ihres Messias beobachten sie mit grosser 
Sorgfalt In Rechtschaffenheit und Keuschheit leben sie, wie es 
ihnen der Herr, ihr Gott, vorgeschrieben hat. An allen Morgen 
und zu allen Stunden bekennen und lobpreisen sie Gott für 
seine Gnadengaben an sie, und für ihre Speise und ihren Trank 
sagen sie ihm Dank. Wenn aber ein Gerechter von ihnen aus 
der Welt hinübergeht, so freuen sie sich und danken Gott, und 
sie geleiten seinen Körper, als wenn er nur von einem Ort zum 
andern wanderte. Und wenn einem von ihnen ein Kind geboren 
wird, bekennen sie Gott. Wenn es sich aber wieder ereignet, 
dass es in früher Kindheit stirbt, so danken sie Gott sehr, sin- 
temal es ohne Sünden durch die Welt gegangen ist Wenn sie 
wiederum sehen, dass jemand von ihnen in seiner Gottlosigkeit 
oder in seinen Sünden gestorben ist, so weinen sie über ihn 
bitterlich und seufzen wie über einen, der der Strafe entgegen- 
geht. 

XVI. Das ist, o König, die Vorschrift des Gesetzes der 
Christen und das ist ihr WandeL Wie Menschen, welche Gott 
kennen, bitten sie ihn nur um Dinge, welche ihm zu geben und 
ihnen zu empfangen ziemen. Und so vollenden sie die Zeit 
ihres Lebens. Und weil sie die Wohlthaten Gottes gegen sie 
kennen, siehe! so sind um ihretwillen die schönen Dinge, die 
in der Welt sind, in Fluss. *) Und sicherlich: diese sind es, 
welche die Wahrheit gefunden haben, indem sie umhergingen 
und sie suchten, und aus dem, was wir begriffen haben, haben 
wir erfasst, dass diese allein der Erkenntnis der Wahrheit nahe 
kommen. Die Wohlthaten aber, welche sie erweisen, verkünden 
sie nicht vor den Ohren der Menge und sind besorgt, dass 



1) Beruht wohl auf unrichtiger Übersetzung. 

2) Dem Sinne nach = existiren. 



Digitized by 



Google 



Aristides. 23 

niemand sie bemerke. Sie verbergen ihre Gabe, wie jemand, der 
einen Schatz findet und ihn verbirgt. Und sie bemühen sich, 
gerecht zu sein, wie Leute, welche hoffen, ihren Messias zu sehen 
und von ihm die ihnen gemachten Versprechungen mit grossem 
Lobe zu empfangen. Ihre Worte aber und Vorschriften, o König, 
und die Herrlichkeit ihres Gottesdienstes und die Erwartung des 
Lohns ihrer Vergeltung nach dem Werke eines jeden von ihnen, 
welchen sie in der andern Welt erhoffen, kannst du aus ihren 
Schriften kennen lernen. Es genügt uns aber, dass wir in 
kurzen Worten Eure Majestät unterrichtet haben über das Ge- 
baren und über die Wahrheit der Christen. Denn sicherlich: 
gross und bewunderungswürdig ist ihre Lehre für den, welcher 
sie betrachten und begreifen will Und sicherlich: neu ist dieses 
Volk, und eine göttliche Beimischung ist in ihm. Nehmt also 
ihre Schriften und lest in ihnen, und siehe! ihr werdet finden, 
dass ich nicht aus mir selbst dieses vorgebracht oder wie ihr 
Anwalt dieses gesagt habe, sondern, sintemal ich dieses in ihren 
Schriften gelesen habe, habe ich es als zuverlässig betrachtet 1 ), 
auch dasjenige, was zukünftig ist. Und deshalb war ich ge- 
zwungen, die Wahrheit anzuzeigen denen, welche ihr geneigt 
sind und die zukünftige Welt suchen. Und es besteht für mich 
kein Zweifel, dass (nur) wegen der Fürbitte der Christen die 
Erde (noch) besteht. Die übrigen Völker aber irren und führen 
irre, indem sie sich vor den Elementen der Welt wälzen, sinte- 
mal das Sehvermögen ihres Geistes nicht über sie hinausgehen 
will. Und sie tasten, wie im Finstern, weil sie die Wahrheit 
nicht erkennen wollen. Und wie Trunkene schwanken sie und 
werfen einander nieder und fallen. 

XVII. Bis hierher 2 ), o König, habe ich gesprochen. 
Denn über das Übrige werden, wie oben gesagt worden 
ist 3 ), in ihren andern Schriften Worte gefunden, die schwer zu 
besprechen und selbst zu berichten sind, — (Dinge) welche 



1) Statt Z'pA,] (firmiter credidi Köm. 4, 21) erwartet man ein anderes 
Wort in dem Sinne von: so habe ich es wiedergegeben. 

2) °Eo>q wöe leitet im griech. Text den Schluss der Abhandlung ein. 
Dies darf als die ursprüngliche Stellung dieser Worte angesehen werden. 
Im syrischen Text scheinen sie zu früh zu kommen. 

3) Eine solche Andeutung fehlt im Vorhergehenden. 



Digitized by 



Google 



24 Aristides. 

nicht allein erzählt, sondern auch wirklich ausgeführt worden 
sind *). 

Die Griechen aber, o König, weil sie hässliche Dinge thun 
durch ihr Beilager bei Männern und bei der Mutter, Schwester 
und Tochter, richten ihr unreines Lachen gegen die Christen. 
Die Christen aber sind rechtschaffen und fromm, und die Wahr- 
heit steht vor ihren Augen, und ihr Sinn ist langmütig. Deshalb 
sind sie, während sie ihren (der Griechen) Irrtum kennen und von 
ihnen geschlagen werden, duldsam und ertragen sie und erweisen 
ihnen überschwenglich Nachsicht wie Leuten, welche der Erkenntnis 
ermangeln. Und für sie bringen sie Gebet dar, damit sie von 
ihrem Irrtum umkehren. Wenn es aber geschieht, dass einer 
von ihnen umkehrt, so schämt er sich vor den Christen der 
Werke, die er gethan hat Und er bekennt Gott, indem er spricht: 
In Unwissenheit habe ich dieses gethan. Und er reinigt sein 
Herz, und seine Sünden werden ihm vergeben, weil er sie un- 
wissentlich begangen hat in der früheren Zeit, als er die wahre 
Erkenntnis der Christen verhöhnte und schmähte. Und sicher- 
lich: glückselig ist das Christenvolk vor allen Menschen, welche 
auf der Erde wohnen. 

Verstummen mögen nunmehr die Zungen derer, welche Leeres 
reden und die Christen bedrängen, und sie mögen nun die 
Wahrheit reden. Denn es ist ihnen viel nützlicher, dass sie den 
wahren Gott anbeten, als dass sie einen leeren Schall ohne Un- 
terscheidungsvermögen anbeten. Und sicherlich: Gottes ist 
alles, was vom Munde der Christen gesprochen wird, und ihre 
Lehre ist die Pforte des Lichts. 

Nahen mögen ihr also alle, welche Gott nicht kennen, und 
unzerstörbare Worte empfangen, diejenigen, welche von Zeit und 
Ewigkeit her sind. Sie mögen also zuvorkommen dem gewal- 
tigen Gericht, welches durch Jesus, den Messias, über das ganze 
Menschengeschlecht kommen wird. 

[Ende der Apologie des Philosophen Aristides.] 



3) Der letzte Relativsatz, der noch an „Worte" angeschlossen ist, be- 
ruht wohl auf , unrichtiger Übersetzung des (überarbeiteten) griech. 
Textes. Was der Verf. dabei im Auge hat, ist zweifelhaft. 



Digitized by 



Google 



Erster Anhang. 

Beiträge zur Textvergleichung. 

Zur Überschrift. 

Die Worte des syrischen Textes: „ Apologie, welche der 
Philosoph Aristides vor dem König Hadrian über die Verehrung 
Gottes (des Allmächtigen?) gehalten hat" — scheinen eine von 
<lem Veranstalter des Sammelbandes 1 ), in welchem sich die 
Apologie des Aristides findet, herrührende Überschrift zu sein, 
welche kurz die nunmehr folgende Schrift charakterisiren soll, 
indem sie ihre Gattung (Apologie), ihren Verfasser, ihren 
Adressaten und ihren Gegenstand feststellt. Dass der Adressat 
einfach Hadrian genannt wird, mag darauf beruhen, dass der 
Verfasser dieser Überschrift nicht mehrere Kaiser dieses Namens 
unterschied. Das Folgende dagegen: „An den Kaiser Titus u.s.w. ft 
ist als Bestandteil der Schrift des Aristides selbst gedacht. 

Zweifelhaft kann man sein über die Beziehung von ,-m | 
{\oä) \s = allmächtig. Nach der Interpunktion ist es Bezeich- 
nung des Kaisers, wobei nur anzunehmen wäre, dass vor ,^1 
ein ^ ausgefallen sei. Doch ist schwer zu glauben, dass der 
christliche Syrer einem Menschen, und wäre es auch der römische 
Kaiser, das Prädikat beigelegt habe, das er sonst nur von Gott 
gebraucht. 

Nun setzt aber der Armenier bei seiner Überschrift: „An 
den Imperator Adrianus Cäsar" ein etwa dem griechischen avxo- 
xqcltoql entsprechendes Wort voraus, das man auch im syrischen 
Texte nicht gern missen möchte. Daher lässt sich vermuten, 

1) Die Entstehung desselben fällt, wie Herr Prof. Sachau auf Grund 
des vom Herausgeber des syrischen Textes beigefügten Facsimile der 
Handschrift urteilt, in die 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts. 



Digitized by 



Google 



26 Beiträge zur Textvergleichung. 

dass Vs f*»] nicht ursprünglich war, sondern durch die Flüch- 
tigkeit eines Abschreibers entstanden ist. Vielleicht stand an 
seiner Stelle ursprünglich U-^o^ ,-^1 = qui imperium, potesta- 
tem habet, wie auch )^vC* (jl^q** _*«) in der Titulatur des 
Kaisers angewendet wird. Dies käme auch, äusserlich betrachtet, 
dem \a r ^J{ nahe. Im Griechischen dürfte ovtoxq<xtoqi ge- 
standen haben, wenn sich auch die Begriffe „Machthaber" und 
avroxQaxcoQ nicht vollständig decken. 

Wegen der Genauigkeit, mit welcher sowohl der Kaiser, als 
auch der Verfasser der Apologie bezeichnet sind, wird man ge- 
neigt sein, diese Adresse für ursprünglich zu halten, die des 
Armeniers dagegen für verstümmelt. Doch ist dieser Schluss 
nicht ganz sicher. 

L Der syrische Text enthält im wesentlichen folgende 
Bestimmungen mehr als der griechische: 

Gott ist seinem Wesen nach unerforschlich; 

er hat alles um des Menschen willen gemacht; 

es ist nützlich, Gott zu fürchten, den Menschen aber nicht zu 

bedrücken; 

Gott ist nicht geboren, nicht gemacht, eine beständige Natur; 

Erklärung von „vollkommen" und „anfangslos' in der Anwen- 
dung auf Gott; 

Gott hat keinen Namen; 

er hat keine Gestalt und Glieder; 

er ist weder männlich, noch weiblich; 

die Himmel umgrenzen ihn nicht; 

er hat keinen Gegner/ 

Obwohl unser Apologet zu einer breiteren Erörterung über 
das Wesen Gottes keine Veranlassung hatte, da er nicht eine 
Abhandlung über Gott, sondern über die Vorzüglichkeit des 
Christentums vor dem Heiden- und Judentum schreiben wollte, 
so sind die Ausführungen, die im überlieferten griechischen Text 
fehlen, doch der Art, dass sie ebenso gut, wie die beiden Texten 
gemeinsamen, von einem Philosophen der 1. Hälfte des 2. Jahrh.^ 
zumal einem unter den Einflüssen des Christentums stehenden, 
herrühren können, da sie nichts enthalten, was jener Zeit un- 
angemessen wäre. Ich setze dabei voraus, dass die Bestimmung: 
Gott ist nicht geboren — als Gegensatz gegen die geborenen 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 27 

griechischen und andern Götter gemeint sei. Müsste man an. 
nehmen, dass die Nebeneinanderstellung: „nicht geboren — 
nicht gemacht (geschaffen)" — von den bei der christologischen 
Dogmenentwickelung hervorgetretenen Differenzirungen beeinflusst 
sei, so wäre sie dem Aristides abzusprechen und als späterer 
Einschub charakterisirt. 

Wenn aber auch die hervorgehobenen Bestimmungen Eigen- 
tum des Aristides sein können, so ist damit noch nicht erwiesen, 
dass sie es auch wirklich sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass 
sie Erweiterungen eines späteren griechischen Bearbeiters dar- 
stellen, auf dessen Hand mir auch sonst mancherlei Spuren zu 
deuten scheinen. Einen griechischen Text setzen sie allerdings 
voraus, da sie sich, obwohl mit manchen Abweichungen im ein- 
zelnen, auch in der armenischen Übersetzung finden, diese 
aber gleich der syrischen nach v. Himpers Urteil auf einem 
griechischen Original beruht. Am wenigsten möchte ich an- 
nehmen, dass ein vorhandener ausführlicherer Originaltext des 
I. cap. vom Verfasser des Barlaam und Joasaph gekürzt worden 
sei. Zu einem solchen Verfahren hatte dieser keinen ersichtlichen 
Grund. Vielmehr dürfte derselbe, wenn der ursprüngliche Text 
umfangreicher gewesen sein sollte, einen schon gekürzten Text 
vorgefunden haben. 

Der Satz: „Ich bin der Ansicht, dass es nützlich ist, dass 
jemand Gott furchtet, den Menschen aber nicht bedrückt* — 
gehört genau genommen nicht in den Zusammenhang, in dem 
er steht, da er keine Aussage über Gott enthält. Am ehesten 
könnte man ihn als einen Abschluss der Bestimmungen über 
Gott betrachten, wobei dann das Folgende: Ich sage aber . . . 
den Eindruck späterer Erweiterung machen würde. 

II. Die im griechischen Text gegebene Einteilung der Menschen 
in drei Klassen: 1) in die Verehrer vieler Götter, als deren Reprä- 
sentanten die Chaldäer, Griechen und Aegypter aufgestellt werden, 
weil diese für die übrigen Völker die Lehrer der Vielgötterei 
gewesen seien, — 2) die Juden und 3) die Christen — ist nicht 
nur sachlich und klar, sondern hat auch dies für sich, dass ihr 
der Gang der Abhandlung durchaus entspricht Zunächst geht 
aus ihr deutlich hervor, nach welchem Prinzip sie aufgestellt ist: 
die Völker werden klassifizirt rücksichtlich der Religion, — was 
für eine Schrift, die eine Untersuchung über die wahre Religion 



Digitized by 



Google 



28 Beitrüge zur Textvergleichung. 

geben will, die angemessenste Einteilung war. Sodann verläuft 
die Ausfuhrung nach der in der Disposition vorgezeichneten 
Ordnung. Denn es werden in drei Hauptteilen Heidentum, Juden- 
tum und Christentum, und ebenso in drei koordinirten Unterab- 
schnitten des ersten Teils Chaldäer, Griechen und Aegypter be- 
sprochen. 

In beiderlei Hinsicht steht ihr die vom Syrer und Armenier 
befolgte Vierteilung: Barbaren, Griechen, Juden, Christen — nach. 
Weder deutet sie selbst einen Einteilungsgrund an, noch decken 
sich Disposition und Ausführung. Denn es ist inkonsequent, 
dass der Verfasser zuerst die Religion aller nicht griechischen Völker 
unter der Rubrik „Religion der Barbaren" gemeinsam behandelt, 
und dann doch wieder derjenigen der Aegypter, welche unzweifel- 
haft zu den Barbaren zählten, eine gesonderte Besprechung 
widmet, und zwar ohne jede Motivirung. Es liesse sich verstehen, 
wenn der Aegypter im Anschluss an die Behandlung der Bar- 
baren besonders gedacht würde, etwa mit der Begründung, dass 
dies wegen der auffallenden Besonderheiten ihrer Religion nötig 
sei. Aber das ist nicht der Fall; vielmehr folgt die Ausführung 
über sie derjenigen über die Griechen, und zwar ohne Be- 
gründung, als verstehe sich das von selbst und folge unmittelbar 
aus der vorangestellten Disposition, — was nur bei der Dispo- 
sition des griechischen Textes zutrifft. Will man aber das An- 
stössige der besondern Behandlung der aegyp tischen Religion 
durch die Annahme beseitigen, dass der Verfasser mit dem Abschnitt 
über die Aegypter einen selbständigen Zweck nicht verfolge, son- 
dern dass dieser nur als ein Annex zu dem Abschnilt über die 
griechische Religion betrachtet sein wolle, so lässt sich dagegen 
Folgendes einwenden: 1) ist unter allen Umständen die Stellung 
der Aegypter hinter den Barbaren die sachgemässe, wenn eine 
andere nicht in der Disposition begründet ist; 2) macht die 
Komposition des Abschnittes über die Aegypter ebenso den Ein- 
druck, dass er als selbständiges Glied der Darstellung des Hei- 
dentums gemeint ist, wie diejenigen, welche von den Barbaren 
(Chaldäern) und Griechen handeln, und 3) würde diese Annahme 
nur dann eine gewisse Berechtigung haben, wenn erwiesen wäre, 
dass der Syrer den ursprünglichen Text wiedergebe. Dann wäre 
allerdings die Möglichkeit gegeben, den Abschnitt über die 
Aegypter als einen Einschub in die Besprechung der Griechen 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 29 

zu betrachten, da cp. XIII beim Syrer lediglich von den Griechen 
redet, demnach der Abschnitt ober die Aegypter von zwei getrennten 
Teilen der Behandlung der griechischen Religion umfasst würde. 
Aber dieser Nachweis scheint mir zur Zeit noch nicht erbracht 
zu sein, im griechischen Text aber ist cp. XIII von den 
Chaldäern, Griechen und Aegyptern und ihren Dichtern und Phi- 
losophen ausgesagt, nicht allein von den Griechen, und bildet 
einen passenden Abschluss der Besprechung des gesamten 
Heidentums. Auch widerspricht sein Inhalt dieser Angabe nicht, 
wenn auch einige Vorwürfe speziell die Griechen treffen. War 
es doch nicht nur von den Griechen, sondern auch von den 
Barbaren (Chaldäern, Aegyptern) unvernünftig, dass sie Bilder 
für Gotter hielten, trotzdem sie sahen, wie diese Götter von den 
Künstlern durch Bearbeitung mit Säge, Beil, Meissel u. s. w. 
hergestellt, und wie sie vom Zahn der Zeit zernagt wurden. 
Die Griechen konnte der Vorwurf nur in höherem Grade treffen, 
weil sie dem Verfasser für weiser, als alle andern Völker gelten. 
Und wenn die Opfer verworfen werden unter der irrigen Voraus- 
setzung, als beruhten sie lediglich auf dem Glauben, dass die 
Gottheit ihrer bedürfe, so traf der hierin enthaltene Vorwurf 
das gesamte Heidentum. Auch wurden nicht allein die Er- 
zählungen von den griechischen Göttern mythisch, physisch 
und allegorisch aufgefasst, sondern auch die von den aegyptischen, 
wie man aus Plutarch, de Iside et Os. ersehen kann. Dass aber 
der Verfasser den Widerspruch, der zwischen den Götter- 
erzählungen und den Gesetzen besteht, nur durch das Beispiel 
der Griechen belegt, erklärt sich ohne Schwierigkeit daraus, 
dass ihm einerseits die Griechen am nächsten standen, andrerseits 
die Gesetze der Chaldäer und Aegypter nicht bekannt waren. 
So liegt auch cp. XIII, wie es der griechische Text bietet, innerhalb 
des Rahmens der zugleich mit der Dreiteilung der Völker auf- 
gestellten Disposition. 

Schliesslich mag noch erwähnt werden, dass auch die Praedic. 
Petri (Clem. A. Strom. VI. 39 ff.) die Völker in drei Klassen teilt: 
"EjLXrp'sg (Heiden), 'lovöaloi, XQiouavoi, wobei die Religion der 
Christen ausdrücklich als xqlxov yivoq bezeichnet wird. Erwägt 
man, wie viele Berührungen unsre Apologie in Gedanken und 
einzelnen Ausdrücken mit der Praedic. Petri hat (vgl. cp. 43. 48. 
128), so drängt sich die Vermutung auf, dass diese Schrift von 



Digitized by 



Google 



30 Beitrage zur Textrergleichung. 

Aristddes gekannt und benutzt worden sei. Dann aber ist es 
wahrscheinlich, dass Aristides auch in der Klassifizirung der 
Völker dieser Quelle gefolgt ist, um so mehr, als die in derselben 
gebotene Einteilung sich ihm durch ihre Sachlichkeit empfehlen 
musste. 

Die Bedenken nun, die sich gegen die UrsprQnglichkeit der 
Vierteilung aus der Nichtübereinstimmung von Disposition und 
Ausführung erheben, werden verstärkt durch die auf die Vier- 
teilung folgende und auf sie gegründete, daher natürlich im grie- 
chischen Text fehlende Genealogie. Diese sticht zunächst durch 
ihre Verworrenheit hervor. Man sieht nicht recht, ob sie von 
der Volksabstammung redet, oder von der Herleitung der Reli- 
gionen. In der armenischen Übersetzung zwar scheint schlechthin 
die natürliche Abstammung gemeint zu sein. Der Übersetzer 
gebraucht viermal denselben Ausdruck: sie leiten ihr Geschlecht 
ab (yeveaXoyovvTai) — , was sich denn seltsam genug bei den 
Christen ausnimmt, bei denen es sich um eine Herleitung der 
Nationalität nicht handeln kann. Oder setzt der Übersetzer die 
Beziehung auf die Religionen als selbstverständlich voraus? 
Aber damit lässt sich nicht vereinigen , dass er bei den Griechen 
Helenos, Aiolos, Xuthos, Inachos, Phoroneus u. s. w. nennt, bei 
den Juden Abraham, welche doch nur als Stammväter der beiden 
Völker in Betracht kommen konnten. Er hätte sonst bei den 
Griechen sich mit der Angabe begnügen müssen: Die Griechen 
nennen als ihren obersten Gott den Zeus. 

Doch wenden wir uns zum Syrer! Dieser will augenschein- 
lich eine Herleitung der Religionen geben. Denn er sagt einer- 
seits von den Barbaren: sie rechnen den Anfang der Art ihrer 
Religion . . ., andrerseits von den Christen: sie rechnen den An- 
fang ihrer Religion . . . Aber schon bei den Griechen verlässt 
er die Beziehung auf die Religion, denn er nennt Namen von 
Männern, die mit dieser nichts zu thun hatten, sondern als die 
Gründer des griechischen Volkstums angesehen wurden. Die wie bei- 
läufige Bemerkung über Hellen, dass er ein Sohn des Zeus sei, 
kann nicht als eine Genealogie der griechischen Religion betrachtet 
werden. Sonst hätte sich der Verfasser mit seiner eigenen späteren 
Ausführung in Widerspruch gesetzt, in welcher er die griechische 
Religion bis auf Kronos zurückfuhrt. Was ferner über die 
Juden gesagt ist, enthält nichts anderes, als die Worte des 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 31 

griechischen Textes cp. XIV besagen: ovxoi ajtoyovoi ovrsg xov 
l4ßgaa(i, bezieht sich also durchaus auf die Volksabstammung. 

Soviel über die Unklarheit dieser Genealogie. Ausser dieser 
erregt aber auch manches andere Anstoss. 

Da in der speziellen Ausfuhrung gesagt ist: Vor allem 
fuhren die Griechen als Gott den Kronos ein . . ., der Rbea sich 
zum Weibe nahm, — so würden wir in der Genealogie den Satz 
erwarten: Die Griechen rechnen den Anfang der Art ihrer Reli- 
gion von Kronos. und Rhea. Statt dessen finden wir: Die Bar- 
baren rechnen den Anfang der Art ihrer Religion von Kronos 
und Rhea und ihren übrigen Göttern! Diese Aufstellungen 
stehen offenbar in Widerspruch und können ohne jeden er- 
läuternden Zusatz, wie sie dastehen, nicht von demselben Ver- 
fasser herrühren. 

Nun wird man vielleicht darauf hinweisen, dass ja die 
Griechen ganz gewöhnlich die Götter fremder Völker den ein- 
heimischen gleichgesetzt hätten, dass daher Aristides mit vollem 
Recht von Kronos und Rhea als von Göttern der Barbaren habe 
sprechen können. Dieser Einwurf ist nicht unberechtigt: in der 
That werden sowohl assyrisch-babylonische als aegyptische Götter 
mit Kronos und Rhea identificirt. So wird, um nur einiges an- 
zuführen, von assyrisch-babylonischen Göttern dem Kronos gleichge- 
setzt °HXioq (Öamas) Diod. 2, 30, ferner Bei Euseb. pr. ev. I, 107. 
Damascius, vita Isid., Phot. p. 343 und sonst, der Gott des Meeres 
(Ea) bei Hesychius; — von den aegyptischen Seb. Und Rhea ist 
bei Diodor ebenfalls nicht nur assyrisch-babylonische Göttin 
(2, 8, 9), sondern auch aegyptische als Mutter von Osiris und Isis 
(1, 12). Aber durch diese Thatsache werden die Anstösse nicht 
beseitigt. 

Es muss schon auffallen, dass ein Schriftsteller, der zuerst 
die Griechen und Barbaren weit von einander trennt, eben die- 
selben in der höchsten Angelegenheit, der Religion, verbindet, 
indem er ihnen den Glauben an dieselben höchsten Götter zu- 
schreibt. Aber geradezu unerklärlich ist es, dass, nachdem in 
der Genealogie Kronos und Rhea als höchste Götter der Barbaren 
aufgestellt sind, die spezielle Ausführung über diese Götter voll- 
ständig schweigt. Und doch ist es so. Denn bei Besprechung 
der Religion der Barbaren wird weder Kronos noch Rhea er- 
wähnt; da sind nur die Elemente und sonstigen Geschöpfe und 



Digitized by 



Google 



32 Beiträge zur Textvergleichung. 

die von ihnen gemachten Bilder Gegenstände der Verehrung, also 
durchaus keine irgendwie persönlich gedachten Wesen, wie es 
doch Kronos und Rhea unzweifelhaft waren. Ich möchte glauben, 
dass man, wenn man diesen Umstand erwägt, ovx elxorcog, (iaX- 
Xov öh ävayxaicoq, um mit Philo zu reden, zur Annahme der 
Verschiedenheit des Verfassers der Genealogie und der Ausführung 
gelangt 

Aber ich kann noch auf einen andern Widerspruch zwischen 
Genealogie und Ausfuhrung aufmerksam machen. In der letzteren 
wird Dionysos lediglich als Gott behandelt, in der ersteren da- 
gegen erscheint er unter den Stammvätern des griechischen Volkes, 
also unter solchen, die von den Griechen niemals flir Götter 
gehalten worden sind. 

Fasse ich das Gesagte zusammen, so ergiebt sich mir Fol- 
gendes: Sowohl die Vierteilung der Völker an sich und der In- 
halt der auf sie gegründeten Genealogie, als auch besonders der 
Umstand, dass beide mit der folgenden Ausführung nicht nur 
nicht übereinstimmen, sondern ihr selbst widersprechen, nötigen 
zu der Annahme, dass Vierteilung und Genealogie nicht von 
demselben Verfasser herrühren, der die Ausführung geschrieben 
hat, mithin nicht ursprünglich sind. Da sie nun sowohl in der 
syrischen, als auch in der armenischen Übersetzung enthalten 
sind, diese aber beide auf einem griechischen Text beruhen, so ist 
anzunehmen, dass beiden Übersetzungen ein überarbeiteter grie- 
chischer Text zu Grunde gelegen hat. 

Es könnte aber jemand sagen, dass die entgegengesetzte 
Annahme über das Verhältnis der griechischen Disposition zu 
der im syrischen Text vorliegenden näher liege, nämlich die, dass 
die syrische Übersetzung das Ursprüngliche biete, und dass der 
Verfasser des Barlaam und Joasaph den ursprünglichen Text seinem 
Zwecke entsprechend umgeformt habe. Wenn dieser dem Ere- 
miten Nahor die Apologie des Aristides in den Mund legt und 
zwar so, als ob es eine von ihm improvisirte Anrede an den 
heidnischen König Abenner wäre, wenn er eine Reihe von Sätzen 
(cp. VIII ovg sxelvoi — jigageöi) ganz aus der Apologie heraus- 
hebt und in einen andern Zusammenhang versetzt, wenn er den 
Abschnitt über die Juden vermutlich umgestaltet, auch am 
Schluss einen kurzen Passus in die Apologie eingeschoben hat, — 
so kann er auch hier geändert haben. Ich räume ein, dass dies 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 33 

möglich ist. Man kann es dem gebildeten und geistesgewandten 
Verfasser des 'Barlaam' wohl zutrauen, dass er durch Veränderung 
der Disposition die vorher fehlende Übereinstimmung zwischen 
letzterer und der speziellen Ausführung hergestellt, dass er das 
seltsame ßagßaQoc durchaus treffend mit Xcdöaloi vertauscht, die 
Anstösse, die sich aus der Genealogie ergeben, durch Weglassung 
eines Teils derselben und durch Umsetzung eines andern beseitigt 
habe. Derselbe wäre in diesem Falle ein besserer Dolmetscher 
der Absichten des Apologeten gewesen, als dieser selbst. In- 
dessen würde ich mich zu dieser Annahme nur dann verstehen, 
wenn ich für möglich hielte, dass die Disposition mit der Vier- 
teilung der Völker nebst der Genealogie und die folgende Aus- 
führung das Werk desselben Verfassers sei, — was nicht der 
Fall ist. 

Fragt man nun, was einen Bearbeiter veranlassen konnte, 
die sachgemässe Disposition mit der Dreiteilung durch die Vier- 
teilung zu ersetzen, so kann ich hierüber nur eine Vermutung 
aussprechen. Vielleicht bot der griechische Ausdruck selbst die 
Veranlassung. Die Worte: ol rmv nag* vfilv jLeyofievcop &sc5v 
gewinnen einen verschiedenen Sinn, je nachdem man auf &ec5v 
den Nachdruck legt und die Pluralität urgirt (die Verehrer von 
Göttern, also einer Mehrheit) oder xcfrv nag* vfilv jLsyofibvwv 
accentuirt (die Verehrer der bei Euch geltenden Götter). Wer 
die Stelle mit der letzteren Betonung fasste, dem konnte es 
scheinen, als umfasse diese Bezeichnung nicht das gesamte Hei- 
dentum. Daher konnte er glauben, auch das ausser dem griechisch- 
römischen bestehende Heidentum in die Einteilung mit aufnehmen 
zu müssen, und hierfür bot sich ihm ganz natürlich die Bezeich- 
nung * Barbaren" dar. 

Die Einfügung der Genealogie aber erklärt sich vielleicht auf 
folgende Art: In cp. XIV des griechischen Textes findet sich vor 
der Besprechung der Religion der Juden eine Notiz über ihre 
Abstammung und Geschichte, in cp. XV eine Herleitung des 
ydvog und ovofia der Christen, — Nachrichten, welche an ihrem 
Standort ganz berechtigt erscheinen und nicht den Eindruck 
machen, als ob sie aus einem andern Zusammenhang hierher 
versetzt worden wären. Die Gleichmässigkeit der Behandlung 
schien nun dem Bearbeiter zu erfordern, dass auch den Barbaren 
und Griechen eine Genealogie gegeben werde, und so gestaltete 
Texte u. Untersuchungen IX. l. c 



Digitized by 



Google 



34 Beiträge zur Textvergleichung. 

er unter Benutzung der in cp. XIV. XV enthaltenen Elemente 
seinen der syrischen und armenischen Übersetzung zu Grunde 
liegenden Text. Die Wendung, mit welcher der Syrer den Über- 
gang zur speziellen Ausfuhrung macht: Es giebt also vier Klassen 
von Menschen, wie ich vorher gesagt habe . . . scheint mir den 
Einschub mehr zu verraten, als zu verdecken. 

III. Die Übereinstimmung der syrischen Übersetzung mit 
dem überlieferten griechischen Text ist im ganzen so gross, dass ich 
glauben möchte, dem Syrer habe kein anders gestalteter griechischer 
Text vorgelegen. Die mehrere Zeilen umfassende Auslassung 
am Anfang des cp. rührt möglicher Weise vom Abschreiber her, 
die Umstellungen und Erweiterungen können leicht Werk des 
Übersetzers sein. Man darf vom Syrer keine bis aufs Wort ge- 
naue Wiedergabe des griechischen Textes erwarten. Derselbe legt 
sich den Text nach seiner Art zurecht, nimmt Umstellungen 
vor, giebt statt einer Übersetzung eine Erklärung und hält auch 
Erweiterungen für erlaubt. Daher läuft derjenige, welcher an- 
gesichts der zahlreichen Divergenzen der beiden Texte den Ver- 
such macht, aus der syrischen Übersetzung den unverfälschten 
Urtext zu ermitteln, Gefahr, häufig etwas für Aristideisch zu er- 
klären, was Deutung und Erweiterung des Übersetzers ist Bei 
dieser Auffassung der Sachlage werde ich von detaillirten, die 
wörtliche Rekonstruktion des ursprünglichen Textes bezweckenden 
Bestimmungen Abstand nehmen und mich darauf beschränken, 
den allgemeinen Eindruck wiederzugeben, den die Vergleichung 
beider Texte auf mich gemacht hat, und einzelne Stellen zu er- 
örtern. 

IV. Im ersten Absatz heisst es im griechischen Text von 
den Elementen: Ix xov firj ovxog üiaQax&ivxa jiQOCxäyfiaxi xov 
ovxcog &eov, og iöxiv atp&ccQrog . ., beim Syrer dagegen: „(ein 
Geschöpf), welches nach dem Gleichnis des Menschen ist. Gott 
aber ist . . ." 

Die Redewendung Ix xov fi?} ovxog xaQarfuv und eine ähn- 
liche findet sich mehrfach in dem Roman Barlaam und Joas. 
(Boissonade Anecdota IV). So heisst es S. 45: 6 xa jtavxa hc 
firj ovxcov vjioöX7}öa(ievog — 188: (XQtöxog) xrjv OQaxrjv xavxfjv 
xal aoQaxov xxlaiv kx xov ^r\ cvxog JtaQayaycov — 286: öi 
ov xa jcdvxa bc xov (irj ovxog naQTjxfrri. Ebenso findet sich 
etwas dem 6 ovxmg &€og Ahnliches: xov ovxcog ovxa &sov 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 35 

(S.51). Hiernach könnte es scheinen, dass der Verfasserdes 'Barlaam' 
eine ihm geläufige Wendung in den Text der Apologie eingefügt 
habe. Indessen habe ich öfter beim Lesen des Romans den Ein- 
druck gehabt, dass die Redeweise des Verfassers umgekehrt durch 
Ausdrücke der Apologie beeinflusst ist, sodass ich aus dem mehr- 
fachen Vorkommen der Wendung ix xov [itj ovxog jcagayeiv 
im Roman noch nicht ihre Dnechtheit herzuleiten vermag. 
Vielleicht ist die Wiedergabe des Syrers: „welches nach dem 
Gleichnis des Menschen ist. Gott aber . . . u nur ein Quidproquo. 
In der Besprechung der Kreaturen und insbesondere der 
Elemente macht im griechischen Text den Anfang ein Abschnitt 
über den ovQavog, der beim Syrer ganz fehlt. Wenn derselbe 
nicht ursprünglich war, so ist schwer ersichtlich, was zu seiner 
Einfügung Anlass geben konnte, da er kein Moment enthält, 
welches für die gesamte Argumentation ein besonderes Gewicht 
hätte. Andrerseits konnte der Himmel nebst den Sternen mit 
Fug an erster Stelle genannt werden. Ist doch dem Verfasser die 
Zusammenfassung der Geschöpfe durch: Himmel, Erde, Meer, 
Sonne, Mond und das Übrige oder xdL xa Xouza 6xoix&<* V <P<&- 
crfjQsq — eine geläufige, da sie sich sowohl am Eingang der 
Schrift, als auch in cp. III des kaum zu beanstandenden grie- 
chischen Textes findet Daher mtisste die Nichterwähnung des 
Himmels mehr auffallen, als seine Erwähnung. Da der Verfasser 
den Begriff der öro#£te nicht in strengem Sinne fasst, wie daraus 
hervorgeht, dass er Sonne, Mond und selbst den Menschen in 
dem Abschnitt über die axoixsla mit behandelt, während doch 
nicht einmal Sonne und Mond oxoix^a im eigentlichen Sinne 
des Worts genannt werden konnten, geschweige denn der Mensch, 
— kann die Erwähnung des Himmels nicht befremden. Auch 
Philo (de decem orac. MUS. 189) erwähnt die göttliche Ver- 
ehrung des ovQavog, wenn er sagt: 'Exxed-eKDxaoi yctQ ol fiev 
rag xiööaQaq OQxdg, 7V v xa ^ vdcöp xa\ diQa xal Jtvg' ol de 
r\Xiov xcü OeXrjvijv xal aXXovg nXavi\xag xal djtXavelg dcxegag' 
ol de fiovop xov ovgapov, ol de xbv övfixavxa xoöpov. Nun 
enthält allerdings die Ausführung über den Himmel einiges Selt- 
same, wie in den Worten: ix xoXXcov ovveöxdixa' 6 cd xal xoö- 
\iog xaXetxai und in der daran geknüpften Erklärung und Fol- 
gerung, auch in dem gegen das Ende stehenden Ausdruck ovv 
xw ovQarlcp xoöftcp. Aber dies kann nicht bestimmen, den 



Digitized by 



Google 



36 Beitrage zur Textvergleichung. 

ganzen Abschnitt für eingeschoben zu halten. Denn einmal 
war der Verfasser der Apologie nach dem Gesamteindruck seiner 
Abhandlung weder stark im Philosophiren, noch auch tiefer ge- 
bildet, zum andern ist der griechische Text möglicher Weise 
nicht korrekt überliefert. 

In dem Abschnitt über die Erde, in welchem der grie- 
chische und der syrische Text bis auf wenige Worte, die vielleicht 
auf anderer Lesung beruhen, übereinstimmen, hat der Syrer den 
Schlusssatz: „Das aber ist nicht möglich, dass eine heilige, ge- 
ehrte, glückselige und unzerstörbare Natur auch nur eins von 
diesen Dingen zulässt". Die Ausdrücke: glückselige und unzer- 
störbare Natur, ftaxagla xal ap&ccQTog tpvötg, deuten auf grie- 
chischen Ursprung hin. Entweder rührt der Satz von einem 
griechischen Bearbeiter her, — dann wäre sein Fehlen im über- 
lieferten griechischen Text erklärt — , oder vom Apologeten 
selbst und ist dann im griechischen Text ausgefallen. Auf wessen 
Rechnung die Bezeichnung „heilige und geehrte Natur" zu setzen 
ist, ist mir zweifelhaft 

V. Das Wasser. Die Abweichungen des syrischen Textes 
vom griechischen sind wohl nur erklärende Erweiterungen des 
Übersetzers. So setzen die Worte: „lässt seine Natur untergehen, 
indem es gekocht wird . . .* neben g>&elQ£TCU und aXXoiovxat 
wohl kaum einen dritten griechischen Ausdruck voraus. Der 
Zusatz zu al'fiaöc fioXvvof/evov (fuyvvfievov?): „der Getöteten" 
wird aus dem Abschnitt über die Erde (aifiaöc g>ovevo[tiva>p 
liialverai) eingetragen sein, ebenso die weitere Bestimmung: 
„durch den Schmutz der Menschen und Tiere." Bei dem Aus- 
druck: „Zwang der Leitungen" — syrisch agög6 — möchte man 
versucht sein, etwa folgenden ursprünglichen Text anzunehmen: 
äväyxq aywycov elg xrjjtovg xal aXXovg xojcovq elg juxvtcop tcüv 
axa&aQTcov ütXxoiv äyopevov, weil die Bezeichnung agög& wie 
Herübernahme eines griechischen äywyol (aquae ductus) aussieht. 
Doch ist die folgende Bestimmung: „ damit es sammle und fort- 
SGhaffe den Unrat der Menschen" und die Nichterwähnung des 
für die Gärten allein in Betracht kommenden Zwecks der Be- 
wässerung so auffallend, dass es mir zweifelhaft wird, ob dem 
Übersetzer ein anderer, als der überlieferte griechische Text vor- 
gelegen hat, oder ob wir in dem, was er über den griechischen Text 
hinaus bietet, eine Zuthat von seiner Seite zu erkennen haben. 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 37 

Das Feuer. Beim Syrer fehlen die Worte des griechischen 
Textes: jcsQiqpeQOfievov ix xoxov elg xonov. Doch scheinen 
diese ursprünglich zu sein, da die Verbindung xaxaxvQievsxai 
slg iipTjötv schwerlich griechisch ist Ebenso ist Jiavxodanaiv 
unübersetzt geblieben. Ferner hat der Syrer an die Stelle von 
Mxi 6h xai pbxqcov öwfiäxcov etwas ganz anderes gesetzt, entweder, 
weil er eine andere Lesart hatte (x<DPEV(iaxa>v?), oder, was 
wahrscheinlicher ist, weil er an der Verbindung „Braten von 
Fleisch und (Verbrennen) von Leichnamen" Anstoss nahm. Im 
Zusammenhange mit dieser Änderung fügte der Übersetzer auch 
die Anrede „Eure Majestät" ein, die in dieser Form auf keinem 
griechischen Ausdruck beruht, übrigens auch durch nichts moti- 
virt erscheint. 

Das Wehen der Winde. Dass unser Philosoph, anstatt 
über die Luft zu sprechen, von den Winden oder der fliessenden, 
bewegten Luft (SchoL zu Arat's Phaen. 847: xai yccQ 6 avs/iog ovdhv 
iXXo icxlv rj arjQ Qicov xai jzoiäv ZafißävcDV xIvtjöiv) redet, ist 
auffällig. Noch auffalliger aber ist das Verhältnis des syrischen 
Textes zum griechischen. Was der Syrer giebt, sieht weniger 
einer Übersetzung, als einer freien Bearbeitung und Erweiterung 
des griechischen Textes ähnlich. Zu einer solchen konnte der 
allgemeine Ausdruck xai dg Xoutäg avxwv #(>£/«£ verleiten 

Die Erwähnung der Bäume, Früchte und Saaten beruht 
vielleicht auf Herübernahme der <pvxa jtcä ßlaöxa aus dem Ab- 
schnitt über die Sonne, eben daher stammen wohl die Worte 
xai [trjöeftlav avxoxQaxeiav exovxa. Letztere gaben dann mög- 
licher Weise Veranlassung zur Entwickelung des Gegensatzes: 
Nicht nur von Gott werden die Winde beherrscht, sondern selbst 
von den Menschen — ein Gedanke, der durch das vorangestellte 
tpavtQov yaQ kcxiv, oxi öovZevsi ixiQcp nicht indicirt war. Bei 
der charakterisirten Sachlage unternehme ich es nicht, in Er- 
örterungen darüber einzutreten, ob nicht doch einige Bestimmungen 
des syrischen Textes, die im überlieferten griechischen Text 
fehlen, als ursprünglich anzusprechen seien, oder doch wenigstens 
einen griechischen Text voraussetzen. 

VI. Die Sonne. Der griechische Text hat hier den dunkeln 
Ausdruck fisQtCfiov (-ovg) %x ovxa: Die So nne hat eine Teilung oder 
Teilungen. Die üblichen Bedeutungen von fieQiöfiog ergeben keinen 
erträglichen Sinn. Auch ist wohl die Deutung ausgeschlossen: 



Digitized by 



Google 



38 Beiträge zur Text vergleich ung. 

Die Sonne gehört zu den fiSQiöra. Wahrscheinlich liegt eine 
Textverderbnis vor. Nicht weniger dunkel ist der vom Syrer, 
wie mir scheint, aus diesem Ausdruck entwickelte Gedanke: 
„Obwohl sie eins ist in ihrer Natur, ist sie vielen Teilen bei- 
gemischt." 

Die Bestimmung, die nur dem Syrer angehört, dass die 
Sonne durch ihren Lauf an der Berechnung teilhat, ebenso wie 
die übrigen Sterne, was wohl heissen soll, dass sie der Berech- 
nung unterliegt, — braucht 'nicht notwendig auf einem grie- 
chischen Text zu beruhen, sondern kann auch deutende Zuthat 
des Syrers sein. Ebenso können die übrigen Abweichungen den 
Übersetzer zum Urheber haben. Merkwürdig ist das Fehlen der 
Bestimmung xal Ixldnovra rov (pwxoq. Der Abschnitt über 
den Mond, wie ihn der griechische Text hat, wird ursprünglich 
sein, da, wenn er dies nicht war, sich nicht begreifen lässt, wie 
jemand auf den Gedanken kommen konnte, ihn zu gestalten, 
wohl aber erklärlich ist, dass jemand versucht sein konnte, ihn 
bis auf die kurze Notiz zusammenzuziehen: Auf dieselbe Art 
auch der Mond. 

VII. Der Abschnitt über den Menschen (Menschen der 
Vorzeit beim Syrer) bietet mancherlei Schwierigkeiten. Zunächst 
weiss man nicht, wen der Verfasser des griechischen Textes im 
Auge hat, wenn er sagt: ol vofd^ovrsg rov avd-QcoTcov slvac 
&eov . . . Denn die Chaldäer, von denen er nach der Disposition 
reden soll, glaubten nicht, dass der Mensch Gott sei, verehrten 
auch nicht Menschen als Götter. Seine Behauptung würde sich 
demnach als Irrtum darstellen, und ein solcher kann wohl vor- 
liegen. Wahrscheinlich aber gelangte er weniger durch die Kenntnis 
von bestimmten, für seine Ansicht sprechenden Thatsachen zu seiner 
Aufstellung, als durch den Gang seiner Gedankenentwickelung, 
welcher folgender gewesen sein mag: Wie die Elemente und 
andere im Bereich der xrloig liegende Dinge nicht Götter sind 
und sein können, so kann auch der demselben Gebiete angehörende 
Mensch nicht Gott sein. 

Der Syrer bietet an Stelle des im griechischen Texte 
stehenden und wohl ursprünglichen rdvavd-Qwxov: „ einige von den 
Menschen der Vorzeit", die Begründung aber wird vermittelt 
durch den Begriff „des Menschen" und läuft darauf hinaus: Einige 
von den Menschen der Vorzeit können nicht Götter sein, weil 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 39 

sie Menschen sind, der Mensch aber kann nicht Gott sein, weil 
er aus den Elementen u. s. w. besteht. Demjenigen, welcher an 
Stelle „des Menschen* „Menschen der Vorzeit" setzte, schwebte 
der euhemeristische Gedanke vor, dass die Götter im Grunde 
nichts anderes seien als Menschen der Vorzeit, oder dass 
Menschen der Vorzeit nach ihrem Tode als Götter verehrt worden 
seien, wie Manetho und andere die ältesten Götter der Aegypter 
als erste Könige des Landes auffassten. Dann würde sich auch 
hieraus ergeben, dass die Lesart xov av&QConov die ursprüngliche 
ist. Denn unser Apologet hält sich von der historischen oder 
pragmatischen Auffassung der Mythologie durchaus fern. 

Unmöglich richtig ist xtvovfievov (xav avayxr\v), statt 
dessen vermutlich yewcifisvov gestanden hat, da auch die Über- 
setzung bietet: „er wird geboren." 

Auffallig ist auch im griechischen Text, um der partizipialen 
Anknüpfung durch öeopevog nicht zu gedenken, der Infinitiv 
elvac (dh avrov ogyiXov), wofür man ein Verbum finitum er- 
wartet, da die Rückbeziehung auf OQ<5fisv nach dem dazwischen - 
gestellten selbständigen Satze sehr hart erscheint Vielleicht ist 
jedoch der Satz xal jtorh (ihv x a ^Q u **%> n ^r an einen falschen 
Ort gerückt. Unmittelbar hinter xal firj friXovrog avrov , an 
dessen Stelle man xal (irj B-iXovra erwarten möchte, würde slvai 
keine Schwierigkeit bieten. 

Der syrische Text seinerseits enthält im Zusammenhange 
mit der im griechischen fehlenden Aussage, dass der Mensch 
aus vier Elementen und Seele und Odem (Vernunft?) besteht, 
den befremdlichen Zusatz: „deshalb wird er auch Welt genannt" 
(dio xal xoöftog xakelrai) — wie im griechischen Text in dem 
Abschnitt über den ovQavog zu lesen ist. Diese Bestimmung 
ist hier verdächtig, da der Mensch nicht xoOfiog schlechthin, 
sondern nur [uxQoq oder ßQaxvg xoOfiog genannt wurde. 

Die Bestimmung selbst: „weil der Mensch aus vier Ele- 
menten .... besteht" — gleicht mehr einer Erklärung dafür, 
dass der Mensch Mikrokosmos genannt werde, als einer Be- 
gründung der Behauptung, dass der Mensch nicht Gott sein 
könne. Man mtisste denn folgenden Gedanken beim Verfasser 
voraussetzen: „Weil die Elemente nicht Götter sein können, da 
sie auflösbar u. s. w. sind, so kann auch der aus ihnen (und 
einem plus) bestehende Mensch nicht Gott sein" Was aber auch 



Digitized by 



Google 



40 Beiträge zur Textvergleichung. 

mit diesen Worten beabsichtigt war, so setzen sie einen grie- 
chischen Text voraus. Ob dieser aber ursprünglich war, oder 
Werk eines nicht eben geschickten Bearbeiters, muss ich dahin- 
gestellt sein lassen. 

Anderes wird auf Umdeutung und Erweiterung des Über- 
setzers beruhen. So u. a. der Satz: „dem zu der Zeit, wann er 
Freude erwartet, Bedrängnis widerfahrt . . u , dem gegenüber 
das griechische jcoxe fitv xalQU y jioxs 6h Xvjtelxai — der 
Wechsel in den Affekten des Menschen — einfacher ist und 
mehr in Einklang mit den übrigen Bestimmungen derselben Art 
steht. 

Bei den aufgezeigten weitgehenden Divergenzen des grie- 
chischen und syrischen Textes muss ich mich mit diesen Be- 
merkungen begnügen. Nur will ich noch hinzufugen, dass der 
Verfasser des c Barlaam > schwerlich Einfluss auf die Gestaltung 
des Textes genommen hat: er würde m. E. etwas Besseres daraus 
gemacht haben, als wir jetzt lesen. 

In den Bemerkungen, mit denen der Apologet das Kapitel 
über die Chaldäer abschliesst, ist am Ende offenbar etwas aus- 
gefallen. Denn ovx alo&avovxai xavxa ^eojtoiovfteroi = sie 
bemerken nicht, dass sie diese Dinge zu Göttern machen — ist 
unpassend. Vielleicht könnte man schon durch eine leichte 
Änderung einen erträglichen Sinn herstellen, wenn man an 
Stelle von xavxa — xoiavxa läse, mit dem Sinne: „sie be- 
merken es nicht einmal, dass sie solche (so nutzlose und tote) 
Dinge zu Göttern machen." Denkbar wäre auch die Ergänzung: 
„sie bemerken ihre Thorheit nicht. " Ob die Übersetzung des 
Syrers auf einem wirklich gelesenen Texte beruht (xolog iöxiv 
6 qvxcoq #foe), oder nur Ergänzung eines dem Übersetzer un- 
vollständig erscheinenden Textes ist, muss ich unentschieden 
lassen. Denn es scheint mir, dass auch dieser Schlusssatz vom 
Syrer einigermassen umgestaltet worden ist. 

VIII. Die Lesart des griechischen Textes: ei xi yQovovöi JteQl 
&eov= ob sie etwas Vernün ftiges über Gott denken — kann ursprüng- 
lich sein, obwohl die nach dem Syrer vorauszusetzende: xl <fQO- 
rovot als die einfachere sich mehr empfiehlt. In der Übersetzung: 
„über den wahren Gott* scheint mir „ wahren" Zusatz des 
Syrers zu sein. Denn ein Schriftsteller, der sich anschickt nach- 
zuweisen, dass die Griechen den wahren Gott gar nicht kennen, 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 41 

kann diesen Nachweis nicht durch die angeführte Bemerkung 
einleiten. Die Übersetzung: r weil sie weiser waren, als die 
Barbaren, so haben sie stärker, als diese, geirrt" — wird auf 
-einem Irrtum beruhen. Man kann es verstehen, wenn der Autor 
von den Aegyptern sagt: „weil sie einfältiger als die übrigen 
Yölker sind, haben sie stärker geirrt." Aber dass eben derselbe 
von den Griechen sagen sollte: „weil sie weiser waren, haben 
sie stärker geirrt" — scheint mir nicht denkbar. Die Über- 
setzung liesse sich am leichtesten erklären, wenn man als ur- 
sprüngliche Lesart annähme: ovrsg oo^oiregoc. Dies konnte 
vom Apologeten in gegensätzlichem Sinne (während sie weiser 
waren) gemeint, vom Übersetzer kausal gefasst worden sein. 
Die Lesart des griechischen Textes: Xiyovxeq elvcu 6o<pol £fi<D- 
QavSr\Oav ist vielleicht Änderung des bibelkundigen Verfassers 
des 'Barkauf, aus Rom. 1, 22 g>aOxovteg elvai ootpoi ifiooQav- 
&rfiav eingetragen. Die Übersetzung: sie führen viele gemachte 
Götter ein" beruht gewiss auf einem Irrtum. Die im griechischen 
Text eingeklammerten Worte ovg Ixelvoi — üiQa&oiv (fdgeötv) 
finden sich im 'Leben des Barlaam' ausserhalb der Apologie des 
Aristides, sie sind aber von Mr. Robinson auf Grund des syrischen 
Textes wohl mit Recht hier eingefügt worden. Für äöeltpo- 
xtovovq findet sich beim Syrer keine Parallele und auch in der 
Einzelausführung kein Beleg. Doch braucht es deshalb noch 
nicht interpolirt zn sein. Dem Umstände, dass xvZjLovq nicht 
durch „verstümmelt* wiedergegeben ist, wie in cp. X, möchte 
ich kein Gewicht beilegen. 

Ob die im griechischen Text nicht vorhandenen Züge zur 
allgemeinen Charakterisirung der Götter (einige haben die Cithern 
geschlagen — einige haben die Berge durchstreift — sind von 
Menschen gestohlen worden — sind zum Hades hinabgestiegen — 
sind durchbohrt worden — wurden des Beilagers bei Männern 
geziehen — Göttinnen stritten über die Schönheit u. a. m.) ur- 
sprünglich sind, oder zumeist aus der speziellen Ausführung ge- 
sammelt und von einem Bearbeiter oder dem Syrer hierher ge- 
setzt sind, lässt sich schwer entscheiden. An sich wird man 
nicht sagen können, dass in einer solchen allgemeinen Übersicht 
alle Züge enthalten sein müssten, die später in der Einzel- 
besprechung hervorgehoben werden. 

Die Worte: „Einige sind mit ihren Müttern und Schwestern 



Digitized by 



Google 



42 Beiträge zur Textvergleichung. 

und Töchtern eine Verbindung eingegangen. Über ihre Götter 
aber sagen sie . . ." zeigen, dass der Syrer die erstere Be- 
stimmung von Menschen aufgefasst hat. Dies war jedenfalls 
ein Irrtum, da im ganzen Abschnitt nur von Göttern die Rede 
ist. Auch hat die Stelle, von Göttern ausgesagt, nichts Un- 
erklärliches. 

Die Wiederholung der Angabe, dass Götter mit Menschen- 
töchtern oder sterblichen Frauen Ehebruch getrieben haben, 
wird auf Rechnung des Syrers zu setzen sein, wie mir auch 
manches andere auf freier Behandlung des Textes durch den 
Übersetzer zu beruhen scheint. 

IX. Mit welchen Worten der Apologet den Übergang zur 
EinzelausfÖhrung gemacht habe, ob mit den nach dem Syrer 
vorauszusetzenden: iX&cofiev ovv xdL ijtl . . ., also mit denselben, 
mit denen er cp. VIII begonnen hat, oder mit denen des grie- 
chischen Textes: aXXä xal xa&* ixaorov . . ., lässt sich nicht 
bestimmt entscheiden. Doch möchte ich die Fassung des grie- 
chischen Textes für die ursprüngliche halten, da es wenig 
wahrscheinlich ist, dass der Verfasser zwei aufeinander fol- 
gende Kapitel mit völlig gleichlautendem Ausdruck eingeleitet 
habe. 

Kronos. Die Abweichungen des syrischen Textes vom 
griechischen sind in den Sachen nicht erheblich. Dagegen ist 
vom Syrer die Struktur verändert. Die Häufung von Relativ- 
sätzen, die sich in der Übersetzung findet, ist gewiss nicht 
griechisch. Als Zusätze des Syrers dokumentären sich: „welcher 
Zeus genannt wird — welche Estera genannt wird." Die Worte: 
„aus Furcht vor einer Weissagung" sind wohl späterer Zusatz, 
da sie einen andern Grund für das Verschlingen der Kinder ent- 
halten, als der durch fiaveig angedeutete ist, — wenn man nicht 
annehmen will, dass der Wahnsinn des Kronos als ein <poßq> 
ftavrevfiarog bewirkter dargestellt werden soll. Die Übersetzung: 
„welchem Zeus gestohlen wurde" — setzt jedenfalls ein ixXdjnj 
voraus, mag dies nun ursprünglich sein, oder später eingefugt. 
„Mit welcher er auch Dios zeugte" — ist vielleicht aus xbv 
Xöiov xaxlQa entstanden. Die vom griechischen Text abweichende 
Gestaltung des Schlusssatzes scheint ein el 6h fi/j vorauszusetzen, 
doch kann sie auch Produkt einer gewissen Neigung zum Scha- 
blonisiren auf der Seite des Übersetzers (oder Bearbeiters) sein. 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 43 

Sehr auffallig erscheint mir die Bestimmung: xal xovxcp 
&vovöi xä idia Hxpcc, die auch der Syrer, und zwar mit einer 
Erweiterung, wiedergiebt. Sie sagt nach dem Wortlaute aus, 
dass die Griechen noch zur Zeit des Verfassers zu Ehren des 
Kronos ihre eigenen Kinder opferten. Diese Aussage steht im 
Widerspruch mit allem, was die Alten über die Verehrung des 
Kronos berichten. Nach diesen hatte der Kult dieses Gottes 
nirgends erhebliche Bedeutung, wenn er auch für mehrere Orte 
bezeugt wird. Dass aber zu Ehren des Kronos an irgend einem 
Orte des eigentlichen Griechenlands Menschenopfer dargebracht 
worden seien, dafür findet sich keinerlei Beleg. Nicht einmal 
für die Vermutung findet sich ein Anhalt, dass in früheren Zeiten 
dem Kronos Menschen geopfert worden seien. Abgesehen davon, 
dass dies doch etwas anderes wäre, als der Verfasser aussagt, so 
bieten auch die in Athen und Olympia jährlich gefeierten Kronos- 
feste und die mit ihnen verbundenen Gebräuche und Opfer nichts, 
was zu einem solchen Schluss berechtigte. Die in Athen be- 
gangenen Kronien waren ein fröhliches Fest, an dem man weidlich 
schmauste und die Sklaven bewirtete, und auch die Kronosfeier 
der Eleer hatte einen durchaus heiteren Charakter. 

Nun haben einige (Hoeck, Kreta I. S. 165) angenommen, 
dass in Kreta ehemals dem Kronos Kinder geopfert worden seien. 
Diese Annahme ward von andern mit Recht bestritten, da die 
beigebrachten Zeugnisse keine Beweiskraft haben. 

Nur von Rhodos scheint festzustehen, dass dort Kronos all- 
jährlich ein Menschenopfer empfing. Doch nahm man hierzu 
kein Kind, sondern einen zum Tode verurteilten Verbrecher 
(Porphyriu8, de abstin. II 54). 

Angesichts dieser Thatsachen ist die Behauptung unsers 
Verfassers: ol "Ellrjveg Kqovco xä iöta xixva ftvovoi eine so 
unbegreifliche, dass ich mich schwer dazu entschliesse, sie einem 
Athener aus der 1. Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. zu- 
zuschreiben, sondern sie für das Werk eines den griechischen 
Verhaltnissen ferner stehenden Autors halten möchte. 

Zeus. Der Abschnitt über Zeus zeigt sich beim Syrer mehr- 
fach verändert. Zunächst im Mythologischen. So verwandelt 
sich nach der Übersetzung Zeus in Vieh und anderes, nach 
dem Griechen slg £c5a; zu Europa ist Pasiphae hinzugefügt, 
bei Aufzählung der Zeussohne und -Töchter wird die Mutter 



Digitized by 



Google 



44 Beiträge zur Textvergleichung. 

mit aufgeführt, die im griechischen Text fehlt, Ganyniedes wird 
Hirt genannt, für Semele setzt der Syrer die Lesart Selene 
voraus. Von diesen Abweichungen enthält die erste das, was 
der Verfasser hätte sagen sollen. Denn die Beschränkung der 
Metamorphosen des Zeus auf die elg f c5a ist seltsam, da unmittel- 
bar darauf von einer Verwandlung in Gold und in einen Blitz 
geredet wird. Dennoch kann die Lesart des griechischen Textes 
die ursprüngliche sein, da auch in der allgemeinen Charakteristik 
der griechischen Götter nur ein (4exa{ioQg)Otö&cu elg £a>a erwähnt 
wird. Ob die übrigen Bestimmungen, die der syrische Text 
mehr enthält, ursprünglich und im griechischen Text ausgefallen 
sind, oder ob sie Zusätze eines griechischen Bearbeiters darstellen, 
wie leicht möglich ist, wird sich kaum entscheiden lassen. Nur 
über die Lesarten „Semele" und „Selene" verlohnt es sich einige 
Bemerkungen zu machen. Beim ersten Anblick könnte man 
versucht sein, anzunehmen, dass der Syrer sich verlesen habe. 
Doch kann derselbe auch „Selene" vorgefunden haben, wie man 
aus mancherlei Nachrichten schliessen darf. So sagt Cicero de nat. 
deor. III 23: Dionysos multos habemus: primum e Jove et Pro- 
serpina natum: secundum Nilo, qui Nysam dicitur interemisse: 
tertium Caprio patre eumque regem Asiae praefuisse dicunt, cui 
Sabazia sunt instituta: quartum Jove et Luna, cui Sacra Or- 
phica putantur confici: quintum Niso natum et Thyone, a quo 
Trieterides constitutae putantur. Diese Stelle, die eine Semele 
gar nicht erwähnt, dagegen Thyone kennt, wie Semele genannt 
worden sein soll, nachdem sie durch ihren Sohn aus dem Hades 
in den Olymp geführt worden war, und die auch sonst mannig- 
fach konfus ist, bezeugt dennoch einen Dionysos als Sohn des 
Zeus und der Selene. Auch Diod. 3, 73 wird (der zweite) Dio- 
nysos Sohn des Zeus und der Selene genannt. Endlich mag 
noch angeführt werden Euseb. pr. ev. HL 13. 120: rlg ?) xovxov 
yevvrjöaöa eixe JSsX^rrj zig Xeyoixo elxe üegöetpovri — und 
Ulpian Mid. p. 174: evioi 6h Jtalöa JSeXrjvrjg xov Jiovvöov. 
Hieraus ergiebt sich die Möglichkeit, dass der Syrer SzX7]vr\ vor 
sich gehabt habe. Ob die Verwechselung aber von unserm 
Autor, oder von einem Bearbeiter begangen worden ist, ob der 
überlieferte griechische Text das Ursprüngliche bietet oder eine 
Änderung involvirt, — darüber wird sich schwer etwas Be- 
stimmtes festsetzen lassen. Man könnte allerdings sagen, für 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 45 

ursprüngliches „Semele" spreche der Umstand, dass der Ver- 
fasser ausgesprochenermassen (ojtcoq lioix&ooy d'vrjxäq yv- 
valxaq) nur von dem Umgang des Zeus mit sterblichen Frauen 
handle, unter diese aber Selene nicht zu rechnen sei. Aber bei 
einem Autor, der so Verschiedenartiges vermischt, will eine 
solche Inkonsequenz nicht viel bedeuten, um so weniger, als auch 
von Göttinnen (Leto, Mnemosyne) geborene Kinder unter die 
von sterblichen Frauen geborenen gesetzt werden. 

Andre Abweichungen der Übersetzung vom griechischen 
Text werden dem Syrer zuzuschreiben sein. So der Ausdruck: 
König aller Götter statt: König ihrer Götter — und die 
Bestimmung: „indem sie ihre Götter nachahmten" statt des 
durch den Zusammenhang gebotenen: xarä nl[ir\6iv xov &eov 
clvtwv. 

So mögen auch die Worte: „sich durch Mutter und 
Schwester befleckten und selbst die Eltern töteten" eine aus der 
allgemeinen Charakteristik gezogene Spezialisirung des ursprüng- 
lichen: xal allcov öetvdiv egycov iQyaraq enthalten, und eben 
daher mag der Satz rühren: „Denn wenn derjenige, welcher der 
König . . ., um wie viel mehr . . / 

Der Ausdruck: „die Menschen, die zu dieser Zeit lebten*, 
d. h. zu der Zeit, als man noch Zeus und die übrigen Götter 
verehrte, setzt voraus, dass damals, als er gebraucht wurde, der 
griechische Götterdienst als tiberwunden und abgethan galt. 
Dann kann er aber nicht von Aristides herrühren. Denn 
noch im 6. Jahrhundert hatten die griechischen Götter ihre 
Verehrer. 

Der Schlusssatz des Abschnittes: „Oder er ist ein verder- 
bender Dämon . . . u enthält m. E. die zuerst von Xenokrates 
vorgebrachte Ansicht, dass die Götter, die solches thun und leiden, 
wie die Dichter von ihnen aussagen, keine Götter seien, sondern 
böse Dämonen. Dieser Gedanke ist der Zeit des Aristides nicht 
unangemessen, da auch Plutarch die Ansicht vertritt, dass mehr 
auf öalftovsq tpavkoi als auf Götter passe, oOaq ev rs (iv&otq xal 
vfivoig XiyovOi rovxo fiev aQjzayäq, rovro öh jtXavaq &edip 
xQvxf)siq T6 xal ptryac xal ZazQelag (de def. orac. cp. XIV). 
Doch fallt auf, dass dieser Gedanke, wenn Aristides sich ihn an- 
geeignet hatte, nur wie im Vorbeigehen gestreift und nicht zum 
Gegenstand einer ausdrücklichen Erörterung gemacht wird, und 



Digitized by 



Google 



46 Beiträge zur Textvergleichung. 

dass der Apologet sich sonst durchweg, wie auch an unsrer 
Stelle im griechischen Text geschieht, mit der Argumentation 
begnügt: „Diejenigen, die solches thun und leiden, können keine 
Götter sein" — ohne hinzuzufügen, was sie denn sonst sind. 
Daher steht mir die Ursprünglichkeit des Schlusssatzes im vor- 
liegenden cp. nicht fest 

X. Hephaistos. Die Abweichungen der beiden Texte sind 
geringfügig. Beim Syrer wird der Kopfbedeckung des Hephaistos 
gedacht, mit welcher er sowohl bildlich dargestellt als auch be- 
schrieben zu werden pflegte. Obwohl die Erwähnung derselben 
nicht ebenso in Beziehung zur Argumentation steht, wie die des 
Hammers und der Zange, so mag dieser Zug doch ursprünglich 
sein, da Aristides sich auch an einer andern Stelle auf die bild- 
liche Darstellung eines Gottes zu beziehen scheint. Zu „bedürf- 
tig" ist hinzugefügt: „in so hohem Grade", was Einschub des 
Syrers sein dürfte, da es gentigte, die Bedürftigkeit des Gottes 
zu konstatiren, ein hoher Grad derselben auch durch nichts sonst 
angedeutet wird. Dagegen hat der griechische Text am Schluss 
jtQoödeo/ievop avd-Qcbjzwv, während der Syrer nur „bedürftig" 
giebt. Die Seltsamkeit der Vorstellung, dass der Gott um seines 
Lebensunterhalts willen seine Kunst betreibt, ist so gross, dass 
sie kaum vermehrt wird, wenn der Verfasser sich die Menschen 
als Abnehmer der Kunsterzeugnisse des Hephaistos vorstellt, zu- 
mal auch in dem Abschnitte über Apollon die Menschen es sind, 
welche dem Gott zu seinem Unterhalte verhelfen. 

Der Schlusssatz: „Oder er ist sehr kraftlos" wird gleich- 
machende Ergänzung sein. 

Hermes. Der griechische Text scheint im wesentlichen 
das Ursprüngliche zu bieten; vielleicht ist darin jtaXaiöztjv aus- 
gefallen. Statt des sehr anstössigen und schwer erklärbaren 
xvXXov stand möglicher Weise ursprünglich öoXtov^ wie man 
aus versipellem der lateinischen Übersetzung des c Barlaam > schliessen 
möchte. Wenn der Syrer statt xXijzrr}q „Mann 1 * giebt, so beruht 
das wohl auf einem Versehen des Abschreibers, der l^i~ mit 
Ij-a^. verwechselte. Die Ersetzung von xoiovroq durch „Magier, 
habgierig, verstümmelt, der begehrt oder Ringer" setze ich auf 
Rechnung des die Weitschweifigkeit liebenden Übersetzers. Dem* 
selben schreibe ich auch den Schlusssatz: „Oder er erweist sich 
als unnütz" zu, da in dem, was über Hermes gesagt ist, sich 



Digitized by 



Google 



Beiträge sur Tertvergleichung. 47 

keinerlei Hindeutung darauf findet, dass er nicht im stände sei, 
sich den Menschen hilfreich zu erweisen. 

Asklepios. Der griechische Text bietet das Ursprüngliche. 
Dass der Syrer statt ixide?)g yaQ ?)v auch hier die Frageform 
hat, ist nicht eben auffällig. Auch bei der Übersetzung „Lace- 
dämonier" statt Aaxeöalfiovoq vlov braucht man nicht not- 
wendig die Lesart Aaxeöcufioviov vorauszusetzen, sondern darf 
irrtümliche Deutung des Übersetzers annehmen. Der Schluss- 
satz wird späterer Einschub sein, wie an früher besprochenen 
Stellen. 

Ares. Der Abschnitt über Ares hat einige auffallige sach- 
liche Bestimmungen, doch sind dieselben an anderer Stelle zu 
besprechen, da Übersetzung und Grundtext im wesentlichen 
übereinstimmen. Die nur beim Übersetzer vorhandenen Worte, 
welche aussagen, dass Ares durch sein Schwert Besitz erwirbt, 
stehen auf gleicher Linie mit dem über Hephaistos Gesagten und 
konnten daher ursprünglich sein. Merkwürdig ist im griechischen 
Text vCtbqov, da von einem früheren Thun oder Leiden des 
Gottes im Vorhergehenden nicht die Rede ist Die Bestimmung, 
dass Hephaistos Gemahl der Aphrodite war, wird erklärender 
Zusatz eines Späteren sein. 

Dionysos. Wenn nach dem Syrer Dionysos Frauen raubt, 
so ist das offenbar nur eine unrichtige Deutung des griechischen 
axooxäVy welches besagen sollte, dass Dionysos die Frauen ver- 
leitete, in seiner Gefolgschaft nächtliche Orgien zu feiern. Die 
Stellung (tcuvofievov xal g)evyovra nötigt zwar nicht zu der 
Annahme, dass die Flucht im Wahnsinn stattgefunden habe, 
doch lässt sie dieselbe als die natürlichste erscheinen. Der Ver- 
fasser hat also an eine andre Flucht gedacht, als an die Ilias VI, 
132 ff. geschilderte Flucht ins Meer. Hiernach ist die Auffassung 
der Stelle durch den Syrer berechtigt. Anders steht es um die 
dem Übersetzer allein gehörende Bestimmung: „(er floh) in die 
Wüste und ass Schlangen." Für diese vermag ich keinerlei Be- 
leg aus der altern Zeit beizubringen, und wenn ein Mythos 
dieses Inhalts überhaupt existirt, so ist er jedenfalls ein sehr un- 
gewöhnlicher. Erst bei Nonnus (An£ des 5. Jahrh.) finde ich 
etwas der Flucht in die Wüste Ähnliches. Dieser versetzt den 
Dionysos, nachdem er wahnsinnig geworden war, in eine tQrjfiäg 
X6ymr\ (Dionysiaca XXXII. 123). Selbst der Schlangen, die ja 



Digitized by 



Google 



48 Beitrage zur Textvergleichung. 

auch sonst im Dionysoskult eine Rolle spielen, geschieht in diesem 
Zusammenhang Erwähnung: 

firpcsöavovg de ÖQaxovrag tkiöOOfievovg xiv\ jtixQrj 

(islkiXa hxfKoovtag äxi&Qiöe vi)Xh &vQCcp — 
aber nur vom Töten derselben, nicht vom Essen ist die 
Rede. 

Ob nun die fragliche Bestimmung ursprünglich oder auf 
Rechnung eines Bearbeiters oder des Syrers zu setzen sei, muss 
ich vorläufig unentschieden lassen. 

Im übrigen erregt noch Bedenken das auch in diesem Ab- 
schnitte vorkommende votsqov. Aus der Anwendung diesea 
Worts darf ich schliessen, dass der Verfasser sich weder einer 
Vermengung des Thebischen Dionysos mit dem Dionysos- 
Zagreus der Orphiker bewusst war, noch auch eine klare Vor- 
stellung von den Mythen der Orphiker hatte. Denn der Or- 
phische Zagreus wurde schon als unmündiger Knabe von den 
Titanen zerfleischt. 

Herakles. Der syrische Text enthält drei Züge mehr, als 
der griechische: 1) Herakles hasst Hassen s wertes, 2) er ist ein 
Tyrann und Rauflustiger, 3) er tötet die Frevler. Von diesen 
widersprechen der erste und dritte der Tendenz des Apologeten, 
der nur die Mängel der Götter hervorhebt, und sind deshalb 
verdächtig. Was übrigens das Hassenswerte sei, was Herakles 
hasst, ist dunkel. Vielleicht waren es die Tyrannen und Rauf- 
lustigen und Frevler, da bekannt ist, dass Herakles kein Tyrann 
war, wohl aber die Tyrannen hasste. Dann läge ein Missver- 
ständnis des Übersetzers vor. 

Der Ausdruck: „sich ins Feuer warf" giebt so richtig das 
Thatsächliche wieder, dass man versucht sein möchte anzunehmen 
dass dem Syrer ein seiner Übersetzung genau entsprechendes 
Wort im griechischen Text vorgelegen habe. Doch ist andrer- 
seits nicht erfindlich, wodurch jemand veranlasst werden konnte, 
einen ursprünglichen bestimmten Ausdruck mit einem weniger 
bestimmten zu vertauschen. 

XI. A p o 1 1 o n. Die Divergenz von Grundtext und Übersetzung 
ist unbedeutend. Die Bestimmung „ veränderlich" würde sich 
leicht erklären lassen und kann im griechischen Text ausgefallen 
sein. In ixavfrlöa liegt offenbar eine Textverderbnis vor. Der 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 49 

Syrer hat entweder jtXfptxQov oder xlrpcxriQa wirklich gelesen 
oder das unverständliche ixav&iöa sich so gedeutet 

Artemis. Die Abweichungen der Übersetzung bieten mir 
keinen Anhalt für die Annahme, dass dem Syrer ein anderer 
griechischer Text vorgelegen habe, als der tiberlieferte. 

Aphrodite. Der Anfang der syrischen Übersetzung scheint 
darauf hinzudeuten, dass dem Syrer ein anders gestalteter grie- 
chischer Text vorgelegen hat. Hinter ftoixcdlda scheint derselbe 
gelesen zu haben: xal jtorh fihv &solq övvoixelv, Jtore öh av- 
&Qcixovg fioixsveiv. Dass er in diesem Falle die Bedeutung 
von övvoixelv nicht richtig gefasst hat, ist klar. Denn die Worte 
konnten nur eine Einteilung der Liebhaber der Göttin bezwecken 
(— es waren teils Götter, teils Menschen — ), welcher die Spe- 
zialisirung unmittelbar nachfolgt (Götter: Ares und Adonis, 
Menschen: Anchises). Ob diese Einteilung ursprunglich ist, oder 
von einem Bearbeiter herrührt, muss ich unentschieden lassen. 
Der griechische Text hat auch ohne sie Sinn. Auffällig aber 
ist, dass der Syrer, während er Aphrodite mit Menschen Ehe- 
bruch treiben lässt, dafür keinen Beleg giebt, der Grieche aber, 
welcher die Einteilung in Götter und Menschen nicht hat, bei 
dem also die Nichterwähnung von Menschen unanstössig ge- 
wesen wäre, einen Menschen (Anchises) nennt. Dieser Umstand 
erklärt sich vielleicht daraus, dass dem Syrer Anchises eine völlig 
unbekannte Grösse war. 

Die Bezeichnung der Persephone als Tochter des Hades 
wird der erklärende Zusatz eines Späteren sein. Sie ist nicht 
nur im Munde der Griechen aus der Zeit des Aristides, sondern 
an sich sehr auffallend, da Persephone selbst in der so vieles 
Eigenartige enthaltenden Orphischen Theogonie Tochter des Zeus 
ist Denn wenn sie daselbst ÜXovxdvrj genannt wird, so 
braucht dieser Ausdruck nicht patronymisch gefasst zu werden, 
sondern kann die Göttin auch als Gemahlin des Pluton be- 
zeichnen. 

Die Gleichung Adonis — Tammuz röhrt vom Übersetzer her. 
Im Munde des Apologeten würde sie, selbst wenn man für wahr- 
scheinlich halten wollte, dass demselben der Name Tammuz be- 
kannt gewesen sei, zwecklos gewesen sein, während sie beim 
Syrer guten Sinn hat. 

Tammuz (Adonis). Der griechische Text giebt m. E. das 
Texte u. Untersuchungen IX, 1. d 



Digitized by 



Google 



5() Beitrage zur Textvergleichung. 

Ursprüngliche, die Abweichungen des syrischen beruhen auf 
freier Behandlung der Grundlage von Seiten des Übersetzers. 

Nach dem Syrer kann es scheinen, als ob im Anfang des 
griechischen Textes hinter xvptjyop ausgefallen sei: xdt fioixov, 
und sodann hinter vog ein ayQlov. Doch kann das erstere auch 
aus dem Schlusssatz des griechischen Textes der Vollständigkeit 
halber vom Übersetzer in den Anfang gesetzt worden sein. Da 
der Leser schon aus dem Abschnitt über Aphrodite wusste, dass 
Adonis ein fioixog war, so konnte der Verfasser es hier weg- 
lassen und dennoch im Schlusssatz darauf als auf etwas Be- 
kanntes Bezug nehmen. Auch die Annahme, dass äyQlov bei 
voq ausgefallen sei, ist nicht notwendig. Der Verfasser bezeich- 
net durch Setzung des Artikels (xov vog) den Vorfall als einen 
bekannten, es bedurfte also einer näheren Bestimmung nicht 

Rhea und Köre. Man kann zweifelhaft sein, ob das 
Fehlen der Abschnitte über Rhea und Köre im griechischen 
Text sich daraus erklärt, dass sie nicht ursprünglich waren, son- 
dern erst von einem Bearbeiter interpolirt worden sind, oder 
daraus, dass sie, obwohl ursprünglich, durch irgend ein Versehen 
eines Abschreibers ausgefallen sind. Absichtliche Weglassung 
scheint mir ausgeschlossen zu sein. Für die erstere Annahme 
kann der gewiss auffallende Umstand sprechen, dass Rhea fast 
an letzter Stelle behandelt wird, während es natürlich gewesen 
wäre, ihre Behandlung mit der des Kronos zu verbinden. Denn 
dass der Verfasser kein Bewusstsein davon hat, dass die Rhea, 
von der er hier redet, eine andere ist, als die von ihm als Ge- 
mahlin des Kronos erwähnte, bezeugt er durch die Art ihrer 
Einführung: „sie (die Griechen) erzählen, dass sie die Mutter 
ihrer Götter sei." 

Übrigens sind beide Abschnitte ganz in der Art der früheren 
gehalten, so dass sie auch für ursprünglich gelten könnten. 
Doch erforderte auch die Aufgabe, einige mythologische Notizen 
in der Weise des Apologeten zusammenzustellen, keinen zu 
grossen Aufwand von Wissen und Kunst, dass sich nicht auch 
ein Späterer mit einiger Hoffnung auf Erfolg daran hätte wagen 
können. 

Eine unrichtige Übersetzung scheint in den Worten vor- 
zuliegen: „sie erzählen von ihr, dass sie einstmals Attis zum 
Liebhaber hatte. Und eben dieselbe erfreute sich verderbter 



Digitized by 



Google 



Beiträge wir Textvergleichung. 51 

Männer." Denn offenbar hat der Verfasser mit dem verallge- 
meinernden Ausdruck „verderbte Männer" niemand anders, als 
den Attis, im Auge gehabt. 

In der Schlussbemerkung hat der griechische Text ausser 
dem vom Übersetzer wiedergegebenen xavxa xavxa noch Fol- 
gendes: xal noXXä xoiavxa xal JtoXXdo aloxQoxega xcu jtovrjQa 

a ovxe Xiyuv &itiiq, ovx kxl (ivqfiijg oXcog tpigetv. Diese 

Worte sind mir nicht ganz unverdächtig und stellen vielleicht 
die rhetorisch übertreibende Amplifikation eines ursprünglich 
einfacheren Ausdrucks dar. Denn nach dem, was der Apologet 
gesagt hat, konnte er das Übrige auch sagen, da er doch nur 
Variationen der von ihm behandelten Themata vorbringen konnte. 
Dagegen ist die am Schlüsse stehende Wendung xaxafualvovxeg 
yr\v re xcä ai(>a } wofür der Syrer giebt: „dadurch wurde die 
ganze Erde verdorben" — trotz des eigentümlichen xal aiga, 
vielleicht ursprünglich. Denn den unrichtigen Gedanken, dass 
durch die Sittenlosigkeit der Griechen die ganze Erde ver- 
dorben wurde, möchte ich eher dem Übersetzer zutrauen, der 
sich mit einer allgemeiner gehaltenen Wiedergabe dessen, was er 
als Gedanken des Autors auffasste, begnügte. 

XIL Die Aegypter. Die Übersetzung unterscheidet sich 
zunächst dadurch vom überlieferten griechischen Text, dass Isis, 
Osiris und Typhon in drei selbständigen Abschnitten behandelt 
werden, welche ganz in der Art der bisher besprochenen ge- 
staltet sind, während die Aussagen über diese Götter im grie- 
chischen Text ineinander verflochten sind. Es wäre nicht un- 
denkbar, dass der Verfasser des ^arlaam', um einmal die Mono- 
tonie der Beweisführung zu durchbrechen, diese Änderung vor- 
genommen habe. 

Im einzelnen ist noch Folgendes zu bemerken: Statt £a?a 
aXoya %tQOala xe xcä ewäQa heisst es in der Übersetzung: „einige 
von der Natur der Tiere und selbst Gewürm, welches auf dem 
Trocknen und im Wasser gefunden wird." Von beiden Aus- 
drücken scheint mir der griechische der natürlichere zu sein, 
denn ein dem syrischen entsprechender: xivag xfjg xcov ^ciov 
gyvoecog wäre ziemlich gesucht. Jedenfalls ist die Beschränkung 
von x B Q ca l& Te x( *l £WÖQ<x au f das Gewürm (sQjcexa) — wenn 
dies ursprünglich war — eine unrichtige. Wie hier, so heisst 
es auch von den g>vxa xal ßXaöxa: „dass einige von ihnen 

d* 



Digitized by 



Google 



52 Beitrage zur Textvergleichung. 

Götter sind" — , was ich ohne Bedenken dem Übersetzer zu- 
schreibe. So halte ich auch die über Isis gebrauchten Worte: 
„ sagten, dass sie eine Göttin sei" , neben dem vollständig aus- 
reichenden ioißovxo für einen Zusatz des Syrers. Die Bestim- 
mung: „und blieb daselbst eine Zeit lang" (eftetvev best xqovov 
rtvä) ist vielleicht ursprünglich, da die griechische Wendung 
<pevyu slg BvßXov . ., %wg rfi^rfiBV 6 Styog sehr hart ist Die 
seltsame Aussage dagegen, dass Isis erst nach ihrer Rückkehr 
von Byblus, also nach Verlauf von Jahren, den (in den Nil ver- 
senkten) Leichnam des Osiris sucht, wird doch nur auf einer vom 
Übersetzer vorgenommenen Änderung beruhen. Wem die un- 
gewöhnliche Bestimmung über Isis zuzuschreiben ist, dass sie 
müde ward, vermag ich nicht zu sagen. Eine griechische Grund- 
lage aber setzt die Bemerkung über Osiris voraus, dass er ein 
helfender Gott sei. Osiris hiess bei den Aegyptern Unnofru== 
das gute Wesen (v. Strauss, die altaegyptischen Götter und Götter- 
sagen), und Plutarch giebt dies wieder durch öcottJqioq, eveQ- 
yirt]q, aya&onoioq. Eine Bestimmung dieses Inhalts wird daher 
der Syrer gelesen haben, sei es nun, dass diese in der Form eines 
Relativsatzes eingefügt (Oqiqiv, ov öcdttjqiov xaXovoi) oder 
so gefasst war, wie sie sich in der syrischen Übersetzung 
findet. 

Die Listen der von den Aegyptern verehrten Tiere stimmen 
bis auf wenige Namen überein. Beim Syrer herrscht einige 
Verwirrung, wenn er zuerst einen bestimmten Fisch (Silurus) 
nennt, dann den Fisch im allgemeinen, endlich wieder eine be- 
sondere Art (Schebbut). Welchen griechischen Fischnamen er 
durch Schebbut wiedergiebt, und ob seine Aufzählung das Ur- 
sprüngliche enthält, oder interpolirt ist, kann ich nicht fest- 
stellen. 

Die Lesart des griechischen Textes ßißQcoöxofiivovg vjto 
bxtQcov avfrQcijimv ist wohl unrichtig. Man erwartet krdQovg 
vq? iriQov xal vjto atftQmjtcov oder, wenn man annehmen 
wollte, dass der Verfasser hriQcov im Sinne von aXXijlmv ge- 
braucht habe, wenigstens iTbQcov re xal. Für die weitschwei- 
figen Schlussbemerkungen des Syrers braucht man m. E. keine 
ihnen genau entsprechende griechische Grundlage vorauszusetzen. 

XIII. In diesem cp. bringt der Verfasser noch eine Nach- 
lese polemischer Bemerkungen, die teils das Heidentum im all- 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 53 

gemeinen treffen, teils spezielle Verirrungen der Griechen, ins- 
besondere ihrer Dichter und Philosophen, im Auge haben. Na- 
turgemäss ging seine Betrachtung vom griechischen Heidentum 
aus, und wenn er von Dichtern und Philosophen redet, so 
schweben ihm in erster Linie die griechischen vor. Aber er 
kennt auch Philosophen der Chaldäer (cp. 111) und wird auch 
den Aegyptern solche nicht abgesprochen haben. Ich fühle mich 
daher durch den Inhalt des cp. nicht genötigt, die Auffassung 
des Syrers für die ursprüngliche zu halten, nach welchem diese 
Polemik lediglich gegen die Griechen gerichtet ist. Übrigens 
wird die Stellungnahme zu diesem cp. einigermassen durch die 
Ansicht darüber beeinflusst, ob die Disposition des griechischen 
Textes mit der Dreiteilung der Völker, oder die des Syrers mit 
der Vierteilung die ursprüngliche ist. Wäre die Dreiteilung von 
späterer Hand, — dann vermutlich von dem Verfasser des c Bar- 
laam 5 — , so würde die Annahme keine Bedenken haben, dass 
der Urheber derselben auch an unsrer Stelle die Chaldäer und 
Aegypter eingefügt habe. Doch würde man sich immerhin 
wundern müssen, dass er dann nicht auch an der Stelle, an 
welcher er von den Gesetzen spricht, die Wendung xcov te 
XaXöaicov xal 'EXXtjvcov xai Alyvjixicov gebraucht, sondern rcov 
^XXrjvcov stehen gelassen hat 

Wenden wir uns nun zur Betrachtung des Einzelnen, so 
wird es am erspriesslichsten sein, zunächst den, wie mir scheint, 
nicht ganz intakten griechischen Text zu analysiren und zu er- 
mitteln, welchen Gedanken der Verfasser mutmasslich Ausdruck 
geben wollte. Als solche glaube ich die folgenden betrachten 
zu dürfen: 

Einen grossen Irrtum also haben die Aegypter und Chaldäer 
und Hellenen dadurch begangen, dass sie solche Götter, wie die 
beschriebenen, eingeführt und Standbilder von ihnen gemacht und 
die stummen (tauben) und gefühllosen Bilder für Götter erklärt 
haben. Von der Verehrung der Bilder hätte sie doch schon 
die Betrachtung ihres Entstehens und Vergehens abhalten müssen. 
Was sich selbst nicht vor dem Verfall bewahren kann, wie eben 
diese Bilder, ist weder ein Gott, noch kann es für die Menschen 
Vorsorge treffen. 

Andre Thorheiten haben die Dichter und Philosophen be- 
gangen. So haben die Dichter bei ihren Dichtungen die Absicht 



Digitized by 



Google 



54 Beiträge zur Textvergleichung. 

gehabt, die Götter zu ehren 1 ), aber durch das, was sie über 
jene ausgesagt, haben sie dieselben beschimpft und ihre Schande 
allen offenkundig gemacht. Auch die Philosophen muss ich der 
Thorheit beschuldigen. Denn um das Anstössige, welches in der 
Vielheit der Götter liegt, zu beseitigen, haben sie den Satz 
aufgestellt, dass die göttliche Natur eine sei, dass in allen 
Göttern sich dieselbe Natur manifestire, dass die Götter die sich 
in eine Mannigfaltigkeit auseinander legende eine göttliche Natur 
darstellten. Aber damit steht nicht in Einklang, dass sich nach 
den Aussagen der Dichter und dem Glauben des Volks die Götter 
bekämpfen. Denn wäre in allen eine Natur, so wäre ein solcher 
Kampf unmöglich. Zudem läuft dies Philosophem im Grunde 
auf Physiologie hinaus d. h. es setzt an die Stelle persönlicher 
Wesen Kräfte. 2 ) 

Unbegreiflich ist ferner besonders von den Griechen, dass 
ihre Weisen und Gebildeten (oder Dialektiker) nicht eingesehen 
haben, welcher Widerspruch zwischen den Erzählungen über die 
Götter und den Staatsgesetzen besteht, und dass diejenigen, 
welche von den Göttern etwas aussagen, was durch die Gesetze 
zum Verbrechen gestempelt wird, nicht als harmlose Dichter an- 
gesehen werden dürfen, sondern sich eines Frevels gegen die 
Götter schuldig machen. 3 ) 

Nun wendet man vielleicht ein, dass das Anstössige jener 
Erzählungen verschwinde, wenn man die Mythen physisch oder 
allegorisch interpretire. Aber diese Interpretationen sind in 
meinen Augen ein leeres Gerede und würden überdies, ernstlich 
genommen, zur Auflösung der Religion fuhren. Dieser Kon- 
sequenz kann man nur durch die mythische (mythologische) Auf- 
fassung entgehen. Aber bei dieser erhält man Götter, die keine 
Götter d. h. heilige und glückselige Wesen sind. Denn wer 
solches thut und leidet, wie nach den Dichtern die Götter ge- 
than und gelitten haben, hört damit auf ein Gott zu sein. 



1) Vgl. Lactant. Inst I. 9: Credamus igitur istis, qui non, ut repre- 
henderent, sunt locuti, sed tä praedicarent. 

2) Die Bemerkung über die yvoioXoyla entspricht mehr einem Gegen- 
satz gegen die stoische Theologie, den ich bei dem Verfasser nicht statuire, 
als dem von mir angenommenen Gedankengang. 

3) Vgl. Heraclid. Alleg. Prooem. "O/ii/pos yäg yotßrioev, ei w j/AA*/- 

yOQT](J£V. 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 55 

Diese Gedankenreihe konnte wohl einem Philosophen aus 
der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. angehören. Sie er- 
giebt sich aber nur bei der doppelten Annahme: 1) dass vor 
der Bekämpfung des Philosophems über die Einheitlichkeit der 
göttlichen Natur ein verbindender, die folgende Exposition ein- 
leitender Gedanke ausgefallen, und 2) dass der Schlusspassus sl 
öh fiv&ixai . . . sl 6h tpvaixal . . . sl öh dXX^yoQixäi ... in 
Verwirrung geraten ist Die Bedeutung der Bezeichnungen //u- 
frixal — (pvöixal — dXXrjyoQixal war eine so feststehende, dass 
ein athenischer Philosoph unmöglich darüber im unklaren sein 
konnte. Und doch müsste man eine solche Unkenntnis annehmen, 
wenn man die betreffende Auseinandersetzung in der Form, in 
welcher sie im überlieferten griechischen Text steht und welche 
sie ohne Zweifel auch in demjenigen gehabt hat, der dem Syrer 
vorlag, für ursprünglich halten wollte. Vgl. meine Anmerkung 
zu der Stelle. 

Wenn aber die Annahme einer Lücke im griechischen Text 
notwendig ist, so wird es nicht gewagt erscheinen, in dieser auch 
die nur im syrischen Text vorhandene Bekämpfung der Vor- 
stellung unterzubringen, als ob in den Göttern ein Mangel sei, 
und sie deshalb der Opfer bedürften. Die Polemik gegen diesen 
Gedanken wäre an erste Stelle zu rücken, und ihr würde dann 
die Widerlegung des Philosophems über die Einheitlichkeit der 
göttlichen Natur folgen. 

Wenden wir uns nunmehr zum syrischen Text, so giebt 
derselbe die Verspottung des Bilderdienstes richtig wieder. Da- 
gegen hat er, wenn meine Auffassung der Stelle richtig ist, den 
die Thorheit der Dichter geisselnden Satz durch einen ihm von 
einer andern Seite suppeditirten Gedanken ersetzt. Dann folgt 
die im griechischen Text vermutlich ausgefallene Auseinander- 
setzung über die Opfer, hierauf, wesentlich dem Griechischen 
entsprechend, die Widerlegung des Philosophems von der Ein- 
heitlichkeit der göttlichen Natur. Am Schluss derselben findet 
sich die Bemerkung: „Hieraus ist es klar, dass es ein Irrtum ist, 
dass sie die Naturen ihrer Götter zu einer Natur zusammen- 
rechnen." Dies ist vielleicht nur die irrige Deutung des grie- 
chischen (pvöioXoyia. 

Der Satz, der sich sodann anreiht, ist die irrtümliche, vielleicht 
aus falscher Lesung hervorgegangene Übersetzung desjenigen, 



Digitized by 



Google 



56 Beiträge zur Textvergleichung. 

was im griechischen Text den Anfang von cp. XIV bildet, rich- 
tiger als Schlusssatz zu cp. XIII zu betrachten wäre. Diese 
Umstellung scheint mir Willkür des Übersetzers zu sein. 

Die folgende Bemerkung über den Künstler und den 
Schöpfer des Künstlers passt nicht in den Zusammenhang der 
Stelle, und das unmittelbar danach auftretende „Denn* ist durch 
das Vorausgehende nicht begründet Die Auseinandersetzung 
über den Widerspruch zwischen den Gesetzen und den Er- 
zählungen von den Göttern ist m. E. vom Syrer unvollständig 
wiedergegeben. Nach ihm will der Verfasser beweisen, dass die 
Griechen durch ihre Gesetze die Götter verurteilen. Aber was 
er vorbringt, dient nur dazu, den Widerspruch aufzuzeigen, be- 
weist aber nicht das, was bewiesen werden soll. Er begnügt 
sich nämlich mit der Alternative: Entweder sind die Gesetze ge- 
recht und die Götter ungerecht, oder die Götter sind gerecht 
und die Gesetze ungerecht. Das reicht nicht aus, um zu er- 
härten, dass die Gesetze die Götter verurteilen. 

Der Schlusssatz dieser Ausführung: „Und dadurch ist die 
ganze Welt zum Irrtum gekommen" ist gewiss nicht ursprüng- 
lich. Zuletzt dokumentirt der Syrer bei der Wiedergabe der 
Sätze von den verschiedenen Auffassungen der Mythen voll- 
ständiges Miss Verständnis des griechischen Textes. 

XIV. In diesem cp. weichen der griechische und der syrische 
Text fast ganz von einander ab. Nur die Worte oeßovrat 
yaQ top &£0» povov jcavtoxQaxoQa und iyyi&iv xfj alrjd-ela 
erkennt man in der Übersetzung wieder. Doch scheint mir hier 
der griechische Text nicht das Ursprüngliche, sondern eine Be- 
arbeitung zu enthalten. Derselbe erzählt nach Vorausschickung 
einiger genealogischen Bemerkungen, die m. E. an dieser Stelle 
ursprünglich sind, in biblischen Ausdrücken, wie das Volk Israel 
gegen den Gott, der es aus Aegypten ausgeführt und sich an 
ihm durch viele Zeichen und Wunder verherrlicht hatte, undank- 
bar war, indem es oft heidnischen Göttern diente und die zu 
ihm gesandten Propheten und Gerechten tötete, zuletzt den Sohn 
Gottes selbst trotz seiner Wohlthaten und zahllosen Wunder 
dem „ Statthalter der Römer* verriet und zum Kreuzestod ver- 
urteilte, und schliesslich durch seine eigene Gesetzwidrigkeit den 
Untergang fand. Zwar verehrt es allein Gott, den Allmächtigen, 
aber dies geschieht nicht in der richtigen Erkenntnis, denn sonst 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 57 

hätte es den Sohn Gottes nicht verwerfen dürfen (Act. 3, 14. 
1. Joh. 2, 22. Jud. 4). Diese Ausführungen, wie schriftgemäss sie 
auch sind, erregen mancherlei Bedenken. Zunächst kann schon 
der Ausdruck xcp qyeftopi xdiv 'Ptofiaiaw nicht ursprünglich 
sein; man müsste xcp vfiexegq) rjfBfiovi erwarten. Sodann ist 
das vorangestellte Thema: xl (pQovovot jieqI xov &eov nur 
nebenbei behandelt. Endlich muss die unvermittelte Einführung 
Christi, des Sohnes Gottes, der im griechischen Text im Vor- 
hergehenden noch nicht erwähnt ist, und des Verhaltens der 
Juden gegen ihn, welche so gehalten ist, als ob von allbekannten 
Dingen die Rede wäre, als dem folgenden cp. vorgreifend be- 
fremden. Dies hätte dem Autor der Schrift schwerlich entgehen 
können. 

Was der syrische Text bietet, zeigt zwar eine massige 
Kenntnis des Judentums und seines Religionswesens, aber es ent- 
spricht mehr dem Thema, indem es vom Glauben der Juden und 
analog dem über die Griechen Gesagten vom Einfluss desselben 
auf die Gestaltung des Lebens redet Es ist in judenfreundlichem 
Geiste gehalten, und eben dieser Umstand mag den anders 
denkenden Verfasser des 'Barlaam und Joasaph' zu seiner Über- 
arbeitung veranlasst haben. 

XV. Der Abschnitt über die Christen wird im griechischen 
Text passend durch eine kurzgefasste Christologie eingeleitet. 
Ich halte die Verbindung derselben mit den Bestimmungen über 
das Leben und die Hoffnung der Christen für viel natürlicher, 
als die Isolirung, in der sie beim Syrer (cp. II) steht. Doch 
glaube ich, dass der griechische Text einige Interpolationen ent- 
hält, vor allem folgende: iv jrvevfiaxi aylcp — (jiaQd-evov) aylaq 
— döJtoQcog xe xäL a<p&0Qa>Q — ftavaxov iyevöaxo — arflaq 
(YQapijg) und den Satz: xafrajtSQ tlg Ig avxdiv xxl. Auffällig 
ist mir auch die Bezeichnung öiaxovovvxeg xf] dtxcuoövpy xov 
xrjQvyiiaxoq avxmv. Über einiges andere wage ich nicht be- 
stimmt zu urteilen. 

Daraus, dass manches in der Übersetzung fehlt, was der 
griechische Text enthält, darf man noch nicht folgern, dass dies 
nicht ursprünglich war. So wird z. B. vom Syrer die Parusie 
nicht erwähnt. Aber das, was er an Stelle des Satzes: ov xo 
x/iioQ xijg jtaQovalaq xxX. bietet, macht so sehr den Eindruck 
des Missverständnisses eines vielleicht etwas corrumpirten Textes, 



Digitized by 



Google 



58 Beiträge zur Textvergleichtmg. 

dass mir seine Ursprünglichkeit sehr verdächtig ist. Auch die 
Übersetzung: „dass Gott vom Himmel herabgestiegen ist . . . 
und dass in einer Menschentochter der Sohn Gottes wohnte* 
ist mir nicht unbedenklich, ebenso der Satz: „Dieser Jesus also 
wurde vom Stamme der Hebräer geboren*. Endlich glaube 
ich, dass die Worte: „Er hatte aber 12 Jünger, damit sein 
wunderbarer Heilsplan vollendet würde" nicht nur eine Um- 
stellung, sondern auch eine freie Wiedergabe des ursprüng- 
lichen Textes (rsXioag xr\v dtcvuaörrjv avxov olxovofilav) in- 
volviren. 

Wenn ich mich nun zur Besprechung des zweiten Absatzes 
des griechischen Textes wende, in welchem das Leben der 
Christen geschildert wird, so bemerke ich zunächst, dass die 
Worte iv vl<5 (tovoyevel xai xvivfiari aylcp m. E. vom Ver- 
fasser des 'Barlaam* zugesetzt sind, vermutlich auch apdöraoiv 
vsxqcov. Die übrigen Bestimmungen giebt die Übersetzung 
wieder mit Ausnahme der Worte: iroipol eloiv vjiIq Xqiötov 
tag tpvxag avrcov jiQoto&ai. Erwägt man die ähnlichen Aus- 
sagen Act. 15, 26: xaQaöeöcoxaöi rag ipvx<*g ccvtcop vxhQ rov 
ovopuxxog rov xvqIov fipcov 'itjoov Xqiötov und Act. 21, 13: 
äxo&avslv erolfiwg $%a> vjiIq rov ovdftarog rov xvqIov y Ii?öov, 
und zieht man in Betracht, dass die Christen zur Zeit des 
Aristides schon vielfach ihre Bereitwilligkeit, um Christi willen 
ihr Leben dahinzugehen, durch die That bewiesen hatten, so muss 
man den in Rede stehenden Satz für sehr natürlich, sein Fehlen 
in der Übersetzung für auffallend halten. Dem Verfasser des 
'Barlaam' mochte ich ihn nicht zuschreiben, denn dieser entwickelt 
S. 231 den seltsamen Gegensatz: JiQoeofrcu xcä xQVf tata xc ^ 6( ®~ 
fiara, yiaXXov 6h avxag rag tpvxag. 

Nun hat aber die syrische Übersetzung eine Reihe von 
Zügen, die sich im überlieferten griechischen Text nicht finden. 
Von diesen sind einige ihrem Inhalt nach unbedenklich, wie die 
Angabe, dass die Christen nicht von Götzenopfern essen. Da die 
Forderung <br^£<J#-ac tcZv eldayXo&vrcov wiederholt im N. T. 
gestellt wird, so hat es nichts Auffallendes , wenn der Verfasser 
hier ausspricht, dass die Christen dies Gebot befolgen. Damit 
ist jedoch die Ursprünglichkeit dieser Bestimmung noch nicht 
dargethan: sie könnte auch von einem späteren Bearbeiter ein- 
geschaltet sein. Dasselbe gilt von den Angaben, dass die Christen 



Digitized by 



Google 



Beitrage zur Textrergleichung. 59 

für das Begräbnis der Armen sorgen und sich der Gefangenen 
annehmen. Welcher christlichen Schrift die Aussage entnommen 
ist, dass die Christen unter Umstanden zwei oder drei Tage fasten, 
um das Bedürfnis eines darbenden Bruders zu befriedigen, ist mir 
imbekannt. 

Die Sätze, welche von der Keuschheit der Frauen, Töchter 
und Manna: handeln, sind vielleicht nur spezialisirende Erwei- 
terung des ursprünglichen dxo xaotjg avvovaiag dvopov xcA djto 
xaötjq äxad-aQölag kpcQarevovrai. Dass die Christen ihre Knechte 
und Mägde und Kinder überredeten, Christen zu werden, ist an 
sich unauffällig, doch erregt die Bestimmung Bedenken, dass sie 
auch ihre Kinder Brüder genannt haben sollen. Merkwürdig 
ist noch die Angabe, dass sie sich Brüder in Gott nannten, da 
die Bezeichnung „Brüder in Christo* oder „in dem Herrn" die 
gewöhnliche war. Die Aussagen: „Götzen in Menschengestalt 
beten sie nicht an a und: „Die fremden Götter beten sie nicht 
an" treten ganz unerwartet auf, nachdem im Anfang gesagt 
worden war, dass die Christen nur den Schöpfer des Allsver- 
ehren, und sind daher anstössig. Auch von den am Schluss des 
cp. stehenden, überschiessenden Bestimmungen: „sie danken beim 
Tode eines Gerechten, sie preisen Gott bei der Geburt eines 
Kindes, danken aber auch bei seinem frühen Tode, sie weinen 
beim Tode eines Sünders* — kann ich mit Zuversicht die Ur- 
sprünglichkeit nicht behaupten. Denn sie können auch spe- 
zialisirende Auseinanderlegung des allgemein gehaltenen grie- 
chischen Ausdrucks cvxaQiöTOVvreg .... xdL xolg XoixoTq 
iya&ols sein. 

XVI. Der griechische Text enthält in den Worten: xakoig 
ovv ovpijxev 6 vlog Cov xal 6txala>g iöiöax&i] xrX. offenbar einen 
Zusatz aus der Feder des Verfassers des 'Barlaam'. Sie waren 
angemessen gegenüber dem im Roman angeredeten König 
Abenner, dessen Sohn (wider den Willen des Vaters) im 
Christentum unterrichtet worden war, unangemessen dagegen 
gegenüber dem Kaiser Antoninus Pius. Von dem Adoptivsohn 
des Kaisers, Mark Aurel, musste Aristides wissen, dass er in der 
stoischen Philosophie unterrichtet wurde und dieser mit grossem 
Eifer ergeben war. 

Scheidet man diesen Zusatz aus, so kann das, was übrig 
bleibt, als ein Schlusswort zu der Ausführung über die 



Digitized by 



Google 



60 Beiträge zur Textvergleichung. 

Christen gelten: Die Christen haben die Wahrheit, die übrigen 
Völker den Irrtum. Diese Gegenüberstellung konnte als aus- 
reichend erscheinen, eine längere Auseinandersetzung wird nicht 
mehr erwartet 

Vergleicht man nun die Übersetzung, so muss es über- 
raschen, dass der Verfasser nach den das Schlusswort ein- 
leitenden Worten: „Das ist, o König, die Vorschrift des Gesetzes 
der Christen und das ist ihr Wandel" — nun doch in der 
Aufführung spezieller Bestimmungen über die Christen fortfahrt, 
als wäre eine Unterbrechung gar nicht eingetreten. Diese 
Erscheinung ist mir so auffallend, dass ich die folgenden 
Aussagen: 

sie bitten Gott nur um geziemende Dinge; 

sie sind überzeugt, dass die schönen Dinge der Welt um ihret- 
willen in Fluss sind; 

sie haben die Wahrheit gefunden — sie kommen der Er- 
kenntnis der Wahrheit nahe; 

sie posaunen ihre Wohlthaten nicht aus; 

sie arbeiten daran, gerecht zu werden — 
entweder als spätere Erweiterung betrachten, oder wenigstens 
annehmen muss, dass sie von einem Bearbeiter oder vom Über- 
setzer an eine falsche Stelle gerückt sind. 

Der nunmehr folgende Hinweis auf die Schriften giebt im 
wesentlichen die griechische Grundlage wieder. Der Satz: „neu 
ist dieses Volk und eine göttliche Beimischung ist in ihm" ist 
vielleicht im griechischen Text hinter fieyaXa yag — äXXa 
xov d-eov ausgefallen. Da unser Verfasser auch in dem Ab- 
schnitt über die Juden sich mit der Praedicatio Petri berührt, 
in dieser aber ausgesagt ist, dass die Christen xatvcog Gott ver- 
ehren, so ist denkbar, dass er hieraus die auch in der Ep. ad 
Diogn. cp. 1 enthaltene Bestimmung: xaivov rovro yivog ent- 
wickelt hat. 

Anders ist zu urteilen über die Aufforderung: „Nehmt also 
ihre Schriften u. s. w. w Diese selbst, welche so aussieht, als ob 
sie eine Mehrheit als Adressaten der Apologie voraussetzte, und 
nach der vorausgehenden Verweisung des Kaisers auf die Schriften 
auffällig ist, sowie auch die ihr angeschlossenen Gedanken mit 
dem nicht recht in den Zusammenhang passenden, vermutlich auf 
unrichtiger Übersetzung beruhenden Satze: „sintemal ich dieses 



Digitized by 



Google 



Beiträge zur Textvergleichung. 61 

in ihren Schriften gelesen habe — was zukünftig ist* — scheinen 
mir Interpolation zu sein. 

Der Satz: „Und es besteht für mich kein Zweifel, dass (nur) 
wegen der Fürbitte der Christen die Erde (noch) besteht", steht 
völlig ausserhalb des Zusammenhangs. Endlich scheint mir die 
Aussage: »Die übrigen Völker wälzen sich yor den Elementen 
der Welt", nach welcher man annehmen müsste, dass alle 
Heiden und selbst die Juden die Elemente verehrten, unver- 
einbar mit den Ausführungen des Verfassers im 1. Teile seiner 
Abhandlung. 

XVII. Die Paraklese, welche die ganze Apologie abschliesst, 
hat m. E. im griechischen Text vom Verfasser des 'Barlaam' eine 
Umarbeitung erfahren. So ist z. B. der Ausdruck ol avorjxol 
oov ooq)ol fiataiojLoyovvTBg xara xov xvqIov im Zusammenhange 
des Romans begründet, dem römischen Kaiser gegenüber durchaus 
unangemessen. Was man als Spitze der Apologie erwartet, ist 
eine Bitte an den Kaiser, den Christen eine milde Behandlung 
angedeihen zu lassen, da sie durch ihre Lehre und ihren Wandel 
derselben würdig seien, und ungerechte Bedrückung derselben 
zu verhindern. Davon findet sich aber weder im griechischen 
Text, noch in der Übersetzung eine Spur. 

Im Syrischen ist die Wendung: „Bis hierher, o König, habe 
ich gesprochen. Denn über das Übrige u. s. w." zwar zu ver- 
stehen, wenn man vor „denn" etwa den Gedanken ergänzt: „Und 
ich muss mich auf das Gesagte beschränken". Aber die folgende 
Begründung ist nicht unverdächtig. Denn einmal findet sich im 
Früheren keine Stelle, an welcher der Verfasser ausgesagt hat t 
dass die christlichen Dinge schwer zu besprechen und auch nur 
zu wiederholen sind, zum andern machen die Worte: „welche 
nicht nur erzählt, sondern auch wirklich ausgeführt worden 
sind* den Eindruck, als beruhten sie auf einem Missverständnis» 
Der dann folgende Vorwurf gegen die Griechen, dass sie, weil 
sie selbst unreine Dinge thun, die Christen derselben bezichtigen, 
und die Schilderung des Verhaltens der Christen gegenüber 
solchen ungerechten Beschuldigungen, sind an sich in einer Apo- 
logie wohl denkbar, aber sie tragen weder durch ihre Stellung, 
noch durch ihre Form das Gepräge der Ursprünglichkeit an sich. 
Denn ihrem Inhalt nach gehören sie in cp. XV, und die An- 
schuldigung, dass die Griechen auch noch zur Zeit des Verfassers 



Digitized by 



Google 



62 Beiträge zur Textvergleichtmg. 

und zwar ganz gewöhnlich Verbindungen mit der Mutter, 
Schwester und Tochter eingingen, während sie sich im Grunde 
nur auf einige der Mythologie angehörende Beispiele stützt, ist 
im Munde eines athenischen Philosophen, der die Sitten der 
Griechen aus Autopsie kannte, undenkbar. 

Auch Tom zweiten Absätze dieses cp. (Verstummen mögen 
also u. s. w.) habe ich den Eindruck, dass er seine gegenwärtige 
Form einer Bearbeitung des ursprünglichen Textes verdankt. 



Digitized by 



Google 



Zweiter Anhang. 

Anmerkungen. 



Zorn Eingang] Dem Gedanken, dass die Menschen beim Anblick von 
Sonne, Mond und Sternen und der Ausschmückung der Welt von Staunen 
ergriffen zu dem Glauben an die Existenz von Göttern (Gott) oder von 
bestimmten Göttern gelangt seien, begegnet man öfter. So sagt Diod. 
1, 11: xovq ow xax Aiyvnxov dv&gwnovg, xb naXaibv yevofiivovg, äva- 
ßXhpavxag elg xbv xoafiov xal xrjv xä>v oXwv <pvoiv y xaxanXayivxag xal 
&avftdoecvta<; vJioXaßetv ovo 9eovg diöiovc xs xal ngwxovg . . . Auch einige 
von Cicero de nat deor. II 37, 95 in Obersetzung erhaltene Sätze aus 
Aristoteles 1 Dialog über Philosophie enthalten Ähnliches. Cicero selbst aber 
sagt de nat d. I 36: At eos vituperabas, qui ex operibus magnificis atque 
praeelaris, cum ipsum mundum, cum ejus membra, caelum, terrae, maria, 
cumque horum insignia, solem, lunam, stellasque vidissent, cumque tem- 
pornm maturitates, mutationes vicissitudinesque cognovissent, suspicati 
essent, aliquam excellentem esse praestantemque naturam, quae haec fe- 
cisset, moveret, regeret, gubernaret. Bei Philo de monarch. I S. 217 ed. 
Mangey heiset es: Tbv ovv d<pix6juevov elg xr\v dXij&dig MeyaXonoXiv, 
xovde xbv xoo/tov, xal ^eaod/uevov xijv Sgetvrjv xal neÖidöa nXq&ovoav 
t,<£<ov xal (pvxöjv xal noxafidiv av&iyevwv xal xtifid$$a>v <po(>aq xal ntXa- 
ywv dva%iouq xal Bvxgaalav digog xal zöv ixrjoiwv wqwv xpondq, elxa 
tjXiov xal oeXqvriv, xovq rjuipag xal wxxbg r/ysfiovac, xal xdg xdiv aXXtav 
nXavrpwv xe xal dnXavdiv xal xov avfinavxog ovgavov 7i€QinoXyoeiq xal 
Xogelag, ovx elxoxag, fiäXXov 6h dvayxalcoq evvoiav Xrppeo&cu öetxoitna- 
XQog xal noiTfcov xal tiqooIxi rjysfiovoq; und de mundo II S. 602: Kaxa- 
nXay&vxeg xivhg xr\v hxaxfyov xdiv xoopwv tpvoiv ov fiovov oXovq i£e- 
d-elaxjav, dXXä xal xä xdXXiaxa xwv iv avxotq /btegwv, rjXiov Xkyü) xal oe- 
Xqvqv xal xbv avfutavxa ovqovov, aueg ovdhv alöeo&ivxeg &eoi>g ixdXsoav. 
Ferner sagt Lactanz Instit I 2: Nemo est tarn rudis, tarn feris moribus, 
quin oculos suos in coelum tollens, tametsi nesciat, cujus dei Providentia 



Digitized by 



Google 



64 Anmerkungen. 

regatur hoc omne, quod cernitur, non aliqoam tarnen esse intellegat ex 
ip8a rerum magnitudine, motu, dispositione, constantia, utilitate, pulchri- 
tudine, temperatione : nee posse fieri, quin id, quod mirabili ratione con- 
stat, consilio majori aliquo sit instruetum. 

Endlich heisst es in dem vom Mönch Johannes (Anfang des 7. Jahrh.) 
verfassten Roman b ßloq BaoXadft xal Iwdoaip, in welchen die Apologie 
des Aristides eingeschaltet ist, wohl unter dem Einfluss der Worte des 
Apologeten, von Abraham: xaxavo-qoaq yag ovoavbv xal yrjv xal &dXaooav t 
r^Xiov xe xal oeXqvrjv xal xä Xouid, i&av/uaoe xrjv ivagfxoviov xavxrjv 
öiaxooftTjoiv löwv 6h xbv xoöfiov xal xa iv avxw itdvxa, ovx avxofxdxwq 
yeyevrjo&at xal övvxr]0tTo&ai ivofuaev^ ovxe fx^v xotq oxoixeioiq xrjq yfjq 
rj xolq dxpvxoiq el6ciXoiq xtjv alxiav xijq xoiavxr\q Öiaxoafi^oewq nQooavi- 
&sxo' dXXä xbv aXr]9ij &ebv . . . 

durch die Gnade] Gr. itQovoia. Vgl. Über diese die ausführliche, 
die Ansichten der Stoiker wiedergebende Schilderung der in der Welt 
und in der Ausrüstung aller Geschöpfe erkennbaren Weisheit und Vor- 
sehung Cic. de nat. deor. II 38 ff. 

Gott unbegreiflich] Hierüber finden sich bei Philo mancherlei Aus- 
sagen. So de profug. I S. 566: (Wir können nicht wissen) oloq ioxiv, 
u(iriiavov ydg — de poster. Caini I 258 : avxbq 6h fiovoq dxaxdXrjnxoq — 
quod deus sit imm. I 282: b 6* dpa ov6h xip v<p xaxaXrpixoq, oxi fttj xaxet 
xb hivai /btovov — fragm. II 654: 9ebv yevto&ai 6et nQoxeoov, onsp ovÖh 
olov xb, f lva 9ebv loyioy xiq xaxaXaßsiv — de monarch. II 216: (Zweierlei 
kommt in Betracht bei den Fragen über Gott) £v fiiv, el Maxi xb &€lov . . M 
%xegov 6h xb xL iaxi xaxd xyv ovoiav. Tb fxhv ovv ngoxegov ov noXvq 
novoq I6etv, xb 6h 6svxegov ov %aXtTtbv fiovov, dXXa ?oa>q d6vvaxov — 
de monarch. II 217: ov6hv yitg ufietvov xov tyxsiv xbv aXtfifj 9eov, xSv 
rj evoeoiq avxov 6ia<p\yy xyv dv&Qwnlvriv 6vvafiiv. Man vergleiche auch, 
was Melito (Cureton, spicil. syr. S. 22. 23) über diese und einige 
andere Bestimmungen des Apologeten sagt: „Es giebt aber etwas, was 
wirklich ist, und es wird Gott genannt, und er ist wirklich, und alles 
besteht durch seine Kraft. Und eben dieser ist nicht gemacht und ist 
nicht geworden, sondern er ist von Ewigkeit, und er ist bis in alle Ewig- 
keit, und er ändert sich nicht, wahrend alles sich ändert, und kein Sehen 
kann ihn sehen, und kein Sinn kann ihn erfassen, und kein Wort ihn 
verdolmetschen. Diejenigen aber, welche ihn lieben, nennen ihn so: 
Vater und Gott der Wahrheit. 

Und nach Lactanz Inst. I 8 ist Gott inexeogitabilis, ineffabilis et 
nulli alii satis notus quam sibi. Schliesslich mag noch angeführt werden, 
wie ein deutscher Dichter, der mehr als ein Jahrtausend nach dem Apo- 
logeten lebte, über die Unbegreiflichkeit Gottes singt: 

Du mächt'ger Gott, du bist so lang und bist so breit: 

Bedächten wir es doch, dass Müh* wir nicht und Zeit 

Verlören! Ungemessen sind dir Macht und Ewigkeit. 

Das weiss ich längst, wenn andrer Sinn dich zu erforschen trachtet. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. g5 

Dein Wesen ist und bleibt den Sinnen Unerforschlichkeit. 
Du bist zu gross, zu klein, und unser Sinn umnachtet. 
Ein Thor, wer Tag und Nacht es zu ersinnen schmachtet! 
Will er erforschen denn, was nie gepredigt und ertrachtet? 

Walther v. d. V. (Pannier.) 

alles um des Menschen willen gemacht] Cic. de nat. deor. II 61: 
Restat ut doceam atque aliquando perorem, omnia, quae sint in hoc 
mundo, quibus utantur homines, hominum causa facta esse et parata. 

was einen Anfang hat, hat auch ein Ende] Philo de nom. mut I 580: 
yiveaiq 6h tp&OQÜq &Qyri' V v noxe ZQ° V0 $> oxe °v* V v * 

Gott ist nicht geboren, nicht gemacht] Laktanz Inst. I 7: Verum 
quia fieri non potest, quin id, quod sit, aliquando esse coeperit, consequens 
est, ut, quando nihil ante illum fuit, ipse ante omnia ex se ipso sit procreatus. 
Ideoque ab Apolline aihoipvfa a Sibylla avxoyevyq et dyiwrjxoq et dnoi- 
ijxoq nominatur: quod Seneca vir acutus in exhortationibus vidit Nos, in- 
quit, aliunde pendemus. Itaque ad aliquem respicimus, cui, quod est 
Optimum in nobis, animam debeamus. Alius nos edidit, alius instruxit: 
Dens ipse se fecit. Aus einem den Sibyliinen verwandten Gedicht citirt 
Didymus de Trinitate III. 2. 322 (nach Lobeck, Aglaoph. S. 722): 

Ä&dvaxoq 6h 9ebq t navayrjQaoq, dcxwpshxxoqy 

aQQrjTog, xQVfpioiq imo dqveoiv avxoyive&Xoq, 

xixxwv avxbq havxov del vioq, ovxi 7toiijxoq' 
und c. I. 327: 

ylvsxai e§ h9ev avxbq id>v yevixrjq xe xal vloq. 
Nichts anderes sollten offenbar die nach Laktanz von Hermes gebrauchten 
Ausdrücke: cbidxwQ — dftTjxato — avzoitdxojQ — avrofxjjnoQ bezeichnen. 
Die Übersetzung des Armeniers: „er hat sich auch nicht selbst ge- 
macht" giebt schwerlich Ursprüngliches wieder. 

Gott hat keinen Namen] Philo nannte Gott dxaxovofxaaxoq und 
Hermes Trismegistus, den Laktanz (I 6) wunderbarer Weise für einen ur- 
alten Dichter hält, dv&w/toq. De nom. mutat. I 580 sagt der erstere: 
xä xo>v yewTjxüv avftßoka, Svo'fiaxa, w ^tjxei naoa cpvotoiv dtpO-aQxoiq. 
Hiernach kommen Namen nur den ys wi\xd und <pd-aoxd zu. Dies stimmt 
überein mit der Begründung unsere Autors: alles, was einen Namen hat, 
gehört in den Bereich des Geschaffenen. Eine etwas andere Begründung 
hat Justin Apol. II 6: ovo na 6h x<p ndvxoiv naxql üexbv dyevvqxq) ovxi 
ovx %gxlv (p yäg av xal ovo(xa nQoaayootvrixaiy nQsafivxsQOV Ifyßi xbv 
&£(jtevov xo ovofia Wieder andere begründet die Namenlosigkeit der von 
Laktanz angezogene Hermes: 6 6h &eoq elq, 6 6h eiq dvofiaxoq ov nooo- 
öiexai — wozu Laktanz bemerkt: Deo igitur nomen non est, quia solus 
est: nee opus est proprio vocabulo, nisi cum discrimen exigit multitudo, 
ut unamquamque personam sua nota et appellatione designes. 

er hat keine Gestalt] So habe ich wegen des folgenden „auch keine 
Zusammensetzung der Glieder", und weil im armenischen Fragment „For- 
men 4 ' steht, übersetzt. Die Wiedergabe von demutha durch „Ähnlichkeit" 
Texte u. Untersuchungen IX, 1. e 



Digitized by 



Google 



6ß Anmerkungen. 

würde jedoch auch einen guten Sinn geben. „Es giebt nichts, was ihm 
ähnlich ist" wäre dasselbe, was sich bei Philo quod a deo mittantur somn. 
I 648 findet: xwv 6h <paox6vx<t>v , ort ovSevl xwv iv yevsoei xb dyivrpov 
ofAOiov . . . Das Fehlen einer Bezugnahme auf Gen. 1 und Col. 1, 15 
würde an unsrer Stelle erklärlich sein, da der Verfasser hier mehr einen 
Niederschlag philosophischer, als biblischer Gedanken giebt. 

Zusammensetzung der Glieder] Philo de nom. mut. I 606: &ibg — 
<pvotg äv itnXrj — legum allegor. I 52: fitj yag xooavxrjg dxonlag dva- 
n työ&eirjfiev, Saxe vofdoai Bböv oxopaxog § pvxxriQwv oQydvoig xgi t o&ai 
UQbq xb i/jt<pvGTJaai — de confus. lingu. I 419: ovxe noolv ovxe /tpoiv 
ovxe äkkü) xwv iv yevioet xexQV^ V0 ^ ptoei. 

Gott nicht männlich und nicht weiblich] Nach August. Civ. IV 27 
hat der Pontifex Scaevola unter Aufzählung der 3 genera der Theologie, 
welche die Stoiker aufgestellt haben (mythicum, politicum, philosophicum), 
eine Bestimmung dieses Inhalts zu dem genus philosophicum gezählt und 
von diesem ausgesagt: hoc, quod docet deos nee sexum habere nee aeta- 
tem nee membra, obest populo. Als Grund dafür, dass Gott weder männ- 
lich, noch weiblich sei, führt Laktanz I 8 Folgendes an: Deis ergo, si sunt 
immortale8 et aeterni, quid opus est altero sexu? ipsa progenie quid opus 
est, cum successione non egeant, qui serapiterni sint futuri? Nam pro- 
fecto in hominibus caeterisque animantibus diversitas sexus et coitio et 
generatio nullam habet aliam rationem, nisi ut omnia genera viventium, 
quando sunt cotidie condicione mortalitatis obitura, mutua possint suc- 
cessione servari. Deo autem, qui est sempiternus, neque alter sexus neque 
successio necessaria est. Dicet aliquis : ut habeat vel ministros, vel in quos 
ipse possit dominari. Quid igitur sexu opus est femineo, cum deus, qui 
est omnipotens, sine usu et opera feminae possit filios proereare? Eben- 
derselbe hat IV 8 die Notiz: Orpheus putavit deum et marem esse et 
feminam, quod aliter generare nequiverit, nisi haberet vim sexus utriusque, 
quasi aut ipse secum coierit, aut sine coitu non potuerit proereare. 

Er bezieht sich damit offenbar auf die dem Onomacritos zugeschriebene 
Ooipiwg &eoXoyia, nach welcher Zeus als Mann und Weib nach Ent- 
mannung des Kronos die Stiftung einer geistigen Welt unternimmt 
(Bernhardy, Gesch. der griech. Litteratur IL 1. S. 428 ff. Ausg. 1867). 

die Himmel umgrenzen ihn nicht] Philo leg. alleg. III (M I 96) : 
oi; yaQ 7teoitxexat t dXXa neQtfyft *b näv und S. 402 (de his verbis: resip. 
Noe): neQiixfi yaQ xa ndvxa nobg firjöevog negiexb^evog, 

er hat keinen Gegner] wohl darum, weil jede Aussicht auf erfolg- 
reichen Kampf gegen ihn ausgeschlossen ist. Vgl. Bardesanes de fato 
(Cureton S. 20) : „Wenn aber Gott will, so können alle Dinge ohne Störung 
geschehen. Denn diesen grossen und heiligen Willen vermag nichts zu 
hindern, und selbst diejenigen, welche ihm entgegenzustehen glauben, 
stehen nicht durch Kraft entgegen, sondern durch Bosheit und durch 
Irrtum." 

er hat nicht Zorn] Philo de Abrahamo M II 29: inilvnov filv yag 
ro xwv dv&gwizwv yivog xal negiöeeg ij naoovxwv xaxwv 7} ngooöoxw- 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 57 

fjtivwv, <aq % hil xolq iv yegolv dßovXqxuq dviuaQai i} inl xolq fxiXXovct 
xapaxg xal (fdßtp XQaöcdvso9ai. y AXvKoq 6h xal atpoßoq xal dfitxoxoq 
navxbq nd&ovq fj xov faov cpvoiq. 

Laktanz führt V 20 als Behauptung der Epikureer auf: esse quidem 
deos sed curare quid quam negant, neque irasci eos, neque gratia com- 
moveri. Und II 17 sagt derselbe: Unde quidam putant, ne irasci quidem 
deum omnino, quod affectibus, qui sunt perturbationes animi, subjectus 
non sit: quia fragile est omne animal, quod afficitur et commovetur. 
Quae persuasio veritatem atque religionem funditus tollit 

durch ihn besteht alles] So bezeichnete es auch Aristoteles als eine 
alte und allen Menschen angestammte Lehre, dass aus Gott und durch 
Gott alles bestehe (de mundo 6). 

er bedarf nichts] Philo de cherub. I 147: Ixavbq yag fiovoq xal 
avxaoxiaxaxoq havx<j>. Vgl. Act. 17, 25. 

alle bedürfen Gottes] Bardes. (Cureton S. 4): „Denn alles, was existirt, 
bedarf des Herrn des Alls." 

II. 

Den griechischen Eigennamen giebt der Syrer, wie andere syrische 
Übersetzer, aus Unkenntnis sehr eigentümliche Formen, indem er dieselben 
bald verstümmelt, bald Genetive und Accusative, die im Griechischen 
durch die Rection bedingt sind, als Nominativformen betrachtet. So hat 
er Hellen 08, Dios, Danaü, Kadmü, Mnemosynes, Ganymedüs, Pluto nos, 
Typhonos, Amphiona, Minoa, Persea, Sarpedona. Ich habe mit Aus- 
nahme von Dios durchweg die griechischen Nominativformen gesetzt 

Hellen] Schol. minor, ad Odyss. X 2: "EXkrjv, oq jJv Aioq, ov xal 
Holoöoq fiifivrixai. Verschiedenes vermengt der Scholiast zu Apollon. 
Rh. III 1086: oxi IJgofirj&iwq xal Uavdt&Qaq vldq AtvxaUiov ^Haloöoq 
TiQwzu) xaxakoywv <pqol t xal ort dsvxatioivoq xal Ilv^aq"EXkijv. 

Aiolos und Xuthos] Diesen wird als dritter Sohn gewöhnlich Doros 
hinzugefügt, wie Hesiod. fr. XXIIL 23 (Lehrs): 

°EX?.Tjvoq <T iyivovzo üefitoxonokoi ßaoikijfq 
dÜQoq xs Eov&oq xs xal AXoXoq htruo%dQ(iTiq. 

Kadmos] Über ihn findet sich zwar bei Pi6ander fr. 21 die seltsame 
Angabe, dass er Zeus anzeigte, auf welche Weise er Typhon überwältigen 
könnte, wonach es scheinen könnte, als wäre er auch als Gott gedacht 
worden. Aber mit dieser ganz vereinzelt dastehenden Notiz ist wenig an- 
zufangen. Die von Welcker in der griechischen Götterlehre vorgenommene 
Combination von Kdöfioq und xoofioq ist schwerlich haltbar. 

Abraham] Wie weit zuweilen griechisch schreibende Schriftsteller 
in der Identifikation gingen, mag das Beispiel des Philo von Byblos (Anf. 
des 2. Jahrh. n. Chr.) zeigen. Nach diesem ist Abraham Koovoq, der zur 
Zeit einer Pest seinem Vater Uranos seinen eingebornen Sohn opfert, sich 
dann beschneidet und seine Kampfgenossen nötigt, dasselbe zu thun. 

Was übrigens die Götteridentifikationen im allgemeinen betrifft, so 
ist ihr Vorteil ersichtlich: die Schriftsteller versetzten den Leser durch 



Digitized by 



Google 



68 Anmerkungen. 

Nennung des heimischen Gottes sogleich in einen bestimmten Vorstellungs- 
kreis und konnten von einer eingehenden Schilderung des fremden Kults 
Abstand nehmen. Nun geschah es aber leicht, dass ein einzelner Zug 
zum beherrschenden erhoben, die übrigen aber unberücksichtigt gelassen 
wurden. Daraus mussten sich Verschiedenheiten der Benennung ergeben, 
je nachdem dem einen Schriftsteller dieser, dem andern jener Zug als der 
hervorstechendste erschien. Dies wird gut illustrirt durch das Beispiel 
des Osiris, für welchen sich folgende Identifikationen finden: Ammon, 
Arsaphes, Dionysos, Epaphos, Hades, Helios, Neilos, Okeanos, Pan, Pluton, 
Serapis, Zeus (Parthey). Es ist klar, welche Verwirrung hieraus entstehen 
musste. 

Wenn Plutarch de Is. 66 sagt: „Die Isis aber und die ihr verwandten 
Götter sind allen Menschen bekannt und verständlich, sie werden nur 
von den verschiedenen Völkern mit verschiedenen Namen belegt", so 
scheint darin implicite ein Urteil über die Berechtigung der Identifikation 
zu liegen. 

III. 

weil sie Gott nicht erfasst haben] Melito (Cureton 8. 23) erkennt 
den Heiden doch ein Suchen nach Gott zu, wenn er sagt: „Indem sie 
(die Menschen) Gott suchten, sind sie zu Fall gekommen durch Steine 
und Holz, und die Reichen unter ihnen sind gestrauchelt durch Gold 
und Silber und sind durch dieses Straucheln gehindert worden an dem, 
was sie suchten". 

Göttliche Verehrung a) der Elemente und Sterne, b) der Bilder] 
a) Als das Ursprüngliche wird zu betrachten sein, dass die Elemente 
und Gestirne selbst göttlich verehrt wurden, ohne dass man mit ihnen 
die Vorstellung von persönlich gearteten Wesen verband, wie namhafte 
Forscher auch von den Griechen der vorhomerischen Zeit angenommen 
haben. In einem späteren Stadium der geistigen und religiösen Ent- 
wickelung brach sich die Vorstellung persönlicher Götter Bahn, die man 
als die Beherrscher des Naturgegenstandes oder -Bereichs oder Urheber 
der Naturerscheinung dachte, ohne dies Verhältnis immer klar zum Aus- 
druck zu bringen. So sagten nach Jensen, Kosmogonie der Babyl. S. 139 
die Babylonier nicht: Der Ktar ist der Abendstern, dem Marduk der 
Jupiter, dem Nabu der Merkur eigen, sondern IStar ist der Abendstern, 
Marduk ist der Jupiter u. s. w. Der weitere Schritt, den die Griechen 
wenigstens für eine Mehrheit von Göttern thaten, dass sie die Götter von 
dem Natursubstrat, mit dem sie ursprünglich verbunden waren, völlig 
loslösten, ist von den Assyriern und Babyloniern, wenigstens in der Volks- 
vorstellung, wohl nie vollständig gemacht worden, obwohl die Götter 
durchaus persönlich gefasst wurden, und die Menschen, zunächst die 
Könige, ähnlich wie die von Homer geschilderten Helden, ihres Schutzes 
und ihres Beistandes bei ihren Unternehmungen gewiss waren, von ihnen 
ihre Macht ableiteten, auf ihr Geheiss dies oder jenes vollbrachten, im 
Vertrauen auf sie wandelten. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 69 

Übrigens ist diese Materie bisher noch wenig untersucht worden. 

b) Dass die Chaldäer (Barbaren) Götterbilder als Götter verehrten, 
wird man erklärlich finden, wenn man bedenkt, wie einerseits die Israe- 
liten zum Bilderdienst neigten, andrerseits auch die Griechen in den 
Bildern mehr als Symbole der Gottheit sahen. Von den letzteren sagt 
Plutarch de Iside cp. 71 : „So geht es denen unter den Hellenen, die nicht 
gelernt, noch sich gewöhnt haben, die Bildwerke aus Erz und Stein und 
die Gemälde nur für Darstellungen zu Ehren der Götter anzusehen, son- 
dern sie selbst Götter nennen/ 4 Auch für die klassische Zeit steht die 
göttliche Verehrung der Bilder ausser Zweifel In Schoemann's griech. 
Altertümern II 166 heisst es: „Dass auch in der klassischen Zeit dem 
Volksglauben die Kultbilder für etwas mehr, als blosse Symbole und 
Erinnerungsmittel an die Gottheit galten, ist aus vielen Zügen unverkenn- 
bar. Die Verständigen mochten sie so betrachten; das Volk meinte in 
den Bildern, wenn auch nicht die Götter selbst, doch wenigstens etwas 
Göttliches zu besitzen. Ein göttliches Numen erfüllte sie und Übte von 
ihnen aus seine Wirkungen, so dass, wo die Bilder waren, auch die Gott- 
heit mit ihrer Kraft gegenwärtig war". 

Götter der Babylonier und Assyrier] 1 ) Dass der Verfasser keine 
Namen assyrisch-babylonischer Götter nennt, erklärt sich sowohl daraus, 
dass er den Chaldäern keinerlei Verehrung persönlich gedachter Götter 
zuschreibt, als auch aus dem Umstände, dass die Griechen ausser den 
durch Herodot bekannt gewordenen Namen des Bei und der Mylitta solche 
nicht kannten. Erst Damascius (geb. um 480 n. Chr.) giebt in der Schrift 
de primis principiis cp. 125 einige Namen, die an assyrisch-babylonische 
Worte anklingen. So kann man wohl in 'Anaowv apsu = Tiefe, Ocean, 
in da%6q (Aaxoql) Dagan, in \Aooo)Qoq Asur, in \Av6q Anu, in y Aoq Ea 
erkennen. Doch sind diese Angaben nicht erheblich gegenüber den Details, 
welche die Keilschriftforschung über den Götterglauben der Assyro-Ba- 
bylonier ergeben hat 

Wie bei den Griechen, obwohl im allgemeinen Zeus als der oberste 
der Götter betrachtet wurde, an einzelnen Orten andere Götter eine be- 
sondere Verehrung genossen und als Staatsgötter im Kultus bevorzugt 
wurden, so waren auch die babylonischen Götter in erster Linie Lokal- 
götter, deren Verehrung sich ausbreitete oder wieder abnahm, je nachdem 
die von ihnen repräsentirte Stadt an Bedeutung und Macht wuchs oder 
zurücktrat. So hatte, um von Süden nach Norden zu gehen, in Um der 
Mondgott, hier Nanar (sonst Sin) genannt, ein Heiligtum, in Larsav der 
Sonnengott Samaä, in Uruk eine weibliche Gottheit Nana oder Nanaea, 
in Nipur, welches in der altbabylonischen Geschichte eine grosse Rolle 
spielte, der alte Bei, der Gott des oberen Alls. Dem letzteren wurde als 
Gemahlin Beltis zur Seite gestellt, doch ist die Erinnerung an diese 
Göttin ziemlich verblasst. Ferner war in Borsippa ein berühmter Tempel 



1) Diese Anmerkung bezieht sich auf das Xa).6aloi des griechischen 
Textes. 



Digitized by 



Google 



70 Anmerkungen. 

des Nabu, des Gottes der Schreibekunst und Prophetie. überhaupt jeder 
höheren Geisteskultur. In Babel selbst wurde als Lokalgott Marduk ver- 
ehrt, ein Sonnengott und daher als Sohn des Meergottes Ea bezeichnet, 
der Gott der Frühe und des Frühjahrs, der mit dem zunehmenden Ober- 
gewicht seiner Stadt den alten Bei in den Hintergrund drängte, auch 
dessen Namen erhielt (Marduk ist Bei). Als seine Gemahlin wird Zarpanit 
erwähnt In Eutu war ein Lokalkult des Nergal, der ursprünglich als die 
heisse, versengende Sonne, zugleich als Gott des Kriegs und der Seuchen, 
überhaupt als zerstörender Gott und in der Konsequenz seines Wirkens 
als Gott der Unterwelt (arälu) gedacht wurde. Neben ihm herrscht in 
der Unterwelt seine Gemahlin Allatu. Weiter war Sipar eine Kultstätte 
des Samaa, Aschur des Nationalgottes der Assyrier, Asur. Auch I&tar, 
die himmlische Göttin des Venussterns, die Göttin der Liebe und der 
Fruchtbarkeit, bei den Assyriern vor allem Göttin der Jagd und der 
Schlacht, wurde an manchen Orten durch besondere Ehren ausgezeichnet. 
So wird öfter der IStar von Ninive eine Iötar von Arbailu gegenüber- 
gestellt 

Als Gemahl der I§tar galt Tammuz — Du'uzu, der Gott der Frühlings- 
vegetation, der, wenn sein Gewächs in dem nach ihm benannten Monat 
verwelkt, zur Unterwelt hinabsteigt und dort eine Zeit lang wohnt daher 
auch als Gott der Totenwelt betrachtet wurde. Um den Gemahl, „den 
Samaä verschwinden Hess zu einem fernen Lande, zum Reiche der Toten'*, 
zurückzuholen, steigt Iätar nach dem gewöhnlich „Höllenfahrt der IStar" 
genannten kleinen Epos selbst in die Unterwelt hinab. 

Wenn aber auch an den namentlich aufgeführten Orten dem Lokal- 
gotte besondere Ehre erwiesen wurde, so war neben ihm die Verehrung 
anderer Gottheiten nicht ausgeschlossen, diese ist vielmehr mit Wahr- 
scheinlichkeit anzunehmen. 

Über die Verbindung der Götter mit bestimmten Himmelskörpern, 
der Iätar mit dem Venusstern, des Nergal mit dem Mars, des Marduk 
mit dem Jupiter, des Ninib mit dem von den Assyriern Kaimanu 1 ) (der 
Beständige) genannten Saturn, sowie über die Vorstellungen, welche die 
Babylonier vom Weltganzen hatten, finden sich eingehende Nachrichten 
in Jensen's Kosmogonie der Babylonier, nach welcher auch einige der 
vorstehenden Bestimmungen formulirt sind. 

Götterbilder der Assyrier und Babylonier] Wenn man die Worte 
des griechischen Textes erwägt: a>v xal jLtopcpwjLtcaa tiva noirjaavrsg civo- 
fxaoav txrvTttofia (Abdruck, Abbild) rov ovqccvov xal rrJQ ytjg xalxrjq&a- 
Aatftfjys, rikiov xal asXrjvriq . . ., so ist man versucht anzunehmen, dass 
der Verfasser Nachbildungen der bezeichneten Elemente und Gestirne im 



2) Nach einigen ist aus Kaimanu Kewan (yj\y*$) geworden, wie 
wir in der Übersetzung unsrer Apologie in dem Abschnitt über Kronos 
lesen, und wie der Planet Saturn bei den Syrern und andern Völkern ge- 
nannt wurde. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 71 

Auge gehabt habe oder etwa auch eine Darstellung von der Art des 
phantastischen, von Clermont-Ganneau in Palmyra gefundenen sogenannten 
Hadesreliefs, dessen 5 untereinander geordnete Felder man vom Himmel, 
dem Luftraum, der Erde, der Unterwelt und dem Weltmeer deuten zu 
müssen glaubt. (Abgebildet bei Perrot et Chipiez, l'histoire de l'art dans 
l'antiquite* tome II p. 364). 

Indessen dienten Darstellungen dieser Art doch mehr dazu, die Vor- 
stellungen, welche die Babylonier vom Weltganzen hatten, durch ein 
kuDstmässig gestaltetes Bild zu veranschaulichen, als in Tempel gesetzt 
und dort verehrt zu werden. Daher wird man an die Götterbilder im 
eigentlichen Sinne denken müssen. Sieht man nun ab von der Symboli- 
sirung der Sonne durch die geflügelte oder ungeflügelte Sonnensoheibe, 
des Mondes durch einen Halbkreis, der Planeten durch 7 Kugeln, der 
Erde durch eine geflügelte Kugel, so wurden die Götter vorwiegend in 
Menschengestalt gebildet, so dass von einem Abbild oder Abdruck der Ele- 
mente nicht die Rede sein kann. Ihre äussere Erscheinung ist entweder 
ganz diejenige der Könige, nur dass sich etwa um die Tiara als Symbole 
der Kraft Stierhörner winden, oder sie sind mit vier Flügeln, zwei auf- 
wärtsstehenden und zwei abwärtsgehenden, gebildet Statt des mensch- 
lichen Hauptes findet sich seltener ein Adlerkopf. In der eigentümlich 
nach vorn gestreckten Hand des erhobenen rechten Arms halten sie häufig 
etwas, was die Gestalt eines Pinienzapfens hat, in der herabhangenden 
Linken tragen sie eine Art Täschchen. Oder sie haben in der Hand Bing 
und Stab, auch wohl nur einen Ring. Wenn der Gott am heiligen Baum 
steht, scheint es, als ob er den Pinienzapfen an diesem befestigen wolle. 
Am Ober- und Unterarm finden sich Spangen, im Gürtel stecken öfter 
zwei Dolehe. Die Deutung des Gottesbildes von einem bestimmten Gott 
ist nicht immer leicht, da oft deutliche Attribute fehlen. Zwar kann 
man ein Gottesbild ohne Kopfbedeckung, aus dessen Haupte vier Hörner 
hervorwachsen (zwei nach vorn, zwei nach hinten gebogen), das in der 
Rechten ein Beil, in der Linken drei Stäbe (Donnerkeile) hält, mit Wahr- 
scheinlichkeit von dem Donnergott Ramman deuten. Eine andre männ- 
liche Figur mit stierhorngeschmückter Tiara und festgeschlossenen Händen 
mag den Nabu in nachdenklicher Stellung darstellen. Wenn zur Seite 
eines sitzenden Gottes zweimal die Sonnenscheibe an der Wand angebracht 
ist, vor ihm auf einem Altar eine grosse Sonnenscheibe steht, so ist die 
Deutung von Samaä berechtigt In einer Gestalt mit Fischschuppenmantel 
erkennt man mit gutem Grunde den Meergott Ea. Endlich mag man 
auch eine unbekleidete weibliche Figur, die mit beiden Händen die Brüste 
drückt, als wollte sie einen nährenden Quell aus ihnen hervorrufen, mit 
Wahrscheinlichkeit von I§tar deuten, die als Göttin der Fruchtbarkeit auch 
als die grosse Nährmutter betrachtet werden konnte. Doch sind solche 
bestimmte Hindeutungen verhältnismässig selten. Man wird von der 
fortschreitenden Erforschung der Monumente in dieser Hinsicht manche 
Aufklärung erwarten dürfen. 

vom Einschliessen und Bewachen der Götter] Mit den Ausdrücken 



Digitized by 



Google 



72 Anmerkungen. 

„einschliessen and bewachen", die zwar zunächst von den Göttern der 
Chaldäer gebraucht, vielleicht aber von den heidnischen Göttern im all- 
gemeinen gemeint sind, will der Verfasser die Götter der Babylonier ver- 
höhnen: sie müssen eingeschlossen und bewacht werden, weil sie sich 
nicht selbst gegen Diebstahl schützen können. Die Übertreibung, die in 
dieser Bemerkung liegt, ist klar. Denn bei den Babyloniern verdankten 
die Tempel ihre Entstehung in derselben Weise dem religiösen Drang, 
den Göttern eine ihrer Erhabenheit angemessene Wohnung zu geben, wie 
bei den Griechen. Und dass die Babylonier und Assyrier eine hohe Vor- 
stellung von der Würde der Götter hatten, beweisen einerseits die An- 
gaben Herodots und anderer Griechen über die Grösse einzelner Tempel, 
andrerseits die Gewaltigkeit der Ruinenhügel, in welchen diese kolossalen 
Bauwerke 1 ) vergraben sind. Das Moment aber, welches der Verfasser 
durch Übertreibung zum allgemein bestimmenden erhoben hat, während 
es thatsächlich nur für manche Tempel zutraf, wird derselbe nicht aus 
einer Kenntnis babylonischen Brauchs geschöpft haben, sondern es bot 
ßich ihm in Griechenland selbst dar, und er übertrug es auf die Chaldäer. 
Bei den Griechen nämlich gab es fast in jeder Stadt (Lobeck, Aglaoph. 
S. 281) neben den öffentlichen und allgemein zugänglichen Heiligtümern 
auch geheime und unzugängliche, sei es, dass zu ihrer Abschliessung eine 
gewisse heilige Scheu vor der Annäherung an die Gottheit veranlasste, 
sei es, dass sie Gegenstände enthielten oder sich auf Gegenstände bezogen, 
an die man aus irgend einem Aberglauben ganz besonders das Wohl und 
Wehe des Staats geknüpft glaubte, und die man daher vor Entwendung 
oder Verletzung oder Entheiligung zu schützen vorzugsweise besorgt war 
(Schoemann, griech. Altertümer II S. 184). Vor allem waren die &sol na- 
tqwol, die Schutzgötter der einzelnen Staaten, Gegenstände der Geheim- 
haltung. Es finden sich sogar Beispiele von der Plutarch, Quaest. Rom. 
XI. 347 für die Tyrier bezeugten Sitte, dass man Götterbilder festband, 
wozu jedoch nicht die Furcht vor Diebstahl, sondern der Gedanke be- 
stimmt haben soll, dass die Götter aus Unbeständigkeit zu den Feinden 
übergehen möchten. 

In Bezug auf das Bewachen der Götter macht der Verfasser des 
'Barlaam' folgenden Unterschied: el fihv (b 9eoq) aQyvQOvq rj xQvoovq Jsorcu, 
hiipLsXmq tpvXdooexar iav 6h y nr)kivoq rj akXrjq xivbq xoiavzrjq evte- 
Xecri^aq vXrjq, havxbv <pvkdaou. 

Noch mag eine Stelle des Laktanz (II 4) hier Platz finden, die in 
ähnlichen Ausdrücken, wie in unserm cp. geschieht, die Thorheit der 
Verehrung von Götterbildern geisselt: Nam et tectis vetustate labentibus 
saepe comminui solent et consumta incendio dilabuntur in cinerem et 
plerumque (nisi sua Ulis magnitudo subvenerit aut custodia diligens 
saepserit) in praedam furibus cedunt. Quae igitur insania est, ea ti- 
mere, pro quibus aut ruinae aut ignes aut furta timeantur? Quae va- 



1) Nach Oppert erhob sich der berühmte Turm von Borsippa über 
einer Basis von 180 m in 7 Etagen bis zu einer Höhe von 40 m. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 73 

nitas, aliquam ab his sperare tutelam, quae tneri semetipsa 
non possunt! 

IV. 

Gott unwandelbar] Philo de cherub. M 1 142: tnsiöri xb fihv &etov 
axgenxovy xb Sh ysvopevov cpioei fisxaßkijxov. Quod deus sit immut. 
I 275: xi ydg uv äoißtjfia ftel^ov yivoixo xov imoka/jtßdveiv xb axQenxov 
XQhtso&ai ; 

Das Sinnlose der Verehrung der Elemente] wird von Melito (Cureton 
S. 23) mit andern Argumenten erwiesen: „Wenn jemand das Feuer Gott 
nennt, ist es nicht Gott, deshalb, weil es Feuer ist, und wenn jemand das 
Wasser Gott nennt, ist es nicht Gott, deshalb, weil es Wasser ist. Und 
wenn diese Erde, welche wir mit den Füssen treten, und wenn diesen 
Himmel, welchen wir sehen, und wenn die Sonne oder den Mond oder 
einen von diesen Sternen, welche unablässig nach Befehl kreisen und 
nach ihrem eigenen Gutdünken nicht gehen, und wenn das Gold oder 
Silber jemand Götter nennt, — sind das nicht diejenigen, welche wir an- 
wenden, wie wir wollen?" 

Die Elemente gehorchen dem Befehl Gottes] Bardesan. de fato (Cu- 
reton S. 3): „Nicht spricht die Sonne: nicht will ich aufgehen zu meiner 
Zeit, — und nicht der Mond: nicht will ich mich verändern und nicht 
abnehmen und nicht wachsen. Nicht spricht einer von den Sternen: ich 
gehe nicht auf und gehe nicht unter, — und nicht das Meer: ich trage 
nicht Schiffe und bleibe nicht stehen in meinen Grenzen. Und nicht die 
Berge: wir bleiben nicht an den Orten, an welche wir gesetzt sind. Und 
die Winde sprechen nicht: wir wehen nicht, — und nicht die Erde: ich 
trage und unterhalte nicht alles, was auf mir ist. Sondern alle Dinge 
dienen und sind unterthan einem Willen, denn sie sind Werkzeuge der 
Weisheit Gottes, die nicht irrt." 

heilige, geehrte, glückselige Natur] Vgl. Philo de vita cont. II 472: 
xutq fiaxaQlaiq xal &staig cpvoEOiv und Plut. de 1s. 20: el xavxa negl xrjg 
/uaxagiag xal dip&dgxov <pvoeatg % xa&* ijv fxaXiaxa votlxai xb &eTov, atQ 
dXrj9tog iiQax&kvxa xal av t u7isoovxa öogdaovot xal Xiyovoiv, dnonxvoai öel 
xal xaS-r/QccoSai oxofia xax* Alo%v\ov. 

der Himmel (im griech. Text) xoofjtoq genannt] Darüber, wer den 
Himmel zuerst xoouog genannt habe, sagt fragm. Hesiod. 130 (Diog. Laert. 
VIII. 1. 26): 'Ak?.a firjv xal xbv ovgavbv ngoixov ovo/uccocu xoo/jlov xal 
xt)v yi\v axgoyyvXrjv (IIv&ayoQav)' d>q Sh Seoygaoxog ttaQiitvl&qv , &q 6h 
Zr'jvwv ^Holoöov. 

V. 

Wasserleitungen] Dass sie der Bewässerung dienen, hebt Cicero 
hervor (de nat. d. II 60) : nos aquarum inductionibus terris foecunditatem 
damus. 

Schiffe bringen Lebensmittel] Cic. de nat. d. II 60: navigia, quorum 
cursibu8 suppeditantur omnes undique ad vitam copiae. 

um die Teile der Welt in Bestand zu erhalten] Dies geschieht 



Digitized by 



Google 



74 Anmerkungen. 

dadurch, dass der eine Teil durch seinen Überfluss den andern, welcher 
Mangel hat, unterstützt. 

VI. 
{jifaov) IV* Öh xal (jLSQiopov l/ovra] Lactant. 122: quidquid enim 
capit divisionem et interitum capiat necesse est. 

VII. 

Deshalb wird er (der Mensch) auch Welt genannt] Im griechischen 
Text stehen die Worte öib xal xoofioq xaXüxai in dem beim Syrer 
fehlenden Abschnitt über den odpavoq und haben da ihre Berechtigung. 
Dagegen sind sie, vom Menschen gebraucht, wie es in der Übersetzung 
geschieht, anstössig. Denn nicht xoofioq schlechthin wurde von grie- 
chischen oder doch griechisch schreibenden Autoren der Mensch (nach 
Aristot. Phys. VIII. 2 jedes lebende Wesen) genannt, sondern [uxQoq 
xoo/ioq oder ßgaxvq xooftoq. So sagt Philo quis rer. div. haer. p. 502 C: 
ouxwq i&d$$i>ioav Ivioi xal xtp navxl xoofup xb ßgaxvxaxov £wov, av- 
Sgamov, Xaov änoyijvat — xal haXXdxxovxsq ßQaxvv fihv xoopov xbv dv- 
&QQ>nov t fiiyav de av&Qomov %<paoav xbv xoofiov slvai. Bei der Bezeich- 
nung (des Menschen als eines Mikrokosmos) selbst, deren Ursprung 
bald auf die Ägypter, bald auf die Chaldäer zurückgeführt wurde, waltete 
bei einigen die Anschauung ob, hominem ad mundi similitudinem for- 
matum esse et iisdem principiis, quibus mundus regitur, sustentari (Lobeck, 
Aglaoph. II S. 924). Andern genügte die Erklärung, dass der Mensch 
aus den vier Elementen zusammengesetzt sei. Gegen diese wendet sich 
der Verfasser der Vita Pythag. S. 114 Kiessling: 6 av&Q<t>7ioq fiixQoq 
xocfioq Xtyexai, ov% oxi ix xeaodowv oxoixdov avyxeixai (xovxo ycco 
xal %xaaxov x(ov £a>ö;v), äXX' oxi ndaaq h^ei xaq xov xoo/iov 6wd- 
jtieiq' iv ydg xy xoofu» elal 9eoi t &m 6h xal äXoya £c5cc, toxi xal <pvxd' 
ndaaq Sh xavxaq xaq övva/nsiq fysi b dv9ocj7ioq. Als Philo's Ansicht be- 
zeichnet Zeller (Philos. der Griechen III. 2. 397) Folgendes: „Der Mensch 
steht an der Grenzscheide der sterblichen und der unsterblichen Natur, 
er ist insofern eine Welt im Kleinen, das höchste und trefflichste unter 
den sterblichen Geschöpfen." 

Über die zum Teil seltsamen weiteren Ausdeutungen des Gedankens: 
6 av&Qwnoq fiixobq xoofioq — vgl. Lobeck, Aglaoph. II S. 920 ff. 

VIII. 

Einige Götter von Menschen unterjocht] Der Verfasser denkt wohl 
an Poseidon und Apollon, welche dem König Laomedon von Troja auf Zeus* 
Befehl ein Jahr lang dienten (IL XXI 441 ff.). Nach Apollod. Bibl. II 5, 9 
dienten sie xr\v Aaofxidovxoq vßgiv neiodoai 9£Xovzeq. Ferner diente 
Apollon dem Admet, worüber Hygin fab. 49 Folgendes hat: Aesculapius, 
Apollinie filius, Glauco, Minois filio, vitam reddidisse dicitur, quem Jupiter 
ob id fulmine percussit. Apollo, quod Jovi nocere non potuit, eos, qui 
fulmina fecerant, id est Cyclopes, interfecit. Quod ob factum Apollo 
datus est in servitutem Admeto, regi Thessaliae. Wenn Clemens Alex. 
Protrept. 2, 3G mit stark übertreibendem Ausdruck sagt: üavvaatq ngbq 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 75 

tovzotq xal akkovq naßnoXXovq dv&Qwnoiq &eovq XaxQevaat \oxoqbi, — 
so hat derselbe die Worte des Panyasis falsch aufgefasst. Denn dieser 
redet nicht von XaxQevocu, sondern von xXrjvat. 

Götter gestohlen] Dieser dem Syrer allein angehörige Satz ist 
vielleicht nur eine Verallgemeinerung der im Abschnitt über Eronos im 
griechischen Text entweder ausgefallenen oder von einem Bearbeiter 
später in den ursprünglichen Text eingefügten Bestimmung: w Zeig 
ixXdnrj, welche der Syrer nach dem Wort übersetzte : „welchem Zeus ge- 
stohlen wurde.'* Aus Unkenntnis des Mythos fügte er „von Menschen 1 ' 
hinzu und übertrug die Aussage aus der speziellen Ausführung in die all- 
gemeine Charakteristik der Götter unsere cp. 

Oder man müsste annehmen , dass in unserm cp. ein, sei es ur- 
sprüngliches, sei es später interpolirtes xivaq xXanivxaq dem Übersetzer 
vorgelegen habe, zu dessen Aufstellung aber ebenfalls nur der „ge- 
stohlene" Zeus die Veranlassung gegeben hatte. 

Will man diese Erklärungsversuche nicht gelten lassen, so bleibt 
nur die Annahme übrig, dass der Verfasser, indem er die Götter mit den 
Götterbildern identificirte , an den Raub der letzteren gedacht habe. 
Nach Po8thomeric. X 350 raubte Diomedes das Bild der Athene aus Troja, 
nach Eurip. Iphig. Taur. entführte Orestes heimlich das Bild der Artemis 
aus Taurien. Es geschah auch bisweilen, dass ein von einem andern ab- 
hängiger Staat, wenn er sich von diesem losmachte, doch den Kult, an 
welchem er in der Verbindung mit demselben teilgehabt hatte, nicht 
aufgeben mochte und ihn sich selbst mit Gewalt zu erhalten suchte. So 
entführten die Ägineten, die früher mit Epidaurus vereinigt waren, nach- 
dem sie sich von ihrer Mutterstadt losgemacht hatten, die Bilder zweier 
epidaurischen Gottheiten (Schoemann II 153). 

Übrigens Hess der Gott nicht immer den Raub seines Bildes zu. 
Nach einer samischen Legende wollten tyrrhenische Seeräuber das Bild 
der Hera entfuhren. Sie brachten es auch wirklich aufs Schiff; als sie 
aber abfahren wollten, konnten sie nicht von der Stelle kommen (Schoem. 
II 460). 

Verbindungen mit Müttern, Schwestern und Töchtern] Nach dem 
folgenden Ausdruck „über ihre Götter aber sagen sie" muss man schliessen, 
dass der Übersetzer hier an uS-sfiioto/ui^lai zwischen Menschen gedacht 
habe (Jokaste-Ödipus, Pelopia-Thyestes, Harpalyce-Klymenos, Hippodamia- 
önomaos, Prokris-Erechtheus , Menephron-Cyllene-Blias Hygin). Dieser 
Auffassung widerstreitet aber der Context der Stelle, da an dieser nur 
von Thaten der Götter die Rede ist. Wenn also die Aussage von den 
unnatürlichen Verbindungen im griechischen Text gestanden hat, mag 
sie nun ursprünglich sein, oder von einem Bearbeiter eingeschoben, so 
war sie ohne Zweifel von den Göttern, speciell von Zeus gemeint, welcher 
nicht nur mit seiner Schwester Hera verbunden war, sondern nach der 
Theologie des Orpheus selbst mit seiner Mutter Rhea und mit der ihm 
von dieser geborenen Tochter Persephone Umgang hatte. Man vergleiche 
hierüber Julian bei Cyrill II 44 B. Spann.: Ty fxrjxQl ya$ 6 Zevq ^Ix^V 



Digitized by 



Google 



76 Anmerkungen. 

xal ncudonoiTjodfjtevoQ ig avzrjq fyrj/iev avzoq zr\v aizov &vyazioa, akka 
(uy&ek ankwq aXXto 7taga6i6wxfv aiz^v und Athenag. XX. 292: xal zrjv 
firjxiga 'Ptav dnayooevovoav axrcov zov ydfiov i6la>xe m 6oaxaivriq 6h airztjq 
yfvo/tivrjq xal atizoq elq 6odxovza fxezaßaXwv owöyoaq avztjv zip 7f(>a- 
xXei<oztx<j> aßfiati ifxiyri . . . £iza <Peoo6<p6vy zy Qvyazol i^Lyn ßiaod- 
fievoq xal avztjv iv 6odxovzoq axtf/tazi. cp. 32. XQ*1 V & avzovq tj zov Ala 
fiefuaijxivai zov ix fjtrjZQdq fihv 'Piaq, Svyazobq 6h Koorjq nai6onoiriod- 
(tevov rj zov zovzwv noirjtTjv y Oo(pia. 

Göttinnen stritten über die Schönheit] Vgl. die Erzählung hiervon 
in KoXoi&ov anaoyr^ 'EXivTjq (Hesiodi Carmina ed. Lehre). 

Die Menschen haben Vorwände zur Unsittlichkeit genommen] In 
demselben Sinne sagt Laktanz V 10: Nee est difficile docere, cur deorum 
eultores justi et boni esse non possin t. Quomodo enim sanguine abstine- 
bunt, qui colunt cruentos deos, Martern atqne Bellonam? Quomodo aut 
parentibus parcent, qui expulsorem patris sui Jovem: aut natis ex se in- 
fantibus, qui Saturnum? Quomodo pudicitiam tuebuntur, qui colunt deam 
nudam et adulteram et quasi apud deos prostitutam? Quomodo se a ra- 
pinis et fraudibus abstinebunt, qui Mercurii furta noverunt, docentis, non 
fraudis esse deeipere, sed astutiae? Quomodo libidines coßreebunt, qui 
Jovem, Herculem, Liberum, Apollinem ceterosque venerantur, quorum 
adulteria et stupra in mares et feminas non tantum doctis nota sunt, sed 
exprimuntur etiam in theatris atque cantantur, ut sint omnibus notiora? 

IX. 

Eronos. 

Kinderopfer zu Ehren des Kronos] Die Nachricht von den Kinder- 
opfern wird durch die Identifikation von Kronos und Moloch veranlasst 
worden sein. Dass übrigens den Griechen Menschenopfer (als Sühnopfer) 
nicht ganz fremd waren und dass solche selbst in sehr später Zeit, noch 
im 2. Jahrh. n. Chr., vorkamen, bezeugt Paus. VIII 38, 7. Doch nimmt 
man auch flir den von Pausanias erwähnten Fall an, dass man zum Opfer 
lieber Schuldige, als Unschuldige gewählt haben werde. 

Die Darstellung über Kronos], wie sie unser Apologet giebt, weicht 
in mehreren Punkten von der in der Hesiodischen Theogonie enthaltenen 
ab. Nach dieser zeugt Uranos mit Gaia viele Kinder. Diese alle schliesst 
er, weil er sie hasst, Taltiq iv xtv^ftdivi ein. Gaia seufzt über das Schick- 
sal ihrer Kinder und fordert ihre Söhne gegen Uranos heraus. Kronos, 
der den Vater hasst, entmannt ihn mit der Sony oder dQendvrj und wirft 
die alöoia ins Meer. Darauf übernimmt er die Herrschaft und heiratet 
seine Schwester Rhea. Mit dieser zeugt er fünf Kinder : Hestia, Demeter, 
Hera, Pluton, Poseidon. Aus Furcht vor einer Weissagung des Uranos 
und der Gaia, dass ihn ein Sohn entthronen werde, verschlingt er seine 
Kinder. Rhea sinnt auf Rache und unter Beratung mit Uranos und Gaia 
gebiert sie den Zeus heimlich in Kreta. Durch eine List der Gaia um- 
garnt, giebt Uranos die verschlungenen Kinder wieder von sich. Hierauf 
löst Zeus seine Oheime, die Uranossöhne, aus dem Kerker, in welchen 
Kronos sie eingeschlossen hatte, und wird zum Dank hierfür von ihnen 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 77 

mit dem Blitz und Donner ausgerüstet. Mit diesen Waffen und von 
seinen Brüdern Pluton und Poseidon unterstützt, beginnt er den Kampf 
gegen Eronos und die übrigen Titanen, welcher mit deren Einschliessung 
in den Tartaros endigte. 

Die hauptsächlichste Abweichung der Darstellung unsere Verfassers 
von der Heaiodischen liegt darin, dass nach Hesiod Eronos seinen Vater 
Uranos, nach dem Apologeten dagegen Zeus seinen Vater Eronos ent- 
mannt. Dem Hesiod folgt Apollon. Rh. Arg. IV 982: <j> dnb naxobq (trjdea 
VTjXeidtq hafiev Kgovoq, — auch Cicero de nat deor. II 24 : Nam vetus haec 
opinio Graeciam opplevit, exsectum Caelum a filio Saturno, vinctum autem 
Saturnum a filio Jove — und selbst noch Lucian Eronosol. 12. Doch 
findet sich auch die Angabe unsers Verfassers anderwärts. So sagt der 
SchoL zu Lycophr. Cass. 869: 6 yag Zevq xyv 6gendvfjv, iv y xä alSola 
hefte xov Kgovov, iv JSixekia xgvtpai Xiyexai. Die Quelle derselben 
aber erfahrt man bei Porphyrius de abstin. II 16: nagcc xtj> 'Og<pel 6 
Kgovoq piXixi vnb Jibq 4ve6gevexar nXtjo&elq yäg fiiXixoq fte&vei xal 
axoxovxai <aq vnb otvov xal imvot &tjol ydg nag 'OgtpeZ fj Nv£ X(p Jil 
iMoxi&epivti xov 6ia xov ßiXixoq So Xov 

Evx av 6q /luv Hötjai vnb 6gvalv inpixo/toioiv 
egyoiotv (xe&vovza fitXiaadwv igtßofißcw, 

avxixa fitv örjoov 

o xal ndc%ei 6 Kgovoq xal öe&elg ixx£(*vexai f wq Ovgavoq. 

Weder bei Hesiod aber, noch bei Orpheus wird Zeus gradezu ein 
Mörder genannt, wie es in der zu cp. XIII citirten Stelle des Ambros 
geschieht Auch Laktanz nennt ihn nur expulsor patris und paene 
parrieida. 

Welchem Zeus gestohlen wurde — ] ist ein mißverständlicher Aus- 
druck dafür, dass Rhea dem Eronos statt des neugebornen Zeus einen in 
Windeln gewickelten Stein darbot, welchen jener in dem Glauben, dass 
es sein Sohn sei, verschlang. Von letzterem Vorgang nimmt Ambros 
(Cureton S. 40) seinen Angriffspunkt gegen Eronos, indem er sagt: „Das 
stumme Tier, das auf dem Felde weidet, kennt seine Nahrung und nähert 
sich fremder Nahrung nicht; sowohl Landtiere, als Reptile, als Vögel 
kennen ihre Nahrung. Ober die Menschen aber ziemt es sich nicht zu 
reden: ihr kennt eure Nahrung und seid verständig. Eronos aber, 
welcher ein Gott ist, verzehrte einen Stein, indem er seine Nahrung nicht 
kannte.' l (!) 

Ober die Entstehung der Aphrodite] heisst es Hes. Theog. 188 ff.: 
/jirjöea 6* <hq xb ng<5xov unoxiifäaq dddfiavxi 
xdßßaX y an 'Hneigoio noXvxXvoxtp ivl novxy, 
äq (ptoex* d/i niXayoq novXbv xgovov, ayapl 6h Xevxbq 
d<pgbq an d&avdxov ZQ °q o>gwxo' x<5 <$* tvi xovgrj 
i&oi<p9rj m no<5xov 6h Kv&rjgotoi ^a&iovoiv 
hcXrjx*' kv&ev sneixa negi$$vxov r lxexo Kvngov xxX. 
Die ganze Erfindung hat natürlich nur den Zweck, den Namen \4.<pgo- 
6lx7i zu erklären, welcher wahrscheinlich die Göttin als eine solche be- 



Digitized by 



Google 



78 Anmerkungen. 

zeichnet, deren Kult über das Meer her, von Asien, nach Griechenland 
gekommen ist. Sie war eben die grosse Naturgöttin der semitischen 
Völker, die Astarte der Phönizier, die IStar der Assyrier. 

Zeus. 

Europa] Schol. Venet. zu II. XII 292 : Evowntjv xtjv <Pol*ixog Zeig 
Qeaodfievog £v xivi Xetftdivi /isxä wynpüv avlh} dvaktyovoav fodo&ij, xal 
xaxtX&wv rjXka&v kavrbv elg xafyov xal obtb xov oxofiaxog xooxov htvu. 
Ovrwg Öh ttjv EvQwfcrpr dnaxr)cag tßdaxaae xal ätanoQ&fifvoag elg K^tj- 
xrp> iftiyrj aiky' el& J ovxwq awtpxioev avxyv 'Acxegfatvi xwv Korjxcfv ßa- 
oi\u. rsvofjiivij 6k fyxvog ixelvt] xoelg nalöag iyiwrjoe, Mivtoa, Sao7irj66va 
xal *Pa6dfJiav&w. 

Man deutet den Mythos von der durch Phönizier erfolgten Koloni- 
sirung der Insel Kreta und der damit verbundenen Einfuhr ung des 
phönizischen Naturdienstes. In dem Labyrinth bei Knosos, einer Felsen- 
pagode, war von den Phöniziern das Symbol ihres Nationalkults, der 
Sonnenstier, halb Tier, halb Mensch, eingehauen und genoss göttliche 
Verehrung (Pauly). 

Pasiphae] Dass der Stier, von dem Pasiphae* den Minotauroe ge- 
boren haben soll, eine Verwandlung des Zeus gewesen sei, finde ich sonst 
nicht bezeugt. Der Mythos ist gewöhnlich folgender: Bei einem Opfer 
zu Ehren Poseidons fleht Minos um das Erscheinen eines Stiers aus dem 
Meere. Der Gott sendet diesen sofort aus der Tiefe hinauf. Allein Minos 
schickt denselben, weil er sehr stattlich war, zu seinen Herden und opfert 
einen weniger prächtigen. Hierüber erzürnt, versetzt der Meergott den 
Stier in Raserei und die Königin in Liebesbrunst zu diesem Tiere. Kai 
T(ji nd&ei a(paSaC,ovaav evexa xrjg negl xtjv bfiikiav dnoyvwösatg . . . 
JaiödXtp xtjv xaxixovaav av/u<pogav dveveyxeiv (jpaoiv), og tj v xßv xad-* 
avxbv agioxog 6t]fuovoyog. Tov 6h itdw öuvov olov xatg imvoiaig ovxa 
xä d&rjoaxa S-tjqüv, Sovqiov xaxaaxevdaai ßovv, xal &\a xfjg hxioag 
nlevoag iv&ftvai xtjv JIaaiq>drjv' xbv 6h xavoov oofirjoavxa d>g inl tpiov 
avyysvhg inißalveiv iyxvpova de yevofiivrjv xpovoig voxeoov dnorexitv 
fjugofhiQa xbv xaXov/uevov Mivwxavoov (Philo de special, leg. II 307). 
Vermutlich ist der ganze Mythos aus der Existenz des oben erwähnten, in 
die Felsen eingehauenen Sonnenstiers entstanden, von dem gefabelt wurde, 
dass er das Abbild eines Wesens sei, das ehemals gelebt habe. Ein 
solches ungeheuer muBste natürlich aus einer widernatürlichen Verbindung 
herstammen. 

Leda] Häufiger wird der Schwan zu Nemesis in Beziehung gesetzt. 
So sagt der Schol. zu Arat's Phaenom. 275: oxi Zeig elxao&elg xvxvy 
xaxa fihv xovg noXkovg cofilXrjat Nefitoet, xaxa. öh Movg Arj6q. Und 
der SchoL zu Lycophr. Cass. 88: nagooov xvxvy dneixaa&eig b Zevg Ne- 
fjiiott xy Qxeavov awijX&ev, i£ t)g yewäxai wov, oneg Xaßovoa t) Ar\6a 
i&igfiatve xal hexe xt)v ^EXtvrjv xal xovg Aioaxovoovg. In den Kyprien 
hatte der Mythos (nach Röscher) folgende Gestalt: Nemesis flieht durch 
alle Länder und Meere und nimmt alle möglichen Gestalten an, um den 
Nachstellungen des Zeus zu entgehen. Als sie sich in einen Schwan ver- 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 79 

wandelte, nahm auch Zeus die Gestalt eines Schwans an und nahte ihr 
so. Infolge dessen gebar Nemesis ein Ei. Dies fand im Hain ein Hirt 
und überbrachte es der Leda, welche es in eine Kiste legte und bis zur 
Zeit der Reife aufbewahrte. Die aus dem Ei hervorgegangene Helena 
zog Leda wie ihr eigenes Kind auf. 

Nach Neocles Croton. (bei Athenaeus II S. 57 F) soll das Ei, aus dem 
Helena geboren wurde, vom Monde herabgefallen sein. Vielleicht liegt 
hierin eine Hindeutung darauf, dass Helena ursprünglich Mondgöttin war, 
die erst von den Dichtern zur Heroine umgebildet wurde, wie auch ihre 
Brüder Castor und Polkix als Götter aus vorhellenischer Zeit betrachtet 
werden (Schoemann II 473). 

Leto], die hier unter den Menschentöchtern aufgeführt wird, war 
nach Hes. Theog. Tochter der Geschwister Coeus und Phoebe, der Kinder 
von Gaia und Uranos. Daher heisst sie Apoll. Rhod. II 710 Koioyiveia. 
Auch bei Homer gilt sie lediglich als Göttin. Dasselbe gilt von Mnemo- 
syne, welche nach der Theogonie Tochter der Gaia und des Uranos war, 

Ganymed] Die Erzählung vom Raube des Ganymed, der, ein könig- 
licher Hirt, auf dem Ida die Herden seines Vaters Tros weidete (aquoso 
raptus ab Ida Hör. Od. III 20, 15), lautet II. XX 231 ff. durchaus unanstössig: 
Weil Ganymed der schönste der Sterblichen war, rafften ihn die Götter 
empor, Zeus' Becher zu füllen. Auch Apollod. III 12, 2 bietet nichts an- 
deres: xovxov fihv öia xdXXoq avagnaoctq Zsvg 61 dexov &ewv olvoyoov 
iv ovQava) xaveotTjaev. Es war Späteren vorbehalten, daraus gegen Zeus 
den Vorwurf der Knabenliebe zu erheben. Dieser zeiht ihn auch Ambros 
(Cureton S. 39), wenn er sagt: „Der Herr der Götter selbst, der Vater 
der Götter und Menschen, wie ihr sagt, war nicht nur Ehebrecher — 
denn zu gering war ihm dieses — sondern er hat auch seinen Vater ge- 
tötet und Knaben begehrt." Wegen der merkwürdigen Obereinstimmung 
mit dem Gedanken: „zu gering war ihm dieses*' mag noch ein Wort des 
Laktanz (I 10), das denselben Gegenstand betrifft, angefahrt werden: Illud 
vero summae impietatis ac sceleris, quod regium puerum rapuit ad stu- 
prum. Parum enim videbatur, si in expugnanda feminarum pudicitia 
maculosus esset ac turpis, nisi etiam sexui suo injuriam faceret. 

Während bei Apollodor Zeus seinen Adler sendet, um Ganymed zu 
entführen, verwandelt sich nach unserm Apologeten Zeus selbst in einen 
Adler — allerdings nur beim Syrer — eine Vorstellung, die sich auch 
bei Lucian Charidem. 7 und bei Ambros findet. 

Der Ehebruch der Götter] Wie von unserm Autor Zeus, so wird von 
Clem. Alex. Protrept. p. 27 P Poseidon wegen vielfachen Ehebruchs an- 
gegriffen: xaXei pLOi xbv Tlooeidw xal xbv xoqov xäv dietpd-aQfitvwv vn y 
avxov, xr\v HfKpitQiTTjv (seine Gemahlin!), xrjv 'A/JVficofirjv , xt t v 'AXonrjv, 
xrjv MiXavlnnriv , xtjv 'iXxvovijv, xrjv k Imto&6i\v , xrjv Xtovrjv, xag aXXag 
xaq fivQlaq. 

Auch die jungfräuliche Pallas Athene blieb von der Anklage der 
Unsittlichkeit nicht verschont. Nach Melito (Cureton 25) treibt sie Ehe- 
bruch mit Hephaistos und gebiert von ihm Erechtheus. Als eine Probe 



Digitized by 



Google 



SO Anmerkungen. 

von der durchaus euhemeristischen Art, in welcher Melito die Mythen 
aufTasst, möge der von Athene handelnde Abschnitt hier folgen: „Ver- 
ehrt haben die Athener Athene, die Tochter des Zeus, des KönigB der 
Insel Kreta, weil sie die Burg Athens gebaut und ihren Sohn Erechtheus 
daselbst zum König gemacht hat, welcher ihr geworden war aus dem 
Ehebruch mit dem Schmied Hephaistos, dem Sohn der Gemahlin ihres 
Vaters. Und immer schloss sie Genossenschaft mit Herakles, weil er ihr 
Bruder von ihrem Vater her war. Denn der König Zeus liebte Alkmene, 
das Weib (richtig: die Tochter) des Elektryon, welcher von Argos war. 
Und er trieb Ehebruch mit ihr, und sie gebar den Herakles." 

Aus welcher griech. Quelle Melito dies genommen hat, ist mir un- 
bekannt. Doch muss man eine solche voraussetzen. Was Lobeck, Aglaoph. 
II 1001 zunächst in Bezug auf die Dionysischen Mythen sagt, dass die christ- 
lichen Apologeten lediglich das wiedergegeben haben, was sie überliefert 
vorfanden, ohne Zusätze von ihrer Seite, wird auch von den übrigen gelten. 
Ihre Polemik gegen die Götter der Heiden hatte ja umsomehr Gewicht, 
wenn sie nachwiesen, dass die heidnischen Schriftsteller selbst ihre Götter 
für nichts anderes als Menschen der Vorzeit hielten, denen wegen heil- 
samer Erfindungen oder aus andern Gründen göttliche Verehrung zu teil 
geworden sei. Auch hatten sie gar nicht nötig, historische Deutungen 
der Mythen zu erfinden. Denn nicht wenige griechische Autoren hatten 
dies Geschäft bereits besorgt. Nachdem schon von Hekatäus, Herodor, 
Herodot und Ephorus einzelne Mythen pragmatisch gedeutet worden 
waren, hatte der Messenier Euhemerus (um 300) in der Isqcc dvayQa<pt] 
den Versuch gemacht, diese Erklärungsweise auf die Gesamtheit der 
Mythen auszudehnen, und obwohl er zunächst mit Entrüstung zurück- 
gewiesen worden war, hatte er doch in der Folge eine ganze Reihe von 
Nachfolgern gefunden (Vgl. Lobeck, Aglaoph. II 987 ff.). 

Schliesslich sei noch erwähnt, in welcher Weise Gellius, der Zeit- 
genosse unsers Aristides, sich die grosse Anzahl der Göttersöhne erklärt. 
Er sagt Noct Att. XV 21 : Praestantissimos virtute, prudentia, viribus Jovis 
filios poetae appellaverunt, ut Aeacum et Minoa et Sarpedonem; ferocissi- 
mos et immanes et alienos ab omni humanitate tamquam e mari genitos 
Neptuni filios dixerunt. 

X. 

Hephaistos] Seine Lahmheit war nach II. XVIII 396 eine angeborne. 
Spätere leiten sie von dem II. I 573 ff. geschilderten Vorgange ab. Bei 
Dichtern und in Bildwerken erscheint er gewöhnlich als ein abgehärteter 
und schmutziger Schmied mit rotglühendem Gesicht, mit der samothra- 
kischen, halbeiförmigen, himmelblauen Schiffermütze auf dem Haupte; in 
der Hand hat er Zange und Hammer (Pauly). 

Der seltsame Gedanke, dass er die Schmiedekunst betreibt, um davon 
seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, ist ein dem griechischen Altertum 
so fremdartiger, dass man zweifeln kann, ob Aristides darin überhaupt 
einen Vorgänger gehabt hat. Es wäre nicht auffallend, wenn man in 
einer pragmatischen Erklärung den Ausspruch läse: Hephaistos war nichts 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. gl 

weiter als ein gewöhnlicher Schmied, der von seiner Kunst seinen Lebens- 
unterhalt zog. Mit der von Aristides vertretenen mythologischen Auffassung 
ist dieser Satz unvereinbar. Dasselbe gilt von den ähnlichen Aussagen 
über Asklepios und Apollon. 

Dass man in der späteren Zeit 4 Hephaistos' unterschied, ebenso wie 
5 Hermes', 3 Asklepios*, 5 Dionyse, 4 Apoilone, 3 Artemis 1 , ersieht man 
aus Cic. de nat. deor. III 22. 23. 

Hermes] wird Magier genannt wohl in Rücksicht auf den von ihm 
gehandhabten Zauberstab, mit dem er die Augen der Menschen zuschliesst, 
welcher er will, und wieder vom Schlummer erwecket (Od. V 47. 48. 
XXIV 3. II. XXIV 343). Ferner kennt er ein Zauberkraut, von den 
Göttern fuDXv genannt, mit schwarzer Wurzel und milchweisser Blüte 
(Od. X 302), welches gegen die Verzauberung feit. 

verstümmelt] Von dem aegyp tischen Hermes sagt Plut. de Is 22: 
loTOQOvoi yaQ Alyvntioij xov fjLkv^EQfxijv t«J otofxatc ysvia&ai yaXiayxatvcc 
d. h. kurze, verstümmelte Arme gehabt habe. Dass aber die Griechen 
von ihrem Hermes das Gleiche ausgesagt hätten, scheint mir jeder Grund- 
lage zu entbehren. Wenn also die Lesart richtig ist, ho bleibt nur die 
Vermutung, dass die Vorstellung von einem verstümmelten Hermes bei 
unserm Autor nicht aus seiner Kenntnis der Mythologie geflossen ist, 
sondern aus dem Anblick der Hernien, jener viereckigen Pfeiler, die oben 
mit Kopf und Hals des Gottes versehen waren, an Stelle der Arme Vor- 
sprünge hatten, die zum Aufhängen von Kränzen dienten, und an dem 
Schaft das Symbol der Zeugungskraft, den Phallus, zur Schau trugen. 

In Attika wurde Hermes namentlich als Gott der Gymnasien ver- 
ehrt, und man glaubte, dass er sich besonders im Faustkampf und im 
Lauf ausgezeichnet habe. 

Dolmetscher] Als öidxxoQoq oder Ausrichter der Befehle des Zeus 
und Bote der Götter musste er gewandt in der Rede sein. Er wurde 
dadurch zu dem Gott der Redner. Philosophirende Mythologen deuteten 
den 'EQfirjq koyioq aus: man nannte ihn den allgemeinen hQfJujvevq, der 
die Sprache und damit überhaupt die Möglichkeit des Gedankenausdrucks 
gegeben habe, den vovq und das Prinzip aller Erkenntnis (Pauly). 

Dieb] Gleich nach seiner Geburt gelüstete es ihn nach den heiligen 
Herden der Götter, welche Apollon in der Landschaft Pierien unter dem 
Olymp hütete. 

Asklepios] wird von Homer ohne Erwähnung seiner Abstammung an 
einigen Stellen als dfxv/uwv laxgoq erwähnt. Teils aus dem Beiwort äpv- 
fX(ov y das von Göttern nicht gebraucht wird, teils daraus, dass der Götter- 
arzt Päon ohne Verbindung mit Asklepios angeführt wird, hat man ge- 
schlossen, dass bei Homer Asklepios als gewöhnlicher Mensch gegolten 
und noch keine göttliche Verehrung genossen habe (Pauly). Daraus würde 
fiich am einfachsten erklären, dass er durch den Blitz des Zeus er- 
schlagen wird. 

Nach Hesiod. fr. 87 war er Sohn des Apollon und der Arsinoe und 
wird daher fr. 34 auch AijvotS^q genannt. 

Texte u. Untersuchungen IX, 1. f 



Digitized by 



Google 



82 Anmerkungen. 

erschlagen wegen des Tyndareos] d. h. weil er diesen vom Tode ins 
Leben zurückgerufen hatte. Apollod. III 10 werden als von ihm Erweckte 
genannt: Kapaneus, Lykurg, Hippolytos, Tyndareos (nach Panyasis), 
Glaukos. Nach Phylarch fr. 17 wird er erschlagen, weil er den Söhnen 
des Phineus das Sehvermögen zurückgegeben hatte. Nach Apollod. III 
10, 3 tötete ihn Zeus, weil er fürchtete, die Menschen möchten durch 
Ausbreitung der Heilkunde sich gegenseitig vom Tode retten. Nach Diod. 
4, 71 that er es auf die Klage Plutons hin, dass wenig Tote mehr in die 
Unterwelt kämen. Die Kraft zur Erweckung der Toten hatte Asklepios 
nach Apollod. daher, dass Minerva ihm das aus den Adern der Gorgo ge- 
flossene Blut gegeben hatte, wovon er das aus den linken Blutadern ge- 
flossene zum Verderben, das aus den rechten zur Wiedererweckung 
der Menschen anwandte. Hygin hingegen berichtet Astron. II 14 Fol- 
gendes: Als Asklepios, um Glaukos, des Minos Sohn, zu erwecken — 6 6h 
rXavxoq elq fiiXixoq nfäov ipjieowv dni&ave Schol. Lycophr. 811 — in einem 
geheimen Gemache verschlossen war, kam eine Schlange und wand sich 
an dem Stabe empor, den er in der Hand hielt. Nachdem Asklepios 
diese getötet hatte, kroch eine andre Schlange herbei und legte ein Kraut 
auf das Haupt der getöteten, worauf diese wieder ins Leben zurückkehrte. 
Dieses Kraut nun ergriff Asklepios und brachte dadurch den Glaukos 
wieder zum Leben. 1 ) 

Eine andre Version Über die Erschlagung des Asklepios hat Plato 
in der UoXixela III 16: xaivoi dnsi&ovvxeq ye riytlv 61 xoayq&onoiol xe 
xal IIlvöaQoq ^AnoXXwvoq fxiv tpaaiv y AaxXtj7n6v elvai, vnb 6h gpvaoi/ 
neio&TJvcu nXovaiov avöga bavdaiiiov tj6tj dvta Idoao&ai, o&ev 6tj xal 
x£Qavva>9rjvcu avxov. rtfjiuq 6h xaxd xa ngosiQijfiiva oi nei&6fie9a avxolq 
dfXipozeQa, dXX 9 el/uhv &eoi> rjv, ovx ijv, fp^aofxsv, aloxQOxeQÖTjg, et 6? alcxgo- 
xtQfojs, ovx r\v S-eov. 

er konnte sich selbst nicht helfen] Zu dem oft wiederholten Aus- 
spruch von der Machtlosigkeit 2 ) der Götter vgL den Gegensatz Eurip. 
HercuL für. 757 ff. : xiq 6 &eovq dvoyda xpaivwv, Ovtjxbq d>v, atpQova Xo- 
yov ovgavlmv fxaxdgwv xaxißaX\ wq dg ov o&evovotv 9eol; 

Ares begehrt Schafe] Von Beziehungen des Ares zu Schafen ist mir 
nichts bekannt Man müsste denn daran denken, dass im Krieg öfter 
Schafherden erbeutet wurden (IL XVIII 5 IG ff.), dass nach Hesiod's "Epya 
162. 163 der Zug gegen Theben fiijXcjv evex Ol6ino6ao stattfand, oder 



1) Von einem ähnlichen Wunderkraut, welches ebenfalls für einen 
Glaukos von Bedeutung wurde, weiss das Schol. zu Lycophr. 754 zu be- 
richten: rXavxoq y Av&t]66vioq i}v, JJ toxi negl Boiwxiav noXtq . . . ovxoq 
aXievq wv xal dygevaaq fy&vv &tero iv xy yy' xvxovatjq 6h ßoxdvtjq nXq- 
olov xal ipaywv b fy&vq s^tjosv onep I6wv b rXavxoq fiexiXaße xal avxog 
ix xfjq ßoxdvtjq xal fyoixpev kavxbv elq xr\v &dXaooav xal soxtv dd-dvaxoq. 

2) Lib. Henoch 99, 7: <Dtf-ft-> dXh.*' A^fc!lH|i JUP*k 
\fao*i = keinerlei Hilfe wird von ihnen erlangt werden. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 33 

dass Ares am Himmel in das Zeichen des Widders versetzt ward. Näher 
liegt aber die Vermutung, das« der Verfasser Ares mit Hermes und die 
Schafe mit Rindern verwechselte. Die Vorstellung, dass Ares durch sein 
Schwert Besitz erwirbt, ist ebenso zu beurteilen, wie die in dem Abschnitt 
über Hephaistos besprochene. 

gebunden] Die Wendung, mit welcher der Verfasser des griechischen 
Textes den Übergang zur Besprechung des Ehebruchs und der Fesselung 
des Ares macht (vüxbqov dh . . .), ist ziemlich auffallend. Im Anfang 
hat er ausgeführt, was Ares ist (notefuoxqs, £qAo>Tifc, im&vfAtffyq). Nun 
fahrt er fort: später aber trieb er Ehebruch. Er muss sich also in Ge- 
danken die Substantiva in Verba umgesetzt haben, so dass er zwischen 
einem früheren und späteren Thun unterscheiden konnte. Auch ander- 
wärts ist vatBQOv unlogisch gesetzt. 

Der Ausdruck selbst: voxegov 6k avxbv fxotx^vovta xrpf \4<pQodhrjv 
Se&rjvai avxbv vnb xov vrpüov "Epoxog xal vnb k H<paiaxov scheint folgende 
Erklärung zu erfordern: Später wurde er, als er mit Aphrodite Ehebruch 
trieb, gebunden. Bei diesem Binden wirkten gemeinsam der Knabe Eros 
und Hephaistoa. Diese Vorstellung hat weder an Od. VUI 267 ff. eine 
Stütze, da dort Hephaistoa allein der Bindende ist, noch ist sie an sich 
der Anschauung des Altertums entsprechend. Denn Eros, der Helfer der 
Aphrodite, kann nicht bei ihrer Fesselung beteiligt sein. Vielleicht beruht 
die Fassung auf einem Missverständnis und der Vermischung verschiedener 
Dinge. Von Ares konnte gesagt werden, dass er von Eros gebunden 
worden sei, insofern dieser ihm Liebe zu Aphrodite einflösste und ihn 
dadurch gleichsam zu seinem Gefangenen machte. Doch geschah dies 
nicht während des Ehebruchs, sondern vor demselben und war seine 
Ursache. 

eifersüchtig] Ares war nach späterer Sage eifersüchtig darauf, dass 
Aphrodite den Adonis liebte. Er verwandelte sich in einen Eber, der 
den Adonis auf der Jagd tötete. Serv. Virg. Ecl. 10, 18. 

Dionysos raubt Frauen] An den Raub der Ariadne, der von einigen 
Späteren berichtet wird, ist schwerlich zu denken. Der Übersetzer wollte 
vielmehr durch „rauben 1 * dnoanäv wiedergeben, ohne zu wissen, was dies 
Wort, von Dionysos gebraucht, bedeutete. Was der Grieche im Sinne 
hatte, ist nichts anderes, als was sich Eurip. Bacch. 35. 36 findet: itav xb 
&rjkv ansQfia Kaö/uelmv, ooai yvvaixeq yoav, i^Sfjtrjva SwfiaTwv — und 
was noch bestimmter Apollod. III 5, 1 bezeichnet: xccg yvvaXxaq rjvdyxaoe 
xaxecXinovaag xag oixlaq ßax/evstv. 

wahnsinnig] Obwohl es erlaubt ist, fialvso&ai im Sinne von ßax- 
%eveiv zu fassen und bei dem ohne Zusatz stehenden tpevyovxa des griech. 
Textes an die 11. VI 132 geschilderte Flueht ins Meer zu denken, so kann 
der Verfasser doch auch wirklichen Wahnsinn und eine in diesem erfolgte 
Flucht des Dionysos gemeint haben. Man vergleiche folgende Zeugnisse: 
Eurip. Cycl. 1—4: 

Iß Bq6(xiSj öia ah fivglovq %x m TtSvovg 
vvv yjox* iv rjßq xovfxbv evo&ivei dtfjiaq' 

f* 



Digitized by 



Google 



S4 Anmerkungen. 

ngwtov ixev i\vix ifjtfiavTjg a Hgag vno 
NifjHpaq opeiaq ixXinwv (px ov *QO<povq . . . 
Plat. Legg. II 672 B: Xoyoq xiq %fta xal <pr\ßt] vnoffcT, mq 6 &eoq ovtoq 
vnb xfjq /4fjXQViäq "Hpaq 6te<pOQ$hj xrjq \pv%rjq xrjv yvajfjttjv. Apollod. III 
5,1: diowooq 6h evQexrjq afintlov ysv6fievoq a Hgaq pavlav avxtp ipßa- 
Xovorjq TtBQinXaväxai Äiyvnxov re xal Zvgiav. Schol. zu Nicandr. 
Theriac. 377: Nlxavdgoq 6h £v tw '0<ptax(ji <pr]Oiv Jiowoov i/n/navrj yevo- 
ßsvov imo Tfjq a HQaq htväiacu . . . Hygin. Astron. II 23: Liber enim ab 
Junone furore objecto dicitur mente captus fugisse per Tbesprotiam 
cogitans ad Jovis Dodonaei oraculum pervenire. unde peteret responsum, 
quo facilius ad pristinum statum mentis perveniret. 

floh in die Wüste und ass Schlangen] Obwohl sowohl der Wahn- 
sinn des Dionysos als auch eine in ihm erfolgte Flucht hinreichend be- 
zeugt sind, so doch nirgends die Flucht in die Wüste und sein Schlangen- 
Essen. Nonnus Dionysiac. XXXII 132 ff. erwähnt zwar eine igrjfjtaq Xoxfitji 
ein ödes Waldesdickicht, welches Dionysos durchstreift, und erzählt, dass 
er Schlangen tötete, aber vom Essen der letzteren ist auch bei ihm nicht 
die Rede. Ob nicht dennoch die fraglichen Bestimmungen auf Nonnus 
basiren und also spät eingeschoben sind, muss ich dahingestellt sein 
lassen. Möglicherweise sind sie auch das Werk eines syrischen Ab- 
schreibers und )jOgV> Wüste ist aus l&JiJj^gV) Begleiterinnen, |Zoo*» 
Schlangen aus ]Zlm obstetrices xi&rjvai y wie die Dienerinnen des Dionysos 
häufig genannt werden, corrumpirt. 

später (zuletzt) getötet von den Titanen] Auch hier ist vgxbqov 
des griechischen Textes sehr anstössig. Denn es erweckt die Vorstellung, 
als ob der Dionysos, welcher von den Titanen ermordet wurde, derselbe 
sei, wie derjenige, von dem im Vorhergehenden die Rede war, als ob hier 
nur das Ende derselben Persönlichkeit beschrieben würde. Und doch ist 
der Dionysos, welchem die ersteren Bestimmungen gelten, ein ganz anderer, 
als der Dionysos-Zagreus, der von den Titanen getötet wurde. Der Verf. 
vermengt den Thebischen Dionysos, den Sohn der Semele, mit dem 
Zagreus der Orphiker. über letzteren enthielt der zweite Teil der auf 
Onomakritos zurückgeführten, aber mit jüngeren spekulativen Elementen 
gemischten *0(><pswq &eoXoyia das Folgende: Mit Rhea (Demeter) zeugt 
Zeus Persephone, mit dieser, der er in Schlangengestalt beiwohnt, den 
Zagreus. Derselbe ist der Liebling des Vaters, der künftige Regent der 
Welt, der mit kindischer Hand schon mit dem Blitze spielt. Zeus aber 
macht ihn zum König über alle enkosmischen Götter und verleiht ihm 
die höchsten Ehren, obgleich er noch unmündig ist. Er wird erzogen, 
wie ehemals Zeus selbst, aus Furcht vor Hera von Kureten umgeben. 
Hera aber schickt die Titanen gegen ihn. Sie überraschen Zagreus beim 
Spiele, wobei sie ihre Gesichter mit Kreide entstellt haben. Es folgt ein 
langer Kampf. Das verfolgte Kind nimmt mannigfache Gestalten an 
(nach Nonnus Dion. VI 204 ff. die des Löwen , des Stiers, des Pferdes, der 
Schlange), ehe es erlag. Die Mörder zerstückeln es, das Herz wird 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. g5 

herausgenommen, der Körper zerteilt, gekocht und von den Titanen auf- 
gegessen. Athene bringt das Herz dem Zeus. Der giebt es der Semele 
zu verzehren oder verschlingt es selbst, und so wird später ein anderer 
ZagreuB, der jüngere Dionysos, geboren. Hierauf werden die Titanen 
durch den Blitz des Zeus zu Asche verbrannt und in den Tartaros Ver- 
stössen. Aus der Asche ihrer mit Zagreus gesättigten Körper entstehen 
die Menschen, welche demnach selbst am Göttlichen teilhaben (Lobeck, 
Aglaoph.). 

Herakles] Das Bild des unter den Qualen der ihm auferlegten 
Kämpfe auf zum Himmel weinenden Dulders Herakles (II. VIH 362) , das 
in der alten Sage neben einigen schrankenlosen Äusserungen des Kraft- 
gefühls so viele schöne Züge aufweist, dass Buttmann (Mytholog. 1 S. 248) 
in Herakles das Ideal menschlicher Vollkommenheit, im Sinne des he- 
roischen Zeitalters, erkennen wollte, wurde umgestaltet durch Pisander 
von Rhodos, durch Stesichoros, endlich durch Panyasis. Stesichoros hat in 
seiner Geryoneis und im Cygnus besonders den Zug von einem gefrässigen 
und trunkliebendcn Herakles. Auch Apoll. Rh. IV 1448 schreibt dem 
Herakles eine ßa&sia vijövq zu. 

wahnsinnig] Der Wahnsinn, in welchem Herakles seine vier Kinder 
von der Megara tötete — nach Eurip. Herc. für. tötete er drei Söhne 
und ihre Mutter — fällt nach Apollod. II 4, 12 vor den zwölfjährigen 
Dienst bei Eurystheus, während ihn Euripides in die Zeit nach seiner 
Rückkehr aus dem Hades versetzt. Nach Apoll, warf er die Kinder ins 
Feuer, bei Euripides durchbohrt er einen Sohn mit dem Pfeil, dem 
andern zerschmettert er mit der Keule das Haupt, den dritten tötet er 
samt der Mutter durch einen Pfeilschuss. 

Die Worte des Syrers: „zuletzt wurde er wahnsinnig u. s. w." können 
die irrige Vorstellung erwecken, als ob der Kindermord des Herakles und 
seine Selbstverbrennung zeitlich nahe bei einander lägen. 

Herakles — Gott] Wenn unser Verfasser Herakles einfach als Gott 
betrachtet, nicht als einen erst bei seinem Tode in den Olymp auf- 
genommenen Zeussohn, so thut er nichts anderes, als was viele Griechen 
sonst thaten Denn nach Herod. II 44 verehrten die Griechen ihn teils 
als Gott gleich den Olympiern, teils brachten sie ihm Totenopfer wie 
einem Heroen (Schoemann 11 474). 

XL 
Apollon eifersüchtig] Die Eifersucht des Apollon vermag ich nicht zu 
belegen. 

Artemis Jägerin] Vgl. Od. Vi 102 ff.: 

<>Lr\ $ "ÄQzsfxiq üci xax* ovgeoq lox^aiga 
rj xaxd Trjvyetov nBQifirixexov rj *EQV(Aav&ov 
TSQ7iofjLtvtj xciTzpoioi xal wxelyg Z).d<poioiv . . . 
Cicero nennt de nat. d. 11 27 die Göttin omnivaga, was nach Lobeck, Agl. 
1088 an vulgivaga anklingt. Wirklich hat Cyrill. c. Jul. IV 129 C die 
Artemis zur ooßdq d. i. noQvrj gemacht. 



Digitized by 



Google 



gg Anmerkungen. 

Adonis — Tammuz] i) Wie der Kult der Aphrodite , so ist auch der 
des Adonis— Tammuz von den Semiten zu den Griechen gekommen. Man 
will diesen Zusammenhang schon in dem Namen Adonis angedeutet finden,, 
den man aus *|S-ik— Herr ableitet. Der Ursitz des Mythos war Babylonien, 
die um den Jugendgemahl trauernde Göttin lätar, der Gemahl Tammuz. 
Während Idtar aus Sehnsucht nach Tammuz in die Unterwelt hinab- 
gestiegen und damit dieser verfallen ist, hört auf der Erde nicht nur alle 
Zeugung und Fruchtbarkeit auf, sondern die Menschen werden auch von 
grosser Erschlaffung befallen: 

„Iatar ist in das Land hinabgestiegen und ist nicht wieder empor- 
gestiegen. 

Seitdem Ktar ins Land ohne Heimkehr hinabgestiegen ist, 

Läset auf die Kuh sich nicht nieder der Stier, auf die Eselin beugt 

der Esel sich nicht, 

Auf die Magd auf der Strasse nicht beugt sich der Herr. 

Es schläft ein der Herr bei seinem Befehle, 

Es schläft ein die Magd bei ihrem . . . [Dienst?]" 
Da hiernach der Fortbestand der Lebewesen gefährdet ist, senden die 
Götter einen Boten an die Herrin des Totenreichs, Allatu, mit dem Be- 
fehl, Istar dem Leben zurückzugeben. Widerwillig fügt sieb Allatu, lässi 
Istar mit den Wassern des Lebens besprengen und entlässt sie zur Ober- 
welt (Vgl. Jeremias, die babylonisch-assyrischen Vorstellungen vom 
Leben nach dem Tode). Auch Tammuz muss als wiedererstanden ge- 
dacht worden sein; wenigstens war dies der Fall in der Gestalt, die der 
Mythos auf seiner Wanderung nach dem Westen angenommen hat. In 
Byblos hatte man folgende Adonisfeier: Man stellte das Bild des Adonis 
in Gestalt eines Toten dar, welcher unter Klageliedern, Thränen und 
Jammerrufen der die Brust schlagenden Weiber mit Totenopfern und 
unter Flötenbegleitung bestattet wurde. Am Tage darauf holte man ihn 
jubelnd wieder zurück und sagte, er sei auferstanden. Auch in Athen, 
wo die Adonisfeier vor dem peloponnesischen Krieg nicht vorkommt, 
wurde das Fest ähnlich begangen (Schoemann II 466). 

Nach Apollod. III 14, 4 erhielt der Mythos bei den Griechen folgende 
Gestalt: Daviaou; 6£ yi\ai (Adwviv yevtodat) Gtiavxoq, ßaaiXlvjq 'AoovqIodv, 
oq Hoxs &vyax£oa SfiVQvav. Avxtj xaxa fXTjnv 'A<pQo6ixjjq (ov ya$ otvTTjv 
itlfia) Xo%ti xov naxobq eowxa* xal owegybv Xaßovaa xrjy XQo<pbv dyvo- 
ovvxi xd> naxol vvxxaq 6w6exa ovvevvdo&rj. *0 6h a>q %a&exo, anaodjueroq 
%l<poq £6lwxev avxyv rj 6h negixaxaXaptßavofievrj &eotq rjv^axo d<pavrjq 
yev£o$ai. Seol 6h xaxoixxeioavxeq avxrjv elq ölvöqov (x€zijXXa£av t 8 xa- 
Xov et OfxvQvav. dexafitjviaiq) 6h voxsgov XQOv<? xov 6kv6oov §ay£vxog 
ytvvri&rjvcu xov Xeyofitvov "A6ioviv y ov 'Ayooöixri 6ia xdXXoq hri vrptiov 
xgvtpa &6wv elq Xagvaxa xfjvxpaaa Uegoeipovy naolaxaxo. 'ExsIvjj 6£, wq 
i&edaaxo, ovx dne6i6ov. Koloswq 6h hcl dioq yevopifv?iq elq ßoigaq 6t- 
yoe&rj b iviavxoq' xal fjtiav fxhv mxQ y kavnji ptveiv xbv *A6amv t piav 6h 

Vgl. Ezech. 8, 14: :Yn*pn-PK riSsa» nnatf» anfan ö«-Tum 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. $7 

nccQa IleQoetpovg npoahage xrp 6h kxfyav naga 'A<pQo6ixy. c 6h"A6wvig 
zavxy TtQoqiveifjte xal xrjv iSlav i*oTq<xv (So im wesentlichen auch Schol. 
Lyc Ca88. 829). 

Spater wurde Adonis infolge des Zorns der Artemis auf der Jagd 
von einem Eber getötet Oder Ares verwandelt sich (aus Eifersucht) in 
einen Eber, auch Apollon, um sich an Aphrodite für die Blendung seines 
Sohns Erymanthos zu rächen. Oder die Musen tragen die Schuld an 
seinem Untergange, indem sie ein anmutiges Lied von der Jagd singen 
und ihn dadurch zu der Jagd anreizen, auf welcher er von einem Eber 
getötet wurde. Noch andere erklärten seinen durch Ares erfolgten Tod 
vom Tode im Kriege. 

Einige spätere Schriftsteller fugen der Erzählung vom Tode des 
Adonis noch hinzu, Aphrodite sei, untröstlich über ihren Verlust, in die 
Unterwelt hinabgestiegen und habe hier die Rückkehr des Adonis auf die 
Oberwelt erwirkt. 

Offenbar ist der Adonismythos eine Parallele zu dem von Demeter 
und Köre und symbolisirt die im Winter absterbende, im Frühling wieder 
auflebende Vegetation. Den Eber fasst man als Sinnbild der feindseligen, 
winterlichen Mächte, welche die Göttin eine Zeitlang von ihrem Gemahl 
trennen. 

Rhea] Mit Rhea wurde oft vermischt die phrygische Göttermutter 
Cybele, deren Kult in der Perikleischen Zeit in Athen Eingang gefunden 
zu haben scheint (Schoem. II 148). Zu öffentlichem Ansehen im Staate 
gelangte er indessen nicht, sondern wurde vorzugsweise von Genossen- 
schaften betrieben, ebenso wie die Adonien, und fand mehr in den niedern 
Schichten des Volks, besonders bei den Weibern Teilnahme. 

Bei der Festfeier spielte das xvfircavov eine grosse Rolle. Schon 
Aristoph. Lys. 387 beklagt das Eindringen dieser ausländischen Kulte: 

i^Xafxxpe yag 
X<& tvfimaviofiog xol nvxvol Haßdtyoi 
o z UScDviaa/iog. 

Auch aus Demosth. p. cor. p. 313 erkennt man, dass diese Kulte in 
Athen verachtet waren. 

Der Ausdruck des Syrers, dass die Griechen diese mit Cybele iden- 
tificirte Rhea die Mutter ihrer Götter genannt hätten, ist nicht ganz 
zutreffend, denn sie nannten sie nur „Mutter der Götter." 

Attes, Attis] war eine Gottheit der Phrygier, eng verbunden mit 
der Göttermutter. Bei den Griechen ist er zum Menschen herabgesetzt, 
Theokrit (X 40) macht ihn zum Hirten. Vom Schol. zu Nicand. Alexi- 
pharm. 8 wird Folgendes über Attis angeführt: laxogelxai, Sxi noiftTjv qv 
0(>v£ o 'Axxijq, Tcoißttivwv 6h xal vfivmv xrjv fxrjxiga xmv S^scjv icpiXri&ri 
in avxrjq, xal 6rj yaivofttvti noXXdxig xifiijg avxov fälwaev, b Zeig 6* inl 
xovxq) 6vaavaaxsx<5v dvzTXev avxov ov <paveQ(5g 61 al6<5 xfjg fxrjxQog, dXXä 
ovv aygiov ntfiyag, y 6h xaxoXotpvQOfitvrj avxov Hd-axpev, o\ 6h 4>Qvyeg 
xaxä xo lag &or]vovoiv avxov. Hier bekundet wohl die Einführung des 
avg Rygiog eine Verwechselung mit dem Adonismythos. Auch bietet 



Digitized by 



Google 



8g Anmerkungen. 

diese Form keinerlei Anhalt für die vom Scholiasten unmittelbar vorher 
erwähnte Sitte, dass die Diener der Cybele sich selbst entmannten: ronoi 
IeqoI tmoyeioi, dvaxel/usvoi rjj^Piq, onov ixzsftvofnevoi rä prjösa xarexi- 
öevzo ol tü5 "Atxei xal rjj ^Pea XaxQevovxsq. Ursprünglicheres scheint 
eine andere Gestalt des Mythos zu bieten, die ich Roscher's Lexikon der 
Mythologie entnehme: „Attis, ein phrygischer Jüngling, fesselte durch 
seine Schönheit die Cybele. Sie wollte ihn für sich, «um Dienst ihres 
Tempels, behalten, und er musste ihr Keuschheit und Treue geloben. 
Aber er brach sein Wort mit der Nymphe Sagaritis. Die Göttin tötet 
im Zorn die Nymphe, Attis eilt wahnsinnig auf die Höhen des Dindymon- 
gebirges und verstümmelt sich zur Strafe für seinen Fehltritt. Infolge 
seiner Entmannung stirbt er. Diese Entmannung hatte unter einer Fichte 
stattgefunden. Die Göttermutter trägt nun diese Fichte in ihre Höhle 
und beweint und beklagt unter ihr den Verstorbenen Seine Zurück- 
führung ins Leben verweigert Zeus, aber er gesteht zu, dass sein Körper 
nicht verwese, dass seine Haare wachsen und sein kleiner Finger sich 
noch bewege." 

Nach Diodor (3, 58. 59) , der durchaus der historischen Deutung der 
Mythen huldigt, ist Cybele die Tochter eines phrygischen Königs. Sie 
vergeht sich mit dem phrygischen Jüngling Attis, welcher infolge dessen 
von ihrem Vater getötet wird. Cybele aber wird wahnsinnig und zieht 
wehklagend und das Tympanon schlagend im Lande umher. 

Schon Porphyrius sah in dem schönen Liebling der Göttermutter 
(auch Erdmutter) Cybele den Blütenflor der Erde im Frühling (Röscher). 
In der That werden wir in diesem Mythos nur eine weitere Parallele zu 
dem Demeter-Mythos zu erkennen haben. 

XII. 
Nach Viktor v. Strauss (die altaegyptischen Götter und Göttersagen) 
sind die ältesten Götter der Aegypter: 1) Nu. Schu. Tefhut. 2) Seb. Nut. 
3) Usiri. Usit. Set. Nebt'hat. Hör (Hathor). Als ältesten Kern des Osiris- 
Mythos betrachtet ebenderselbe (S. 85) Folgendes: Die Göttin Nut gebar 
von dem Gotte Seb den Usiri und die Usit, den Set und die Nebt'hat. 
Die Weltherrschaft des Seb ging über auf Usiri, den guten, gerechten, 
wohlthätigen Gott, der die Menschen zuerst sittigte. Aus seiner Ver- 
mählung mit Usit entsprang Hör. Set, begierig nach der Herrschaft, be- 
mächtigt sich des Bruders durch List und Gewalt, tötet ihn und versenkt 
ihn in den Nil. Usit, im Verein mit Nebt'hat, holt den Leichnam heraus, 
beweint und bestattet ihn; denn Nebt'hat, vorher dem Set vermählt, 
bleibt nun in allem die Genossin der Usit. Usiri aber, nach seinem gött- 
lich-unsterblichen Wesen, wird Beherrscher der Unterwelt, wo unter 
seinem Vorsitz die Gestorbenen gerichtet, die Bewährten seiner Natur 
teilhaftig werden. Während der Gewaltherrschaft des Set wird Hör von 
Usit und Nebt'hat im Verborgenen heran gepflegt. Sobald er aber zur 
vollen Kraft herangewachsen ist, macht er sich auf, um an dem Feinde 
seines Vaters Gerechtigkeit zu üben, und überwältigt mit seinen An- 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 39 

hftngern den Set und dessen Genossen. Durch Vermittelung der Usit 
wird jedoch Set wieder frei und die Herrschaft wird zwischen ihm und 
Hör geteilt. 

Von dieser Gestalt weicht der Mythos bei unserm Verf. in mehreren 
Punkten ab. Nach ihm flieht Isis mit ihrem Sohn nach Byblos (und 
bleibt daselbst), bis Hör herangewachsen ist. Diese Reise unternimmt sie 
zu dem Zweck, den Leichnam des Osiris zu suchen. Ferner tötet Hör 
den Typhon. Der Syrer hat hier wohl aus Missverständnis einige Än- 
derungen vorgenommen. 

Ausführlicher, als der Apologet, erzählt Plutarch de Is. et Os. den 
Mythos. Dieser berichtet über den Tod des Osiris das Folgende: Typhon 
nahm heimlich Mass von dem Körper des Osiris, verfertigte nach dem- 
selben eine schöne, reichgeschmückte Lade und brachte sie zum Gastmahl. 
Als alle über den bewundernswerten Anblick staunten, versprach er, wie 
im Scherz, die Lade demjenigen zum Geschenk, der darin liegend sie ge- 
nau ausfüllen würde. Alle versuchten es der Reihe nach, aber keiner 
passte hinein, bis zuletzt Osiris selbst hineinstieg und sich niederlegte. 
Da liefen die (72) Verschworenen des Typhon herzu, warfen den Deckel 
auf die Lade, verschlossen sie mit Nägeln, gössen heisses Blei darüber, 
trugen sie in den Fluss und entsandten sie durch die Tanaitische Mündung 
ins Meer (cp. 13). Auch Über das weitere Schicksal der Lade, ihre Auf- 
findung und ZurückfÜhrung hat Plutarch von seinem aegyptischen Ge- 
währsmann ausführliche Mitteilungen erhalten. Er berichtet darüber: 
Als Isis die Nachricht von dem Tode des Osiris erhielt, schor sie eine 
ihrer Locken und legte Trauerkleider an. Sie irrte nun überall ängstlich 
umher und kam zu niemand, ohne ihn anzureden (cp. 15). Über die 
Lade erfuhr sie, dass sie in der Gegend von Byblos ans Land gespült 
und an einer Erika sanft abgesetzt worden sei. Hierauf begab sie sich 
allein, während ihr Sohn Hör in Buto auferzogen wurde, nach Byblos. 
Die Erika, welche in kurzer Zeit gross gewachsen war, umschloss die 
Lade und barg sie ganz in sich. Der König des Landes aber stellte den 
Teil derselben, welcher den Sarg in sich enthielt, als Stütze unter das 
Dach seines Palastes. Isis wusste die Säule zu erlangen, schnitt die Erika 
rings herum ab und brachte den Sarg in ein Schiff. Sobald sie in die 
Einsamkeit gelangt war, öffnete sie die Lade, legte ihr Gesicht an das 
des Toten und schluchzte so heftig, dass einer von den Söhnen des Königs, 
der es hörte, starb (cp. 16). Als sie aber zu ihrem Sohne Hör nach Buto 
reiste, setzte sie die Lade mit dem Osirisleibe bei Seite. Typhon, welcher 
in der Nacht bei Mondschein jagte, traf darauf ,. erkannte den Körper, 
zerriss ihn in 14 Teile und streute diese umher. Sobald Isis dies erfahren 
hatte, suchte sie die einzelnen Teile wieder zusammen (cp. 18). 

Man sieht, dass der Apologet und Plutarch darin übereinstimmen, 
dass beide Isis nach Byblos reisen lassen, wovon Diodor nichts weiss. 
Dennoch wird diese Reise für einen Jüngern Zuwachs des Mythos zu hal- 
ten sein. Nach Parthey (in seiner Ausgabe der Plutarchischen Schrift) 
entstammte er einer Zeit, in welcher die Vermischung des Adonismythos 



Digitized by 



Google 



90 Anmerkungen. 

mit dem von Osiris zur Thatsache geworden war. Diese Verbindung aber 
ging vor sich zur Zeit der ersten Ptolemäer. 

Der Mythos ist in alter Zeit verschieden gedeutet worden und wird 
es noch heute. Von den älteren Deutungen führe ich nur die des Plutarch 
an. Derselbe sagt unter Abweisung sowohl der rein mythologischen als 
auch der physischen Auffassung, sowie der Ansicht, dass die Mythen 
ganzlich müssige Fabeln und leere Gebilde seien: In allgemeiner Be- 
ziehung halten wir jene Götter für Vorsteher eines jeden guten Teils: 
alles Schöne und Gute in der Natur besteht durch sie (Osiris und Isis), 
indem Osiris die Keime hergiebt, Isis aber sie aufnimmt und verteilt (64). 
Alles Schädliche und Verderbliche in der Natur ist ein Teil des Typhon. 
Plutarch findet also, wie auch aus andern Wendungen erhellt, nicht rein 
allegorisch in Osiris die Idee des Guten, in Typhon die Idee des Schlechten 
repräsentirt, sondern er hält an der Realität dieser Götter fest und sucht 
nur unwürdige Vorstellungen von ihnen fernzuhalten. 

Unter den Neuern sagt V. von Strauss: Die Vorstellung des Osiris 
war der Gott als Mensch, die der Isis die Göttin als Weib und Mutter 
(S. 124). Hör, im hohen Altertum einer, der bald als der jugendliche 
Rächer des Vaters, bald als der ältere im Besitz der Herrschaft verehrt 
wurde, während man später einen älteren und jüngeren unterschied und 
diesen dann auch noch „Hör, das Kind'* (Har-pa-chrut) hinzufügte, — ist 
nicht sowohl die Sonne, auch nicht die morgendlich wiederkehrende, ala 
vielmehr das strahlende Licht, das freilich seinen Sitz in der Sonne hat 
und auch von ihr ausgeht. Da nun das Licht am Erdrande morgens der 
Sonne vorausgeht, abends ihr nachfolgt, so wurde Hör auch als „Hör 
beider Horizonte", vorzugsweise aber als „Hör des Horizonts", Gott des 
Tagesaufgangs verehrt War nun Hör im Gegensatz zu den altern Göttern 
der eigentlich geistige Gott, so konnte keine Naturerscheinung ihm mehr 
entsprechen, als das Licht. Damit musste er von selbst der höchste und 
der König aller älteren Götter werden. Im Einklänge damit bedeutet 
Hör den Oberen, Hohen. 

Hingegen heisst es bei E. Meyer, Geschichte des alten Aegyptens: 
Re' und Horus, die beiden Sonnengötter, sind die Nationalgötter Aegyp- 
tens. Jener ist der älteste König auf Erden und regiert gegenwärtig vom 
Himniel aus die Welt, Horus ist sein kräftiger Sohn, der sich in dem je- 
weiligen König, dem Sohne des Re' manifestirt. Sehr oft wird Horus als 
Sperber mit dem Siegel des Pharao in den Klauen oder in der Gestalt 
einer fliegenden Sonnenscheibe über dem Herrscher schwebend abgebildet. 
Re und Horus berühren sich aufs engste; beide heissen Götter des Hori- 
zonts, an dem sie jeden Tag neu geboren werden, beide bekämpfen und 
vernichten die Mächte der Finsternis, beide sind mächtige Herrscher, die 
alle Wesen zum Leben erwecken. Und doch sind sie nicht identisch. 
Re* ist der ewige, unnahbare Herrscher, der durch die Sonnenglut ebenso 
schrecklich, wie segensreich wirken kann. Horus steht den Menschen 
näher; er ist der jugendliche Gott, der immer aufs neue zu Kampf und 
Sieg geboren wird. Er ist nicht denkbar ohne seinen Zwillingsbruder 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 91 

Set, die Macht der Finsternis und des Verderbens, die ewig besiegt und 
im Kampfe von Horus entmannt, dock immer zu neuer Feindschaft auf- 
ersteht und trotz seiner Niederlagen ein gewaltiger und den Menschen 
furchtbarer Gott ist Als Gegner des Nationalgottes ist er der Herrscher 
des Auslandes, der Feinde, der Wüste und des Meeres, der Gott der Un- 
fruchtbarkeit und Dürre im Gegensatz zum segenbringenden Lichtgott 

Osiris ißt der Gott nicht der weltregierenden und auch nicht der 
jugendlichen, sondern der ins Reich des Todes heimgegangenen Sonne. 
Er ist der Sohn des Himmelsoceans Nut und des Erdgottes Qeb. Wenn 
er am Himmel mächtig hervorschreitet, vermählt er sich mit der Isis, 
die gleichfalls eine Göttin des Himmels und speziell des östlichen Horizonts 
ist. Aber er erliegt der Tücke seines Bruders Set der ihm auflauert und 
ihn erschlägt oder, wie Plutarch erzählt, in den Sarg lockt: der Sonnen- 
gott geht in die Grabeswelt ein. Aber die Herrschaft der Finsternis ist 
nicht von Dauer: Isis gebiert den Horus, den jugendkTäftigen Sonnengott 
des nächsten Tags. Dieser besiegt den Set in blutigem Kampfe, entreisst 
ihm die Herrschaft und setzt sich auf den Thron seines Vaters. Daher 
ist sein stehender Name „Horus, der Rächer seines Vaters." 

Freilich völlig vernichtet ist Set nicht, denn die Macht der Finster- 
nis besteht noch immer, und Set ist ja ein geförchteter und viel ver- 
ehrter Gott. Mithin haben die beiden Gegner sich versöhnt, Horus hat 
dem Set einen Teil der Herrschaft Überlassen. 

Bildliche Darstellungen] Osiris kommt auf den Denkmälern fast 
nur als Herrscher der Unterwelt vor. 

Isis sieht man am häufigsten auf den Tempelwänden in jugendlicher 
Gestalt; auf dem Haupt trägt sie Hörner und Diskus oder den Thron, 
letzteren besonders, wenn sie als Vorsteherin des Schattenreiches Amenthes 
erscheint. Sie trägt auch eine Götterhaube, Wasserpflanzen oder, statt ihres 
menschlichen, einen Eatzenkopf. In den Händen hält sie das Blumenscepter 
und das Lebenskreuz, sonst Nilschlüssel genannt. Bei dem Gericht über die 
Seelen sitzt sie in der Götterdreiheit, die aus Osiris, Isis, Nephthys be- 
steht (Partbey). Nach v. Strauss (S. 124) findet man sie auch oft dar- 
gestellt, wie sie sitzend den jüngeren Hör auf ihrem Schosse hat, ihn 
auch wohl säugt. 

Über Horus heisst es bei v. Strauss (159): In dem mächtig empor- 
steigenden Sperber, der dann scharf herabblickend droben im himmlischen 
Lichte ruhig schwebt und kreist, sah man ein fassliches Gleichnis dieses 
Gottes, so dass er auch wohl selbst der göttliche Sperber genannt wird. 
Er hat daher, auch wenn er in Mannesgestalt versinnbildet wird, immer 
den Sperberkopf. Nur als der jugendliche, als Säugling oder als schöner 
Knabe mit den seitlich herabhängenden Jugendlocken wird er ganz 
menschlich dargestellt. 

Horus kämpfte] Plut. de Is. 19: rfjv fuhr iaol%i\v nolkaq rjfiiQaq ye- 
vec&ai xal XQaxtjOai xbv '42pov, xbv Tvyuiva 6h xyv 'Iaiv feöeftivov na- 
Qulaßovoav ovx ävsXelv, dXXa xal Xvaai xal (is&sivai. 



Digitized by 



Google 



92 Anmerkungen. 

Isis ging umher und suchte] Plut. 54: xr\v & *Ioiv nXavcofjiivijv xal 

tflttlV . . . 

beklagte bitterlich] Ygl. v. Strauss S. 121 (aus den Monumenten): 
, jene Nacht des Daliegens der Usit mit offenen Augen beim Beweinen 
ihres Bruders Usiri" und S. 122. 123 die Worte auf dem Denkstein des 
Herdenaufsehers Amenemha: „Sie suchte ihn unablässig, durchwanderte 
dieses Land mit Klagen um ihn, nicht rastete sie, bevor sie ihn gefunden 
. . . Sie erfreute sich des Begräbnisses ihres Bruders und hub auf den 
Leichnam des Stillherz (= Toten) 4 '. Auch findet man bei v. Strauss (S. 
126. 127) einen Klagegesang der Isis und ihrer Schwester, „der beiden 
Klagefrauen", dessen Anfang lautete: 

Komm zu deiner Wohnung, komm zu deiner Wohnung! 

Gott An (Beiname des Usiri), komm zu deiner Wohnung! 

Deine Feinde sind nicht mehr! 

herrlicher Herrscher, komm zu deiner Wohnung! 

Siehe mich an, ich bin deine Schwester, so dich liebt! 

Bleibe nicht fern von mir, schöner Jüngling! . . 

Ich sehe dich nicht mehr, 

Mein Herz ist voll Grames um dich. 

Es suchen dich meine Augen, 

Ich suche deinen Anblick. 

Wird es lange sein, ehe ich dich sehe? 

Dich sehen ist Seligkeit . . . 

Gutes Wesen, Gerechtfertigter, 

Komm zu deiner Schwester, komm zu deinem Weibe! . . 

Stillherz, komm zu deiner Gattin! 

Ich bin deine Schwester von deiner Mutter; 

Nicht scheide dich selber von mir! 

Götter und Menschen schauen aus nach dir, 

Weinen zusamt um dich, wenn sie mich anblicken. 
Typhon] wird auf den Monumenten fast durchgehends Set genannt 
(Parthey). 

Heilige Tiere] Eine Zusammenstellung derselben s. bei Parthey 
S. 260 ff. 

Schwein] Nach Plut. 8 ist es ein unheiliges Tier, weil es meist 
bei abnehmendem Mond sich begatten soll, auch derjenige, welcher die 
Milch trinkt, Grind und krätzigen Ausschlag bekommt. 

Hund] Plut. cp. 44: Vor alters genoss der Hund in Aegypten die 
grösste Verehrung. Als aber Kambyses den Apis schlachtete und weg- 
warf, kam kein anderes Tier und kostete, als allein der Hund; da hörte 
er auf das erste und verehrteste der Tiere zu sein. 

Zwiebel] Plut. cp. 8: Die Priester verabscheuen und verwerfen mit 
Widerwillen die Zwiebel, weil sie nur bei abnehmendem Mond wächst 
und gedeiht. Auch ist der Genuss der Zwiebel weder den Fastenden noch 
den Feiernden zuträglich, jenen, weil er Durst erregt, diesen, weil er zum 
Weinen reizt. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 93 

den Fisch] Vermutlich ist hier der Name eines bestimmten Fisches 
ausgefallen. 

Sebbut] Freytag sagt im arab. Lexikon über ihn: „piscis nomen 
tenui cauda, lato medio, parvo capite praediti, laevis contactu et testu- 
dinis (lyrae) formam haben tis. Alosae similis, at triplo major; ab Eu- 
phrate Halebum deportari solet." Und Levy im neuhebr. Lexikon unter 
Kowti „Name eines Fisches, der eine weiche Haut hat und oft gegessen 
wurde. Übrigens sind darunter verschiedene Fische zu verstehen u. a. 
der Stör. 4 ' Derselbe teilt aus j. Taan. IV 69 b die Fabel mit: Als die 
Israeliten (bei deren Auswanderung die Tiere mit ausgewandert waren) 
zurückkehrten, kehrten sie (die Tiere) sämtlich zurück, mit Ausnahme des 
Fisches, der Schibbuta heisst. 

XIII. 

Widerspruch zwischen den Gesetzen und den Erzählungen von den 
Göttern] Hierüber heisst es bei Ambros (Cureton S. 39): „0! wie viele 
Beschuldigungen hat vollgemacht jener Herr der Götter und wie vieler 
Tode ist er schuldig als ein Ehebrecher und Magier und Knabenliebhaber l 
Leset dem Herrn der Götter, griechische Männer, das Gesetz des Vater- 
mords und die Verurteilung des Ehebruchs und die Schande der Unan- 
ständigkeit, der Knabenliebe: wie viele Ehebrecher hat gelehrt der Herr 
der Götter, wie viele Knabenliebhaber und Magier und Mörder! Denn 
wenn ein Mensch gefunden wird, welcher Begierde hat, so soll er nicht 
sterben, denn er that dieses, damit er nachahmte den Herrn der Götter; 
und wenn er als Mörder gefunden wird, so dient ihm zur Entschuldigung 
der Herr der Götter; und wenn jemand ein Zauberer ist, so hat er es 
gelernt von dem Herrn der Götter; und wenn er Knabenliebhaber ist, so 
ist der Herr der Götter sein Fürsprecher." 

Ebenda S. 41 : „Oberredet den Solon, dass er seine Gesetze aufhebe, 
und Lykurg, dass er nicht Gesetze gebe; sie mögen ihren Areopag auf- 
lösen und von neuem nicht mehr richten, und der Rat (die ßovkrj) möge 
für die Athener von neuem nicht stattfinden. Es mögen die Athener den 
Sokrates lossprechen, denn nicht einer, welcher dem Kronos ähnlich war, 
ist ihm (dem Gerichtshof) genaht. Und nicht mögen sie Orestes töten, 
welcher seine Mutter getötet hat. Denn siehe! der Herr der Götter hat 
Schlimmeres, als dieses, gegen seinen Vater verübt. Auch ödipus hat 
zu eilig Böses gegen sich selbst verübt, welcher seine Augen blendete, 
darum dass er seinen Vater getötet hatte, als er ihn nicht kannte. Denn 
er blickte nicht auf den Herrn der Götter, welcher seinen Vater getötet 
hat und ohne Strafe blieb. Und Medea, welche ihre Söhne getötet hat, 
haben die Korinther vertrieben, aber sie verehren und schätzen hoch den 
Kronos, welcher seine Kinder gegessen hat. Und Alexander Paris hat mit 
Recht Helena geraubt, um dem Gott Pluton ähnlich zu werden, welcher 
die Köre geraubt hat." 

fiia (pvatq zdüv 9ec5v] Wenn man die in diesen Worten enthaltenen 
Ausdrücke und das zu ihrer Erläuterung dienende Gleichnis von dem 



Digitized by 



Google 



94 Anmerkungen. 

einen menschlichen Körper, dessen Glieder zu einer adiaffaxrog ?va>oig 
verbunden sind, urgirt, so wird man nicht annehmen können, dass der 
Verfasser die Theologie der Stoiker im Auge habe. Als Lehre dieser 
bezeichnet Serv. zu Georg. 1 1: Stoici dicunt, non esse nisi unum deum et 
unam potestatem, quae pro ratione officiorum noetrorum variis nominibus 
appellatur; unde eundem Liberum eundem Apollinem appellant, item 
Lunam eandem Proserpinam dicunt. Hiernach giebt es ausser dem einen 
Gott keine Götter. Giebt es aber keine Mehrheit von Göttern, so kann 
auch nicht gesagt werden: fxla yvaig t<3v &saiv. Diese Theorie konnte, 
wie es scheint, nur von solchen ausgehen, weiche den Göttern (des Volks- 
glaubens) Realität zuerkannten aber zur Beseitigung des Anstosses, der 
in der Vielheit der Götter liegt, da viele Götter sich gegenseitig be- 
schränken müssen, den Satz aufstellten: Man brauche nur anzunehmen, 
dass in allen Göttern dieselbe (vielleicht von einem höchsten Prinzip aus- 
fliessende) Natur wirksam sei, dann sei jeder Widerstreit unter ihnen 
ausgeschlossen: sie seien gleichsam die persönlichen Organe derselben 
göttlichen Natur, die sie, jeder innerhalb des Umkreises der ihm über- 
tragenen Funktionen, in gleicher Weise repräsentirten. Dem gegenüber 
weist der Verfasser auf die Thatsache hin, dass nach den Dichtern die 
Götter sich gegenseitig bekämpfen. Daraus ergiebt sich ihm, dass in 
den Göttern nicht dieselbe Natur wirksam ist. 

Man kann vielleicht einen Nachklang des besprochenen Philosopheint 
bei einem der letzten Platoniker, Simplicius, erkennen. Von diesem sagt 
Neander, Kirchengesch. II S. 453 (A. 1856): „Er behauptete, dass mit der 
Anerkennung eines Urwesens und Urprinzips alles Seienden, das durch 
nichts auf entsprechende Weise bezeichnet werden könne, die Verehrung 
der von demselben ausgeflossenen Prinzipien des Seins, in denen, was in jenem 
höchsten Wesen eins ist, zur Mannigfaltigkeit sich entfaltet habe, keines- 
wegs in Widerspruch stehe. Jedes dieser höheren Wesen stelle das 
Höchste auf eigentümliche Weise dar, und in jedem verehre man das in 
demselben sich offenbarende höchste Wesen selbst. 14 (Vgl. SimpliGras' 
Commentar zu Epictet's Enchiridion cp. 38). 

XIV. 

Die Juden sagen, dass einer Gott ist] Tacit Hist. V 5: Judaei 
mente sola unumque numen intellegunt Man wird sich übrigens nicht 
wundern, dass der Apologet wenig über die Juden orientirt ist, wenn 
man liest, wie Wunderliches Tacitus Hist V 2—8 über dieselben vorträgt 

sie haben Erbarmen mit den Armen] Vgl. Tobit 4, 7 — 11. 16. 

begraben die Toten] Da das Begraben der Toten als ein Akt der 
Menschenliebe hingestellt wird, so ist nicht an die Sitte des Begrabens 
(corpora condere quam cremare e more Aegyptio Tac. H. V 5) zu denken, 
sondern an Beispiele der Art, wie Tobit 1, 17. 18 erzählt sind. 

sie glauben Gott anzubeten] Vgl. zu dem Ausdruck Tit 1, 16: &eov 
bfAoXoyovaiv elöevcu, xolq ök e^yoiq dgvovvtai. 

ihre Anbetung gilt den Engeln] Die Quelle dieser unzutreffenden 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 95 

Vorstellung ist mir unbekannt. Vielleicht wirkte zu ihrer Bildung mit 
der mißverständliche Ausdruck Act. 7, 53: olxtveq ikdßexs xbv vofxov slq 
dtaxaydq dyyiXwv und Col. 2, 16 — 18, wo Paulus judaisirende Irrlehrer 
bekämpft, welche die andern richteten iv ßpwoet fj iv nocet $ iv fisgei 
kogxrjs t] vovßtjvlaQ rj oaßßazatv, und diesen eine &Qt]axela xdtv ayyiXwv 
zum Vorwurf macht. 

die sie nicht einmal vollkommen beobachten] Vgl. Act. 7, 53: xal 
oix i<pvXd£axe und 15, 10: imÖetvai tpybv inl xbv XQaxrjXov Tc5v ß*&*l m 
x<2v, ov ovxe ol naxiqeq rjfiäv ovxe rj/ielg laxvaafiev ßaaxdaat (es ist die 
Rede von nsQixefiveo&ai xal xtjqsTv xbv voßov v. 24). 

beobachten Sabbathe) Bardesanes (Cureton S. 19): „Überall, wo sie 
sind, erweisen sie den Götzen keine Ehrfurcht; an einem von den 7 
Wochentagen ruhen sie mit ihren Kindern von aller Arbeit, von allem 
Bauen, allem Niederreissen, vom Kaufen und Verkaufen; sie töten am 
Sabbath auch kein Tier, zünden kein Feuer an und halten nicht Gericht 4 * 

XV. 

Befehle, die sie in ihren Sinn eingeschrieben haben] Hebr. 8, 10. 
(Jerem. 31, 33). 

Was sie nicht wollen u. s. w.] Vgl. Tobit 4, 15 : o luoeZs, (itiöevl noiij- 
(7j?C. Es ist auffallend, dass sich gerade die negative Form des Ausspruchs 
Matth. 7, 12 mehrfach festgesetzt hat Bardesanes (Cureton S. 5) hat die 
negative und positive Fassung, zugleich giebt er dem formalen Gebot 
einen materialen Inhalt: „ Den Menschen ist nur befohlen zu thun, was 
sie thun können. Denn zwei Gebote sind es, welche uns vorgelegt sind, 
und welche der (Willens-) Freiheit wohlanständig und gerecht sind: 
erstens, dass wir uns fernhalten von dem, was böse ist, und was wir 
hassen, wenn es uns geschieht; zweitens, dass wir thun, was gut ist, und 
was wir selbst gern haben und wünschen, dass auch uns so geschehe." 
Bardesanes hat dabei übersehen, dass Jesus dies Gebot als einen zu- 
sammenfassenden Ausdruck für den Inhalt des Gesetzes und der Propheten 
hingestellt hat. 

ihre Frauen sind rein] 1. Petr. 3, 2: ino7tx£vaavxsq xrjv iv <poßw 
ayvTjv dvaoxQoqrfv. Hebr. 13, 4: rlfiiog b ydfioq iv näai xal tj xoixrj 
äptlavxoQ* 

sie nennen sie Brüder] Lucian, de mort. Peregr. 13: hteixa b vofio- 
&£xtjq 6 nQ<5xoq tne io ev avzovg> dtq ddtX<pol ehv aXXyXwv. 

die Witwen] 1. Tim. 5, 3: zfous zlpa. 

die Fremden] 1. Petr. 4, 9: (piXogevot elg dXX^Xovq . . 

die Gefangenen] Hebr. 13, 3: fiifAirfoxeo&s x<vv öeofxtarv. 

sie weinen beim Tode des Gottlosen], wie Paulus schon bei ihren 
Lebzeiten über die Gottlosen weinte (Phil. 3, 18. 19), weil er als ihr Ende 
die dndXeia erkannte. 

XVI. 

die schönen Dinge der Welt sind um ihretwillen in Fluss] ist ab- 
gekürzter Ausdruck für: sie sind überzeugt, dass um ihretwillen u. s. w. 



Digitized by 



Google 



96 Anmerkungen. 

Da der Apologet von den schönen Dingen der Welt spricht, nicht von 
der Welt schlechthin, so möchte ich glauben, dass ihm der Gedanke vor- 
geschwebt hat: Die Christen glauben, dass die schönen Dinge der Welt 
um der Menschen willen und also auch um ihretwillen existiren; daher 
halten sie sich für berechtigt, sich dieser schönen Dinge zu erfreuen, 
und gemessen sie froh als ein Geschenk aus der Hand ihres gütigen 
Gottes. 

die Wohlthaten posaunen sie nicht aus] entsprechend der Vor- 
schrift Matth. 6, 2: oxav ovv noiyq iXStiftoovvriv, /ntj oaXnloqq s/jMqo- 
o&£v oov. 

neu ist dieses Volk] ist sehr wahrscheinlich Anlehnung an Ep. ad 
Diognet. cp. 1: xaivbv xovxo yivoq und an Praedic. Petri: xcuvwq xbv 
&ebv oeßöfxevoi. 

wegen der Fürbitte der Christen besteht die Erde noch] Der Ge- 
danke iat derselbe, wie Ep. ad Diogn. cp. f . ovvfyovai xbv xoapovy nur dass 
in letzterem Ausdruck der Fürbitte keine Erwähnung geschieht. 

irren und führen irre] 2. Tim. 3, 13: nXavmvzeq xal TiXavwßsvoi. 

wälzen sich vor den Elementen] Zu dem Ausdruck „wälzen" vgl. 
Melito (Cureton S. 27): „Deshalb wälzest du dich vor Dämonen und 
Schemen auf der Erde und bringst vergebliche Gebete vor den, der dir 
nichts zu geben vermag." 

die Griechen richten ihr unreines Lachen gegen die Christen], indem 
sie dieselben der Laster beschuldigen, denen sie selbst fröhnen. 

sie bringen Gebet dar für ihre Verleumder] entsprechend der Vor- 
schrift Matth. 5, 44. 

so schämt er sich] 1. Petr. 3, 16: ?va, 4v <p xarccXaXwoiv vfiwv wq 
xaxoitoiwv, xaxaio%vv9(j5oiv. 

in Unwissenheit habe ich dies gethan] Vgl. Praedic. Petri bei 
Clem. Alex. Strom. VI 4S : oaa iv ayvolq xiq vftßv inolrjaev fxtj elöcuq 
oaipöq xbv (teo'v, iav imyvovq ftexavoqoy, ndvxa avxö ä<ptdyoexai xä 
aixaQxtffJLaxa — und 1. Tim. 1, 13: dyvodiv inolrjaa £v dmoxlct, 

Gottes ist alles, was gesprochen wird] 1. Petr. 4, 11: ei xtq XaXel r 
a>q Xoyia &eov. 



Zum Schluss möchte ich noch mit wenigen Worten die Frage be- 
rühren, was wohl den Syrer zur Übersetzung der Apologie veranlasst 
haben möge. Schwerlich leitete ihn ein rein litterarisches Interesse, 
sondern er verfolgte einen praktischen Zweck. War es nun in erster 
Linie die Polemik insbesondere gegen das Heidentum, die ihn anzog, 
weil auch in seiner Zeit eine solche noch notwendig war? Oder be- 
stimmte ihn zu seiner Übertragung vor allem die schöne Schilderung des 
Glaubens und Lebens der Christen, die er seinen Volksgenossen gleichsam 
als einen Spiegel vorhalten wollte? 

Es lässt sich annehmen, dass er den Wunsch hatte, in beiderlei 
Hinsicht auf seine Zeit einzuwirken. 



Digitized by 



Google 



Anmerkungen. 97 

Einerseits erkennt man — um nur von syrischen Schriften zu reden — 
sowohl aus dem kleinen, wohl 507 entstandenen Zeitbild des Josua Stylites, 
als auch aus dem allein erhaltenen dritten Teile der Kirchengeschichte 
des Johannes von Ephesus , welcher die Jahre 536—586 umfasst, wie sehr 
noch in der Zeit, in welcher vermutlich die Apologie übersetzt wurde, 
der Kampf gegen das Heidentum angebracht war. Auf der andern Seite 
bekundet schon Ephraem (t 373) in seinen Hymnen und Sermonen — ich 
habe die von Lamy herausgegebenen im Auge — mannigfach, wie 
nach dem Aufhören des äussern Drucks viele, die sich Christen nannten, 
durch unchristlichen Wandel den Christennamen entehrten. 1 ) Solchen, 
deren es ohne Zweifel auch in seiner Zeit gab, das Urbild christlichen 
Lebens „zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Ge- 
rechtigkeit" vorzuhalten, erschien mit Recht dem Übersetzer als ein ver- 
dienstliches Unternehmen. 



1) Man vergl. Lamy III S. 133 ff. Auch II S. 399: 



Hier wird über das Mönch tum der damaligen Zeit ausgesagt, dass 
es nur dem Namen nach christlich sei, seinem Gebaren nach satanisch. 



Berichtigungen. 

22, 12. 18 (d. h. S. 22 Z. 12. 18) und 24, 14 ist „danken (dankte statt 
„bekennen (bekennt) 4 ' zu lesen. 27, 18 und 32, 30: c Barlaam und Joasaph'. 
49,27: eines Griechen. 59, 18: des Alls verehren. 60,5: üebersetzung. 
64, 9 (v. u.): Wahrheit". 71, 32: Ra'man. Ausserdem fehlen einige kleine 
Zeichen: 66, 32 und 67,1. 25 (Spiritus). 73,4 (Spiritus und Accent). 74, 25 
(Jota subscriptum). 26 (Accent). 76, 1 und 96,29 (Accent). 88, 14 (Punkt). 
94, 11 (Komma). 



Texte u. Untersuchungen IX, 1. 



Digitized by 



Google 



Druck von August Pries in Leiptig. 



Digitized by 



Google 



T^> "TZ 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER 

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

HERAUSGEGEBEN VON 

OSCAR von &EBIARDT und ADOLF HARN ACK. 
IX. BAND. HEFT 2. 

BRUCHSTÜCKE 

DES 

EVANGELIUMS UNI) DER APOKALYPSE 
DES PETRUS 

VON 

ADOLF HARNACK. 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893. 



Digitized by 



Google 



Verlag der J. C. HINRICHS'schen Bachhandlang in Leipzig. 

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der 

Altchristlichen Literatur 

herausgegeben von Oscar Ton Gtebhardt und Adolf Harnack. 

' Band I— IV auf Seite II des Umschlags. 

V, 1. Der pseudocyprianische Tractat de aleatoribus, die älteste lateinische christ- 
liche Schrift, ein Werk des römischen Bischofs Victor I. (aaec. IL), von 
Adolf Harnaok. V, 185 S. 1888. M. 4.60 

V, 8. Die Abfassungszeit der Schriften Tertullians von Ernst Hooldaehan. 

Nene Fragmente des Papias, Hegesippns u. Pierius in bisher unbekannten 
Excerpten aus der Kirchengeschichte des Philippus Sidetes von C. da Boor. 
184 S. 1888. , M. 6 — 

V, 3. Das Hebräerevangelium, ein Beitrag zur Gesohichte und Kritik des hebräischen 
Matthäus von Rud. Handmann. in. 142 S. 1888. M. 4.50 

V, 4. Agrapha. Aussercanonische Evangelienfragmente, gesammelt u. untersucht 
von Alfred Resoh. — Anhang: Das Evangelienfragment von Fajjum von 
Adolf Harnaok. XII, 520 3. 1889. M. 17 — 

VI, 1. Die Textüberlieferung der Bücher des Origenes gegen Celsus in den Hand- 
schriften dieses Werkes und der PhOokalia. Prolegomena zn einer 
kritischen Ausgabe von Paul Köttchau. VII, 157 S. u. 1 Tafel. 1889. M. 5.50 

VI, 2. Der Paulinismus des IrenaeuB. Eine kirchen- und dogmengeschichtliche Unter- 
suchung über das Verhältnis des Irenaeus zu der Paulinischen Briefsammlung 
und Theologie von Joht. Werner. V, 218 S. 1889. M. 7 — 

VI, 3. Die gnostischen Quellen Hippolyts in seiner Hauptschrift gegen die Häretiker 

von Hans Staehelin. 
Sieben neue Bruchstücke der Syllogismen des Apelles. — Die Gwynn'schen 
Cajus- und Hippolytus-Fragmente. Zwei Abhandlungen von Adolf Harnaok. 

III, 133 S. 1890. M. 4.50 

VI, 4. Die ältesten Quellen des orientalischen Kirchenrechts. 1. Buch: 

Die Canones Hippolyti von Hans Aohellt. VIII, 295 S. 1891. M. 9.50 

VII, l. Die Johannes- Apokalypse. Textkritische Untersuchungen u. Textherstellung 

von Bernh. Weiss. VI, 225 S. 1891. M. 7 — 

VII, 2. Ueber das gnostische Buch Pistis-Sophia. — Brod u. Wasser : die eucharistlsohen 

Elemente bei Justin. 2Untersuchgn von Adolf Harnaok. IV.144S. 1890. M. 4.50 

VII, 3/4. Apollinarios von Laodicea. Sein Leben u. seine Schriften. Nebst e. An- 

hang: Apollinarii Laodiceni quae supersunt dogmatica. Von Joht. Dräseke. 
XIV, 494 S. 1892. M. 16 - 

VHI, 1/2. Gnostische Schriften in koptischer Sprache aus dem Codex Brucianus heraus- 
gegeben, übersetzt u. bearbeitet von Carl Schmidt. XII, 692 S. 1893. M. 22 — 

VIII, 3. Die katholischen Briefe. Textkritische Untersuchungen und TexthersteUung 

von Bernh. Weiss. VI, 230 S. 1892. M. 7.50 

VIII, 4. Die griechische Übersetzung des Apologeticus Tertullians. — Medicinisches 

aus der ältesten Kirchengeschichte. — Zwei Abhandlungen von Adolf 

Harnaok. III, 152 S. 1892. M. 5 — 

IX, l. Untersuchungen über die Edessenische Chronik. Mit dem syrischen Text 

und einer Übersetzung herausgegeben von Ludwig Halller. VI, 170 8. 

Die Apologie des Aristides. Aus dem Syrischen übersetzt und mit Beitragen 

zur Textvergleichung und Anmerkungen herausgegeben von Richard Raafce. 

IV, 97 S. 1892. M. 8.50 
IX, 2. Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus von Adolf 

Harnack. Zweite verbesserte und erweiterte Auflage. VIII u. 98 S. M. 2 — 

X. Aussercanonische ParaUeltexte zu den Evangelien gesammelt u. unterauch 

von Alfred Resoh. l. Heft. Textkritische u quellenkritische Grundlegungen 

VII, 160 S. 1893. M. 6 — 



Digitized by 



Google 



BRUCHSTÜCKE 



DES 



EVANGELIUMS und der APOKALYPSE 



DES PETRUS 



VON 



ADOLF HARNACK 



ZWEITE VERBESSERTE UND ERWEITERTE AUFLAGE. 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893. 



Digitized by LjOCKMC 



Verlag der J. C. HINRICHS'schen Buchhandlung in Leipzig. 

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der 

Altchristlichen Literatur 

herausgegeben von Oacar von Gebhardt und Adolf Harnack. 

I— III. IV 1/2. V-VIII. IX 1/2. X 1. M. 21» - 

I, 1/2. Die Überlieferung der griechischen Apologeten des zweiten Jahrhunderts in 
der alten Kirche und im Mittelalter, von Adolf Harnack. VIII, 300 S. 1882. 

M. 9 — 

I, 8. Die Altercatio Simonis Iudaei et Theophili Chriatiani nebst Untersuchungen 
über die antijüdische Polemik in der alten Kirche, von Adolf Harnaok. 

Die Acta Archelai und das Diatessaron Tatians, von Adolf Harnaok. 

Zur handschriftlichen Überlieferung der griechischen Apologeten. I. Per 
Arethascodex, Paris. Gr. 451, von Osoar v. Qebhardt. 111,196 8. 1888. M. tf — 

I, 4. Die Evangelien des Matthäus und des Marcus aus dem Codex purpureus 
Rossanensis, herausgegeben von Osoar v. Qebhardt. 
Der angebliche Kvangehencommentar des Theophilus von Antiochien, von 
Adolf Harnaok. LIV, 176 S. 1883. M. 7.50- 

II, 1/2. Lehre der zwölf Apostel, uebst Untersuchungen zur ältesten Geschichte 

der KirchenveTfassung und des Kirchenrechts von Adolf Harnaok. Nebst 

einem Anhang: Ein übersehenes Fragment der .ut*xn in alter lateinischer 

Übersetzung. Mitgetheilt von Osoar v. Qebhardt. 70 u. 294 S. 1884. M. 10 — 

(II, 1/2. einzeln nur in anastatischem Druck (1893) käuflich.) 

II, 3. Die Offenbarung Johannis, eine Jüdische Apokalypse in christlicher Be- 
arbeitung, von Eberh. Vischer. Mit Nachwort von Adolf Harnaok. 137 S. 1886. 

M. 5 — 

II, 4. Des heil. Eustathius, Erzbischofs von Antiochien, Beurth eilung des Origenes 
betr. die Auffassung der Wahrsagerin 1. Könige (Sam ] 28 und die dies- 
bezügliche Homilie des Origenes, aus der Münchener Hds. 331 ergänzt 
und verbessert, mit kritischen und exegetischen Anmerkungen von Alb. 
Jahn. XXVII, 75 S. 1886. (Einzelpreis M. 4.50) ; M. 8.60 

11,6. Die Quellen der sogenannten apostolischen Kirchenordnung, nebst einer 
Untersuchung über den Ursprung des Lectorats und der anderen niederen 
Weihen, von Adolf Harnaok. 106 S. 1886. M. 4 — 

III, 1/2. Leontius v. , Byzanz und die gleichnamigen Schriftsteller der griechischen 
Kirche von Frledr. Loofs. l. Such: Das Leben und die polem. Werke des 
Leontius v. Byzanz. VIII, 317 S. 1887. M. 10 — 

III, 8/4. Aphrahat's des persischen Weisen Homilien, aus dem Syrischen tibersetzt 

und erläutert von Georg Bert. 
Die Akten des Karpus, des Papylus und der Agathonike. Eine Urkunde aus 
der Zeit Marc Aureis, von Adolf Harnaok. LII, 466 S. 1888. M. 16 — 

IV. Die griechischen Apologeten. 

1. Tatiani oratio ad Graecos. Recens. Ed. Sohwartz. X, 105 S. 1888. M. 2.40 

2. Athenagorae li bei las pro Christianis. Oratio de resurrectione cadaverum. 

Recens. Ed. Sohwartz. XXX, 143 S. 1891. M. 3.60 

3. Theophili libri tres ad Aütolycum II, III. Recens. Ed. 8ohwartz. 1 In y orDe . 

4. Iustini martyris apologia et dialogus cum Tryphone Iudaeo. \ TAitl , ni . 

Recens. 0. de Qebhardt et A. Harnaok. J rw,,ttU *- 

Diese Ausgaben der Griechischen Apologeten sind nur mit kurzem 
sprachlichen Oommentar und Registern versehen und sollen zum Gebrauch 
bei Vorlesungen oder in Seminaren dienen, weshalb auch deren Preise 
möglichst niedrig gestellt wurden. 

Fortsetzung auf Seite III des Umschlags. 



Digitized by 



Google 



BRUCHSTÜCKE 



DES 



EVANGELIUMS UND DER APOKALYPSE 



DES PETRUS 



VON 



^\Cxu6-tov ADOLF HARNACK 



ZWEITE VERBESSERTE UND ERWEITERTE AUFLAGE. 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893. 



Digitized by LjOCKMC 



Der Bericht über nachstehende Fragmente, den ich in den Sitzungen 
am 3. und 10. November 1892 der K. Preussischen Akademie der Wissen- 
schaften erstattet habe (s. die Sitzungsberichte, 1. c), erscheint hier mit Be- 
willigung der Akademie in erweiterter Gestalt. 



Digitized by 



Google 



Vorrede zur ersten Auflage. 

Der vorläufigen Herausgabe der Petrusfragmente in den 
Sitzungsberichten der K. Pr. Akademie der Wissenschaften (3. u. 
10. Nov. d. J.) lasse ich hier eine neue folgen, die zugleich einen 
ausführlichen Commentar enthält. Wenn der Text nun in wesent- 
lich verbesserter Gestalt erscheint, so verdankt der Leser das den 
gütigen Mittheilungen, die mir brieflich theils direct theils in- 
direct — ausser von den HH. Diels, v. Gebhardt und Preu- 
schen — von den HH. Bonwetsch, Blass, Bormann, 
M. Fränkel, Hartel, Kleinert, Lods, Menegoz, Schenkl, 
Usener zugegangen sind. 

Ausserdem konnte ich noch während der Correctur die Aus- 
gabe von J. A. Robinson und M. R. James (The Gospel accord- 
ing to Peter, and the Revelation of Peter. Two Lectures. Lon- 
don 1892) benutzen, die werthvolle Verbesserungen, nicht nur 
der Herausgeber, sondern auch von Burkitt und Rendel Harris 
enthält, sowie die Anzeige meiner vorläufigen Mittheilung durch 
v. Gebhardt (Deutsche Literaturzeitung, 10. Dec. 1892). Nicht 
wenige der schlagendsten Verbesserungen sind von mehreren Ge- 
lehrten fast gleichzeitig gemacht worden: namentlich sind Blass, 
von Gebhardt, die Wiener Gelehrten und die Engländer an 
mehreren Stellen zusammengetroffen. Ich habe das in den An- 
merkungen nicht immer bemerken können, da die Correctur schon 
zu weit vorgeschritten war. Das Zusammentreffen bürgt jeden- 
falls für die Richtigkeit der Vorschläge. In nicht wenigen Fällen 
ist übrigens zu vermuthen, dass eine sorgfaltigere Lesung der 
Handschrift die „Conjecturen" bestätigen wird. 

Für den Commentar verdanke ich dem Bischof von Durham, 
ferner den HH Deissmann, Nestle, Wellhausen und den 
englischen Herausgebern einige Winke. Meine Nachweisungen 



Digitized by 



Google 



IV Vorrede. 

über die Benutzung des Petrusevangeliums (bei Justin, in der 
Didascalia, im Syrus Curet. und in den Codd. Sangerm. und Bobb.) 
waren schon gesetzt, als ich die Nr. 49 der Zeitschrift „Le Te- 
moignage" vom 3. Dec. empfing, in der Lods die Benutzung 
des Evangeliums bei Justin, etc. signalisirt hat. Ebenso sind 
meine Hinweise auf Schriften, die mit der Petrusapok. verwandt 
sind, unabhängig von den Ausführungen von James, soweit das 
Gegentheil nicht ausdrücklich bemerkt ist. Ausser den bisher 
angeführten gedruckten Arbeiten zu den Petrusfragmenten ist 
mir noch eine deutsche Übersetzung von Bor mann (Deutsche 
Zeitung. Wien Nr. 7516, 30. Nov.), eine englische von Crook 
(Review of the Churches Vol. 111, Nr. 15, 15. Dec. p. 162 ff.), 
eine französische des Fragments des Petruse v. von Menegoz 
(in der Zeitschrift „Le Temoignage" Nr. 45. 46, 5. und 12. Nov.) 
und eine Anzeige von Schürer (in der Theol. Lit. Zeitung, 
Nr. 25, 10. Dec.) bekannt geworden. Nicht gesehen habe ich 
eine Textausgabe, die nach Crook bei Macmillan erschienen ist. 
Die folgenden Blätter werden lehren, dass der neue Fund 
für die Geschichte des Kanons, für die Geschichte der altchrist- 
lichen Litteratur und für die evangelische Geschichte werthvoller 
ist, als man bei flüchtiger Einsicht angenommen hat. Wir kennen 
jetzt, wenn nicht alles trügt, die vierte (oder fünfte) Schrift, 
welche Justin unter seinen „Denkwürdigkeiten der Apostel" be- 
sessen und benutzt hat — daher lassen sich nun eine Reihe von 
„Agrapha* bei ihm und anderen alten Schriftstellern identificiren — , 
und wir vermögen nun jene Litteraturgattung , die in Dante 's 
„Hölle* 1 ihre klassische Ausgestaltung empfangen hat, hinaufzu- 
führen bis zu dem Anfang des 2. Jahrhunderts und dürfen als 
Vorgänger „Vergil's" und Dante's den „Apostel Petrus" bezeichnen. 

Berlin, den 15. Dec. 1892. 



Vorrede zur zweiten Auflage. 

Seit dem Erscheinen der ersten Auflage sind mir folgende 
Arbeiten zu den Petrusfragmenten zugekommen: eine Ausgabe 
von Lods (Paris 1893), eine Abhandlung von Salomon Reinach 
„L'Apocalypse de St. Pierre" (Paris 1893), eine deutsche Über- 



Digitized by 



Google 



Vorrede. V 

setzung der Stücke mit kurzer Einleitung von v. Schubert 
(„Christi. Welt" 1893, 5. u. 12. Jan.), eine deutsche Übersetzung 
des Fragments des Evangeliums von Vetter (Schweizerische 
Rundschau 1893 II S. 167 ff.), ferner Untersuchungen einzelner 
Punkte von Headlam („The Guardian* 1892, 7. u. 14. Dec), 
Bernard („Academy" 1892, 24. Dec: Petrus-Ev. u. Cyrill von 
Jerus.), Murray („Expositor" 1893 Jan.: Petrus-Ev. u. Origenes), 
ein Aufsatz in „The Methodist Times* 1893, 12. Jan. und eine 
Anzeige von Schürer (Theol. Lit. Ztg. 1893 Nr. 2). Für brief- 
liche Mittheilungen bin ich den HH. Du hm, Hoff mann (Berlin) 
und Nestle zu Dank verpflichtet. Ich selbst habe meine Studien 
über die Fragmente fortgesetzt und Manches berichtigen, Manches 
erweitern und einiges Neue hinzufügen können. In letzterer Hin- 
sicht verweise ich besonders auf die Untersuchung über die Peri- 
kope von der Ehebrecherin und auf die Erweiterung der Wort- 
register. An der Form, die ich der ersten Ausarbeitung gegeben 
habe, habe ich nicht ändern wollen Mir lag es vor Allem daran, 
das Material zur Erklärung der Fragmente, soweit meine Kennt- 
niss der altchristlichen Litteraturgeschichte reicht, herbeizuziehen 
und den Leser in den Stand zu setzen, selbst zu prüfen und zu 
urtheilen. Eine genaue Untersuchung des wichtigsten Problems 
— des Verhältnisses des Petrusevangeliums zu den kanonischen 
Evangelien — wollte ich nicht unternehmen, so lange noch 
Hoffnung vorhanden ist, das Material selbst zu vermehren. Ich 
habe daher auch die theilweise conträren Beobachtungen und 
Eindrücke, die mir bei dem Studium des Evangelienfragmentes 
geworden sind, wiedergegeben, ohne sie bereits überall aus- 
zugleichen. 

Berlin, den 1. Febr. 1893. 



Nachschrift 

Während des Drucks sind mir noch folgende Arbeiten zu 
den Fragmenten bekannt geworden: Manchot, Die neuen Petrus- 
Fragmente, i. d. Protest. Kirchenzeitung 1893, 8. u. 15. Febr.; 
die erste Hälfte einer Abhandlung von Zahn über das Petrusev. 



Digitized by 



Google 



VI Nachschrift. 

i. d. Neuen Kirchl. Zeitschrift 1893, Febr.; Hilgenfeld, das 
Petrus-Ev. über Leiden und Auferstehung Jesu, i. d. Ztechr. f. 
wissensch. Theol. XXXVI (1893), Heft 4; dazu eine Anzeige von 
Krüger im Liter. Centralbl. 1893 Nr. 6. Letztere macht darauf 
aufmerksam — was mir entgangen war — , dass in den Act. 
Thomae (p. 39—41 ed. Bonnet) die Höllenschilderung der 
Petrus -Apok. frei copirt ist Unter allen bisher beigebrachten 
Parallelen ist diese die wichtigste. Ich bedauere, dass ich die 
oben genannten Abhandlungen nicht mehr benutzen konnte. 
Manchot hat mich in meinen Zweifeln, ob Petrusev. v. 6 ff. Sol- 
daten zu verstehen sind, bestärkt. Was er aber über die Soldaten 
und die Altesten am Grabe und vor Pilatus ausgeführt hat, hat 
mich bisher nicht überzeugt, ebensowenig seiue Conjecturen und 
seine Hypothese, dass zweiErzähler im Evangelium zu unterscheiden 
seien. Zahn hat in seiner werthvollen Abhandlung gleichsam 
die Rolle eines advocatus diaboli gegenüber dem Fragmente des 
Petrus-Ev. übernommen, wie das zu erwarten war. Wir können 
nur dankbar sein, dass in dem Process verfahren, in dem wohl 
auch ein Vertheidiger nicht fehlen wird, jener Sachwalter uns 
bereits sicher ist. So wird die Wahrheit am besten ans Licht 
gestellt werden — falls sie nicht vorher rettungslos in die Klüfte 
der synoptischen Frage oder in die Schluchten der Kanons- 
geschichte geräth und dort versinkt. 

Soeben geht mir die zweite Ausgabe des Textes des Evan- 
gelienfragraents von H. B. S. (Henry Barclay Swete), London, 
Macmülan 1893 (Vorrede v. 1. Febr.) zu. Für dieselbe konnte 
der Herausgeber durch die Freundlichkeit Bensly's „a number 
of correctious obtained from the Ms. itself" benutzen, „which to 
some extent enable me to anticipate the verdict of the expected 
photograph". Zähle ich richtig, so sind es 35 Stellen, an denen 
Bensly die Lesung Bouriant's verbessert hat. An 15 Stellen 
steht in der Handschrift wirklich, was die Conjectur bereits er- 
mittelt hat, nämlich meine Ausgabe p. 8, 4 sq. exeXevöa, 9, 7 
öVQcoftev, 9, 14 rifi?jö(D/tsv (so war schon corrigirt worden), 
9, 16 toimjta wg, y, 17 otb IwQfrmöav (das zweite € ist Ditto- 
graphie), 9, 25 ^Otj^ßQia, 9, 26 IfroQvßovvTO, 9, 26 i)y<DVi(ov % 

9, 20 eöv, 9, 30 JteQif/QxovTO, 10, f> loeia&fj, 10, 18 tvt]OT€vofiei\ 

10, 20 ovrax&erreg, 11, 11 xcu avroi, 11, 18 vxaxo?], die Be- 
stätigung des ovQcoftev und des eoicixa <oq ist besonders wichtig. 



Digitized by 



Google 



Nachschrift. VII 

An 12 Stellen hat Bouriant unterlassen, kleine Fehler des Ms. 
anzugeben, nämlich p. 9, 6 avxcov, 9, 17 oxavQoov, 9, 21 ovxcog, 

9, 27 jtsgxDvsvfisvco , p. 10, 8 Ivi (= tva), 10, 10 öivöoviv, 

10, 11 sq. 6i£Q£tg, 10, 30 axQaxicoxov (supra xov scriptum est co), 

11, 14 äxoXo&ovvxa, 11, 28 xbvxvqlcov^ 12, 2 t<üi> xfrrvpicor, 

12, 14 otpiXopteva. Es bleiben noch acht Stellen übrig. P. 8, 2 
ovöeig corr. (*s sup. ras. ut vid.), 8, 2 abscissa ut vid. pars 
superior litterarum xcov ßovX.; also ist das xcov nicht sicher, 
8, 4 jioq(x[ . . ]it<p&7]vai, 11, 18 xo vcu? p. 9, 31 steht in kjceoavxo 
jibö supra rasur. Wirklich wichtige Verbesserungen sind folgende 
drei: p. 8, 5 ist loxrjxei zu lesen (nicht fyxa), p. 10, 12 ist nicht 
Idovxegy sondern yvovxeg zu lesen, p. 9, 3 sind bei Bouriant 
zwischen jteg>ovevfjivcp und jiqo die Worte ausgefallen: xal 
jtaytöcoxev avxov xm Xaw. Der 5. Vers ist somit zu übersetzen: 
„Und Herodes sagte: ,Bruder Pilatus, auch wenn Niemand um 
ihn gebeten hätte, würden wir ihn begraben, da ja auch der 
Sabbat herannaht; denn es steht geschrieben in dem Gesetz, die 
Sonne solle nicht untergehen über einem Getödteten.* Und er 
überantwortete ihn dem Volke vor dem ersten Tag der Un- 
gesäuerten, nämlich ihres Festes." Nicht nur ist so die Über- 
einstimmung mit v. 15 hergestellt, sondern, was wichtiger ist, 
ausdrücklich wird gesagt, dass Herodes Jesus dem Volk (also 
nicht den Soldaten) überliefert habe. Dieses ist also v. 6 ff. das 
Subject. Ausdrücklich ist ferner als Leidenstag Jesu der Tag 
vor dem ersten Tag der süssen Brode bezeichnet, also nach der 
wahrscheinlichsten Deutung, der 14. Nisan. Das jcaQiömxev 
bieten auch alle vier Evangelisten, aber Subj. ist Pilatus 
(s. Mtth. 27, 26; Mrc. 15, 15; Luc. 23, 25; Joh. 19, 16). Bei 
Matth. ist avxotg, bei Marc, ttp ox^cp resp. avxolq zu ergänzen; 
bei Luc. heisst es x<p fteXijfiaxi avxcov, bei Joh. steht avxotg. 
— Das loxrjxei statt ijxei in v. 3 hebt die Verworrenheit nicht, 
die in den vv. 1 — 5 herrscht und augenscheinlich durch das 
Bestreben herbeigeführt ist, kurz zu erzählen. 

17. Febr. 1893. 

A. Harnack. 



Digitized by 



Google 



Inhalt 

Einleitung S. 1 

Text und Übersetzung des Bruchstücks des Petrusevangeliums S. 8 
Text und Obersetzung des Bruchstücks der Petrusapokalypse . . S. IG 
Bemerkungen zum Bruchstück des Petrusevangeliums . ... S. 23 
Verhältnis« zu den kanonischen Ew. 8. 32. Das Petiusev. und 
Justin S. 37. Das Petrusev. und das Didascalia- Evangelium 
S. 40 (Clemens Alex.) Die Perikope von der Ehebrecherin S. 45. 
Das P. E. und der Syr. Curet. S. 57 (Papias). Das P. E. und der 
Cod. Bobbiens. S. 57. Das P. E. und die Didache S. 58. Igna- 
tius S. 59. Cyrillus Hierosol. S. 59. Pseudo-Ignatius S. 60. 
Origene8 S. 00. 

Excurse zum Petrusevangelium S. 61 

V. 1. 1—5. 5 u. 58 S 61. V. 6. 7 S. 63. V. 10. 17—19 S. 64. 
V. 26. 31 S. 66. V. 35. 50. 36. 40 S. 67. V. 41. 42 S. 68. V.50 
S. 70. V. 60 S. 71. Zum Stil und zur Sprache des P. E. S. 71. 
Parallelentafel zu den kanon. Ew. S. 72. Die neuen Berichte 
des P.E. S. 76. Gemeinsames mit dem Joh.Ev. S. 78. Schluss- 
bemerkung S. 79. 

Bemerkungen zum Bruchstück der Petra «apokalypse S. 80 

P.A. und II Petrus- u. Judas-Brief S. 87. 

Die Petrusschriften S. 88 

Wortregister zum Petrusevangelium S. 91 

Wortregister zur Petrusapokalypse .... ..... S. 95 



Digitized by 



Google 



Die von IL Bouriant (Mem. publ. par les membres de la 
Mission Archeol. Fran^aise au Caire, T. IX, fasc 1, 1892) zu- 
sammen mit griechischen Fragmenten der Henoch- Apokalypse 
edirten griechischen Bruchstücke eines Evangeliums und einer 
Apokalypse des Petrus ! ) sind von dem Herausgeber nicht näher 
bestimmt worden. Zu dem Fragment aus dem Petrus-Evangelium 
hat er (S. 137) bemerkt: „Cet evangile n'a jusqu'ä present, ä ma 
connaissance au moins, ete signale nulle part", und zu dem Bruch- 
stück aus der Petrus -Apokalypse (S. 142): „Lauteur n'est pas 
nomm^ et le texte ne se trouve ni dans Thilo ni dans Tischen- 
dorf; il est possible, etant donne le voisinage de l'evangile de 
S. Pierre, que notre fragment appartienne ä un ouvrage attribue 
au m£me apötre. Une apocalypse apocryphe de S. Pierre etant 
citee par Tischendorf dans ses „Apocalypses apocryphae", j'ad- 
mettrai provisoirement que notre morceau en est un debris. " 

Die beiden Fragmente sind Theile der alten, zur christlichen 
Urlitteratur gehörenden Schriften „Evayy^Xtov xaxa IHtqov" 
und ,^AjtoxdXvtpig IHtqov", und wir begrtissen in ihnen eine 
sehr werthvolle Bereicherung unserer Kenntniss der urchrist- 
lichen Schrift8tellerei. Dass sie wirklich zu jenen alten Petrus- 
Schriften gehören, soll hier in Kürze bewiesen werden. 

I. Das evangelische Fragment (nach meiner Zählung etwa 



1) Pergamentcodex, gefunden in einem Grabe zu Akhmlm, saec. 
VIII— XII [sie; nähere Beschreibung und Facsimile fehlen], 33 fol., ohne 
Paginirung, 15 X 12 cm, S. 1: Koptisches Kreuz mit den Buchstaben A und 
ß, S. 2— 10: Fragment des Petrus-Evangeliums, S. 11. 12: leer, S. 13—19: 
Fragment der Petrus-Apokalypse [der Text beginnt S. 19 und endet S. 13], 
S. 20: leer [hiernach scheint es, als sei bereits die Vorlage lückenhaft ge- 
wesen], S. 21 — 66 : Zwei grosse Fragmente der Henoch-Apokal yp9e. Dass der 
Codex in Majuskeln geschrieben ist, scheint aus einem Fehler in dem 
Fragment des Petrus -Evangeliums hervorzugehen (v. 36: hdoavxeq für 
iyylaavteg). 

Texte u. Untersuchungen IX, 2. 2. Aufl. 1 



Digitized by 



Google 



2 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

174 Stichen umfassend, den Stichos zu 36 Buchstaben gerechnet) 
beginnt mitten in der Leidensgeschichte mit einem Satze, der 
nicht in unseren Evangelien steht (xcov öe 'lovöaiwv ovöelg kvl- 
xpaxo xdg %elQag ovöe tyoolötjq ovo* elg xo3v xqixojv avxov), 
giebt eine zusammenhängende Erzählung von dieser und von 
der Auferstehungsgeschichte und bricht ab mit dem Satze: t/fietg 
öe ol öoiöexa (ta&r]xal xov xvqiov ixkaiof/ev xal hXvjtovfie&a 
xal ixaöxog Xvscovfievog öid xo ovfißdv ajtrjXXdyr] elg xov olxov 
avxov. lyco öe Ulfiojv üexoog xal MvÖQiag 6 äöeXtpog f/ov 
Xaßovxeg rffimv xd Xiva dji^Xd-a^ev elg xi\v fraXaeoav, xal qv 
ovv i]\ilv Aevelg 6 xov *AX<paiov ov xvQiog .... Dieser Satz 
zeigt, dass Petrus als der Schreiber des Evangeliums eingeführt 
war. Er ist es also auch, der v. 26 spricht: 'Eya) öe fiexd xcov 
kxaiowv fiov kkvjiov(irjv xal xexQcofdtroi xaxd öidvoiav Ixqv- 
ßofie&a' lC,T}xov{te&a yäo vx avxcov wg xaxovoyot xal o?g xov 
vabv fteXovxeg i/ijtQfjoai. Die Erzählung der Geschichte Jesu 
scheint auf den vier kanonischen Evangelien zu fussen (dass 
auch Johannes berücksichtigt ist, scheint z. B. aus v. 24, s. Joh. 
19,41: xijjtog 3 Ico6f]<p; v - 14 s. Joh. 19, 32f. zu folgen; dass Marcus 
benützt ist, scheint aus dem oben abgedruckten Schluss zu folgen) 
und also jünger als diese zu sein. Aber, einige sehr merkwürdige 
Zusätze (das wandelnde Kreuz; die Stimme vom Kreuz), Aus- 
spinnungen, Steigerungen und Modifikationen abgerechnet, bewahrt 
sie im Wesentlichen den synoptischenTypus und macht daher durchaus 
den Eindruck, dem 2. Jahrhundert anzugehören: freies Schalten 
mit dem Stoff, beträchtliche Erweiterungen in der Auferstehungs- 
geschichte, aber im Rahmen der kanonischen Überlieferung (breite, 
aber nicht überall durchsichtige und geordnete Schilderung; jedoch 
ist die Leidensgeschichte sehr kurz erzählt). Auffallend ist, dass 
der König Herodes als der eigentliche verurtheilende Richter 
erscheint, Joseph von Arimathia als Freund des Pilatus und des 
Herrn eingeführt, Pilatus also in günstigstem Licht vorgestellt 
wird. Noch bemerkenswerther aber ist Folgendes: nachdem der 
Erzähler von den Schlägen, Stössen und Geisselungen berichtet 
hatte, fährt er fort v. 10: xal ijveyxov ovo xaxovoyovg xal iöxav- 
Qoooav dvd fttoov avxcov xov xvqiov. avxog öe icicona mg (iöico- 
jcaöag Cod.) (itjöev jtovov ?#g?*\ Diese Worte brauchen zwar 
nicht doketisch verstanden zu werden, können aber so gedeutet 
werden. Ferner ist nur ein Wort Jesu vom Kreuz wiedergegeben. 



Digitized by 



Google 



Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 3 

(das ,Mich dürstet* fehlt vielleicht nicht zufallig), aber es lautet 
in diesem Evangelium v. 19: rj övvafiig ftov, 7) övvafiig (fiov) 
xaxt'Xsixpag (ie % und dann heisst es sofort: xal djtcov ävsXrj<p&T}. 
Dieses m äv6X?]g)9-rj u kann doketisch verstanden werden (doch s. 
Luc. 23, 43), und die seltsame Deutung des „'HXel, tfXel" als „/} 
övvafiig fiov" zeigt wahrscheinlich, dass dieser Evangelist an dem 
Ausdruck der Gottverlassenheit Jesu Anstoss genommen hat und 
daher nur von einem Erlöschen seiner Kräfte etwas wissen wollte 
(oder dachte sich der Verf. den avat Xgiöxog als die* Kraft?). 
Wir haben also in unserem Stück ein Fragment einer Evangelien- 
schrift zu erkennen, die sich 1. als von Petrus verfasst giebt, 
2. mit den kanonischen Evangelien sehr verwandt war, aber sich 
in Einzelheiten, namentlich in der genauen Schilderung des Auf- 
erstehungsvorganges, von ihnen (zu Ungunsten) merklich unter- 
schied, 3. Elemente enthielt, die ans Doketische streiften, 4. wahr- 
scheinlich dem 2. Jahrhundert angehörte — denn es finden sich 
in dem Fragment keine Spuren einer späteren Zeit, und ausser- 
dem spricht die Verbindung mit der Petrus- Apokalypse (s. unten) 
und dem Henoch-Buche für ein hohes Alter. 

Von einem alten Petrus -Evangelium wissen wir aus der 
Kirchengeschichte nicht viel, aber doch einiges. Ob Justin u. A. 
es gekannt haben, darüber s. unten. Origenes bekundet (in Matth. 
T. X, 17), dass er es gelesen hat. Über den Werth des 
Buches sagt er nichts (rovg öh aöeX(povg 'Ifjöov qxxoL xiveg 
elvac, ex jtagaöoöewg ogficofievoi xov ijtiyeygafiftevov xaxa 
Tlixgov evayyeXlov i) x?jg ßlßXov 'laxcoßov, vlovg 'Icoörjcp ix xgo- 
xigag yvvaixog, ovvqix?pcvlag avxcp jcgo xr\g Maglag). Eusebius 
(h. e. III, 3, 2. III, 25, 6; nach ihm Hieronymus und das Decret 
des Gelasius) verwirft es als häretisch. (Eusebius schreibt über 
Petrus h. e. III, 3, 2: To ye (irjv xtnv ejtixexXrjftevcov avxov 
jtgaS-scov xal xo xax* avxov civofiaöftevov evayytXtov , xc xe 
Xeyoftevov avxov xrjgvyfta, xal xi\v Xeyofiev?]v ajtoxaXvtpiv ovo* 
oXcog Iv xa&oXixolg io/uev jtagaöeöofitva , oxi (itjxe äg%ala>v 
firjxs xcov xad-' tfftäg xig exxkrjOiaOxixog Gvyyga<pevg xalg ig 
avxcov GvvexQTJöaxo pagxvglaig. III, 25, 6: nach Aufzählung der 
Homologumena und Antilegomena unterscheidet er eine weitere 
Klasse von Schriften, die gänzlich zu verwerfen sind, xäg ovo- 
fiaxi xaiv äjtooxoXcov Jtgog xcov algexixwv jzgotpegonivag, ?/xoi 
cog IlixQov xal öco/t/5 xal Mar&ia i) xal xiva)V Jtaga xovxovg 

1* 



Digitized by 



Google 



4 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

aXXcov evayyiXia JtBQisxpvöaq . . . <dv ovöev ovöa{id>Q iv övy- 
ygäfiftaTi xwv xaxa öiaöoxaq IxxXrjöiaoxixoiv zig avtjQ elg (ivq- 
firjv dyayeZv tfgtcoGev). Theodoret (h. f. II, 2) will wissen, dass 
die Nazaräer es gebrauchen: ol dh Na^coQaloi . . . tw xaXov- 
ftiva) xaxa JUxqov evayyeXiqi X£XQ?]fii£voi (die Glaubwürdigkeit 
dieser Notiz hat Zahn, Gesch. des NTlichen Kanons II S. 743 
bestritten). Das wichtigste und zugleich das älteste Zeugniss 
(um 200) aber bietet der Bischof Serapion von Antiochien (bei 
Euseb. h. e. VI, 12). Wir erfahren hier, dass das Evangelium in 
der Gemeinde zu Rhossus gelesen wurde, dass sich ein Streit 
über dasselbe erhob und Serapion, ohne das Evangelium durch- 
gelesen zu haben, die Leetüre gestattete, dann aber die Erlaubniss 
zurückzog, weil er sich nachträglich überzeugt hatte, „dass zwar 
das Meiste in dem Evangelium der rechten Lehre des Heilands 
angehöre, Einiges aber von Geboten hinzugefügt sei" und das 
Buch der Meinung der Doketen Vorschub leiste (die es auch 
brauchten) J ). Diese Charakteristik des Evangeliums — Serapion 



1) Euseb., h. e. VI, 12: Tov de üaganiwvog . . . elg t^iäg fiova xa- 
xrjXBe .... ovvxexayfxivog avxw Xoyog negl xov Xeyofiivov xaxa Ilixgov 
evayyeXiov, ov 7it7ioitjxai dmXiyx<*>v xd ipevöwg (veltpevdij) iv avx<p elgrjfxiva 
öid xivag iv xy xaxa. ^Pwoaov nagoixla ngo<pdoei xrjg elgrjfiivr^g ygaiprjg elg 
kxegoöogovg öiöaoxaXiag dnoxeiXavxag. d<p y rjg evXoyov ßgaxtiag naga- 
&6<j&cci Xi&tq öS wv ?}v el/j negl xov ßißXiov yvwfitjv ngoxi&qoiv ovxw 
ygdifwv l HfteZg ydg, döeX<poi, xal Ilexgov xal xovg aXXovg dnoaxoXovg 
dnoÖExoiJit&a wg Xgioxov^ xd öh ovdfiaxi avxwv tpevöentygatpa wg IJt/- 
neigoi nagaixov(xe&a t yivwoxovxeg oxi xd xotavxa ov nageXdßofiev. iyw 
ydg yevopevog nag* vfilv vnevoow xovg ndvxag 6g9g nlaxet ngootpigeo&ai, 
xal firj Gteijv?) öieX&wv xb vri* avxwv ngoipeg6(xevov Svo/taxi IHxqov evay- 
yiXiov ebiov oxi el xovxo iaxi fiovov xb öoxovv v/jtiv naglyeiv (uxgo- 
ywxfav, dvayivwox£o&w. vvv 6e fxa&wv, oxi algioei xivl b vovg avxwv 
ivetpwXevev, ix xwv Xex&ivxwv juoi, onovödow ndXiv ytvio&ai ngbg vfiäg, 
woxe, döeX<poi, ngooöoxäxi (xe ivxdxei' TjfJtelq (vfjteigl) 6i t döeX<pol y xaxa- 
Xaßöfxevoi, bnoiag r ( v algioewg 6 Magxiavog, xal (d>g xal'}) kavxw qvav- 
xiovxo (xri vowv a iXdXei, fjiadyoeo&e i£ wv ifiiv iygdtprj. iSwJj&iifiev ydg 
nag* dXXwv xwv doxyodvxwv avxo xovxo xb evayyeXiov, xovxioxi naga xwv 
Öiaöoxotv xwv xaxaggafitvwv avxov, ovgdoxrjxdg xaXovfiev — xd ydg <pgovtj- 
fjtaxa xd nXelova [seil, des Petrusev.] ixeivcuv iaxl xfjg öiöaoxaXiag — XQ 1 !" 
adfxtvoL nag* avxwv, öieXS-elv xal eigelv xd fxev nXtlova [seil, des Petrusev.] 
xov og&ov Xoyov xov owzrjgog, xivd öh 7tgooöiscxaX{iiva d xal vnexd£a(iev 
vfxtv. Das Petrusev. war also bei der Secte der Doketen um 200 im Ge- 
brauch, gleichzeitig mindestens in einer Gemeinde des antiochenischen 



Digitized by 



Google 



Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 5 

hält es übrigens nicht für jung — stimmt ganz vortrefflich zu 
dem, was wir aus unserem Fragment Ober die Beschaffenheit 
des Petrus- Evangeliums, aus dem es stammt, ermitteln konnten. 
Es ist demnach schwerlich zu bezweifeln, dass wir in dem Frag- 
ment von Akhmlm wirklich ein Bruchstück des alten Petrus- 
Evangeliums erhalten haben (von einem anderen alten Petrus- 
Evangelium wissen wir überhaupt nichts). Wo es entstanden ist, ist 
nicht zu ermitteln — vielleicht in Syrien, wo es zuerst auftaucht. 
Dass es im Anfang des 3. Jahrhunderts nach Ägypten gekommen 
ist, lässt sich vielleicht aus der Kenntniss des Origenes folgern ; 
doch kann er es in Syrien kennen gelernt haben. Immerhin 
bleibt es höchst merkwürdig, ja räthselhaft, dass es dort noch 
in der späten Zeit, aus der unsere Handschrift stammt, gelesen, 
mit der Apokalypse Petri und dem Henoch-Buch vereinigt und 
einem Mönch (so sagt Bouriant) mit ins Grab gegeben worden 
ist; denn zwischen Eusebius und der Zeit unserer Handschrift 
fehlt uns jede selbständige Kunde von der Existenz des Evan- 
geliums. Wie viel Alterthümliches hat doch die griechisch-kop- 
tische Kirche, bez. das Mönchthum in dieser Kirche, bewahrt! 
IL Die Vermuthung Bouriant's, die namenlose Apoka- 
lypse, die in der Handschrift dem Petrus -Evangelium folgt, 
sei eben desshalb vielleicht eine Petrus -Apokalypse, lässt sich 
nicht nur erweisen, sondern es kann auch gezeigt werden, dass 
sie die Petrus -Apokalypse ist, d. h. jene uralte Schrift, die am 
Schluss des 2. Jahrhunderts neben der Johannes -Apokalypse in 
Rom und in Alexandrien gestanden hat, die Eusebius, h. e. III, 
25 unter den y 4vTijLey6fiepa-v6d^a anführt (Acta Pauli, Pastor, 
Apoc. Petri, Barnab. epist, Didachai, eveni Apoc. Joh.), die der 
etwas ältere Catalog. Claromont. in ähnlicher Gesellschaft an- 
führt (Barnab. ep., Apoc. Joh., Act. Apost., Pastor, Acta Pauli, 
Apoc. Petri), die noch um d. J. 440 nach dem Zeugniss des Sozo- 



Sprengels, wurde aber aus dieser von Serapion entfernt, nachdem es dort 
schon Anstoss gegeben hatte und nachdem er es genau gelesen hatte — 
so genau, dass er eine Liste anstössiger Stellen aus demselben ausgezogen 
und seinem Briefe beigegeben hatte (v7tetd^a/xsv), Zahn (a. a. 0. II S. 749 f.) 
nimmt an, dass die Enkratiten, speciell Julius Gassianus dieses Evangelium 
benutzt haben, und ist geneigt, die bekannte apokryphe Stelle, das Ge- 
spräch Jesu mit Salome, das gewöhnlich auf das Agypterev. zurückgeführt 
wird, dem Petrusev. zu vindiciren. 



Digitized by 



Google 



(3 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

menos in einigen Gemeinden Palästina 's jährlich einmal während 
der Vorfeier des Osterfestes vorgelesen worden ist und deren 
Geschichte in der Kirche wir mindestens bis zur Zeit um d. J. 
500 verfolgen können. Über diese Apokalypse, die zuerst Clemens 
Alex, und das Muratorische Fragment erwähnen und zwar als 
heilige Schrift (Jener hat sie in seinen Hypotyposen neben den 
katholischen Briefen ausgelegt; dieses rechnet sie zum Neuen 
Testament, vermerkt aber den Widerspruch Einiger), sind wir 
ziemlich gut unterrichtet. Wir wissen auch, dass sie 270 (Catalog. 
Claromont.) bez. 300 (Nicephorus) Stichen umfasst hat; aber 
weder im Original, noch in einer Übersetzung ist sie bisher auf- 
getaucht. Nur ein paar kleine Fragmente waren uns erhalten; 
doch ist nicht alles, was als Fragment bezeichnet worden ist, 
sicher. Zahn (Gesch. des NTlich. Kanons II S. 818 f.), der die 
genaueste Untersuchung über dieses Buch angestellt hat, aber 
die Erwähnung im Muratorischen Fragment durch Conjectur 
beseitigt, hat nur fünf (drei bei Clemens Alex, und zwei bei 
Macarius Magnes) gelten lassen. Die drei bei Clemens erhaltenen, 
unzweifelhaften Bruchstücke zeigen, dass die Apokalypse in 
einem noch phantastischeren Geiste geschrieben war als die 
Johannes-Apokalypse. Sie lauten: I. Td ßQtcpr] igafißXw&tvxa 
xr\g dfielvovog iooftera jtstQag (lies f4o(Q<xg } oder noch besser 
mit Di eis öjtsiQag). IL Kai dcxQajtr) nvQoq jctjdmoa ajto xcov 
ßgegxiov kxelvmv xal jtX^ooovöa xovg oqp&aXfjtovg xdiv yvvat- 
xwv. III. Td öh ydXa xcov ywaixcov, q{ov and xcov \ia6xmv 
xal Jtrf/vvfievov, yevwfcsi drjQta Xejtxd oaQxogxxya xal draxQe- 
%ovxa elg avxdg xaxeo&lei. In der Apokalypse waren mithin 
ausgesuchte fürchterliche Strafen geschildert, die gewisse Klassen 
sündigender Weiber in der Hölle treffen. Das ist das Sicherste, 
was wir bisher über den Inhalt dieses Buches wussten. 

Unser Fragment, dem der Anfang und Schluss fehlt, um- 
fasst etwa 131 Stichen (nach meiner Berechnung; der Stichos zu 
36 Buchstaben). Inifc: IIoXXol ig avxwv loovxai tyevöoxQOtptjxai 
xal oöovg xal öoyfiaxa jzoixiXol (1. jtoixiXa) xtjg djccoXeiaq öiöd- 
gcoöiv, expl.: ovxoi 6h rjoav ol atp&avxag xfjv oöov xov &eov. 
Es ist minder gut erhalten, als das Fragment aus dem Petrus- 
Evangelium. Mehrere Zeilen sind theilweise unleserlich; auch 
hat es ziemlich viele Schreibfehler. Es ist jetzt namenlos; aber 
dass es von Petrus herrühren will, macht der Satz v. 5 sehr 



Digitized by 



Google 



Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 7 

wahrscheinlich. Dort heisst es: djtegxofievoi (djceQXOfievog cod.) 
de fist' avxov rj(ialg ol ömöexa /na&rjxal iöe^tjfttv ojhüq öeigy 
rjfilv %va xcov d6sXq>wv ?}fi(5v öixaiop xcov egeX&ovrmv ajto 
rov xoöfiov. Also waren die zwölf Jünger in der ersten Person 
eingeführt (cf. v. 8. 11: Sx&apßoi ytyovapsv. v. 13. 16. 20). In 
diesem Falle (s. das Petrus-Evangelium und das Kerygma Petri) 
ist aber gewöhnlich Petrus als der Sprechende und als der 
Schriftsteller gedacht; in der That spricht auch in unserem Frag- 
ment v. 9 Einer im Singular: dnXoog ov övvafiai tt-rjYrjöao&cu 
xxX., vergl. v. 12. 13. 14. 15 etc. Er, d. h. Petrus, ist der eigent- 
liche Seher. Allein nicht nur eine Petrus- Apokalypse ist es, die 
wir vor uns haben, sondern die Petrus- Apokalypse; denn v. 24 ff. 
werden dem Apokalyptiker in der Hölle verschiedene Klassen 
von Weibern, die entsetzlich gesündigt haben, gezeigt, wie sie 
von ausgesuchten Strafleiden gepeinigt werden. V. 26 — die 
Stelle ist zum Teil unleserlich — heisst es: xaxel hxa&rjvxo 
yvvalxeg exovoai rov lx&Q<z (ttyQ 1 T ™ v TQaxfjXcop xa ^ wcixQVG 
avxoov jtoXXoi jcalöeg o . . . . oa . goqoi ixixxovxo xad-tjfievoi 

IxXatov xäl jiqoi)qxovxo £g av eg ütvQog xal xäg 

yvvalxagljtXrjööov xaxa xcov otp&aXficov. avxcu de tjöav 

aQ<z vcai xal ixxQcoöaoat. Dass dies die 

Stelle ist, aus der Clemens Alex, sein zweites Citat geschöpft hat 
(8. oben), ist offenbar. Die anderen Citate lassen sich allerdings 
nicht nachweisen; aber unser Fragment umfasst noch nicht ganz die 
Hälfte der vollständigen Schrift (131: 270 bez. 300); übrigens passen 
jene Citate vortrefflich zu dem Geist und Inhalt des Fragments. 
In dem Codex von Akhmim ist uns also ein grosser Theil der 
uralten Petrus- Apokalypse wieder geschenkt. Ihre Anlage ist nun 
wesentlich deutlich geworden. Sie enthielt u. A. Offenbarungen 
(bez. Schauungen) über den Zustand der Gerechten und der Sünder 
nach dem Tode, die der Herr selbst seinen zwölf Jüngern bez. 
dem Petrus „auf dem Berge* angeblich gezeigt (mitten in einer 
Rede Jesu beginnt unser Bruchstück) und die Petrus angeblich 
niedergeschrieben hat. Die Strafen, die der Seher in der Hölle 
schaut, sind raffinirt erdacht — eine merkwürdige Anticipation 
der „Hölle" Dante's, zwölf Jahrhunderte vor Dante. Aber 
schön in den älteren jüdischen Apokalypsen war Ähnliches er- 
zählt. Hervorgehoben sei, wie kräftig der urchristliche Stand- 
punkt in Bezug auf die Unzuchtsünden, den Reichtum sowie auf 



Digitized by 



Google 



g Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

das Zinsnehmen hervortritt (V. 30 f.: xal iv tx^Qm xivl xojtoj 
XaXixeg Tjoav ogvxeQoi gtpcov xal jtavxog oßeXloxov jtejivQfOfiivoi 
xal yvvafxtg xal avögsg qoxtj (wjtaQa lvdeöv[i(v<H ixvXlovxo kx 
avxcov xoXaL,6fievoi' ovrot de rjoav ol JtXovrovvxeg xal xco 
jtXovxm avxmv jrexoi&oxeg xal fit] kXerjoavxeg oQyavovg xal 
XVQ a G aM-' dfieX^oavxeg xrjg ivxoXtjg xov &eov. kv de ixega 
Xtfdvy fieyaty xal jiejcXrjQWfttvi] jtvov (jioiov cod.) xal aiftaxog 
xal ßogßogov dva^iovxog löxTjxsioav dvÖQeg xal yvvalxsg fi^XQ 1 
yovaxa>v ovxoi öh ?joav ol öavsl^ovxeg xal dxaixovvxeg xoxovg 
xoxcdv). Sehr lehrreich ist es auch, dass nach einer Schilderung 
des Paradieses fortgefahren wird (v. 20): Xiyei tjfitv 6 xvqioq- 
ovxoq iaxiv 6 xojtog xeov dgxuQicov (äQxtQcov cod.) vfidiv xmv 
öixaimv av&Qconcov. Dieses „aQxteQe&v" weist auf eine sehr alte 
Zeit (vergL Didache 13, 3). 

Direkte geschichtliche Aufschlüsse über die Verhältnisse der 
ältesten Christenheit gewährt die Schrift nicht; aber sie ist sehr 
lehrreich, denn sie lässt unzweideutig erkennen, von welcher 
Kost sich die ältesten Christen auch genährt und welch' seltsame 
aber ernsthafte Phantasieen sie für „Offenbarungen Christi" aus- 
gegeben und heilig gehalten haben. 



Im Folgenden gebe ich eine Recension der Texte. Bou- 
riant hat sich begnügt, die Handschrift abzudrucken und eine 
französische Übersetzung beizugeben, in der jedoch einige Fehler 
der Handschrift bereits corrigirt sind. Die Verseintheilung stammt 
von mir. 

Das Bruchstück des Evangeliums des Petrus. 

(fol. l v ) T[d>v] öh y lovdaia>v ovöeig kvitpaxo xäg x&Q ^ °v& 
^HQayörjg ovo* elg xeov xqixwv avxov' xal [fty] ßovXrjfrivxoov 
vlipaö&ai ävtoxT] UeiXaxog^ 2 xal xoxe xeXevei 'HQmöqg 6 ßa- 
oiXevg xaQ[ajLr/fi]<pd'ijvai xov xvqlov djeeov avxolg, oxi ooa bei- 
5 Xevoa vfilv xoujoai avxtp noirjöaxe. 3 r\xei öh kxel y Icooi]<p 6 
tplXog IleiXdxov xal xov xvqiov xal elömg oxi öxavQloxeiv avxov 
ftdXXovöiv rjX&ev jcgog xov üeiXäxov xal jjxtjoe xo öäfia xov 

2 ovöeig — 2 xal [twv] ßovX. viy. 'AvtaiTj C, corr. Gebhardt, Ro- 
binson, ego firj reeepi cum Murray (cf. Origenem) — 3 IleiXdTrjg — 
4 ixEXevTjoa — 6 oxavQwacu Blase. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück des Evangeliums des Petrus. 9 

xvqIov XQoq raq>rjv. 4 xal o üecXarog jce/itpag xqoc 'Hqcqöijv 
tjxtjoev avxov xd ocofta, 5 xal 6 *HQcoöt}g e<p7)' dösXg>h IlEiXäxSj 
el xal (itj xig avxov Tflzrjxei, ypelg avxov k&djtxopLEV (ijtel xal 
odßßaxov inupciöxsi, yiyQcuixai ydg kv xcp vofico, tjXiov firj övvai 
kxl x£<povsv(iiv(p) jiqo fiiag xcov dgvftcov, xrjg koQxrjg avxcov. 5 

6 Ol öh Üaßovxeg xov xvqiov co&ovv avxov xQixovxsg xal 
EXsyov OvQWfiev xov vlov xov &sov igovöiav avxov loyrptoxig, 

7 xal jtogcpvQav avxov nsQdßaXXov xal kxd&iöav avxov £xl 
xa&eögav XQloecog Xiyovxeg' öixalcog xqZvb, ßaöiXsv xov ^IöQarjX. 

8 xal xig avxcov ivsyxcov (Sxicpavov dxdvO-ivov e&rpcEV ixl xtjg 10 
xscpaXTjg xov xvqIov. (fol. 2 r ) 9 xal %xeqoi höxcoxeg ivsxxvov 
avxov xalg otpEöi, xal aXXoi xdg Oiayovag avxov iQajcioav, %xeqoi 
xaXdficp iwooov avxov xal xiveg avxov i-f/doziCov Xiyovxeg' 
xavxy xf] xifif] hi/nqoafiev xov vlov xov &eov. 

10 Kai fjvsyxov ovo xaxovgyovg xoü koxavQcooav dvd fiiöov 15 
avxcov xov xvqiov, avxoq öh köicoxa cog firjöhv ndvov l%cav. 1 1 xal 
oxe coQd-coeav xov Oxovqov kxiyQafyaVy ort ovxog koxiv 6 ßaai- 
Xevg xov 'lOQarjX, 12 xal xe&eixoxeg xd ivövfiaza EfixQoöfrev 
avxov öi6(t£Qlöavxo xal Xaxfiov IßaXov kx avxotg. 13 elg öd 
xig xcov xaxovgycov ixelvcov cqvbIöiöev avxovg Xiycov Tjfielg 20 
öid xd xaxd a kjioirjOafiEv ovxco xejtov&afiev, ovxog öh Ocoxf/Q 
ysvofievog xcov dvd-Qo&jtwv xl tfölxrjOEV vpag; 14 xcu dyavaxxi}- 
oavxsg kn avxco ixiXevoav Iva (irj oxsXoxoütrj&q, oxcog ßaoavi£o- 
HEvog cbiofravy. 

15 Hv öh fieorjfißQla xal Oxoxog xaxioxs jtdoav xr\v 'Iovöaiav 25 
xcu kd-oQvßovvxo xcu r^ycovlcov fitjjioxE 6 ijXiog iöv, ijtsiörj exi 
iCfl' yiyganxai yaQ avxolg, rjXiov fiij övvai kxl xstpovEvfiivqi. 
16 xal xig avxcov (fol. 2 V ) eIkev xoxlcaxe avxov xoXrjv fiExd ogovg, 
xal xEQaöavxeg lüioxiCav. 17 xal ixXr/Qcooav ütdvxa xal ixeXelwöav 
xaxd xfjg x£<paXr\g avxcov xd dftaQxtffiaxa. 18 xeQitjQXOvxo öh 30 
xoXXol fiexd Xvxvcov voftl&vxsg oxi vv§ iöxiv , xal kjtiöavxo. 

3 sq. inel . . . 7ts<povev(i£v(f) uncis includere suasit Di eis — 7 evQw/uev, 
corr. Harri 8 (v. Justin) — 14 rt/urjoafiev — 16 iaiwndaag (triähv, corr. 
Gebhardt, Blass, Robinson, Hartel (fiTjdtval fjtrjötf) — 17 ort iwg- 
&<ooav, corr. Diels — 20 (ovstörjoev — 26 äno&dvoi, corr. Gebh. — 25 
fieae/xß^la — 26 i&OQOvßovvto — 26 yycovioav, corr. Blass — 26 Söve — 
29 yaQ om. — 30 ntQi&Q%ovTO — 31 xal om. — 31 iniaawo, contulit 
Diels diegenioavTO Polyaen. 4, 2, 14. 7, 48, hceaav re Robinson, £ve- 
n ioccxo (om. toxiv) Gebhardt, hcxcuoav Hoff mann. 



Digitized by 



Google 



10 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

19 xal 6 xvgiog dveßorjoe Xiymv ?] övvafdg (tov, t) övvafiig /nov 
xaxiXeitpdg (ie, xal eljtwv ävefo]<p&rj. 

20 Kai avxrjg xi/g c&gag öiegdyrj xo xaxajcexaöfia xov vaov 
x?jg ^IegovoaXr/fi elg ovo, 21 xal xoxe djtiöjcaoav xovg r\Xovg and 
5 xcäv x^Qwv T °v xvglov xal e&ijxav avxov em x7)g ytjg, xal 7) 
yfj jtaoa iödö&t] xal <poßog \iiyag lyivexo. 22 xoxe tjXiog eXa t utpe, 
xal evgtfr?} oiga evdxt], 23 l%aor]Gav de ol 'lovöaloi xal öeöoi- 
xaöi rqj y ]a>c?]<p ro ocfrfia avxov, Xva avxb #atp#, Ijceiö?) fteaöd- 
pevoc tjv 00a dya&d £xoh]öev. 24 Xaßrnv öe xov xvgiov eXovoe 

10 xal IvelXrjöe öivöovi xal elOTJyayev elg lötov xd<pov xaXovfievov 
xijjiov 'Icoorj<p. 25 xoxe ol 'lovöatoi xal 01 jcgeoßvxegot xal 01 
legelg löovxeg olov (fol. 3 r ) xaxov iavxotg ejtohjoav, 7/ggavxo 
xojzxeö&ai xal Xiyeiv oval xalg d t uagxiaig ?]/*alv, rjyyiOEV 7) 
xoiöig xal xo xtXog ^legovoaPJjp. 

15 26 J Eya) 6e fiexd xcov exalga>v fiov eXvjtov/njv xal xexgco- 

fievoi xaxd ötdvoiav ixovßofie&a' i^Tjxov/ned-a ydg vjt avxoiv 
cog xaxovgyoi xal a>g xov vaov &eXovxeg if/xorjoai. 27 ejcl de 
xovxocg jtäoiv ivrjoxevo/iev xal bca&e^Ofie&a jtev&ovvxeg xal 
xXalovxeg vvxxdg xal miigag ewg xov Oaßßdxov. 

20 28 Uvvax&ivxeg öe ol ygaftfiaxeig xal <pagioatoi xal ngeö- 

ßvxegoi JtQog dXX?]Xovg dxovoavxeg, ort 6 Xaog ajcag yoyyv^et 
xal xojtxexai xd öxrj&i? Xeyovxeg 1 6x1 el xcp ftavdxcp avxov 
xavxa xd fiiycöxa a^fiela yeyovev, ltdexe ojtooov öixatog koxiv, 
29 t<poßtj{h]Oav ol jtgeoßvxegoi xal 7]X&ov jtgog TleiXdxov öeo- 

25 \ievoi avxov xal Xeyovxeg' 30 Jtaodöog rjfttv Oxgaxiolxag Iva 
<pvXd§a}(iev xd fcvijfia avxov Ijtl xgelg 7)[i{egag\ (it)jioxe kX&ov- 
xeg (fol. 3 V ) ol fiafrtjxal avxov xXtipcooiv avxov, xal vjcoXdßu 
6 Xaog oxi ex vexgdiv dveoxt], xal jcoir/öcooiv r\ylv xaxd. 31 o 
öe üeiXaxog jcagaöeöoxev avxolg üexgcoviov xov xevxvgimva 

30 fiexd oxQaxKDxeov tpvXdcoeiv xov xdtpov, xal ovv avxolg ?]X&ov 
jtgeoßvxegoi xal ygafiftaxelg exl xo ftvijfia, 32 xal xvXtoavxeg 
Xifrov fieyav ftexd xov xevxvglmvog xal xSv öxgaxiwxcov dfiot 
jtdvxeg ol ovxeg ixet e&?]xav km xij frvga xov itvr'jfdaxog 33 xal 
ejcixgiOav txxd 6<pgayldag xal oxr\vi]v kxel nfj^avxeg l(pvXa§av. 

1 (jlov sec. om. — 3 avzog sine zfjg — 6 iyeio&tj — 7 e vQy&rj — 10 
ei?.Tjoe f corr. Gebhardt, Blass — 18 ivrjoztvofxev, corr. Gebhardt, alii 
— 20 evvax&ivzeq — 23 oxi nooov, corr. Di eis — 26 <pvlä£ü> — 31 Fort. 
ol TtQeoßvxeQoi — 32 xaxd, ego fisra — 32 bfiol, b/jtol conservare suasit 
Usener — 34 inixQeioav. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück des Evangeliums des Petrus. \{ 

34 xgcoiag de ijtupcoöxovzog xov oaßßdxov tjX&ev oxXog djio legov- 
oakijfi xal xi/g jiegtx<6gov, iva ldo*Gi xo fivTjf/etov ioipgayiOfievov. 
35 Ty de vvxxl ?j ixtqxoöxtv ?) xvgiaxrj <pvXaoö6vxa)v xcov 
oxgaxicox&v dvd dvo dvo xaxd (pgovgdv fieydXt] <pcov?) kyevexo 
Iv xro ovQava), 3(5 xal eldov dvoiyßevxag xovg ovgavovg xal 5 
dvo dvdgag (fol. 4 r ) xaxeXfrovzag ixetfrev jioXv (piyyog exovxag 
xal lyyioavxag x<p xa<pcp. 37 6 de XLtiog exelvog 6 ßeßXr/fievog 
im zf] (hvga dtp tavxov xvXio&elg äjtexmQfjOe jtagd (idgog, xal 

6 zarpog r\volyr\ xal dpupoxegoi ol veavlöxoi elotjX&ov. 38 Idov- 
xeg ovv ol öxgaxicoxat exelvoi e§vjcvioav xov xevxvgicova xal 10 
xovg jtgeößvxegovg — xagijoav ydg xal avxol tpvXdööovxeg — 
39 xal h^rjyovfiivayv atxcüv d döov xdXiv ogäiöiv i^eXd-ovxag 
djto xov xdtpov xgeTg dvdgag, xal xovg ovo xov iva vxog&ovv- 
xag xal oxavgov dxoXov&ovvza avxolg, 40 xal xwv fiev ovo xtjv 
xeq>aXr\v x^QOVöav ftexgi T °v ovgavov, xov de x^Q^^yov/iivov 15 
vn avxdiv vjtegßatvovoav xovg ovgavovg, 41 xal (patvrjg rjxovov 
Ix xcov ovgavcov Xeyovorjg- ixtjgv^ag xolg xoifiwfiivotg; 42 xal 
tjtaxo?) fjxovexo djco xov oxavgov, oxi val. 43 öweöxijtxovxo 
ovv aXXtjXoig exelvoi düieXftelv (foL 4 V ) xal kvtpavltiai xavxa xm 
IleiXdxq). 44 xal exi diavoovfdivcov avxalv paivovxai jtdXiv 20 
dvoix&ivxeg ol ovgavol xal dv&gwxog xig xazeX&ojv xal eioeX- 
&a)v elg xo fivfjfia. 45 xavxa Idovxeg ol Jtegl xov xevxvgicova 
wxxog eojcevoav jcgog DeiXdxov dtpevxeg xov xd<pov ov itpvXao- 
öov xal e§7]yrjGavxo Jtdvxa djteg eldov dyatviwvxeg ßeydXoog 
xal Xeyovxeg' aXtfrüg vlog rjv &eov. 46 dxoxgi&elg 6 üeiXaxog 25 
etpr\' iyco xa&agevm xov atfiaxog xov vlov xov &eov, vfilv de 
xovxo edo^ev. AI elxa jtgoöeX&ovxeg jtdvxeg ediovxo avxov xal 
xagexdXovv xeXevöai xcp xevxvgiovi xal xolg öxgaxicoxaig [irjdev 
eljtelv d eldov 48 övtitpigei ydg y <paoiv, fj}ilv 6<pXtjoai fieyloxrjv 
dfiagxiav efingoofrev xov &eov xal fit] IfdJteoefv elg x e ?Q a S T °v 30 

4 ovo sec. fort, expung. — 5 dvoiz&svzeq — G ixtt&e, corr. Gebh. — 

7 i7ilaavzag t corr. Di eis — 7 ?.el&og — 8 inex(t>(W06, corr. Gebhardt, 
Blass — 9 ivolyr\ — 11 xal avxol ego, xal av ol C — 12 sq. ogaoiv i£e/.- 
Oovrog . . . avöotq — 15 sq. xov 6s X^Q a Tl P tovfiivovy corr. Lods, Ro- 
binson, Schenkl — 16 <po>vi\ — 17 xoivajfxtvoig xal imaxoy fjxovsto . xivai, 
quaestionem etresponsionemintellexerunt Blass, Hartel, Burkitt, scribunt 
vnaxorj vel vnaxoy, post xot/uw/nivoig interpung.; vnaxoqv, ante xal pos., vult 
Preuschen (I Pet. 3, 19 f. : xal xolg iv (pvkaxy nvBVfiaoinoQevBelgixriQv- 
£sv f d7iei&ifoaoiv noxe) — 21 xartl&ov — 24 dnaviäivxeg, corr.Diels — 
26 tifiiv — 27 sq xaineo ixd).ovv. — 29 dtv eiöov Blass. 



Digitized by 



Google 



12 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Xaov xmv %v6alcov xal Xi&aö&fjvai. 49 exeXevoev ovv 6 Hei- 
Xdxog xcp xbvxvqIo)v[i] xal xolg oxQaxioixaig fifjöev eljtelv. 

50 "Oq&qov öe xrjg xvQiaxrjg MaQidfi tj MayöaXTjvt} fia&t/xQia 
xov xvglov (fpoßovfiivrj öid xovg 'lovöaiovg, ejteiör} eq>Xeyovxo 
5 (fol. 5 r ) vjto xt/g ogytjg, ovx Inoirßev exl xcp fivtjfiaxi xov 
xvqIov a elcifreöav jtoielv al yvvalxeg enl xolg djro&vrjöxovöi 
xal xolg dyajccofievoig avxalg) 51 Xaßovöa fie& tavxtjg rag 
tpiXag fjX&e sjtl xo fivrjfielov ojtov ?]v xefreig, 52 xal etpoßovvxo 
{/?} löwoiv avxdg ol 'Iovöatoi xal eXeyov el xal fifj ev exeivij rrj 

10 Vfttya V eoravQai&Tj eövvtj&Tjfiev xXavaai xal xoipaöfrai, xav vvv 
kjtl rov ftviffiaxog avxov xoi?')0(Ofiev xavxa. 53 xlg de djtoxv- 
Xiöu rjplv xal xov Xi&ov xov xe&tvxa ijtl xf\g &vQag xov fiv?j- 
fielov, iva eloeX&ovöai xaQaxa&eöfrmftev avxrp xal jtoirjOcottev 
xa otpeiXofteva , 54 fityag ydg ?'jv o Xi&og, xal <poßovfie&a, ftrj 

15 xig fj[iäg lö?y xal el fit} övvdfiefra, xav eJtl xijg &vQac ßdXcofiev 
a <ptQO{iev elg fivrjfioovvrjv avxov, xXavöofiev xal xotpoftefra tcog 
eX&cofiev dg xov olxov tjftwv. 55 xal dxeX&ovoai bvqov xov 
xdq>ov ^vemyfiivov xal xQooeX&ovöai xagfavipav hxel xal oqwöiv 
ixet xivd veavloxov xa&eCoftevov ev fiiöcp rov xatpov cöqoIov 

20 xal jteQißeßXrjfiivov (fol. 5 V ) oxoXijv XafiJtQoxdxtjv , ooxig !#>*/ 
avxalg' 56 xl ijXVaxe; xiva Crjxelxe; fit} xov oxavQca&ivxa hxel- 
vov\ avioxi) xal dxrjX&ev e l öe fitj xioxevexe, xaQoxwpaxe xal 
löaxe xov xönov ev&a exeixo, oxi ovx eoxiv, avsoxi? ydg xal 
djtijX&ev ixet o&ev djieoxdXr}. 57 xoxe al yvvalxeg (poßrftelöai 

25 etpvyov 58 i]v öe xeXsvxaia r\fi&Qa xwv dtpfiaw, xal üioXXoi xiveg 
l^fjQXOVxo vjtoöxQtrpovxeg eig xovg olxovg avxaZv xrjg eoQXt/g 
aavcafiivrig. 59 fjfielg de ol öciöexa fia&rjxal xov xvglov ixXal- 
ofiev xal iXvjcovfied-a xal ixaöxog Xvxovfievog öid xo övftßdv 
djcTjXXdyrj elg xov olxov avxov. 60 £y<n de 2lfia>v IlexQog xal 

dOkvöge'ag 6 döeXyog fiov Xaßovxeg rffimv xa Xiva djtrjXfrafiev 
elg xtjv ftdXaooav, xal r\v ovv fjftlv Aevelg o xov 'AX<paiov ov 
xvQiog . . . 

Von den Juden aber wusch sich keiner die Hände, noch 



3 'Oq&ov — 3 MayÖaXivri, fort. add. ^ — 4 (poßovpivtj — avtalq 
[v. 7) uncia includere suasit Preuschen, rov noifjaai Usener — 7 xal 
omittere suasit MFränkel — 7 avrotg — 10 xöipea&cu — 10 xal vvv, corr. 
Blass — 16 Fort, xal xlavacDfxsv xal xoxptofxe^a — 19 iv add. Gebh. — 
22 mattierai — 24 yoßri&üq — 32 Fort 6 xvQioq. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück des Evangeliums des Petrus. 13 

Herodes noch einer seiner Richter; und da sie sich nicht waschen 
wollten, erhob sich Pilatus, 2 und da befiehlt Herodes der König, 
den Herrn zu ergreifen, indem er zu ihnen (den Soldaten?) sprach: 
„Was ich euch befohlen habe, dass ihr ihm thun sollt, das thut." 

3 Es war aber daselbst Joseph, der Freund des Pilatus und des 
Herrn, und da er erfuhr, dass sie ihn kreuzigen würden, trat er 
vor Pilatus und bat um den Leib des Herrn zum Begräbniss. 

4 Und Pilatus sandte zu Herodes und bat um seinen (Jesu) Leich- 
nam, 5 und Herodes sagte: „Bruder Pilatus, auch wenn Niemand 
um ihn (Jesus) gebeten hätte, würden wir ihn begraben — da 
ja [auch] der Sabbat herannaht; denn es steht geschrieben in dem 
Gesetz, die Sonne solle nicht untergehen über einem Qetödteten — 
vor dem ersten Tag der ,Ungesäuerten* (d. h.) ihres Festes". 6 Sie 
aber ergriffen den Herrn und stiessen ihn im Laufen und sprachen: 
„Lasset uns den Sohn Gottes zerren (verhöhnen), nachdem wir Ge- 
walt über ihn bekommen haben", 7 und sie legten ihm einen Pur- 
purmantel an und setzten ihn auf den Richtstuhl und sprachen: 
„Richte gerecht, König von Israel*, 8 und Einer von ihnen brachte 
eine Dornenkrone und setzte sie auf das Haupt des Herrn, 9 und 
Andere, die dabei standen, spieen ihm ins Gesicht und Andere 
schlugen ihn auf die Backen, Andere stiessen ihn mit einem Rohr 
und Einige geisselten ihn und sprachen: „Also haben wir den 
Sohn Gottes geehrt". 10 Und sie brachten zwei Missethäter und 
kreuzigten in ihrer Mitte den Herrn; er aber verharrte in Schweigen, 
wie wenn er schlechterdings keinen Schmerz empfände. 11 Und 
als sie das Kreuz aufgerichtet hatten, schrieben sie darauf: , Dieser 
ist der König von Israel". 12 Und sie legten die Kleider vor ihn 
hin und vertheilten sie und warfen das Loos über sie. 13 Einer 
aber von jenen Missethätern schalt sie und sprach: „Wir haben 
dies der Übelthaten wegen, die wir gethan haben, erlitten; dieser 
aber, der der Heiland der Menschen geworden ist, was hat er 
euch Böses gethan?" 14 Und sie wurden zornig über ihn und 
befahlen, dass ihm nicht die Beine gebrochen würden, damit er 
unter Qualen sterbe. 15 Es war aber Mittag, und eine Finster- 
niss bedeckte ganz Judäa, und sie wurden unruhig und äng- 
stigten sich, die Sonne sei untergegangen, da er noch lebte; 
denn es steht geschrieben für sie, dass die Sonne nicht unter- 
gehen solle über einem Getödteten. 16 Und Einer von ihnen 
sprach: „Gebt ihm Galle mit Essig zu trinken*, und sie mischten 



Digitized by 



Google 



14 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

es und tränkten ihn. 17 Und sie erfüllten Alles und vollendeten 
die Sünden auf ihr Haupt. 18 Viele aber gingen umher mit 
Fackeln, meinend, dass es Nacht sei, und fielen hin. 19 Und der 
Herr schrie laut und sprach: „ Meine Kraft, meine Kraft, du hast 
mich verlassen* und als er das gesagt, wurde er aufgenommen. 
20 Und in derselben Stunde zerriss der Vorhang des Tempels von 
Jerusalem in zwei Stücke, 21 und da zogen sie die Nägel aus 
den Händen des Herrn und legten ihn auf die Erde, und die 
ganze Erde erbebte, und es entstand grosse Furcht. 22 Da schien 
die Sonne (wieder), und es fand sich, dass es die neunte Stunde 
war; 23 die Juden aber freuten sich und gaben dem Joseph seinen 
(Jesu) Leichnam, auf dass er ihn bestatte, da er all das Gute 
geschaut hatte, was er (Jesus) gethan hatte. 24 Er aber nahm 
den Herrn und wusch ihn und umwand ihn mit Linnen und 
brachte ihn in sein eigenes Grab, das „Joseph's Garten" hiess. 
25 Da sahen die Juden und die Ältesten und die Priester, welches 
Übel sie sich selber zugefügt, und fingen an sich an die Brust 
zu schlagen und zu sprechen: .Wehe über unsere Sünden; es 
naht sich das Gericht und das Ende Jerusalems.* 26 Ich aber 
mit meinen Genossen trauerte, und, im Gemüthe durchbohrt, 
versteckten wir uns; denn wir wurden von ihnen gesucht wie 
Missethäter und als solche, die den Tempel anzünden wollten. 
27 Über dem Allen fasteten wir und sassen trauernd und weinend 
Nacht und Tag bis zum Sabbat. 

28 Es versammelten sich aber die Schriftgelehrten und Phari- 
säer und Altesten mit einander, und da sie hörten, dass das ganze 
Volk murrte und sich an die Brust schlug und sprach: ,Wenn 
durch seinen Tod diese grössten Zeichen geschehen sind, so sehet, 
welch* ein Gerechter er ist!* — 29 da fürchteten sich die Altesten 
und kamen zu Pilatus und baten ihn und sprachen: 30 „Gieb uns 
Soldaten, auf dass wir sein Grab bewachen drei Tage lang, damit 
nicht etwa seine Jünger kommen und ihn stehlen, und das Volk 
glaube, er sei von den Todten auferstanden, und uns Übles zu- 
füge 41 . 31 Pilatus aber übergab ihnen den Centurio Petronius 
sammt Soldaten, das Grab zu bewachen; und mit ihnen kamen 
Alteste und Schriftgelehrte zum Grabe, 32 und sie wälzten einen 
grossen Stein mit dem Centurio und den Soldaten und setzten ihn 
alle zusammen, die dort anwesend waren, an die Thür des Grabes 
33 und sie legten sieben Siegel an , und nachdem sie daselbst ein 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück des Evangeliums des Petrus. 15 

Zelt aufgeschlagen, bewachten sie (das Grab). 34 Frühe aber, als 
der Sabbat anbrach, kam Volk von Jerusalem und der Umgegend, 
damit sie das versiegelte Grab sähen. 35 In der Nacht aber, die 
mit dem Anbruch des Herrntags endete, während die Soldaten je 
zwei und zwei auf dem Posten Wache hielten, erscholl eine grosse 
Stimme am Himmel, 36 und sie sahen die Himmel geöffnet und 
zwei Männer von dort herabkommen in strahlendem Lichtglanz 
und dem Grabe sich nähern. 37 Jener Stein aber, der an die Thür 
gestellt war, wälzte sich von selbst fort und wich zur Seite, 
und das Grab öffnete sich, und die beiden Jünglinge traten ein. 
38 Als das nun jene Soldaten sahen, weckten sie den Centurio 
und die Altesten — denn auch sie (die Ältesten) waren als Wächter 
anwesend — , 39 und indem sie erzählen, was sie gesehen hatten, 
sehen sie wiederum drei Männer aus dem Grabe hervorschreiten und 
die Zwei den Einen stützen und ein Kreuz ihnen folgen, 40 und 
die Häupter der Zwei bis zum Himmel reichend, das Haupt des von 
ihnen Geführten aber die Himmel tiberragend, 41 und sie hörten 
eine Stimme aus den Himmeln, die sprach: „Hast du den Schlafen- 
den verkündigt?" 42 Und gehört wurde vom Kreuze her als Ant- 
wort: „Ja". 43 Es erwogen nun Jene mit einander, ob sie weg- 
gehen und es dem Pilatus anzeigen sollten, 44 und während sie sich 
noch besannen, erschienen die Himmel wieder geöffnet und ein Mann 
herabkoramend und in das Grab hineingehend. 45 Als das der 
Centurio und seine Leute sahen, eilten sie Nachts zu Pilatus, das 
Grab verlassend, das sie bewachten , und erzählten alles, was sie 
gesehen hatten, in grosser Angst und sprachen: „in Wahrheit 
war er Gottes Sohn". 46 Pilatus antwortete und sprach: „Ich 
bin rein von dem Blut des Sohnes Gottes; euch hat es so beliebt." 
47 Da traten sie alle zu ihm und baten ihn und redeten ihm zu, 
dem Centurio und den Soldaten zu befehlen, nichts zu sagen, 
was sie gesehen hatten. 48 „Denn es ist uns besser", sagten sie, 
„die grösste Sünde vor Gott auf uns zu laden, als dass wir in 
die Hände des Volks der Juden fallen und gesteinigt werden." 
49 Es befahl nun Pilatus dem Centurio und den Soldaten, nichts 
zu sagen. 50 Am Morgen aber des Herrn tages nahm Maria 
Magdalena, die Schülerin des Herrn (aus Furcht vor den Juden, da 
sie vor Zorn brannten, hatte sie am Grabe des Herrn das nicht 
gethan, was die Weiber gewöhnlich an den Verstorbenen thun 
(und) an den von ihnen Geliebten) 51 ihre Freundinnen mit sich 



Digitized by 



Google 



15 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

und kam zum Grabe, wo er gelegt war, 52 und sie fürchteten 
sich, dass die Juden sie sähen, und sprachen: „Wenn wir auch 
nicht an jenem Tage, an dem er gekreuzigt worden ist, weinen 
und klagen konnten, so wollen wir es wenigstens jetzt an seinem 
Grabe thun. 53 Wer aber wird uns (auch) den Stein abwälzen, der 
an die Thür des Grabes gelegt worden ist, damit wir hineingehen 
und uns zu ihm setzen und das Schuldige thun; 54 denn gross war 
der Stein, und wir furchten, dass Jemand uns sähe. Und wenn wir 
es nicht können, lasset uns wenigstens das vor die Thüre nieder- 
legen, was wir zu seinem Gedächtniss bringen, und lasset uns weinen 
und klagen, bis wir (wieder) in unser Haus kommen.* 55 Und sie 
gingen davon und fanden das Grab geöffnet, und sie traten hinzu 
und bückten sich hinein und sehen daselbst einen Jüngling 
mitten im Grabe sitzen, schön und angethan mit einem leuchten- 
den Kleide, der sprach zu ihnen: 56 »Warum seid ihr gekommen? 
wen sucht ihr? doch nicht jenen Gekreuzigten? er ist auferstanden 
und weggegangen. Wenn ihr's aber nicht glaubt, bückt euch 
hinein und seht den Ort, wo er lag, dass er nicht da ist; denn er 
ist auferstanden und ist dorthin gegangen, woher er gesandt war.* 
57 Da fürchteten sich die Weiber und flohen. 58 Es war aber 
der letzte Tag der Ungesäuerten und gar Viele zogen fort, um 
zurück zu kehren zu ihren Häusern (in ihre Heimath), da das 
Fest zu Ende war. 59 Wir, die zwölf Jünger des Herrn, aber 
weinten und trauerten, und ein Jeder ging, trauernd wegen des 
Geschehenen, in seine Heimath. 60 Ich aber, Simon Petrus, und 
Andreas, mein Bruder, nahmen unsere Netze und gingen zum 
Meere, und es war mit uns Levi, der Sohn des Alphäus, den der 
Herr 



Das Bruchstück der Apokalypse des Petrus. 

(fol. 10 r ) IIoXXol ig avrcöv loovxai ipevdojiQOtpJJTai xal 

oöovg xal öoyfiara jtoixlXa rtjg djtcoXelag didägovoiv. 2 ixelvoi 

öh vlol rijs djimZeiaq yev?jOovrai f 3 xal tote ikevöerai 6 &eoq 

im rovg Jtioxovg ftov rovg üiuvmvxag xal öitpmvrag xal &li- 

5 ßofddvovg xal iv rovrco rm ßlcp rag ipvxag eavrmv doxifta^ov- 

2 noixtkol — 2 öiödgwoiv — 3 dnoXeiaq — 4 xov maxovq — 4 mvwvtaq. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück der Apokalypse des Petrus. 17 

rag xal xqivsI xovg vtovg xijg dvofilag. 4 xal xQOö&elg 6 
xvQiog B<f>7}' aycofiev elg xo OQog, evgoifie&a. 5 äxBQXOfisvoi öh 
per avxov rjfietg ol öciösxa (lafrrjxal idsrjfrrjfisv, ojkdq öeigy i^lv 
%va xalv döeXtpdiv tjficov rcöv öixaicov xmv egsX&ovxaiv djio xov 
xoofiov, Iva läatftev noxcutol slai xrjv (ioQ<pt)v xal fraQö?'jöavxeg r> 
xaQa&aQOvvmutv xal xovg dxovovxag fj(iwv dv&Qcixovq. 6 xal 
ev%o[i£va)V rj(ialv a[tpva>) <p\aiv\ovxai ovo avÖQeg eoxdixeg ifi- 
xqoö&sv xov xvqIov jtQog s . . . . ovx e&vvrj&Tjfisp dvxißXitpai, 
7 igrjoxexo yaQ and xijg [6]tpsa)g avxalv dxxlv wg r)Xlov xal 
fpwxtivov i\v av[xwv xo] svdvfia onolov ovöijtoxs 6<pfraX(i6g io 
avfrQmji[ov etöev ov yd\Q oxofta övvaxai £t-r]yt]Oaö&ai rj xaQ[dla 
yvdiva}i xrjv 66§av r/v kveöiövvxo xal xo xdX[Xog . . xrjg 
o]tp£cog (fol. 9 V ) avxalv, 8 ovg löovxeg £&a(4ßcofrt](i£V' xä fisv 
yaQ owftaxa avxalv t)v XevxoxeQa jtaorjg yiovog xal iQv&QoxsQa 
jtavxog qoöov 9 owexixQaxo dl xo £qv&qov avxdiv reo Xsvxdii 15 
xal djtXalg ov övva/tai &gf)yr}Oao&ai xo xdXXog avxalv • 10 i} 
X£ yaQ xofdTj avxdiv ovXrj r\v xal dvdyQa xal sjtiJtQijtovöa 
avxdiv xä xs JtQOöoixcp xal xolg ä(iotg coöxeQel ox£q>avog 
Ix vaQÖooxaxvog xexXeyfidvog xal JioixlXmv dv&div i) cooxsq 
iQig ev (x£qc xoiavxrj r\v avxalv rj svxQexna. 11 löovxeg ovv 20 
avxalv xo xdXXog ex&afißot yeyova/nsv Jtgog avxovg y kneiör) 
a<pvm iq>ävrfiav. 12 xal jtQoöeX&o>v xal xvqLco elxov xlveg 
elolv ovxoi] 13 Xiyu ftor ovxoi elöiv ol döeXg>ol vfialv ol 
öhcacoi, wv tf&sXtjöaxe xäg (iOQ<pdg löslv. 14 xaya) i<pt)v avxtp' 
xal xov eloi xdvxsg ol ölxaioi r} jtolog iöziv 6 alwv, £v <p 25 
etat xavxrjv sxovxeg xtjv öogav; 15 xal 6 xvQiog söeigd fioi 
fiiyiöxov %o!qov ixxog xovxov xov xoöfiov vjtiQXafutQOV xal 
<pcoxl, xal xov atQa xov ixel dxxloiv qXlov xaxaXafMiOftevov 
(foL 9 r ), xal xrjv yr\v avx?)v äv&ovoav dfiOQavxoig av&eoi 
xal aQWfidxcov jcXtjqt] xal yvxalv evav&div xal dtpd-dgxwv xal 30 
xaQjtov svXoytjfiivov tpeQovxcov. 16 xooovxov öh r)v xo dvd-og 
cog xal h<p* rj^ag txel&ev <ptQ6ö&ai. 17 ol de olx?)xoQeg xov 



2 oQovq — 2 tv&fJie&a — 2 ansQXOixevos — 4 tc5v sec. om. — 
8 rtQoq ?[q> olg] Usener, James — 10 gxüztvbv — 11 fj, corr. Usener, 
Fränkel, alii — 12 dveäeövvro, usener: dveöiSsvzo — 12 xaXa> ... — 
13 i&aftßföTipsv'} — 14 XevxoxtQov, cf. vers. 21 — 15 z<5v Xevxöv — 
17 xal prim. ego, xav C — 17 dv&epa — 18 äoneQ elg, corr. Blass, 
James — 19 vagSvazdyyog — 19 nsnXevfxhoq — 20 Toiavrrjv — 23 r\nwv 
— 32 atq oa/iTjv vult Usener — 32 ol öiotxijroQeg. 

Texte u. üntersuchnngen IX, 2. 2. Aufl. 2 



Digitized by 



Google 



18 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

rojtov ixsivov iv6e6vutvoi tjöav ev6i\ua dyyeXov tpoxeivov. 
xal ouoiov i\v xo ev6vpa avxov xrj X°^Q? ftv*oZv. 18 ayyeXoi 
6h jzeoiexoexov avxovq hxetöe. 19 loi) 6h i\v rj 66$a xov ixet 
oixfjTOQWv, xal uia povjj xov xvqlov d-eov avxevtpijuow ev- 
5 cpoaivouevoi iv ixelvo xo xojto. 20 Xiyei tjutv 6 xvQtoq' ovxoq 
iöxiv 6 xojtoq xov ccQXiSQtcov vuov xov 6ixalov av&odjtov. 
21 Eldov 6h xcu i'xeoov xotcov xaxavxixovq ixelvov avxßff- 
qov, xal r\v xoxoq xoXaöeoq, xal ol xoXa^ouevoi ixet xal ol xoXa- 
£ovxeq ayyeXoi öxoxeivov slxov avxov xo ev6vua xaxd xov aioa 

10 xov xoxov. 22 xal xiveq tjöav ixsl bc xi k q yXooor/q xQSfiduevot, 
ovxoi 6h TjCav ol ßXaoq)Tjuovvxeq xrjv o66v xrjq dixaioovvrjq xcu 
vnixeixo avxotq jzvq cpXeyouevov xal xoXa^ov avxovq. 23 xal 
Xluvtj xiq ?/v ueyaXtj jiejtXrjQouivi) (fol. 8 V ) ßooßooov (pXtyo<i£vov, 
iv o r/oav av&oonol xiveq ajtoöxoi<povxec xi]v öixaioövvtjv xcu 

15 iütixeivxo avxotq ayyeXoi ßaöavioxai 24 ifiav 6h xal aXXoi,yvvat- 
xsq xov jtXoxduov ifyoxrjuivai dvox^QO xov ßooßooov ixelvov 
xov avcaacpXdC.ovxoq, avx\ai] 6h qoav al xoog [joixeiav xoöutj- 
ftetöai, ol 6h ov(iui\av&evxeg\ avxov xo uidouaxi xi]q uoixelaq 
ix xov jto6dtv [ava)x[Qeuduevoi\ xdq xecpaXag slxov iv xoi 

20 fioQß6o[o ixüvor xal) eXeyov ovx ijtloxevov iveXevoeo&ai dg 
xovxov xov xojcov. 25 xal xovq epovetq IßXexov xal xovq ow- 
ti66xaq avxotq ßeßXfjuevovg iv xivi xojio xed-Xiuuevo xal 
jtejrXrjQouevo eoütexov jtovqoov xal ütXrfiOouevovq vjio xov 
&tjqIov ixelvov xal ovxco öxoetyouevovg ixet iv xjj xoXdoei 

25 ixüvi], iicixeivxo 6h avxotq öxwXtjxeg ooxeg veg>iXai oxoxovq, 
al 6h tpvxal xov jitcpovevutvov toxooai xcu itpoooZöai xt)v 
xoXaöiv ixelvov xov epoviov eXeyov 6 &eoq, 6ixala oov ?) 
xolöiq. 26 JtXrjolov 6e xov xoücov ixeivov el6ov ixeoov xonov 
(fol. 8 r ) xed-Xifiuavov, iv o 6 Ixoq xal ?} 6voo6la xov xoXa^o- 

30 uivov xaxiooee xal oöjteo XIuvtj iylvexo ixet, xdxei ixdO-tjvxo 
yvvatxeq r/ovöai xov IxoQa uexQi xov xoaxrjXov xal avzixovq 

1 ivöedv/iivog — 1 tpwzivwv — 4 xov xvgtov &eov dve\Hprjfiow t corr. 
Preuschen. — ü ciQXbQwv C, aQx r iy < *> v Lods, von Schubert — 7 hxul- 
qov xontov — 7 8q. aixfiijQovttüv C, av/f/rj^div xivo>v Diels, avx/irjQOv 
epo. avxfxrjgov ovra Gebhardt, avzfitjQov ndw James, av/fATjgötcrtov 
Blas s — 8 8q. oxoXa^ovxeq — 9 axoxivov üyov avxäv ivdedvfitva, corr. 
Blass, James — 17 al ego, ?/v C — 18 ovpftKxv&ivxes Blass — 18 ^a- 
Xtctg — 20 ivelevoe&at C, ÜTiioxevofxev £?.tvoeo&at Preuschen — 21 sq. 
ovveiaoxag C, oweidoxag Diels — 22 avxovq — 24 ovxtoq XQe<pouhovq^ 
corr. Gebhardt — 24 xokd&i — 25 axo^xeg — 29 cJ o ego, o C. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück der Apokalypse des Petrus. 19 

avxcüv xoXXol Jtaldeg, o[t avxal)g a[p]mooi ixixxopxo, xa&rjfie- 
voi hcXaiov' xal jiqot/qxopxo Ig av[x<op dxxiv)eg jtvQog xal 
zag ywalxag bjcXtjooop xaxa xa>v oty&aXfiaip. avxai de ijaav cd 
doa[lai al ovXXaßo]vöai xal Ixxowoaöai. 27 xal i'xeQoi [dpdoeg] 
xcu yvvatxeg <pXey6(iepoi ?joav ptxyi xov ijpioovg avxojv xal 5 
ßeßXrj t uivoi iv xonq> oxoxeivw xal fiaoxi^ofdevoi vxo xvsvfidxcw 
xovtjqwv xal iö&ioftevoi xä CJtXdyxva vjio öxoXtjxwv axotfirj- 
xctrv, ovxoi de ijcav ol dic&gavxeg xovg öixalovg xal JtaQadov- 
xeg avxovg. 28 xal nXrfiiop ixelvcov ndXiv yvvaixeg xal dvdoeg 
ptaacifdevoi avxwv xä yelXj] xal xoXa^dfievoi xal jtejzvQa>(tivov 10 
öiörjQov xaxa xc5v ocp&aZumv Xafißdvovxeg, ovxoi de tjoav ol 
ßXa0g)T](jTioapxeg xal xaxcog eljtopxeg xr\v bdop xijg (fol. V) 
dixaioovvijg. 29 xal xaxavxixQv xovxcov aXXoi ndXiv avdoeg 
xal yvvatxeg xäg yXciooag avxSv fiaorifdevoi xal xvq tpXeyb- 
pievov exovxBg iv xal öxopaxi, ovxoi de r)öav ol tyevdottdoxvQeg. 15 
30 xal iv kxiocp xivl xojtco xdXixeg ?)oav o^vxeqoi §tq>a>v xal 
jravxog oßeXloxov, xexvQWfte'voi, xal yvvaixeg xal avÖQeg ^dxtj 
qvxoqo. ivdedvfievoi ixvXlovxo ix avxwv xoXa^ofievoiy ovxoi de 
Tjoav ol JtXovxovvxeg xal xco xXovxcp avxcov jtexoifroxeg xal 
fj?) iXe?)oavxeg OQipavovg xal X 7 'lQ a $ ^^ df4eXfJ6avxeg xijg kvxo- 20 
Xijg xov &eov. 31 iv dl exiQa Xlfivtj fieydXtj xal xEJtXTjoayftivy 
xvov xal aifiaxog xal ßoQßooov dvaCiovxog lorrjxeioav avdoeg 
xal yvvaixeg (teXQ 1 yovdxaiv, ovxoi de yoap ol davei^ovxeg xal 
djtaixovvxeg xoxovg xbxov. 32 aXXoi avdoeg xal yvvaixeg djto 
XQi}(iPov fieyaXov xaxaoxQetpoftevoi ijqxovxo xdxoj xal ndXiv 25 
?}Xavvovxo vjio xmv ijtixeifiivwv dvaßijvai ära> (fol. 7 V ) ijtl 
xov xQfjfirov xal xaxeoxqiq>ovxo ixet&ev xdxco xal qovxlav 
ovx etyop djto xavxrig xijg xoXdötcoQ, ovxoi de ifiav ol fiidvav- 
xeg xd odfiaxa tavxmv wg yvvatxeg dpaöXQeyp^iievoi , al de 
ftex* avxojp yvpalxeg avxai ?joav al ovyxoiftrjftelöai dXXtjXaig 30 



1 0*1 uvratg arcogoi Diels — 2 dxrlvfg Di eis — 3 Clem. Alex,, 
Eclog. propb. 41: Aib xal IlixQoq iv xy iinoxakvipu <pr\ai xal dargaiiii 
niQÖg TiTjötooa dno xwv ßgafwv ixeivwv xal nltjooovoa xovg d<p&a?.juovg 
rwv yvvaixiüv — 4 aQa[noQvat avllaßo\voat Usener, al ante dpatat 
immisi — 6 oxoxtvy — 7 oxwlrixwv s. Jes. 66, 24; Marc. 9, 44. Apoc. 
Esdr. Christ. (Tischendorf, Apocal. apocr. p. 26): xov oxwXtjxa xov 
dxolfiTjxov — 8 7taoa6ivxeg — 11 vult Xsißovtsq FfTnkel — 22 noiov 
— 22 ßooßoQtp dva^iovxsg — 23 6avi%ovxeq — 24 dlXa, James praein. 
xal — 26 ilavvovxo — 27 xaxaoxoiipovzo. 

2* 



Digitized by 



Google 



20 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

cog av apfjQ jtQog yvvdixa. 33 xal xagä xai xQtjiivS £xelvq> 
xojtog tjv jtvQog nlüöxov yifiwp xäxel löxrjxeiöav avÖQsg ol'xi- 
veg xalg lölaig x e Q°l §oava savxotg inolrjöav avxl &eov , xal 
jtaQ* ixelvoig avÖQsg Ixsqol xal yvvatxeg $aßöovg $x oVTS $ xc ^ 
5 al2.rj2.ovg xvjtxovxeg xal firjdixoxe Jtavdftevoi xr\g xoiavxrjg 
xoläaecog, 34 xal $xsqoi naliv iyyvg Ixdvmv yvvatxeg xal 
avÖQsg <p2.sy6(tevoi xal öxQetyOfievoi xal x?]yavt£6fi€VOi , ovxot 
de rjöav ol ckpivxeg xf\v oöov xov &eov .... 

Viele von ihnen werden Pseudopropheten sein und werden 
mancherlei Wege und Lehren des Verderbens lehren; 2 jene aber 
werden Söhne des Verderbens werden, 3 und dann wird Gott 
kommen zu meinen Gläubigen, den Hungernden und Dürstenden 
und Leidtragenden und zu denen, die in diesem Leben ihre Seele 
läutern, und wird die Söhne der Ungerechtigkeit richten. 4 Und 
der Herr fuhr fort und sprach: „Lasst uns auf den Berg gehen, 
lasst uns beten.* 5 Wir die zwölf Jünger aber gingen mit ihm 
und baten, dass er uns einen unserer Brüder, der Gerechten, 
zeige, die aus der Welt abgeschieden sind, damit wir sähen, 
wie beschaffen ihre Gestalt nun sei, und damit wir Muth 
schöpfend auch die Menschen, die uns hören, ermuthigen können. 

6 Und als wir beteten , erscheinen plötzlich zwei Männer, vor 
dem Herrn stehend, und wir vermochten nicht, sie anzusehen; 

7 denn es ging von ihrem Antlitz ein Strahl wie von der 
Sonne aus, und leuchtend war ihr Gewand, wie es niemals ein 
menschliches Auge geschaut hat; denn nicht kann ein Mund aus- 
sagen noch ein Herz sich vorstellen die Herrlichkeit, mit der sie be- 
kleidet waren, und die Schönheit ihres Anblicks; 8 als wir sie sahen, 
entsetzten wir uns; denn ihre Leiber waren weisser als jeglicher 
Schnee und röther als jede Rose; 9 es war aber ihr Roth mit 
dem Weiss gemischt, und, überhaupt, ich vermag ihre Schönheit 
nicht auszusagen; 10 denn ihr Haar war lockig und duftig und 
fügte sich herrlich zu ihrem Antlitz und ihren Schultern, wie 
ein Kranz aus Nardenblüthen und mancherlei Blumen geflochten 
oder wie der Regenbogen im Äther: so war ihre Anniuth. 
11 Als wir nun ihre Schönheit sahen, entsetzten wir uns vor 



5 nvQoq Diels, nQoq C — 5 ytfxwv ego, ys vöv C — 11 dyivzeq Geb- 
hardt, drp&dvreq C, <p&dvts<; (naQay&dwfQ) Radinger. 



Digitized by 



Google 



Das Bruchstück der Apokalypse des Petrus. 21 

ihnen, weil sie plötzlich erschienen waren. 12 Und ich trat zum 
Herrn hin und sprach: „Wer sind diese? 14 13 Er spricht zu mir: 
„Das sind eure Brüder, die Gerechten, deren Gestalt ihr sehen 
wolltet.* 14 Und ich sprach zu ihm: „Und wo sind alle die 
Gerechten und welches ist der Aon, in dem sie sich, solche 
Herrlichkeit besitzend, befinden?" 15 Und der Herr zeigte mir 
einen weiten Raum ausserhalb dieser Welt, überfluthet von 
Licht, und die Luft dort von den Strahlen der Sonne durch- 
leuchtet, und die Erde selbst blühend von unverwelklichen 
Blumen und angefüllt mit Wohlgerüchen und mit herrlich 
blühenden und unvergänglichen und geseguete Frucht tragenden 
Gewächsen. 16 So gross aber war die Blumenfülle, dass der 
Wohlgeruch von dort sogar bis zu uns drang. 17 Die Bewohner 
jenes Raums aber waren angethan mit dem Gewand lichtglän- 
zender Engel, und ähnlich war ihr Gewand ihrem Gefilde. 
18 Engel aber umschwebten sie dort. 19 Gleich war die Herr- 
lichkeit aller, die dort wohnen, und mit einer Stimme sangen 
sie in Freude wechselseitig Loblieder auf den Herrn Gott an 
jenem Ort. 20 Es spricht der Herr zu uns: „Das ist der Ort 
eurer Hohenpriester, der gerechten Menschen." 

21 Ich sah aber auch einen anderen Ort gegenüber jenem, 
rauh (zerklüftet), und es war der Strafort, und die, die dort gestraft 
werden, und die strafenden Engel hatten ihre Gewänder dunkel, 
wie die Luftfarbe des Orts. 22 Und Einige waren daselbst an den 
Zungen aufgehängt ; das aber waren die, welche den Weg der Ge- 
rechtigkeit verlästern, und unter ihnen brannte ein lichtes und sie 
strafendes Feuer. 23 Und ein Pfuhl war da, gross und angefüllt 
mit brennendem Koth, in welchem einige Menschen steckten, 
die die Gerechtigkeit verkehren, und es bedrängten sie Engel als 
Peiniger. 24 Es waren aber auch Andere dort, Weiber an ihren 
Flechten über jenem aufsiedenden Koth aufgehängt; das waren 
die, welche sich zum Ehebruch geschmückt hatten; die aber, die 
sich mit dem Miasma des Ehebruchs jener Weiber befleckt hatten, 
waren an den Füssen aufgehängt und hatten die Köpfe in jenem 
Koth; und ich sprach: „Ich hätte nicht geglaubt, einzugehen 
an diesen Ort." 25 Und ich sah die Mörder und ihre Mitwisser 
geworfen an einen engen und mit bösem Gewürm angefüllten 
Ort und (sah sie) gepeinigt von jenen Thieren und sich da- 
selbst windend unter dieser Strafe; Würmer aber wie dunkle 



Digitized by 



Google 



22 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Wolken bedrängten sie; die Seelen der Gemordeten aber standen 
dabei und schauten die Strafe jener ihrer Mörder und sprachen: 
„0 Gott, gerecht ist dein Gericht." 26 Nahe aber von jenem Ort 
sah ich einen anderen Ort der Bedrängniss, in dem das Blut und 
der Gestank der Gestraften herabfloss und wie ein Pfuhl dort wurde, 
und daselbst sassen Weiber, denen das Blut bis zum Halse ging, 
und ihnen gegenüber sassen viele Kinder, die als unzeitige 
Fruchte von ihnen zur Welt gebracht waren, und weinten, und 
es sprangen Feuerstrahlen aus ihnen (den Kindern) hervor und 
schlugen die Augen der Weiber; diese aber waren die Verfluchten, 
welche empfangen und die Frucht sich abgetrieben hatten. 27 Und 
andere Männer und Frauen standen in Flammen bis zum halben 
Leib und waren an einen dunklen Ort geworfen und wurden von 
bösen Geistern gegeisselt und aufgezehrt an ihrem Eingeweide von 
Würmern, die nicht sterben; das waren die, welche die Gerech- 
ten verfolgt und sie ausgeliefert hatten. 28 Und nahe von jenen 
waren wiederum Weiber und Männer, die ihre Lippen zerbissen, 
und sie wurden gestraft und nahmen (träufelten) glühendes Eisen 
auf ihre Augen; das waren die, welche den Weg der Gerechtigkeit 
verlästert und verleumdet hatten. 29 Und ihnen gegenüber waren 
wiederum andere Männer und Weiber, die ihre Zungen zerbissen 
und ein brennendes Feuer in ihrem Munde hatten; das waren 
die falschen Zeugen. 30 Und an einem anderen Ort waren 
Kiesel, schärfer als Schwerter und alle Spiesse, glühend ge- 
macht, und Weiber und Männer in schmutzigen Lumpen wälz- 
ten sich auf ihnen in Strafpein; das waren die Reichen und 
die, welche auf ihren Reichthum vertraut und sich der Waisen 
und Wittwen nicht erbarmt, sondern das Gebot Gottes miss- 
achtet hatten. 31 In einem anderen grossen und von Eiter und 
Blut und aufsprudelndem Koth angefüllten Pfuhl aber standen 
Männer und Weiber bis zu den Knieen; das waren die, welche 
Zins nehmen und Zinseszins fordern. 32 Andere Männer und 
Weiber wurden von einem hohen Abhang herabgestürzt und 
kamen nach Unten und wurden von den Bedrängern wiederum 
angetrieben den Abhang hinaufzusteigen und wurden von dort 
wieder herabgestürzt und hatten keine Ruhe vor dieser Pein; das 
waren die, die ihre Leiber befleckt hatten, wie Weiber Umgang 
pflegend; die Weiber aber, die mit ihnen waren, waren die, die bei 
einander geschlafen hatten, wie der Mann beim Weibe. 33 Und 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 23 

neben jenem Abhang war ein Ort, der mit vielem Feuer ganz 
angefüllt war, und dort standen die Männer, die sich mit eigenen 
Händen Schnitzwerke gemacht hatten statt Gottes, und bei ihnen 
standen andere Männer und Weiber, die hatten Ruthen und 
schlugen einander und Hessen nie ab von dieser Züchtigung. 
34 Und wiederum andere Weiber und Männer standen nahe von 
jenen, brennend und sich windend und bratend, das waren die, 
welche den Weg Gottes verlassend 



Bemerkungen zum Fragment des Petras- 
Evangeliums. 

Zu Vers 1] Die hier vorausgesetzte Situation ist eine ganz 
andere als in den kanonischen Evangelien. Sie scheint auf Grund 
einer Combination von Matth. 27, 24 (Iöcop öh 6 üatXaxog oxi 
ovdhv co<peXel aXXä fiaXXov &6ovßoq yivsxcu Xaßcov vÖcoq dxevi- 
ipaxo xdg x Bt Q a $ xaxevavxi xov o^Xov Xfycov dd-wog slfji axo 
xov cäfiaxog xovxov) und Luc. 23, 6 — 12 (s. auch Acta 4, 27) frei 
erfunden zu sein. Die Richter neben Pilatus und Herodes sind das 
„Presbyterion des Volks" (Luc. 22, 66); der Verfasser schreibt, wie 
wenn sich Joh. 18, 31 verwirklicht hätte. Pilatus hebt die 
Sitzung auf, da die Juden starr bleiben. Von „den Juden" 
spricht der Verfasser ähnlich wie der vierte Evangelist. Das 
Jüdische wird als ein fernstehendes behandelt, s. v. 6 xrjg 
koQTfjg avxcov, v. 15 avxolg, v. 20 vaog xf)g ^hQovOaXrj^ v. 23. 
25. 50. 52 ol 'Iovöaloi, v. 48 o Xaog xmv 'lovöaicov, v. 15 xaöav 
xrjv 'Iovöaiav (für yr^v). — 2] Die Situation ist hier nicht ganz 
durchsichtig; Herodes erscheint als der verurtheilende Richter. 
Zu xsXevei s. v. 14. 47. 49 und Matth. 27, 58. 64 (in den Ew. kommt 
das Wort achtmal bei Matth. vor, einmal bei Lucas, sonst nicht; 
auch xoxe ist dem Matth. besonders geläufig: er hat es 91 mal, 
Marc. 6 mal, Luc. 14 mal, Joh. 9 oder 10 mal; unser Verf. bietet 
xoxe noch v. 21. 22. 25. 57). Zu xaQaX7](i<pfrT}vcu s. Matth. 27, 27: 
xoxs ot oxoaxidixai xov fjyenovog jtaoaXaßovxag xov 'Itjcovp. — 
avxolg, seil, den Soldaten (Joh. 19,2), sie sind auch v. 6 gemeint (oder 
die Juden?). — 3] Joseph v.Arim. wird in den vier Evangelien erwähnt 



Digitized by 



Google 



24 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

(Matth. 27, 57f., Marc. 15, 43f., Luc. 23, 50f., Joh. 19, 38 f.); aber 
nur hier trägt er (cbro kgipafralag fehlt; ist er als ein Bekannter 
eingeführt?) seine Bitte vor der Kreuzigung vor, in den kano- 
nischen Evangelien erfolgt sie nach der Kreuzigung. Als Schüler 
Jesu ist er auch in ihnen bezeichnet (Alatth.: og xal avxog 
k(ia&r}Tsv&r) xcp 'Itjgov, Marc: og xal avxog //*> jtQOööexoftsvog 
xf\v ßaoiXelav xov &eov, ähnlich Lucas, Joh.: Sv fta&fjxijg xov 
7^öov), aber nirgendwo wie hier als Freund des Pilatus (cpiXog 
fehlt bei Marc, und findet sich auch bei Matth. nur zweimal; 
dagegen bei Luc. 15 mal und bei Joh. 6 mal; Joh. 19, 12: ovx 
el (plXog xov Kaloagog). Die Form oxavqloxuv kommt im N. T. 
nicht vor und ist mir auch sonst nicht begegnet; tjxtjosv (s. v. 4. 5), 
die drei Synoptiker bieten übereinstimmend (Matth. 27, 58, Marc. 
15, 43, Luc. 23, 52): TJxrjoaxo xo oeofta xov 'Itjoov. Das Wort 
xa<p7j findet sich im N. T. nur Matth. 27, 7. — 4 f.] Auch hier 
erscheint Herodes als der eigentliche Gewalthaber und Richter 
über Jesus; Pilatus erbittet sich bei ihm für seinen Freund 
Joseph den Leichnam Jesu. — 5] Zu aöeX<pe s. Luc. 23, 12: 
iyivovxo öh q>lXog o xe ^IgqiÖTjg xal 6 üsiXäxog hv avxjj xf] 
fjfidQO. Das Wort ftanxeiv (s. auch v. 23) bieten nur Matth. 
und Luc Zu tnitpcoaxei s. v. 34. 35 und Luc. 23, 54: xal ?jfitQa 
r t v xaQaoxevfjg, xal oaßßaxov £jc£<pa>öxsv, Matth. 28, 1: oipe de 
Gaßßaxcov, xfj ljti<pa)Oxovo7j elg (tiav Oaßßaxov. Zu yiyQanxai 
s. Deut. 21, 22 f. (die Stelle ist hier u. v. 15 nur dem Sinne nach 
citirt, s. übrigens Jos. 10, 27), aber eingewirkt hat vielleicht 
Joh. 19, 31: hxsi jiaQaoxBvtj t]v, iva //^ ftelvij Ixl xov gxovqov 
xa Gcofiaxa Iv zqi oaßßdxcp, ?)v yaQ fteydXr/ f/ rjfieQa bcelvov 
xov oaßßaxov. Der Ausdruck jcqo (iiag xciv a£v[ia>v, xi]g ioQxfjg 
avxwv (s. Matth. 26, 17, Marc. 14, 12: jiqgjxi] xalv ä£vfia>v. 
Matth. 28, 1, Marc. 16, 2: [da oaßßaxov. Zu r. £oq. avx. 
s. Luc. 22. 1) scheint mir nichts anderes besagen zu können, als 
dass der erste Tag der süssen Brode — d. h. der Tag, der mit 
dem Abend, an dem das Passah gegessen wurde, beginnt — noch 
nicht angebrochen war. Also ist Jesus nach dieser Darstellung 
am 14. Nisan gekreuzigt worden, bevor das Passah gegessen 
wurde, d. h. die Datirung stimmt mit der des 4. Evangeliums 
und widerstreitet der der Synoptiker. — 6] Zu Xaßovxeg s. Joh. 19, 
1. 6; w&ovv avxov xQtxovxeg, dieser Zug und die folgende Rede 
fehlt in den Evangelien; evQcofisv ist nicht zu halten und daher 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 25 

in ovQcofiev (Justin) zu wandeln; zu vlov xov &eov s. v. 9. 45. 46, 
Job. 19, 7, Matth. 26, 63f. etc.; zu igovoiav xxX. s. Jos. 19, lOf. 
— 7] JioQtpvgav nur Marc. 15, 17. 20, aber jteQiißaXXov nach 
Luc. 23, 11 oder Joh. 19, 2; das Folgende findet sich so in den 
Evangelien nicht (auch der Ausdruck xa&iÖQa xgtoecoq fehlt; 
doch 8. den Ex curs zu diesem Vers unten); zu ßaoiXev xov 
'IoqoJX s. Matth. 27, 29, Marc. 15, 18, Joh. 19, 3 (überall steht 
hier xwv 'iovöaicov; doch s. Matth. 27, 42, Marc. 15, 32, Joh. 
1, 50; 12, 13); zu öixaimg xqIvb s. I Pet. 2, 23 u. Joh. 7, 24. — 
8] Zu xal xtg avxSv iveyxwv s. v. 16: xal xig avxcov eljtev, 
diese Erzählungsweise ist unserem Evangelisten eigentümlich. 
Matth. 27, 29: xXigavxeg oxitpavov ig äxav&alv Ixi&Tjxav em 
xrjg xstpaXfjg avxov, Marc. 15, 17: xsQixi&iaoiv avxm jtXsgavxeg 
axav&ivov oxiyavov, Joh. 19, 2. 5: JiXi^avxtg cx£<pavov £§ 
dxav&wv ijtifrtjxav avxov xjj xegxxZf] . . . q>OQc5v xov dxav- 
&ivov ox£<pavov. — 9] kOxatxag^ s. Matth. 27, 47; hvinxvov s. 
Matth. 26, 67; 27, 30; Marc. 14, 65; 15, 19; das Wort otpig im 
K. T. nur bei Joh. 7, 24; 11, 44; Apoc. 1, 16; zu oiayovag s. 
Matth. 5, 39; Luc. 6, 29; iQajiioav nur Matth. 26, 67; zu xaXafim 
Matth. 27, 30: iXaßov xov xdXapov xal Ixvnxov big xrjv xeyaXijv 
avxov und Marc. 15, 19; vvooeiv findet sich im N. T. nur Joh. 
19, 34, fiaoxl^eiv nur Act 22, 25. Die Sache und fast dasselbe 
Wort bei Joh, 19, 1: xoxe ovv iXaßsv 6 UsiXäxog xov 'Irfiovv 
xal ifiaGxiyaxjev, s. Marc. 15, 15 (Matth. 27, 26): xov 'Itjoovv 
q>QayyeXa>oag. Die Worte Xiyovxeg xxX. finden sich in den kano- 
nischen Evangelien nicht; zum Ausdruck s. Act. 28, 10: jcoXXalg 
xipalg ixlfiTjCav fjfiag. 

10] xaxovQyoi, dieser Ausdruck nur Luc. 23, 32. 33. 39 
(s. Ev. Nicodemi 9 bei Tischendorf, Ew. apoer. 2 p. 245, wo 
auch die Namen der Schacher stehen); fiioov Joh. 19, 18. Zu 
koimjta s. Matth. 26, 63 und Marc. 14, 61; aber es steht hieran 
anderer Stelle (dieses ioiojjca schliesst alle Worte Jesu am Kreuz 
aus bis auf das Wort v. 19); wg fitjöev Jtovov lx wv streift an das 
Doketische, ähnliches findet sich in den Evangelien nicht. — 11] 
wQßwoav fehlt in den Evangelien; kjtiyQarpav (das Verbum Marc. 
15,26 u.Luc.23,38), nach den kanonischen Evangelien setzt Pilatus 
die Inschrift auf; xov 'iogayX, s. v. 7, auch hier bieten die Evan- 
gelien xeov 'Iovdaicov (Matth. 27, 37; Marc. 15, 26; Luc. 23, 38; 
Joh. 19, 19). Matth. schiebt 'Irjöovg ein, Marcus bietet ovxog 



Digitized by 



Google 



26 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

iaxiv nicht, Luc. giebt 6 ßaoiX. r. %vö. ovxoq, Joh. 'Itjöovq 
6 Na^wQaloq 6 ßaö. x. %vö. — 12] xe&eixoxeq xxX. Matth. 
27, 35 (Marc. 15, 24; Luc. 23, 34): ötspeQloavxo xa ifiaxia avxov 
ßaXXovxeq xXtjqov, Joh. 19, 23 f. ist ausführlicher; er bietet auch: 
Xax&fisv xbq\ avxov xivoq löxai. Das xefrsucoxeg xa irövfdaxa 
tfHiQOö&ev avxov bietet Niemand (z. Form s. Joh. 13, 4: xl&tjöi 
xä Ifiaxia). "Evövfia ist ein Wort des Matth. (es findet sich bei 
ihm 7 mal; ausserdem steht es im N. T. nur Luc. 12, 23). — 13J 
Luc. 23, 40, aber bei Luc. spricht der eine Schacher zum anderen 
(statt wveldioev, s. Matth. 27, 44 u. Marc. 15, 32, steht bei Luc. 
ixixifiwv, ferner rjfietq psv dixatcog, agia yag d>v ixQagafisv 
äjtoZaftßavoftev ovxoq de ovöhv axoxov ejtQagev, hier liegen 
zwei verschiedene, aber verwandte Überlieferungen vor); zu 
owxtjq xcbv äv&Qcijicov s. I. Tim. 4, 10. — 14] äyavaxxtfOavxeq, 
s. Matth. 20, 24; 21, 15; 26, 8; Marc. 10, 14. 41; 14, 4; Luc. 13, 14; 
avx(ß] ich habe mich in der ersten Auflage dafür ausgesprochen, 
dass hier wahrscheinlicher der Schacher zu verstehen ist; 
aber nach erneuter Überlegung ist mir doch die Beziehung auf 
Jesus als empfehlenswerther erschienen, sowohl um Joh 19, 32f. 
willen, als auch des Contexts wegen. Es ist nicht wahrschein- 
lich, dass der Erzähler hier über Jesus ganz schweigt, dagegen 
vom Schacher berichten soll. Ein Widerspruch mit Joh. 19 
bleibt freilich bestehen; zu oxeXoxoxtjd'fi s. das seltene oxeXo- 
xojtla. 

15] Zu ftsOTjfißQla s. Matth. 27, 45; Marc. 15, 33; Luc. 23, 44 
(ixxrj wqo); statt jtaoav xfjv 'lovdaiav bieten jene Evangelien 
jtaaav (oXqv Marc. Luc.) x?)v yrjv. Das Wort d-oQvßetv findet 
sich Matth. 9, 23; Marc. 5, 39; Act. 17, 5; 20, 10. Zu rffcoviaoav 
s. v. 45 u. Euseb. h. e. V, 1, 18; xrjq ÖBOJcolvrjq aya>via>6rjq, fit) 
ovöh xfjv of/oXoylav dwTJaexai jtaQQTjOiaGao&ar, zu yiyQOJtxat 
s. v. 5, zu avxolq s. v. 1. — 16] Die Verse Matth. 27, 34 u. 48 
scheinen hier combinirt zu sein (Marc. 15, 23. 36, cf. Joh. 19, 29); 
die Einleitung aber (xal xiq avxwv ünsv) findet sich in den 
kanonischen Evangelien nicht; xoxlcfaxe, das Wort Matth. 27, 48 
u. Marc. 15, 36; xsQaoavxeq fehlt in den Ew. — 17] Dieser 
Vers hat keine genaue Parallele in den Evangelien, ebensowenig 
der 18., der eine Ausmalung der Finsterniss ist. — 19] Nach 
Matth. 27, 46 und Marc. 15, 34 (ißorjöev q>CTvij fisyäXrj, das 
Xiywv nach Matth.). Die Wiedergabe n ?) övrapig ftov u ist 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petras-Evangeliums. 27 

unserem Evangelisten eigentümlich; er nahm an dem Ausdruck 
der Gottverlassenheit Anstoss (ob unter övvafug der ava> Xqiotoq 
zu verstehen ist?). Statt xatiXeitpag bieten Matth. und Marc. 
iyxariXtJtsg und übersetzen auch das hebräische „lafid" (lefta) 
Statt aveZyy&T] (s. Act. 1, 2) bietet Matth. 27, 50 äfprjxsp zo 
xvevfia, Marc. 15, 37 igdxvevoev (Luc. 23, 46 ehtcov I&jivevCsv), 
Joh. 19, 30 juxQiöancsv to xvevfta. Das dveXfjip&r] kann doke- 
tisch verstanden werden (doch s. Luc. 23, 43). 

20] avzijg tijg wqag, so genau berichten die anderen Evan- 
gelien (Matth. 27, 51; Marc. 15, 38; Luc 23, 45) nicht; statt 
önQayri bieten sie alle loxiofhj; der Ausdruck „Tempel von 
Jerusalem" statt »Tempel* zeigt, wie fern unser Verfasser von 
Jerusalem stand (eine ähnliche Umständlichkeit im Ev. Nicodemi 
c. 4 bei Tischendorf, 1. c. p. 231); üg ovo Matth. und Marc, 
(ieoov Luc; sehr beachtenswerth ist, dass unser Evangelium die 
Verse Matth. 27, 52. 53 nicht bietet, ebensowenig die Geschichte 
vom Hauptmann. — 21] Wir erfahren hier, dass die Hände an- 
genagelt waren (nicht die Flüsse); dieser Zug fehlt in den kano- 
nischen Evangelien innerhalb der Leidensgeschichte. Aber s. Joh. 
20, 20. 25. 27 (Hände aliein), Luc. 24, 39 (Hände und Füsse), 
lgnat ad Smyrn. 1, 2: xa&T]la)[i£vov vmq q(d65v kv öclqxI 
(s. auch l, 1). Die Nagelung scheint nach Martyr. Polyc. 14, 1 
die Kegel gewesen zu sein (ov xa&tficooav, JiQooiÖTjoav de avxov) 
Aristides, Apol. 2: „von den Juden wurde er mit Nägeln durch- 
bohrt". Melito, fragm. XV (Otto): „qui clavis in carne ßxus 
est u . Justin., Dial 97. Hippol., Philos. IX, 10 (Noet): xov f]Xoig 
xaxaxayivra. Das r\ yfj jtäoa kosio&r} nach Matth. 27, 51 (ohne 
xäoa); aber dass die Erde erbebte in dem Momente, als der 
Leichnam Jesu auf sie niedergelegt wurde, ist dem Evangelium 
eigentümlich; g>6ßog fiiyag, cf. v. 25, 28, Ahnliches steht nur 
Luc. 23, 48. — 22] Anschaulicher erzählt als in den kanonischen 
Evangelien, aber sachlich dasselbe. — 23] kxdQTjOav 8C ^* darüber* 
dass die Sonne wieder schien; tg3 'icoöTjtp xtX., hier ist summa- 
risch erzählt, weil die Bitte schon v. 3 f. mitgetheilt worden war 
(Matth. 27, 57 f.; Marc. 15, 42 f.; Luc 23, 50 f.); &ra*} &saod' 
fiBvog xtX., dieser Zug fehlt in den kanonischen Evangelien. — 
24] Xaßciv wie Matth. 27, 59; iXovee fehlt in den kanonischen 
Evangelien; elZr/ae (ivBikqoe) wie Marc. 15, 46: kvühjoe (Matth. 
27, 59 und Luc 23, 53: hervjLt&v, Joh. 19, 40: ccfyöw); oivöovi 



Digitized by 



Google 



28 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

nach den Synoptikern; xal eiöTjyayep elg iöiop raq>ov, diese Aus- 
drucksweise ist unserem Verfasser eigentümlich, die vier kano- 
nischen Evangelien haben edrjxsv (xazi&rjxsp) und fiprjfi6lop(zdg)og 
findet sich nur bei Matth. viermal); xaXovfiepop xrjjtop 'Icoorjtp, 
ähnlich nur Joh. 19, 41: i]P de Lp zcp zojico oxov eörav- 
Qcbfrri xtjxoq xal lp zcp xr/jim ftPTjfietop, aber das xalovfiepov 
ist an sich und neben xd<pop auffallend; war der xrjjtog 3 Iwo?i<p 
zur Zeit des Verfassers etwa eine bekannte Localität (?). — 25] 
IsQelg (s. Ev. Nicod. c. 4 bei Tischendorf 1. c. p. 232, c. 12 
p. 253, c. 13 p. 254) kommen in der Leidensgeschichte, wie 
sie die kanonischen Evangelien erzählen, nicht vor (in unserem 
Vers steht ol 'Iovöcuoi xal ol XQeoßvzeQOi xal ol IsgeTg, v. 29 
u. 38: ol jiQeoßvxsQOi, v. 28 ol yQafifiazelg xal tpaQioaloi xal 
jrQeößvTSQOi, v. 31: JiQeoßvztQOi xal YQafifiazelg. Pharisäer in 
der Leidens- und Auferstehungsgeschichte nur ^Jatth. 27, 62 u. 
Joh. 18, 3); der ganze Vers (s. v. 28) hat in ihnen keine Parallele 
(Luc. 23, 48 klingt entfernt an) und zeigt, wie fern der Bericht- 
erstatter den Ereignissen stand. 

26] 'Eya) xzZ., nach v. 60 ist es Petrus. — Dieser und der 
folgende Vers haben in den kanonischen Evangelien keine Par- 
allele (annähernd Luc. 24, 17 f., Joh. 20, 19. 26). Am wich- 
tigsten ist die Mittheilung, dass die Jünger sich verfolgt glaubten 
(6g zop paop &iXopztg ifJJtQtjöat, s. Matth. 26, 61 und den dem 
Stephanus gemachten Vorwurf; pvxzog x. rjfiiQag %a>g zov öaß- 
ßdzov wäre auffallend, wenn der Erzähler nicht an die ganze 
Zeit von Donnerstag Abend an dächte, was anzunehmen ist Zu 
IprfiztxofihP s. Marc. 2, 19; Matth. 9, 15; zu xep&ovpzeg xal 
xXalopzeg Marc. 16, 10 — eine merkwürdige Parallele! 

28 — 33] Mit v. 28 beginnt die zweite Hälfte unseres Frag- 
ments. Sie sticht, mit Ausnahme der vv. 59. 60, sehr zu ihrem 
Nachtheil von der ersten Hälfte ab. Die Leidensgeschichte ist 
kurz und schlicht erzählt und steht im Ganzen den Berichten 
der kanonischen Evangelien wenig oder überhaupt nicht nach. 
Die Auferstehungsgeschichte zeigt die fortgeschrittene Legenden- 
bildung. Eine breite Ausführung der Erzählung Matth. 27, 62 — 66, 
aber mit starken Abweichungen; wörtlich ist v. 30 der Satz 
Mattb. 27, 64 zu finden: fri)jiozs il&opzsg ol fia&rjzai avzov 
(unser Ev. ist der älteste Zeuge für dieses kritisch unsichere 
avzov) xliipmöip avzop (s. auch das 6vpi]x&r}Cap bei Matth. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 29 

v. 62 u. unseren v. 28). Zu dem Öixaioq v. 28 8. Luc. 23, 47 u. zu 
dem xoxxexai xa oxfjd-tj s. v. 25, Luc. 23, 48: xvnxovxai xa 
oxrjd-rj (Luc. 23, 27: xonxexai). Zu „Petronius" v. 31 vergleicht 
Lods den Namen des syrischen Statthalters (39—42 p. Chr.). 
KbvxvqIwv bietet nur Marc. 15, 39. 44. 45; zu öXQaxtcoxaq 8. 
Matth. 28, 12. Nach Matth. 27, 60 und Marc. 15, 46 hat 
Joseph den Stein (fityav Matth., s. auch Marc. 16, 4) vor- 
gewälzt; unsere Erzählung (v. 32) bietet eine Steigerung; 
auch die Grösse des Steins ist gesteigert. Statt (tvrjfiaxoq 
bieten Matth. und Marc, fivrjfielov. Ebenso sind die sieben 
Siegel (v. 33) eine weitere Ausschmückung (Matth. sagt v. 66 
nur otpQaylöavxeq) , sowie das Wächterzeli — 33] öxtjvtjv jrij- 
gavxsq, s. Hebr. 8, 2: xrjq oxt)v9jg . . . rjv §xi]§ev 6 xvQwq 
(Matth. 17, 4, Marc. 9, 5, Luc. 9, 33 heisst es Oxrjväg xoielv). 
— 34] Dieser Vers soll ebenfalls die Gewissheit vermehren, dass 
das Grab von Menschenhänden nicht gesprengt werden konnte 
und als fest verschlossenes gut bezeugt ist; bei Matth. findet sich 
nichts Ähnliches. Zu jtQwtag s. Matth. 27, 1, Joh. 21, 4 (18, 28), 
zu ktHjpcoöxovxoq s. v. 5. 35. 

35 — 58] Diese Verse sind eine breite, in vielen Zügen ver- 
mehrte und veränderte Schilderung auf Grund von Matth. 28, 
1— 8 a , 11—15 oder einer ähnlichen Quelle (es fehlt Wichtiges 
aus dem Bericht des Matthäus); einige Züge aus Marc, (und 
Luc?) sind eingestreut. Die Auferstehung (aber nicht der Moment), 
in deren Andeutung Matth. v. 2 — 4 unter den Evangelisten am 
weitesten gegangen ist, ist hier kühn ausgemalt. Man erkennt, 
wie die Legendenbildung fortgeschritten ist. — 35] Für xf] öh 
vvxxl xi £x£<pa>ox£v rj xvQiaxtj (zu xvquxxtj s. v. 50) bietet 
Matth. 28, 1 augenscheinlich die ältere, noch nicht vom christ- 
lichen Sprachgebrauch beeinflusste Fassung (v. 1): orpe oaßßa- 
xcov x% ixup&öxovör] elq plav oaßßaxcov. — 36] ovo avÖQaq, 
s. Luc. 24, 4; Nestle denkt hier und dort an Moses und Elias. — 
37] Hier bewegt sich der Stein von selbst; nach Matth. 28, 2 
wälzt ihn der Engel weg; vsavloxoi bietet nur Marc. — 38] 
Anders Matth. 28, 4: djto ök xov tpoßov avxov ioBlod-r/oav ol 
xrjQovvxeq xal iyivovxo coösl vexqoL Was in unserem Evan- 
gelium hier steht, ist singulär (zu den Altesten vgl das Hebr.- 
Ev.: „servus sacerdotis 44 ), ebenso v. 39 (merkwürdig ist das 
vnoQd-ovvxaq = ihn stützend aufrichten, und das »nach wandelnde 



Digitized by 



Google 



30 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Kreuz«, das einen »gnostischen« Eindruck macht) und v. 40 — 
42. Im 40. Verse soll Jesus, der in der Mitte der beiden 
Engel (Moses und Elias?) geht, als sie überragend vorgestellt 
werden. Leider sind die Verse 41 und 42 schlecht überliefert; 
s. über sie den Excurs am Schluss. In den Versen 43—48 ist 
Pilatus die Hauptperson, nach Matth. 28, 11 ff. sind es die Hohe- 
priester und der ganze Rath; angedeutet sind diese in dem Petrus- 
evangelium in den jtavxsg v. 47 f. — 43] lv<pavioai, s. v. 45 
H*lY*joavro und Matth. 11 äxrjyyeiXav. — 44] avfrQcoxog r/c, 
nämlich ein Engel; das ist der Engel Matth. 28, 2. 5 ff. und 
Marc. 16, 5 f. Unsere Erzählung, die erst zwei, dann einen Engel 
erscheinen lässt, sieht fast wie eine Combination aus Matth. und 
Luc. aus. — 45] dycovimv xeg, s. v. 15; aXqfröbg vlog i\v #tot3, 
so spricht der römische Hauptmann bei Matth. 27, 54 (Marc. 
15, 54: äXrj&aig 6 av&Qa>xog ovxog vlog i]v &eov). — 46] S. 
Matth. 27, 24: a&wog elfte dxo xov atftaxog xov öixaiov xov- 
xov tjftttc oipeofre. — 47 ff.] Matth. erzählt hier ganz anders 
(der Rath fordert die Soldaten auf, die Lüge zu verbreiten, die 
Jünger hätten Jesum heimlich gestohlen, und giebt ihnen dafür 
Geld; xal lav äxovc&jj xovxo ixl xov f/yefiovog, fjftslg xeicoftev 
avxov xal vpäg dfiEQlfivovg xoifjOOfiev). — 48] Die Rede ist 
sehr ungeschickt ausgedacht; merkwürdig ist oviuptQei . . . 6<p- 
Z/jocci . . . xal fii] ifixeoetv: es ist comparativisch gedacht oder, 
wahrscheinlicher, im Sinne von: „das Eine ist schon genug 
Strafe". 

50] "Oq&qov, so nur Luc. 24, 1 ; xvQiaxrjg, s. v. 35 (term. 
techn., fehlt in den kanonischen Evangelien); MaQiäft Mayöa- 
Xrjvf), nur sie wird hier genannt; bei Matth. 28, 1 und Marc. 16, 1 
steht sie voran (nach der joh. Erzählung ist sie allein betheiligt); 
f/afrrjxQia, das Wort im fteuen Testament nur Act. 9, 36; das ovx 
macht Schwierigkeiten, ob man es nun tilgt oder stehen lässt, s. 
den Excurs. — 51] xäg tplXag, Magdalena ist unter den gläubigen 
Weibern die Hauptperson, wie Petrus unter den Aposteln (al <plXat 
bietet nur Luc. 15, 9); öxov rjv xeßelg, s. Marc. 16, 6: oxov l&rptav 
avxov (Matth. 28, 6: oxov Ixuxo). — 52] fiprjfiaxog, nur Luc. 
23, 53; 24, 1. — 53] Fast wörtlich nach Marc. 16, 3: xlg dxo- 
xv XI Ost tjfitv xov Xl&ov Ix xfjg &vQag xov (ivrjfieiov. — 54] 
piyag, s. zu v. 32; el (irj öwape&a xxX., dieser Zug fehlt in 
den kanon. Ew.; a (ptgoftev seil, die Spezereien, so nur Marc. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 31 

16, 1 und Luc. 24, 1, aber nur Luc. hat tpeoovoai; elg fiprjfiocv- 
v?]v avtov, s. Matth. 26, 13, Marc. 14, 9; statt xXavöofiep xal 
xotpofie&a ist vielleicht xal xXavocofiep xal xotpco t ue&a zu schrei- 
ben. — 55] €vqop, s. Luc. 24, 2; ?jPe<py(i£P0P, s. Matth. 27, 52: 
xa fiv Tjfiela avecix^rjOavi jiao&vtpaPi 8. v. 56, Joh. 20, 5: xaQa- 
xvtpag ßXexei (Luc. 24, 12), Joh. 20, 11 Maoia . . . Jtaoexvipep elg 
xo fivrjfielov; oqcogip xxX. nach Marc. 16, 5: elöov peaploxop 
xafrrjfievop Ip xolg öegiotg, xeoißeßXrmipop CxoXrjp Xevxr\v 
(cogatop fehlt in den kanonischen Evangelien). — 56] xl 
i]X&axe; fehlt in den kanonischen Evangelien, xlpa tflxslxe; 
(irj xov öxavQw&epxa ixelpop; äveöxrj xal äjtjjl&ep bis 
odev dxeoxdXrj, s. Matth. 28, 5 sq.: fit) <foßelo&e vfielg' 
olöa yäo oxt 'Itjoovp xov iöxavowfiepop Crjxelxe. ovx Ioxip 
wöe' rjyioihi ydo, xafrcog eins, öevxe löexe xop xoxov ojtov 
Ixeixo (Marc. 16, 6: fi?) ix&afißela&e. *hßovv tmxelxe xop Na£a- 
qtjpop, xop iöxavQWfitPOP' i)y£Qd"r), ovx ioxtp möe' lös, 6 xonog 
oxov efrrjxap avxop. Luc. 24, 5 sq.: xl tflxelxe xop £c5i>ra (iexd 
xwp psxqcjp; ovx löxiv olöe, äXX' rjyiQd-tj xxX. Joh. 20, 15: 
xlpa C,rjX£lg; der Schluss d. V. ist johanneisch). — 57] Nach Marc. 
16, 8: IgeX&ovoai e<pvyop . . . lyoßovpxo yaQ, Im Folgenden 
haben wir einen Ersatz für den fehlenden Marcusschluss erhalten. 
— 58] xeXevxala rjfdtoa, s. v. 5. Das hier Gesagte hat in den 
kan. Ew. keine Parallele. Es wird erzählt, um darauf vorzubereiten, 
dass auch die Jünger in ihre Heimath, Galiläa, zurückkehrten 
{HVQXOvxo seil, aus Jerusalem; der Ausdruck vxooxoiyopxeg elg 
xovg oixovg avxcüv ist nur lukanisch). — 59 f.] ol öciöexa (ia{h}xal 
xov xvoiov ist gedankenlos gesagt (Judas fehlte) oder als term. 
techn. für das Apostelcollegium; ixXalo/Jtv xxX., s. das zu v. 
26 f. Bemerkte; xo övfißdp, s. Luc. 24, 14: Jteol jtdpxop xdip 
ovfißeßrjxoxcov xovxmv. — Der Ausdruck dxrjXXayrj ist lukanisch, 
Luc. 12, 58, Act. 19, 12 (Hebr. 2, 15 ist der Sinn ein anderer); 
elg xop oixop, seil, nach Galiläa. Das wird freilich erst durch 
v. 60 (elg xfjp &aXaooap) deutlich (im anderen Fall müsste man 
dem Verfasser den unglaublichen Irrthum aufbürden, er habe 
den See Genezareth in die Umgegend von Jerusalem versetzt). 
Der Verfasser des Petrus-Evangeliums lässt den Herrn vor seinen 
Jüngern erst in Galiläa erscheinen, also wie Matth. (28, 7. 10. 16) 
gegen Lucas und Johannes. — 60] jE/öJ de 2lfia>v Wxoog, 
damit ist der Titel des Evangeliums, aus dem unser Fragment 



Digitized by 



Google 



32 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

stammt, gesichert; liva, dieser Name ffir »Netze« findet sich in 
den kanonischen Evangelien nicht; elq rrjv frdXaöOav (der Aus- 
druck bei allen Evangelisten ausser bei Lucas), zum See Tiberias; 
also nicht auf einem Berg in Galiläa, wie Matth. 28, 16 erzählt, 
fand die erste Erscheinung Jesu vor Aposteln (nach dem Petrus- 
Evangelium) statt, sondern man muss erwarten, dass es etwas 
Ähnliches erzählt hat wie Job. 21, 1 ff. (nicht dasselbe, wie 
schon die verschiedenen Jüngernamen beweisen). Das ist um 
so beachtenswerther, als das Petrus-Evangelium sonst in der 
Auferstehungsgeschichte von Johannes ganz verschieden be- 
richtet Dass es hier abbricht, ist um so mehr zu beklagen, 
als höchst wahrscheinlich im Folgenden eine Erscheinung vor 
Petrus — und zwar als die erste — berichtet war, das Evan- 
gelium also mit I. Cor. 15, 5 [Luc. 24, 34] stimmte. Eine Er- 
scheinung Jesu vor den Weibern oder vor Maria Magdalena 
(Matth. Joh.), die der Erscheinung vor Petrus vorangegangen 
wäre, kennt das Evangelium nicht; auch schliesst es den Bericht 
des Hebräer- Evangeliums aus, Jesus sei zuerst dem Jacobus er- 
schienen. Besässen wir den Schluss des Evangeliums noch, so 
hätten wir wahrscheinlich in ihm den relativ zuverlässigsten 
Bericht über die erste Erscheinung Jesu, die Paulus und Lucas 
eben nur erwähnen. Aevelg 6 rov lAlqxxlov, so nur Marc. 2, 14; 
nach xvQioq ist vielleicht zu ergänzen: xa&^fievov Iju xo xslw- 
viov ixakeosv. Die Zusammenstellung: Petrus, Andreas, Levi 
(Matthäus) kommt sonst nicht vor. Schwerlich ist Levi (Matthäus) 
hier schon in seiner Eigenschaft als Evangelist genannt. 



Ich habe oben bemerkt, unser Evangelium scheine auf den 
kanonischen Evangelien zu fussen und also jünger wie diese zu 
sein. Der letztere Eindruck bestätigt sich durch eine genaue 
Untersuchung: in der Auferstehungsgeschichte ist es sogar der 
Darstellung des Matthäus gegenüber in wichtigen Abschnitten 
secundär. 1 ) Was nun das Verhältniss zu den einzelnen Evan- 
gelien und die directe Abhängigkeit betrifft, so scheint mir er- 



1) Vergl. auch die Stellung zu den Juden und den tonn, techn. rj 
xvQiaxt} v. 35. 50, den die kanonischen Evangelien nicht brauchen. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 33 

wiesen oder doch nahezu erwiesen, dass unser Verfasser das 
Marcus-Evangelium gekannt hat (s. die vv. 7. 8. 24. 27 [aber hier 
ist vielleicht Petr. benutzt] 31. 37. 51. 53. (54). 55. 57. 60). Ist 
das ausgemacht, so erhält das, was v. 58 — 60 in unserem Evan- 
gelium steht, noch einen besonderen Werth. Stammt nämlich v. 57 
aus Marcus, so liegt es sehr nahe anzunehmen, dass auch vv. 58 — 60 
aus ihm geflossen sind, d. h. aus dem verlorenen Schluss des 
Marcus. Dafür spricht 1) der Zusammenhang, 2) der vorzügliche 
Inhalt dieses Stücks, den wir erschliessen können (s. Paulus), 3) der 
dem Marcus eigenthümliche Ausdruck „Levi, der Sohn des Alphäus". 
— Nicht mit derselben Wahrscheinlichkeit möchte ich behaupten, 
dass er unseren Matthäus gelesen hat. Unzweifelhaft steht er 
von allen Evangelisten diesem am nächsten (das Fragment be- 
ginnt mit dem Händewaschen des Pilatus [dies berichtet nur 
Matthäus] und schliesst mit einer oder mehreren Erscheinungen 
Jesu vor seinen Jüngern in Galiläa, ohne vorher solche in Jeru- 
salem zu berichten [wie Matthäus]; es schildert den Moment der 
Auferstehung, was von den Evangelisten nur Matthäus — wenn 
auch mit viel grösserer Zurückhaltung — gethan hat; es be- 
richtet über die Grabeswache, die nur Matthäus kennt u. s. w.); 
aber er weicht dann wiederum von Matthäus an sehr vielen 
wichtigen Stellen so stark ab und erzählt so anders, dass die 
Annahme näher zu liegen scheint, er habe aus demselben Tra- 
ditions- und Legendenkreis geschöpft wie unser Matthäus, sei 
aber von diesem selbst nicht direct, sondern höchstens secundär, 
vielleicht gar nicht abhängig. Diese Annahme scheint sich auch 
deswegen zu empfehlen, weil dort, wo die beiden Evangelien 
differiren, zwar öfters, aber keineswegs überall, der Vortheil auf 
Seiten des Matthäus liegt. Manches in unserem Evangelium sieht 
freilich wie eine wörtliche Copie (s. v. 30), manches wie eine 
einfache Ausspinnung des Berichtes des Matthäus aus; aber z. B. 
die Legende Matth. 27, 52. 53 kennt unser Verfasser nicht; auch 
27, 54 und 28, 15 b fehlen; noch wichtiger ist, dass die Christo- 
phanie vor den Frauen 28, 9. 10 nicht aufgenommen und dass 
die Leidensgeschichte wesentlich unabhängig von Matth. in 
knapper Kürze erzählt ist. Dass Pilatus in Bezug auf die Stellung 
der Grabeswache in unserem Evangelium im Vordergrund steht, 
ist gegenüber dem Bericht bei Matthäus kaum ein Nachtheil. 
Das Dilemma ist dies: entweder fusst das Petrus-Evangelium auf 

Texte u. Untersuchungen IX, 2. 2. Aufl. 3 



Digitized by 



Google 



34 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

unserem Matthäus — dann hat es dieses Evangelium als eine 
unvollkommene, zum Theil unglaubwürdige Darstellung mit 
höchster Freiheit behandelt und stark corrigirt — oder (was 
mir viel wahrscheinlicher ist) es fusst auf einem unserem Mat- 
thäus verwandten Bericht, den es weiter ausgesponnen hat. In 
letzterem Falle muss die Frage offen bleiben, ob dazu noch unser 
Matthäus secundär benutzt ist oder nicht. — Ähnlich steht die 
Frage in Bezug auf das Verhältniss zum Lucas- Evangelium. Die 
beiden Stücke v. 1—5 (Herodes in der Leidensgeschichte) und 
v. 13 (die Rede des Schachers) hat das Petrus-Evangelium nur 
mit dem Lucas-Evangelium gemeinsam. Aber wie anders hat 
jenes Evangelium erzählt! Hat es den Lucas gekannt oder nur 
ähnliche Traditionen wie Lucas benutzt? In dem Stück v. 1 — 5 
ist es dem Lucas-Evangelium gegenüber, soweit ein Vergleich 
überhaupt zulässig ist, secundär; aber gilt das auch von v. 13? 
Im Lucas-Evangelium spricht der Schacher zu seinem Mit- 
gekreuzigten, in unserem Evangelium zur Menge — was ist ur- 
sprünglicher? Die Rede des Schachers dort und hier sieht wie 
verschiedene Übersetzungen einer Vorlage aus: fjfislg 6tä xd 
xaxd d IjzoiTJoafiev ovxco jtejcovß-a/isv [zum letzteren Wort s. 
Acta Pilati ed. Tischendorf p. 308: rjfieZg agia cor ingat-dfiev 
Indfrofiev), ovxog 61 und rffietg filv öixalwg, ägia yaQ cov 
ijcQagafiev djtoZafißdvofiev ovxoq de. Die Fortsetzimg lässt 
die lucanische Fassung als die ältere erscheinen: ovöhv axoxov 
IxQa&v (Petrus-Evangelium: ocoxtjq yevofievog x<5v dv&Qcijtcw 
xl ijölxrjosv vfiäg;). Einzelheiten, wo eine Abhängigkeit zu ver- 
muthen ist, habe ich zu v. (3). 5. (7). 10. 21. 25. 28. 36 (diese 
Stelle scheint mir besonders wichtig) 50. 51. 52. 54. 55. 58. 59 ver- 
zeichnet. Um ein sicheres Urtheü zu gewinnen, reichen sie m. 
E. nicht aus. Immerhin mag die nicht wahrscheinliche Annahme 
offen bleiben, dass der Verfasser unser Lucas-Evangelium gekannt, 
es v. 1—5 höchst frei ausgeführt und v. 13 corrigirt hat. — Schliess- 
lich ist das Verhältniss zum Johannes-Evangelium zu betrachten. ! ) 



1) Der Universalismus des Heils ist in unserem Evangelium stark aus- 
geprägt durch die Bezeichnung Jesu als awxtjQ twv dv&Qwnwv v. 13 (s. das 
akkovg Hotoaev der Ew.). Für die Christologie kommen die vier Stellen 
in Betracht (v. 6. 9. 45. 46), wo Jesus Sohn Gottes genannt wird. Wichtig 
ist auch v. 56: anrjX&sv ixsl o&ev cbteatdl?]. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 35 

In der Erzählung steht unser Verfasser dem 4. Ev. in der Auf- 
ersteh.-Gesch. fern, in der Leidens-Gesch. nah; in der Stellung zu 
den Juden (s. das zu v. 1 Bemerkte, v. 6. 15. 20. 23. 25. 48. 50. 52) 
trifft er mit ihm zusammen, ja übertrifft es durch die Art, wie er 
Pilatus zurückschiebt und die Leiter des jüdischen Volks (sammt 
Herodes) zu den eigentlichen Richtern Jesu macht. Für eine Ab- 
hängigkeit läset sich allerdings hieraus nichts folgern, auch 
nicht aus den Wortparallelen, die ich zu (3). (6). (7). (8). 9 (bis). 
10. 12. 55. 56 (die drei letztgenannten Stellen und 9 b sind vielleicht 
doch nicht ganz ohne Werth) angeführt habe. Ferner, dass unser 
Fragment mit einer Erscheinung Jesu in Galiläa am See vor 
Petrus schliesst, ist eine Parallele zu Joh. 21, lff., aber auch 
nicht mehr; denn, obgleich wir nur den Anfang der Geschichte 
in unserem Fragment besitzen, genügt das uns Erhaltene doch, um 
zu erkennen, dass das Erzählte nicht aus Joh. 21, lff. geflossen 
ist Es bleiben somit fünf Stellen übrig ! ), nämlich 1. der xakov- 
fisvog xfjxoQ 'Icoötjg) in v.24 (nur Johannes nennt 19,41 den xrjjtog, 
aber nicht als Eigenthum Josephs), 2. der Hinweis auf das jüdische 
Gesetz in v. 5 und 15 (s. einen ähnlichen Hinweis Joh. 19, 31), 3. 
das Annageln der Hände v. 21 (s. Joh. 20, 20. 25. 27), nicht auch 
der Füsse, 4. der Bericht über das Brechen der Beine v. 14. * 2 ) 
Hält man auf Grund dieser Stellen die Abhängigkeit vom vierten 
Evangelium für wahrscheinlich — erwiesen ist sie nicht — , so 
muss man auch die Gonsequenzen tragen, dass der Verfasser des 
Petrus-Evangeliums sich 1. um das Evangelium, obgleich er es 
gekannt, sonst so wenig gekümmert, und 2. es an der sicher- 
sten Stelle, wo er es braucht, corrigirt hat; denn wie man 
auch v. 14 deuten möge, immer steht der Vers mit der Dar- 
stellung des vierten Evangeliums in Widerspruch. Deutet man 
ihn auf Christus, so widerspricht das „oncog ßaöavi^ofierog cbto- 
&avoi* dem johanneischen Bericht, nach welchem Jesus schon 
todt war; deutet man ihn auf den Schacher, so widerspricht das 
Joh. 19, 32, wo ausdrücklich gesagt ist, beiden Schachern seien 
die Beine gebrochen worden. Zu den Stellen, die eine Ver- 

1) Über eine sechste Stelle s. den Excurs zu v. 7. Wichtig ist auch, 
dass die Reihenfolge vv. 10 — 12 sich mit Joh. 19, 18 — 24 deckt. 

2) Hingewiesen sei auch auf die hervorragende Stellung der Magda- 
lena unter den Weibern am Ostermorgen. Unser Ev. nimmt hier eine 
Mittelstellung ein zwischen den Synoptikern und Johannes. 

3* 



Digitized by 



Google 



36 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

wandtschaft der beiden Evangelien begründen, kommt aber end- 
lich fünftens noch v. 5; nach der wahrscheinlichsten, ja wohl 
einzig möglichen Erklärung dieser Stelle steht der 1. Tag der 
süssen Brode noch bevor, d. h. Jesus ist nach diesem Bericht 
am 14. Nisan gekreuzigt worden, wie auch das 4. Evangelium 
behauptet. 

Weit entfernt, dass der neue Evangelienfund die literar- 
historischen und historischen Probleme, welche die vier kano- 
nischen Evangelien bieten, lösen helfe, complicirt er sie nur, 
wenigstens zunächst. Zu den vier Factoren, die — weil wir ihre 
Quellen nicht sicher kennen — zum Theil unbekannte Grössen 
sind, ist ein fünfter getreten. Mag man auch alle Nachrichten, 
die das neue Evangelium über die kanonischen Evangelien hinaus 
bringt, für unglaubwürdig, secundär, ja tertiär halten '): die Ver- 
wandtschaft mit den synoptischen Evangelien und mit Joh. und 
wiederum die Selbständigkeit des neuen Evangeliums ist so gross, 
seine Beziehungen zu Matth., Marc, Luc. den Beziehungen so 
ähnlich, die diese Evangelien unter einander haben, dass Niemand 
in Zukunft stillschweigend über das Petrus-Evangelium hinweg- 
gehen kann, der sich kritisch mit den kanonischen Evangelien be- 
schäftigt. Wie man auch über die Frage seines Verhältnisses zu 
diesen urtheilen mag, soviel ist schon jetzt gewiss, dass unser 
Evangelium kein Diatessaron ist, 2 ) und dass es in eine Zeit gehört, 
da der evangelische Stoff noch im Fluss war. 3 ) Denn supponirt 
man, dass es seinen ganzen Stoff aus den kanonischen Evangelien 
habe, so folgt, dass man diese damals noch in freiester Weise 
behandelt und umgeformt hat; nimmt man an, dass es von ihnen 
unabhängig sei, so ergiebt sich, dass es aus einer Zeit stammt, 



1) Doch ist eine solche Ausgabe wie z. B. v. 26^ gewiss aller Be- 
achtung würdig, s. auch das zu v. 58 ff. Bemerkte. Ferner ist die Schilde- 
rung der Leidensgeschichte in ihrer Kürze und Einfachheit höchst werthvoll. 

2) Mit dem Hebr. Ev., soweit wir auf Grund der Auferstehungs- 
geschichte urtheilen können, besteht keine Verwandtschaft (ebensowenig 
mit Tatian's Diatessaron; denn eine Stelle beweist nichts, s. u.), und das 
Evang. Nicodemi hat mit unserem Ev. nichts zu thun. 

3) Dass unser Fragment die Bemühungen, letztlich auf ein aramäisches 
(hebräisches) Original zurückzugehen, unterstützen wird, sei nur angemerkt; 
vergl. das zu v. 3. 8. 12. 13. 15. 19. 20. 24. 43. 56 Bemerkte (s. auch 
v. 7. 9«. 11), ferner vgl. die unten folgende Parallelentabelle. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 37 

in der neben den kanonischen Evangelien der Strom der evan- 
gelischen Überlieferung und Legende noch frei gefluthet hat 
und man noch kühn aus ihm schöpfte, ohne sich um bereits 
fixirte evangelische Schriften zu kümmern. Aus diesem Dilemma 
ist nur dann ein gewisser Ausweg möglich, wenn sich nach- 
weisen Hesse, dass das Petrus -Evangelium von vornherein für 
eine ausserkirchliche christliche Partei geschrieben ist, die sich 
an die Überlieferungen und Ordnungen der grossen Kirche nicht 
gebunden fühlte. In diesem Falle wäre die Situation, die als 
Voraussetzung des Evangeliums zu ermitteln ist, für die Er- 
kenntniss der Situation der grossen Kirche (gegenüber den kano- 
nischen Evangelien) nicht schlechthin maassgebend. Für eine 
solche nur particulare Bedeutung unseres Evangeliums fallen 
seine doketisch-gnostischen Züge in's Gewicht: die eigentüm- 
liche Wiedergabe des Wortes Jesu am Kreuz (v. 19) und das 
avtXr\q>^r\ (1. c), der sich selbst bewegende Stein (v. 37), das 
wandelnde Kreuz (v. 39) und die Stimme aus dem Kreuz (v. 42). 
Dergleichen mag das vollständige Evangelium noch mehr ent- 
halten und Serapion (s. o.) mag eine stattliche Liste zusammen- 
gestellt haben. Immerhin beweisen „doketische" oder „gnostische" 
Züge an sich noch nicht die Unkirchlichkeit im 2. Jahrhundert; 
dazu werden in dem gleich folgenden Abschnitt Beobachtungen 
uns entgegentreten, die es verbieten, an einen „gnostischen" Ur- 
sprung unseres Evangeliums zu denken. 

In ein ganz neues Licht tritt unser Evangelium, wenn es 
sich erweisen lässt, dass Justin es gekannt hat. Ich habe bis- 
her von ihm geschwiegen, will hier aber die Beobachtungen 
zusammenstellen, die dafür sprechen, dass er es wirklich ge- 
kannt, ja unter den JijioiiV7]fiOPevfiara u benutzt hat. Irre ich 
mich nicht, so werden die von Credner in den Beiträgen z. 
Einl. i. d. bibL Schriften Bd. I 1832 über das Petrusev. aufge- 
nommenen Untersuchungen, die schon für antiquirt galten (auch 
ich habe sie dafür gehalten), wieder auf zu nehmen und werden 
überhaupt die (hauptsächlich) von Semisch, Hilgenfeld, Zahn 
Bousset und Res eh geführten Verhandlungen über das Evan- 
gelium zu revidiren sein 1 ). Bei der fundamentalen Wichtigkeit 

1) Auch das Zeugniss Theodorets (s. o. S. 4) rückt dann in ein etwas 
günstigeres Licht. 



Digitized by 



Google 



38 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

der Frage für die Kritik der Evangelien enthalte ich mich eines 
abschliessenden Urtheils noch, gestehe aber, dass ich z. Z. nicht 
einzusehen vermag, wie man die Kenntniss unseres Evangeliums 
bei Justin in Abrede stellen können wird. Bei der Untersuchung 
der Frage wird man, um nicht Unbilliges zu verlangen, sich 
erinnern müssen, dass unser Evangelium in einem verhältniss- 
mässig kurzen Fragment vorliegt, und dass Justin nur einzelne 
Stücke aus den von ihm benutzten Ew. bringt. 

1) Unser Fragment beginnt mit einem Abschnitt aus der 
Leidensgeschichte, der nur im Lucas ev., aber auch dort nur eine 
höchst unvollkommene, Parallele hat: „Die Juden", Herodes, die 
Richter, Pilatus und die Soldaten stehen in demselben zusammen. 
Von „den Juden" ist im Abschnitt bei Luc. (23, 6 — 12) nicht die 
Rede. Justin kommt ApoL I, 40 auf diese geschichtliche Scene zu 
reden; er schreibt: xal jtcog (irjvvet xtjv yeyevi](iivfp^ *Hq&öov 
xov ßaoiZicog 'Iovdalmv xal avxriov y lovöalmv xal UiXaxov 
xov vfieziQOv nag avxolg yevofievov ixixQOJcov ovv xolg avxov 
öxQaximxaig xaxa xov Xqiöxov ovviXevciv. Da haben wir „die 
Juden" des Petrusev.; auch die Soldaten sind Petrusev. v. 2 u. 6 
angezeigt. Eine solche övvtXevoig kennen die kanonischen Ew. 
nicht. 

Stammt dieses Stück aus dem Petrusev., so muss man sich 
erinnern, dass Justin Dial. 103 aus der Leidensgeschichte einen 
weiteren Zug hervorhebt, der nicht in unserem Luc. steht: ^Hqwöov 
öiy xov *4(>x&aov öiaösgafitvov . . . . a> xal UiXaxog x<*Qi£6fi6Vog 
öedsfievov xov 'Itjöovv ejcefitps. Man hat bisher nicht gewusst, 
woher dieses öeösfiivov stammt. Nachweisbar ist es in dem 
Petrusev. jetzt nicht mehr, da die Einleitung zu der Scene v. 
1 — 5 fehlt. Es kann aus ihm genommen sein; doch mtisste 
dann erzählt sein, dass Herodes mit Jesus zusammen sich zu 
Pilatus begeben hätte. Dies setzt in der That unser Fragment 
voraus. Doch will ich auf diesen Punkt kein Gewicht legen. 

2) Justin schreibt Apolog. I, 35: diaövQovxeg avxov 
ixa&iöav Ixl ßrjiiaxog xal sljtov XQtvov y/ilv. Alle drei 
Stücke sind „apokryph* d. h. fehlen — wenigstens nach der 
bisherigen Auslegung; doch s. den Excurs zu v. 7 unten — in 
unseren Ew., sowohl das öiaovQovxeg, als das Setzen des Herrn 
auf den Richtstuhl, als die höhnische Rede. Im Petrusev. heisst 
es v. 6 ff.: övQOfiev xov vlov xov B-sov . . . bta&tcav avxov ixl 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 39 

xa&iÖQav xqIoswq Xtyovxeg' öixalwg xqIvs, ßaoiXev xov y l6Qa?']X. 
Damit scheint Justin's Quelle unwidersprechlich aufgedeckt. 

3) Dial. 97 bietet Justin den Ausdruck Xaxftov ßdXXovxeg 
bei der Vertheilung der Kleider des Herrn. Kein kanonisches 
Ev. bietet ihn; aber im Petrusev. lesen wir v. 12: Xaxftov eßa- 
Xov kn avxolg (Vom ungenähten Rock reden Beide nicht). 

4) Apol. I, 50 (Dial. 106) heisst es, dass alle yvo$Qi(ioi 
'Jfjöov ajtiox7)Oav (s. auch das öuoxsödöfhjöav Dial. 53), das 
steht nicht in den kanonischen Ew., aber aus Petrusev. v. 26. 
27. 59 lässt sich das wohl herauslesen. Doch muss es fraglich 
bleiben, ob man diese Vergleichung vollziehen darf 1 ). 

5) Dial. 108 heisst es: 'Itjöov . . . ov oxavQcoödvxmv qficov, 
ol fia&rjxai avxov xXitpavxsg avxov djto xov (ivrjfiaxog 
wxxdg, ojto&ev xaxsx&t] d(p?}Xa)&elg cbto xov öxavQOv, JtXa- 
vcoöi xovg dvd-Qcoxovg Xiyovxsg kyriyiQ&ai avxov ix vbxqcjv. 
Diese Stelle stimmt mit dem Petrusev. nicht minder überein wie 
mit dem Matth., der allein hier in Frage kommen kann; denn 
das xXitpavxsg haben beide Zeugen, Matth. bietet eine Parallele 
zu xXavdiöi . . . hyriyiQ&ai, aber nur das Petrusev. bietet (ivrjfta 
(Matth. (ivrjfielop) und zu d<p7)Xco&tig s. v. 21. 

6) Justin nennt Dial. 103 den Herodes der Leidensgesch. 
„König", wie unser Ev. 

7) In Dial. 106 — freilich eine vielumstrittene und viel- 
erklärte Stelle — beruft sich Justin nach der einfachsten Inter- 
pretation seiner Worte ausdrücklich auf „djcofiVTjftovsvfiaxa 
BixQov* (so auch Zahn, Gesch. d. NTlichen Kanons I S. 511), 
also auf ein Petrusev.: xal xo eljcelv /iexa)vo t uaxevai avxov 
IHxqov %va xcqv djtooxoXcov, xal yeyQatpfrai kv xolg djiofiv?]- 
fiovsvftaoi avxov yeyevrjfiivov xdL xovxo xxX. Man hat bisher 
unter den dxofivrjfiovsvfdaxa IHxqov das Marcusev. verstanden; 
allein das war eine, wenn auch naheliegende, so doch peinliche 
Auskunft. Die oben angeführten Bezugnahmen auf das Petrusev. 
bestätigen es, dass ein solches Justin wirklich vorlag. 

Überzeugt man sich, dass diese Stellen — vielleicht können 
sie noch vermehrt werden — ins Gewicht fallen, so wäre be- 



1) Angefahrt darf auch werden, dass in der pseudojnstinischen (nach 
Zahn justinischen) Schrift de resurr. 9 nur von xvuol xwv ?}ka>v iv xalq 
XtQoLv die Rede ist, wie in unserem Ev. y. 21. 



Digitized by 



Google 



40 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

wiesen, dass das Petrusev. schon z. Z. Justins existirt hat und 
unter den , Axoiiv7](iov£V[iaxa von ihm gebraucht worden 
ist 1 ). Das Ev. wäre dem gemäss sicher nicht später als im ersten 
Drittel des 2. Jahrhunderts entstanden (von hier aus fiele dann 
auch ein sehr erwünschtes Licht auf die Abfassungszeit der älteren 
Evangelien). Auch dann könnte es zu Gunsten einer bestimmten 
Richtung in der grossen Christenheit (aber nicht einer abge- 
sonderten Secte) geschrieben sein 2 ). 

Es giebt aber noch andere wichtige Spuren des Gebrauchs 
unseres Evangeliums. M. W. hat zuerst Res ch (Agrapha S. 3 19 ff.) 
darauf hingewiesen, dass in der nur syrisch erhaltenen Grund- 
schrift der 6 ersten Bücher der Apostol. Constitutionen, der sog. 
Didascalia (ich setze sie, von den antinovatianischen Stücken ab- 
gesehen, in die erste Hälfte des 3. Jahrh., Funk in das erste 
Viertel) ein eigenthümliches Evangelium benutzt ist, das er 
„Didascalia-Evangeliuni" genannt hat Diese Beobachtung ist 
unwidersprechlich, zumal wenn man darauf achtet, dass der Re- 
dactor der Apostol. Constitutionen alle oder doch fast alle diese 
„apokryphen" Berichte und Züge in seiner Bearbeitung getilgt 
hat. Resch hat sie in § 12 seines Werkes zusammengestellt. 
Nur darin scheint er geirrt zu haben, wie Funk, Apostol. Constit. 
S. 64 bemerkte, dass er die ganz sonderbare Berechnung der 
Leidenswoche ohne Weiteres dem Evangelium, welches der Verf. 
der Didascalia benutzte, aufgebürdet hat (das Abendmahl wird 
als Passah mahl auf den Dienstag angesetzt, ebenso der Verrath; 



1) Ist dies richtig, so wäre in dem Petrusev. eine (oder die) Quelle 
zu sehen, aus der Justin seine übrigen „apokryphen" Berichte geschöpft 
hat. Allem zuvor kommt hier der Bericht Über die Himmelsstimme bei 
der Taufe in Betracht (Dial. 88. 103: v\6q fiov el av, iyw ofjßtQOv yeyev- 
vr\xa ae) und über die Feuererscheinung bei der Taufe, aber ausserdem 
noch manches Andere; s. Resch, Zahn, Bousset. 

2) Besass Justin unter seinen Evangelien unser Petrusev., so erklärt 
sich erst — was unter der Voraussetzung, er habe nur die kanonischen 
Ew. besessen, schwer zu erklären ist — , dass er seine Evangelien aus- 
drücklich als ,yÄ7iofjLvrißov^v(iaxa u der Apostel und Apostelschüler be- 
zeichnet hat. Das Petrusev., welches er für echt gehalten haben muss, 
giebt sich selbst als li7tofiVTjfiovsvfiaza ühpov, ja strenggenommen, giebt 
sich unter allen Evangelien, die wir kennen, nur dieses so. Es ist also 
wahrscheinlich, dass dieser Titel für die Ew. überhaupt von dem Petrusev. 
herrührt. 



Digitized by LjO OQIC 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 41 

am Mittwoch sei Jesus im hohenpriesterlichen Gefangniss ge- 
blieben, am Donnerstag sei er zu Pilatus geführt und den ganzen 
Tag im Gewahrsam desselben gehalten worden; in der Nacht 
wurde er verklagt und am Freitag gekreuzigt), während doch 
aus dem Context deutlich hervorgeht, dass der Verf. das Mitt- 
wochsfasten der Kirche aus der Leidenswoche begründen wollte, 
also mindestens auch mit eigener Feder hier gearbeitet hat. 

Unter den vielen „apokryphen" Erzählungen der evangelischen 
Geschichte in dieser Didascalia erregt nun vor allem eine unsere 
Aufmerksamkeit; es heisst V, 19 (Bunsen, Anal. Antenic II 
p. 320): 6 fiav aXXotpvXog XQiztjg vitpdfievog zag x Bl Q a $ 
bIjisv ad-cbig elfii djco xov atyaxog xov öixalov xovxov, v/islg 
oipso&e — 6 dh 'iagaijX IxeßoTjOe* xo alfta avxov lq> rtfiag xal 
ijtl xd xixva ?]fi<5v. xal 'HQmöqg 6 ßaöiXevg IxiXevotv 
avxov OTavQw&T/vai. 

Dass das Didascalia-Evangeliuni das Petrusev. ist, 
scheint mir nach dieser Stelle zweifellos. Die Ent- 
schuldigung des Pilatus (s. auch den Ausdruck XQixqg, der sich 
in unseren Ew. für Pilatus nie findet, aber s. Petrusev. v. 1; 
vgl. ferner das Wort vltpafitvog: Matth. bietet hier 27, 24 ajto- 
vtyaö&ai, das Petrusev. dagegen vltpaG&ai), die Gegenüberstellung 
der schuldigen Juden, aber nicht als Juden, sondern als „Israel" 
(s. Petrusev. v. 7, 11, anders Matth. 27, 25: Jtag 6 Xaog? Matth. 
bietet auch nicht ImßoTjös, sondern djtoxQi&elg elxsv), endlich 
der im Petrusev. (v. 2. S) fast wörtlich gleichlautende, ihm eigen- 
tümliche Satz: xal ^HQwöqg 6 ßaoiXtvg (beachte auch dies Wort) 
ixeXevotv avxov oxavQmfrijvai, der den kanonischen Ew. wider- 
spricht, machen es evident, dass hier das Petrusev. vorliegt. Ist 
dem so, dann folgt, dass die Erzählung der Leidensgeschichte 
in der Didascalia überhaupt, soweit sie sich nicht aus unseren 
Ew. belegen lässt und soweit sie nicht vom Verf. willkührlich 
geändert ist — was noch zu untersuchen ist (s. auch oben) 
— , aus unserem Evangelium stammt. Diese begründete Ver- 
muthung wird dadurch noch bestärkt, dass wir in dem Didas- 
calia -Evangelium dreimal die Formel finden: ol jtQeößvxsQOi 
xal ol ItQelg (resp. ol yQa/ifiaxtlg xal ol hgslg xov Xaov). 
Diese vlsQeZg* sind den kanonischen Ew. unbekannt; aber im 
Petrusev. heisst es v. 25 ebenso: ol jtQBOßvzeQOi xal ol IsQtlg. 
Darauf freilich darf man sich nicht ohne Weiteres berufen, 



Digitized by 



Google 



42 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

dass das Didascalia-Ev., wie das Petrasev., in der ersten Person 
Plur. die evangelische Geschichte erzählt, denn das gehorte 
zur schriftstellerischen Fiction der Didascalia, die von den zwölf 
Aposteln herrühren will. Wohl aber erklärt diese Fiction es, 
weshalb der Verf. zu einem Evangelium gegriffen hat, welches 
in der 1. Person PI. erzählte. Kein anderes konnte ihm so will- 
kommen sein; denn hier brauchte er nichts umzuformen. 

Ich stelle nun die „apokryphen" Stellen aus der Didascalia 
zusammen, die sämmtlich das Präjudiz für sich haben, aus dem 
Petrusev. zu stammen. Ausschreiben werde ich nur die Stellen, 
die sich auf die Leidensgeschichte beziehen oder die ein beson- 
deres Interesse haben. 

1) L. I, 1 p. 226 u. III, 15 p. 294 (Resch, Agrapha S. 95). ') 

2) L. II, 21 p. 251 u. II, 42 p. 269 (Resch S. 97). 2 ) 

3) L. IV, 3 p. 297 (Resch S. 99) 3 ). 

4) L. VI, 5 p. 323 (Resch S. 105): a>g xal 6 xvqioq xal 
6 öcottjq rifiäv £g)7j 9 oxc loovxat atQtöecg xal oxlOfiaxa. Dieses 
Wort steht als ausdrückliches Herrnwort auch bei 
Justin, DiaL 35. Bei Justin aber haben wir die Benutzung 
des Petrusev. für sehr wahrscheinlich halten müssen. 

5) L. II, 36 p. 265 u. 266 (Resch S. 118 ff.): yiveö&e xQane- 
Clxai doxifiot. Dieses Wort bieten u. v. A. auch Clemens Alex., 
Origenes u. Apelles. 

6) L. II, 3 p. 237 (Resch S. 129): oxi Ziyei xvQiog' dyäxt] 
xaZvjtxei jtXfj&og afiaQxicov (s. I Petr. 4, 8; Clem. Alex., Paedag. 
III, 12,91 :xal (irjp xal jteQt äyäjtrjg' äyajt?],(pr}Gl,xakvxx6i xX?]&og 
afiaQTicov' xal jisqI jtoXixeiag' djcoöoxe rä KalcaQog KaloaQt 
xal xd xov &eov xcp &eq>). 

7) L. II, 32 p. 263 (Resch S. 347) hat die Didascalia die 
Stimme bei der Taufe wiedergegeben: xiog pov d öv, iyco 
öTjfiSQOP yeyivvTjxd es. Auch hier stimmt sie also mit Justin 



1) Dieses o fuaslg aol yeveod-ai, ovÖh äkty ov noiqoeiq bietet auch 
Clemens Alex. 

2) Zu diesem a<pst€ xal d<pe&tjo?tcu v(ilv diöoze xal öo&qoexat vplv 
ist Giern. Rom. und Clem. Alex, zu vergleichen. 

3) Zu dem oval xolq fyovoiv xal iv vnoxolaei Xa/ußovovoiv ist Clem. 
Alex, zu vergleichen. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus- Evangeliums. 43 

(Dial. 88, 103), ferner mit Clemens Alex., Paedag. I, 6, 25, 
Methodius u. s. w. überein. '). 

8) L V, 15 p. 315 (Resch S. 395). 

9) L. V, 17 p. 317 (Resch S. 404): Mfjvl xazd xov aQi&fiöv 
zcov 'Eßoalcov xwv xiöxwv öexdxcp öevxiQag oaßßdxcov (diese 
Worte verbinde ich nach Resch mit den folgenden) ovv^x^V oap 
xal rjlfrov ol xQeoßvxeQoi xal ol legete xov Xaov elg xtjv avXrjv 
Katatpa xov aQXieQtwg xal oweßovXevoavxo, iva xQazTjöcooi xov 
'Ir/oovv xäi axoxxelvmöiv. dXX y iq)oßovvzo xal eXeyov ///} iv 
zjj eoQxfj, iva firj üoQvßog yivtjfzai iv ztp Xacp , xdvzeg yaQ 
XQOöexoXXalvzo avzqi xal xQog)fjzi?v avzov ivofii^ov öid xd 
xexfiriQia Idöscoq d ixolei iv fiiöcp avxaZv. 6 öh 'irjoovg txelvq 
xf] fjfiiQa kyivezo iv olxla Slpcovog xov XexQov xal tjfielg 6f/ov 
(lex* avxov xal igrfyrjoavxo rjfdtv xd fiiXXovxa ovfißaiveiv avx<ß. 
'lovöag öh igijX&ev agf qfialv Xa&Qaicog iXxl^oov dxaxrjöeiv xov 
xvqiov xal xoQev&elg xQog olxov Kald<pa övvrjyfiev&v xeov 
aQXMQicnv xal xQecßvxiQcov eljiev avxolg' xl d-iXexi (ioi öovvai 
xq.yd> vfilv xaQaöcoöco avxov 9 xoiqov fiexaXaßciv; ol de eoxrpav 
avxco xQidxovxa aQyvQia. 6 öh elxev avxolg' tzoifidöazt ftoc 
veavloxovg coxXiopevovg öid zovg (la&tjxdg avxov, iva vvxxoq 
i§eX&6vxog avxov elg xoxov eQrjfiov iX&w xal Tjycöfiai vfiag. 
avxol öh rjxoipaöav veavloxovg xov xgazelv avxov, 'Iovdag öh 
evxaiQlav itrjzei, iva avxov xaQaöw. öid öh xov ovvad-QoiCfiov 
xavxog xov Xaov dxo jiacdjv xeov xcofiwv xal xwv xoXecov 
(s. Petrusev. v. 58) xov dveXd-ovxog elg xov vaov xoielv Jtdoxa 
iv 'IeQovoaXrjii ovfißovXevodfievoi ol leQelg xal ol XQeoßvxeQoi 
ixiXevov xaxiwg xoielv xtjv toQzt/v, iva dvev doQvßov xQaxi]- 
ocootv avxov. ol yaQ leQOövXvftlzai xeQieoxcovxo Vvolaig xal 
xQo<palg xov xdoxa xal xag 6 Xaog 6 ega> cov ovxm iXrjXvdei' 
rixdxtjxav yaQ avxovg xbqI rjfieQcov, mg xal rjXiyx^oav XQog 
&eov, oxi xavxaxo&ev elol xexXavrjfiivoi. öid xovxo xQelg 
ijfityag xqo xov xaiQov ixoiTjoav xd xdoxa evöexdxy xov (itjfvog 
xqIx\i Oaßßdxcov. elxov yaQ' oxi xag 6 Xaog xXavdxai (lexoxloco 
avxov, vvv evxaiQlag ovörjg xQaxdifiev avxov xal exeiza iX- 
d-ovxog xavzog zov Xaov dxoxzeivcofiev avzov ivcixiov xdvza)v y 

1) Nach den Parallelen zwischen den Gitaten der Didasc. und Clemens 
Alex, entsteht die Vermuthung, dass auch dieser das Petrusev. benutzt hat. 
Stammt nicht auch das merkwürdige Gitat Clem. Strom. HI, 15, 97 aus 
unserm Evangelium? 



Digitized by 



Google 



44 Bruchstücke des Evangeliums uud der Apokalypse des Petrus. 

Iva öaqxSg yvwö&f] xal emöXQetprj jtaq o Xaoq. xal ovxoo w- 
xxoq ijti<pcoöxovG7]q xtjq xexaQxrjq xdiv öaßßdxcov XQoiöcoxev 
avxolq xov xvqiov, xov de (iiöd-ov eömxav avxcp xi\ öexdxf] 
xov firjvdq öevxtQa xdiv öaßßdxcov. ötd rovxo lXoyio&T]Cav d-eo} 
coq öevrtQa xdiv öaßßdxcov xexQax?jx6xeq avxov, 616x1 öevxiQa 
xdiv öaßßdxcov ovveßovXevoavxo JteQt xov xgaxelv xal dxo- 
xxsivsip avxovxal IxiXeöav xi)v jtovrjQlav avxcuv xfj xaQaöxevjj, 
coq Xfyei McoöTJq JteQi xov jtäoxa ovxco, oxi XTjQelofrco vplv 
cuto öexaxrjq fiixQ 1 xeöOOQeöxai6exdxt}q xal xoxe frvöei xo 
jidox<* jcaq 'löQarjX. Wie viel in dieser Schilderung aus dem 
Petrusev. genommen ist, mag einer genauen Untersuchung vor- 
behalten bleiben. Sehr wohl kann das Ev. erzählt haben, dass 
Jesus bereits am Dienstag Abend ergriffen worden ist; aber un- 
möglich kann es die thörichte Geschichte berichtet haben, dass 
die Passahmahlzeit um drei Tage vorgerückt worden sei und 
dass Jesus noch mit seinen Jüngern sie gefeiert habe. Dies 
wird durch unser Fragment (v. 5) direct ausgeschlossen. Dass 
es aber der Fabelei des Verfassers zu Grunde liegt, wird daraus 
wahrscheinlich, dass nach ihm das Passah um drei Tage 
verschoben und am Dienstag gehalten wird, d. h. die Passah- 
mahlzeit fiel nach ihm eigentlich auf den Freitag. Eben auf 
diesen Tag verlegt sie aber mit Johannes auch der Verf. des 
Petrusev. nach v. 5. 

10) L. V, 14 p. 312 (Resch S. 407): oxe yaQ txi (tefr' rjf/cöv 
T(V jtQo xov jtdoxeiv avxov y löfriovxcov f/ficov ovv avxcp xo xdoxa 
[kann nicht aus dem Petrusev. stammen], Xiyei ?jfilv iv xavx%i xfj 
vvxxl elq i§ vficov xaQaöcoöei fie. xal txdöxov ?}fioov Xtyovxoq' 
fitjxe iyco; cutexQl&rj xal eljtev 6 iftßajcxiodf/evoq pex' i t uov iv 
xcß xQvßXlop. xal dvaöxdq cbirjX&ev %v6aq 6 'löxaQicoxrjq elq 
Ig q/idiv cov, Iva jiqoöco avxov. xal xoxe ?jfilv eljtev 6 xvQioq* 
dftrjv Xeyco vfrtv (lex* oXlyov xaiQov cbtoXeltpexi (ie y 616x1 ye- 
yqanxai' xaxdgco xov jtoi/iiva xal öiaöxoQJiiö&Tjöovxai xd jiqo- 
ßaxa xfjq Jtolftvtjq avxov* xal rjX&ev 'Iovöaq ovv xolq ygafifia- 
xevöi xal ovv xolq iegevoi xov Xaov xal JCQoiöcoxe xov xvqiov 
'Itjöovv. xavxa de iyivexo xy zexdQxy xdiv öaßßdxcov. iö&lovxeq 
yaQ xo jzdoxa xqIxjj xdiv öaßßdxcov [kann nicht aus unserem Ev. 
stammen] kojcdgag i$?]X&o(/ev elq xo OQoq xdiv iXaloov. xal xfi 
wxxl ixQaxTjöav xov xvqiov 'frjöovv. xal xfj ?}(i£Qa xexaQxq xcov 
öaßßdxcov epeivev iv cpvXaxT] iv xrj olxla Kaidcpa xov aQXLSQiwq. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 45 

xal xavxy xy >)ntQa ovvrjx&rjoav ol aQxovxeg xov Xaov xal ovve- 
ßovXevoavxo jisqi avxov. xal xi\ jtifixxy xwv öaßßdxmv cbidyov- 
oiv avxov jtQoq IJiXaxov tfyepova xal efteive ndXiv iv q>vXaxij 
jraQa üiXdxov [diese doppelte eintägige Haft bei Kaiphas und 
Pilatus kann sehr wohl aus unserem Ev. stammen], zij fisza 
xrjv Jti(ijizrp> zcov öaßßazwv wxzl jraQacxevfjg ovorjg xazrjyo- 
Qovaip avzov lva>jtiov üiXdzov xoXXd, xal ovöev lloxvov dXi?&eg 
ixiöelgai, dXXd IfiaQzvQOvv £x avzcp ftaQzvQia ipevöij xal i]zt}~ 
oavzo jtaQa ÜiXdzov zfjv dvalQeoiv avzov. xal iozavQcooav 
avzov avzfj zy jtaQaöxevij. 2g ovv c&Qag exaoxev iv zrj naQa- 
oxevy xal avzai al coQai, alq iözavQcbfrr} 6 xvQiog rffimv, rjfiiQa 
iXoyiöfrtjöav. ejtsiza eyivezo ZQelg c&Qag oxozog xal eXoyiöfrt] 
vvg xal JiaXiv djto evdzrjg wQaq jtQog delXi?v ZQelg cogag qfitQct 
xal Ixuza jtdXiv vv§ zov öaßßdzov zov xd&ovg [auch diese 
seltsame Berechnung gehört dem Verf. an; aber die Grundlage 
derselben kann er dem Petrusev. entnommen haben, s. v. 18: 
voftl^ovzeg ozi vvg ioztv. Dass er bisher in seiner Darstellung 
einem ungenannten Ev. gefolgt ist, zeigt die nun folgende Er- 
wähnung des Matthäus; aus dieser nun eintretenden Erwähnung 
darf man auch schliessen, dass die Quelle, der er bisher gefolgt 
ist, der Gemeinde wenig oder gar nicht bekannt war], iv öh zqi 
Maz&aiov evayyeXlq* ovzco yeyQoxzai' otpe öh oaßßdzmv, zy 
tJtKpcoöxovoq elg (ilav oaßßdzmv, i XB-e MaQidfi xal aXXr\ Magidfi 
r) MayöaXr\vri OecoQtjOai zov za<pov, xal oeiCftog eyivezo fteyag' 
äyyeXog yaQ xvqIov xazaßäg ixvXiöe zov Xl&ov [der Verf. hat 
die Auferstehungsgeschichte nicht nach dem Petrusev. erzählen 
wollen], xal jtdXiv r\ //{itQa zov öaßßdzov xal ejteiza ZQelg 
ojQai zijg vvxzog ftezd zo odßßazov, aig ixd&evöev 6 xvQiog' 
xal ijiXi]Qc&&T] ixelva d eXeye, ozi öel zov viov zov dv&Qatjtov 
jtoiF/oai iv zjj xaQÖla zijg yrjg zgelg qfitQag xal ZQelg vvxzag, 
cog yiyQajczai iv z<p evayyeXiw. ... zjj wxzl ovv z?j exifpco- 
öxovoy zjj fila zdiv öaßßazwv q>aveQovzai MaQla xfj Mayöa- 
Xrjvfj xal MaQla z\l xov 'laxcißov xal fiexd zovzo ?)(ilv zolg 
fia&Tjzalg avzov (nicht nach dem Petrusev.). 

Die Didascalia führt uns hinüber zu einem Stück des N. T.'s, 
dessen Ursprung bisher dunkel war — die Perikope von der Ehe- 
brecherin. Westcott und Hort haben in ihrer Ausgabe des 
N. T. (II App. p. 82—88) eine vorzügliche Übersicht über die 
Überlieferung gegeben. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen 



Digitized by 



Google 



46 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

(p. 85 sq.) lauten: „The section is absent ftom all extant Greek 
Mss containing any considerable Pre-Syrian element of any kind 
except the Western „D", and from all extant Greek Mss earlier 
than Cent. V1I1 with the same exception. In the whole ränge of 
Greek patristic literature before Cent (X or) XII there is but one 
trace of any knowledge of its existence, the reference to it in the 
Apostolic Constitutione as an authority for the reception ofpeni- 
tents (associated with the cases of St. Matthew, St. Peter, St Paul, 
and the afiaQTcoZog yvvrj of Luc. VII, 37\ without however any 
indication of the booh from which it was quoted. This silence 
is shared by seven out of the eight Greek Commentators whose 
text at this place is in any way known; while the eighth intro- 
duces the Section in language disparaging to its authority. In 
all the Oriental versions except the Ethiopic (where it may or 
may not have had a place from the first), including all the Syriac 
versions except that of the Palestinian Christians in communion 
with Constantinople, it is found only in inferior Mss. In Latin 
on the other hand it had comparatively early currency. Its 
absence from the earliest Latin texts is indeed attested by the 
emphatic silence of Tertullian and Cyprian, and by the conti- 
nuity of Job. VII, 52 with VIII, 12 rhe (the non-vulgate element 
of which is mainly African) and a; nor is it found in the „Ita- 
lian M Mss fq: the obliteration in b is of too uncertain origin 
to be cited, for it begins in v. 44. But the Section was doubt- 
less widely read in the Latin Gospels of Cent. IV, being present 
even in e, as also in bc ff j vg and the Latin Mss. referred to 
by Ambrosius, Augustin and Hieronymus. Thus the first seven 
centuries supply no tangible evidence for it, except in D, Greek 
Mss. known to Hieronymus , and Consta. Apost; — in e, the 
European and Vulgate Latin, and Ambros. August. Hieronym. 
and later Latin Fathers; — and in the Aethiopic, if its known 
texts may be trusted. It follows that during this period, or at 
least its first four centuries, the Section was, as far as our in- 
formation goes, confined to Western texts, except in a single 
late reference in Const Apost, which is almost wholly Syrian 
in its quotations. The Section cannot have been adopted in the 
Syrian text, as it is wanting not only in the later Syriac versions 
proper but in the Antiochian Fathers and the older part of the 
Constantinopolitan lection -System, as well as in seven ty or more 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 47 

cursives. At some later time it was evidently introduced into 
the text and liturgical use of Gonstantinople. As a Western 
reading, — and that of comparatively restricted ränge, being 
attested by D e lai eur. aeth. but not (lai afr.) syr. vt or any 
Greek Ante-Nicene writer, — owing its diffusum in Greek in 
the Middle Age to an admission which niust have taken place 
after the rise of the eclectdc texts of Cent. IV, it has no claim 
to acceptance on Documentary grounds." 

Dieser Befund ist klar und leicht zu deuten — mit Aus- 
nahme des Citats in den Apostolischen Constitutionen. 
Dass sich die Perikope in D findet, macht keine Schwierigkeit; 
denn dieser gräco- lateinische Codex gehört dem Abendland an. 
Dort ist, und zwar in Rom (nicht in Afrika), die den vier Evan- 
gelien fremde Perikope vielleicht schon im 2. Jahrhundert um 
ihres tröstlichen Inhalts willen in eine Handschrift des Evan- 
geliums aufgenommen worden. Seit der zweiten Hälfte des 3. 
Jahrhunderts — in der Zeit des Kampfs gegen den Novatianis- 
mus — hat sie sich in den abendländischen (lateinischen und 
griechischen) Bibeln allmählich einen festen Platz erkämpft und 
ist von dort, aber erst geraume Zeit später, in die konstantino- 
politanischen Bibeln gekommen. Jedoch dauerte es bis zum 10. 
Jahrhundert, bis sie sich wirklich im Orient einbürgerte. 

Aber wie paradox ist bei diesem Thatbestande das einsame 
Citat in den Apostolischen Constitutionen! *) Wie ist es in eine 
orientalische Schrift des 4. Jahrhunderts gekommen? Hat der 



1) Das Citat steht II, 24 in folgendem Znsammenhang: Tovxov (xbv 
9ebv Xoyov) naQOQytCtOvoiv ol (ttj npoaöexdftevoi xovq fiexavoovvxaq. 
ovxoq ydg Max&alov ifih xeXwvtjv ovxa xb ngoxegov ovx tnyoxvv&ri* 
xal IlkXQOv, aQV7jod(A6vov avxbv öia Sioq xgixov xal öta fiezavolaq i£i- 
Xewadfievov xal ngooxXavaavxa mxgdiq, nQoafjxaxo xal noifiiva xiDv 
lötwv dgvlwv xaxioxijoev real IlavXov 6h xbv awanoaxoXov rjfiwv, noXXa 
xb nooxtQOv slq rjfxäq ivTQtxpdftevov xaxä xal ßXaag>tjfi^aavxa slq xb 
bvofia xb ayiov, dnooxoXov dvxl öidxxov npoezeiploaxo, oxsüoq avxbv 
ixXoyrjq dvadsigaq. xal &XXy xivl ufiaQXwXip ywaixl Xtysi • hg>ia>vxai aov 
al apaQxlai al noXXai, oxi rjydnrjoaq noXv. kxigav Si xiva rinao- 
xijxvlav toxrjoav ol nosoßvxsooi e/un^ood-ev avxov, xal in 
avxip &£fjievoi xtjv xqioiv igrjX&ov b Sh xaQdioyvcoaxrjq xv- 
Qioq, nvd-6/nsvoq avxr\q sl xaxixQivav avxr\v ol nQsoßvxsQOi 
xal slnovarjq oxi of, i<prj ngbq avxqv vnays ovv, ovöh iyci as 
xaxaxoiva*. xovxov xbv oatxrjoa xxX, 



Digitized by 



Google 



48 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Verfasser einen von den „vielen" griechischen Codices des 
Johannesev. in der Hand gehabt, die nach Hieronymus (adv. 
Pelag. II. 17) die Perikope enthielten 1 ). Aber diese Codices 
müssen doch abendländische gewesen sein; sonst erklärt es sich 
nicht, dass kein Orientale die Perikope citirt hat. Schon hier 
muss daher die Vermuthung auftauchen, dass die Apostolischen 
Constitutionen die Erzählung nicht aus dem Johannesevangelium, 
sondern aus einer anderen Quelle geschöpft haben. 

Diese Vermuthung wird aber zur Gewissheit erhoben durch 
die Beobachtung, die sowohl Westcott und Hort als Tischen- 
dorf entgangen ist, dass sich die Erzählung bereits in der Grund- 
schrift der Apostolischen Constitutionen, der alten (nur syrisch 
erhaltenen) Didascalia findet, und zwar wird sie dort als ein- 
ziges Beispiel der Barmherzigkeit des Herrn gegen die Sünder 
angeführt Die Beispiele, die in den Apostolischen Constitutionen 
voranstehen (der Zöllner Matthäus, der verleugnende Petrus, der 
verfolgende Paulus, die grosse Sünderin), fehlen in der Didas- 
calia, sind also erst vom lnterpolator dazu gesetzt. Sonst lauten 
die Worte in der Didascalia (nach der Rückübersetzung von 
La gar de, Anal. Antenic. II p. 256) genau so, wie in den Con- 
stitutionen: Tf)v öh f\^aQxr\xvlav eoxrjoav ol jtQSößvxeQOi sfutQO- 
o&ev avxov xal ejt avxcp ftifisvoi xtjv xqloiv l§ij/L&ov 6 öh 
xaQÖioyvmöxijq xvQioq Jtv&ofievoq avxijg, d xaxtxQivav avxi)v 
ol JtQeoßvxsQoi xal eljcovarjg oxi ov, Iqyrj XQoq avxtjv vxays, 
ovöe iyoi ös xaxaxQlvco' xovxov xov ocoxfJQa xxk. Dass der 
Verfasser der Didascalia die Erzählung aus dem Johannesevan- 
gelium geschöpft hat, ist desshalb ganz unwahrscheinlich, weil 
er 1) dieses Evangelium, obgleich er sehr viele evangelische 
Sprüche und Geschichten anführt, niemals benutzt hat, und 
weil 2) die Perikope von der Ehebrecherin in der ersten Hälfte 
des 3. Jahrhunderts nur in sehr wenigen Exemplaren des Jo- 
hannesevangeliums und wahrscheinlich in keinem einzigen orien- 
talischen gestanden hat. 

Aber woher schöpfte die Didascalia jene Perikope, wenn 



1) „In evangelio secundum Ioannem in multis et Graecis et Latinis 
codicibus invenitur de adultera muliere, quae accusata est apud dominum. 44 
Die Art, wie Hieron. sich ausgedrückt hat, lehrt, dass das Fehlen der 
Perikope in den Bibeln die Regel gewesen ist. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 49 

nicht aus dem Johannesevangelium? Die nächtsliegende Antwort 
scheint zu sein — aus dem Hebräerevangelium; denn Eusebius 
berichtet (h. e. III, 39, 16), Papias habe in seine „Aoyicov xv- 
Qicaccjp £§7]Y?'iGeig" eine „IötoqIcl jcsql yvvatxoq tJtl jioXXala 
auagriacg diaß/Lq&elöTjg ijti xov xvqIov" aufgenommen, und 
diese fände sich auch im Hebräerevangelium (i]v xo xax *Eß- 
Qcciovq BvayyiXiov jziQitxu)- Dass jene „IotoqIo." die Perikope 
von der Ehebrecherin gewesen ist, ist mehr als wahrscheinlich, 
und dass sie wirklich im Hebräerevangelium gestanden hat, 
dürfen wir dem Eusebius getrost glauben. Aber dass Papias 
sie von dorther genommen hat, sagt Eusebius nicht. Die Peri- 
kope kann auch in einem zweiten Evangelium gestanden haben 
und von dort dem Papias bekannt geworden sein, oder er mag 
sie „ix ±(Q6t]g <p<ovtjq" geschöpft haben. Dass er sie dem 
Hebräerevangelium verdankt, ist nicht einmal sehr wahrschein- 
lich; sollte das hebräisch geschriebene Evangelium schon damals 
aus Palästina nach Phrygien gekommen sein? 

Wie es sich aber auch mit der Quelle des Papias verhalten 
mag — die Annahme, dass die Didascalia die Perikope dem 
Hebräerevangelium entlehnt hat, verbietet sich aus zwei Gründen: 
1) nämlich wird das Hebräerevangelium sonst nirgends in der 
Didascalia benutzt, ja es lässt sich auch nicht einmal die leiseste 
Spur seines Gebrauchs nachweisen, 2) die Didascalia hat, 
wie ich oben nachgewiesen habe, das Petrusevangelium 
als eine Quelle seiner evangelischen Citate ausgiebig 
benutzt. Hieraus ergiebt sich ohne Weiteres die Wahrschein- 
lichkeit, dass auch die Perikope von der Ehebrecherin, die ja 
im Johannesevangelium zweifellos ein fremdes, aus einem un- 
bekannten Evangelium stammendes Stück ist, aus dem Petrus- 
evangelium herrührt und von dort in die Didascalia gekommen ist. 

An dieser Wahrscheinlichkeit wäre festzuhalten, auch wenn 
die Vergleichung des im Codex von Akhmim erhaltenen Frag- 
ments des Petrusevangeliums mit der Perikope von der Ehe- 
brecherin nur ein neutrales Ergebniss liefern würde. Es ist ja 
von vornherein nicht zu erwarten, dass diese Perikope und der 
uns erhaltene Abschnitt des Petrusev. (Leidens- und Auferste- 
hungsgeschichte) eine bemerkenswerthe Übereinstimmung im Stil 
oder im Wortschatz aufweisen, weil sie sachlich so verschieden 
sind. Um so werthvoller wäre es, wenn sich solche Überein- 

Texte u. Untersuchungen IX, 2. 2. Aufl. 4 



Digitized by 



Google 



50 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 



Stimmungen trotzdem nachweisen liessen. Im Folgenden hoffe 
ich zeigen zu können, dass der Versuch kein vergeblicher ist 
Die Perikope von der Ehebrecherin liegt aber bekanntlich 
in zwei ziemlich verschiedenen Recensionen vor; denn der älteste 
Zeuge D bietet einen Text, der von dem aller übrigen Zeugen 
an vielen Stellen abweicht Es ist daher noth wendig, beide 
Texte nebeneinander zu stellen. In der ersten Columne gebe 
ich den Text von D (mit orthographischen Correcturen), in der 
zweiten eine Recension des Textes der übrigen Zeugen ohne 
Rücksicht auf D (mit den wichtigsten LAA). 



7,53 KalijtoQevfrrjöav txaoxoq 
elq xov olxov avxov, 8,1 'Irjoovq 
6h ixoQev&T] elq xo oQoq xcov 
iXaiotv (tovoq. 1*Oq&qov 6h xä- 
Xiv naqaylyvexai elq xo Ibqov, 
xal jtäq 6 Xaoq VQXe™ xQÖq 
avxov. 3 ayovCiv 6h ol yQafifta- 
relg xal ol <paQiöaloi tJtl afictQ- 
xia ywalxa elX7]fi(dev7]v , xal 
oxr\oavxeq avxrjv iv niöcp 4 Xi- 
yovötv avxco ixjteiQa^ovxeq av- 
xov ol IsqsIq, iva ex<&oiv xax- 
ijyoQiav avxov' 6i6äoxaXe, avxr\ 
f) yvvt) xaxdXrjxxai ijt avxo- 
vpwQtp ftoixsvofiivrj' 5 Mmiöfjq 
6h iv x(ß vofiq) ixeXevoev xaq 
xotavxaq Xi&aCeiv ov 6h vvv 
xl Xiyuq; § 6 6h 'Irjöovq xaxco 
xvrpaq xal 6axxvlv> xaxeyQayev 
elq xi)v yfjv. 7 a\q 6h ixtfievov 
iycoxaivxeq dvixvtpev xal dxev 
avxolq' 6 avafiäQxiftoc vftcUp 



7,53 KalixoQev&tjöav txaoxog 
elq xov olxov avxoi, S,l7^Got3c 
6h ijcoQev&7] eiq*xo OQOq xwr 
iXaiwv. % 2*Oq&qov 6h jtaXiv xaQ- 
eyivexo elq xo Uqov, xal jtäq 

6 Xaoq fjQxexo jtQoq avxov, xai 
xa&ioaq l6i6aoxev avxovq. 3 
ayovöiv 6h ol yQafifiaxelq xal 
ol (paQtoaioL ywalxa ixl [toi- 
Xela xaxeiXrjfdfdevTjv, xal oxi]- 
öavxeq avxi)v iv ftdoq) 4 Xt- 
yovoiv avxm' 6i6aoxaXe y avxy 
tj yw?} elXrjJcxai Ix avxo<pmQw 
fdOixevo(i(vf]' 5 iv 6h rrp v6[io? 
rjfilv Mcovotjq ivexelXaxo xaq 
xoiavxag Xi&a£etv ov oiv xl 
Xeyetq xeyl avxijq; 6 xovxo 6h 
eXeyov xeiga^ovxeq avxov, Iva 
exa)OL xaxr/yoQeTv avxov' 6 6h 
'Iqöovq xaxco xvipaq xm 6axxv- 
Xcp xaxiyQatpev elq xi]v y?jv. 

7 coq 6h ixi^evov iQcoxdirxeq 



8, 2 naoeyevsxo \ %X9tv — xal nag b kaoq usque ad iSiSaaxev 
avxovq om. — 3 ol <paoioalot ngbq aizov — iv tiot%eiq — 4 Xiyovotv 
ehcov — avxw neiQu^ovteq — xazelkrjntai — 5 tjfilv om. vel post 
Mtovorjq — kt&oßolüoSai — tceqI avzrjg om. — 6 fyoayev — yqv fit] ngoo- 
noiovfxevoq — 7 dvaxvxpaq sine xai — avtotq \ ngbq avxovq — xov om.; 
ordo verborum hie satis fluetuat. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 51 

xQcoxog hx avxr\v ßaXexco Xi- avxov, dvexvxpBv xäi bIxbv av- 

&ov. 8 xäi xdXiv xaxaxvipag rolg' 6 dvafidgxTjxog vfidiv 

x<5 6axxvXcp xaxiyqafpBv bIq XQmxog ex avxrjv xov Xi&ov 

xi)v yijv. 9 txaoxog 6h xcov ßaXexm. 8 xal xdXiv xdxoo xv- 

*Iovdcdcov £§7JQXttO, aggdfievoi tpageyQa<ptv dg xi\v yijv. 9 ol 

dxo xcov XQEößvxBQcov, cogxB de dxovoavxeg i^f]QXOVxo slg 

xdvxag igeX&slv, xäi xaxeXei<p- xad-* sig, agS-dfiBvoi dxo xcov 

&7j fiovog xäi ?) yvvrj kv (iiöcp xQBOßvxlQcov , xäi xaxsXsltpßrj 

ovöa. lOavaxwpag 6h c y It)Ooyg fiovog 6 'fyöovg xäi r\ yvvf\ iv 

bIxbv xf] yvvaixi' xov elolv; (liöcp. lOavaxvtpag ovv 6 'irj- 

ovöeig ob xaxixgivev; 11 xd- vg bIxbv avxfj' yvvai, xov 

xeivrj elxev avxco * ovdelg, xvqib. slölv; ovöelg ob xaxixQiVBV\ 11 

o de elxev' ov6h iyco öe xaxa- ff 6h bIxbv ovÖBiq, xvqib, bIxbv 

xqIvco' vxccfB, dxo xovvvv [irj- 6b 6 y Ii]öovg' ov6h iyco ob xaxa- 

xixt dfiaQxavB. xqIvco* xoqbvov, xäi dxo xoi 

vvv (jtrjXBXi afidgxavB. 

Die eigentümlichen LAA von D werden z. Th. durch die 
alte lateinische Überlieferung bestätigt. In einem Fall erhalten 
sie noch eine besondere Bekräftigung durch Papias (Eusebius) 
und die Didascalia. Alle Zeugen (auch die lateinischen) bieten 
c. 8, 3 „ixi noixda (BlXrjfifiivrjv) 1 * , nur D bietet »kxl dfiaQxia". 
Aber Papias (Eusebius) schreibt (s. oben): „£xi xoXXalg dfiag- 
xlaig 6iaßXi]&Bicr]g", und die Didascalia: „xtjv 6h qftaQXTjxvlav 
\oxrfiav ol xQBOßvxBQoi BfdXQOö&BV avxov". Sie haben also 
wahrscheinlich wie D gelesen. Ich halte mich daher bei der 
folgenden Vergleichung der Perikope mit dem Fragment im Codex 
von Akhmim an den (ältesten) Text von D. 

1) Zunächst — um mit dem Allgemeinsten zu beginnen — 
folgt aus dem Stück, wie es in D und bei allen Zeugen zu lesen 
steht, dass es aus einer Evangelien sehr ift stammt. Wäre es 
nämlich ein für sich cursirendes Stück, das man später in das 
Johannesev. aufgenommen hätte, so bliebe der Eingang (7, 53; 
8, 1) völlig unerklärt. Dieser hat mit der folgenden Geschichte 
nichts zu thun, sondern bildet augenscheinlich den Abschluss 

8 zip SaxrvXtp lsygaq>Bv — 9 äxovoavteq xäi vno x^q ovEidqoe<oq 
iXsyxofzsvoi — Tigsaßvr^QCJv tmq twv iaxdvwv — o 'Itjootq om. — 10 6 
fyaovq xcel (xrjöha 9eaodfisvoq nXi\v xfjq yvvaixoq — dolv ixelvoi ol xa- 
xriyoQol aov; — 11 avrjj 6 'Iqoovq. 



Digitized by 



Google 



52 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

einer unmittelbar vorher erzählten Geschichte. Der, welcher das 
Stück herübernahm, hat es an unrichtiger Stelle abgetrennt und 
16 Worte zuviel mit herüber genommen. Er entnahm es also 
einer Evangelien schritt. 

2) Es ist längst bemerkt worden, dass die Perikope wesent- 
lich nicht johanneischen, sondern synoptischen Sprachcharakter 
trägt, allein aus unseren Synoptikern stammt sie nicht. Das 
grosse Fragment des Petrusev. im Codex von Akhmim trägt aber 
auch in Sprache und Stil „synoptische" Färbung. Man kann 
freilich dasselbe auch von dem Hebräerevangelium sagen, soweit 
es aus den Fragmenten bekannt ist; allein aus diesem Evan- 
gelium kann die Perikope, wie sie im Johannesevangeliura (nach 
D) lautet, nicht stammen; denn 8, 9: .ßxaoroc de reo v 'Iovöalcov 
igqQXero" , kann nicht im Hebräerev. gestanden haben. Somit 
darf das Petrusevangelium hier in Betracht gezogen werden. 

3) Dieser Hypothese sind gewisse Beobachtungen in Bezug 
auf den Stil der Perikope nicht ungünstig. Man hat darauf hin- 
gewiesen, dass in dem kleinen Stück „di a besonders häufig ist 
(es findet sich zehnmal); auch in dem Petrusev.-Fragment von 
Akhmim ist es sehr oft zu finden (s. o. 1. 3. 6. 10. 13. 15. 18. 23. 
24. 26. 27. 28. 31. 34. 35. 37. 40. 46. 50. 53. 56. 58. 59). Die Leben- 
digkeit und Anschaulichkeit der Erzählung in dem Petrusev. ist 
bemerkenswerth: es giebt aber wenige Erzählungen in den synop- 
tischen Evangelien — vom 4. Ev. zu schweigen — , die so leben- 
dig und anschaulich vorgetragen sind wie die Perikope von der 
Ehebrecherin. Ferner lässt der Verf. des Petrusev. mehrmals 
das Präsens eintreten; s v. 2 xeXevei, v. 39 oqcdöiv, v. 44 rpalvov- 
rat, v. 55 oqwöiv. Ebenso schreibt der Verf. der Perikope v. 2 
jtaQayiyveraij v. 3 ayovoiv, v. 4 Xeyovoiv. Wie aber Jener das 
Präsens nicht festhält, sondern mit den Tempor. wechselt, so 
auch dieser (v. 2: JtaQaylyverai . . . rjQxero). 

4) In c. 7, 53 heisst es: knoQev&rjOav txaoxoq elq zöv olxov 
avrov. Zu diesen Worten giebt es bei Matth. und Marc, keine 
so schlagende Parallele, wie Petrusev. v. 58: %xadroq ... äjt?]XXaytj 
elq xbv olxov avrov (Luc. 2, 3: sjtOQevovro navrec ajtoyQCKpead-ai, 
txaö'oq elq rr/v tavrov ütoXiv, lässt sich auch vergleichen). 
Natürlich beweist diese Parallele für sich allein nichts. Zu kno- 
Qev&fjöav ixaoroq vgl. Petrusev. 28: 6 Xaoq Xiyovreq. 

5) C. 8, 2 beginnt: "Oq&qov de; dieses Wort findet sich in 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 53 

allen vier Ew. nur einmal, nämlich bei Luc. 24, 1: xfj öe pia 
xmv caßßaxcov oq&qov ßa&dcog (dagegen findet sich jtQoi bei 
Matth., Marc, Joh.). Im Petrusev. lesen wir v. 50: oq&qov öi. 

6) In c. 8, 2 ist, wie so oft bei Lucas, der übertriebene Aus- 
druck gebraucht: „xaq 6 Xaog" sei zu Jesus in den Tempel ge- 
kommen; aber auch im Petrusev. liest man (v. 28): dxovoavxeg, 
oxi 6 Xaog ajtag yoyyv^ei xal xoxxexai xd oxrjd-rj. 

7) Zu c. 8, 3: ol yQafifiaxelg xal ol tpaQioaloi vgl. Petrusev. 
28: ol YQafifiaralg xal tpaQiöaloi xal jiQeoßvxeQoi. Aber auch 
in der Perikope c. 8, 9 werden XQeOßvxeQoi genannt. 

8) Zu dem Simplex: yvvalxa elX?jfifiivr]V c. 8, 3 vgl. Petrus- 
ev. 6 : ol de Xaßovxeg xov xvqiov. 

9) In c. 8, 4 — damit kommen wir zu einer schlagenden 
Parallele — heisst es, nachdem unmittelbar vorher die 
YQafifiarelg xal yaQioaloi genannt waren: Xeyovoiv avxcß 
. . . ol leQelg. „Priester" in Verbindung mit Schriftge- 
lehrten und Pharisäern fehlen aber in den Synoptikern 
vollständig (Luc. 20, 1 ist ccQXUQSlg zu lesen). Dagegen finden 
sie sich im Petrusev. v. 25: ol *Iovöäloi xal ol XQeoßvxeQoi xal 
ol leQelg (gleich darauf folgen v. 28 yQa/i(iaxelg xal tpagiöaloi), 
und in Folge dessen auch in der Didascalia (s. oben S. 41: ol 
jtQeoßvxeQOi xal ol leQelg, resp. ol yQafifzaxetg xal ol leQelg xov 
Xaov). Die vier Ausdrücke, die das Petrusev.-Fragment 
im Codex von Akhmim für die jüdischen Leiter braucht 
(Schriftgelehrten, Pharisäer, Alteste, Priester), finden 
sich somit sämmtlich in der Perikope von der Ehe- 
brecherin, und nur hier. 

10) In c. 8, 5 steht das Wort ixiXevoev. Bei Marc, fehlt 
es, bei Luc. findet es sich nur einmal, bei Matth. achtmal» Im 
Petrusev.-Fragment kommt es viermal vor (v. 2. 47. 49 mit dem 
Inf. wie hier, v. 14 mit Iva). 

11) In c. 8, 5 findet sich das Wort Xi&d£eiv. Dieses Wort 
fehlt bei den Synoptikern vollständig (sie brauchen dafür Xi&o- 
ßoXelv, s. Matth. 21, 35; 23, 37; Marc. 12, 4; Luc. 13, 34). Im 
Petrusev. dagegen finden wir es v. 48: Ipneoelv elg x e ?Q a $ T °v 
Xaov xcov y Iov6ala)v xal Xi&aofrfjvai. 

12) Die nun folgende Begebenheit ist so einzigartig und 
wird so drastisch geschildert, dass eine Verwandtschaft mit einem 
so völlig andersartigen Stoß , wie die Leidens- und Auferstehungs- 



Digitized by 



Google 



54 Bruchstücke dea Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

geschichte ihn bietet, nicht zu Tage treten kann. Dennoch findet 
sich auch hier eine schlagende Parallele. C. 8, 9 heisst es: %xaöroq 
de xmv 'lovöaicov I^qx^to. Dieser Gebrauch von „o2 'Iovdalot" 
ist bei den Synoptikern bekanntlich ganz unerhört. Dagegen 
bildet er eine der her vorstehendsten Eigenthümlichkeiten des 
Petni8ev.; s. v. 1: xdv de 'lovöalmv otdeig tvitpaxo rag x el Q a ^ 
v. 23: ixccQ7jöap de ol 'Iovöatot, v. 25: xoxs ol 'Iovöatoi . . . 
töovxeg, v. 48: o Xaog x(5v 'fovöaiwv, v. 50: g)oßovfjev7j did xovg 
'Iovöaiovg, v. 52: ftrj löcoöiv avxdg ol 'Iovöaloi, s. auch v. 6. 
15. 20. 

13) Es ist oben bemerkt worden, dass die Perikope von der 
Ehebrecherin synoptisches Gepräge trage. Daneben finden sich 
aber doch einige tiefer liegende Züge, die sie mit dem Johannes- 
ev. gemeinsam hat, nämlich a) das eben besprochene „oi 'lovdaloi", 
b) das Wort „xax?iyoQla a v. 4 (fehlt bei den Synoptikern, s. aber 
Joh. 18, 29), c) die v lsQ6?g u v. 4 (s. Joh. 1, 19: anioxuXav XQoq 
avxov ol 'Iovöalot . . . leQelg xal Aevelxag Iva hQWTrjöcoöiv 
avxov, auch in der Perikope sind die Priester die Fragenden; 
tQcorav = fragen findet sich in der Perikope v. 7 ; in dieser Be- 
deutung ist es bekanntlich bei Joh. sehr häufig (16 mal), während 
es sich so bei Marc, nur einmal, bei Matth. dreimal und bei Luc. 
viermal findet), d) das Wort „h&a&iv" (s. Joh. 8, 5; 10, 31. 32. 
33; 11, 8), e) zu urpdxi cifiaQxave v. 11 vgl. Joh. 5, 14: fi?pc£xi 
dfiaQzare, tva fit] x e ?V 0V XT %- Für das Petrusev. aber ist 
es charakteristisch, dass es zwar in der Hauptsache 
ebenso synoptischen Typus trägt, aber dabei doch 
merkwürdige Berührungen mit dem Johannesev. auf- 
weist. Also stimmt auch in dieser Hinsicht die Perikope und 
das Akh mimer Petrusev.-Fragment zusammen. l ) 

In der hier gegebenen Tabelle der Vergleichungspunkte sind 
auch solche aufgenommen, die für sich allein wenig oder nichts 
bedeuten. Es schien mir aber geboten, eine vollständige Über- 
sicht zu geben. Dass diese geeignet ist, die Wahrscheinlichkeit, 
die Perikope von der Ehebrecherin stamme aus dem Petrusev., 
zu bekräftigen, wird schwerlich Jemand in Abrede stellen. Das 



1) Auch darauf ist hinzuweisen, dass das Fragment innerhalb des 
synoptischen Typus Eigenthümlichkeiten sowohl mit Matth. wie mit Luc. 
theilt, und dass ihm die Perikope auch hierin ähnlich ist. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen znm Fragment des Petrus-Evangeliums. 55 

Zusammentreffen der inneren Gründe mit dem wichtigen äusseren, 
dass die Didascalia ihre „apokryphen" Evangeliencitate aus dem 
Petrusev. geschöpft hat, dass sich aber unter diesen auch die 
Perikope von der Ehebrecherin findet, erhebt die Annahme, 
diese Perikope stamme aus dem Petrusev., zur höchsten Wahr- 
scheinlichkeit 

Ein Einwurf lässt sich indessen hier vielleicht erheben. 
Zwei der stärksten Übereinstimmungen zwischen der Perikope 
und dem Akhmimer Fragment des Petrusev. finden sich nur 
in dem Texte der Perikope, wie ihn D bietet. Nur D hat die 
„IsQeig" (v. 4) und die „'lovöaloi" (v. 9). Man könnte nun ver- 
muthen, diese Worte seien nicht ursprünglich, sondern erst von 
D in den Text eingetragen. Allein diese Vermuthung lässt sich 
nicht halten; denn vergleicht man die beiden Texte, so versteht 
man sehr wohl, warum jene Worte getilgt, nicht aber, warum 
sie eingefügt worden sind. Die „ol leQSlq'' nach „01 yQafifiazelg 
xci oi (paQiöaloC erschienen nicht nur überflüssig, sondern 
geradezu störend, und der Satz: „ol äh dxovöavtsg 1£tJqxopto" 
ist augenscheinlich eine Glättung gegenüber dem „txaörog de 
t(ov 'Iovdalcov lB,rjQXBX0 is . Meint man aber, D habe die „ Juden" 
eingeführt, weil sie sich ähnlich in anderen Teilen des Johannesev. 
finden, so trifft diese Erklärung auf die „UQ£lq u nicht zu; denn 
diese kommen nur einmal im Joh.ev. vor (1, 19). Noch von 
einer anderen Seite her zeigt sich übrigens die Unwahrachein- 
lichkeit der Annahme des secundären Charakters des von D ge- 
botenen Textes: auch nach dem Vulgärtext der Perikope ist in 
Sprache und Stil eine Verwandtschaft zwischen ihr und dem 
Petrusev. vorhanden; wären nun die „Priester" und „Juden* in 
dem Text der Perikope nicht ursprünglich, sondern willkürliche 
Zusätze des Schreibers von D, so hätte dieser Schreiber durch 
seine Zusätze zufällig den Text der Perikope dem Petrusev. 
noch mehr angenähert; denn die »Priester" und »Juden* sind 
Eigen thümlichkeiten dieses Evangeliums. Das wird Niemand 
für wahrscheinlich halten. Dann aber gilt, was oben ausgeführt 
wurde; es tritt nur noch eine sehr wichtige Beobachtung in 
Bezug auf den Werth des Evangelientextes, wie ihn D bietet, 
hinzu. Dieser von den anderen Zeugen so vielfach abweichende 
Text, der gewiss an einigen Stellen „wild gewachsen" ist, tritt 
hier in ein sehr günstiges Licht Er hat den Text der Peri- 



Digitized by 



Google 



56 Bruchstücke des Evengeliums und der Apokalypse des Petrus. 

kope von der Ehebrecherin — wie die Vergleichung mit dem 
Akhmimer Fragment lehrt — treuer bewahrt, als alle übrigen 
(lateinischen und griechischen) Zeugen! Man hat also Grund, 
auch sonst auf das Zeugnis von D grösseres Gewicht zu legen, 
als das gewöhnlich geschieht. 

Ich hoffe den Beweis geliefert zu haben, dass die Perikope 
von der Ehebrecherin dem Petruse v. zu vindiciren ist. Zu der 
Leidens- und Auferstehungsgeschichte, die wir aus diesem Ev. 
nun kennen, der Geschichte der Umnamung des Petrus (Justin), 
einer Angabe über die Brüder Jesu (Origenes) und den Sprüchen 
und Erzählungen, die wir aus der Didascalia (vielleicht auch 
aus Clemens Alex., s. oben S. 42 f.) dem Petrusev. zu vindiciren 
haben (Gottespruch bei der Taufe Jesu, Feuererscheinung bei 
der Taufe, einzelne Sprüche), tritt nun noch jene wichtige Er- 
zählung. Der Archetypus des Cod. D reicht aller Wahrschein- 
lichkeit nach bis ins 2. Jahrh. hinauf. Damals muss ein abendlän- 
discher oder ein ins Abendland gekommener Christ — also ist 
die Kenntnis des Petrusev. auch dorthin gekommen (s. übrigens 
Justin) — die Perikope von der Ehebrecherin aus dem Petrusev. 
in ein Exemplar des Johannesevangeliums eingefügt haben (zu- 
nächst etwa an den Rand des Evangeliums als Glosse zu c. 8, 15: 
vfielg xaxa xr/p oagxa xqIvsts, iyci ov xqivco ovöiva), vielleicht 
zur Zeit der montanistischen Streitigkeiten, als die Frage nach 
der Behandlung der Fleischessünden brennend wurde. Stammt 
aber die Perikope von der Ehebrecherin in D aus dem Petrusev., 
so darf die Frage wohl aufgeworfen werden, ob nicht auch die 
übrigen singulären Stücke, die D innerhalb der vier Evangelien 
bietet, auf diese Quelle zurückzuführen sind, vor allem der merk- 
würdige Zusatz zu Luc. 6, 4 : xfj avxjj r/ftsQa &eaöanev6<; l ) xiva 
iQya^ofiBvov reo oaßß&xm einer avxS' av&Qmne, el fiev olöag 
xl jtoietQ, fiaxaQiog et' el de fdt) olöaq, IjiixaxaQaxoq xal xclqci- 
ßaxtjq el xov vofiov. Leider fehlen uns zur Zeit noch die Mittel, 
diese Frage zu entscheiden 2 ). Aber gesichert scheint mir zu 



1) S. Petrusev. v. 23: ineidtj &eaodfievo$ i\v oaa dya&a i?roirjaev. 

2) Hingewiesen sei noch auf folgende Stellen in D : erstens zu Luc. 5, 27 
bietet D den Zusatz : xal naQaymv eloev Aevel xov xov *AX(palov, cf. Petr.- 
Ev. 60; zweitens zu Luc. 23, 53 D: xal 9-ivxog avxov ini&rjxsv xw yivri- 
ftei(p Xe&ov, ov ftoyig sixooi ixvliov, cf. Petr.-Ev. 32. Der letztere Zu- 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 57 

sein, dass wir in unserem Kanon ein Stück aus dem Petrus- 
evangelium besitzen — die Perikope von der Ehebrecherin 1 ). 

Noch sind folgende Benutzungen unsers Evangeliums nam- 
haft zu machen. Zu Luc. 23, 48 bietet die Versio Syr. Cureton. 
(ed. Baethgen): xal xäpxeq ol ovpjiaQayspofiepoi ox^oi Im 
xr\v &EWQlav xavxqp, {rea)Q?]öapxeq xa yevofieva, xvjtxopxeq xa 
oxrj&r] vjcioxQ8<pop Xiyovxsq' oval qulp* xl yiyopev; oval i)ulp 
cljzo xwp a k uaQxic5p fj^iwv (etwas anders lautet die Übersetzung 
bei Zahn, Tatian S. 216) und der Cod. Sangerm. (g 1 ): „dicentes: 
Vae nobis, quae facta sunt hodie propter peccata nostra ; appro- 
pinquavit enim desolatio Hierusalem." Diese Worte sind aus dem 
Petrusev. v. 25 geflossen: ijQgapxo xoxxeo&ai xal l&fup* oval 
xalq aftaQxiaiq fjiia>v, rrffiotv ?) xQloiq xal xo xikoq ^IsQOVOaXrjp. 
Auch Ephräin's Commentar zum Diatessaron p. 296 (Mösinger) 
ist zu vergleichen: „tunc per istas tenebras eis lucidum fiebat, 
excidium urbis sitae advenisse. venerunt, ait, iudicia dirutionis 
Hierosolymorum" Tatian selbst hat Ahnliches geboten (s. Zahn, 
Tatian S. 215 f.). 

Zu Marc. 16, 4 hat der Bobbiensis den Zusatz: »subito autem 
ad lioram tertiam tenebrae diei factae sunt per totum orbem tew-ae, 
et descenderunt de caelis angeli, et surgent in claritate vivi dei t 
simul ascenderunt cum eo, et continuo lux facta est. tunc illae 
accesserunt ad monimentum et vident revolutam lapidetn; fuit 
enim maynus nimis." Resch (S. 454f.) bezieht die Worte, die 
fälschlich hierher verschlagen seien, auf den Bericht Matth. 27, 52, 
53; aber das gilt höchstens vom ersten Satz bis „terrae", das 
andere ist unzweifelhaft ein schlecht überlieferter Auferstehungs- 
bericht Zu lesen ist vielleicht: „et surgit in claritate et viri 
duo [seil die Engel] simul ascenderunt cum eo." Dass dieser 
Bericht mit Petrusev. v. 36 — 40 zusammenhängt, scheint mir sehr 
wahrscheinlich. 

satz findet sich übrigens auch im Cod. Lat. c und in der sahidischen 
Version. 

1) Vielleicht darf man annehmen, dass die Perikope von der Ehe- 
brecherin auch bei Papias aus dem Petr.-Ev. stammte, woher sie die Didas- 
calia und der Interpolator des Joh.-Ev. genommen hat. Das, was Euse- 
bius (1. c.) bemerkt hat, steht der Annahme nicht im Wege. Die Perikope 
kann sowohl im Hebr. als im Petrus -Ev. gestanden haben. Ist nicht 
vielleicht auch des Papias eigenartiger und seltsamer Bericht Über das 
Ende des Judas dem Petrusev. entnommen? 



Digitized by 



Google 



58 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Zu dem Inioavxo Petrusev. v. 18 s. Pseudocypr. de monti- 
bus Sina et Sion 8: „terra commota est . . . inludentes prost rati in 
faciem iacmrunt* 

Die Didascalia ermöglicht es auch, eine Benutzung des 
Petrusev. in der Didache wahrscheinlich zu machen. Lagarde's 
Rückübersetzung jener Schrift ist bekanntlich nicht frei von 
Willkürlichkeiten. Er hat Manches unübersetzt gelassen, was 
ihm als eine Interpolation im Syrischen erschien. Eine genaue 
Rückübersetzung ist daher ein dringendes Bedürfniss. Einige 
dankenswerthe Verbesserungen hat Funk (Apostol. Constit. 1892 
S. 28 ff. 65 ff.) gegeben. IL A. ist es erst durch ihn zur Kennt- 
niss gekommen, dass es in der Didascalia heisst (I, 2): „Seid 
langmüthig und geduldig gemäss dem Gebot (folgt Proverb. 20, 
22) und den Worten des Evangeliums: Liebet die, welche euch 
hassen, und betet für diejenigen, welche euch fluchen, und ihr 
werdet keinen Feind haben" (Lagarde hat diese Worte 
nicht tibersetzt). „In dem Evangelium" sollen diese Worte 
stehen; sie finden sich aber in unseren Ew. nicht Nun aber 
wissen wir bereits, dass „das Evangelium" der Didascalia, wenn 
nicht eines der synoptischen Ew. gemeint ist, das Petrusev. ist. 
Also stammen jene Worte aus diesem Evangelium. Sie finden 
sich aber ausser in der Didascalia auch in der alten 
Didache, und zwar c. 1 in einer Gruppe evangelischer Stellen, 
die ebensoviel Verwandtschaft mit Matth. und Lucas haben, wie 
Verschiedenheit. Da nun die Didascalia sich ausdrücklich auf 
„das Evangelium" beruft, und da nicht nachgewiesen werden 
kann (gegen Funk), dass sie unsere Didache benutzt hat, so ist 
es sehr wahrscheinlich, dass auch die Didache für ihre „apo- 
kryphen" Evangeliencitate das Petrusev. benutzt hat Das gilt 
insonderheit von den Citaten aus der Bergpredigt in c. 1: evJlo- 
yelxe rovg xaxao&fiivovq vplv xal xQOOsvxsofrs vxbq xwv 
iX&Qwv vfxmv, vrjöxevExe öh vjiIq xwv öiojxovxwv vfiag' jzola 
yäg xaQiq, iäv äyaxuxe rovg dyajtwvrag vfiäg; ov%L xal xd 
Idvt} xo avxo jcoiovötv; vpetg öh dyajtäxe xovg (uoovvxag vfiäg, 
xal ovx fc'gsre ix&Qov • • • idv *i$ ooi 6<p Qajciöfia elg xi)v 
öe&av Oiayova, öxoiipov avxm xal xrjv aXlrjv, xal ?<J# xiXsiog' 
edv dyyaoevoy oi xig filXiov %v, vjtaye pex* avxov ovo' eav 
ctoy xig xo ifdäxiov oov, öog avxai xal xöv x^o3va' idv Xafiq 
xig djco oov xo oov, pif äxaixec ovöe yccQ dvvaöai. Aber auch 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums. 59 

die folgenden Verse 5 und 6 kommen noch in Betracht, die mit 
demCitat, dessen Quelle bisher nicht nachgewiesen war, schliessen: 
dXXd xal jtsQl xovxov 6h ÜQ7]xac 'lÖQcoöärco fj £Xet]{ioovP7] Oov 
slg reg X hl Q&$ aov t ^XQ l< S ov yvcpg xlvi ö&g. Zu dem „eiQrjxai" 
ist also vielleicht zu ergänzen „von dem Herrn im Evangelium 
(des Petrus)/ 4 

Vermuthen lässt sich, dass die Doketen, gegen die Ignatius 
polemisirt, sich auf das Petrusev. berufen haben, und dass er 
ihnen eben dieses Evangelium Smyrn. 3 entgegenhält, indem er 
schreibt: xal oxe jcQog xovg jtegl IKxqov r]X&ev, e<pt] avxolg' 
Adßexe, tpTjXag)rjöaxi (te, xal löexe, oxi ovx elfil daifioviov äoei- 
(iaxop. Die Worte: „xal oxe jtQog xovg jtbqI IHxqov 7]X&ev u 
brauchen nicht zum Citat zu gehören (mit Lightfoot gegen 
Zahn), ja diese Beziehung ist sogar unwahrscheinlich. Gehören 
sie aber dem Ignatius selber an, so sind sie sehr am Platze, 
wenn er aus dem Petrusev. citirte; denn nach diesem Ev. stellten 
sich wirklich die Jünger als ol jceqI DixQov dar, zumal in der 
Erscheinungsgeschichte. Aus einem apokryphen Ev. stammen 
die Worte jedenfalls, und für das Petrusev. fallt ausser dem 
Ausdruck „oi jibqI LHxqov" ins Gewicht, dass nach dem Zeug- 
niss des Origenes im Kerygma Petri gestanden hat: „non sum 
daemonium incorporeum" (de prineip. praef.). Petrusev. und 
-Kerygma sind aber mit einander verwandt. Andererseits ist 
nicht zu übersehen, dass nach Hieron. (de vir. inl. 2) die Stelle 
aus dem Hebräerev. genommen ist Sollten beide Ew. diese 
Perikope gehabt haben, ebenso wie die Perikope von der Ehe- 
brecherin in beiden stand? 

In der Academy, 24. Dec. 1892, hat J. H. Bernard auf 
folgende Übereinstimmungen zwischen dem Petrusev. und Cyrill 
von Jerusalem aufmerksam gemacht. In catech. 13, 24 heisst es: 
£öxavQai&7] xqIxtjv wQav djto öh %xxr\g coqüq öxoxog kfivexo 
ecog ivpdxTjg' djeo ök kvvdxrjg jtdXiv q>wg, 8. Petrusev. v. 22: 
xoxe qXioc eXafitpe, xal evQefri] coQa ivdxrj. In catech. 13, 25 
schreibt Cyrill : kv a£vfia>p yaQ fytya xal eoQxy al (thv yvvalxeg 
avxcov ixonxovxo xal exXaiov, cidvvwvxo de djzoxQv- 
ßivxeg ol dxoöxoloi, s. Petrusev. v. 26: xal xexQatfiivoi xaxd 
öidvoiav ixQvßofie&a von den Jüngern und v. 52: el xal fit) kv 
ixeivy xq fjfitQa ?} toxavQci&i] iövpr/^rjfiep xXavoai xal xo- 
ipao&ai von den Weibern. In catech. 13,26 findet sich das 



Digitized by 



Google 



60 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

seltene Xax(*6g y wie Petrusev. v. 12. Bernard bemerkt dazu: 
„Cyril says: xal Xaxfibg xcqI xovxov yivsxai xotg öxQaxioixaig; 
he speaks, indeed, as if Xayßbg was the word used in sonie fa- 
miliär account of the Passion, for he cites Ps. 22, 19: öiefieQi- 
cavxo xd l(iäxid fiov tavxolg xal txl xov I(iaxi0(i6v fiov tßaZov 
xltJQov, and then adds, what would be a quite unnecessary com- 
ment if he only had the canonical gospels in his mind: xkfJQog 
de tjv 6 laxfioq". Allerdings nennt Cyrill das Petrusev. nicht 
unter den verwerflichen Büchern (s. catech. 4, 36); aber er pole- 
misirt durchgehends gegen doketische Vorstellungen von der 
Kreuzigung, die verbreitet gewesen zu sein scheinen (catech. 
13, 4. 37). 

Diese Beobachtungen machen es wahrscheinlich, dass Cyrill 
das Petrusev. gekannt hat Ganz sicher aber scheint mir die 
Kenntniss indess doch nicht zu sein, weil man keine Vorstellung 
gewinnen kann, wie sich Cyrill zu dem Buch gestellt hat. Ver- 
warf er es als häretisch, wie man annehmen muss, warum nannte 
er es nicht in der Reihe der ausserkanonischen, häretischen 
Bücher und warum benutzte er es? Verwarf er es nicht als 
häretisch — wie beurtheilte er es? 

Der falsche Ignatius (der mit dem Redactor der apostol. 
Coustit. identisch ist) schreibt ad Trall. 9: xfi xaQaoxevfj XQixy 
coqcc axotpaoiv hdi^axo JiaQa xov UiXaxov, Gvyx<x>QrjOavxog T °v 
jtaxQog' ixxrj wq<x iaxavQcid-rj' Ivvaxq ajiixvsvosv jiqo tjXIov 
ovo sog £xa<prj. xo öaßßaxov vxo ytjv fiivsi iv xm ^vrjuucp, 
co djti&Bxo avxov 'iaMtrjq) 6 cbto l4Qi[4a&elag. knupmöxovörjg 
xvQiaxr\g aviaxtj ix xmv vexquv. Hier scheint mir die Ab- 
hängigkeit vom Petrusev. wahrscheinlich (s. v. 15. 22. 23. 35: xjj 
öh vvxxl {} ijtiqxxHJxev r) xvQiaxfj). 

Im „Expositor" 1893 Jan. hat Murray zu zeigen versucht, 
dass Origenes in seinem Commentar zum Matth. nicht mir an 
der einzigen Stelle, wo er das Petrus-Ev. ausdrücklich genannt 
hat (s. oben S. 3), sondern auch sonst benutzt hat. An drei 
Stellen scheint mir der Beweis wirklich erbracht zu sein, näm- 
lich 1) Commeni ser. in Matth. 124 (Lommatzsch V, 39): 
„Et ipse (Pilatus) quidem se lavit, Uli autetn non solum se mun- 
dare noluerunt a sanguine Christi, sed etiam super se susceperunt, 
dicentes: sanguis eins super nos et super filios nostros^; vgl. z. 
d. St. Petr.-Ev. v. 1. Origenes lehrt, dass dort „(i?) ßovlrj&ivxmv* 



Digitized by 



Google 



Excurse. 61 

zu lesen ist. 2; L. c. § 140: „Jesus orawt patrem et exaudüus est, et 
statim ut clamavit ad patrem receptus est*, vgL das dveXrjg)ft?] 
Pet.-Ev. 19. 3) Spricht an derselben Stelle Origenes so, dass er 
v. 14 unsres Ev.'s gekannt zu haben scheint. Die übrigen Pa- 
rallelen, die Murray angeführt hat (zu v. 15. 16. 21 etc.), 
scheinen mir minder schlagend. 



Excurse. 

1) Durch die starke Interpunktion nach xqixcov avxov und 
die Einschiebung eines (it) vor ßovXrj&ivxcov (der Codex lässt 
für dieses [tr] Raum und Origenes bezeugt es) ist Vers 1 be- 
friedigend hergestellt. Pilatus wünscht und erwartet, dass die 
Juden sich auch die Hände waschen; allein sie thun es nicht, 
und da hebt er die Sitzung auf. 

2) Zu v. 1—5] Vor diesen Worten muss das gestanden haben, 
was die Didascalia (s. oben S. 41) bietet: c O (ihv aXXotpvXog 
xQixrjg viipdf/evoq xdg x ei Q a $ dxsv ä&wog el/Jt ajto xov cX~ 
[iaxog xov öixalov xovxov y vfislg oip£ö&e' 6 dh 'lOQarX ine- 
ßorße- xo aif/a avxov lg? fj[iag xal kxl xd xixva fjfiäv xcov 
öe 'lovöaicov ovöelg xxX. Die Situationen, die nun folgen, sind 
nur dann nicht undurchsichtig und verworren, wenn man an- 
nimmt, dass das dveoxrj üeiXaxog bedeutet: „er erhob sich und 
ging fort - (also wie Marc. 10, 1: dvaöxdg eQxtxai) oder: „die 
Anderen gingen fort." Man hat dann anzunehmen, dass nach 
v. 1 Pilatus, Herodes und „die Richter" zusammen waren, nach 
v. 2 gehen sie auseinander, desshalb schickt Pilatus v. 4 sein 
Gesuch an Herodes. Dass Pilatus entlastet und alle Schuld auf 
Herodes resp. die Juden geschoben werden soll, ist offenbar. 
Diese Erzählung ist tendenziös und secundär. 

3) V. 5 und v. 58] Die Worte: rtfielg avxov i&dicxofisv jiqo 
fiiäg xc5v a£v(i(DV, Hessen sich nur dann mit der synoptischen 
Berechnung vereinigen, wenn man übersetzen dürfte: „vor Ab- 
lauf des ersten Tags der süssen Brode." Dass dies unmöglich 
ist, leuchtet ein. Aber auch dann bliebe noch eine Differenz mit 
den Synoptikern im Sprachgebrauch. Diese bezeichnen nämlich 
den ganzen Tag, an dessen Abend das Passah gegessen wurde, 
ungenau bereits als xqwxi] xdiv d^vftatv (s. Matth. 26, 17 u. 



Digitized by 



Google 



52 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

Marc. 14, 12, auch Luc. 22, 7, Holtzmann, Synoptiker S. 272. 
275). Nähme man an, dass das Petrusev. diesem Sprachgebrauch 
folgt, so wäre Jesus nach ihm sogar schon am 13. Nisan ge- 
kreuzigt worden. Allein diese Annahme ist keineswegs gefor- 
dert; vielmehr muss man voraussetzen, dass der Verf. dem älteren 
Sprachgebrauch folgt, nach dem nur die Tage vom 15. bis 21. 
Nisan zum Fest der aC^vf/a gehören. Die Verurth eilung und 
Kreuzigung Jesu hat nach ihm also, wie nach Johannes, am 
14. Nisan stattgefunden. — Die reZevrala tj/jiqcz xmv d£vii<m> 
(v. 58) ist also der 21. Nisan. Bis dahin hat nach dem Verf. 
eine Christophanie überhaupt noch nicht stattgefun- 
den. Das ist von höchster Wichtigkeit; er kennt keine 
Christuserscheinung am Ostersonntag, sondern berich- 
tet nur über das leere Grab und die Engelerscheinung. 
Auch Paulus sagt bekanntlich nicht, dass Jesus dem Petrus am 
Ostersonntag erschienen sei. Somit haben wir an diesem 
wichtigen Punkt in dem Petrusev. eine Überlieferung 
zu erkennen, die älter ist als Matth., Marcus, Lucas und 
Johannes; es ist neben Paulus unsere beste Quelle. 
Wann der Herr dem Petrus erschienen ist, ist nicht gesagt; aber 
jedenfalls nicht schon am 21. Nisan; denn an diesem Tage kehrten 
die Jünger erst nach Galiläa zurück. 

Dem gegenüber hat Lods in seiner Ausgabe (p. 24) die 
scharfsinnige Hypothese aufgestellt, der Verf. des Petrusev. habe, 
jüdischer Gebräuche völlig unkundig, sich das jüdische Fest der 
Ungesäuerten nach dem christlichen Osterfest, also als ein Fest 
von drei Tagen gedacht, die reXevraia tj/jsqcz (v. 58) sei der v. 57 
vorausgesetzte Tag, also der Ostertag selbst. Für diese Hypo- 
these spricht, 1) dass v. 58 so an v. 57 angeschlossen ist, dass 
die Annahme, es handle sich um denselben Tag, in der That 
nahe liegt, 2) dass die Erscheinungen Jesu dann am Ostertag 
selbst begonnen haben können, 3) dass das tpfjörevo/iep v. 27 
dann einen prägnanten Sinn erhält (der Verf. dachte an das 
Ostersonnabendsfasten der Christen und tibertrug es auf die 
Jünger). Allein die Hypothese scheint mir doch abgelehnt 
werden zu müssen: denn 1) setzt sie eine unglaubliche Ignoranz 
des Verf. des Evangeliums voraus, 2) braucht v. 58 nicht noth- 
wendig denselben Tag zu bezeichnen wie v. 57, 3) stimmt die 
Rechnung nicht; denn der Ostersonntag wäre nach dem Verf. 



Digitized by 



Google 



Excurse. 63 

gar nicht der dritte Tag der Ungesäuerten, sondern der zweite 
Tag (die fiia xcov a£v/iov ist nach v. 5 fraglos der Freitag 
Abend um 6 Uhr beginnende Tag; er hätte also nur zwei Fest- 
tage angenommen), 4) eine Erscheinung Jesu vor seinen Jüngern 
am Ostersonntag ist auf diesem Wege doch nicht zu erreichen; 
denn der^Verf. würde nur sagen, dass die Jünger am Ostersonn- 
tag in ihre Heimath, Galiläa, gegangen sind. Sie können doch 
nicht noch an demselben Tage dort angelangt und zum See 
Genezareth gegangen sein. Die monströse Unkenntniss aber, 
er habe sich die Entfernung Galiläa's und jenes Sees von Jeru- 
salem als einen Spaziergang vorgestellt, darf man ihm ohne 
Noth nicht aufbürden. 

4) V. 6. 7] Ich habe oben gezeigt, dass die Verse 6 und 7 (bes. 
nach der Correctur: ovQWfiev) eine so schlagende Parallele bei 
Justin besitzen, dass die Benutzung unseres Ev. durch Justin sehr 
wahrscheinlich ist. Ich glaube noch einen Schritt weiter gehen 
und ovQCD t u£V in übertragenem Sinn = diaovQWfisv (welches 
Justin 1. c. braucht) fassen zu müssen. Allerdings weiss ich 
kein Beispiel dieses Gebrauchs von övqbiv, und auch meine 
philologischen Herrn Oollegen konnten mir nicht helfen. Allein 
der Zusammenhang und Justin's Zeugniss scheinen mir diese 
Bedeutung zu fordern. Denn nur wenn ovqsiv hier = „zerren", 
„verhöhnen* ist, wird der Zusammenhang von v. 6 u. w. 7 — 9 
befriedigend. — Westcott hat mich freundlichst darauf aufmerksam 
gemacht, dass eine Stelle im Johannesev. (19, 13, s. übrigens be- 
reits Holtzmannz. d. St.) durch v. 7 Licht empfängt. Die meisten 
Ausleger haben in den Worten: 6 ovv TluXaxog dxovoag 
xäv Xoycov xovxmv ijyayev 2£g> xov 'hfiovv xal txa&ioev 
iütl ßtjfiaxoq dg xoüiov Xeyofisvov Ai&qogxqcoxov ', 'EßQcüori 
öh raßßa&d ... xal Xiyu xolg 'lovöaioig' "lös 6 ßaöilevg vfidiv, 
das n £xä&iö£V u intransitiv verstanden. Allein vergleicht man 
Justin, Apol. I, 35: äiaovQovxeg avxov kxa&iöav ijil ßrjfia- 
xog xxL, sowie unsere Stelle: di&ovv avxov xQtyovxsg . . . 
ixa&ioav avxov ijtl xad-iÖQav xQioecog, bedenkt man fer- 
ner, dass das johanneische: "lös 6 ßaoiXevg vficSv, erst sein Acu- 
men erhält, wenn Jesus auf dem Richtstuhl sitzend ausgestellt 
wurde, erwägt man endlich, dass nach Johann, noch zweimal etwas, 
was die Kriegsknechte (die Juden?) nach dem Petrusev. thun 
[ — um den Pilatus zu entlasten — ], dem Pilatus selbst beige- 



Digitized by 



Google 



04 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

legt wird (Petrusev. v. 9: xal xiveg avxov ifiaori^ov, vgl. Joh. 
19, 1: Ikaßev 6 IlsiXaxog xov 'Itjoovv xal ifiaoxlycooev. Petrus- 
ev. v. 11: knifQatyav, oxc ovxog loxiv 6 ßaoiXevg xov 'iöQat'jJL, 
vgl. Joh. 19, 19: eyQcnpev de xal xlxXov 6 üeiXäxog xxX.) — so 
wird man schwerlich daran zweifeln können, dass Johannes 
„lxa&i6ev u transitiv verstanden wissen wollte. 

5) Zu v. 10] Von v. Gebhardt wurde ich (auch Andere haben 
dieselbe Conjectur gemacht) darauf hingewiesen, dass in dem 
handschriftlichen (?) loicojtdöag „löKDjta wg u steckt. Die An- 
nahme ist m. E. evident; es heisst dann: „avxog öe ioicojta wg 
fif]öev (vielleicht ist fifjöira zu lesen, doch ist (irjölv erträglich) 
jiovov vjcov" Diese Correctur ist von hoher Bedeutung; denn 
das Doketische wird dadurch sehr abgemildert, ja man kann nun 
fragen, ob die Worte nicht ganz harmlos gesagt sind. Die Ver- 
schreibung (resp. Verlesung) co = oa ist leicht; Blass zeigt zu- 
dem richtig, dass auch in v. 15 eine solche anzunehmen und das 
überlieferte r\y<nviQav in rjywvicov (nicht in fjfooviaöav) zu cor- 
rigiren ist: i&ogvßovvxo xal iffwvlwv. 

6) Zu v. 17] Ich beziehe avxmv auf xe<paXr(g und nicht auf 
xä afiaQxrjftaxa. Unter „X6<pafa'j" ist natürlich nicht Christus 
gemeint, sondern es ist die bekannte Redensart; % fce<pa}.Giv i% war 
nicht nothwendig. Zur Sache s. Joh. 19, 28 f. — Du hm wirft 
in einem Briefe die Frage auf, ob nicht 15 b — 17 ein späterer 
Einsatz ist. Allerdings stören die Verse den Zusammenhang. 
Doch wage ich auf diese Beobachtung hin nicht, die Verse aus- 
zumerzen. 

7) Zu v. 1 8] Die Form tjtioavxo ist allerdings ungewöhn- 
lich; Diels hat sie aus Polyaeu belegen wollen, aber Blass 
beanstandet die Lesung dort. Die Sache wird durch Pseudocypr., 
de montibus Sina et Sion 8 bestätigt. Ebendesshalb möchte ich 
die Gebhardt' sehe Conjectur „ejtaioav" nicht gutheissen. Sie 
empfiehlt sich auch darum nicht, weil nach dem Eintritt der 
Finsterniss der Erzähler schwerlich mehr vom Spotten der Ju- 
den berichtet haben wird, und weil das ijceoavxo treffheh zu 
dem jiEQtf'iQXovxo fiexä Ivxvwv passt. Ist die Form unhaltbar 
(Blass), so ist ejtsöav xe oder jteoovvxai (v. vofii^ovxsg abhängig) 
zu lesen. 

8) Zu v. 19] Zu diesem Verse haben mir Wellhausen, 
Nestle und Deissmann geschrieben. Der Letztere bemerkt: 



Digitized by 



Google 



Excurse. 65 

Nach F. Field II, 117 lautet Psalm 22, 2 bei Aquila: Joxvq4 
fiov, Iöxvqb fiov . . .", wozu Field bemerkt: „Sic Mss. et Euseb., 
Demonstr. p. 494, qui addit: xo ö* äxQißeg iöxiv loxvg fiov, 
loxvg fiov. u Nehem. 5, 5 geben unsere LXXHdschr. das Wort 
bfct durch övvafiig wieder. Die Nehemiastelle zeigt, dass man 
auch sonst b$ durch övvafiig wiedergab. bfct heisst ja auch „der 
Starke*' „der Held", und in einer bestimmten Redensart wohl 
auch „Stärke", „Gewalt". Daher wird von den LXX Genes. 31, 29 
die hebräische Vorlage durch laxvei rj x Bl Q ( iov una< Deut 28, 32 
durch ovx loxvou r\ x^Q <*ov wiedergegeben. An der Stelle 
Mich. 2, 1 dagegen haben die LXX diese Bedeutung des b« 
nicht erkannt, vielmehr, das Wort mit bat Gott verwechselnd, 
übersetzt: ovx yQav XQog xov ftsov x s ?Q a $ c^vxalv. Die Über- 
setzung des Aquila tp 22, 2 ist durch die umgekehrte Verwechse- 
lung entstanden: er übersetzte b» statt mit „Gott" mit „Stärke". 
Nach alledem geben sich für die Fassung des Herrnworts im 
Ev. Petri folgende Möglichkeiten: Entweder der Evangelist 
citierte das Psalm wort frei nach Aquila [??] oder er übersetzte, un- 
abhängig von einem Vorgänger, das rfXd durch övvafiig fiov, was, 
wie die beigebrachten LXX Stellen zeigen, ebenfalls sehr nahe lag. 
Im letzteren Fall kann er das övvafiig ganz unbefangen gesetzt 
haben, oder er hat, um das Odium der Gottverlassenheit Jesu zu 
tilgen, das qXel mit Bewusstsein missverstanden." Das Letztere 
war immer meine Meinung. Dass der Verf. unbefangen „övva- 
fiig fiov* eingesetzt habe, ist ganz unwahrscheinlich. — Well- 
hausen macht darauf aufmerksam, dass Aquila z. B. auch 
Isa. 9, 5 b« durch IcxvQog wiedergegeben hat. Nestle verweist 
auf Lagarde, Übersicht über die . . . Bildung der Nomina (Abh. 
d. K. Gesellsch. d. Wissensch. 35. Bd. 1889) S. 165, wo die Be- 
merkung des Epiphanius über rjX^ar. „öia ro IqX [scrib. rjX) xa- 
Xelo&ai övvafiiv il besprochen ist. „Ebendort citirt Lagarde 
Theodoret IV p. 392 xo öl rjX tpiXovfisvov fiev xal avxo örjXol 
xov &eov, öaöwofievov öe xov Iöxvqov. Der Verf. des Petrusev. 
hat rfXi, nicht rjXi gelesen und als ^n statt ^b» gedeutet. 4 * (aber 
s. Justin., Dial. 125: xo öh tjX övvafiig.) — Leider ist der Satz 
zu abrupt, um auf den theologischen Standpunkt des Verf.'s einen 
Schluss zuzulassen (abgesehen davon, dass er den Ausdruck der 
Gottverlassenheit vermeiden wollte). Soll man an Luc. 1, 35: xvev- 
fia ayiov ijtsXevosxai kxl oi, xal övvafiig vtploxov koiioxiaoei 

Texte u. Untersuchungen IX, 2. 2. Aufl. 5 



Digitized by 



Google 



56 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

ooij denken und annehmen, der Verf. meine, diese Kraft habeJesum 
nun verlassen (s. auch Act. 8, 10: ovxog ioxiv ?} Jvva^Lig xov &eov 
rj ocaXovfitvr] MsydXtj)? oder stellte er sich „die Kraft" als den 
avco Xqiotoq vor, oder ist der Ausdruck harmloser zu nehmen 
und nach Marc. 14, 62 zu deuten: otpeo&e xov vibv xov av- 
&Qcbxov ix ösgicov xad-Tfisvov xijg övväfiewg = Gott? Gegen 
letzteres spricht, dass er gleich darauf den Ausdruck „avt- 
iTjqp&t)" gewählt hat, der später für die Himmelfahrt fast 
term. techn. geworden ist. Zu v. 19 (Weglassung des Aefia in 
der Übersetzung) schreibt mir Prof. Nestle freundlichst: „l&nä 
bedeutet im Syrischen nicht warum, sondern dient einfach zur 
Einführung der Frage, zumal einer solchen, auf die man eine 
negative Antwort erwartet, ein griechisches (*?'}, (itfxi (s. Duval, 
Gramm. Syr. § 383). Warum heisst im Syrischen lSm&nä. So 
wenig empfindet ein syrisches Ohr in Xefia noch die Frage nach 
dem Grunde, dass die syrische Bibelübersetzung sowohl Mt. 27 
als Mrc. 15, 34 auch da, wo sie nicht übersetzt, sondern nur 
umschreibt, Xefia durch lSraänä ersetzt hat, durch dieselbe Par- 
tikel, die Mrc. 15, 34 slg xl y tp 22, 1 HEb vertritt. Darnach 
scheint mir klar, dass im Ev. Petri der Satz nicht als Aussage, 
sondern wie das ixrJQv^ag xolg xoi(ia>(iivoig als Frage zu fassen 
ist. Aber noch ein Weiteres scheint mir aus dem Vorstehenden 
hervorzugehen: dass nämlich die Vorlage des Petrusev. schon 
griechisch und nicht mehr aramäisch war, dass sie aber das 
Wort „eli eli lema sabaktani" noch ohne die griechische Über- 
setzung bot. Ohne dieselbe hat — was in Tischendorfs 
Octava nicht bemerkt ist — auch das Evang. Hierosolymit. 
Mtth. 27, 46. Der Cure ton' sehe Syrer fehlt leider zu dieser 
Stelle des Mtth. u. Marc. 44 Diese Mittheilung scheint mir der 
Erwägung sehr würdig. 

9) Zu v. 26] 'ExalQog kommt im N. T. nur bei Matth. vor. 
Nach 26, 50 hat Jesus den Ischarioth so angeredet: jEraTps, ig)' 
o JtaQEi (ExalQog ov jtavxmg <piXog' txalQOi 6h lölwg ol xal 
zf] r\Xixla jtaQajtXr]öLa)g lyovxtg xal iv övvij&sla jcoXvv xqovov 
yeyovoxsg. Ammon.). 

10) Zu v. 31] „Petronius". Zu der Erwähnung dieses 
Namens, der sich sonst in keinem anderen Evangelium findet, 
vgl. den Malchus Job. 19, 10, Simon den Aussätzigen Matth. 26, 6, 
Marc. 14, 3, das Gabbatha Joh. 19, 3 (u. manches Andere bei Joh.), 



Digitized by 



Google 



Excurse. 67 

den Alexander und Rufus Marc. 15, 21 — aber diese Angaben 
sind wohl alle zuverlässig — ; unzuverlässig, wie unser Petronius, 
sind die Namen der beiden Schacher. Im Cod. Colbert. heissen 
sie Zoathan und Chammatha (Zoatham und Camma), in den Act 
Pilati Gestas und Dysmas (Demas). Der Hauptmann, der beim 
Kreuze stand, heisst in späteren Legenden Longinus (Acta Pilati, 
rec B p. 309 Tischendorf 2 ); nach Anderen ist dies der Name 
des Kriegsknechts, der den Herrn in die Seite stiess. 

11) Zu v. 35 u. 50] Es ist eine Eigentümlichkeit unseres 
Evangeliums im Vergleich mit den anderen, dass es den term. 
techn. „?] xvQiaxrj" bietet. Derselbe ist als term. techn. flir die 
letzte Zeit Domitian's durch die Offenbarung Joh. (1, 10: iysvo- 
fitjv iv jtvsvfiari, iv x%] xvQiaxjj rjpiQa) sicher gestellt Paulus 
(I Cor. 16, 2) setzt bereits die Sonntagsfeier voraus, hat aber den 
termin. noch nicht (xarä fdav oaßßaxov ixaorog vficov JtaQ* 
lavzm rid-iroo). Derselbe Thatbestand liegt Act. 20, 7 vor {iv 
6h r(] fiia r<5v oaßßarov awrf/fiivoov Vficov), sowie Barnab. 15, 9 
{öio xäL ayofisv rrjv TjfiiQccv xr\v oyöotjv elq evtpQOövvTjv, iv y 
xal 6 'Itjoovq aviöTT} ix vsxqgqv). Plinius in der bekannten 
Epistel bietet nur „stato die". Die ältesten Zeugnisse nach der 
Offenbarung Joh. bieten Ignatius (ad Magn. 9, 1 ; fitpciti oaßßa- 
rl^ovreg, aXXä xarä xvQiaxrjv £(5vteg, iv % xal r) £co^ rjficov 
ävirsiXsv) und der Verf. der Didache (14, 1 : xarä xvQiaxfjv öh 
xvqIov öwccx&ivreg xXaoare <xqtov). Melito von Sardes hat ein 
Buch jcbqL xvQiaxTJg geschrieben. Bei Justin findet man den 
Ausdruck nicht, weil er an Heiden, resp. Juden schreibt. 
Dieses „xvQiaxri" in unserem Ev. bietet m. E. ein gewisses Argu- 
ment, mit der Abfassung desselben nicht über die Zeit Domitian's 
hinaufzugehen. Doch wird das schwerlich Jemandem einfallen. 

12) Zu v. 36] Nestle versteht unter den beiden Männern 
Moses und Elias, und auch Duhm ist zu dieser Annahme ge- 
neigt. In der That werden sie nirgends als Engel bezeichnet, 
und die Parallelen in der Verklärungsgeschichte und in den 
Überlieferungen des Judenthums überhaupt fallen schwer ins Ge- 
wicht. Ich neige mich daher auch dieser Deutung zu; der Codex 
Bobb. (s. oben S. 57) hat freilich Engel verstanden. Blass denkt 
an xal a[vrc5]v oi. 

13) Zu v. 40] Lodz in der Ztschr. „Le Temoignage" 3. Dec. 
1892 Nr. 49 liest flir das handschriftliche (?) xov dh x&Q a *<ß r ov- 

5* 



Digitized by 



Google 



68 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

fievov unzweifelhaft richtig xov öe x ei Q a 7 G} y°W^ V0V ( so auch 
Schenkl und Robinson), so dass der Satz lautet: xal xcov 
fihv ovo xfjv xe<pali)v xwQovoav (*tXQ L T °v ovqcivov, xov öh 
XetQayaryovfievov vji avxmv vjzeQßalvovöav xovg ovQavovg. 
Zur Sache bemerke ich, dass diese phantastische, aber nicht un- 
poetische Schilderung den Ausgangspunkt gebildet haben kann 
für die grotesken elkesai tischen Phantasieen, die wiederum auf 
Muhammed von Einfluss gewesen sind (Hippol., Philos. IX, 13 
p. 462), über das Offenbarungsbuch , welches Elksai erhalten 
haben will vjro dyyeXov, ov xo vtpog oxoivcov xS . . ., xo öh 
nXaxog avxov oxohtDV (f, xal djto cofiov elg cofiov öxolvwv $ , 
xd öh 1x vr i T0 ^ v xodaiv avxov im fi?jxog oxolvwv y ypicovc, 
d ylvexai (tifoa öexaxeooaQa, xo öh nXdxog oxolvov evdg ?////- 
öovg, xo öh vtpog r'jfiioxoivlov. elvai öe ovv avxcß xal dfaeiav, 
rjg xc pixQa xaxd xd jtQoeiQt]fieva dvai Xeyer xal xov (iev 
aQOeva vlov elvai xov &eov, x?)v öe d-rjkeiav xaXelöd-ai ayiov 
xvevita). Sollte an der Angabe Theodoret's, dass die Nazaräer 
das Petrusev. gebrauchen, etwas Wahres sein, so wird auch die 
Möglichkeit der Abhängigkeit der Elkesaiten wahrscheinlicher. — 
Das Wort ^efpayco/f?^ kommt im N. T. nur in den Act. vor 
(9, 8; 22, 11; cf. 13, 11). Zu v. 40 schreibt mir Duhm: „Vielleicht 
schildert der jetzt sehr grotesk aussehende 40. V. ursprünglich 
die Auffahrt; während die Köpfe der Zwei erst den Himmel be- 
rühren, dringt bereits der Oberkörper Christi in den Himmel 
ein. In diesem Augenblick wird er empfangen mit der Frage, 
ob er die Parusie auch der Unterwelt angekündigt habe, und 
man hört die Antwort des schon halb Unsichtbaren. V. 40 be- 
stände dann aus zwei hebräischen Zustandsätzen und wäre mit 
v. 41 enger zu verbinden: „Wie nun die Häupter der Beiden 
bis zum Himmel kamen und das Haupt des Gekreuzigten über 
die Himmel sich erhob, u. s. w.*" Dass die Himmelfahrt als sich 
unmittelbar an die Auferstehung anschliessend gedacht ist, folgt 
aus v. 56. Räthselhaft bleibt nur das dveX^d-rj v. 19. Für 
die Erklärung Du hm 's spricht ausserdem noch die Parallele in 
dem Zusatz des Codex Bobbiensis (s. oben S. 57): „et descenderunt 
de caelis angelt, et surgit in claritate et viri duo .rimul ascenderunt 
cum eo". 

14) Zu v. 41. 42] Durch Blass, Hartel und Burkitt sind 
diese Verse hergestellt. Meine frühere Zustimmung zu Preu- 



Digitized by 



Google 



Excuree. 69 

schen's auf I Pet. 3, 19 f. fassender verlockender Conjectur 
„kxrjQVJsaq vjcaxorjv", ziehe ich # zurück, weil der überlieferte 
Text einen guten Sinn giebt (ob man vjtaxotj oder vJiaxo%i 
liest, ist gleichgültig) und man nicht ohne Noth ändern soll 
Jedenfalls ist hier die „Höllenfahrt" gemeint, und wir haben 
somit an unserem Evangelium das erste Evangelium, welches 
diese erwähnt und es uns an seinem Theile deutlich macht, wie 
sich der Glaube an eine Predigt Christi in der Unterwelt so 
frühe in der Christenheit verbreitet hat. Schwerlich aber ist 
hier an eine Predigt zum Gericht zu denken (eine solche ist 
nicht einmal I Pet. 3, 19 f. ganz sicher, jedoch überwiegend 
wahrscheinlich: ^coonoirfteig dh xvevficcTi, kv cp xal xolg kv 
<pvlaxjj jcvsvfiaocv jivoev&slg kx?]Qvgev, äxei{h}oa6iv jtoxt 
xxX.). Eine Predigt zum Heil ist vielmehr anzunehmen; dies 
folgt m. E. 1) aus dem Worte „xotfimpivoig" , welches sich 
nicht wohl auf gefangen gehaltene Sünder beziehen kann, 2) aus 
den ältesten christlichen Parallelen, die sämmtlich eine Heils- 
predigt enthalten. Ich will nur einige anfuhren: a) In Justin's 
A. T. stand im prophetischen Buch des Jeremias folgende Stelle, 
von der er behauptet, die Juden hätten sie absichtlich getilgt 
(DiaL 72: xal ano xcov Zoycov xov avxov ^leosplov 6/iolcog 
xavxa xeoiixotpav — Die Stelle ist in Wahrheit ein willkür- 
licher Zusatz): 3 Efivrjad^T] öh xvoiog 6 &eoq ayiog 'löQafjl xcov 
vexqcov avxov, rcov xsxoifiijfiivov tlg yrjv X(D[iaxog y xal 
xaxißij JtQog avxovg evayyeZioaö&ai avxolg xo ocoxtjqlov 
avxov. Eben diese Stelle citirt Irenäus fünfmal u. zwar III, 20, 4 
als jesajanisch, IV, 22, 1 als jeremianisch, 8. IV, 33, 1. 12 u. 
V, 31, 1. — b) Hermas schreibt Sim. IX, 16: Ovxoi ol äxoöxo- 
Xoi xal ol diöaöxaloi ol x/}gv§avxeg xo ovofia xov vlov 
xov &eov, xoifirjVtvxeg kv öwaftst xal ütlcxu xov vlov xov 
fttov, £x?jQv§av xal xolg jiQoxexoifirjfdivoig, xal avxol 
eöcoxav avxolg xr\v oq>oaylöa xov xt]ovy(taxog. — c) Nach Mar- 
cion stieg Jesus zum Heile in die Unterwelt (s. Iren. I, 27, 3). 
— d) Hippolyt de antichr. 45 schreibt von Johannes dem Täufer: 
ÜQoiip&aos xaL xoig kv aöov evayyekioao&ai, dvaiQe&elg 
vjto 'HQaldov JCQoÖQO(iog ysvo/tevog kxeJ, Oijfiaiveiv [iiXlmv 
xdxeiöe xaxeZevoeo&ai xov öojxijoa Ivxoovfisvov xdg 
ayicov yv^ag ix x et Qo$ ftavaxov. — Das Zusammentreffen 
des I Petrusbriefs und des Petrus-Ev. in Bezug auf die „Höllen- 



Digitized by 



Google 



70 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

fahrt* ist immerhin merkwürdig, wenn auch im Brief der Zweck 
derselben vielleicht anders vqrgestellt ist. Hier mag man sich 
erinnern, dass in der Didascalia das Wort: „äyani] xaAvxrei 
xlrj&oq aftaQTiciv" als Herrnwort eingeführt ist. Es findet 
sich aber auch im I Petrusbrief (4, 8). Damit ist eine zweite 
Beziehung zwischen Brief und Evangelium gefunden; denn die 
Didascalia benutzte das Petrusev. — Sehr auffallend ist in v. 42, 
dass die Antwort „and rov özccvqov" und nicht von dem ver- 
klärten Gekreuzigten selbst erfolgt, und ebenso auffallend sind 
(v. 39 c ) die Worte: xal öxavgov axoXo&ovvza avzolg. Duhm, 
ein hebräisches Original annehmend, vermuthet, dass der Über- 
setzer Dlbs, das sowohl „Kreuz" wie „Gekreuzigter" bedeuten 
kann, falsch verstanden hat, und dass zu übersetzen ist v. 39: „sie 
sahen, wie drei Männer aus dem Grabe hervorkamen, und die 
zwei den einen aufrichteten und der Gekreuzigte ihnen folgte" 
und v. 42: „und Antwort wurde gehört von dem Gekreuzig- 
ten: Ja* (dazu die Bemerkung Duhms: „Ich habe allerdings 
das erste Mal zu dem '2 den Artikel hinzugefügt, den der Grieche 
vermuthlich desswegen wegliess, weil er '1 als ozovqoq verstand 
und das Kreuz in diesem Zusammenhang ja eine noch nicht vor- 
gestellte Grösse war. Bei einem aramäischen Urtext wäre die Sache 
noch einfacher"). Gegen diese scharfsinnige Vermuthung spricht, 
dass die Worte „der Gekreuzigte folgte den beiden anderen" nicht 
passend erscheinen. 

15) Zu v. 50] Dieser Vers enthält eine crux, mag man nun 
das ovx vor hnoirßev streichen oder nicht. Lässt man es stehen, 
so empfiehlt es sich mit Preu sehen die Worte von q>oßov(i£vri 
bis ayajiw(i£voig avzalg als Parenthese zu fassen: „Am Sonntag- 
morgen nahm Maria Magdalena — aus Furcht vor den Juden, 
da sie vor Zorn brannten, that sie nicht am Grabe des Herrn, 
was die Weiber gewohnt sind zu thun — ihre Freundinnen mit 
sich und ging zum Grabe.* Aber abgesehen von der Schwer- 
fälligkeit des Satzes erwartet man statt inoirjösv das Plusquam- 
perfectum. Streicht man das ovx, so wird das „yoßovfievrj 
öiä zovg 'lovöaiovg* . . . (ijtolTjoev) sinnlos oder nahezu sinnlos. 
Wie mir scheint, kommt hier aus v. 52 Hülfe, wo die Weiber 
sprechen: sl xal fi?) iv ixslvu zij fjiiiQa ?j iozavQwd-rj kdvvrj- 
{hjfiev xzZ. Diese Worte scheinen in v. 50 ausgefallen zu sein. 
Es wäre also zu lesen: yoßoviiivrj öid zovg 'lovöaiovg, kxsidri lg>- 



Digitized by 



Google 



Excurse. 71 

X&fovxo vjto xijg op/'/C, iv xy wfya # loxavQcbfhi o xvQiog ovx 
kjtoirjoev xxX. und dabei die Parenthese, wie Preuschen sie 
vorgeschlagen, zu setzen. Blass will ort vor <poßovfjevr] ein- 
schieben, Robinson ijxig. 

16) Zu v. 60) Die Erscheinung des Herrn vor Petrus, die 
man nach dem Schlussvers unseres Bruchstückes erwartet, wird 
von Paulus als die erste bezeugt und findet sich ausserdem noch 
bei Schahrastani (Religionsparteien, ed. Haarbrücker I S. 
261).' „Aber nachdem er getödtet und gekreuzigt war, kam er 
herab [also war er schon in den Himmel aufgefahren, wie im 
Petrusev.], und es sah ihn Simon Kephas, u. s. w." Es folgt 
eine Bemerkung, dass Paulus das Werk des Petrus getrübt habe. 

17) Zum Stil und zur Sprache des Petrusev.] Eine beson- 
ders in die Augen springende Eigentümlichkeit des Evangeliums 
sind die vielen in directer Rede gegebenen Sätze. Nicht weniger 
als 17 sind in dem Fragment zu zahlen (v. 2 u. 5 Reden des 
Herodes, v. 6. 7 u. 9 Reden der Soldaten, v. 13 des Schachers, 
v. 19 des Herrn, v. 25 der Juden, Presbyter und Priester, v. 28 
des Volks, v. 30 der Altesten, v. 41 Gottes, v. 42 vom Kreuze 
her, v. 45 der Grabes Wächter, v. 46 des Pilatus, v. 48 der 
Altesten etc., v. 52 ff. der Weiber, v. 56 des Engels.) Dieses 
Streben nach Lebendigkeit und Anschaulichkeit der Erzählung 
tritt auch v. 8 u. 16 hervor (xal xig avxcbv ivsyxcov oxifpavov 
— xal xig avzdiv elxsv xoxlöaxs xzL), wo die kanonischen 
Ew. anders erzählen. Man vgl. ferner den Eintritt des Präsens 
in v. 2 (xeZevei), v. 39 (oqwoiv), v. 44 (tpaivovxai), v. 55 (opco- 
oiv). „T6xe u findet sich fünfmal (2. 21. 22. 25. 57). Die An- 
knüpfung der Sätze geschieht gewöhnlich, wie in den kano- 
nischen Ew. mit „*«/" und „di* {yctQ: 5. (15). 26. 38. 48. 54. 56; 
ovv: 38. 43. 49). Fünfmal findet sich auch der Genet. absol. 
(1. 35. 39. 44. 48); Participialconstructionen sind sehr häufig (man 
vgl. nur die ersten 14 Verse). An drei Stellen (15. 23. 50) ist 
kxuÖTj gebraucht, welches in den kanonischen Schriften nur bei 
Luc. sich findet und auch dort nur ein- oder zweimal (7, 1; 11, 6). 
Unser Ev. ist durchaus in dem hebraisirenden historischen Stil 
der synoptischen Evangelien geschrieben (der Unterschied zwischen 
der knappen Erzählung der Leidensgeschichte und der ausführ- 
lichen Auferstehungsgeschichte ist auffallend); aber, wenn ich nicht 
irre, hebraisirt es weniger als Matth. und Marc, und steht etwa 



Digitized by 



Google 



72 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

mit Luc. auf einer Stufe (Hebraismen sind z. B. v. 9: xavxq x\\ 
rifijj krifiTJöauev, v. 35: dvd ovo ovo, v. 51: tütov ?)v Te&eio). 
Die Erzählung8kunst des Verf. ist keine geringe, wie namentlich 
aus dem Abschnitt hervorgeht, wo er am selbständigsten gearbeitet 
hat — der Auferstehungsgeschichte. Auch sein poetisches Talent 
ist bedeutend. Es ist ein urchristlicher Didaskalos cbtooxoXixov 
XaQiöftaTOQy der hier spricht. Dass das Evangelium so, wie es uns 
vorliegt, aus dem Hebräischen übersetzt ist, dafür habe ich keine 
Anhaltspunkte gefunden. Die zahlreichen Participialconstructionen 
und das „ 7) xvqioxt)* scheinen mir sogar direct dagegen zu sprechen. 
Aber andererseits lehrt ein Vergleich mit den kanonischen Ew., 
dass man auch von unserem Ev. aus auf hebräische Quellen der 
evangelischen Geschichte mit Sicherheit gefuhrt wird. Ich habe 
bereits oben S. 36 in der Anmerkung auf einige Verse aufmerk- 
sam gemacht und will hier eine Zusammenstellung geben: 
v. 1 Petrusev. viipaofrai, Matth. äjcorlrpaofrai. 
v. 3 r alxelv, Matth. Marc. Luc. alrslö&cu. 

v. 7. „ u. Marc. noQyvQav, Matth. %Xa(ivöa xoxxlvrjv, 

Luc. to&rJTa Xa/ujcQav, Job. Ifidxiov noQtyVQovv. 
v. 7. „ u. Luc, Joh. nsQiißaXXov, Marc, ivöiövoxovoiv, 

Matth. jteQiifhjxav. 
v. 7. „ ixl xa&iÖQav XQloeojq^ Joh. (Justin) im ßrjfiazog. 
v. 7. „ dixalwg xqIvb ßaoiXev xov 'lOQarjX, Joh. % (a Q B 

6 ßaöiXevq xd)v 'lovöaiwv. 
v. 8. „ ivtyxmv oxiq>avov dxdv&ivov, Marc. JiXigavxeq 

dxdvO-ivov oxiq>avov, Matth. Joh. xXigavxsq 

Oxi<pavov e§ dxav&mv (Joh. 19, 5: dxdvfrivov 

özitpavov). 
v. 8. „ i&?ixev IjA xr/q xtcpaXtjq xov xvgtov, Matth. 

tni&rjxav im xfjq xstpaXtjq avxov % Joh. ixidyxav 

avxov x\i xeg>aX(], Marc. jtsQixi&iaoiv avzqi. 
v. 9. „ ivijtxvov avxov xalq otpsöi, Matth. ivijtxvcav 

elq xo jcqoOojiov avxov (ifixxvöavxeq slq avxov), 

Marc, ifucxveiv avxöi. 
v. 9. „ xdq öiayovaq avxov iQamoav, Matth. ixoXdg>iaav 

avxov, ol de iQajtioav, Marc. xoXaq>lt,siv avxov . . . 

Qajtioftaoiv avxov iXaßov, Joh. iölöooav avxw 

Qaxiöfiaxa, Luc. diQOvxeq. 
v. 9. „ xaXdf/cp ewooov avxov, Matth. eXaßov xov xd- 



Digitized by 



Google 



Excurse. 73 

lafjov xal bxvjixov sig tt\v xsq>aXt)v avxov, 
Marc. Ixvjtxov avrov xr)v xB<paX?)v xaXdftcp. 

v. 9. Petrusev. Btidoxc^ov, Joh. ifiaoxiycoöBv , Marc. Matth. 
q)QayeXX(6aag. 

v. 10. „ und Luc xaxovQyoi, Matth. Marc. Xijoxal. 

v. 10 „ avxdg öh iöiatJta, Matth. o öh 'Ifjöovg iöicojia. 

v. 10. „ dvd (lioov, Joh. ftiöov, Luc. 6v (ihv ix det-iwv 

ov öh i§ aQiOTEQtov, Marc, %va ix öb§icov xal 
%va t§ Bvcovipov avxov (cf. Matth.). 

v. 11. „ tjreyQatpav , Marc. ?jv fj ijtifQaq>fj xrjg alxlag 

avxov ijttysYQafi(i£P7] , Matth. ixtfhjxav Inavco 
xfjg xBfpaXig avxov xr\v alxlav avxov yByQap- 
fi6v?p>, Luc. i]v öh xal kxiyQaq>t) In* avxqi, Joh. 
lyQaiphv öh xal xlxXov 6 BsiXäxog xal Id-rpcBV 
kjtl xov oxavQov, i]v öh yeyQafiftevov. 

v. 11. „ ovxog iöxiv oßaoiXevg xov'lOQcri]X, Joh. 'Irjoovg 6 

Na^coQälog 6 ßaoiXevg xmv 'lovöalcov, Luc. 6 ßaoi- 
Xsvg xöiv 'lovöaicov ovxog, Marc, o ßaötXsvg xmv 
y Iovöal(ov t Matth. ovxog ioxiv 'irjOovg 6 ßaoi- 
Xevg xmv 'Iovöalwv. 

v. 12. „ ivöv/taxa, Matth. Marc. Luc. Joh. If/axia. 

v. 12. „ u. Matth. öufiBQloavTO, Marc. öiafiBQlCpvxai, Luc. 
öiafieQt^ofievoi, Joh. inolt]oav xioosQa psQ?]. 

v. 12. „ Xaxfiov eßaXov kn avxolg, Matth. ßaXXovxeg 
xXtjqov (ix avxa xlg xi aQ?j add. Marc), Luc 
SßaXov xXtjqov, Joh. Xdxcofiev jcsql avxov (dann 
folgt die Anführung der Schriftstelle: öisfieQi- 
oavxo .... IßaXov xXtjqov). 

v. 1 3. „ wvbIöiöev, Luc ijiirtf/cov, Marc. Matth. wvsiöc^ov. 

v. 13. „ T]fi8lg öta xd xaxd a ijtoujoafiev ovxa> jcbjiov- 
&a(J£v, ovxog öh, Luc. rjfislg fisv öixaiatg, agia 
yaQ a>v tjcQaga/tev äxoXapßdvofisv ovxog öh, 

v. 14. „ öxeXoxoxrj&fj, Joh. xaxiat-av xd öxsXtj, Act. 
Pilati B. p. 311 ovvid-Xaoav xd öx£Xtj. 

v. 15. „ f4Bö7]fißQla } Matth. Marc. Luc. %xxt] coQa (Luc. 
add. a>GBi). 

v. 15. „ oxoxog xaxBöxs, Matth. Marc. Luc öxoxog iyi- 
vbxo InL 



Digitized by 



Google 



74 Brachstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petni6. 

v. 15. Petrusev. jtaoav r?)v %vöalav, Matth. Marc. Luc. jiäoav 
(oXf]v Marc. Luc.) rfjv yrjv. 

v. 16. „ xal ng avrcov eljtEV jioriöars avrov xoXf\v 
fiera ogovg, xal xsQaoavrsg ijconoav, Matth. 
iöatxav avrS xietv olvov [viele Codd. bieten hier 
6§og) per a x°Afjg fiefiiyfiivov (ÖQaficov slg Ig 
avrcav xal Xaßcov onoyyov jtXrjöag xb ogovg . . . 
küioxi^sv avrov), Marc, kölöovv avrcp köfivQ- 
viopivov olvov (ÖQaficov öi ng ysfiloag oxoyyov 
. . . o^ovg £xori£sv avrov), Luc. ogog JtQOöyiQOvreq 
avrqi, Joh. Oxoyyov (teorov rov ogovg voomjccp 
xsQi&svrsg jcQooOTjvsyxav avrov rm öroparu 

v. 19. „ dvsßotjös Xiymv, Matth. Marc. Ißorfisv (pcovy 
fisydX?] (Xsywv add. Matth.). 

v. 19. „ r\ övvafilg pov, Marc. 6 &sog fiov, Matth. &es fiov. 

v. 19. „ xarsXsopaq, Marc. Matth. tyxariXixsg. 

v. 19. „ slütcov dveXtjipd-Tj, Matth. Joh. ätpr/xsv (Joh. üiaQ- 
iöcoxsv) ro jtvsvfia, Marc. k^snvsvosv, Luc. 
elüicov igsjivsvosv. 

v. 20. „ xal avrrjg rrjg a>Qag> Matth. xal löov, Marc, xal, 
Luc. öi. 

v. 20. „ öuQayrj, Matth. Marc. Luc. ioxio&ij. 

y. 20. „ u. Matth. u. Marc, slg ovo, Luc yticov. 

v. 21. ,. %\ yfj Jtaoa £oslo{hj, Matth. tj yij ioslöd-Tj. 

v. 22. „ EVQb&rj coga ivarrj, Marc. Matth. Luc. %mg cogag 
Ivdrrjg. 

v. 24. „ Xaßcov öh rov xvqiov, Matth. xal Xaßcov ro 
odjfia, Marc, ro Jtroofia, Luc. xa&sXcov (ro ocofia 
rov 'ltjOov), Joh. fjQSP ro ödifia rov 'fyoov 
(v. 40 sXaßov). 

v. 24. „ siXtjös [helXrjoe] oivöovi, Marc. ivslXTjosv t# 
oivöovi, Joh. %Xiy(ia, Matth. kvsrvXi^sv avro [kv\ 
oiöövi xafraQa, Luc. ivervXi&v avro oivöovi. 

v. 24. „ slotjyaysv slg löiov rayov, Joh. s&rpcav (£v (ivr}- 
fislcp), Matth. i&rjxsv avro kv rop xaivop avrov 
(tv?]tteiq), Marc. Luc. Id-tjxsv avrov iv (ivtjfiari. 

v. 28. „ ol yQafiftaretg xal (paQiöatoi xal jtQsoßvreQoi, 
Matth. ol aQXiBQBlg xal ol tpaQiöaloi. 



Digitized by 



Google 



Excurse. 75 

v. 28. Petrusev. ojtooov ölxaiog loxiv y Luc. ovxcog 6 dvfrQamog 

ovrog öixaioq i)v. 
v. 29. „ jcqoq üeiXaxov ösofisvoi avxov xal XiyovxBg, 

Matth. jtQoc üsiXäxov XiyovxBg. 
v. 30. „ Iva <pvXd2-a)(iBv xc (ivfjpa avrov kjtl xQBlg r/,u£Qag, 

Matth. dotpaXio&fjvai xov xä<pov l'cog xrjg xQlxrjg 

rjfiiQag. 
v. 30. „ xal vxoXdßyi 6 Xaog oxi ix vbxqojv dviöxrj, 

Matth. xal sixcootv x<p Xam' 'HyiQ&rj djco xc5v 

vbxqwv. 
v. 32 f. „ (iBxa xov xBvxvgicovog xal xciv oxQaxiwrcov . . . 

kxixQioav hjcxä otpQaylöag, Matth. G<pQayioavxBg 

. . . (isxa xrjg xovoxcoölag. 
v. 32. „ xvXloavxsg, Matth. Marc. jtQOOxvXloag. 
v. 43. 45. „ lvq>avlcai . . . igrjyrjoavxo, Matth. djirjyyBtXav. 
v. 44. „ xaxeX&cbv xal doeX&oiv, Matth. xaxaßag xal 

xqoobX&cqv. 
v. 45. „ dXrj&dig vlog rp ftsov, Matth. aXrjfrdig freov vlog 

r/v ovxog. 
v. 46. „ hya\ xafraQevG) xov ai'ftaxog xov vlov xov O-bov, 

v(üv de xovxo eöoge, Matth. ä&qiog elfii djtö 

xov atfiaxog xov öixalov xovxov, tj/iBiq otpeo&s. 
v. 51. „ ojtov ?]v xs&eig, Marc, ojtov t&rpcav avxov, 

Matth. ojtov ixsixo. 
v. 53. „ xlg 6h djtoxvXloBi r](ilv xal xov Xi&ov xov xi~ 

d-ivxa kjcl xrjg {hiQag xov (ivrjfdsiov; Marc, xlg 

äxoxvXiöei fjplv xov Xl&ov kx xrjg OvQag xov 

(ivtj/islov; 
v. 55. „ bvqov xov xdg>ov r)vecpyiiivov, Marc. &bcoqovoiv 

oxi ävaxexvXioxai 6 Xlfrog, Luc. bvqov xov Xi&ov 

djtoxBxvXiOfiivov. 
v. 55. „ xal jtQoöBX&ovöai, Marc, xal elöBXfrovoai. 
v. 55. „ oqcooiv kxBl xcva vsavloxov xad-B^ofiBvov fieöcp 

xov xatpov coQalov xal jtBQißsßXrjfievov oxoXrjv 

XafixQoxdxtjv, Marc. bIöov vBavloxov xafrrJiiBVov 

iv xolg fegiolg JteQißsßXrjfie'vop oxoXr)v Xbvxtjv, 
v. 55. „ ooxig B<prj avxätq, Marc. 6 6h Xtysi avxalg. 
v. 56. „ xiva CfiXBlXB, (irj xov öxavQcj&evxa bcBlvov; 

Marc. 'ItjOovv CflXBlxB xov Na^agrjvop xov ioxav 



Digitized by 



Google 



76 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

QWfievov; Matth. 'fycovv xov ioxavQcofidvov 
Cflxelxe, Luc. xl Cflxelxe xov Cmvxa fiexä xcov 
vexQcov; 
v. 56. Petrusev. dvtoxrj xcu ajtrjX&ev, Marc. yyeQ&T], ovx loxiv 
coöe, Matth. ovx loxiv od s' tfyiQ&r] yaQ , Luo. 
ovx loxiv coöe, aXÜ fjyiQfrr/. 
v. 56. „ d de ///} möxevexe, jtaQcacvipaxe xcu löaxs xov 
xbnov Iv&a exeixo, Marc, lös 6 xojcog ojtov 
l&rpcav avxov, Matth. öevxe löexe xov xonov 
ojtov Ixeixo. Zu dem ovx loxiv 7 ctvicxi] yaQ 
xcu äx?]X&sv kxely ofrev djisoxakr] hat Robinson 
Aphraat's Hom. 20 p. 385 (Wreight) verglichen: 
„and the angel said to Mary, He is risen and 
gone away to Hirn that sent Hirn." 
v. 57. „ xoxe cd yvvalxeq <poß?]ttetöcu Itpvyov, Marc, xcd 
igeXfrovOcu Itpvyov . . . ktpoßovvxo yctQ. 
Angesichts nicht weniger dieser Parallelen kann die Frage 
auftauchen, ob das Petrusev. überhaupt auch nur von einem ein- 
zigen unserer Ev. direct abhängig ist, und ob die Verwandtschaft 
nicht durch Zurückgehen auf ältere Ew., resp. auf hebräische, 
erklärt werden muss. 

18) Die neuen Berichte (Züge) des Petrusevangeliums in der 
Leidens- und Begräbnissgeschichte seien hier zusammengestellt: 

1) Dass Herodes der verurtheilende Richter Jesu gewesen 
ist und auch über seinen Leichnam verfügt hat (v. 1 — 5). 

2) Dass die Juden, Herodes und die Richter sich nicht die 
Hände waschen wollten, und dass dann Pilatus die 
Sitzung aufhob (v. 1. 2). 

3) Dass Joseph der Freund des Pilatus gewesen (v. 3). 

4) Dass er sich schon vor der Kreuzigung den Leichnam 
Jesu von Pilatus erbeten (v. 3), und dass dieser desshalb 
zu Herodes geschickt hat (v. 4). 

5) Das „co&ovv xqsxovxsq" (die Soldaten) und ihre Rede (v. 6). 

6) Die Hohnrede der Soldaten (v. 7). 

7) Die Hohnrede (v. 9). 

8) Das „co$ (i?]öev jcovov lx<x>v" (v. lo). 

9) Das „xefreixoxeg xd ivdvpaxa IfiJiQoo&sv avxov" (v. 12). 
10) Dass der eine Schacher die Menge gescholten habe, und 

seine Rede (v. 13). 



Digitized by 



Google 



Excarse. 77 

11) Dass Jesus oder dem Schacher nicht die Beine gebrochen 
worden sind, damit er unter Qualen sterbe (v. 14). 

12) Dass Jesus am Kreuz mit einem Gemisch von Galle und 
Essig getränkt worden sei (v. 16); 3. Barn. 7, 5 u. Celsus 
bei Orig. II, 37. 

13) Dass bei der Finsterniss Viele mit Fackeln umhergingen 
und niederfielen (v. 18). 

14) Dass der Herr „7/ övvafiig (iov xxX" gerufen (v. 19). 

15) Dass er mit diesem Ruf gestorben sei (v. 19). 

[16) Die Erwähnung der Nägel an den Händen bei der 
Kreuzabnahme v. 21.| 

17) Dass die Erde erbebte, als der Leichnam Jesu sie be- 
rührte (v. 21). 

18) Dass die Juden sich freuten, als die Sonne wieder schien 
(v. 23). 

19) Dass Joseph alles das Gute gesehen hat, was der Herr 
gethan hatte (v. 24). 

20) Dass Joseph den Leichnam gewaschen hat (v. 24). 

21) Die Wehklage der Juden und ihrer Leiter über ihre 
Sünden und die Erwartung des Gerichts über Jerusalem 
(v. 25); Wellhausen vergleicht Zach. 12. 

22) Dass die Jünger sich versteckt hielten voll Trauer und 
fasteten und weinten bis zum Sabbath (v. 26 f.). 

23) Dass auf sie als auf Übelthäter und auf solche, die den 
Tempel anzünden wollten, gefahndet wurde (v. 26). 

24) Dass der Hauptmann der Grabeswache Petronius hiess 
(v. 31). 

25) Dass der Hauptmann, die Soldaten und Ältesten den 
Stein vorwälzten (v. 32). 

26) Dass auch die Ältesten am Grabe wachten (v. 38). 

27) Dass sieben Siegel an das Grab gelegt wurden (v. 33). 

28) Dass ein Zelt daselbst aufgeschlagen wurde (v. 33). 

29) Dass am Sabbathmorgen das Volk aus Jerusalem kam, 
um das versiegelte Grab zu besichtigen (v. 34). 

Eine ähnliche Zusammenstellung für die ganze Auferstehungs- 
geschichte wäre werthlos. Das geschichtlich Wichtige derselben 
liegt erstlich in der Hervorhebung der Maria Magdalena unter 
den Weibern, sodann vor allem in den Versen 57 — 60: 



Digitized by 



Google 



78 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

1) Dass die Weiber in Furcht von dem Grabe flohen und 
den Herrn nicht gesehen haben (v. 57). 

2) Dass für die ersten 8 Tage nach dem Tode Christi eine 
Erscheinung desselben nicht berichtet, vielmehr ausge- 
schlossen ist (v. 58). 

3) Dass die Jünger frühestens am 7. Tage der süssen Brode 
mit den übrigen Festtheilnehmern in ihre Heimath, 
Galiläa, zurückgekehrt sind (v. 59). 

4) Dass sie damals noch in trüber Stimmung waren und 
weinten (v. 59). 

5) Dass die erste Erscheinung Jesu in Galiläa stattgefun- 
den hat und zwar am See Genezareth beim Fischen 
entweder vor Petrus allein oder vor Petrus, Andreas 
und Levi- Matthäus (v. 60). 

Hiezu kommt noch, dass der Verf. nach v. 56 (s. 39. 40) 
Auferstehung und Himmelfahrt auf einen Tag verlegt, resp. von 
der letzteren als besonderem Ereigniss nichts gewusst hat; er 
lässt den Engel von Jesus sagen: aviartj xal anifid-ev kxel o&sv 
djteördXr]. 

19) Dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass das 4. Evan- 
gelium unser Ev. gekannt hat, ist oben ausgesprochen worden; 
aber der umgekehrte Fall ist auch nicht zu erweisen. Sie können 
auch gemeinsame Quellen gehabt haben. Zu diesen würde ge- 
hören: 

1) Die Angabe über den Monatstag der Kreuzigung. 

2) Der Bericht, dass Jesus auf die xa&eÖQa xpioecog ge- 
setzt worden sei. 

3) Die Reihenfolge der Vorgänge vv. 10 — 12. 

4) Das Annageln der Hände allein. 

5) Das Xax(iov ßaXXetv. 

6) Die Erzählung vom Nicht- Brechen der Beine (die sie 
freilich ganz verschieden ausgebeutet haben). 

7) Der „Josephsgarten" (aber Joh. sagt nicht, dass Joseph 
der Eigenthtimer gewesen sei). 

8) Die Hervorhebung der Maria Magdalena. 

9) Die Erscheinung Jesu am See Genezareth. 

Auf schriftstellerische Verwandtschaft deutet der Gebrauch 
einiger Worte, die Bemerkung über die Leichname, die nicht 



Digitized by 



Google 



Excurse. 79 

über Sonnenuntergang hängen bleiben dürfen, ferner v. 56 
(cbit/Z&ev ixel o&ev cbceorakrj) und vielleicht v. 17 hin (enli)- 
Qcooav jtavxa xal trskelmoav vgl. mit Joh. 19, 28: narret reri- 
ZeöTca, tva releiayfry [jtZtjQfodfj] i) yQaq>7j). 

Wenn ich die mir wahrscheinlichsten Eindrücke in Bezug 
auf die Constitution des Evangeliums zusammenfassen darf, so 
meine ich nach dem uns vorliegenden Fragment, der Perikope 
von der Ehebrecherin und den sonst zu ermittelnden Stücken 
war das Petrusev. (so gut wie die kanonischen Ew.) ein selb- 
ständiger Versuch, die evangelische Geschichte zu beschreiben. 
Sein Verf. benutzte als eine Hauptquelle wahrscheinlich das 
Marcusev. *) und (für die Auferstehungsgeschichte) ähnliche — 
sei es schriftlich, sei es mündlich erhaltene — Überlieferungen, 
wie die waren, aus denen unser Matth. geschöpft hat (auch 
desshalb ist es wahrscheinlich, dass das Ev. in Syrien-Palästina 
entstanden ist, wozu auch die Bekanntschaft des Justin mit ihm 
[der Nazaräer?] passt). Das 4. Ev. hat er vielleicht bereits ge- 
kannt und für seine Darstellung benutzt (der umgekehrte Fall 
ist um der Jugendlichkeit des Auferstehungsberichts willen nicht 
recht glaublich); aber wahrscheinlicher ist mir, dass das 4. Ev. 
nicht benutzt und unser Ev. ein selbständiger, wichtiger Zeuge 
für manche im 4. Ev. enthaltenen Berichte ist. Ob unser Ver- 
fasser den Lucas gekannt hat oder nur lucanische Quellen, lässt 
sich m. E. nicht sicher entscheiden. Jedenfalls aber verfügte er 
auch über Überlieferungen, die von den kanonischen Ew. ab- 
wichen, resp. sich in ihnen überhaupt nicht finden, die aber, wo 
sie in modificirten Parallelberichten bestehen, nicht sämmtlich 
gegenüber den kanonischen Berichten zu verwerfen sind. An- 
dererseits fügte er seiner Darstellung in tendenziöser Weise doke- 
tische und mirakelhafte Züge bei, die darauf schliessen lassen, 
dass er im Interesse einer bestimmten Richtung innerhalb der 
grossen Christenheit geschrieben hat. Am nächsten liegt es an 

1) Ein stricter Beweis, dass die kanonischen Evangelien gebraucht 
sind, lässt sich nicht einmal für Marcus fuhren, wenn die Benutzung auch 
sehr wahrscheinlich ist. Es ist möglich, dass Petr.-Ev., ohne in einem 
directen litterarischen Verwandtschaftsverhältniss zu unseren Ew. zu stehen, 
aus demselben, nur theilweise schriftlich tixirten Flusse der Tradition und 
Legenbildung geschöpft hat, wie sie, und dass es auch nicht den Marcus 
benutzt hat, sondern dessen Quelle (Urmarcus?). 



Digitized by 



Google 



80 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

eine enkratitische zu denken, worauf auch das Fragment bei 
Origenes (Jesu Brüder waren nicht seine leiblichen Brüder) 
hindeutet. Da er die vier Ew. nicht gleichwertig behandelt, 
wenn er sie überhaupt gekannt hat, ferner nach der ganzen Art 
seines Unternehmens und den Mitteln, die ihm zu Gebote stan- 
den, endlich nach der sehr wahrscheinlichen Benutzung durch 
(die Didache und) Justin möchte ich annehmen, dass das Ev. 
dem Anfang des 2. Jahrhunderts angehört. Dass es nicht für 
eine Secte geschrieben worden ist, geht aus der Geschichte 
seines Gebrauchs (Nazaraer?, Didache, Ignatius(?), Papias(?), 
Justin, Ein Abschreiber des Joh.-Ev. im 2. Jahrh., Tatian(??), 
Clemens Alex.(?), Doketen in Syrien, die Gemeinde von Rhossus, 
Serapion, Versio Syr. Cur., Origenes, Didaskalia, Eusebius(?), 
Pseudo-Ignatius, Codd. Sangerm., Bobbiens., Akhmim.) hervor. 
Doch enthielt es enkratitische und doketische Momente, die es 
in späterer Zeit als häretisch erscheinen Hessen, wie es denn 
auch in den Gebrauch der Ketzer (s. Marcianus bei Serapion 
und das Zeugniss des Eusebius) übergegangen ist. Wie es sich 
in Ägypten so lange erhalten hat, ist uns ein Räthsel. Fanden 
die Aphthartodoketeu Gefallen an demselben? oder existirte 
überhaupt nur das Fragment der Leidens- und Auferstehungs- 
geschichte, das man mit Fragmenten der Apokalypsen des Henoch 
und Petrus den Todten ins Grab legte? — Schliesslich sei 
noch darauf hingewiesen, dass die unverhältnissmässig grosse 
Breite der Auferstehungsgeschichte im Vergleich zu der Kürze 
der Leidensgeschichte ein Beweis für den Geschmack der Legen- 
denbildung ist. Dass aber die Auferstehungsgeschichte, wie 
unser Ev. sie bietet, in dem Ev. selbst secundär, resp. durch 
spätere Zusätze entstellt ist, dafür habe ich keine Anhaltspunkte 
gefunden. 

Bemerkungen zum Fragment der Petrus- 
Apokalypse. 

Im Folgenden gebe ich Bruchstücke, die sicher der Apo- 
kalypse angehören, aber sich in unserem Fragmente nicht finden: 

I. Avrlxa 6 IlixQoq Iv rjj j4jtoxaZvipei q)7jolv Tä ßQiq>tj 
igafißXwtttvra rrjg äfielrovoq iöofitva fiolgag [vel öjislgag Cod. 
jteiQac] — Gern. Alex., Eclog. 48. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment der Petrus-Apokalypse. 8J 

IL To 6h ydXa xd>v yvvaixcbv, Qiov äjid xcöv [daoxcüv xal 
jt7]yvv(ievov, (prfilv 6 IlixQog kv xjj lixoxaXvipei, yGwrjöei &tjqI<z 
Xsjtxd öccQxo<päya xal dvaxQexovxa zig avxdg xaxeO&Ui — Clem. 
Alex., 1. c. 49. 

III. 7/ y?j JtaQaOTTjösi jtdvxag xcp B-ew (xQivofievovg) , kv 
ftfiiQif XQlOBcoq (liXXovöa xal avxfj xQlveö&ai ovv xal xcp xsqi4- 
Xovxi ovQavcp — der heidnische Schriftsteller bei Macarius Magn. 
IV, 6 und Macarius IV, 16. 

IV. Kai xaxrjoexai xaoa övvafiig ovqovov xai tXixfhjözxai 
6 ovgavog eug ßißXlov, xal jtdvxa xd doxQa xeoelxai oog <pvXXa 
i§ äfxxiXov xdL mg xijixei cpvXXa djeo övxrjg — der heidnische 
Schriftsteller bei Macarius IV, 7. 

Von Zahn nicht anerkannt, aber doch wohl zu unserer Apo- 
kalypse gehörig, ist noch Folgendes: 

Clemens Eclog. 41: !ff 7Q&<pfl <pv\Oi xd ßQdg>rj xd ixxefrivxa 
xfjfisXovxcp xaQadlöoO&ai dyyiXcp, vq> ov Jtaideveö&al xe xai 
avgeiv, xai löovxai, q>rfilv, cog ol kxaxcv ixeov ivxav&a Jtcörol. 
Dazu 8. Eclog. 48 (Forts, des obigen Fragm. I): xavxa dyyiXcp 
xt](i£Xovx<p xaQaöidoofrai, Iva yveioecog (isxaXaßovxa xijg df/et- 
vovog xvxv (lovrjg [das Folgende gehört dem Clemens an]. 

Methodius, Conviv. II, 6: °0&ev örj xal xtjfieXovxotg dyyi- 
Xotg, xav kx (toixdag cböi, xd djtoxixxofieva xaQadiöoo&at, xaQsi- 
Xijg>a(iev kv frsojtvevöxoig yQdfifiaoiv. 

Zu vergl., weil verwandt, vielleicht abhängig von der Petrus- 
apokalypse, sind die jungen Apocall. christ. Esdrae (Tischendorf, 
Apocal apoer. p. 24 sq.) und Pauli (c. 31 — 40 1. c. p. 56 — 61). 
Blutsverwandt mit unserer Apokalypse sind einige Abschnitte im 
2. Buch der Sibyll. Orakel und im „ flirten des Hermas " (s. die 
Schilderungen verschiedener Gassen von Sündern dort, vgl. 
Sibyll. v. 255 sq. 1 ) und Prolegg. zu meiner Ausgabe des Hermas 
p. LXXIX). Beachtenswerthe Parallelen bieten auch die Apo- 



1) Hier sind wörtliche Parallelen zu finden, 8. besonders v. 256: yöh 
tpdvovq frtoirioavt oaoi 6h avviaxogiq eloiv (s. v. 25 des Fragmente), 260: 
ß).ao(p7jfioi } 268 sq.: rjöh xoxioxal y <ü xoxov ix xoxexöv ovva&Qoi£ovx6q 
xaxä oixovq doyavixovq XV D(X S xt xaxaßXanxovoiv sxccaxa (s. v. 31), 279: 
<# xtjv occgxa doeXyeiy ifiirjvav, 281: oooai d* ivl yauxeoi (pooxovq ix- 
xqwoxovoiv, o<5 ol xe xoxovq qItcxovolv dd-iofiüjg. Aber wo ist die Quelle 
zu suchen? — Die Zeit des II. Buchs des Sibyll. Orakel ist bekanntlich 
sehr unsicher — und ist die Abhängigkeit eine directe? 

Texte u. Untersuchungen IX, 2 2. Aufl. (j 



Digitized by 



Google 



32 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

calypse Baruchs, *) die Ascensio Iesaiae, die Acta Perpetuae, das 
Schreiben der Gemeinde zu Lyon bei Euseb., h. e. V, 1, 
s. u. und die Hist. Barlaam et Josapbat (s. Robinson, Passion 
of S. Perpet. p. 37). Ob aber hier unser Buch direct benutzt 
ist, mu8s fraglich bleiben; nur bei letzterer ist es sehr wahr- 
scheinlich. Nicht bestätigt haben sich durch die Entdeckung 
unseres Fragmentes ältere und neuere Hypothesen über den In- 
halt des Buchs bez. über die Zugehörigkeit einiger herrenloser 
christlicher Prophetensprüche zu ihm. Doch darf man nicht ver- 
gessen, dass wir z. Z. immer noch nicht mehr als die kleinere 
Hälfte der Apokalypse besitzen. Zu untersuchen aber ist noch, 
ob nicht die von Lagarde (ßeliq. iur. antiq. 1856 p. 80 sq.) 
aus dem Syrischen ins Griechische zurückübersetzte Apokalypse 
(Petri und Johannis) (nach dem Cod. Syr. Sangerm. 38) von der 
Petrusapokal. abhängig ist Ich verweise besonders auf p. 81, 
24 sq. (Nur das Mass der Benutzung ist mir zweifelhaft.) Sehr 
zuversichtlich und in grossem Umfang hat diese Frage James 
bejaht (The Gospel accord. to Peter and the Revel. of Peter 
p. 53 sq.); ich vermag ihm nur sehr zögernd zu folgen. 

Bunsen hat einst die Hypothese aufgestellt und Robinson 
wieder an sie erinnert, dass in dem Fragment der Schrift Hippo- 
lyt's IleQi jtavTog die Apokalypse Petri benutzt sei. Dies scheint 
sich nun zu bestätigen; aber noch mehr — die Art, wie Hippo- 
lyt diese Offenbarung benutzt hat, scheint zu beweisen, dass er 
ihr wie jene „quidam ex nostris" des Muratorischen Fragments 
gegenüberstand, d. h. sie nicht unbedingt anerkannte, vielmehr 
bei der Benutzung theilweise umgebildet hat. Doch gestehe ich, 
dass mir die Abhängigkeit Hippolyt's von der Apok. nur wahr- 
scheinlich, keineswegs aber sicher ist. Das Stück (Lagarde 
p. 68 sq.) ist zu lang, um hier abgedruckt zu werden. Die Be- 
rührungen mit der Apok. bestehen in einzelnen Sätzen und 
Wendungen; das Gesammtbild, das Hippolyt gezeichnet hat, ist 
ein anderes. 



1) Besonders in den cc. 49—51, auf die Lods mich aufmerksam ge- 
macht hat: „Verumtamen iterum petam a te, fortis, et petam misericordiam 
ab eo qui fecit omnia. in quanam forma vivent viventes die tuo? aut 
quomodo permanabit splendor qui post illud tempus? etc. etc., vgl. besonders 
die Schilderung der Seligen c 51. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment der Petrus- Apokalypse. §3 

Ich schliesse hier einige Bemerkungen über den Inhalt und 
den Charakter des Fragments, sowie über die Zeit der Apoka- 
lypse an. Charakteristisch ist für sie die Verschmelzung des 
jüdisch-urchristlichen Geistes mit antiken Vorstellungen, Em- 
pfindungen und Bildern. Jüdische sibyllinische Orakel sind ihre 
litterarischen Vorstufen. 

Das Fragment beginnt mitten in einer apokalyptischen Rede 
Jesu an seine Jünger. Diese soll nach v. 2 (elg xo oQog zum 
Gebet, s. die Synoptiker, z. B. Luc. 6, 12) — wenigstens ist 
das wahrscheinlich — während des irdischen Lebens Jesu ge- 
sprochen sein: damit ist die ganze Apokalypse auf diese Zeit 
angesetzt und somit eine Analogie zu Matth. 17, lff. cum parall. 
(II. Pet. 1, löff.). 1 ) Nach der apokalyptischen Rede folgen die 
beiden Visionen. Die erste zeigt Jesus seinen zwölf Jüngern auf 
ihre Bitte: sie schauen den seligen Zustand der Gerechten und 
das Paradies, um sich an diesem Anblick zu trösten und ihre 
Zuhörer später durch die Erzählung des Geschauten zu stärken 
(v. 5 — 20). Sodann schaut Petrus allein — so scheint es wenig- 
stens — die Strafen der Sünder in der Hölle (v. 21 — 34). Mit 
der Johannes-Apokalypse hat diese Apokalypse schlechterdings 
keine Verwandtschaft (auch die Benutzung anderer NTlicher 
Schriften lässt sich nicht nachweisen; nur in v. 1—4 sind Remi- 
niscenzen an Herrenreden, bez. an die evangelische Geschichte; 
über das Verhältniss zu dem IL Pet.- und dem Judas-Brief s. u.); 
sie stimmt vielmehr in ihrer Eigenart mit einigen Abschnitten 
der Henoch- und Baruch-Apokalypse tiberein. Der religiöse Stand- 
punkt charakterisirt sich als alttestamentlich-jüdisch gefärbt d. h. 
als der urchristliche durch die term. techn. „ot dixaiot* (v. 5. 13. 
14. 20. 27), n r) dixaioovvi?* (v. 22. 23. 28), bez. n r) 066g xrjg dixcuoov- 
vr}g* (v. 22. 28; v. 34: r] 066g xov &eov, v. 1: oöol xrjg cmco- 
lelag) m r] kvxoXr) xov #cot>* (v. 30) und 9 ol vlol xrjg ävofdiag* 
bez. xrjg cbtcokeiag (v. 2. 3). Nur einmal, und zwar im Munde 
Christi, heissen die Christen: n ol jtioxol fiov* (v. 2). Eben diese 
Stelle ist aber ganz besonders archaistisch; denn 1. Christus 

1) Sie gehörte in diesem Fall nicht in die Reihe der Offenbarungen, 
die der erhöhte Christus veranstaltet, 8. die Apocal. Joh., Pistis Sophia u.s.w.; 
doch muss die Möglichkeit offen bleiben, dass die Apokal. die Zeit nach 
der Auferstehung voraussetzt. Auf die „12 u Jünger will ich mich gegen 
diese Annahme nicht berufen. 

6* 



Digitized by 



Google 



34 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

spricht nicht, indem er vom zukünftigen Gericht redet, von seiner 
Wiederkunft, sondern wie im A. T. heisst es: m rore iZevaerai 6 
ß-eog . . . xal XQivet, 2. werden die Christgläubigen, wie in der 
Bergpredigt, beschrieben als die „jistpcovreq xal diipdipTsg xal 
d-kißdfievot xal kv xovxcp reo ßiep rag tyvxäq tavrdiv öoxifia- 
j^ovreg* (dieser Gebrauch von öoxifiaCco ist ungewöhnlich: es ist 
entweder an Askese oder an Matth. 5, 10 ff. zu denken; die von 
Lagarde ins Griechische zurück übersetzte syr. ApocaL bietet 
c. 14 p. 14: öoxifiäorjze tag tpvxag rag ooiag). Die urchristliche 
Haltung tritt dann noch besonders deutlich in v. 30 und 31 hervor, 
wo „den Reichen und denen, die auf ihren Reichthum vertraut und 
sich der Waisen und Wittwen nicht erbarmt, sondern das Gebot 
Gottes vernachlässigt haben" (vergL den „Hirten", bes. Sim. I, 8), 
sowie denen, die Zinsen nehmen, die Verdammniss angekündigt 
wird. Dagegen tritt ein jüngerer Zug in v. 1 hervor, nicht in der 
Ankündigung der Pseudopropheten (s. Matth. 7, 15 u. s. w.), wohl 
aber der Lehrer der „ odoi xal doy/iara xoixttaTtjgäjtcoZelag* (s. 
II. Thess. 2, 3). Diese „doyttara* (das Wort fehlt bei Hermas) weisen 
auf gnostische Irrlehren. Zur Sache aber ist auch hier der „Hirte* 
zu vergleichen (s. Vis. HI, 7, 1; Sim. VIII, 6, 5; IX, 19, 2. 3; IX, 
22, 1 sq.). Mit dem .Hirten" (Vis. H, 2, 2; Sim. VIII, 6, 4; IX, 
19, 1. 3) stimmt unsere Apokalypse auch überein, wenn sie v. 27 
unter den Sündern bereits eine Classe von solchen unterscheidet, 
.die die Gerechten verfolgt und ausgeliefert haben". 1 ) Man wird 
daher die Abfassungszeit schwerlich vor die trajanische Zeit ver- 
legen dürfen. 2 ) 

Zu v. 5] fiOQ<pf}v, s. Nestle i. d. Stud. u. Krit. 1893 H. 1. — 
6] ovo ävÖQeg, nicht Moses und Elias, sondern zwei unbestimmte 
vollendete Gerechte (s. v. 13). Die Schilderung ihrer Gestalt, 
Farbe und strahlenden Schönheit (v. 6 — 11) scheint mir kunst- 



1) Mit Herinas Vis. II, 2, 2; Mand. IV, 1, Dsq.; Sim. VI, 2, 3; VIII, 
6, 4; VIII, 8, 2; IX, 19, 1. 3 stimmt auch die Classe „blasphemi" in unserer 
Apokalypse überein. Merkwürdigerweise kommt sie hier zweimal vor, 
nämlich v. 22 und 28. 

2) Später als um die Mitte des 2. Jahrhunderts kann die Apokalypse 
nicht wohl geschrieben sein. Das folgt aus ihrem Gebrauch in Rom und 
Alexandrien. Also stammt sie aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. 
Genaueres weiss ich nicht zu sagen. Über den Ort der Abfassung lassen 
sich nur Vermuthungen aufstellen. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment der Petrus-Apokalypse. 35 

geschichtlich von Wichtigkeit zu sein: man hat hier den Typus 
der Seligen, wie ihn sich die ältesten Christen dachten und wohl 
auch darstellten. Dasselbe gilt von der Schilderung des Para- 
dieses (v. 15 ff.), zu der Act. Perpet. 11 zu vergleichen ist. Zu 
ovx idwrjlhjfisv avrißXiipai s. II. Cor. 3, 13. — 7] oy&aXfiog xrX. 
erinnert an I. Cor. % 9. — 9] Cypr. ep. 10, 5: „O beatam eccle- 
siam nostram quam sie honor divinae dignationis tnluminut, quam 
temporibus nostris gloriosus martyrum sanguis inlustrat. erat 
ante in operibus fratrum Candida: nunc facta est in martyrum 
cruore purpurea. floribus eius nee lilia nee rosae desunt" 10] 
Epist. Lugd., bei Euseb., h. e. V, 1, 36: bc öiatpoQcov yaQ 
XQcofidrcov xal navxolcov dv&cov iva xXegavreg 6x£<pavov 
jiQoarjveyxav ro5 jtatQi — 12] efaov, von hier an redet Petrus; 
riveg elolv ovroi s. Apoc Joh. 7, 13. — 13] ol döeXyol v/imv ol 
ölxaioi, urchristliche Bezeichnung. — 14] aleiv nicht zeitlich zu 
verstehen; die zukünftige Herrlichkeit (die neue Zeit) ist bereits 
an einem bestimmten Ort vorhanden. — 15] ixrog rovrov xov 
xoOftov, das Paradies gehört zu einer anderen Welt; df/aQavroig, 
s. I. Pet. 1, 4; xaQjtov BvXoyrjpiivov , s. die Apoc. Baruch. und 
die bekannte Schilderung des Papias bei Irenäus. Cypr. 37, 2 
(an die Märtyrer): „sed vobis rosae et flores de paradisi deliciis 
aderant et caput vestrum serta caelestia coronabantf vgl. das 
ganze Capitel. — 16] Vergl. Ignat. ad Ephes. 17, 1 : Iva xviy zfj 
bcxXnoia dcp&aQöiav und Zeitschr. f. Kirchengesch. Bd. II, S. 291 ff. 
Die Vorstellung begegnet häufig, dass der Wohlgeruch des Para- 
dieses (der Unsterblichkeit), das man nicht sehen kann, bis auf 
diese Erde dringt (so bei den Märtyrern). Acta Perpet. 13: »Uni- 
versi odore inenarrabili alebamur li . Cypr. ep. 77. 3: „Naribus etiam 
fragrantes flores inposuisti (in übertragenem Sinn). — 17] X^QP 
ist auffallend; doch s. v. 21. — 20] rcov dg^iegiov vficov, weil sie 
für euch beten, s. Didache 13, 3: ... . xolg jtQO<prjraig % avrol yaQ 
slotv ol aQXiBQBlg vficov. Aber im N. T. und im I. Clemensbriet wird 
nur Christus selbst als Hoherpriester bezeichnet. Für die Kenntnis« 
der Vorstellung der ältesten Gemeinden von der „oberen 1 und 
der „kosmischen" Kirche ist es wichtig zu wissen, dass die Pro- 
pheten und die vollendeten Gerechten zu demselben Stande der 
„Hohenpriester" gehörten. Ihre Gebets kraft giebt ihnen den 
gleichen Bang. Übrigens liegt in diesem Ausdruck „ Hohepriester* 
nicht die einzige Berührung zwischen unserer Apokalypse und 



Digitized by 



Google 



86 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

der Didache. Jene erscheint vielmehr wie eine Glosse zu dem 
Lasterkatalog dieser (Didach. c. 2 u. bes. c. 5). — 21 ff.] Es folgt 
nun die „Hölle" (der Ursprung dieser Phantasien ist nicht jüdisch, 
sondern griechisch-orphisch, s. auch Plato, Polit. 614 B sqq., Gor- 
gias 523 sq., Aristophanes, Frösche v. 145 etc. [auf diese Stellen 
hat mich mein College Di eis freundlichst aufmerksam gemacht]; 
jüdisch, bez. christlich ist der strenge sittliche Sinn, der in sie 
hineingetragen wird); aber abzubilden haben die ältesten Christen 
diese Strafen nicht gewagt, während sie das Paradies und die 
Seligen schon früh abgebildet haben. In unserem Fragment 
sind 13 (bez. 12, da 1 und 7 fast identisch sind) Classen von 
groben Sündern unterschieden; aber die Zahl war damit noch nicht 
erschöpft, wie die Fragmente bei Clemens Alex, beweisen. — 
22] ol ßXaoq>7jfiovvxeg xt)v böov xfjg dixaioovvrjg d. h. die fri- 
volen Verächter oder wahrscheinlicher die, welche vor der Obrig- 
keit verleugnet hatten (daher sind sie an der Zunge aufgehängt); 
eben von denen, die vor der Obrigkeit verleugnet haben, heisst es 
in der Epist. Lugd. bei Euseb., h. e. V, 1, 48: öia xrjg avaoxQo- 
(prjg avxoiv fiXaötprjuovvxeg xf\v böcv , xovxiöxiv ol vlol xrjg 
cbccoXeiag; zum letzteren Ausdruck s. in unserem Fragment v. 1 
u. 2. — 23] ol äxoöTQt<povT£G xrjv öixaioövvrjp (s. Tit. 1, 14: 
äjtQo6TQe(po[i£i>cDV xtjv äXrj&eiav) d. h. die, welche die Gerechtig- 
keit (die Religion) verkehren. — 24] al xQog (dotysiav xoö[iri- 
ftelöai xal ol Ovftfiiar&e'vxsg avxalg, die Ehebrecherin wird 
vor dem Ehebrecher als die Schuldigere genannt; wichtig ist 
das n xoö(it]&£Töai u : christliche Frauen sollen sich überhaupt 
nicht putzen; denn Putz verführt zur Sünde; zu fiiaOf/axi s. 
IL Pet. % 20: xa (iiaöfiaxa xov xoöfiov. Diese Stelle ist von 
Clemens Alex. Eclog. 38 sq. benutzt: ujcoftev cog xoXäoeic slol 
ßZaO(p7]{iicov, (pXvaQlag, axoXaöxcov QTjftaxcov, X6y<p xoXa^ofisvcov 
xal naiöevonivwv. etpaoxev de xal öia xag XQl%ag xoXa&ö&at 
xal xov xoOfiov xag yvvalxag vjto övrafiewg xrjg im xovxoig xe- 
xayfievfjg, ?} xal xqi2Jafirpwv övvafiiv jiaQE?xe xalg frQigiv, r/xigxo- 
XaCei xag öia xoOfiov xqi%<x>v im jroQvelav OQftoioag. Trotz v. 25 c 
ist eXsyov auf Petrus zu beziehen, daher ijtlöxsvov nicht in im- 
Cxsvofiev zu corrigiren. — 25] ol tpovslg xal ol övvuöoxeg avxotc, 
Ehebruch und Mord wird in der ältesten christlichen Litteratur 
oft zusammengestellt. oxciXtjxsg cqöjigq ve<p£Xai öxoxovg ist ein 
seltsames Bild. Dass die Seelen der Gemordeten die Mörder um- 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment der Petrus- Apokalypse g7 

schweben, passt eigentlich nicht in die Hölle. — 26] Nahe von 
den Mördern stehen die Weiber, die sich der Abtreibung schuldig 
gemacht haben; ihre unzeitigen Früchte sitzen vor ihnen, und 
Feuerstrahlen, die von den Kindern ausgehen, treffen die Augen 
der unnatürlichen Mütter. Die kühne Conjectur v. Gebhardt's 
zu 26° (aQaxvag rsxovoai) möchte ich mir nicht aneignen, ob- 
gleich sie an dem Fragment bei Clemens Alex. (Eclog. 49) eine 
gewisse Stütze hat; denn der Verfasser steht nicht mehr bei der 
Schilderung der Strafen, sondern macht in diesem Satz die Per- 
sonen kenntlich. — 27] ol ötcogavreg rovg öcxaiovg xal jcaQa- 
öovtsq, s. o. — 28] ol ßjLao<p7j(i7}öavTEq xal xaxSg shtovrsg xfjv 
oöov rrjg öixcuoovvrjg, s. v. 22; an unserer Stelle liegt der Nach- 
druck auf dem „xaxwg elnovreg* (verleumden). — 29J ol tpevöo- 
(iaQTVQ£g y s. Herrn., Mand. VIII, 5: tpsvöofiaQTVQla^ xlsovegia, 
auch in unserer Apokalypse folgen nun die Reichen. — 30] ol 
jrXovrovvrsg, s. o. und vgl. den Jakobusbrief. — 31] ol öavel- 
£oi>T£s, es ist die älteste Stelle gegen das Zinsnehmen in der 
christlichen Kirche (aber s. die ältere jüdische Litteratur). — 32] 
Die widernatürlichen Lastern Ergebenen, s. Rom. 1, 26 ff. Zu ol 
(uavavreg rä odfiara tavrcov s. Jud. 8: öaQxa (iialvovoi. — 33] 
Die Verfertiger von Götzenbildern. — 34] Wer hier gemeint ist, 
lässt sich nicht mehr sagen, da der Text abbricht. Zu rrffavi- 
Cofdsvoi 8. Epist. Lugd. bei Euseb., h. e. V, 1, 38: xrffavtCpniva 
rä Ocof/ara, v. 56 : xo xr\yavov. ! ) 

Die fünf alten Schriften, die den Namen des Petrus 
tragen (I. Brief, II. Brief, Evangelium, Apokalypse, Kerygma) 

1) Merkwürdige Parallelen zum II Petrus- und Judasbrief seien hier 
verzeichnet; ich enthalte mich der Deutung. Soviel ist indess gewiss, dass 
die Schriftstücke irgendwie zusammenhängen: 
II Pet. 1, 1: Iv dixaioovvg xov 9eov vgl. den Gebrauch von dixaioavnj und 

Sixaioq in unserem Fragment. 
II Pet. 1, 16 — 18: inoitxai yevrj&tvreq xfjq ixelvov fieyaXeioxrjxoq . . . tv rot 
ayl(p OQei vgl. — jedoch ist es eine andere Manifestation — den Ein- 
gang und v. 4fi' des Fragments: ayatfiev slq xb OQoq. 
II Pet. 1, 19 avxfXTjQbg xonoq s. v. 21 des Fragm.: xonoq aix^lQoq- 
II Pet. 2, 1: iyivovxo Sh xal \pevdo7tQo<p?jxai iv xo> kaai, wq xal iv vfuv 
iaovxai tpsvSod\Sdaxa?.oi, olziveq na^etad^ovaiv aiptoeiq d7tcoXetag 
. . . inayovxeq havxolq xax iv h v unwXeiav (zu aTKoketa auch 2, 3; 3. 
7. 16), 8. v. 1. 2 des Fragment«. 



Digitized by 



Google 



88 Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

sind auf Grund des neuen Fundes einer zusammenhangenden 

Untersuchung zu unterziehen. Hier sei nur auf folgende, au 

der Oberfläche liegende Beobachtungen aufmerksam gemacht. 

1) In den drei Schriften (Ev., Apokal., Kerygma) spricht 

Petrus in der ersten Person Singul., zugleich aber auch 

II Pet. 2, 2: 6i ovq tj böbq xrjq dXtjÜtiaq ßXaoyrjfjifjd-yoexai (v. 10 evösla 
böoq und böoq xov Bakad/u, v. 21: tj böoq xfjq ötxaioovvrjq), s. das 
Fragment v. 22: ol ßXaofprjfiovvxeq xtjv oöov xfjq öixaioovvrjq, v. 28: 
ol ßXao<prjfirioavxeq xal xaxwq elnovxeq xtjv böbv xfjq ötxaioovvrjq, 
v. 34: tj böoq xov 9eov, v. 1: böol xfjq dnoiXdaq. Vgl. auch II Pet. 
2, 11: ßXao<prj(iovvxeq, auch v. 12; v. 21: tj böbq x. ötxaioovvrjq. 

II Pet. 2, 7: ölxaiov A(üx (v. 8 öixaioq bis), s. den Gebrauch von öixaioq 
im Fragment. 

II Pet. 2, 8: yrvxrjv öixalav ißaadvi^ev, s. v. 3 des Fragments: xdq ipvxdq 
öoxifjtd&tv. 

II Pet. 2, 9: döixovq xoXa^ofitrovq, s. v. 21 des Fragment«. 

II Pet. 2, 10: fidXiaxa öl xoiq onlow oagxbq iv im^vfxia fit ao /xov nogevo- 
(A&vovq, v. 14: 6(p^aXfxovq exovxeq neoxoiq /jioixaXlÖoq . . . xagölav 
yeyvfivaofjtivrjv nXtovt§i«q h'zovteq, v. 17: bfiiyXat vnb Xai/.anoq tXav- 
voftevai, olq b £o<poq xov axoxovq xtxtfgrjxai, v. 20: xä (itdoftaxa 
xov xoofiov, vgl. dazu unser Fragment v. 24: xo fxiaofia xrjq juoi- 
Zetaq. v. 32. v. 25: vetpiXai axoxovq. v. 30. 31. 32: ol (jLidvavxeq xa 
ooj/uata kavxwv. 

II Pet. 2, 22: xvXiOfAoq ßogßogov s. v. 23 f. des Fragments. 

II Pet. 3, 2 (2, 21): ivxoXrj f s. v. 30 des Fragments; der Sing, ist dort wie 
hier beachtenswerth. 

II Pet. 3, 7: nvgl xrjgovftevoi elq rjfiigav xgioewq xal arnoXetaq xwv doe- 
ßtiiv dv&gw7tatv vgl. Fragment v. 22: xmtxuxo avxolq nvg <pXeyo- 
fievov xal xoXd^ov avxovq. 

II Pet 3, 11 noxanovq öec xrX., s. v. 5 des Fragments. 

II Pet. 3, 12: tj nagovola xfjq xov 9eov Tjfitoaq, s. Fragment v. 2: iXev- 
asxai b Qeoq ... xal xgivsi. 

11 Pet. 3. 19: iv olq ötxatoovvrj xaxoixeZ, s. das über öixaioovvrj im Frag- 
ment Gesagte. 

II Pet. 3, 10: ol ovgavol $oi£tjöbv nageXevoovxai, oxotysia öh xavoolpsva 
Xvd-rjoexai, xal yfj xal xd iv avxy h*gya evge&rjoexai, 3, 7: ol öh vvv 
ovgavol xal tj yfj . . . elolv nvgl xrjgovfitvoi elq ij/uegav xgioewq xal 
dniüXsiaq xwv doeßwv avücwncov, 3, 19: ovgavol nvgovftevoi Xvd-rj- 
oovxat xal OTOi%ela xavaovfxeva xrjxexat, s. dazu die Fragmente 
der Apokal. bei Makarius. 
Im Judasbrief sind v. G {v7io £6<pov xtxijgrjxev), v. 7 (ansX&ovoai 

onlou) oagxbq kxigaq), v. 8 (odgxa fiialvovoiv . . . öofrq ßXao<prj/iovoiv)y 

v. 10 (ßXaOipritiovoiv), v. 11 (böbq xov Kalv), v. 12 (ve<piXai aw6got\ v. 13 

zu vergleichen. 



Digitized by 



Google 



Bemerkungen zum Fragment der Petrus-Apokalypse. 89 

als Vertreter der zwölf Apostel in der ersten Person Plur., 
und bekundet sich so aufs deutlichste als das Haupt der 
Apostel, als Augenzeuge und als Verfasser. In dem 
zweiten Brief ist die Selbstbeglaubigung nicht minder 
stark (1, 13—18). 

2) Der zweite Brief blickt (3, 1) auf den ersten zurück 
(ravrrjv öevTiQav vfilv yQagxo IjciatoX^v). 

3) Der erste Brief hat mit dem Evangelium die Erwähnung 
der Höllenfahrt und wahrscheinlich den Spruch: ayajtTj 
xaXvjtxu jtXiftoq afiaQtMDV, gemeinsam. 

4) Zwischen dem Evangelium und der Apokalypse lässt 
sich auf Grund der uns erhaltenen Fragmente keine 
Verwandtschaft nachweisen (nur die Stellung des Petrus 
ist dieselbe; der Erzähler geht auch hier an einigen 
Stellen ins Präsens über und braucht auch die Partikel 
ejieidfj). Die Hypothese von Bormann (Deutsche Zei- 
tung Nr. 7516 Wien), die Apokalypse habe einen Theil 
des Evangeliums gebildet, schwebt daher in der Luft; 
auch die äusseren Zeugnisse sind dieser Annahme im 
Wege. Dagegen sind, wie gezeigt worden, der 2. Brief 
und die Apokalypse blutsverwandt (wie die Verwandt- 
schaft zu deuten ist, lasse ich dahingestellt). Schon be- 
vor das Apokalypsenfragment aufgefunden worden ist, 
habe ich darauf hingedeutet, dass in Alexandrien Cle- 
mens die Apokalypse benutzt, aber nicht den 2. Brief, 
Origenes dagegen diesen benutzt, aber jene nicht. Die 
Geschichte der beiden , innerlich zusammengehörenden 
Schriften ist noch genauer zu studiren. 

5) Das Evangelium Petri wirft, wie es scheint, ein Licht 
auf den verlorenen Schluss des Marcusevangeliums; aber 
auch das Kerygma Petri führt auf eine Untersuchung 
jenes Schlusses. Von hier aus ergiebt sich die Aufgabe, 
alle diese Stücke zusammen zu untersuchen: vielleicht 
lässt sich ein Zusammenhang von Evangelium und Ke- 
rygma ermitteln. Beachtenswerth ist, dass es im Ke- 
rygma (Hilgenfeld, Novum Testam. extra canon. recept 
fa8C. 4 2 ) heisst: 'Eäv fiev ovv xiq &sXtfotf xov 'IöqcujX 
fteravorjaai. Auch im Ev. wird ,?L0Qay)X" gebraucht, 
wo man ,?Iovöaloi" erwartet 



Digitized by 



Google 



9() Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus. 

6) Stammt der 2. Petrusbrief aus Aegypten, wofür sich 
Manches anführen lässt, so ist wohl auch die Apoka- 
lypse dorthin zu setzen; ihre Haltung (Verwandtschaft 
mit den Sibyllen) bestärkt diese Annahme. Aber auch 
das Kerygma weist auf Aegypten. 



Dem Petrusev. ist nach unseren Ausführungen zu vindiciren: 
1) Das Akhmimer Fragment. 2) Die Angabe des Origenes über 
die Brüder Jesu. 3) Die Perikope von der Ehebrecherin. 
4) Die Erzählung von der Taufe Jesu, wie sie die Didascalia und 
Justin cum parall. bieten. 5) Mehrere Herrnsprüche in der Di- 
dascalia, der Didache, bei Justin und vielleicht auch bei Clemens 
Alex. 6) Vielleicht das Stück in Cod. D von dem am Sabbath 
arbeitenden Mann. 



Digitized by 



Google 



Wortregister zum Petrusevangelium. 



dya&d, td, 23. 

dyavaxxuv 14. 

dyanäo&ai 50. 

uymviäv 15. 45. 

dSeXipog 5. 60. 

dSixsZv 13. 

d&fitov (t<5v rintga) 5. 58. 

d^a 46. 

altBiv 3. 4. 5. 

dxdv&ivoq 8. 

dxoXov&üv 39. 

cfcovay 28. 41. 42. 

d/.rj&dtg 45. 

crUijW 28 43. 

a>Uos 9. 

y AX<paioq 60. 

a/naQTTjficc 17. 

afiagrla 25. 48. 

ä(i<p6xsQOt 37. 

c?va dro 35. 

aVa fiiaov 10. 

dvaßoäv 19. 

dvaXafißdvso&at 19. 

llvcfy&rc 60. 

«nfa 36. 39. 

uv&Qomoq 13. 44 (= Engel). 

c?w(jrava* 1. 30. 56. 

dvoiyvvvai 36. 37. 44. 55. 

ditaXXdooso&ai 59. 

«Ws 28. 

dnigxea^ai 43. 55. 56. 60. 

«tto 21. 34. 37. 39. 42. 

cbio&vyoxetv 14. 50. 

unoxQivea&ai 46. 

dnoxvXtCßiv 53. 

dnoonav 21. 



dnooTekkeiv 56. 

{dnox<*>Q€Zv 37). 

uQx*<*&at 25. 

avro'c 1-10. 12-17. 20. 21. 23. 26. 

28-31. 38—40. 44. 47. 50. 52-55. 

58. 59. 
dtpdvai 45. 
y^aAAfiv 12. 37. 54. 
ßaoavt^eo&ai 14. 
ßaatXevq 2. 7. 11. 
ßovXso&ai 1. 

yap 5. (15.) 26. 38. 48. 54. 50. 
ytyQanxat 5. 15. 
y*21. 

ylyvBO&ai 13. 21. 28. 35. 
yjyvcw <;#£/!> 25. 
yoyjn^F**' 28. 
yga/bt/jcarstg 28. 
ywi/ 50. 57. 
# 1. 3. 6. 10 

26—28. 31. 34, 

53. 56. 58. 59. 
deta^ai 29. 47. 
Sid 13. 50. 59. 
öiati£Qtt,e<j&ai 12. 
öiavosZa&ai 44. 
Öidvoia 26. 
öiaQriyvvvai 20. 
dtdovai 23. 
öixtuoq 28. 
Sixalwq 7. 
SoxeZv 46. 
i dCrcn 5. 15. 

| ÖVVCLfUQ 19. 

I Svvaa&at 52. 54. 

I <töo 10. 20. 35. 36. 39. 40. 



31. 



13. 15. 18. 23. 24. 
35. 37. 40. 46. 50. 



Digitized by 



Google 



92 



Wortregister zum Petrusevangeliuni 



SwSexa fia&rjxai 59. 

lavrov 25. 37. 51. 

iyyi^eiv 25. 36. 

iyw 19. 26. 46. CO. 

et 5. 28. 52. 54. 

etdojq 3. 

e'inev (ttpr], etnoiv) 2. 4. 16. 19. 

46—49. 55. 
etq 20. 24. 44. 48. 54. 59. 60 
elq 1. 13. 39. 
etadyeiv 24. 
etotweo&ai 37. 44. 53. 
nra 47. 
ttw&a 50. 
fr 30. 41. 
t'xaoxoq 59. 
fr*f 3. 32. 33. 55. 56. 
txnHev 36. 

ixelvoq 13. 37. 38. 43. 52. 56. 
iXiooetv 24. 
tftnintHv 48. 
^(n^T t aai 26. 
ifin^ooOev 12. 48 
tpnxvHv 9. 
fr 35. 52. (55.) 
ZW« 56. 
frariy wpa 22. 
iröv/uct 12. 
i-vtpavfyiv 43. 
i&QXio&cu 39. 58. 
i&iytto&ai 39. 45. 
i^ovoiav l*x* LV 6» 
i&ftrWgw 38. 
£o(>rv 5. 58. 

^7Tf/ 5. 

fradij 15. 23. 50. 

fr* 5. 7. 8. 12. 14. 15. 21. 27. 30—32. 

37. 50-54. 
tmyQOHptiv 11. 
tnKpwoxeiv 5. 34. 35. 
inixpieiv 33. 
&TT« 33. 

$QZto&ai 3. 29. 30. 31. 34. 51. 54. 56. 
haxwxeq 9. 
£raf(>oc 26. 
ttSQoq 9. 



fr/ 15. 44. 

evQioxeiv 22. 55 

t/m- 10. 36. 

fo/c 27. 54. 

$fjv 15. 

S?rav 26. 56. 

ykioq 5. 15. 22. 

^;.o? 21. 

tifie Tq 5. 13. 25. 30. 48. 53. 54. 59. 60. 

tjpiQa 27. 30. 52. 58. 

"Hqwötiq 1. 2. 4. 5. 

9dkaoo(x 60. 

0-dvaxoq 28. 

Sdnxetv 5. 23. 

9eäo&ai 23. 

to'Attv 26. 

#*o'c 6. 9. 45. 46 48. 

&OQvßeZo&ai 15. 

£t-(>a 32. 37. 53. 54. 

l'öioq 24. 

teptfg 25. 
^legovoakrip 20. 25. 34. 

<W 14. 23. 30. 34. 53. 

'lovdala näaa rj 15. 

lovöaioi 1. 23. 25. 48. 50. 52. 

'loQuijX 7. 11. 

laxdvet 3. 

'Iworjip 3. 23. 24. 

xa&apeveiv 46. 
xa&i-öga 7. 
xa^eiv 7. 27. 55. 
*«/ 2—12. 14—34. 36-45. 47—50. 
52—56. 58-30 (111 mal; et xccl 
M 5. 52). 
xdlafioq 9. 

*a*oV (xaxd, xd) 13. 25. 30. 
xaxolgyoq 10. 13. 26. 
xaXovpevoq 24. 
**v 54. (52). 
*ard 17. 26. 35. 
xaxcdeineiv 19. 
xaxanhaafia 20. 
xccxeQxeo&ai 36. 44. 
xaxexeiv 15. 
xeZo&at 56. 
ratata? 2. 14. 47. 49. 



Digitized by 



Google 



Wortregister zum Petrusevangelium. 



93 



xevTVQlatv 31. 32. 38. 45. 47. 49. 

xtQcioai 16. 

xupalri 8. 17. 40. 

xrpioq 24. 

xriQvooeiv 41. 

xXalsiv 27. 52. 54. 59. 

xXtnxHv 30. 

xoifiäo&ai 41. 

xonxeo&at 25. 28. 52. 54. 

xglveiv 7. 

#(>/<;*£ 7. 25. 

xgixqq 1. 

xQvnxeo&cu 26. 

KvA/gct? 32. 37. 

xvQiaxr} 35. 50. 

*r(>*os 2. 3. 6. 8. 10. 19. 21. 24. 50. 59. 60. 

Xctftßdvsiv 6. 24. 51. 60. 

a/nnstv 22. 
XafXTtQoq 55. 
Aaoc 5. 28. 30. 48. 
Xaxfioq 12. 
A<(yf*v6. 7. 9. 13. 19 25. 28. 29. 41. 

45. 52. 
Aevslq 60. 
lu&d&tv 48. 
>tf$oc 32. 37. 53. 54. 
Xivov 60. 
Xovstv 24. 
XvneZo&ai 26. 59. 
At#vo$ 18. 
fiaSrfxgia 50. 
fia&irrJQ 30. 59. 
Magla rj MayöccXrjvij 50. 
/uaozl^siv 9. 
fi£yäXa>q 45. 

^*Vas 21. 28. 32. 35. 48. 54. 
/m£U6/v 3. 
/i£(>oc 37. 
fieofifißglcc 15. 
^^<rov 10. 55. 

/Mfrcf 16. 18. 26. 31. 32. 51. 
piZQi 40. 

W (1.) 5. 14. 15. 48. 52. 54. 56. 
(iriöh 10. 47. 49. 
Urinoxe 15. 30. 
ftia xwv d^v/uwv 5. 



fivrjjua 30. 31. 32. 44. 50. 52. 

fÄVTjfjtslov 34. 51. 53. 

fivrifioavvrj 54. 

val 42. 

vao's 20. 26. 

veaviaxoq 37. 55. 

vexgoq 30. 

vrjoxevsiv 27. 

vlnxeo&ai 1. 

vofitQeiv 18. 

vo7*os 5. 

vw 52. 

vv£ 18. 27. 35. 45. 

vvooeiv 9. 

o0*v 56. 

okos 54. 58. 59. 

oloq 25. 

o^cu 32. 

ovetöi£siv 13. 

ofos 16. 

onoaoq (28). 

Ö7JOV 51. 

071(1) Q 14. 

6p«v 28. 34. 36. 38. 39. 45. 47. b. 

54—56. 
dgyri 50. 
0()^OVV 11. 

oq&qov 50. 

o'aos 2. 23. 

oontq 45. 

ocms 55. 

ort 11. 

ort 3. 11. 18. 28. 30. 42. 56. 

oval 25. 

ovöi 1. 

ovöelq 1. 

ov* 50. 56. 

ovv 38. 43. 49. 

ovQavöq 35. 36. 40. 41. 44. 

ovxoqd. 11. 13. 27. 28. 43. 45. 

oüroe 13. 

6<p€iX6fi6iva, ra, 53. 

ocpXüv 48. 

o#loc 34. 

#V*'S 9. 

7raA£v 39. 44. 



46. 52. 



Digitized by 



Google 



94 



Wortregister zum Petruse vangelium. 



nagd 37. 

nagaöiSovcu 5. 30. 31. 
nayaxa&i^ta&ai 53. 
nagaxaketv 47. 
nagaxvTixeiv 55. 56. 
{nagala^ßciveoB-ai 2.) 
napelvai 38. 

nüq 15. 17. 21. 27. 32. 45. 47. 
ndö'iuv 13. 
naietv 58. 

ütiXüxoq 1. 3. 4. 5. 29. 31. 43. 45. 
46. 49. 

7l6[i7l6lV 4. 

nsv&tiv 27. 

7I£(>/ 45. 

neQißdXXuv 7. 55. 

neQitQzto&ai 18. 

7itt)i%u}Qoq 34. 

IlkXQoq 60. 

TlkXQwvioq 31. 

7r>/£ai 33. 

mnxttv 18. 

moxtvttv 56. 

nkriQOtv 17. 

7ro<av 2. 13. 23. 25. 30. 50. 52. 53. 

rcoAt's 18. 36. 58. 

novov t'x eiv 10. 

7iOQ<pi'Qa 7. 

noxfQttv 16. 

TiQtaßixegoi 25. 28. 29. 31. 38. 

7i(>o 5. 15. 

7r0o'£ 3. 4. 28. 29. 45. 

nQootQxeo&ai 47. 55. 

TiQwiaq 34. 

0a7r/5f/v 9. 

odßßaxov 5. 27. 34. 

oeleo&cu 21. 

orjjutlov 28. 

a/aytwv 9. 

SlfiWV IlbXQOQ 60. 

oivöutv 24. 
otwnäv 10. 
oxekoxonäv 14. 
0*1/^7 33. 
oxoxoq 15. 
anevöeiv 45. 



axavQioxeiv 3. 

ararpo? 11. 39. 42. 

drarporv 10. 52. 56. 

art'^parog 8. 

ar^os 28. 

otoAiJ 55. 

oiQaxtwxrjc 30. 31. 32. 35. 38. 47. 49. 

ovfißdv 59. 

OVfMptQBl 48. 

(u'v 31. 60. 

ovvdyeo&cu 28. 

ovvoxtizxeo&ai 43. 

avgsiv 6. 

otfQayityiv 34. 
j a<pgayiq 33. 
j acw^a 3. 4. 23. 

| OGDxijQ XÜßV dv9-Q(07l(DV 13. 

ra^p?J 3 

t«9>oc 24. 31. 36. 37. 39. 45. 55. 

rtAaorv 17. 

TfAfvrafoc 58. 

rt'Aos 25. 

rifeWt 8. 12. 21. 32. 51. 53. 

xifi&v 9. 

tt^ij 9. 

Tig 5. 8. 9. 13. 16. 44. 53. 54. 55. 

56. 58. 
xixqwoxhv 26. 
TOTIOS 56. 

zote 2. 21. 22. 25. 57. 
XQtiq 30. 39. 
xqix<ü 6. 

vlbq xov &tov 6. 9. 45. 46. 
bfjtelq 13. 46. 
vnaxofi 42. 
imegßaivsiv 40. 
i>7ro 26. 40. 50. 
vnoXafißdveiv 30. 
tTro^^ovv 39. 
xmoGXQtfpeiv 58. 
<paivto&ai 44. 
(pagioaloi 28. 
<piyyog 36. 
(ptgetv 8. 10. 54. 
(pevyeiv 57. 
y/Aos 3. 51. 



Digitized by 



Google 



Wortregister zur Petrusapokalypse. 



95 



5. 15. 



<pXiyeo&ai 50. 

<po߀lo&ai 29. 50. 52. 54. 57. 

<poßoq 21. 

<povevf<j&at 

(pQOvgd 35. 

tpvldaaeiv 30. 31. 33. 35. 38. 45. 

(pwvri 35. 41. 

Xaipstv 23. 



yelQ 1. 21. 40. 48. 
ZfigaywyeTo&cu 40. 
yo"kri 10. 
Xwgetv 40. 
üj&bTv 6. 
ci'o« 20. 22. 
cy(mf0? 55. 
<ic 10. 26. 



Wortregister zur Petrusapokalypse. 



ayeiv 4. 

ayysAog 17. 18. 21. 
dösX<p6q 5. 13. 
ay<> 10. 15. 21. 
alfia 31. 
alojv 14. 
dxoifirjzoq 27. 
dxoieiv 5. 
axriV 7. 15. 
aiU« 30. 
ayUtjjAtwv 32. 33. 
aUo$ 24. 29. 32. 
dfxdgavxoq 15. 
dfiflvwv fragm. 
dfisleiv 30. 
ä(47it?.oq fragm. 
av 32. 

dvaßcdvttv 32. 
dvaC^uv 31. 
(dvaxQ6/näo&ai 24). 
dvcc7ia<pXd%€iv 24. 
dvaargl(psa&ai 32. 
dv<tTQ£%Hv fragm. 
«i^ö 6. 28 — 34. 
dv&elv 15. 

dv&TJQOQ 10. 

ar£o$ 10. 15. 16. 
dvS^gwnoq 5. 7. 20. 
dvofila 3. 
dv{x)e\xpt}^uv 19. 
aW 33. 
uvtißXhieiv 6. 
dvrtxgvq 26. 



23. fragm 



23. 



«vö> 32. 
ea'tü()0£ 26. 
dvwxtQot 24. 
dnairelv 31. 
dntQxeo&cu 5. 
anlag 9. 
«tto 5. 7. 32 
dnooTQ6<pstv 23. 
dnujleia 1. 2. 
(cföttfos 26). 
(dQzt*Qe*S 20.. 
aQwfia 15. 
{doTganri fragm.). 
ccotqov fragm. 
av^dveiv fragm. 
avxoq 1. 5 7—11. 

21—30. 32. 
avxfZTjQOQ 21. 
acp&agzoq 15. 
dipitvai 34. 
fi^pvco 6. 11. 
ßdXleiv 25. 27. 
ßaaaviaxrq 23. 
ßißUov fragm. 
£/o<? 3. 

ßXaoipriHHv 22. 28. 
^Afrrftv 25. 
ßogßoQoq 23. 24 31. 
ßgecpoq fragm. 
yaAa fragm. 
y«o 7. 8. 10. 
ytftetv 33. 
yfvvccv fragm. 



14. 15. 17. 18. 



Digitized by 



Google 



96 



Wortregister zur Petrusapokalypse. 



yrj 15. fragin. 




ivzav&a fragm. 


ylyvso&ai 2. 11. 26. 




ivtoXrj 30. 


ykwoorj 22. 29. 




i^afxßkovv fragtu. 


yoKv 31. 




£$aQieia&ai 24. 


ywrj 24. 20—34. fragm. 




i^tQx^ a ^ ai 5. 7. 


öavefl^eiv 31. 




igTjycio&at 7. 9. 


de 5. 9. 16—19. 21. 22. 


24-32. 34. 


inetörj 11. 


öeixvvvai 5. 15. 




&i/ 3. 16. 30. 32. 


deio&ai 5. 




ZnucsTo&cu 23. 25. 32. 


ßiöaoxeiv 1. 




tpTttTOV 25. 


toaioc 5. 13. 14. 20. 25 


. 27. 


iQV&QO<; 8. 9. 


ötxaioovvi} 22. 23. 28. 




hQX*o&ui 3. 32. 


ötipäv 3. 




io&(eo9ai 27. 


önoxeiv 27. 




^artüfrf? (£<jr<5<rat) 6. 25. 


doy/xaza 1. 




frfpos 21. 26. 27. 30. 31. 33. 34. 


öoxifiaCtUv 3. 




etoq fragm. 


doga 7. 14. 19. 




evccv&tjq 15. 


övva/uiq fragm. 




tvXoyeTo&at 15. 


övvao&tu 6. 7. 9. 




tvitQinsia 10. 


(Jyo 6. 




evnQineiv 10. 


övoatöla 26. 




tiifQalvto&ai 19. 


öatöexa ßa&rjzai 5. 




evx*o&cu 4. 6. 


taurov 3. 32. 33. 




I^>? (f?7tov) 4. 12. 14. 28. 


^yyvs 34. 




Zipogäv 25. 


<?yö> 3. 13-15.. 




6*6*» 14. 21. 24. 26. 29. 32. 33. 


&&fty 13. 




faioq 7. 15. 


£k 4. 24. 




tytccrc 5. 6. 16. 20. 


*fe 5. 19. 




rifi^Qa fragm. 


& 1. 10. 22. 26. 




rifiiovq 27. 


hxaxov fragm. 




riovyla 32 


ixet 15. 19. 21. 22. 25. 


26. 33. 


&afißovG&ai 8. 


&ffvos2.17.19.21.24- 


26. 28. 33. 34. 


B-agaelv 5. 


ixei&tv 16. 32. 




too's 3. 19. 25. 30. 33. 34. fragm 


Ixhoi 18. 




B-rigiov 25. fragm. 


sx&a/ißoq 11. 




Mißeo&ai 3. 25. 26. 


£xzi9£vcu fragm. 




«fcoc 33. 


hXTlTQUiGXEiV 26. 




<"' r 
fVCf O. 


t*TO£ 15. 




iQtq 10. 


iXavveiv 32. 




foos 19. 


&* av 30 




iaravcu 31. 33. 6. 25. 


IXlooetv fragm. 




lx<*>Q 26. 


tfinQoo&ev 6. 




xa&rjo&cu 26. 


er 10. 23-27. 29. 30. 




xccxwq elntlv 28. 


evcfo^a 7. 17. 




*«;iA0C 7. 9. 11. 


ivövvso&at 7. 17. 21. 30. 


xctQÖia 7. 


tvtQxeo&ai 24. 




xccQTtöq 15. 



Digitized by LjOO QI C _ 



Wortregister zur Petrasapokalypse. 



97 



xttxd 21. 26. 28. 

xarakdfi7i€o9cu 15 

xaxavxiXQvq 21. 29. 

xaxaQQslv 26. 

xazaoTQtyea&cci 32. 

xdxot 32. 

xttpaXri 24. 

xXaieiv 26. 

*oAa£e*y 21. 22. 26. 28. 30. 

xdXaaiq 21. 25. 32. 33. 

tfo'jKjy 10. 

xoofjieiv 24. 

xöo/uoq 5. 15. 

XQBfjiao&ai 22. 24. 

xQmivov 32. 33. 

xqIvbiv 3. fragm. 

xgloiq 25 fragin. 

xvXiea&at 30. 

*v>o$ 4. 6. 12. 15. 19. 20. 

Xanßdvetv (Xslßstv?) 28. 

A*V*v 13. 20. 24. 25. 

Xenxoq fragm. 

Xevxdq 8 9. 

A/jt/v*? 23. 26. 31. 

(xafhfii)<; 5. 

fiaoäo&ai 28. 29. 

fiaaxt^eiv 27. 

juaoxoi fragm. 

^yac 15. 23. 31. 32. 

fiiXXetv fragm. 

/«fr 8. 

/u«ra 5 32. 

peXQi 26. 27. 31. 

^' 30. 

fZTjötnoxe 33 

fuaivstv 32. 

f/iaa/ua 24. 

(xoixela 24. 

l*>0Q<pr\ 5. 13. 

vaQÖooxdxvq 10. 

ve<p£Xrj 25. 

gtyoc 30. 

foavov 33. 

SßeXlaxoq 30. 

äcfo'c 1. 22. 28. 34. 

olxyxwQ 17. 19. 

Texte u. Untersuchungen IX, 2. 2. Aufl 



OflOlOQ 17. 

rffr'tf 30. 

bnoioq 7. 
I 07rö>s 5. 
! ooäv 5. 7. 8. 11. 13. 21. 26. 

OQOQ 4. 

oQipavoq 30. 

oW<£ 33. 

ovötnoxe 7. 
I ovAos 10. 

ovv 11. 
1 o^ocfvos fragm. 

I oltoq 3. 12-15. 20. 22. 24. 26-32 31. 
] ovxat 25. 

i 6<p$aXß6q 7. 26. 28. 
| #V"S '. 

| ncuöevfo&cu fragm. 
| Trcf^ 26. 
I TtaA/r 28. 29. 32. 34. 

Traoa 33 
' iiaQaöiöovcu 27. fragm. 
j itaQct&aQOvveiv 5. 

nagiaxavai fragm 
I näq 8. 14. 30. 

nccveiv 33. 

I 7161&SLV 30. 

neiväv 3. 
■ TtfQitxeiv fragm. 
' negtxQexeiv 18 

nyyvvvcci fragm. 
| (7r^rfav fragm.) 
I nlnxuv fragm. 

maceveiv 24. 
! 7t/<jto'c 3. fragm. 

nXhxfiv 10. 

nXr\Qi]q 15. 

nXriQovo&ai 23. 25. 31. 

nXr\aiov 26. 28. 

nXijoosiv 25. 26. 

nXoxapoq 24. 

7rAow€?> 30. 

nXovxoq 30. 

nvevfxa 27. 

7ro*av 33. 

noixiXoq 1. 10. 

71010$ 14. 



Digitized by 



Google 



9S 



Wortregister zur Petrusapokalypse. 



noXvq 1. 26. 33. 
novriQoq 25. 27. 
noxanoq 5. 
710V 14. 
novq 24 

nQoiQzeo&ai 26. 
tt()oc 11. 24. 32. 
7toooi(>xea9ai 12. 
7iQ00Ti&£vtu 4. 

71q60(O710V 10. 

7ri;ov 31. 

*(;<> 22. 26. 29. 33. 
nvQovo&ai 28. 30. 
£a/fcfos 33. 
Qaxoq 30. 
(fciv fragm. 
(Jimapog 30 
$ddoc 8. 

(Jctpxcxpdyog fragm. 
aldtjQOQ 28. 
axoxeivoq 21. 27 
oxoxoq 25. 
oxwXrj^ 25. 27. 
(eraefpa? fragm.) 

(77T^«'yX va 27. 

axiipavoq 10. 
(7T0>a 7. 29. 
<JTQ£<peo&ai 25. 34. 
av 25. 

ovyxoifiäo&at 32. 
awfjy fragm. 
avlkafißdvetv 26. 
(ovfifitaivstv 24.) 
dvmdorcc, o$, 25. 
owxtoavvivai 9. 
<7o/4a 8. 32. 
rf 10. 

xrjyavl£eo&cu 34. 
r»J#£*v fragm. 



ri/iMf Aov^oc fragm. 
r/*™v 26 

r/s 12. 22. 23. 25. 30. 
xoiovxoq 10. 33. 
xoxoq 31. 

zonoqM. 19. 20. 21. 24—27. 30. 
xooovxoq 16. 
rdrf 3. 
XQaxr\koq 26. 
rwrTffv 33. 

t'ioJ r. dntoleiaq (avofiiaq) 2. 3. 
i7/ff<? 12. 20. 
v7ii(jXafi7igoq 15. 
vtto 25. 27. 32. 
xmoxEiod'ai 22. 
(paiveo&cu 6. 11. 
iptgeiv 15. 16. 

<p\kyeobai 22. 23. 27. 29. 34. 
(poveveo&cu 25. 
(povsvq 25. 
«pvAAov fragm. 
tpvxov 15. 
(pcwvj/ 19. 
y><5s 15. 

^ojTftvds 7. 17. 
2«;U£ 30. 
! ^aoc 28. 
Xetg 33. 

ZW« 30 - 
^/cwv 8. 
%(üoa 17. 
#a>(>oc 15. 
tpevdoßdoxvq 29. 
\pevöo7iQO<prixriq 1. 
t//t#jj 3. 25. 
öijt/os 10. 
a»c 7. 16. 32. 
üjontQ 10. 25. 26. 
(ianeosl 10. 



33. 



Druck von August Pries in Leipzig 



Digitized by 



Google 



DIE 



APOSTELGESCHICHTE 



TEXTKRITISCHE 



UNTERSUCHUNGEN UND TEXTHERSTELLUNG 



VON 



D. BERNHARD WEISS 



f 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893 



Digitized by LjOCKMC 



Digitized by 



Google 



Inhaltsübersicht. 



Seite 
Vorbemerkungen 1—4 

I. Wortvertauschungen 5—38 

1. Vertauschungen von Substantivis, Adjectivis und Pro- 
nominibus S. 5. 

2. Vertauschung von Verbis und Verbalformen S. 18. 

3. Vertauschung von Partikeln S. 30. 

IL Zusätze und Auslassungen 39—57 

1. Zusetzung und Auslassung von und bei Substantivis S. 39. 

2. Zusetzung und Auslassung von Verbis, Partikeln und 
längeren Satztheilen S. 49. 

III. Umstellungen 58—63 

1. Umstellungen des Subjects und seiner Näherbestimmungen 
S. 58. 

2. Umstellungen des Verbi und seiner Näherbestimmungen S. 61 . 

IV. Eesultat 64—69 

1. Die Codices k, A, C S. 64. 

2. Der Codex Vaticanus S. 67. 

V. Textherstellung 70 f. 

Text der Apostelgeschichte 72—313 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 



ZUR GESCHICHTE DER 



ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



OSCAR von GEBHARDT und ADOLF HAMACK 



IX. BAND 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1893 



Digitized by LjOCKMC 



Digitized by 



Google 



INHALT DES NEUNTEN BANDES. 



Heft 1. Untersuchungen über die Edessenische Chronik. Mit dem syrischen 
Text und einer Übersetzung herausgegeben von Ludwig Hallier. 
VI, 170 S. 1S92. 

Die Apologie des Aristides. Aus dem Syrischen übersetzt und mit 
Beiträgen zur Textvergleichung und Anmerkungen herausgegeben 
von Dr. Richard Raabe. IV, 97 S. 1892. 

„ 2. Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus von 
Adolf Harnack. III, 78 S. 1893. (2. verbesserte und erweiterte 
Auflage. VIII, 98 S. 1893.) 

„ 3/4. Die Apostelgeschichte. Textkritische Untersuchungen und Text- 
herstellung von D. Bernhard Weiss. 313 S. 1893. 



Digitized by 



Google 



Digitized by 



Google 



Auch für den Text der Apostelgeschichte haben wir, wie 
für den der katholischen Briefe, wenn wir von einigen unerheb- 
lichen Fragmenten absehen, drei Codices aus dem 9. Jahrh. H, 
L, P, von denen wir die beiden letzten bei jenen bereits kennen 
lernten. Während in P von den etwa 1000 Versen des Buches 
nur etwa 40 fehlen, fehlen von L über 260 und von H gegen 
280, also über ein Viertel des Ganzen. Von den über 630 Va- 
rianten dieser Codices sind über 290 allen drei gemein; aber 
auch von den etwa 95, in denen nur je 2 übereinstimmen, 
wird ein grosser Theil ursprünglich allen drei geraeinsam ge- 
wesen sein, von denen nur einer fehlt. Dies erhellt schon daraus, 
•dass HL nur 16 mal gegen P übereinstimmen, während HP 
und LP 80 Varianten gemein haben, weil eben dort L, hier 
H häufig fehlt. Dazu kommen noch 245 Sonderlesarten von 
H, L, P, von denen die beiden ersten je 97, 95 zeigen, P 
dagegen nur 53, und auch von diesen findet sich ein Theil noch 
in dem Abschnitt, wo H und L fehlen (2, 14 — 5, 28), sodass es 
ursprünglich Varianten gewesen sein können, die allen drei ge- 
meinsam waren, andere in Stellen, wo H oder L fehlt. 

Von den 290 allen drei gemeinsamen Varianten sind etwa 
230, von den je zwei gemeinsamen gegen 60, von den Sonder- 
lesarten 100, also von den 630 Varianten der ganzen Gruppe 
mindestens 390 absichtliche Emendationen. Ausserdem haben 
alle drei etwa 60 willkürliche Aenderungen und Schreibfehler 
gemein, wie sie dem alteren Texte charakteristisch sind, je zwei 
gegen 40. Es werden diese c. 100 Textfehler also wohl aus ihrer 
mit dem Texte, aus dem die 390 Emendationen stammen, überein- 
stimmenden Grundlage stehen geblieben sein. Wenn dagegen in 
den Sonderlesarten der einzelnen Codices die Zahl der willkür 

Texte u. Untersuchungen IX, 3. 4. 1 



Digitized by 



Google 



liehen Aenderungen und Schreibfehler zu gleichen Th eilen noch die 
der Emendationen (100) um mehr als 40 übertrifft, so erhellt 
daraus, dass die meisten derselben erst durch die letzten Abschreiber 
eingebracht sein werden. Dann aber charakterisirt sich auch hier P 
als ein vortrefflich geschriebener Codex, sofern er troz seiner rela- 
tiven Vollständigkeit wenig über die Hälfte der Sonderlesarten in 
H und L hat, und auch von diesen noch, wie wir sahen, sehr viele 
ursprünglich je zweien oder allen drei angehört haben können. 
Zu diesen drei treten nun in der Apostelgeschichte noch 
zwei Codices des 6. Jahrh., D und E. Es ist bekannt, wie un- 
endlich willkürlich D den Text umgestaltet. Er enthält allein 
etwa 410 Zusätze, 270 Auslassungen und 110 Umstellungen; 
und zählt man den umfassenderen Umbildungen des Textes noch 
diejenigen hinzu, in welchen die ursprüngliche Textgrundlage 
soweit durchblickt, dass sich Abweichungen davon im Einzelnen 
constatiren lassen, so kommen dazu noch etwa 810 Wortver- 
tauschungen, also im Ganzen 1600 Varianten. Dagegen hat E 
nur 440 Varianten, und beide zusammen etwa 120, die ganze 
Gruppe also etwa 2160. Dabei muss man im Auge behalten, 
dass in D 290 Verse, also weit über ein Viertel des Textes fehlt, 
in E nur einige 70 Verse. Auch von diesen Varianten sind nun 
viele offenbar absichtliche Emendationen, und zwar in E über die 
Hälfte (240), in DE uoch nicht die Hälfte (50), dagegen in D 
nur etwa 360, also wenig über ein Fünftel. Es sind also in D 
der weitaus grösste Theil der Varianten (etwa 1240) ganz will- 
kürliche Umgestaltungen. Das weist aber nicht etwa auf einen 
älteren, noch freier behandelten Text zurück; denn es lässt sich 
in zahllosen Stellen nachweisen, dass dieselben nicht Umgestaltungen 
des ursprünglichen, sondern eines bereits emendirten Textes sind. 
Dieselben werden also grossentheils dem Schreiber von D zur 
Last fallen, sollten auch manche von ihnen bereits in der Grund- 
lage von D vorhanden gewesen, oder von anderswo aufgenommen 
sein, was vielleicht die grosse Zahl von Stellen erklärt, wo in 
ganz gedankenloser Weise eine Aenderung vorgenommen, aber 
nicht durchgeführt ist. Dafür spricht auch die im Verhältniss 
zu der Gruppe HLP sehr grosse Zahl solcher Fehler in DE, die 
nicht den Charakter des emendirten Textes tragen, sondern will- 
kürliche und gedankenlose Aenderungen sind (gegen 70). In E 
allein finden sich solche verhältnissmässig viel seltner (etwa 200); 



Digitized by 



Google 



und da darunter über 30 Schreibfehler sind, so werden sie grossen- 
theils dem Schreiber von E zur Last fallen. Dagegen sind die 
650 Emendationen, die dieser Gruppe angehören, durchaus der- 
selben Art, wie die der Gruppe HLP, und nichts hindert anzu- 
nehmen, dass sie grossen theils, wie jene, aus einem absichtsvoll 
emendirten Texte stammen. 

Dafür spricht aber auch die grosse Zahl von Varianten, die 
beide Gruppen theilen (440), und unter denen die grosse Mehr- 
zahl (360) solche absichtliche Emendationen sind. Sehr bemerkens- 
wert!) ist, dass D weitaus am seltensten mit der Gruppe HLP 
geht, nur 90 mal, dagegen E über 230 und DE gegen 120 mal. 
Der Einfluss des emendirten Textes zeigt sich also in E und in 
DE unvergleichlich stärker als in D. Denn dass auch diese 
Emendationen, wie die in der Gruppe HLP, grossentheils aus 
einem absichtsvoll emendirten Texte stammen, erhellt daraus, 
dass unsere Gruppe mit HLP gemeinsam gegen 245 Varianten 
theilt, und mit je zweien über 70. Hier zeigt sich nun genau 
dasselbe Verhältniss, das wir innerhalb der Gruppe HLP be- 
obachteten. Denn mit HL allein theilt die Gruppe nur 5, 
dagegen mit HP und LP gegen 65, nur dass sie hier mit HP 
mehr als doppelt so häufig (45 mal) geht, als mit LP (20 mal). 
Auch von diesen 70 werden also sehr viele Emendationen sein, 
die ursprünglich der Gruppe HLP gemeinsam gewesen sind, was 
sich nur nicht mehr constatiren lässt, weil H und L in vielen 
Stellen fehlen. Freilich kann auch hier wie dort der emendirte 
Text nicht überall gleichmässig benutzt sein. Auch das ist be- 
merkenswerth, dass während P weitaus am wenigsten Sonder- 
lesarten zeigt, die wir grossentheils für Emendationen halten 
mussten, er hier gegen 90 mal mit unserer Gruppe geht, während 
H und L nur etwa 20 und 15 mal. Es werden also auch die 
Varianten in DP, EP, DEP grossentheils aus dem emendirten 
Texte stammen, unter denen wieder auf EP 50, auf DEP fast 
25, auf DP nur 15 kommen. 

Von den Repräsentanten des älteren Textes haben wir auch 
in der Apostelgeschichte, wieder von einigen Fragmenten abge- 
sehen, tf, A, C, nur dass von C fast ein Drittel des Textes fehlt. 
Auch hier zeigen dieselben eine grosse Menge von Sonderles- 
arten, 8 gegen 300, A wenig über 220, C etwa 160, was, selbst 
wenn man das fehlende Drittel in Betracht zieht, nur wenig 

V 



Digitized by 



Google 



über A hinausgeht. Dazu kommt auch hier noch B, bei dem aber 
eine grosse Zahl seiner Sonderlesarten sich als ursprünglich er- 
weisen wird, was bei K und A nur ganz vereinzelt der Fall ist. 
Auch die Stellen, wo mehr oder weniger von diesen vier unter 
sich oder mit jüngeren Gruppen zusammengehen, bedürfen erst 
der Untersuchung, auf welcher Seite hier das Ursprüngliche ist. 
Freilich kann dieselbe unmöglich bei all diesen Stellen, ge- 
schweige denn bei allen Sonderlesarten von *C, A, C, oder den 
beiden jüngeren Gruppen geführt werden, da es sich hier um 
4 — 5000 Varianten handelt. Wir werden darum nur diejenigen 
Stellen besprechen, bei denen ein Zweifel überhaupt möglich ist, 
und andere Varianten nur soweit heranziehen, als sie für die 
textkritische Entscheidung in jenen von Bedeutung sind. Damit 
ist von selbst gegeben, dass wir nicht die einzelnen Gruppen 
von Zeugen, sondern die Kategorien der Varianten besprechen. 
Erst aus dem Resultat dieser Untersuchung wird sich dann der 
Charakter der einzelnen älteren Textzeugen, insbesondere ihr 
Verhältniss zum emendirten Text, feststellen lassen. 



Digitized by 



Google 



L Wortvertauschungen. 

1. Vertauschungen von Substantivis, Adjectivis und 
Pronominibus. 

a. Sehr häufig ist die Vertauschung von d-eoq und xvgiog 
in allen Gruppen. Am natürlichsten ergab sie sich durch Con- 
formation, wie 8, 22, wo HLP nach dem dicht vorhergehenden 
evctvri x. &eov statt derjfrqxi x. xvq. schreiben: xov &eov. 
Ebenso E 7, 33 nach v. 32, DHLP 10, 33. Umgekehrt ist E 
18, 26 x. odov xov xvqiov st. x. &sov nach v. 25 und Cflxtiv 
xov xvqiov (EP) 17, 27 statt t. d-sov nach v. 24 conformirt. 
Leicht verständlich ist auch, dass 8, 25 A das immerhin häufigere 
und einfachere x. Xoyov x. d-eov st. x. xvq. hat, dass in DE 16, 10 
die Berufung nach Macedonien auf den xvQioq (Christus) statt 
o &sog zurückgeführt ist, und vor Allem, dass 15, 40 CEHLP 
xi) x<xQm *> &£ov statt t. xvq. haben. Dagegen ist die Ver- 
tauschung oft auch eine ganz willkürliche, besonders in D, wo 
8, 24. 15, 17. 16, 15. 21, 14 &eog st. xvq. und 13, 5. 16, 14 xvq. 
st. &eog steht. Ebenso willkürlich steht in DE 2, 17. 6, 7, DHP21,2() 
xvQiog statt fteos, aber auch tt 8, 12, C 3, 9, wo dann auch um- 
gekehrt 13, 12 x. öiöax* x. d-sov st. t. xvq. sich findet. 

Hienach ist es allerdings nicht leicht zu entscheiden, wo 
die älteren Textzeugen auseinandergehen. Allein dass troz Tisch, 
das weitverbreitete xtjv sxxX. x. xvqiov 20, 28 (ACDE) statt des 
x. &sov (kB, vgl. WH.), das doch auch in Min., Vers., Patr. viel- 
fach sich findet, eine Emendation ist, liegt bei der Schwierigkeit, 
die für die Lesart der ältesten Codices der folgende Relativsatz 
bietet, auf der Hand, zumal HLP dieselbe mit dem Ursprüng- 
lichen verbinden (xov xvqiov xai #.). Auch 16, 32 liest Tisch. 
(Treg.) nach ACDEHLP und allen anderen Textzeugen sXaXrjoav 
avxco xov Xoyov xov xvqiov statt x. &eov (tfB, vgl. WH.txt.), 



Digitized by 



Google 



6 I. Wortvertau8chungen. 

weil häufiger Xoy. x. xvq. in x. &sov verwandelt werde, als um- 
gekehrt. Diese Angabe ist ungenau; denn o Xoy. x. fr. steht 

7 mal ohne alle, dreimal ohne irgend erhebliche Varianten, 2 mal, 
wo die Lesart zweifelhaft ist, dagegen o Xoy. t. xvq. 5 mal ohne 
alle, einmal ohne erhebliche Varianten, dreimal, wo die Lesart 
zweifelhaft ist Hieraus lässt sich also sicher kein Maasstab für 
die Entscheidung entnehmen. Da nun v. 31 vorhergeht: jcioxev- 
oov ejti xov xvqiov irfi.y so lag es in der That nahe, das Wort, 
das sie ihm redeten, näher zu bestimmen als xov Xoyov xov 
xvqiov (de Christo), sodass die verbreitetste Lesart Emendation 
sein wird. 

Besonders schwierig erscheinen die Varianten in 13, 44. 48. 
Allein das axovoai x. Xoyov xov xvqiov an ersterer Stelle (**A, 
15 Min. cat. am. fu. toi. sah., vgl. Tisch.) war doch für den ober- 
flächlichen Leser durch v. 48 f. sehr nahe gelegt. Allerdings 
könnte das xov d-tov (BCELP Min. demid. cop. syr. arm. Chrys., 
vgl. WH.txt., Treg. a. R.) mechanisch nach dem x<zq. x. &eov v. 43 
oder nach dem XaX. x. Xoy. x. #. v. 46 conformirt sein; aber 
beides lag doch viel ferner, und namentlich das Zusammentreffen 
von B mit den Vertretern des emendirten Textes, dessen Con- 
formationen doch anderer Art sind, macht es sehr unwahrschein- 
lich, dass hier eine solche Conformation von B aufgenommen 
sein sollte. Ich glaube also in KA eine Conformation des älteren 
Textes annehmen zu müssen. Anders steht es mit 13, 48. Hier 
lag die Aenderung des eöoga&v x. Xoyov x. xvqiov (KACLP 
Min. cat. d e vg. sah. Chrys., vgl. Tisch ) in r. &sov (BDE, 8 Min. 
cop. arm., vgl. WH.txt., Treg. a. R.) nach v. 46 so nahe, und die 
Wiederaufnahme dieses Ausdrucks durch das unanfechtbare o 
Xoy. x. xvq. in v. 49 ist so unwahrscheinlich, dass ich auch hier 
nur eine Conformation des älteren Textes sehen kann (B), die 
noch in DE erhalten ist. 

In zwei Stellen ist in B allein das Richtige gegen alle 
Mjsk. erhalten. Das jtaQaxi&sftai vfiag xa> &£& 20, 32 (Tisch. 
Treg.) ist offenbar nach dem folgenden xai xoo Xoyco x?]g yaQiroq 
avxov geändert, das auf die Gnade Gottes zu deuten schien 
(vgl. CEHLP 15, 40), während das xa> xvqkd in B (33. 68. sah. cop., 
vgl. WH.txt.) seine Parallele in 14, 23 hat. Aber auch das o lo- 
yog x. #£Ou rjv^avsv 12, 24 (Tisch. Treg.), wo C fehlt, wird, wo 
nicht nach dem gegensätzlichen ovx söcoxev xrjv öogap xo &ea> 



Digitized by 



Google 



1, b. VertauschuDgen Ton Subetantivis. 7 

v. 23, nach 6, 7 geändert sein, wo o Xoy. x. #. durch v. 2 ge- 
geben war, während das rov xvqiov (B. vg., vgl. WH.txt.) an 
19, 20 seine Parallele hat. 

Häufig findet sich auch xvqioc statt itjoovg oder ii?ö. XQ-> 
XQ. if)ö. (HP 18, 25, HLP, vgl. D 10, 48, A 9, 27, C, vgl. D 5, 42, 
C 16, 7), während C 9, 28 umgekehrt trfi. statt xvq. steht, con- 
formirt nach v. 27, und HLP 8,16 xqiötov st. xvq. Zweimal 
findet sich auch XQi° T °S statt l7 l - (HLP 9, 20, D 19, 14, vgl. 
HLP), und einmal sogar statt r. &eov (fct 8, 14); aber keine 
dieser Stellen bedarf einer näheren textkritischen Unter- 
suchung. 

b. Dass das schwierige evgeiv öxyrcofia ra> oixco lax&ß 
7, 46 («BDH, vgl. Tisch.) nach Ps. 131, 5 in reo &eco tax. (ACEP, 
vgl. WH., Treg.txt.) emendirt ist, bedarf, textkritisch angesehen, 
keiner Erläuterung. Denn von einer Verschreibung kann hier 
nicht die Rede sein, da die älteste Lesart nach v. 44 sich sehr 
wohl erklärt, während das freoq tax. für das NT. ganz einzig- 
artig wäre. Auch hier hat 20, 15 B (15. 19. 73. cat., vgl. WH. 
a. R.) allein das richtige xtj söjisga erhalten, das so leicht 
zwischen r. sjiiovotj und rrj sxofiBvrj in ttj srsQa (fctACDEHLP) 
geändert ward, zumal die Reise von Mitylene bis Samos zu lang 
erschien für einen Tag, wenn man übersah, dass man sehr wohl 
am Abend vorher oder in der Nacht abgefahren sein konnte, 
dies sogar nach der Wortstellung das Wahrscheinlichste ist. 
Es ist undenkbar, dass blosse Verschreibung eine so völlig 
passende Lesart ergeben haben sollte, und eine Absicht der 
Aenderung in eöjtSQa ist erst recht nicht erfindlich. 

Dagegen ist 23, 18 das veavioxov (kAE, vgl. Tisch. Treg.) 
von BHLP (Min. cat. Chrys , vgl. WH.txt.) nach v. 17 in veaviav 
conformirt. Während diese Aenderung in B noch ganz unre- 
flektirt erfolgte, sofern dem Abschreiber das eben geschriebene 
Wort in die Feder kam, ist in HLP die Conformation mit Ab- 
sicht durchgeführt, wie v. 22 zeigt. Ebenso gedankenlos ist die 
Aenderung des uQBiq 4, 1 (Tisch. Treg. nach tfADEP) in clqx- 
tsQEiq (BC 4 arm. aeth., vgl. WH.txt.), da übersehen wurde, dass 
oi öaödovx. nach 5, 17 eben die ccqxisqsiq sind, die nur wegen 
des Folgenden ihrer Parteistellung nach bezeichnet werden. Die 
Stelle Ev. 20, 1 beweist dafür freilich nichts, da in ihr das teotig 
lediglich nach unserer Stelle conformirt ist. Endlich ist auch 



Digitized by 



Google 



8 I. Wortvertauschungen. 

das eZXrjviöxaq (BEHLP, vgL WH.) 11, 20, das in K nur in 
evar/eliöTaq verschrieben ist, aus exegetischen Gründen unhalt- 
bar. Es ist nach 9, 29 conformirt, wie solche ganz willkürliche 
Emendationen nach entlegenen Stellen gerade im älteren Texte durch- 
aus nicht selten sind. Dieselbe ist in den Vertretern des jüngeren 
nicht verbessert, weil man wohl auf den Unterschied keinen 
Werth legte. Lies eZfajvaq nach AD und den meisten Versionen 
(Euseb. Chrys., vgl. Tisch., Treg.). 

c. Die Form exaxovxaQxrjg ('XV > -#*$)> die auch Luk. 7, 6. 
23, 47 ursprünglich ist, steht sechsmal ohne Varianten und ist 
21, 32. 27, 6. 43 nur in HLP in -aQxoq verwandelt. Dagegen 
ist 22, 25 nur in D das sxaxovxagxov in das sonst den Act. 
eigenthümliche -aQxyv verwandelt. Dann aber muss auch 22, 26 
mit BEHLP Min. cat. Chrys. (Treg.) exaxovxaQxoq gelesen 
werden statt -OQXVS (Tisch. WH. nach KACD). Es ist undenkbar, 
dass der Schriftsteller unmittelbar hintereinander den Ausdruck 
wechselte, während sich wohl begreift, wie er in einem Zusammen- 
hange, wo rings umher immer wieder die Form x c ^ ca QX°S ('X 00 ) 
vorkam, die analoge Form bxaxovraQXoq (-ov) wählte, die nach 
Luk. 7, 2 ihm jedenfalls auch geläufig war. Dagegen ist die 
Annahme, dass der Schriftsteller im Accus, die Form nach der 

2. Decl. bildete, und nun nur v. 26 nach v. 25 conformirt wurde, 
durch 21, 32 ausgeschlossen, wo exaxovxaQX^Q durch ttABDE 
bezeugt ist. Wohl aber begreift sich, wie KAC nur das -aQxoq 
v. 26 in das bereits 10, 1. 22 dagewesene -aQxrjg änderten, während 
ihnen die zum ersten Male vorkommende Accusativform nicht 
auffiel und nur D consequent änderte. Dagegen ist 25, 1 das 
xtj ejtaQxta (eia) in BCEHLP Min. Chrys. (Treg. WH.txt.) eine 
gedankenlose Aenderung des älteren Textes nach 23, 34, die im 
emendirten dieser Parallele wegen als richtig beibehalten wurde. 
Es war dabei übersehen, dass das ursprüngliche exoqxkb (bkd) 
in **A (Tisch.), dessen Entstehung nicht zu begreifen wäre, gar- 
nicht dasselbe Wort ist, sondern Adj. zweier Endungen von 
EJiciQxoq, wobei e^ovoia zu ergänzen, und nicht die Provinz, 
sondern die Statthalterschaft bezeichnet, die Festus antrat. 
Ebenso muss 13, 1 xexQaaQxov mit tt cop. (Tisch. WH.) als die 
ältere Form festgehalten werden, da dieselbe Luk. 3, 1 (dreimal) 

3, 19. 9, 7, Matth. 14, 1 durch «C, denen noch andere wichtige 
Zeugen hie und da hinzutreten, gleichmässig bezeugt ist, und 



Digitized by 



Google 



1, c. Vertauschungen von Substantivformen. 9 

das zweite A schon in B um so leichter ausfiel, als xtxQaQX- die 
geläufigere Form war. 

Als Name Jerusalems ist 31 mal ohne Var. das indeklinable 
leQOVoaXijfi geschrieben, nur 10 mal das deklinirte leQoöoXvfia, 
und daher begreiflicher Weise oft der griechischen Namensform 
die hebr. substituirt (D, E viermal, LP, HLP, EHLP sechsmal). 
Allerdings ist auch fünfmal umgekehrt isqoö. für isqovo. ge- 
schrieben; aber 20, 22 (D) nach v. 16 und 25, 3 (E) nach v. 1 
conformirt. Nur 1, 12 (E) und 11, 2. 22 (DEHLP) ist ein Grund 
durchaus nicht ersichtlich. Hienach muss ohne Frage 15, 4 e ig 
UQOöokvfda (AB 61. 133. 137. vg., vgl. Treg.txt. WH.) ge- 
schrieben werden statt uQovöaXr/fi (Tisch, nach tfCDEHLP), 
zumal dieses offenbar nach v. 2 conformirt ist; und 20, 16 mit 
BCDHLP (Treg. WH.) eig uQOOoXv[i<z statt uQOvoatyfi (Tisch, 
nach KAE 13. 40. 105), zumal hier, wenn nicht der häufigere 
Ausdruck, v. 22 so leicht für die Aenderung maassgebend sein 
konnte. Selbstverständlich ist 7, 47 mit BDEHP (Treg. WH.) 
ooXoficov zu schreiben statt caXofKDV (Tisch, nach AC, vgl. Ä: 
oaXoficov), da das a in der ersten Silbe 3, 11 nur A, 5, 12 nur 
K für sich hat. Dass 1, 14 mit BE {laQia/x zu lesen statt fiaQia 
(Lehm, nach 8ACD), 1, 13 nach «BD fiad&aiog statt ftar&. und 
1, 23. 26 tta&&iac nach BD statt (dar». (Lehm, nach KACE), ist 
von den neueren Editoren anerkannt. Wie 1, 19 mit B, Lehm. 
WH. axe/Löafiax zu schreiben, da das x sich troz aller Ent- 
stellungen des Namens in C, D, E erhalten hat und nur in »A 
(Tisch.) dem x am Schlüsse conformirt (vgl. E, wo umgekehrt 
das x m x verwandelt), so ist die sicher ursprüngliche, weil 
durch einen Schreibfehler nicht erklärliche, Form aÖQafiwzTjvo} 
27, 2 (WH.) in tfHLP (Tisch.) in das geläufigere, weil leichter 
auszusprechende aÖQa[iVTTr)va> verwandelt. Endlich ist 7, 43 in 
B allein der Name des Gottes yopcpa (WH.) ursprünglich erhalten. 
Die Varianten gehen auf die Schreibart der LXX gcugxxv (A) oder 
Q£<pav (Treg. nach CE, vgl. H Q£(pa, P QttpQav) zurück, während D 
QSfigxxfi und K QOfigxxv (Tisch.) offenbare Mischlesarten sind. 
Auf das v am Schlüsse in tf ist nach 26, 10 (exoirjöav — xar?]- 
vsyxav) 6, 5 (egeXegavrov) keinesfalls irgend etwas zu geben. 

Während die ursprüngliche Namensform (/covGTjg sonst fast 
überall nur in A (7, 29), meist zusammen mit jüngeren Cod. 
(E, H, P, EP, ELP, DLP) durch das spätere ficootjg ersetzt ist, 



Digitized by 



Google 



]() I. Wortvertauschungen. 

findet sich das letztere 3, 22 auch in «EP und 26, 22 sogar in 
ABE. Für löQarjXeirai haben E 5, 35, DE 13, 16. 21, 28 und 
2, 22. 3, 12 d. h. an den beiden ersten Stellen, wo das Wort 
vorkommt, sogar BE iGTQarjX., wofür K in allen 5 Stellen ioÖQat)X 
schreibt. Das iwavqa haben allerdings BD 15 mal, D 5 mal, 
11, 16 B allein, 13, 5 E, 15, 37 DH und nur 4, 6 (wo D den Namen 
in uova&ag verschreibt) keiner. Allein hieraus erhellt doch, dass 
auch in der Grundlage von B das einfache v nicht gestanden 
haben kann, da sonst nicht zu begreifen wäre, wie es unter 24 
Malen 8 mal verdoppelt ist, während in dem flüchtig geschriebenen 
älteren Texte leicht ein X zwischen A und N ausfiel. Ebenso 
fiel 27, 16 in B (xavöa, vgl. Lehm. Treg. WH.) das A vor A 
aus Versehen au*, da fct, wenn das xXavöa (Tisch.) Emendation 
wäre, wohl mit den emendirten Cod. (HLP) xXavörjv hätte. 
Auch A, wo die zweite Silbe fehlt, hat xla— . Das sonst nicht 
vorkommende fieAirtjvrj 28, 1 (B, vgl. WH.) ist offenbare V r er- 
schreibung, bei der dem Schreiber das (iiTvXtjVfj 20, 14 vorschwebte. 
Zu den gangbaren Vertauschungen von o und o>, die schon in den 
ältesten Codices so häufig, gehört das gtwixcqv in B 17, 18 (vgl 
1. 31. 61. Chrys. Treg. WH), wie das vaCpQcuoq, das K 4, 10. 
26, 9 allein hat, 2, 22. 22, 8 mit D, 3, 6 mit CD theilt, während 
er 6, 14. 24. 5 das richtige vaCwQ. hat 

Anm. Hier muss zugleich über die Schreibweise der Namen, in 
denen et und t wechselt, Rechenschaft gegeben werden. B hat alle sieben 
Male oa/LcaQEia, k oafxaQta. Mit k gehen stehend nur D, E, mit B geht A 
6 mal, C dreimal, und meist auch HLP (nur 15, 3 H u. 8, 9 P mit k). 
Auch Joh. 4, 4. 5. 7 hat B oafiaQeia und nur Luk. 17, 11 ganz vereinzelt 
oafiaQia. Hienach wird mit Lehm. Treg. gegen Tisch. WH. oa/nageta 
zu schreiben sein , zumal WH. selbst 8, 25 (gegen kE) und 10 mal in den 
Evang. oajuapeiTwv schreibt. Ebenso ist durch «AB überall lOQaijXeacu 
gesichert (5 mal), wie elapeircu 2,9 durch ABCD, obwohl Lehm. Treg. 
hier Logarjkaai, ska /betrat schreiben. Gegen beide wird auch 4, 3G mit BD 
Xtveizrjg zu schreiben sein, und 17,34 aQftonayetzi]g f obwohl hier auch 
WH. -ytTTjg hat. Allgemein aeeeptirt ist unter den Städtenamen avrto- 
Xf/a, obwohl auch hier » zweimal allein und fünfmal mit E avriozia hat 
(vgl. auch 2 Tim. 3, 11 in *eAD). W&hrend k mit E alle 15 Male xaioapia 
schreibt, hat B ebenso durchgehend xaioagtia , wie auch Mtth. 16,13. 
Mrk. 8, 27. Hier geht A 12 mal mit k und nur zweimal mit B, dagegen 
C 8 mal mit B und nur zweimal mit », HLP nur ganz vereinzelt mit k 
P 21, 8). Es wird also auch hier mit Lehm. Treg. gegen Tisch. WH. xtu- 
aaQeia zu schreiben sein, und ebenso 18, 4 mit BHLP gegen kADE (Tisch. 
WH.) ae Xsvxaa. WH. schreibt auch mit BH, BHLP 17, 19. 22 apeiov nayov 



Digitized by 



Google 



1, d. Vertuuschungen der Casus. \\ 

gegen Tisch. (scADE) und 9,36. 40 mit BC, B gegen Tisch., Lehm., Treg. 
xußt&a. Dass 13, 21 xeig und ßeviafisiv, 5, 1 aamptiQ. (ABP gegen kDE) 
zu lesen ist, wird nicht bezweifelt. Für die von den Neueren gegen Lehm, 
aeeeptirte Schreibart neü.azoq wäre vielleicht in B 4, 27, BD 3, 13. 13, 28 
kein ausreichender Grund gegeben, wenn dieselbe nicht in den Evangelien, 
wo z. B. Luk. 23, 6 selbst k hinzutritt, so stark bezeugt wäre. Dagegen 
sind Schreibarten wie gijyeiov 28, 13 (BL), oaXtcfiem 13, 5 (BD), etxoviov 
14, 21 (BD), XQeionoq, TtQuaxiXka (S, 8. 18), weioziavos 11, 2G. 26, 28, 
ßsi&wia 16, 7, aeiömva und ake^avÖQtivov 27, 3. 6 (B) und selbst das in 
B, oft auch D immer wiederkehrende osiXag, geschweige denn neioiöta 
13, 14 und xiXtxeitt 15, 23 (D) oder gar atzaXeia 14, 25 (HLP) von keinem 
aufgenommen. 

d. Das sinnlose co ovoyia ßctQirjoovv 13, 6 (AHLP) stammt 
aus einer alten Correktur, wo das nur hier in den Act. vor- 
kommende m ovofia durch das gewöhnliche ovofuxri ersetzt war 
(vgl. D: ovoftari xaXovpievov ßaQirjöovav). Während das w ovofia 
emendirt wurde, vergass man das ßagiyo. zu ändern. In tt ist 
wohl absichtlich die Accusativendung abgeworfen (ßaQiiyöov, vgl. 
Tisch.), während BCE, viele Min. sah. Chr. (Lehm. Treg. WH.) 
das richtige ßaQiTjoovq haben. Ebenso verkehrt hat Tisch, allein 
das ev yr\ aiyvjtrov (»AB, viele Min. vg) nach CDEHLP 13, 17 
in sv yrj cuyvjtra) verwandelt, das offenbar nach 7, 36 conformirt 
ist. Dagegen spricht weder, dass D das ev yr\ aiyvjtrov auch 
7, 36 einbringt, noch dass EHP 7, 11 etp oXqv xr\v ytjv aiyvjtxov 
haben (statt ttjv aiyvjtrov), da dies wahrscheinlich, wie das einge- 
schaltete ytjv zeigt, halbe Emendation des eg> oX?]g rt]g aiyvjtrov 
(D) ist. Ohne Frage ist 16, IS zu lesen ov evofiiCofdev jtQooevxrjv 
tivai (KC). In AB ist das JV von jiQoOhvyr^ aus Versehen ab- 
gefallen (vgl. A 18, 14 tj statt tjVy 27, 5 Xvorga statt -av, B 24, 
24 irjöov statt -öovp)i und dieser alte Fehler, der in der Grund- 
lage des emendirten Textes noch stand, hat die Aenderung in 
evofii&ro (EHLP, vgl. D: eöoxei) hervorgerufen. Sehr merk- 
würdig ist, dass B mit DEP 5, 12 die sonst bezeugtere Form 
ookoficovog (Treg) hat statt ooloftwvTog (KA), das durch 3, 11 
vollkommen gesichert ist. Ebenso hat B das dreimal vorkommende 
incorrecte ojtsiQTjg, das 27, 1 nur in Min., 21, 31 in P corrigirt 
wird, wo es zum ersten Male vorkommt (10, 1), mit P in ojteiQag 
geändert, wie 27, 30 das ex jiga)Q?)g (»A) mit CHLP in jiQcoQaq 
(Treg.). Dagegen scheint mir kein Grund vorzuliegen, das 
öaxyeiQa 5, 1 (Lehm. Treg. nach BD) in aajcq>BiQrj (tfAEP) zu 
ändern, da dies wohl der im älteren Texte so überaus häufigen 



Digitized by 



Google 



|2 I- Wortveitauscbungen. 

Conformation mit dem folgenden ttj seinen Ursprung verdankt. 
An dem v. 2 folgenden incorrecten Gvvudvufi hat B keinen An- 
stoss genommen, während es DP conformiren. 

Einmal hat B auch hier allein das Richtige erhalten, da das 
TjfiSQCuc XQiöiv 28, 12 (vg. triduo) eine seiner Eigentümlichkeit 
völlig fremde Aenderung wäre *) Um so näher lag die Aenderung 
des ungewöhnlichen, obwohl den Act. keineswegs fremden Dat. 
(vgL 8, 11. 13, 20) in den Acc. r^fisgag tqsic (tfAHLP; CDE 
fehlen), den alle Editoren ausser Lehm, aufgenommen haben, 
obwohl er sich nach v. 7 doppelt leicht darbot, zumal wenn zu der 
Zeit, aus welcher die Emendation stammt, dort noch rjfieQ. tqsi$ 
(B) gelesen wurde. Dagegen ist das sv t(o jiqciitwqho xa> tjqcoöov 
23, 35 (WH. a. R.) sicher ganz mechanische Conformation statt 
rov rjQr, und das irjoov statt -öovv 24, 24, das ajc6QiTfi?}TOi xaQÖiag 
7, 51 (WH. a. R.) statt xaQÖiaiq einfacher Schreibfehler, wo nicht 
gedankenlose Conformation nach Jerem. 9, 25. 

e. Tisch, liest 25, 18 ovösfiiav curtav cov syco vjtevoovv 
jiovf/Qav nach AC Min. Vers. Allerdings hat so aucl} M gelesen, 
in dem das v am Schlüsse nur nachlässig abgefallen. Allein dass 
man an dem nachgebrachten jioptjqwv (BE 61. 100, vgl. Trg. u. 
WH.txt.) Anstoss nahm, zeigt schon seine Weglassung in HLP, 
während das auf atxiav bezügliche novtjQav nicht die geringste 
Schwierigkeit bot, vielmehr die nächstliegende Emendation ist. 
Durch eine für den älteren Text sehr charakteristische Reminis- 
cenz an das creqxxvog de jtkrjQTjg 6, 8 ist das sinnlose örecpavov 
avÖQa jcXrjQtjq 6, 5 entstanden, das noch in KACDEHP (Lehm. 
WH. a. R.) erhalten, während von den Majusk. B allein (L fehlt) 
das richtige jcXtjQi i erhalten hat. Auch 10, 19 hat offenbar B 
(vgl. WH.txt.) allein das Richtige erhalten Man nahm an dem 
avÖQeg ovo Anstoss , indem man übersah , dass der Soldat v. 7 
doch den beiden Männern nur zum Schutz mitgegeben war, und 
liess entweder das dt;o fort (Tisch, nach DHLP) oder änderte es 



1) Vgl. alle bisher dagewesenen Fehler von B, wie das unter c be- 
sprochene xavöa 27, IG und {isXittjvt] 28, 1, das fieta zo xrjQvyfia (st. ßa- 
nziofia) 10, 37, das dem folgenden o sxtjQv&v conformirt, das zweimalige 
gedankenlose ßaoiltvq statt -Xev 26, 13. 27, das deklinirte yafiaXirjlov 
22, 3, den Gebrauch von LflXoq als Neutr. 5, 17, während 13, 45 zeigt, dass 
die Act. es masculinisch nehmen, endlich die oben im Text besprochenen 
Fehler 23, 35. 7, 51. Vgl. noch das gedankenlose eig t,a>rjv atwviav 13, 4S. 



Digitized by 



Google 



1, e. Vertauschungen von Adjectivis. 13 

in XQeiq (Lehm., Treg.txt. nach tfACE), vielleicht nach 11, 11, wo 
dasselbe seine gute Stelle hat. Eine seltsame Verirrung war es, 
wenn Tisch. Treg. (vgL auch Lehm.) 13, 33 nach D das ev 
reo jiQiHTG) ip. aufnahmen, während hier lediglich in dem an will- 
kürlichen Aenderungen so tiberreichen Codex die abendländische 
Zählung (welche die beiden ersten Psalmen zusammenzog), ein- 
getragen ist. Die Folge davon war dann, dass das vermeintlich 
richtigere xqcqtcq betont vorangestellt wurde, während doch, selbst 
wenn diese Lesart die richtige wäre, unmöglich eine Bedeutung 
darin gefunden sein kann, dass gleich im ersten Psalm jene 
Weissagung stand. Die Lesart von tf ABC ist schon darum nicht 
Emendation, weil sie selbst wegen der gesperrten Stellung des 
reo ösvtsqco in ELP (vgl. H) durch die Verbindung desselben 
mit reo ipaXfico emendirt ist. 

Häufig werden nag und ajtag vertauscht. Da letzteres in 
den Act. verhältnissmässig selten ist, lag es zunächst nahe, ihm 
die gewöhnlichere Form zu substituiren. Ohne Varianten steht 
die offenbar den Begriff verstärkende Form 4 mal, einmal völlig 
gesichert gegen HLP (25, 24), zweimal gegen D (2, 44. 5, 16) 
und einmal gegen K (4, 31). Lehm, liest 16, 3 mit CD tjösioav 
yaQ jiavxsq, Lehm. u. Treg.txt. 16, 33 oi avxov xavreg nach 
ACDEHLP statt axavxeg (KB). Zweimal nimmt Tisch, allein, 
einmal mit Lehm, eine Vertauschung der verstärkten Form mit 
der einfacheren an; aber das rjv avroig ajtavxa xoiva 4, 32 
(KAEP gegen BD) ist offenbar Conformation nach 2, 44, das 
ovx iöov anavxeg ovxoi 2, 7 (tf ACD gegen BE) und das rjOav 
ofto&vfiaöov ajiavreg 5, 12 («DP gegen ABE) sind Stellen, wo 
der Context so sichtlich zu einer Verstärkung aufforderte, dass 
hier an absichtliche Emendation gedacht werden muss. Bern, 
noch, wie K 2,7 dicht vorher ein ajtavreg einbringt und ebenso 
noch 27, 36, das nach v. 33 conformirt, während die vier anderen 
Stellen, wo die stärkere Form steht (HP 6, 15, E 15, 12, EP 
2, 14, C 2, 4), ebenso sichtlich Emendationen sind. — Die selt- 
nere, und darum sicher mit einer gewissen Absichtlichkeit ge- 
brauchte Form ov&ev (statt ovösv) ist völlig gesichert in der 
Redensart Big ov&ev Xoyiö&Tjvai 19, 27 (tfABHP gegen DEL), 
aber auch in dem so stark betonten ov jiei&ofiai ov&ev 26, 26 
(»B gegen HLP, während AE das Wort fortlassen, CD fehlen) 
und ovd-sv xarsxQivev 15, 9, das selbst Tisch, nach BHLP gegen 



Digitized by 



Google 



14 !• Wortvertauschnngen. 

tf ACDE (Lehm. WH. a. R.) aufgenommen hat, und dem sich das 
ganz analoge f/rftev xoooXaßoiitvoi 27. 33 anreiht, das alle Edi- 
toren mit «AB gegen CHLP aufgenommen haben. Der ältere 
Text neigt zu einem ausgedehnteren Gebrauch der Form. Es 
ist aber sicher weder mit B das ov&ug 5, 13 oder gar das (itj&sv 
vor arojtov 28, 6, noch mit Tisch, das iftariöfiov ov&tvog exe- 
frvfir/Ga 20, 33 (gegen BCDHLP) aufzunehmen. Vgl. noch A 

27, 34 ov&evog yao ty/cor, wo v. 33 firftev vorhergeht, AL 23, 14 
(iiftsvoq yevoaofrat, D 5, 36 eyev. sie ov&ev., das noch am 
meisten dem Gebrauch in 19, 27 entspricht, aber gegen KABCEHP 
nicht zu halten ist. Das? die Emendatoren die Form vielfach 
entfernt haben, zeigt HLP 26,26, CHLP 27,33, DEL 19,27, 
weshalb es besonders wichtig ist, dass sie dieselbe 15, 9 neben 
B in HLP belassen haben. 

So auffallend es ist, dass 27, 20 (nur gegen K) bju jtXttovag 
tjfisQ. steht statt des 13,31. 21, 10. 24, 11. 25, 14 völlig ge- 
sicherten nXeiovg ?///., so wird man doch das ganz vereinzelt in 
B 25, 6 sich findende jtXsiovag (D bewegt sich 13, 31 sehr frei) 
nicht aufnehmen können. Auch statt des oi JtXeiovg 19, 32 
(vgl. 23, 13. 21) tritt 27, 12 nur gegen HLP oi xXeiovsg auf, und 

28, 23 xXeiovsg ohne Varianten. 

f. Tisch, liest 7, 13 tpavkoov tytvtro reo (paoaa) xo yevog 
avrov (fccAE 40 vg arm). Allein dies avzov ist offenbar dem 
Parallelgliede (roig aöeX<poig avrov} conformirt, und das yevog 
ico6?)<p (BC, vgl. Lehm., Trg. txt, WH.) schon darum nicht Emen- 
dation, weil die Emendatoren rov igoö. (DHP) schrieben, und die 
Wiederholung des eben dagewesenen icoö. vielmehr schwerfallig 
schien. Ganz ähnlich findet sich das Pron. statt des Subst A 
13, 32. C 7, 55. 10, 21, selbst in D 7, 52. 12, 20. 21, 40. Sonst 
ist allerdings die Ersetzung des Pron. durch das Subst. eine der 
häufigsten Emendationen (L 16, 17. 22, 27, P 3, 11, LP 10, 7, 
HLP 20, 7. 22, 16. 24, 23. 28, 17, EH 12, 13, DE 14, 9, E 13, 14. 
26. 18 und etwa achtmal in D); aber hier ist überall mit Händen 
zu greifen, weshalb das Pronomen im Zusammenhange einer Er- 
läuterung zu bedürfen schien. Einmal scheint sich sogar in B 
eine solche zu finden. Aber die Ersetzung des avrov de rovrov 
25, 25 durch avrov de rov navXov ist so unnöthig und in der 
Rede des Festus, in welcher der Name des Delinquenten ab- 
sichtlich gar nicht genannt wird, so ungeschickt, dass die Ver- 



Digitized by 



Google 



1, f. Vertauschungen von Pronominibus. 15 

muthung nahe liegt, es sei durch blosse Verlesung des jtavlov 
eingekommen. Vgl. 13, 17, wo das xov löoatjl statt xovxov ioq. 
offenbar reiner Schreibfehler. Dass 24, 24 B allein mit vielen 
Min. das ursprüngliche xr\ töia ywaixi hat, das KE durch x. yw. 
avxov ersetzen, während A beides verbindet und CHLP ein- 
fach das schwierige töia weglassen, ist von allen Editoren an- 
erkannt. 

Wenn Lehm. Tisch. 3, 10 ejieyivwöxov de avxov oxi avxoq 
7]v (tfAC 7 Min. vg. aeth ) lesen statt ovxoq (BDEP Min. sah. 
cop. arm.), so ist doch klar, dass das avxoq eine, und zwar ziem- 
lich mechanische, Conformation nach avxov ist, wie ebenso E 
3, 12 das xov jteoutaxeiv xovxov (st avxov) nach &ai\ua£exe em 
xovxw, und das xovxoiq x a Q l0aö ^ ai 25, tl in CL (st. avxoiq) 
nach ovxoi xaxtffOQOvGiv. Eine Vertauschung des in den Act. 
so häufigen avxoq mit ovxoq kommt nur D 17, 25. 20, 35 vor, 
und ebenso das Umgekehrte D 10. 47. 13, 23, E 13, 38, auch B 
11,27, wo es wohl reines Schreibeversehen. Daher ist auch 
nicht daran zu denken, dass das oxi avxoq eaxiv 10, 42 (Tisch, 
allein nach 8AHP, den meisten Min. vg. d e Iren. int. Chrys.) in 
ovxoq (BCDE 10 Min. syr. sah. cop.) emendirt ist. Vielmehr 
ist das avxoq einfach dem avxco — avxov v. 41 conformirt. Auch 
10, 9 hat nur Tisch, oöoucoqowxwv avxcov (fcCAEL u. viele 
Min.), das doch einfach dem avxoiq — avxovq v. 8 conformirt 
ist, wie in LP v. 10, freilich sehr verfehlt, das avxcov nach dem 
richtigen exeivmv v. 9 (BCP Min. Chr. d e vg.). 

Sehr häufig ist die Vertauschung von tjf/eiq und vfieiq. Mit 
Recht hat Wfl.txt. 7, 88 das öovvai vfiiv (xB 36. 43) aufge- 
nommen, das absichtsvoll v. 53 vorbereitet, da das tjjuv offenbar 
dem xojv jtaxeomv r/fdeov conformirt ist, wie K hier das rjftojv 
nach dem folgenden vfiiv in vficov (37.) conformirt. Solche 
Conformationen sind sehr häufig der Grund dieser Vertauschungen. 
Vgl. 13, 26, wo CEHLP nach oi ev vfiiv <poßovfievoi x. &sov 
fortfahren: vfiiv o Xoyoq statt 7jfiiv (tfABD, vgl. Tisch. WH.), 
während AD umgekehrt das ev vfiiv nach dem folgenden 7}{uv 
in $v r/fitv conformiren. Ebenso EHLP xt}v &eov vfioov 19, 37 
nach dem vf/aq v 36, AL aq> svoq exaox. vfimv 17, 27 nach dem 
v. 28 folgenden xafr vpag, AD xvoioq o &eoq vpatv (Lehm. Treg.) 
nach vfiiv avacxtjöei 3, 22, und in einzelnen Cod. (A 7, 44, 
fct 15, 24). Freilich kommt in 7, 38 hinzu, dass der Grund, wes- 



Digitized by 



Google 



16 I. Wortvertauschungen. 

halb das öovvac v/iiv auf die Hörer bezogen war, übersehen 
wurde. Es kommt nemlich noch häufiger vor, dass, um dem 
Gedanken eine allgemeinere Beziehung zu geben, das vpetg mit 
rjfisig vertauscht wird. Vgl. AHLP: 14, 17 xag xaQÖiaq rjficov, 
16, 17 xaxayyeXXovOiv rjftiv (Lehm.); ALP: 27, 34 JCQog xrjq 
?/fi€T6Qag 0<oT7]Qiag, DEHLP: 15, 7 ev ift/iv et-eXegaxo, HLP: 
2S, 25 JiQoq xovg jtaregag ///*cöj> ; D 2, 39 rjfiiv — xai x. xexvoiq 
7](ia)V. Dann aber wird dieselbe Aenderung in dem jtQog xovg 
jiarsQag r^icov 3, 25 Tisch. Lehm, nach fccCDP, den meisten Min. 
vg. cop. syr. aeth.) vorliegen, zumal es 3,13 o &tog r. jtarsQwv 
rjficov hiess. Dass das v/tcov (Treg.txt. WH.txt. nach ABE 25. 38. 
61. 69. sah.) nach dem vfieig eoxe conformirt sein sollte, ist 
ganz unwahrscheinlich, vielmehr ist auch aus exegetischen Grün- 
den das vficov entschieden vorzuziehen. Dann aber muss auch 
4, 12 gegen alle anderen Textzeugen und Editoren mit B ev <d 
öei oco&rjvai v/iag gelesen werden, da ein Grund zu dieser Aen- 
derung bei der ganz allgemeinen Form des Satzes nicht ersicht- 
lich ist. Das einzige Mal, wo wirklich B mit einigen Min. cop. 
allein eine solche Vertauschung hat, ist das xa>v xa& tjfiag Jtonf- 
xeov (WH. a. R.), eine ganz gedankenlose Aenderung nach den 
beiden umstehenden eöf/ev. Solche ganz sinnlose Vertauschungen 
kommen auch sonst in K 25, 5. 28, 15, C 2, 38, AD 10, 39 und 
sehr häufig in D vor. 

Tisch., Lehm., Trg. haben 14, 17 nach «ABE das unmög- 
liche ovx apagxvQOV avxov aq>r\xev statt eavxov (CDHLP); aber 
so lange man daran festhält, das avrov (WH.) aus dem Neu- 
testamentlichen Texte zu verbannen, muss, wie Apok. 8, 6. 18, 7. 
1 Joh. 5, 18, hier die Lesart der jüngeren Cod. vorgezogen und 
das avrov für einen alten Schreibfehler gehalten werden, wie 
er H 8, 34, HLP 21, 11, D 7, 21. 20, 28, tf 19, 31, auch wieder- 
holt in B 10, 17. 12, 11. 28, 16 vorkommt, obwohl namentlich 
die letzte Stelle doch recht wahrscheinlich macht, dass ein avrov 
beabsichtigt ist. An anderen Stellen ist die Reflexion freilich 
absichtlich fortgelassen, weil man ihr Motiv nicht erkannte. So 
sicher 20, 30, wo nur Lehm. ed. maj. Trg. a. R. ojtioa) avxa>v 
lesen statt eavrov (KAB). Ganz derselben Art ist aber 14, 14, wo 
Lehm WH. nach AB 13. 14. 18. 36. cat. xa ifiaxia eavxwv lesen 
statt avxov (äC DEHLP). Dann muss man aber consequenter 
Weise auch mit B allein 7, 58 gegen alle Editoren das xa ifiaxia 



Digitized by 



Google 



1, g Vertauachungen von Pronominalcasibus. \J 

eavxcov festhalten gegen KACDE. Zu einer Einbringung des 
Reflexivs liegt nicht der geringste Grund vor; eine solche 
kommt nur L 20, 10, CH 7, 47, K 15, 33 vor, und ist wenigstens 
in den beiden letzten Stellen ganz sinnlos, wahrscheinlich blosses 
Schreibeversehen. 

Wie HLP 24, 19, EHLP 22, 13, DEHLP 22, 8, AEHLP 
23, 22 (Lehm.). CDEHLP 13, 25, so ist natürlich auch 20, 22 das 
owavxrjoovxa efiot («B, Tisch. WH.) in fioi (ACDEHLP) ver- 
wandelt; und wie & 3, 24, C 5, 37, so auch 2, 39 das oöovg av 
in ovg (AC, Lehm.). Auch 10, 45 ist das jiiöxoi oi (B d vg. sah. 
cop., Lehm.) statt ocoi reine Nachlässigkeit. 

g. Das xQooexa&v avxoig 10, 48 (tfA 33, vgl. Tisch.) ist 
eine der im älteren Texte so gewöhnlichen gedankenlosen Aen- 
derungen, sofern der Abschreiber zunächst einen Dativ erwartete, 
weshalb mit Recht alle anderen Editoren das avxovg (BDEHLP) 
festgehalten haben. Ganz analog ist das oqböxov sotip tjfiiv 
CD 6, 2 oder edcoxev avxco D 10, 40 (vgl. D 16, 21, wo auf das 
ei-eoxiv rj/iag — gcofiaioig ovoiv folgt), während die Emendationen 
des Dat., um ein Subj. des Acc. c. Inf. zu erhalten (H 20, 16, 
HLP 11, 26), doch ganz anderer Art sind. Dass aber das rjoav 
de xiveg 19, 14 zunächst eine durch das xiveg v. 13 veranlasste 
gedankenlose Aenderung des rivog (BE) ist, die bei dem folgen- 
den ejtxa vioi ganz unmöglich und von den Emendatoren erst 
durch Heraufnahme des vioi vor öxeva (HLP) erträglich gemacht 
ist, hat nur Tisch, verkannt So frei sich D bewegt, und ob- 
wohl er bereits vioi ganz heraufnimmt (ev oig xat vioi öxeva 
xivog), so erhellt doch, dass er in seiner Grundlage noch xivog 
las. Ebenso kann das xov oxevayfiov avxov (Tisch, nach 
KACEHP) 7, 34 nur aus den LXX stammen (vgl. Exod. 2, 24 mit 
3, 7) oder dem folgenden avrovg conformirt sein; denn daraus, 
dass dies in BD nicht geändert ist, erhellt, dass das avxov nicht 
emendirt ist, weil man an der constr. ad syn. Anstoss nahm. 
An sich freilich geschieht es nicht selten, dass eine Emendation, 
wenn der vermeintliche Anstoss wiederkehrt, und sich also zeigt, 
dass kein Fehler vorlag, aufgegeben wird (vgl. B 23, 18 und 
dazu b, B 10, 1 und dazu d); allein dass die Emendatoren auf die 
LXX reflektirten, zeigt das ev a> v. 33 (EHP) statt etp m\ und 
dass das avxov der Grundlage von B angehört, erhellt daraus, 
dass er gerade nach den LXX rpcovea in axrjxoa ändert, also 

Texte und Untersuchungen IX. 3. 4. 2 



Digitized by 



Google 



18 I. Wortvertauschungen. 

sicher nicht das von ihnen abweichende avrov erst eingebracht 
hat. Das sinnlose roig rsxvotg r\na*v 13, 32 (KABCD), das alle 
Editoren aufnehmen, kann ich nur für eine gedankenlose Correctur 
des unverstandenen r. rexv. avrcov rjfiiv (EHLP) halten. VgL 
noch die sinnlosen Verschreibungen in B 10, 24 (avrovg st. avrov 
nach rovg ovyyevsig) und 17, 23 (xarayysXXco v/kdp st. v/iiv). 

2. Vertauschung von Verbis und Verbalformen. 

a. Sehr häufig vertauscht wird das Simplex mit dem Compo- 
situm. Da Luk. überhaupt die Comp, liebt, so war die Ein- 
bringung derselben auch da, wo das Simpl. stand, sehr nahe- 
liegend; zumal damit meist eine Verstärkung des Ausdrucks er- 
zielt wurde. Tisch. Lehm, lesen 18, 7 mit «AD, vielen Min. und 
Vers. uorjX&ev eig oix. statt tfi&ev (BEHLP). Allein auch 
L 28, 14, HP 11, 20, E 25, 23, DEHLP 13, 14 findet sich dieselbe 
Einbringung des Comp., und das Umgekehrte nur 28, 16, wo 
das Simpl. in HLP nach v. 14 conformirt ist. Eher könnte in 
dem xareX&ew 19, 1 («AE Min. arm. , vgl. Tisch.) die Praep. 
vernachlässigt sein (BHL: sX&eip); aber hier gerade legte das 
öisX&ovra xa aporsQixa (i8Q?j die Näherbestimmung durch 
das Comp, sehr nahe; und so frei sich D bewegt, so zeigt doch 
sein eqxstcci, dass auch er noch in seiner Grundlage so las. 
Am wenigsten aber darf das aveyvcoQiö&T] 7, 13 (8CDEHP), das 
Tisch, allein in den Text genommen, dem Simpl. (AB) vorge- 
zogen werden, da hier, abgesehen davon, dass das Comp, so viel 
bezeichnender, dasselbe durch Gen. 45, 1 so nahe gelegt war. 
Sogar nach K (27. 29. 40. 105) allein hat Tisch. 28, 6 das ep- 
jiijiqccö&cu aufgenommen, statt des jtifijiQaö&ai (Lehm. Treg. WH. 
nach BHLP, den meisten Min. cat. Chrys.). Dass hier nicht etwa 
EM nach EIN aus Versehen abgefallen, erhellt daraus, dass zu- 
gleich, wie in dem Comp, stets, in X das (i weggefallen ist; dass es 
auch in A (jtutQaG&ai, vgl. 1. 3. 4. 68) fehlt, hat seinen Grund 
entweder in einer halben Correktur oder in einem nachlässigen 
Ausfall desselben. Sicher hat das Comp, so wenig Anspruch 
auf Echtheit, wie das eviöxvaev und nQoax&r\vai K 9, 16. 25, 6, 
das sxtpvyeiv und ejve{iuva[ter A 27, 30. 21, 7, das öiefiaQTVQrjoev 
und e$ajioörsXXa> C 15, 8. 26, 17, das smxaXovfi. CD 15, 37 
(vgL HP 15, 22, D 13, 1), das xeQiexovoav AHLP 23, 25, das em- 
ßoa>prsg CEHLP 25, 24, das tfißXtJietv ACD 11, 1 (Lehm.), das 



Digitized by 



Google 



2, a. Vertausch ungen von Simplex und Compositum. 19 

ajtaysiv AE 23, 10 (Lehm. Min.) oder das txxolvfiß. B 27, 43, 
das ausserdem nach v. 42 conformift ist, oder gar das bvxbxoxxcu 
B 22, 10, wo der Schreiber offenbar s vxBxaXxai erwartete. Vollends 
in den eigentlich emendirten Cod., wie HLP, DE (vgl. besonders 
EHLP 12, *, DEHLP 18, 23) ist dies überaus häufig. 

Noch viel häufiger freilich (nemlich etwa 75 gegen 55 mal) 
wird das Simpl. anstatt des Compos gesetzt, und zwar ziemlich 
gleichmässig in allen Cod und Codicesgruppen. Allein hier ist 
sicher bei weitem am häufigsten die Fortlassung der Präposition 
reine Nachlässigkeit, wo nicht geradezu Schreibfehler. Tisch, 
allein hat 18, 2 nach 8DELP Min. öia xo xBxcqBvai aufge- 
nommen, obwohl gerade hier der Wegfall des xa — nach 
xb — in tf zeigt, wie leicht im älteren Text nach dem öia xo 
das öia von öiaxBxa%. (ABH) verloren ging. Nirgends haben 
die Abschreiber an dem Simpl., das nur einmal weniger als das 
Comp., nemlich 4 mal, vorkommt, Anstoss genommen, da D 
sich 15, 2 ganz frei bewegt und das bvxbx. B 22, 10 (s. o.) ganz 
andere Gründe hat. Sicher ist doch auch das ev- von evef/eivsv 
28, 30 (äB) ursprünglich aus Schreibeversehen abgefallen, und 
die Lesart efieivsv (Lehm, nach AEHLP) hat nur so weite Ver- 
breitung gefunden, weil es eben der gewöhnliche Ausdruck statt 
des ganz einzigartigen war. Wie sehr häufig in fet, A, C, ist 
auch in B 4, 36 SQfirjvevoftspov geschrieben statt {ie&6Qfi. (vgl 
E 13, 8), 21, 32 Zaßcov (vgl. d, Lehm. WH a. R.) statt xaQa- 
Xaßcov, 27, 39 tyivcooxov (vgl. 25) statt sxeyipmöxov. Das 
ovöev eßZejtov 22, 11 (B, WH. a. R.) ist schwerlich absichtliche 
Emendation des schwierigen ovx eveßXejiov (Lehm. Tisch, nach 
KAHLP), wie das ovx sßXejtov (Treg. a. R.) in E, sondern ein- 
fache Substituirung des nach 9, 8 Erwarteten, in den Schrift- 
zeichen fast Gleichförmigen. Dagegen ist das ajiooxsZa) ob B 
22, 21 (vgl. E, WH. a. R.) statt s£ajtoöxBX<o reine Nachlässigkeit, 
wobei dem Abschreiber vielleicht 7, 34. 26, 17 vorschwebte. 
Hienach muss ich auch mit Lehm. Tisch. Treg. 3, 25 das BvevXoyt^ 
&rjooyxcu (aDEP, vgl. C) festhalten. So nahe die Einbringung 
des Comp, aus den LXX lag, wo dasselbe immer wiederkehrt 
(Gen. 12, 3. 18, 18. 22, 18), so ist doch der Abfall des EN vor 
JEF in dem BvXoyrj&. AB, 6 Mjsc. (WH.) noch wahrscheinlicher, 
zumal die Correspondenz des v. 26 folgenden Bvkoyovvxa das 
Simpl. empfahl. Gegen alle Editoren aber muss ich das btcbObv 

2* 



Digitized by 



Google 



20 L Wort?ertauschungen. 

sjt avxov 13, 11 («ABD) für einen Schreibfehler des älteren 
Textes halten, der in CEHLP bereits verbessert ist. Derselbe Fehler 
findet sich nicht nur in D (11, 15. 20, 10), sondern auch in AD 
10, 44 (Lehm.), ADE 19, 17 (Lehm. Treg.), d. h in allen Stellen, 
wo das BJtsjiBOBv vorkommt, und das Simpl. ist durchaus gegen 
den lukanischen Sprachgebrauch. 

b. Tisch, liest aveßTjfiev sig xo Jtkocov 21, 6 («AC, 10 Min. cat.) 
statt BVtßrjfiav (BE 68. 73. Chrys.), das die anderen Editoren vor- 
ziehen, und wofür doch auch das ejteßtjftsv (HLP) spricht. Aller- 
dings ist das efißaiv. das Gewöhnliche; aber Mark. 6, 51 steht 
avaß. ohne Varianten und Matth. 14, 32 ist es nur nach v 22 in 
efdß. conformirt Dagegen zeigt sich eine Neigung, das efißaiv., 
das Luk 5, 3. 8, 37 ohne Varianten steht und 8, 22 nur in FLM 
geändert ist, mit avaßcuv. zu vertauschen, was ausserdem noch 
sechsmal in KL, AK, CD, A geschieht. So wird auch hier das 
aveßrjfiEV eingebracht sein. Ebenso ist das vjtavxtjOai 16, 16 
(KBCE) gegen cutavxrfiai (ADHLP, vgl. Lehm.) durch die in 
den Evang. ganz vorherrschende Neigung, jenes in dieses zu 
verwandeln, völlig gesichert; das jcaQayyeXXei 17, 30 (Lehm, 
nach ADEHLP) offenbare Emendation statt anayy. (äB), da ein 
gebietender Inhalt folgt; das emöxQEtycu 26, 18 (tfBCEL) dem 
folgenden ajto entsprechend in AH in cuioöxq. verwandelt, und 
das axedez&rjoav 15, 4 (CEHLP) der gewöhnlichere Ausdruck 
statt xctQeö. (KAB). Ganz sinnlos werden in den Cod. die Comp, 
mit jiqo und xqo<; verwechselt, und zwar besonders im älteren 
Texte. Vgl. K jtQoayayeiv 27, 27 und xqotjX&sv 12, 13, C jtqo<j- 
yiva>öxovxe$ 26, 5, B xqotjqxov 28, 9, CDH 22, 25 jiqoqbxuvclv 
(-vev), vgl. DL 12, 10 jtQOG?jXfrov, fccP 22, 14 jtQootxuQioaxo. 
Hienach kann doch kein Zweifel sein, dass 12, 6 Jtgoay. zu 
schreiben ist statt jtQOöay. («B, vgl. WH.txi), 20, 13 JtQO&Xfrop- 
xec KCL) statt jtQooeXfr. (ABEHLP, vgl WH. a. R.), und sogar 
20, 5 mit D allein (Lehm. Tisch.) jtQoeX&otneg statt jtQooeX&. 
(8ABEHLP, vgl. Treg. WrLtxt.). 

Wie leicht das eßovZovxo (Lehm., Treg.txt, WH. nach ABB 
Min. cat. sah. cop. arm. aeth.) in das scheinbar bedeutungsvollere 
sßovXevovxo (tfDHP, vgL Tisch.) 5, 33 verwandelt wurde, zeigt 
die emendirte Lesart in 15, 37 (DHLP), während die umgekehrte 
Vertauschung (A 27, 39) vielleicht reiner Schreibfehler ist. Das 
BXQOTcotpoQ^osv 13, 18 (Treg.txt. WH. nach tfBDHLP Min. vg. 



Digitized by 



Google 



2, b. Vertauschungen von Verbis. 21 

Chrys.) ist wohl kaum wegen der Schwierigkeit, die es im Ver- 
gleich mit 1 Kor. 10, 5 ff, Hbr. 3, 6 ff bildet, sondern einfach nach 
Deut. 1, 31 in eTQO<po<jpoQf]öei> (Lehm. Tisch, nach ACE) ver- 
wandelt, was ohnehin entschieden die leichtere Lesart ist. Das 
exa&tQiOBv 11, 9. 10, 15 (Treg. nach AHL, ACHL) ist eine fehler- 
hafte Aussprache, die sich zwar anderwärts mehrfach auch in 
A, Mtth. 8, 3. Mrk. 1, 42 selbst in B findet, aber doch nicht als 
stehende ältere Schreibweise bezeugt ist. Das exo(iGVG) 13, 44 
(Lehm. WH. a.R. nach AE Min.) ist absichtliche Näher bestimm ung 
des scheinbar zu unbestimmten, aber durch v. 42 seine Bestimmung 
empfangenden sQXOfieva). Ganz unmöglich ist das jteQieZovreg 
28, 13 (WH. nach äB), da weder ayxvQag dabeisteht, wie 27, 40, noch 
die Erwähnung des Ankerlichtens hier irgend einen Zweck hat. 
Es ist einfach in jteQieWovTeg (AHLP, vgl. Lehm. Tisch. Treg.) 
das S vor aus Versehen ausgefallen. Gedankenloses Schreibe- 
versehen ist auch das ajteoreiXafiev (Lehm. Treg.txt. WH.txt. 
nach BD 40 cop. arm.) statt sneoreiXafiev 21, 25, das bxöcoöcu 
BC 27, 39 statt et-cooeu, wie das e&Zegaro B 7, 38, avacxT}Oai 
B 11, 25. Nur das jtsfitpov B 11, 13 statt ajtoorsiZov ist eine 
der gewöhnlichen Conformationen nach 10, 5. 32, wie auch das 
avaozrj&i xai eioi&i statt eiöeZ&s (B 9, 6) mechanische Confor- 
mation ist. Ganz willkürliche Aenderungen sind das rjgiow 
statt xctQ&ccdow B 13, 42 und das sxexeoev statt eyspero 23, 7 
(B, vgl. WH. a. R.), wo der Abschreiber wohl etwas Anderes 
erwartete, wenn ihm nicht 10, 44 vorschwebte. 

c. Von den Temporibus werden am häufigsten Imperf. und 
Aorist vertauscht, und zwar so, dass letzterer häufiger statt des 
ersteren gesetzt wird (c. 40 mal), als umgekehrt (c. 25 mal). 
Natürlich ist auch hier Conformation der nächstliegende Grund, 
wie 25, 7, wo K a ovx löxvoav schreibt (statt taxvov), weil ne- 
QisOTTjaav vorhergeht. Ohne Frage niuss gegen alle Editoren 
11, 18 mit AEHLP Min. arm. edoga&v gelesen werden, da das 
edogaoav (äB, vgl. D) offenbar dem qovxccöav conformirt ist, 
während schlechterdings nicht denkbar ist, wie die Emendatoren 
zur Einbringung des inconformen Imperf. gekommen sein sollten, 
da die Parallelen 4, 21. 21, 20 (vgl. 13, 48) doch sicher nicht an 
sich zu solcher Conformation reizten. Auch 2, 6 ist das rjxovoev 
«B 15. 37 (WH.) offenbar dem övvrjJL&ev — xai övvexv&rj con- 
formirt und mit ADE ?/xovov (vgl. C) zu lesen, worüber Näheres 



Digitized by 



Google 



22 !• Wortvertauschungen. 

2, f. Gerade so hat B allein 12, 15 oi de euiav (d Chrys., vgL 
Lehm. WH. a. R.) statt sXeyov nach dem vorhergehenden oi de 
— eixav, das D umgekehrt in eXeyov verwandelt. Dagegen 
kann die abstrakte Möglichkeit, dass das rjxovev 14, 9 (BCP 
Min. sah., vgl. WH.) durch Wegfall des C vor £ oder durch 
Conformation mit dem nachfolgenden xov jcavX. XaXovvtog ent- 
standen ist, unmöglich dagegen in Betracht kommen, dass das 
dicht vorhergehende jteQiexaTqoev, wie das folgende eucev zur 
Verwandlung des Imperf. in den Aor. tjxovöev (iCADEHL) ungleich 
näher aufforderte. Noch häufiger ist es das vorhergehende Part. 
Aor., das zur Verwandlung des Imperf. in den Aor. aufforderte, 
wie in dem jtQooeX&ovr eg eneivov (ä 20, 5), xareXbwv — öie- 
TQiipev, jteioavreg — rjT?/OavTO (A 12, 19. 20). So schrieben 
KD 21, 20 axovcavreg eöo^aoav. AEHLP 23, 6 yvovq — exQagev 
(Lchm.nTreg. a. R), CHLP 16, 15 eioeX&ovreq — fietvare, 
CEHLP 8, 25 öcafiaQTVQafievoc x. XaXrjöavrtg — vjteotQetpap (statt 
vjieöTQE<pov), während HLP noch x. evrjyyeXtoavxo (st. evtjyyeXi- 
tpvxo) fortfahren. Gerade so ist aber das avaotag — eorjfiavev 11,28 
(Tisch. Treg. nach K AEHLP) zu beurtheilen, wo B mit d vg. 
allein das richtige eor\{iaivev (Lehm. WH.txt.) erhalten hat. Dann 
aber kann auch das qxDvrfiavxeq ejtv&ovxo 10, 18 (BC, WH.txt) 
und das löcov e&av(iaoev 7, 31 (Lehm. Treg. WH. nach ABC), 
dem a><p&T] vorhergeht und eyevero folgt, nicht statt ejivv&a- 
vovxo und e&av fia^ev aufgenommen werden. 

Umgekehrt schreibt K 28, 2 nach xaQeixav mit 137 xqoo- 
aveXafißavov , wie AH (Lehm.) 27, 41 efievev wegen des eXvtvo 
im Parallelgliede, und A 14, 3 öietQißov wegen des folgenden 
xaQQTjöia&fievoi (vgl. E 1, 4: owaXi^o^evog jtaQ7ffyeXXev). Die 
Vermuthung, dass das nyev kB 5, 26 (d) durch nachlässigen 
Ausfall des ya vor yev entstand, wie das rjyov A 17, 19, ist gegenüber 
der oben beobachteten häufigen Conformation des Verb, nach 
dem Part. Aor. (ajteXd-cov — rjyayev: AEP, vgl. D, Treg.txt.) offen- 
bar unhaltbar, zumal hier dasselbe durch das folgende ayayovreg 
v. 27 so nahe gelegt war, während das cutaye 23, 17 (tfB 2. 30 
37. 40. 61, vgl. Tisch. WH.) allerdings Schreibfehler für ajiayaye 
(ACE HLP Min. Chrys., vgl. Lehm. Treg. a. R.) sein wird. 

Obwohl es nicht an Fällen fehlt, wo das Perf. statt des Aor. von 
den Emendatoren eingebracht ist(HP7, 5 2, HLP 9, 13,E 15,30,DEHP 
7, 40, vgl. auch «11,17, während das Perf. D 7, 34 aus den LXX her- 



Digitized by 



Google 



2, c. d. Vertauschungen der Tempora und Modi. 23 

rührt), so kommt doch auch das Umgekehrte vor. Vgl. C 16, 36, 
CHP 7, 35 und das von Niemandem aufgenommene BJcXrjQcooazB 
5, 28 («A 15. 18. 36) statt jienlrjQoxaze. Hienach ist aber gar 
kein Grand, dem rjöixTjxa in äB 25, 10 (Tisch. WH.) das offenbar 
emendirte i)6uxr\oa (ACEHLP, vgl Lehm. Treg. a. R.) vorzuziehen. 
Das efcaQTVQst B 22, 5 ist entweder ganz gedankenlose Aen- 
derung, da ja damals niemand ein solches Zeugniss bedurfte, 
oder wahrscheinlicher blosser Schreibfehler, durch Verdoppelung 
des C am Schlüsse von aQXUQevq entstanden, wie sicher das 
oixodofirjoazs B 42 (7, 49) statt oixoöofirjoszE (vgl. B 8, 13, BD 
21, 25, «B 21, 23, CDL 21, 15). 

d. Sicher mit Unrecht hat Tisch das ev§a(i7)v av 26, 29 
(äHLP) dem svgaifMjv av (AB) vorgezogen ; es kann nur zweifelhaft 
sein, ob der Ausfall des / vor M blosse Nachlässigkeit, oder ob 
Emendation beabsichtigt war. Ebenso auch das iva ^vQtjöovzai 
21, 24 (Tisch. Treg. WH. nach KBEP), das eine ganz mechanische 
Conformation nach dem folgenden xai yvcoöovzai ist, obwohl 
dasselbe gar nicht von iva abhängt. Mit Recht hat Lehm, das 
gvQTjocovxai nach ACHL (vgl. D) beibehalten. Vgl. 28, 26 das 
sinnlose axovOtjze xai ov firj ovvTjre — ßketprjzs x. ov pi? lör/zs 
in AE, AEH, wie 28, 27 das emazQEipovOiv xai laoofiat in AE. 
Ebensowenig darf gegen Lehm. 8, 31' (AHLP) eav fit] zig oötj- 
yrjoec fie statt -yrjöri geschrieben werden nach fccBCE 13. 56. 100. 
163, oder 5, 15 mit B 13. 31. 100. 101. 58. 133 xav tj oxia 
ejciöxiaösL (Treg.txt. WH.). Es ist dies nichts als die häufige 
Verwechslung von st und rj (vgl C 3, 22, AL 13, 41 und umge- 
kehrt A 11, 14). Ebenso wenig darf 7, 7 nach ACD 26. 96 sah. 
das co eav dovkevoovoiv aufgenommen werden (Tisch. WH.), das 
lediglich mechanische Conformation nach dem öovZcooovoiv x. 
xaxwoovöiv v. 6 ist Vgl., wie unmittelbar darauf umgekehrt 
CE 73 das sinnlose XarQevccooiv haben, und C 2, 15 fied-vcoacv 
st. -ovoiv. Ohnehin werden ja w und ov oft genug in den Cod. 
verwechselt (vgl. A 16, 39, C 23, 11, D 5, 4. 12, 6). Das em* 
öxeipwfie&a B 6, 3 (statt -ipaofre) ist eine ganz gedankenlose 
Correktur nach dem vorhergehenden rjfiag und dem folgenden 
xazaöTtjöOfiev. 

Garnichts für sich hat das t}Z7}Oav xov xzZ. K 13, 28 (WH. 
a. R.), das doch reiner Schreibfehler för rjzrfiavxo xzX. ist, wie 
das jtaQuxs A 19, 24 (Lehm.), wo offenbar die Endsilbe von 



Digitized by 



Google 



24 L Wortvertauschungen. 

~X£*o vor roig abfiel. Erst DE haben jcaQsiysv. VgL noch in 
B 3, 2 eßaora^e, 28, 9 jiqoiiqxov^ während das xmg xoXaoooiv 
4, 21 (statt xoXaocovrai) ebenso willkürlich ist wie das evetpavi- 
oftr(Gav 25, 15 statt -vioav. Das evioxvd-?] 9, 19 (WH. Treg. a. R. 
nach BC 27. 29. 66. 105) ist dem tßcutTio&7j mechanisch confor- 
mirt. Auch das axorivagafievog AHL 28, 5 (Treg. a. B.) statt 
-gas hat garnichts für sich, und das avaarr^i xai xoqbv&tjti 
8, 26 (Lehm, nach C, vgl. D) ist doch offenbare Conformation, 
wie das avatpavevTtg 21, 3 (Lehm. Treg.) Emendation der 
dorischen Form des Aor. 1 Act. avatpavavxtg (tfB). 

e. Auch in den Partizipialconstruktionen werden vielfach 
die Temp. vertauscht. Dass 12, 25 das top sxixaZov/ievov in 
«A und der Minderzahl der Min. (statt smxXrftsvTa) nach v. 12 
conformirt ist, wird von Niemand bezweifelt; aber auch das fisro 
ßaUopevoi 28, 6 (Lehm. Tisch, nach «HL Min. Chrys. vg.) statt 
-ßaXofitvoi war nicht nur durch die vorhergehenden Part. Praes. 
jtQOdöox<DVT(Dv — &ecoQowrcov , sondern besonders durch das 
folgende eXeyov sehr nahe gelegt. Das oi Jtiorevovreg 2, 44 
(Lehm. Treg. nach ACDEP Min. Chrys.) ist nur der gangbarere 
Ausdruck, den das dabeistehende jtavrsg zum Substantiv erhebt, 
statt oi juöTtvöavrsg (fctB). Sehr auffallend ist dagegen das 
inconforme, exegetisch ganz unerklärliche oi fiev ow öta/jag- 
rvQO[ievoi xai XaXrjoaPTeg 8,25 (»LP 1 32. 40. 101) statt dia- 
fiaQTVQafievoit das auch Niemand aufgenommen hat, und das 
wohl eine ganz nachlässige Verwechslung von a und o ist, wie 
umgekehrt das durchaus unmotivirte öiafdaQTVQausvog K 28, 23. 
Ganz anders ist das vollkommen motivirte evayyeXi^ofieroi re 
xijV jioZiv exHVi/p xai (la&rjtevoavTec 14, 21 (ADEHP, tac. «), 
das Lehm. Tisch, mit Recht beibehalten haben, da das evayye- 
Ziöafdevoi (BCL Min. Bas. Chrys.) mechanische Conformation 
nach dem zweiten Partizip ist. Auch das rovro da avxov Xa- 
Xrfiavxog 23, 7 (Tisch, nach CHLP Min. Chrys.), wofür KAE 
das dann einzig natürliche eutovrog (Lehm. Treg. WH. a. B.) 
haben, ist dem folgenden eyepeto conformirt, sodass hier B 37. 
56. 95. 100 allein das richtige XaXovvrog (WH.) erhalten 
haben, das B wahrscheinlich zu der willkürlichen Aenderung 
des tyevxo (vgl. oben 2, b) bewog (tac. D). Vgl. die ähnliche 
Conformation in ACEHLP 23, 10: jcoXXt/g de ysvoftevtjg — <po- 
ßtj&eiq exsXevoep (Lehm. Treg.) statt yivofitryc (tfB). Aehnlich 



Digitized by LjOOQlC j 



2, e. Vertauschungen in Partizipialconstruktionen. 25 

könnte das avxtpcaxaxoZov&ovöa 16, 17 («BD 180) dem folgenden 
exoa^ev conformirt scheinen; aber mit Recht haben es die neueren 
Editoren dem xaxaxoXovd-rfiaoa (Lehm, nach ACEHLP) vor- 
gezogen, das absichtlich substituirt wurde, um den Beginn der 
eigentlichen Erzählung zu markiren. Das am stärksten bezeugte 
BvavtLOv xov xeiQavxog 8, 32 (Tisch.) ist so unnatürlich, dass 
mit Recht Lehm. Treg. WH.txt. das xeiQorxog nach BP und den 
meisten Min. (Orig.) vorziehen. Da auch unsere Cod. der LXX 
schwanken, so wird hier, wie 8, 25, eine alte Verwechslung von 
a und o vorliegen. Vgl. ADEH 20, 22 das gedankenlose ovr- 
avxrjoarxa statt -oovxa und umgekehrt das ganz unmotivirte 
diaxQtvovxa tfE 11, 12 statt öiaxQivavra und K 28, 18 avaxQi- 
vovxeg, wie D 21, 25 ajreöxeiZaper xQivovxeg. In weiterem 
Sinne gehört hierher das jtaQayerafierog B 23, 16 (vgl. yevafi. 
H 15, 25, E 10, 37. 16, 35, A 21, 40) und erofii^afiev C 16, 13, 
wie umgekehrt das 6vvof4e&a, övrofievov B 4, 20. 27, 15, 6uoxeilo- 
pe&a D 15, 24. Sinnlose Verschreibungen sind auch das vxo- 
ÖQaftowxeg B 27, 16 und ovXZaßovfisvoi « 26, 21. Das einzig- 
artige eXjii^ei xaxavxtjCeiv B 26, 7 muss ich mit WH. a. R. 
dem xaxavxrfiai aller anderen Zeugen vorziehen, da dies die 
gangbare Ausdrucksweise ist, deren Aenderung unerklärlich wäre, 
und von einem Schreibfehler keine Rede sein kann. 

Dass das iöov avögeg ^rjxoxm os (Lehm. Treg. txt.) 10, 19 
Emendation ist, statt des ty)xowxeg (äB 61), liegt auf der Hand. 
Sonst dient die Einführung der Parti zipialconstruktion wohl zur 
Verfeinerung des Ausdrucks, wie KHLP 25, 25: eyw de xaxaXaßo- 
(isvoq — avxov 6s xovxov ejtixaXeöafievov — exQiva statt xaxs- 
Zaßofi?jV., das Niemand aufgenommen hat. Noch ungleich näher 
aber lag das ayyeXog 6s — avoi^ag — et-ayaywv xs avxovg einer 
(»A 15. 18. 36. 40. vg., vgl. Tisch.) 5, 19 statt des fjPoi$ev, 
da das Offnen der Thüren ja nur Behufs der HeraustÜhrung 
geschah. Dagegen ist das avaoxa xooevd-rjxi B 9, 1 1 statt -ör«c 
mechanische Conformation nach dem folgenden Imp., wie D 
10,20. 11,7. Ohne Frage ist aber das xcu i6or avxov K 18. 
36. 180. d (Tisch.) 22, 18 absichtliche Markirung des eigentlichen 
Beginns der Erzählung (vgl. 16, 17), und nicht das xai i6siv 
Conformation nach yeveo&ai, da sicher nicht die Emendatoren 
beabsichtigen konnten, dies Hauptmoment von eyevexo abhängig 
zu machen. Ebenso hat Tisch, allein 14, 3 nach M 4. 21. 133 



Digitized by 



Google 



26 I. Wortvertauschungen. 

(vgl. 61) das diöovxog statt öiöovxi aufgenommen, das offenbar 
ganz mechanisch dem vorhergehenden avxov conformirt ist, wie 
6, 9 nach «A 5. 13. 33. 40. 45. 47. sah. cop. das xcov Xeyofievcov 
XtßeQxivcov statt xi?g Xeyofievtjg, das ebenso mechanisch den fol- 
genden mehrfachen Gen. plur. conformirt ist oder zur Hervor- 
hebung des von den folgenden Namen abweichenden XißeQxivcov 
dient. In B ist das jtaQayevofievoi 5, 21 mechanische Fortführung 
der vorigen Plurale, wie das ovxoog yccQ 6iaxexayy.evov r\v 
20, 13 statt -fievog gedankenlose Aenderung, die zum Folgenden 
nicht passt; aber auch das ajtoöJtao&evxeg BL 21, 1 (WH. a. R.) 
ist mechanische Conformation nach dem folgenden ev&vÖQO^" 
oavxeg, wo nicht einfacher Schreibfehler, wie das Xeyovxeg «AD 
6, 11, da die Vertauschung von a und e so ausserordentlich 
häufig ist (vgl. B 7, 49 u. dazu 2, c, avex&evxeg 13, 13, xaxeöxQep- 
fieva 15, 16), sowie das exXega/ievoic 15, 25 (ABL) mechanische 
Conformation nach dem vorhergehenden eöogev rjfiiv yevofievoig, 
obwohl es Lehm. Treg. WH.txt. aufgenommen haben. Auch das 
xQaCpwmv 19, 34, das Lehm. Treg. WH.txt. nach BDEHLP auf- 
nehmen, ist doch ganz mechanisch dem ex navxcov conformirt, 
da das schwierige xga^ovxeg (äA, vgl. Tisch.) sicherlich nicht 
Emendation ist. Am merkwürdigsten ist, dass das völlig struk- 
turlose ag^afievog 10, 37 (KABCDEH), das daher von allen Edi- 
toren aufgenommen ist, eine so weite Verbreitung erlangt hat, 
dass nur noch in LP Min. Chrys. Theodrt. das ursprüngliche 
apt-afierov erhalten ist. Dasselbe stammt, wie es scheint, aus 
einer gedankenlosen Reminiscenz an Luk. 23, 5 , wie sie gerade 
den ältesten Codices nicht fremd ist. 

Gar kein Grund ist, dem durch kB bezeugten cog xeXeicooco 
(WH.txt.) 20, 24 das cog xeXeicoöai (AHLP, vgl. C, D, E) vorzu- 
ziehen. Beides ist einzigartig im Neuen Testament, aber das 
letztere hatte doch an dem so häufigen cooxe c. inf. eine näher- 
liegende Analogie (vgl. auch Hbr. 7, 9) als das cog c. Conj. (vgl. 
Kühner § 553, 2). 

f. Wenn Lehm. 17, 14 nach AD 27. 137. sah. vjcefieivev xe 
o xe öiXag xai o xifioft. schrieb, obwohl dies eine gedankenlose 
Aenderung naGh dem ersten Subj. ist, dessen Verbindung mit 
einem zweiten tibersehen wurde, so haben mit ihm Treg. und 
sogar WH. a. R. 18, 3 nach ADEHLP, allen Min., vg. syr. e/ieivev 
xai rjQya^BTO statt -£ovxo («B cop. Orig. interp.) geschrieben, 



Digitized by 



Google 



2, f. Vertauschungen von Numeris und Personen. 27 

obwohl doch hier einfach die beiden mit einander verbundenen 
Verben im Num. conformirt sind. Vgl. noch «D 2, 3 anpd-ffiav 
— yXwooai — xai exafrioav statt -osv. Ebenso aber ist das 
tiariX&av (Tisch, nach AC) oder -ftov (AEHLP Min. sah. cop. 
arm.) 10, 24 offenbar dem awfjXd-av v. 23 conformirt, weshalb 
Lehm. Treg.txt WH. mit Recht uorjX&ev (BD 26. 47. 61. vg. 
aeth.) schreiben. Auch das tjxovobv («B 15. 37, vgl. C 61. vg.: 
rpcovev) 2, 6 ist lediglich mechanische Fortführung des Sing. 
owrjZfrev — Gwexv&y, weshalb auch das Imperf. in den Aor. ver- 
wandelt ist (vgl. % c). Ebenso gedankenlos ist das ajtav xo 
jtXTjfroQ — evezvxev fioi (BH 25. 40. 105) 25, 24 statt -rv^or, wie 
das folgende ßocovrsq zeigt. Dagegen sind das xaxr\yayov — 
xai EgajieöxeiXev (statt -Xav) 9, 30 und ovöe sig — eXeyov (statt 
-yev) 4, 32 in B reine Schreibfehler. Zu der Vertauschung von 
a und s vgl. oben 21, 1 und dazu 2, e, sowie das oxi eXrjXu&ag 
B 21, 22; zu der von e und o sjiexi&ooav B 8, 17, ovvtßaXXov 
£ 20, 14. Gedankenloses Uebersehen des ort recit. ist auch der 
Grund der Aenderung des Xeyovxsq oxi eiöTjXfreq — xai övv- 
e<payeq 11, 3 in eiörjX&ev — ovvetpaytv (BL 5. 13. 15. 18. 36.61. 
137. al.). 

g. Während AL Min. (Lehm.) 26, 32 in 6JC€XsxX?jto das Augm., 
wie gewöhnlich im Plusq., fortlassen (emxsxXrjxo), ist es in 
dem ysyovei (BD) 4, 22 von KAEP (eyeyovei) zugesetzt. Gar 
kein Grund ist nach dem ajiooaro 7, 27. 39, mit Tisch. 7, 45 
egscoöEv (fccE, 9 Min.) zu schreiben, oder mit Lehm. Tisch, nach 
KACEHP 7, 47 das Augm. in oixoöofi?]6sv (BD) herzustellen. 
Ueberall fehlt das Augm. bei tvQiöxo, 27, 28 ohne Varianten; 
12 mal ist es von E allein, 24, 18 von EP, 23, 29 von ELP her- 
gestellt. Nur im Imperf. hat B mit EP 7, 11 ov% f}VQiöxoi> 
(WH.), und da nur diese Form auch Mark. 14, 55. Luk. 19, 48. 
Hebr. 11, 5 stark bezeugt ist, so wird sie aufgenommen werden 
müssen. Da Rom. 9, 3 ^vxofirjv entscheidend bezeugt, und jcqoo- 
fjvxofiriv, jcQoörjv^afiijv Mtth. 26, 42. 44. Luk. 18, 11. Jak. 5, 17. 
18 und Act 9, 40 ohne Var., Mark. 14, 35. Luk. 22, 41. 44 mit ganz 
unerheblichen Varianten steht, so kann das svxovro BCH Act. 
27, 29 (Tisch. Treg.) und jtQooevfrzo B 8, 15, BD 20, 36 nur für 
Nachlässigkeit gehalten werden. Wie in den paulinischen Briefen 
und Joh. 1, 52, steht Act. 10, 11. 16, 27 ohne erhebliche Varianten 
avscoypevov, -vag, und muss daher sicher auch 9, 8 mit BHLP 



Digitized by 



Google 



2S I. Wortvertauschungen. 

artcoyfttvcov (Treg. WH.) statt rjpoiyft. (äA, Tisch.) geschrieben 
werden, wofür auch noch das rjvecoyn. CE (Lehm.) spricht. Da- 
gegen spricht durchaus nicht, dass in dem Compositum 7, 56 
6irjvoiyfitvovQ durch tfABC gesichert ist. Ebensowenig spricht 
die Bildung des Aor. 2 ?]voiy?j 12, 10 gegen die Bildung des 
Aor. 1 mit dreifachem Augm. (Lehm. Treg. WH. nach BCD 16,26: 
?jvt(ox^7joav).' Der Aor. 1 pass. hat in den Evangelien überall 
das doppelte oder dreifache Augm. W T ie 9, 8 in KA das tjvoiyfi. 
nach dem di?jVoiy(i. 7, 56 conformirt ist, so das rjvotx^oav 16, 26 
(KAE, Tisch.) nach 12, 10. Neben der überwiegend bezeugten Form 
i)Htllsv findet sich auch Luk. 9, 31 (vgl. auch Joh. 6, 71. 7, 39) 
das wahrscheinlich ursprüngliche sfteXXsv. Daher wird man, ob- 
wohl Act. 12, 6. 16, 27 das tjfieXXev ganz gesichert ist, doch 
21, 27 mit «ABCDH afisXXev schreiben müssen, da nur ELP das 
gewöhnliche TjfieXXtv substituiren. Dagegen ist kein Grund, 27, 33 
das ?](ieZjLsv (BCLP) zu verwerfen, da das efisklev (Tisch.) ausser 
Ä sich nur in AH findet, die beide auch 12, 6 neben D, wie H 
16, 27, das efteZXev dem rjfieJL/Lev substituiren. Da einer von zwei 
Doppelkonsonanten so leicht ausfallt (vgl. B 14, 27. 19, 12, BD 
10, 29 ; BL 19, 36, tf 9, 28, KD 18, 26, C 2, 29. 16, 18), ist gar kein 
Grund, mit Tisch. WH. nach «B 27, 19 sQitpar und nach KC 27, 43 
ajcoQiipavTCcg zu schreiben. 

h. Fünfzehnmal ist der Aor. 1 in der 3. Pers. plur. iinar 
völlig gesichert, nur einmal steht der Aor. 2 ohne Varianten 
(2, 37 unov) , da D nur in freier Wiedergabe der Stelle eutav 
hat. Das tutov re 21, 20 (ABHLP, vgl. CD Lehm.: uxovreq) 
wird einfach dem vorhergehenden eöo$a£or top &eov conformirt 
sein, während kein Grund vorliegt, das ujiav 23, 4 (tfB, tac. D) 
mit Lehm, in bijcov (ACEHLP) zu ändern, da ADHLP (Lehm.) 
auch 17, 32, AEP 4, 23, CDLP 16, 20 und öfter noch HLP eutav 
in eixov ändern. Zweifelhaft kann nur 4, 19 sein, wo B allein 
eucav (Treg. WH.) hat; aber hier liegt die Conformation nach 
dem häufigeren Ausdruck, der auch 4, 23. 24 gleich folgt, zu nahe. 
In der ersten Person ist das ei na nur 26, 1 5 durch ABCEH gegen 
«LP gesichert, während 11, 8. 22, 10 nur D euta hat und 22, 19 
eiJtov ohne Varianten steht. Vgl. noch K 22, 8 in einem Zusatz. 
Ganz gesichert ist das Part, s utaq viermal, uxcav neunmal, wo nur 
D zweimal eixag hat, während in den anderen Casus nur ver- 
einzelt D 7, 40 stjtavreq^ K 23, 7 in ohnehin falscher Lesart ewtav- 



Digitized by 



Google 



2, h. VertauschuDgen von Verbalformen. 29 

zog hat. Wie der Imperativ eutov 28, 26, so ist das ujtaxcoaav 
24, 20 gesichert. 

Von der alexandrinischen Bildung des Aor. auf a mit dem 
Charakter des Aor. 2 ist das TjX&cifiev 28, 14 («AB) um so mehr 
gesichert, als v. 13 TjX&ofiev ohne Varianten vorhergeht. Es ist 
wohl nur aus dem Bedtirfniss der Abwechslung gewählt, wie B 
21, 8 das TjjL&afiev zwischen e^eXdovtsg und eiöeX&ovrsg, denen 
dann das qX&ofieV) das sonst fünfmal ohne Varianten steht, in 
ttACE (Lehm. Tisch.) conformirt wurde. Da tjX&ov neunmal 
ohne Varianten steht, liegt es sehr nahe, das r}X&av 28, 15 (äB) 
für Conformation nach dem rjXfrctftev v. 14 zu halten, und mit 
Lehm, nach A rjX&ov (vgl. HLP: e^rjX&ov) zu lesen. Doch ist 
auch 12, 10 das tjX&av durch «AB bezeugt. Freilich kann hier 
lediglich die Schlusssilbe des voraufgehenden devreQav diese Form 
veranlasst haben, wie 28, 23, wo A allein tjX&av (WH.) hat, das 
voraufgehende rj(isQ<xv. Man wird aber doch in beiden Fällen 
sicherer thun, die Schreibart der beiden ältesten Codices aufzu- 
nehmen, da die beiden Motive fttr die Wahl der selteneren Form 
auch schon in der Urschrift wirksam gewesen sein können. In 
den Comp, von sQxoftcu kommen diese Formen seltener vor. 
Nur A liest 28, 16 eiGTjX&afiev (Treg. WH.) in Reminiscenz an 
das rjX&ctfiev v. 14, und das eiGrjXd-av «C 10, 24 (Tisch.) ist ohne- 
hin eine falsche Lesart (vgl. 2, f). Dreimal steht stor/X&ov ohne 
Varianten und 11, 12 siGi)X&o(iev. Ebenso das sg7]X&o[iev 16, 13, 
während bei dem e&X&av 16, 40 («D, vgl. Tisch. Treg. WH.) 
die Conformation nach dem jcaQexaXeoav für die mechanischen 
Abschreiber des älteren Textes näher liegt, als die des e§rjX&ov 
(Lehm, nach ABEHLP) nach dem entfernteren bigtjX^ov. Da 
xaTTjX&ov viermal ohne Varianten steht und xarijX&Ofdsv 21,3, 
so wird das xaTr/XfrafiEV 27, 5 (Tisch. Treg. WH. nach tfA) dem 
vorhergehenden öcajtXsvöavrsc conformirt sein (vgl. 21, 20). Da- 
gegen ist BjcrjX&av 14, 19 (äAB) vollkommen gesichert und, ob- 
wohl GVV7/X&OV 21, 16 ohne Var. steht (vgl. 10, 23 nur gegen D) 
und das GvvrjX&av 10, 45 der mechanischen Conformation nach 
e§€6T7}0av verdächtig ist, so muss es doch wohl nach SB (Tisch. 
Treg. WH.) aufgenommen werden. 

Das eiöav ist wohl 9, 35. 12, 16 durch ABC und AB ge- 
nügend bezeugt; aber es mit Treg. WH. auch 28, 4 bloss auf die 
Autorität von B, der doch auch ganz isolirte Formen, wie sXsyav 



Digitized by 



Google 



30 L Wort vertauschungen. 

statt eXeyov hat (21, 4. 28, 6), aufzunehmen, ist ebenso unzulässig, 
wie 6, 15 nach A allein sidav (Treg. WH.) zu schreiben. Das 
eiöafisv 4, 20 (KABD) ist offenbar wegen des Gleichklangs mit 
xcu rpcovoa^sv gewählt. Die Form svqccv 5, 10. 13, 6 ist nur 
durch E und AE, das bvq<x(ibv 5, 23 nur durch E bezeugt. Dass 
nach dem eßaZov 16, 23 in v. 37 eßaXav (BD) geschrieben sein 
sollte, ist ganz unwahrscheinlich, obwohl es alle neueren Edi- 
toren aufgenommen haben, dagegen wird das exeßaiov 21,27 
(Lehm, nach BCEHLP) mechanische Conformation nach dem 
ovvextov Jtavra top ox^ov (vgl. oben 21, 20) oder nach 4, 3. 5, 18 
sein. Ganz gesichert ist das tjtsoa 22, 7, wie die Formen aietZav, 
aveiXare, egeiXaro, obwohl der Inf. 7, 34 e&leö&cu lautet. Selbst 
das aus aller Analogie herausfallende Imperf. jtaguxav 28, 2 
wird nach 8 AB aufgenommen werden müssen. Vgl. noch xqoö- 
uxav K S, 10. 

Die Form nuv 23, 12. 21 (B, WH.) kehrt zu oft im N. T. 
wieder (vgl. Apok. 16, 6), um blosser Schreibfehler zu sein, da- 
gegen ist das gbgcotcli 4, 9 (Tisch, nach äA) schwerlich von dem 
epischen öaxn abzuleiten, von dem im N. T. keine Spur sich 
findet, sondern Schreibfehler, wie das osowfievoi Eph. 2, 8 (P). 

3. Vertauschung von Partikeln, 
a. Von Conjunktionen werden am häufigsten 6b und re ver- 
tauscht, seltener xai mit einem von beiden, nur in D gegen 
30 mal. Da das xb der Ausdrucksweise der Acta so eigenthüm- 
lich ist, so lag es nahe, es auch da einzubringen, wo es nicht 
steht. Besondere Vorhebe dafür zeigt A, der es sechsmal statt 
6b hat, obwohl auch Lehm, nur an einer Stelle (27, 18 ed. min.) 
es aufgenommen. Dagegen liest Tisch, allein nach X 18. 36. 40. 
vg. aovpLqxovoi xb ovtbq 28, 25, obwohl hier offenbar nach dem 
oi fiev — oi 6b das 6b unpassend schien, und die Uneinigkeit eben 
das Resultat jener Differenz. Dagegen hat er es 20, 37 selbst 
nicht aufgenommen, wo vollends das Weinen als die unmittelbare 
Folge der paulinischen Abschiedsrede bezeichnet werden sollte. 
Ebenso klar ist, dass 13, 11 durch das xaQaxQfjfia tb (äC 61. vg. 
cop. aeth., vgl. Tisch. WH. a. R.) der Erfolg des wunderwirkenden 
Wortes des Paulus enger mit diesem verbunden werden sollte. 
Ganz ähnlicher Art sind die offenbaren Emendationen AHLP 
10, 48 (Lehm.), CHLP 16, 26, ACEP 2, 43 (Lehm. Treg.txt.), wo 



Digitized by 



Google 



3, a. Vertauschungen von de, re und xai. 31 

HL fehlen und D die Conjunktion fortlässt. In der Stelle 16, 26 
kommt noch hinzu, dass bereits drei de vorhergehen und so ein 
Wechsel ebenso indicirt schien, wie die engere Verbindung, und 
dies wird besonders auch 16, 38 die Verwandlung des öe in re 
(äE aeth.: amf/yeiXav re) bewirkt haben, zumal gleich wieder öe 
folgt, das auch EHLP in xcu verwandeln. Besonders häufig 
kommen diese Vertauschungen vor, woä mit A geht. So schreiben 
beide mit E, der auch verhältnissmässig häufig re mit öe ver- 
tauscht, 21, 18: X7] re emovöt] (40. 69. 105. syr. aeth., vgl. Tisch.), 
offenbar wieder, weil schon vier öe vorangehen, wobei tibersehen 
war, wie unpassend sich nun das folgende re anschliesst. Auch 
12, 8 verbindet das eutev re (tf ALP 61 und viele Min. arm. aeth. 
Chrys., vgl. Tisch.) die beiden Anweisungen des Engels enger 
mit einander. Vielleicht erschien auch neben dem öe das folgende 
enoitjöev de ovrcog unpassend. Obwohl 5, 19 alle Editoren statt 
e^aycc/cov öe(B 73) mit «ADP (CHL fehlen, und E hat xai) ein 
re haben, so ist dasselbe doch offenbar lediglich die Folge der 
Verwandlung des tjvoi^ev in avoigag (vgl. 2, e), womit die engere 
Verbindung der beiden Partie, gegeben war. Ganz an die Stelle 
28, 25 erinnert 17, 19, wo ebenfalls nach nveg — oi de nicht mit 
einem zweiten öe fortgefahren wird, sondern mit ejcijiaßofievoi re 
(äAEHLP Min. vg. arm. aeth. Chrys., vgl. Lehm. Tisch. Treg. a. R). 
Dennoch spricht für öe nicht nur B 13. 15. 18. 61. sah. cop M son- 
dern auch D hat offenbar so gelesen, obwohl er ganz frei mit 
fiera öe 7]{i£Qag nvag fortfährt, C fehlt. Das tjv re vjioorQetpcov 
8,28 («ADEHLP Min. vg. arm. aeth., vgl. Lehm. Tisch.) soll 
offenbar die Rückkehr enger mit der Pilgerfahrt nach Jerusalem 
verknüpfen, da sie erst die Begegnung herbeiführte, während doch 
das eXr}Xv&ei jiqooxvvtjöcov einen ganz anderen Zweck hat. Für 
r\v öe spricht BC e sah. cop. Chrys. Aber auch gegen alle an- 
deren Zeugen hat WH.txt. mit Recht 16, 23 nach B 40. 61. e cop. 
xoXXaq öe ejci&evreg aufgenommen. Hier sollten offenbar die 
vielen Hiebe durch re eng mit dem QaßöiCeiv verbunden werden, 
obwohl doch der Aor. eßakov solcher Verbindung mit dem Imperf. 
sxeXevov durchaus widerstrebt. Selbst in B zeigt sich bereits 
diese Vorliebe für das re. Wenn in 5, 12, ähnlich wie ACEP 
2, 43, zwei Sätze durch re (statt durch öe) in B aeth. verknüpft 
werden, die offenbar gar nichts mit einander zu thun haben, am 
wenigsten so, dass v. 12 als Ergänzung, Erklärung oder noth- 



Digitized by 



Google 



32 I- Wortvertauschungen. 

wendige Folge des v. 11 gedacht werden könnte, so verknüpft 
das xe 23, 12 (B syr. aeth., vgl. WH. a. R) vollends gedankenlos 
den Tagesanbruch mit der v. 11 erwähnten Nacht, obwohl die 
hier und dort erzählten Ereignisse ebenfalls gar nicht zusammen 
gehören. Die Vertauschung des xe mit xa 8, 13 (B) ist natürlich 
reiner Schreibfehler. 

Wie A zur Vertauschung von öe mit t£, so neigt C umge- 
kehrt, wie D (15 mal), mehr zur Vertausch ung von xe mit öe 
(5 mal). Vgl. noch 2, 3, wo das immer wiederkehrende xcu ein- 
mal von A durch xe, von C durch öe ersetzt wird. So ist das 
oi öe ox^oi töovxeg 14, 11 (Treg.txt. nach CDEHLP) eine ganz 
gewöhnliche Emendation, welche die zu einem neuen Subjekt 
fortschreitende Erzählung mit öe weiterführt, und ebenso 13, 52 
das oi öe (tafrrjzai (fctCDELP 61 u. d. meisten Min. sah. cop. 
arm. Chrys., vgl. Tisch. Treg. und WH.a. R.) statt des oi xe (AB 13. 1 8. 
33. 34. 37. 100. vg. aeth.); aber auch das oi öe ßagßaQoi 28, 2 
(kHLP Min. vg. cop. arm. Chrys.), das keiner aufzunehmen ge- 
wagt hat. Und doch ist das ovvTjx^ffiav öe oi ajtoox. 15, 6 
(Lehm. Tisch, nach «ADEHLP Min. syr. sah. cop. arm. Chrys.) 
um nichts anders, vielmehr konnte hier noch das eben dagewesene 
xe nach jtaQayyeXXeiv v. 5 , das freilich mit der Satzverbindung 
gar nichts zu thun hat, die Wiederholung des xe (BC 13. 61. 133. 
vg. aeth.) auffallig erscheinen lassen. Ein wirklicher Gegensatz 
ist 27, 29 in dem <poßov[ievoi öe (»C 13. 61. vg. cop., vgl. Treg. 
a. R.) beabsichtigt, und ebenso 22, 23, wo das xQavya&vxcov öe 
(Tisch, nach äDEHLP Min. vg. cop. arm. Chrys.) nur einleitet, 
was der Chiliarch that, um den Apostel vor der Wuth des 
Pöbels zu retten. Eine ganz gewöhnliche Conformation nach 
dem oi öe jcqoq avxov ist das o öe eutev 19, 3 (Tisch. Treg. u. 
WH. a. R. nach «AE 13. 33. 34. 73. vg. cop.) statt eutev re (BHLP), 
wie noch D zeigt (eutev (Je), wo dieselbe nur zur Hälfte auf- 
genommen ist, während umgekehrt eine Conformation nach dem 
eutev xe jtgog avxovg wohl in HLP stattfindet, aber nicht in B; 
und selbst das durch «ACD 13. 61, Min. vg. sah. cop. bezeugte 
xeo öe eQxofieva* oaßßaxco 13, 44 (Tisch. Treg. WH.txt.) ist doch 
nur die gewöhnliche Fortführung der Erzählung, bei der die 
wohl motivirte Wahl des xe (BEP Min. syr. aeth. Chrys. Thph., 
vgl. L: xoxe, H fehlt) ganz verkannt wurde (s. d. Ausl.). Sehr 
charakteristisch ist das offenbar einen Gegensatz zur Beschuldigung 



Digitized by 



Google 



3, b. Vertau8chungen von Conjunktionen. 33 

durch die Ankläger bilden sollende und doch ganz unpassende 
roxov de ajtoloyiaq 25, 16 (BE, vgl Treg. u. WH. a. R.), sowie 
das xareßrj de ictxcoß 7, 15 (WH.txt nach BH Min. sah. cop. arm. 
Chrys.), das ganz mechanisch dem axoörukaq öe icoötjg) v. 14 
conformirt ist. Ebenso ist umgekehrt das xai idovreq 16, 19 
(B aeth., WH. a. R.) eine ganz mechanische Fortführung des xai 
sgfjl&ev v. 18, wie 7, 49 xai q yr\ (B sah. cop. aeth. WH.txt.) Con- 
formation nach den LXX, wo wenigstens der Vatic. ebenso liest. 
Uebrigens hat auch M allein (40. cop.) 9, 18 eine völlig unmoti- 
virte Verwandlung des re in de. 

b. Das, abgesehen von dem häufigen fiev ow, in der Er- 
zählung der Act. seltene ow wird in allen Gruppen von Cod. 
gern statt öe eingebracht. So HLP 28, 9, D 7, 12, E 2, 37, 
A 25, 9, AEHP 15, 2 (Lehm.), CEHLP 15, 39, CEHP 6, 3, sogar 
äA 19, 33, wo X nur die häufige Emendation mit dem Ursprüng- 
lichen verbunden hat. Dann ist es aber ganz unthunlich, das 
avax&evreq ow 16, 11 (BCHL Min. sah. arm. Iren, int.) anders 
zu beurtheilen und mit Lehm. Treg.txt. WH. aufzunehmen. Wie 
wiederholt in D und E, so kommt AD 17, 27 und CDELP 10, 14 
r\ statt xai vor. Während sonst im N. T. ganz überwiegend 
OJtov steht, haben Luk. und Act. überwiegend ov. Trozdem ist 
dasselbe nur Luk. 4, 16 D einmal in ojiov geändert, das sich 
doch auch 5 mal in Luk. und Act. 17, 1 ohne Varianten findet. 
Hienach darf keinesfalls 20, 6 mit Lehm. Treg.txt. WH. ov 
öiBTQitpafiev (BHLP Min. Chrys.) gelesen werden. Allerdings 
liegt hier sicher keine Reflexion auf den Sprachgebrauch des 
Luk. vor, sondern, wo nicht eine mechanische Conformation nach 
20, 8, wahrscheinlich ein alter Schreibfehler, in dem das 0/7 vor 
OY abfiel. Dass dergleichen Fehler des älteren Textes sich auch 
noch in den spezifisch emendirten Codices erhalten haben, ist 
keine Seltenheit. Da wöei 2, 3. 19, 7 ohne Varianten steht und 
2, 41. 10, 3 nur in Ä nachlässiger Weise dafür coq geschrieben 
ist (vgl. noch E 6, 15), so wird das coq 1, 15 (BDE Min. Chrys., 
vgl. Lehm. Treg. WH.) ebenfalls ein alter Schreibfehler sein, 
indem das Gl vor GK abfiel. Dass die jüngeren Cod. die vollere 
Form lieben, zeigt allerdings das 4,4 in EP zugesetzte coösi, 
sowie die Verwandlung des a>q in cocei «HP 5, 36, CEHLP 9, 18 
(vgl. sogar 7, 37 D). Wenn aber auch 19, 34 in B 13. 33. 34 
gegen alle Mjsc (C fehlt) ein a>öei vorkommt, so kann dasselbe 

Texte 11. Untersuchungen IX, 3. 4. 3 



Digitized by 



Google 



•34 1- Wort vertauschungen. 

nicht mit WH.txt. aufgenommen werden, sondern ist ebenfalls ein 
alter Schreibfehler, indem das folgende G/77 durch Doppellesung 
das Gl herbeiführte. Ein ganz gleicher Fehler ist in B 26, 10 
das sinnlose öio statt o, das nur durch Verdoppelung der graphisch 
ähnlichen Endbuchstaben von jiQagJl entstanden sein kann. 
Aehnlich ist auch 27, 37, wo das unmögliche wg (B sah., vgl. 
WH.txt.) statt öiaxoaicu vor 76, weil dies keine runde Zahl ist, 
nur dadurch entstanden sein kann, dass das Zahlzeichen für 200 
(C) missverstanden und mit Doppellesung des w von nXoico 
zu coq geworden ist. Auch das ort statt exi B 9, 1 ist ein sinn- 
loser Schreibfehler. 

c. Obwohl alle neueren Editoren nach äACD 2, 31 ovxe — 
ovxe lesen, so ist dies doch offenbar falsch. Allerdings ist das 
ov — ovöe in EP nach 2, 27 conformirt; aber da B nicht im 
ersten Gliede ov hat, so ist das bei ihm mit EP zusammen- 
treffende ovöe eben nicht Conformation nach 2, 27, sondern 
während der Verfasser 2, 27 im Citat den LXX folgt, schreibt 
er v. 31 das gut griechische ovre — ovöe (Kühner, § 536, 2, g), 
und B allein hat, wie so oft, das ganz Richtige erhalten, während 
xACD das gewöhnlichere ovre — ovxe schreiben. Da 7, 2. 25, 16 
das JtQiv r\ ganz gesichert ist (vgl. auch Luk. 2, 26 und B 22, 61), 
ist gar kein Grund, 2, 20 mit «ACDE (Lehm. Tisch. Treg. 
WH.txt.) das einfache xqiv zu lesen, das aus den LXX stammt, 
wenn nicht das 7/ einfach nach N abfiel. Das evavxi 7, 10 
(Tisch.) scheint nach Luk. 1 , 8. Act. 8, 2 1 eingebracht zu sein : 
denn, wie 8, 32 es im Citat nach den LXX evavxiov heisst, so ist 
ja auch diese Stelle wesentlich nach Gen. 39, 21 gebildet. Das 
fehlerhafte ovx vor oXiyoq findet sich A 27, 20, X 14, 28. 19, 24, 
«A 12, 18, «AD 19, 23, B 17, 4, wie umgekehrt «C 3, 6 ovx 
vjcccqxsi- Darum ist schon an sich nicht der geringste Grund, 
mit Lehm. Tisch. 2, 7 ovx töov (»DE) zu schreiben. Hier ent- 
stand dasselbe aber offenbar dadurch, dass das 1 von ov/i (B, 
vgl. Treg. WH.txt.) vor iöov abfiel, weshalb AC ovx corrigirten. 
Das ojicoq av xivag svqtj % 2 (äE 40. 68. Chrys.) hätte Tisch, so 
wenig aufnehmen sollen, wie jemand das oxi av ftr/ jieQixfitfö. 
15, 1 A für echt hält, zumal hier das G so leicht nach C abfiel. 
Derselbe Schreibfehler ist aber das oq av sjttxaXeötjxai ACDP 
2, 21 (Lehm. Tisch.) statt oq eav, und das rjxig av fifj axovöt] 
BDE 3, 23 (Lehm. Treg. WH.). Da nun DH auch 8, 19 a> av 



Digitized by 



Google 



3, c. Vertausch ungen von Adverbiis. 35 

exid-co statt des sicher bezeugten cd eav haben, so ist es sehr 
gewagt, mit Lehm. Treg. WH. 7, 7 co av öovkevo. (BD) zu 
schreiben, während fctACEHP co eav lesen, allerdings über- 
einstimmend mit den LXX. Aber auch 7, 3 ist umgekehrt das 
mit den LXX übereinstimmende 7jv av 001 öeigco gesichert, wo 
nur Ä, vielleicht schon im Vorblick auf 7, 7, eav liest. 

d. Die Vertauschung ähnlicher Präpositionen beruht vielfach 
auf gewöhnlicher Conformation. So ist das &qi§ ex xr\g xe<pa- 
Iqg (KHLP) 27, 34 statt axo nach Luk. 21, 18 conformirt, so 
aber auch das axQi rrjg rjuegag t]q 1, 22 (äA 15. 18. 27. 28. 61, 
vgl. Tisch.) statt ecog nach 1, 2, da ecog und axQC fast gleich 
häufig in den Act. vorkommen; und das xaQeöex&rjOav vxo ri]g 
exxZrjOiag 15, 4 (äADEHLP 31. 61 u. d. meisten Min. Chrys., 
vgl. Lehm. Tisch. Treg. a. R. ) statt axo nach v. 3. Das vq> vpicov 24, 2 1 
(xEHLP vg. cop.) ist aber ohne Frage Erleichterung des nicht 
verstandenen eg> vficov. In dem axeoraXftevoi axo 10, 17 (ACLP, 
vgl. Lehm. Treg. txt.) ist die Präposition lediglich der Praep. im 
Verb, conformirt, und wenn A 22, 11, D 5, 16. 17, 19. 12,5, 
ACD 10, 33 (Lehm.). CE 23, 10 axo statt vxo steht, so haben 
auch D 4, 36, DH 20, 9 vxo statt axo. — Als fehlerhaft be- 
trachte ich auch das öietpe^ero — xa& oXtjc rqg xcoQag tfA, 11 
Min. (Tisch.) 13, 49. Möglich wäre ja, dass das dt (BCDELP) 
der Praep. im Verb, conformirt wäre (vgl. oben 10, 17); aber 
gerade ein so charakteristischer Ausdruck wie jenes xa& oXtjg 
TTj g _ (9, 31. 42. 10, 37, vgl. auch Luk. 4, 14. 23, 5) reizte sicher 
eher zur Conformation. Unzweifelhaft gehört hierher auch das 
xaQa rovq xoöag BDP 4, 37, das nach 4, 35. 5, 2 conformirt ist, 
obwohl nur Tisch, das xQog nach »E 15. 18. 37 aufgenommen 
hat. Gerade so wird 5, 10 XQog tovg xoöag in xaga (EP) con- 
formirt, das noch 7, 58. 22, 3 (Luk. 7, 38. 8, 35. 10, 39. 17, 16) 
ohne Varianten vorkommt. Auch 2, 38 lese ich mit Tisch, allein 
ßaxrio&TjTco — exi reo opofiarc (8AEP Min. Bas. Chrys), da 
ein Grund zur Aenderung des ev (BCD) schlechterdings nicht 
abzusehen ist, das 10, 48 ohne Varianten steht, und dem das 
sonst im N.T. gangbare eig (vgl. auch 8, 16. 19, 5 ohne Varianten) 
entspricht. In anderer Verbindung kommen die Formeln ev 
und exi reo ovofdari fast ganz gleich oft vor, wohl aber 
lag gerade dem älteren, so oft gedankenlos conformirenden 
Texte die Verbindung mit er, das, wenn auch in ganz an- 



3 



* 



Digitized by 



Google 



36 I Worfcvertauschungen. 

derem Sinne, so oft mit ßantiCuv verbunden wird (1, 5. 11, 16), 
am nächsten. 

Keine Frage kann sein, dass der dem Stil der Act. so eigen- 
tümliche prägnante Gebrauch des Big in Stellen wie 2, 5 (rjcav 
de Big ieq. xaxoixovvxEg: äA, Tisch. WH. a R.), 9, 21 (jtOQd-rjoag 
Big ieq.: KA 9 Tisch.), 14,25 (XaXijoavxBg Big x. jiEQyrjv: KA, 
Tisch. WH. a. R.) ursprünglich ist, da die Verwandlung des ev in 
Big hier ganz unbegreiflich wäre. Allerdings fallt auf, dass in 
allen drei Stellen BC mit den jüngeren Cod. gehen. Allein es 
handelt sich hier nicht um eigentliche Emendationen, da offenbar 
den Abschreibern diese Construktion geläufiger war als uns. 
Vgl. D 17, 13: o Xoyog x. &eov xaxTjyye/Li) Big ßEQOiav, DHLP 
18, 21: noirfiai Big ieqoö., 21, 11: 6r\oovciv Big ieq., H 7, 4: xaxco- 
xtfiBv Big x a Qi denn w enn auch in den beiden letzten Stellen 
der Ausdruck im Folgenden (21, 13. 7, 4 b) maassgebend war, so 
wäre er doch schwerlich antizipirt, wenn er den Abschreibern 
irgendwie auffallig gewesen wäre. Vielmehr erhellt bei einer 
der härtesten derartigen Wendungen 21, 13, wo das ajio&avBiv 
Big ohne Varianten steht, wie nahe es lag, ohne weitere Reflexion 
hier das zunächst erwartete ev zu schreiben, da Ä dies wirklich 
that, obwohl er sofort nach seiner Vorlage sich selbst verbesserte. 
Wo wirklich das Big sinnlos ist, wie A 11, 26, da ist es durch 
mechanische Conformation nach v. 25 eingebracht. Ganz anderer 
Art ist das Big ieq. 4, 5, das Tisch, nach KP und mehreren Min. 
aufgenommen hat, obwohl dasselbe schlechterdings keinen Sinn 
giebt, da ein Hereinkommen der Synedristen von ihren Land- 
gütern eine für den Zusammenhang ganz bedeutungslose Be- 
merkung ergäbe. Die Abschreiber tibersahen eben, dass das ev 
zu rovg YQafdfiaxEig gehört, und meinten, es bei der Verbindung 
mit ovraxftrjvai in Big verwandeln zu müssen. Das jioqeveo&e 
Big BiQrjvrjv K 16, 36 ist nach Luk. 7, 50. 8, 48 conformirt. 

Tisch, allein hat auch 24, 15 mit tfC 68. 69 BXjtida ex<ov 
3€Qog xov &eov geschrieben statt Big. Allein auch 3, 4 hat X 
arBViaag XQog avtov statt Big, 27, 39 A xqog ov BßovX. — E§cooai 
statt Eig und 23, 15 CHLP xaxayaytj avrov JiQog vfiag statt etg 
(vgl. noch 26,6, wo aber Conformation nach 13,32 vorliegt). 
Nur 3, 19 haben ACDEP das gewöhnliche Big mit dem artiku- 
lirten Infinit. (Big xo EgaXeup&rjvai, vgl. Lehm. Treg.) statt jtQog 
(»B). Offenbar ist die Verbindung des XEysiv mit xbqi eccvxov 



Digitized by 



Google 



3, d. e. Vertauschungen von Praepositionen. 37 

26, 1 («ACEH, 13 Min. arm., vgl. Lehm. Tisch. Treg.) das Ge- 
läufigere statt des vxsq (BLP). Ganz anders ist 12,5, wo bei 
jiQOOEvxq yivofievr} das vjisq avrov (EHLP) vielmehr das Näher- 
liegende war. 

e. Sehr auffallend ist das auf den ersten Blick ganz sinn- 
lose vxeOTQ&pav eig uq. 12, 25 («BHLP, vgl. WH.txt), das doch 
in Min. Vers. Eingang gefunden hat (vgl. auch Thph.). Aber 
dasselbe entstand wohl, weil man voraussetzte, dass die v. 24 ge- 
schilderte Verbreitung des Wortes (durch die Missionare) sich 
in Judaea vollzog. Dennoch ist die Lesart ganz gedankenlos, 
weil dazu das folgende ovvnaQaXaßovreg schlechterdings nicht 
passt. Zog man aber das eig zu jiJiijQartavreg, so begreift sich 
weder die nachdrucksvolle Voranstellung desselben, noch stimmt 
dies mit 11, 29, wonach ihre Dienstleistung sich durchaus nicht 
bloss auf Jerusalem, sondern auf Judaea bezog. Dass hier A 
allein unter den Mjsc. das Richtige erhalten hat, ist die Folge 
davon, dass DE das £§ in ajro geändert haben. Ohne Frage ist 
mit WH. Treg. a. R. 23, 30 e^ovr^g zu lesen (BHLP, viele Min., 
sah. cop. Thph.), da auf eine Conformation mit 10, 33 erst L 
durch Einschaltung des ow nach demselben reflektirt hat. Das 
Motiv der Verwandlung in e£ avrwv (tfAE, vgl. Tisch.) liegt 
noch klar genug darin vor, dass HLP ebenfalls das Bedürfniss 
fühlten, die Urheber der Nachstellung genannt zu finden, und 
daher das vjto ro?v lovdaiwv einschalteten, so dass nur B ganz 
das Richtige erhalten hat Dasselbe gilt von dem Schluss des 
Verses, wo das Xeyeiv avrovg (Lehm. Tisch, nach «A 13. 40. vg.) 
jedenfalls eine ganz verfehlte Emendation ist, da ja dann jedes 
Objekt zu Xeyeiv fehlt Man verstand eben nicht, dass das Xeyeiv 
jtQog avrov (B e arm., vgl. Treg. WH.) im Sinne von Xoyov 
exeiv xQog avrov 19, 38 genommen war, weshalb auch EHP ein 
xa vor JtQog avrov setzten, während L noch in dem ra XQog 
avrovg eine gedankenlose Combination beider Lesarten zeigt. 
Das xsQi ereQcov 1% 39 (Tisch, nach «ADHLP) ist ohne Frage 
Emendation des unverstandenen jtSQaireQto (B, 15. Min. d), wovon 
das jtBQ ereQOv (E) noch eine deutliche Spur zeigt, wie das sv 
X^Qi 7, 35 (äHP Min. cop. arm. aeth.), das keiner aufgenommen 
hat, Ersatz des unverstandenen ow. Das a<p eavroov 21, 23 
(kB, WELtxt) statt eg> ist natürlich reiner Schreibfehler, wie das 
xqo rtjg ocorrjQiag B 27, 34 statt JtQog (vgL umgekehrt C 14, 13) 



Digitized by 



Google 



38 I. Wortvertauschungen. 

und das 6ia tovto B 13, 38, wo das v am Schlüsse vor vfiiv aus- 
gefallen. Das fitra zavra B 2, 17 (sah. Cyr.) ist aus den LXX 
und in C neben dem e v x. fö#. TjfieQccig aufgenommen. 

Das aiQt ov 7, 18 (BCD) haben die Emendatoren (xAEHP) 
in axQig ov geändert, wie H 20,6, HLP 28, 15 (Lehm.), EHLP 
11, 5 (Lehm.), CDHLP 20, 11 (Lehm.). Da das eivsxev Luk. 4, 18 
(freilich nach den LXX) und 18, 29 gesichert ist, so wird auch 
das eivsxev yao rtjQ ein. 28, 20 (äA, vgl. Tisch. WH.) aufzu- 
nehmen und das 1 vor iV aus Versehen abgefallen sein (BHLP). 
Das etp eXmdi 2, 26 (Tisch, nach tfCD) wird so wenig aufzu- 
nehmen sein, wie das etpide 4, 29 (Lehm, nach ADE), GtpvQiöi 
9, 25 (WH. nach äC), eyiorao&e (D 10, 28). 



Digitized by 



Google 



IL Zusätze und Auslassungen. 

1. Zusetzung und Auslassung von und bei 
Substantivis. 

a. Die Ergänzung des Subjekts 19, 3 (Tisch. Treg. und WH. 
a. R. o ös eijtev) hängt mit einer Conformation zusammen, die 
schon I, 3, a besprochen. Das egioxavxo de Jtavxsq 2, 7 (Tisch. 
Treg. i. Kl. nach 8 ACE Min. Vers.) ist offenbar nach v. 12 con- 
forrairt. Die zwiefache Wiederholung o &soq in o fteoq aßQaccfi 
xai o &sog töaax xai o &eog iaxa>ß 3, IS (»C 15. 18. 130. Tisch., 
vgl. AD, wo der Art fortgelassen, Lehm.) ist Conformation nach 
Exod. 3, 6. 15f. oder Matth. 22, 32 und keinesfalls aufzunehmen. Vgl. 
DEHP 7, 32. Das o va£a>Qaiog nach itjOovc 9, 5 (Lehm. i. Kl. nach 
ACE) ist offenbar aus 22, 8. Zugesetzt wird gern nach xov 
xvqiov irjoov ein xqiötov. So 15, 11. 21, 13 in CD, 16, 31 in 
CDEHLP, 4, 33 in DE (Lehm. i. Kl., vgl. «A: itjöov xqkkov xov 
xvqiov, Tisch.) und 20, 21 in «ACE (Tisch. Lehm. Treg. i. Kl : eig 
xov xvqiov tjfjcov itjoovv xqioxop). Au^h der freien Umgestaltung 
in D (öia xov xvqiov tjji. itjö. xq.) lag bereits diese Emendation 
zu Grunde. Zu jtvevfia ist 6, 3 (ACEHP) und 8, 18 (ACDEHLP, 
vgl. Lehm. Treg. i. Kl.) ayiov, zu xov Xoyov 14, 25 erläuternd in 
äAC xov xvqiov, in E x. &eov hinzugefügt. Das völlig sinnlose 
o xov jcaxQOQ rtficov öia jtv evfiaxoq ayiov öxofiaxog öaviö 
4, 25 (»ABE 13. 15. 27. 29. 36. 38) , das alle neueren Editoren 
aufgenommen haben, und das D durch Einschaltung eines zweiten 
öia vor Oxofiaxoq zur Noth erträglich gemacht hat, ist entweder 
eine alte Glosse, die ursprünglich das oxofiaxog öav. ersetzen 
sollte und dann neben ihm in den Text kam, oder der Ab- 
schreiber schrieb ohne weiteres das nach 1, 2. 16 von ihm er- 
wartete öia jcvevfi. ay. und fuhr dann gedankenlos in dem ihm 
vorliegenden Texte fort. Das Einschiebsel, dessen weite Ver- 



Digitized by 



Google 



40 IL Zusätze und Auslassungen. 

breitung nur von der Gedankenlosigkeit der Abschreiber zeugt, 
ist im emendirten Texte bereits entfernt, wenn nicht seine Grund- 
lage bereits von diesem Fehler frei war. Das Richtige ist, da 
CHL fehlen, nur noch in P erhalten. Dass in diesem das nicht 
verstandene xov jiaxQog rjfiwv, das auch in D fehlt, entfernt ist, 
beweist durchaus nicht, dass er auch das jivev(i. ayiov fortliess. 
Die Auslassungen dieser Art sind überwiegend reine Nach- 
lässigkeiten, wo nicht offenbare Schreibfehler. Mehrfach wird in 
allen Gruppen ein jtag ausgelassen. Vgl. HLP 13, 24, D 5, 37. 
13, 10. 21, 18, E 17, 11, A 28, 2 (vgl. 1, 18. 26, 3), ADE 21, 21 
(xovg xaxa xa &vt] - iovö., vgl. Lehm. Treg. i. KL), xE 2, 1 
(rjoav — ofiov), B 28, 14 jticxevcw — xoig. Ob 24, 24 ACHP 
das ifjoovv nach XQ löX0V wegliessen (vgL Treg.txt.), weil sie an 
dem einzigartigen paulinischen Ausdruck Anstoss nahmen, lässt 
sich nicht ausmachen. Für die meisten dieser Nachlässigkeiten 
lässt sich keinerlei Grund absehen, selbst wo sie geradezu un- 
entbehrliche Worte betreffen, wie das xlavdiov B 18, 2; tcö xv- 
qmd B 11, 24, und doch eigentlich auch das avÖQa B 13, 22 
(WH. i. Kl.), wofür, wenn auf 1 Sam. 13, 14 reflektirt wäre, wohl 
av&Q<x>nov stehen würde. Vgl. Ä 2, 5. 7, 60. 14, 1. 15, 10. 26, 13. 
28, 5, A 4, 4. 6, 3. 7, 31. 22, 12. 20 (vgl. AHLP 13, 24), AH 
18, 5. Um so weniger hätte Tisch. 28, 31 nach a 33. 99. 101. 
104 das XQ l0xov nach xa JttQi rov xvqlov trjoov streichen sollen, 
da dieser vollere Ausdruck 11, 17. 15, 26 seine Analogie hat 
und hier sogar der Wegfall per hom. sehr nahe lag. Allerdings 
sahen wir oben, dass ein solches %QtGx. auch gern zugesetzt 
wird; aber um dies hier anzunehmen, dazu reicht doch die 
Autorität eines so nachlässig geschriebenen Cod. nicht aus. 
Schwerlich ist auch der Wegfall des x&v ygafifiaxeov rov (ie- 
Qovq vor xov tpaQto. 23, 9 (AE, Lehm.), oder des ovösv vor ov 
26, 26 (AE, Lehm. Treg. i. Kl.) etwas Anderes als reiner Schreib- 
fehler, und gewiss gilt dies von dem Wegfall des rixiov zwischen 
ovofiarc und tovoxov 18, 7 (ADHLP, vgl. Lehm. Treg. i. KL), 
wenn auch in A später selbst das ovo/iaxt noch weggefallen 
ist, des eig vor exaoxog 2, 6 (tfE), wenn hier nicht der Vorblick 
auf 2, 8 maassgebend war, und des ctQyvQovq 19, 24 (B, WH. i. 
Kl.) zwischen vaovg und agxsfi. Dagegen beruht das sv x?] ai- 
yvnxco BC 7, 36 (Lehm. Treg.txt. WH.) weder auf Auslassung des 
ytj nach xr\, noch auf Zusetzung des Art., der, ausser 7, 11, wo 



Digitized by 



Google 



1, a. Auslassung von Substantivis. 41 

er nicht fehlen konnte, vor cuyvjtx. nie steht, sondern auf ein- 
facher Verwechslung des T und F. Für blossen Schreibfehler 
muss ich troz allen Editoren auch den Wegfall des ajtuXt) vor 
aji6iXfjOa>/iB^a in «ABD 4, 17 halten, da eine Einbringung in 
EP sich aus der Analogie von 5, 28 schlechterdings nicht er- 
klärt, und ebenso den Wegfall des idia in äBD 1, 19 (WH., vgl. 
Trg. i. Kl.) zwischen TU und AIAXexxm^ da auch hier weder 
die Analogie von 2, 6. 8, noch die Verwandlung des eßgatöi in 
idia A 21, 40 ausreicht, das idia zu verdächtigen, dessen Buch- 
stabengleichheit mit seiner Umgebung den Ausfall so nahe legte. 
Allein auch das in äAB vor xmv de oxQaxiwxcov fehlende xcov 
xvfiaxcov 27, 41, das nur Treg.txt. in Klammern hat nach CHLP, 
allen Min. Vers. Chrys., halte ich für ganz unentbehrlich; denn weder 
kann durch die Gewalt des Stosses, worauf das blosse ßiag allein 
gehen könnte, das Hintertheil allein aus den Fugen gegangen 
sein, noch kann das Imperf. eXvexo auf den unmittelbaren Erfolg 
desselben hinweisen. Selbst die allseitige Streichung des ixavov 
nach Xaov 5, 37 (HP) könnte zweifelhaft werden, wenn nicht 
der Wechsel der Stellung in E und die Ergänzung von jioXvv in 
CD, das unter 18 Malen, wo ixav. vorkommt, nur D 14, 21 dafür 
gesetzt wird, dafür spräche, dass hier das allerdings auffallende 
artikellose Xaov nach Analogie von 1 9, 26 näher bestimmt ist. 

b. Während die jüngeren Cod. einzeln und gemeinsam dazu 
neigen, vor Personennamen im Nom. den Art. hinzuzufügen, 
findet sich dieser Fall in C nur 9, 39 (avaöxag de o jtexQog), wo 
die Rückweisung auf v. 38 sehr nahe lag, und in A sowohl wie 
in C, wo sie mit DEHLP (vgl. 10, 46. 17, 22. 19, 30) zusammen- 
gehen d. h. von dem emendirten Text beeinflusst sind. Vgl 
ADEHLP 16, 28 (Lehm.), CDEHLP 16, 18 (Lehm.). Besonders 
gern wird er nach der Präposition hinzugefügt. Vgl. HLP 27, 11 : 
xoig vjto xov jtavX. Xsyofi^ CDELP 13, 45: xoig vjio xov xavX. 
XaXovfi., und so gewiss auch xACEHLP 16, 14: xoig XaXovp. vjto 
xov JtavX. (Lehm.), wo selbst Tisch, nach BD den Art. streicht, 
der in den Stellen, wo er nach vjio echt ist (17, 13. 24, 26), nur 
einmal von D weggelassen (8, 6). Einen besonderen Anlass zur 
Hinzufügung des Art. vor dem Genitiv gab der Artikel vor dem 
Worte, von dem er abhängt. Vgl. DHP 7, 13: xo yevog xov 
tco67j<p und 26, 9, wo troz dem folgenden xov va^coQaiov K XQog 
xo ovofia xov i7]öov schreibt. Daher hat auch das sv xeo ovo- 



Digitized by 



Google 



42 U- Zusätze und Auslassungen. 

Hart xov irfiov 9, 27 (»EHLP Min. Chrys.) keiner aufgenommen; 
dann aber wird auch 4, 18 in sjii xm opopaxi xov irfiov (äADEP) 
das xov zu streichen sein, obwohl, da CHL fehlen, nur noch B 
das Richtige hat. WH. hat den Art. eingeklammert, ebenso wie 
1, 14 in xr\ (Jtjxqi xov iffiov (kACDE) nach B, wo HLP fehlen. 
Auch wird bei zwei mit einander unter einem Artikel verbun- 
denen Namen der Art. beim zweiten hinzugefügt. Vgl. P 13,50: 
ejti xov jcavX. x. top ßapv., A 4, 19: o 6b jtsxQog xai o Moavptjg, 
«HLP 13, 2: top ßagp. xai top oavl, «AEHLP 16, 29: xqogb- 
jisoev reo navX. x. xeo oi/La, das Tisch, allein gegen BCD aufge- 
nommen hat, obwohl hier die Conformation nach v. 19 nahe lag 
und thatsächlich Silas nur wegen seiner Verbindung mit Paulus 
in Betracht kommt. 

Allerdings wird gerade in diesem Falle auch sehr häufig der 
Art. fortgelassen. Vgl. D 13, 46, DE 15, % DL 13, 43, CD 16, 19, 
CDEP 3, 11, ADHLP 17, 15 (Lehm.). Darum dürfte es auch zu 
gewagt sein , 17, 4 in jtQooexl7]Q<x){rfjöap reo jtavL x. reo OiXa 
(KADEHLP) mit B das zweite xoo (WH. i. Kl.) zu streichen, 
obwohl es dem Sinne durchaus entsprechen würde, beide Namen 
unter einem Art. zusammenzufassen. Aber während selbst in » 
(7, 13) und A (25, 10) die Weglassung des Art. nur vereinzelt 
vorkommt und vielleicht nur in Folge von Schreibfehlern (xa> 
nach a>, o nach e), ist dieselbe in B ausserordentlich häufig. 
Vgl. 12, 21 (69. 103. 105). 16, 17 (OrA 21, 13, wo überall WH. 
den Art. i. Kl. hat. Schreibfehler in B sind wohl 23, 1 axevi- 
oag ös jtavXog (WH.txt.), 17, 34 öiowöiog aQeojtay. (Lehm., Treg. 
u. WH. i. Kl.) und in BD 1, 1 i?Q§axo iqoovq, obwohl Tisch, allein 
nach KAE o irjOovg liest. Dagegen hat 17, 3 B sicher allein 
das richtige ovrog söxip o iQicxog, o irjöovg op eyco xaxayy. 
(WH.txt.) erhalten, wie noch der vor ^(Möroc erhaltene Art. in 
HLP Min. Thph. und der in E 32. 177. 180 erhaltene vor itjö. 
zeigt. Offenbares Missverständniss ist das XQiörog irfi. in AD 
(Lehm. Tisch. Tre